Augenblicke der Besinnung

Der Geist ist die Kraft in uns,
die uns hilft,
Jesus zu erkennen,
zu lieben,
ihn in unser Herz zu lassen
und immer neu aus ihm
die Vergebung der Sünden
zu empfangen.

Bischof Stefan Oster













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Aktualisiert: vor 1 Stunde 39 Minuten

Pfingstpredigt von Bischof Dr. Georg Bätzing

31. Mai 2020 - 10:05

Die Kirche müsse sich weiter öffnen, sich aus geschlossenen Räumen und Systemen zurückziehen, und sich den Menschen zuwenden. Pfingsten sei das Fest, das dazu ermutige und den Weg weise. „Draußen vor den Kirchtürmen, mitten in der Stadt und in der Welt, ist der eigentlich spannende Ort, um von Gott zu reden und zu Erfahrungen mit Gott einzuladen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing am Pfingstsonntag (31. Mai 2020) in Limburg. Im Hohen Dom feierte er mit 70 Gläubigen Gottesdienst.

An Pfingsten werde die Richtung der pfingstlichen Bewegung offenbar. Die Türen zeigten den Weg von drinnen nach draußen. Die Apostel verließen ihr Obergemach und stellten sich der Öffentlichkeit. Diese Botschaft gelte auch in Corona-Zeiten. Viele Wochen lang sei das Leben in Deutschland heruntergefahren gewesen. Nun wache die Gesellschaft allmählich wieder auf und es gelte eine Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden, solange die Gefahr der Pandemie nicht gebannt ist. Nun sei auch die Zeit, in der sich viele wieder vorwagten – die fröhlich Unbesorgten genauso wie die tief Besorgten und leider auch die extrem Ausgerichteten. „Seltsame Koalitionen von völlig berechtigten Anliegen mit solchen von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern, von rechten und linken Demonstranten wollen diesen öffentlichen Raum als erste besetzen. Mit teils kruden Thesen und Forderungen, die leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden haben, bleiben sie, wenn auch lautstark und hässlich aggressiv bisher eine Randerscheinung“, so Bischof Bätzing. Die Mehrheit der Bürger sei mit der zeitweisen Einschränkung der bürgerlichen Freiheit einverstanden gewesen und die Wirkung der Maßnahmen zeige Erfolg bei der Eingrenzung und Versorgung von Erkrankten.

Der Bischof habe sich in den vergangenen Wochen oft die Frage gestellt, ob Kirche und Religion systemrelevant seien. Bei allen Lockerungen, bei aller wunderbarer Kreativität und einer erstaunlichen Breite medialer Angebote, seien die Grundvollzüge der Seelsorge weiterhin erheblich eingeschränkt. Es habe ihn gefreut, dass der Bundespräsident die Haltung der Kirchen mit ihren Angeboten öffentlich gelobt habe. Dennoch sei er sehr beunruhigt, wenn ihm Krankenhausseelsorger erzählten, von denen man annehme, sie seien in Corona-Zeiten besonders gefordert, sie würden von der säkularen Welt nicht mehr als relevant wahrgenommen werden, obwohl sie präsent sein wollten. Diese Erfahrung, nicht relevant zu sein, sei nicht neu, sondern schon seit Jahrzehnten präsent, und könne sich nun durchaus beschleunigen. „Die Gottesfrage könnte in der Öffentlichkeit noch mehr verstummen und ins Private abgedrängt werden, die Gottesdienste könnten noch leerer werden, die Plausibilität des christlichen Welt- und Menschenbildes noch heftiger einbrechen. Ja, diese Krisenzeit verschärft die Zeitansage an die Kirche. Wir müssen uns ihr stellen, sie durchdringen und miteinander darauf antworten“, so Bätzing.

Gerade mit Blick auf diese Erfahrung kämen die Pfingstbotschaft und das Zeugnis von Papst Franziskus wieder neu ins Spiel. Der Heilige Vater sei derjenige, der beständig Tore öffne, sich an Ränder und Grenzen begebe, auf die Menschen zugehe und einen Aufbruch in der Kirche fordere. Die Frage sei nun, so der Bischof, auf welche Weise es gelingen könne, diesem Ruf und Beispiel des Papstes, der immer auf Christus verweise, zu folgen. Vielleicht helfe dabei ein Blick auf die Apostel. „Wir sind geneigt, das Pfingstbild der Apostelgeschichte in dem Gegensatz von Angst und neuem Mut zu lesen. Aber die Apostelgeschichte weiß gar nichts von verschlossenen Türen, hinter denen sich die Jünger ängstlich verbarrikadiert hätten“, erklärt der Bischof. Dieses Bild der verschlossenen Türen und ängstlichen Jüngern stamme aus den Ostererzählungen nach dem Evangelisten Johannes. Die Apostelgeschichte erzähle vielmehr, wie die Jüngerinnen und Jünger der Weisung Jesus gefolgt und deshalb betend und einmütig zusammengeblieben seien. Erst dann habe sie der Geist des Herrn ergriffen und sie mit seinen sieben Gaben – der Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit – beschenkt. Mit diesen Gaben ausgestattet, hätten sich die Jüngerinnen und Jünger am Pfingsttag der Öffentlichkeit gestellt.

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes seien nicht nur Geschenke an die Jüngerinnen und Jünger, sondern Optionen, zu denen der Geist Jesu Christi alle Menschen befähige. „Offene Aggression und Zwietracht, drängelnde Ungeduld, selbstherrliche Ab- und Ausgrenzung, Bosheit und Verantwortungslosigkeit vertragen sich nicht damit. Wer als Christ hart, unduldsam und lieblos auftritt und damit meint, die Wahrheit des Glaubens verteidigen zu können, der ist auf dem Holzweg, auch wenn er äußerlich noch so fromm daherkommt“, sagte der Bischof. Der Geist Christi führe zu Entscheidungen, wähle dabei jedoch stets Wege, die Menschen aufrichteten und zueinander führten. Er tröste, reinige, wärme, löse, heile und gönne Ruhe und Erfrischung. An Pfingsten sei das erste Kapitel in der langen Geschichte der Kirche aufgeschlagen worden. „Unsere Zeit und ihre Zeitansage legen nahe, dass wir ein neues Kapitel des Christseins mitschreiben. Jesus traut es uns zu. Türen auf und hinaus“, so Bischof Georg Bätzing.


Hinweis:

Die Predigt von Bischof Dr. Georg Bätzing ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Verband der Diözesen Deutschlands und VG Musikedition verlängern Vertrag

25. Mai 2020 - 11:52

Die VG Musikedition und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) haben ihren Gesamtvertrag zum Vervielfältigen von Noten und Liedtexten um weitere zehn Jahre bis zum Ende des Jahres 2029 verlängert. Der neue Gesamtvertrag ermöglicht den katholischen Kirchengemeinden in Deutschland die Herstellung und Nutzung von Kopien von Noten und Liedtexten für den Gemeindegesang im Gottesdienst und in gottesdienstähnlichen Veranstaltungen. Ebenfalls vertraglich umfasst ist die Herstellung von kleineren Liedheften (maximal acht Seiten) für einmalige Anlässe wie beispielsweise Trauungen oder Kommuniongottesdienste.

Nicht Bestandteil des Vertrages ist die Herstellung und Nutzung von Kopien für andere gemeindliche Veranstaltungen sowie die Sichtbarmachung von Noten und Liedtexten mittels Beamer oder Ähnlichem. Katholische Gemeinden haben die Möglichkeit, durch Abschluss einer zusätzlichen pauschalen Lizenzvereinbarung mit der VG Musikedition diese Rechte zu erwerben (weitere Informationen dazu sind unter: https://www.vg-musikedition.de/vervielfaeltigungen/kirchen/einzelvertrag/ verfügbar).

Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition, erklärt zum Vertragsabschluss: „Wir freuen uns sehr, dass wir die bestehende Vereinbarung mit dem VDD erneut verlängern konnten. Durch die langfristige Vertragsverlängerung besteht für die Kirchengemeinden und Verantwortlichen vor Ort weiterhin Rechtssicherheit ohne zusätzlichen administrativen und wirtschaftlichen Aufwand; gleichzeitig erhalten Komponisten, Textdichter und Verlage eine angemessene Vergütung für die Nutzung ihrer Werke.“

Der Geschäftsführer des VDD, Pater Dr. Hans Langendörfer SJ, betont, dass es mit der pauschalvertraglichen Einigung mit der VG Musikedition gelungen sei, aufgrund der Befreiung von Melde- und Vergütungspflichten für eine erhebliche Entlastung in den Pfarreien und Gemeinden zu sorgen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass mit dem neuen Pauschalvertrag eine gute Vereinbarung sowohl für die Urheber der Musikwerke als auch für unsere Einrichtungen gefunden wurde.“

Die VG Musikedition und der VDD weisen ergänzend darauf hin, dass der Vertrag die Herstellung von Kopien für Chöre, Orchester oder sonstige Instrumentalisten nicht umfasst. Diese Rechte müssen auch weiterhin direkt bei den Rechteinhabern eingeholt werden. Ebenfalls nicht vom Vertrag umfasst, aber über die VG Musikedition lizenzierbar, sind die Herstellung von Liedheften größeren Umfangs sowie Großveranstaltungen mit mehr als 10.000 Vervielfältigungsstücken.

Bischof Gerhard Feige würdigt die vor 25 Jahren erschienene Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint“

22. Mai 2020 - 11:44

Am 25. Mai 1995, vor 20 Jahren, veröffentlichte Papst Johannes Paul II. die Enzyklika Ut unum sint, die sich mit Fragen der Ökumene befasst. Aus Anlass des Jahrestages erklärt Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz:

„Vor 25 Jahren hat Papst Johannes Paul II. seine programmatische Enzyklika über den Einsatz für die Ökumene vorgelegt. Mit den titelgebenden ersten Worten Ut unum sint verankert er gleich zu Beginn den Aufruf zum Engagement für die Einheit der Christen im Wort Jesu, das im Johannesevangelium überliefert ist (Joh 17,21). In seiner Enzyklika macht sich der Papst das ökumenische Anliegen als ein Grundthema des Zweiten Vatikanischen Konzils zu eigen und führt es weiter. Was Johannes Paul II. darin der katholischen Kirche mit auf den Weg gegeben hat, ist nach wie vor aktuell. Es zeugt von einer großen ökumenischen Weite im Denken und von einer großen geschwisterlichen Offenheit im Herzen des Heiligen. Bis heute kann es uns Ermutigung und Ansporn sein.

In Aufnahme des Zweiten Vatikanischen Konzils hebt der Papst hervor, dass die Einheit der Christen in der Taufe gründet. Christinnen und Christen sind einander Schwestern und Brüder, weil sie durch die Taufe mit Christus vereint und so einander verbunden sind. Diese Aussage ist ekklesiologisch von hoher Bedeutung, weil die Taufe für die ‚Aufbauarbeit der Kirche‘ (Nr. 42) grundlegend ist. Daher geht die wechselseitige Anerkennung der Taufe ‚weit über einen ökumenischen Höflichkeitsakt hinaus‘; sie ‚stellt‘ – so die Enzyklika – ‚eine ekklesiologische Grundaussage dar‘ (Nr. 42). Von daher ist die Magdeburger Erklärung von 2007, in der in Deutschland elf Kirchen offiziell festgestellt haben, dass sie die in ihnen gespendeten Taufen wechselseitig anerkennen, nicht hoch genug einzuschätzen und in ihren ekklesiologischen Konsequenzen weiter auszuloten.

Bezeichnend ist die tiefe Wertschätzung, die Johannes Paul II. den Gütern und Gaben, die in den verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften vorhanden sind und gelebt werden, entgegenbringt. So spricht die Enzyklika vom ökumenischen Dialog als einem ‚Austausch von Gaben und Geschenken‘ (Nr. 28) und von ‚gegenseitiger Bereicherung‘ (Nr. 87). Eine Ökumene, die im Geist von Ut unum sint nicht an Defiziten orientiert ist, sondern die Gaben im Blick hat, die die anderen in das gemeinsame christliche Haus einbringen, schafft Zuversicht. Dieser Geist muss uns auch künftig leiten, wenn wir auf dem Weg zur vollen Einheit voranschreiten wollen.

Größte Aufmerksamkeit hat die Einladung von Papst Johannes Paul II. an die Geschwister in den getrennten Kirchen und Gemeinschaften erfahren, in einen Dialog über die Art und Weise der Ausübung des päpstlichen Primats einzutreten (vgl. Nrn. 95, 96). Damit hat er, ohne das Papstamt als solches infrage zu stellen, eine Perspektive eröffnet, gemeinsam nach einer Form zu suchen, in der es seinen Einheitsdienst für alle Christen erfüllen kann. Aus dieser Einladung sind in der Diskussion der Folgezeit weitreichende Impulse erwachsen, die konsequent aufgegriffen und vertieft werden müssen.

Die Linie, die sich vom Zweiten Vatikanischen Konzil zu Papst Johannes Paul II. zieht, haben auch seine Nachfolger Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus mit je eigenen Akzenten fortgeschrieben. Heute, 25 Jahre nach Ut unum sint, bin ich dankbar für die Gemeinschaft, die unter den Christinnen und Christen gewachsen ist. Zusammen mit den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils hat die Ökumene-Enzyklika von Johannes Paul II. dafür auf katholischer Seite den Grundstein gelegt.

Als Christen verschiedener Kirchen gehören wir zusammen. Das zeigt sich in diesen Tagen auch angesichts der Corona-Krise, in der es auf unterschiedlichen Ebenen eine Vielzahl ökumenischer Aktivitäten gibt. Dazu gehören gemeinsame Gottesdienste und Gebetinitiativen, Aufrufe und Erklärungen – wie etwa das Wort ‚Beistand, Trost und Hoffnung‘ des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Augoustinos – oder andere Gesten der Aufmerksamkeit und Ermutigung. Viele Aufgaben sind noch zu erfüllen, damit die Einheit unter uns immer mehr sichtbar werden kann. Die Rückbesinnung auf die Enzyklika Ut unum sint kann uns dafür neuen Rückenwind geben!“

Hinweise:

Die Enzyklika Ut unum sint kann in der Rubrik Publikationen als pdf-Datei heruntergeladen oder als Broschüre bestellt werden.

Weitere Informationen sind auf der Themenseite Ökumene zu finden.

In anderer Form: Pfingstaktion von Renovabis

20. Mai 2020 - 11:24

Am Pfingstsonntag zeigen sich die katholischen Christen in Deutschland solidarisch mit den Glaubensgeschwistern in Osteuropa. Die Spendensammlung für das Hilfswerk Renovabis wird üblicherweise durch zahlreiche Veranstaltungen begleitet. Aufgrund der Corona-Pandemie kann die Pfingstaktion in diesem Jahr jedoch nicht wie geplant, bzw. nur mit erheblichen Einschränkungen stattfinden. Renovabis lädt deshalb von jetzt bis zum Pfingstsonntag zu zwei „Renovabis-Solidaritätswochen“ in den Kirchengemeinden ein. Das Motto der diesjährigen Aktion lautet „Selig, die Frieden stiften – Ost und West in gemeinsamer Verantwortung“. Dabei geht es um das Einander-Halt-Geben auch über die geschlossenen Grenzen hinweg und um praktische Zeichen der Solidarität in Form von Spenden für besonders bedürftige Menschen im Osten Europas.

Zuletzt hat Renovabis die Projektpartner in der Corona-Krise mit Soforthilfen von rund einer halben Million Euro unterstützt. Seit dem Ausbruch der Pandemie verzeichnet das Hilfswerk aus vielen seiner 29 Partnerländer im Osten Europas immer mehr Hilferufe.

Ab Christi Himmelfahrt wird gemeinsam mit Partnern in der Ukraine und anderswo die Pfingstnovene gebetet. Am Pfingstsonntag (31. Mai 2020) werden die „Renovabis-Solidaritätswochen“ mit einer Eucharistiefeier mit Erzbischof Stephan Burger aus dem Freiburger Münster beschlossen.

In ihrem Aufruf zur Unterstützung der diesjährigen Aktion würdigen die deutschen Bischöfe die Friedensarbeit, die Renovabis leistet. „Auch in Europa ist Frieden keine Selbstverständlichkeit. Viele Länder im Osten des Kontinents sind 30 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Gewaltherrschaft innerlich zerrissen, manche auch äußerlich bedroht. Gewaltbelastete Vergangenheit und aktuelle Konflikte gefährden die Zukunft“, so die Bischöfe. Aber es gebe auch Grund zur Hoffnung. Gerade die Kirche leiste wichtige Beiträge für Verständigung und eine friedliche Entwicklung. Deshalb werden die Gläubigen aufgerufen, die Menschen in Mittel-, Südost- und Osteuropa durch Interesse, Gebet und Spenden zu unterstützen.

Da aufgrund der Corona-Pandemie öffentliche Gottesdienste derzeit nur eingeschränkt stattfinden und die Kollekte am Pfingstsonntag nicht in der gewohnten Form gehalten werden kann, bitten die Bischöfe auch um Spenden direkt an das Hilfswerk Renovabis.


Hinweise:

Das Spendenkonto lautet: Renovabis e. V., IBAN: DE94 4726 0307 0000 0094 00, BIC: GENODEM1BKC, Bank für Kirche und Caritas eG. Die Spenden können auch an die Pfarrei übermittelt werden. Dabei sollten Umschläge mit dem Hinweis „Spende Renovabis“ versehen werden. Auf Wunsch stellt die Pfarrei auch gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Weitere Informationen zur Pfingstaktion sind unter www.renovabis.de verfügbar.

Bischof Franz-Josef Overbeck zum fünften Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika Laudato si’

19. Mai 2020 - 11:27

Vor fünf Jahren, am 24. Mai 2015, hat Papst Franziskus seine Enzyklika Laudato si’ vorgelegt. Dazu erklärt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz:

„Die Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato si’ ist ein Meilenstein der katholischen Soziallehre. Das zeigt allein schon die große Resonanz, die die Schrift auch außerhalb kirchlicher Kreise erzeugt hat. Die Enzyklika ist durchdrungen von dem Grundgedanken, dass Ökologie und Soziales zusammengedacht werden müssen: Die Sorge für die Menschen und der Schutz der Ökosysteme sind untrennbar miteinander verbunden. In ihrer Gesamtheit ist Laudato si’ ein Appell, unser Leben und Wirtschaften am Prinzip der Nachhaltigkeit auszurichten. Dazu gehört es auch, die Lebensstile anzupassen, damit der Mensch wieder im Einklang mit der Schöpfung und mit sich selbst lebt. Papst Franziskus macht es ganz deutlich: Wir stehen vor großen Aufgaben und müssen vieles ändern, damit die Menschheit und die ganze Schöpfung auch in Zukunft gut auf diesem Planeten leben kann. Erst im Februar dieses Jahres hat der Papst diese Botschaft mit seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Querida Amazonia am Beispiel des Amazonas-Gebietes erneuert und insbesondere seinen wegweisenden Überlegungen zum Sozialen, zur Kultur und zur Ökologie Nachdruck verliehen.

Laudato si’ kann uns auch in der gegenwärtigen Krisenzeit und darüber hinaus ein hilfreicher Kompass sein. Der Vatikan hat ein Laudato-Si-Jahr ausgerufen, um die Botschaft der Enzyklika erneut in Erinnerung zu bringen und für heute fruchtbar werden zu lassen. Wenn in Deutschland und der Welt die Wirtschaft und das öffentliche Leben in der Corona-Krise wieder in Schwung gebracht werden, sollten Maßnahmen an erster Stelle stehen, die auf eine klima- und umweltfreundliche Zukunft ausgerichtet und sozial ausgewogen sind. Gehen wir mutig nach vorne! Die Armen und Schwachen, die am stärksten unter der Krise leiden, brauchen unsere Aufmerksamkeit nun ganz besonders. Jenseits von Partikularinteressen stehen alle in der Verantwortung, für unser gemeinsames Haus Sorge zu tragen. Das gilt auch für die Kirche – wir nehmen Anteil an den großen Fragen unserer Zeit, an Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen. Erst recht in schwierigen Zeiten dürfen wir bei unserem Einsatz für soziale Gerechtigkeit die Zuversicht nicht verlieren, die auch Laudato si’ durchzieht und die Papst Franziskus immer wieder in uns weckt.

Ich lade herzlich dazu ein, Laudato si’ anlässlich des fünften Jahrestages ihres Erscheinens neu zu entdecken. Es lohnt sich!“




Hinweise:

Die Enzyklika „Laudato siʼ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ kann in der Rubrik Publikationen als pdf-Datei heruntergeladen oder als Broschüre bestellt werden. Ausführliche Informationen sind auf der Themenseite Enzyklika Laudato siʼ verfügbar.

Beeindruckende Solidarität der chinesischen Christen in der Corona-Krise

18. Mai 2020 - 11:25

Im Jahr 2007 hat Papst Benedikt XVI. den 24. Mai als Weltgebetstag für die Kirche in China eingeführt. Auch Papst Franziskus bittet, „jede örtliche katholische Gemeinschaft auf der ganzen Welt“ möge „unsere Brüder und Schwestern in China mit eifrigem Gebet und mit brüderlicher Freundschaft begleiten“. Die deutschen Bischöfe schließen sich dieser Bitte des Heiligen Vaters an und rufen die Katholiken in Deutschland zum Gebet für die Kirche in China auf. „Mit großzügigen Spenden in den ersten Monaten der Corona-Pandemie haben die Katholiken in China nicht nur ihre Landsleute unterstützt, sondern auch weltweit Hilfsgüter versandt. Unsere Schwestern und Brüder in China haben damit ihrer Nächstenliebe tätigen Ausdruck verliehen und ein großartiges Zeugnis ihres tief verwurzelten Glaubens abgelegt“, so der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg). „Schließen wir diejenigen in unsere Gebete ein, die trotz Bedrängungen treu ihren Glauben bezeugen.“

Das China-Zentrum in Sankt Augustin hat darauf hingewiesen, dass allein über das katholische Hilfswerk Jinde Charities fast zwei Millionen Euro an Spenden der chinesischen Katholiken für die Katastrophenhilfe innerhalb Chinas bereitgestellt werden konnten. Später wurde die Hilfe auf die internationale Ebene ausgeweitet. Bis Ende April sind Hilfsgüter im Wert von über 1,5 Millionen Euro zunächst für Korea, später für Norditalien bereitgestellt worden.

„Diese internationale Hilfe bezeugt auf beeindruckende Weise die weltkirchliche Solidarität der chinesischen Katholiken“, betont Erzbischof Schick. „Sie sehen sich als Teil der universalen Kirche und trotzen den Bedrängungen und Anfeindungen der Behörden, die darauf abzielen, sie von der Weltkirche abzusondern.“

Im vergangenen Jahr standen die Wirkungen, die von der „Vorläufigen Vereinbarung“ vom 22. September 2018 zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China ausgingen, im Mittelpunkt vieler Diskussionen und Berichte. Dem Papst wurden für die Zukunft gewisse Rechte bei der Auswahl und Ernennung von Bischöfen eingeräumt. Als Gegenleistung sind sieben Bischöfe der KP-nahen „Patriotischen Vereinigung“ wieder in die volle Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden.

Leider müsse man heute feststellen, so Erzbischof Schick, dass sich die Situation in den zurückliegenden anderthalb Jahren für die Christen in China nicht wie erhofft spürbar verbessert habe. „Lediglich zwei Bischöfe sind bisher nach den Regeln der Vereinbarung ernannt worden, wobei allerdings zum ersten Mal die ‚Zustimmung‘ des Papstes öffentlich bekanntgegeben wurde.“ Über 40 Bischofssitze seien hingegen nach wie vor unbesetzt. Viele Berichte deuteten darauf hin, dass die Repressalien auf die Katholiken in China zunehmen. „Der Inhalt der Vereinbarung ist immer noch geheim, aber es ist anzunehmen, dass es im September 2020 eine Auswertung des bisher vorläufigen Abkommens geben wird“, so Erzbischof Schick.


Hintergrund

Am 24. Mai jedes Jahres findet die traditionelle Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai statt. Allerdings sind in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie Pilgerfahrten und Marienprozessionen untersagt. Die katholische Kirche begeht weltweit an diesem Datum den Gebetstag für die Kirche in China, den Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 eingeführt hatte. Sie ruft alle katholischen Christen auf, im Gebet ihre Verbundenheit und Solidarität mit den Christen in China zu zeigen.

Anregungen für Gebete und Fürbitten sowie Hintergrundinformationen über die Lage der Kirche in China können von der Internetseite des China-Zentrums e. V. (http://www.china-zentrum.de/religion-in-china/katholische-kirche/Weltgebetstag) abgerufen werden.

Interreligiöser Gebetstag für die Überwindung der Corona-Pandemie

14. Mai 2020 - 12:15

Als Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz ist Bischof Dr. Georg Bätzing dem Gebetsaufruf zum Interreligiösen Gebetstag gefolgt. In einer „Zeit der Unsicherheit“ bittet er um den Schutz und Segen des Herren sowie für die Überwindung aller Ängste, die mit der Corona-Pandemie einhergehen.

Für den 14. Mai 2020 hat der „Hohe Ausschuss für die menschliche Geschwisterlichkeit“ auf Anregung von Papst Franziskus angesichts der Corona-Pandemie zu einem interreligiösen Gebetstag aufgerufen. Alle Menschen - gleich welcher Religion - sind angesprochen, für die Betroffenen der Pandemie zu beten. Der Ausschuss wurde 2019 vom Vatikan und Vertretern der höchsten sunnitischen Lehrautorität, der Al-Azhar-Universität zu Kairo, ins Leben gerufen.

Der Gebetsappell ist Frucht der Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und Vertretern der islamischen Welt. Eine wichtige Etappe auf diesem Weg war das christlich-muslimische Grundlagendokument, das Papst Franziskus bei einer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate 2019 unterzeichnet hatte.

Neben Bischof Bätzing haben sich unter anderem auch Bischöfin Kirsten Fehrs (Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland), Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama (Jüdischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit), Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland) und Dr. Carola Roloff (Gastprofessorin für Buddhismus an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg) an dem Aufruf beteiligt.

Das Video des Runden Tischs der Religionen ist auf YouTube verfügbar.

Papst Franziskus: Botschaft zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 2020

12. Mai 2020 - 11:26

Liebe Brüder und Schwestern,
heute begehen wir den Internationalen Tag der Pflegenden im Rahmen des von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufenen Internationalen Jahres der Pflegenden und Hebammen. Am heutigen Tag gedenken wir auch des zweihundertsten Geburtstags von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege.

In diesem historischen Augenblick, der von der weltweiten gesundheitlichen Notlage infolge der Pandemie des Covid-19-Virus geprägt ist, haben wir wieder festgestellt, wie die Gestalt des Pflegenden und die der Hebamme eine Rolle von grundlegender Bedeutung einnehmen. Täglich hören wir von Beispielen des Muts und der Aufopferung der im Gesundheitswesen Tätigen, insbesondere der Krankenschwestern und der Krankenpfleger, die mit Professionalität, Opferbereitschaft, Verantwortungsgefühl und Nächstenliebe den mit dem Virus infizierten Menschen selbst bei Gefahr für die eigene Gesundheit Hilfe leisten. Davon zeugt schon die Tatsache, dass leider die Zahl der im Gesundheitswesen Tätigen, die in der treuen Erfüllung ihres Dienstes verstorben sind, deutlich erhöht ist. Ich bete für sie – der Herr kennt jeden von ihnen mit Namen – wie auch für alle Opfer dieser Epidemie. Der Auferstandene schenke jedem von ihnen das Licht des Paradieses und ihren Familien Trost aus dem Glauben.

Immer schon spielen die Pflegenden eine zentrale Rolle im Gesundheitswesen. Jeden Tag erleben sie im Umgang mit den Kranken das Trauma, welches das Leiden im Leben eines Menschen hervorruft. Es sind Männer und Frauen, die zu einer besonderen Berufung „Ja“ gesagt haben, nämlich gute Samariter zu sein, die sich um das Leben und die Wunden des Nächsten kümmern. Als Hüter und Diener des Lebens flößen sie bei der Durchführung der notwendigen Therapien Mut, Hoffnung und Vertrauen ein [1].

Liebe Krankenschwestern und liebe Krankenpfleger, die moralische Verantwortung leitet Sie in Ihrer qualitätsvollen Arbeit, die sich nicht auf wissenschaftlich-technische Kenntnisse beschränkt, sondern beständig von der menschlichen und die Menschlichkeit fördernden Beziehung mit dem Kranken genährt wird. „In jeder Phase ihres Lebens, von der Geburt bis zum Tod, kümmern Sie sich um Frauen und Männer, Kinder und alte Menschen und hören Sie ihnen kontinuierlich zu, um zu verstehen, welches die Bedürfnisse eines jeden Patienten sind, in der Phase, in der er sich befindet. Denn angesichts der Einzigartigkeit jeder Situation ist es niemals genug, einem Protokoll zu folgen, sondern es bedarf eines kontinuierlichen – und anstrengenden! – Bemühens um Erkenntnis und der Aufmerksamkeit für die einzelne Person.“ [2]

Sie – und ich denke hier auch an die Hebammen – sind den Menschen in den entscheidenden Momenten ihres Lebens nahe – der Geburt wie des Todes, der Krankheit wie der Genesung – und helfen ihnen, die äußerst traumatischen Situationen zu meistern. Manchmal sind Sie bei ihrem Sterben zugegen und geben ihnen Trost und Linderung in den letzten Lebensmomenten. Wegen Ihrer Hingabebereitschaft gehören Sie zu den „Heiligen von nebenan“ [3]. Sie sind das Bild der Kirche als „Feldlazarett“, die weiterhin die Sendung Christi erfüllt, der sich den an jeder Art von Übel Leidenden näherte und sie heilte und der sich niederbeugte, um die Füße seiner Jünger zu waschen. Danke für diesen Dienst, den Sie der Menschheit leisten!

In vielen Ländern hat die Pandemie auch die Mängel des Gesundheitssystems ans Licht gebracht. Daher wende ich mich an die politischen Verantwortungsträger in aller Welt, damit sie in die Gesundheit – ein grundlegendes Allgemeingut – investieren, Strukturen ausbauen und weitere Pflegende einstellen, um so allen eine angemessene Fürsorge zu gewährleisten, bei der die Würde eines jeden Menschen geachtet wird. Es gilt, konkret anzuerkennen, welche entscheidende Bedeutung dieser Beruf für die Pflege der Kranken, die regionalen Notdienste, die Krankheitsvorsorge und die Gesundheitsförderung sowie die Betreuung im familiären, kommunalen und schulischen Bereich hat.

Die Krankenpfleger und -schwestern, wie auch die Hebammen, haben ein Recht darauf und verdienen, mehr geschätzt und besser an den Prozessen beteiligt zu werden, die die Gesundheit der Einzelnen und der Gesellschaft betreffen. Es ist erwiesen, dass die Investitionen auf diesem Gebiet bessere Ergebnisse hinsichtlich der Fürsorge und der Allgemeingesundheit erzielen. Es ist daher nötig, ihr berufliches Profil zu stärken und für ihre Ausbildung geeignete Mittel im wissenschaftlichen, menschlichen, psychologischen und spirituellen Bereich bereitzustellen. Ebenso sind ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und ihre Rechte zu garantieren, damit sie in voller Würde ihren Dienst leisten können.

Daher kommt den Berufsverbänden der im Gesundheitswesen Tätigen eine wichtige Rolle zu, insofern sie nicht nur eine organische Ausbildung anbieten, sondern auch die einzelnen Mitglieder begleiten und es ihnen ermöglichen, sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen und sich nicht verloren und allein zu fühlen angesichts der Herausforderungen ethischer, ökonomischer und menschlicher Art, die der Beruf mit sich bringt.

Besonders den Hebammen, die den Frauen in der Schwangerschaft beistehen und ihnen helfen, ihre Kinder zur Welt zu bringen, möchte ich sagen: Ihre Arbeit gehört zu den edelsten, die es gibt, weil sie als solche unmittelbar dem Leben und der Mutterschaft dient. In der Bibel sind die Namen der beiden heldenhaften Hebammen Schifra und Pua zu Beginn des Buches Exodus unsterblich geblieben (vgl. 1,15-21). Auch heute schaut der himmlische Vater mit Dankbarkeit auf Sie.

Liebe Krankenpfleger, liebe Krankenschwestern, liebe Hebammen, möge dieser Gedenktag die Würde Ihrer Arbeit zum gesundheitlichen Wohl der gesamten Gesellschaft stärker in den Mittelpunkt rücken. Ihnen, Ihren Familien und allen, für die Sie Sorge tragen, versichere ich mein Gebet und erteile Ihnen von Herzen den Apostolischen Segen.

Rom, St. Johannes im Lateran, 12. Mai 2020
Franziskus


Fußnoten:

[1] Vgl. Neue Charta der im Gesundheitswesen Tätigen, Nr. 1-8.
[2] Ansprache an die Mitglieder der Föderation der Krankenpfleger, Gesundheitshelfer und Tagesmütter (IPASVI), 3. März 2018.
[3] Vgl. Homilie bei der Messe vom Letzten Abendmahl, Gründonnerstag 9. April 2020.

Hinweis:

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Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2020

11. Mai 2020 - 10:33

In einem Gemeinsamen Wort der Kirchen laden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, zur Teilnahme an der 45. Interkulturellen Woche ein. Sie ist für die Woche vom 27. September bis 4. Oktober 2020 geplant und steht unter dem Thema „Zusammen leben, zusammen wachsen.“ Anlässlich der Interkulturellen Woche ist eine Vielzahl dezentraler Einzelveranstaltungen im gesamten Bundesgebiet geplant, in den vergangenen Jahren waren das immer über 5.000 Veranstaltungen an mehr als 500 Orten.

In ihrem Wort rufen die drei Vorsitzenden im Blick auf die aktuelle Migrations- und Flüchtlingspolitik dazu auf, „immer neu Maß zu nehmen an der Würde jedes einzelnen Menschen“. Kritisch setzen sie sich mit der Europäischen Union auseinander, die erst vor wenigen Jahren mit dem Friedensnobelpreis „für ihren Beitrag zur Förderung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa gewürdigt“ worden sei. „Heute aber umgibt sie sich mit neuen Mauern und Zäunen und richtet Lager an ihren Außengrenzen ein. Die dortigen Zustände sind mit der Achtung der Menschenwürde nicht vereinbar.“

Bischof Bätzing, Landesbischof Bedford-Strohm und Metropolit Augoustinos weisen auf Jesus Christus als Vorbild hin. Er habe „den Weg gesucht zu den Verachteten, zu den Ärmsten der Armen, zu denen am Rande der Gesellschaft, zu den Kranken, den Verfolgten, zu denen, die niemand mehr sehen will, die der Öffentlichkeit entzogen werden“. Jeder und jede Einzelne sei eingeladen, diesem Vorbild zu folgen, auch wenn es nicht leicht sei, „sich an diese Orte zu begeben und genau hinzuschauen. Und es fordert uns heraus, Leid, Not und Schmach der Menschen an uns heranzulassen“.

Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei es, so die Bischöfe, „auf der gemeinsamen Grundlage demokratischer Werte unterschiedliche Interessen in den Dialog zu bringen und immer wieder auszuhandeln, wie wir leben wollen. Dazu braucht es die Bereitschaft, Vielfalt auszuhalten, damit Teilhabe gestaltet werden kann. Wir selbst müssen anders und neu werden und dürfen dies nicht nur von anderen erwarten. Wenn Gott uns das zutraut und aufträgt, dann schenkt er uns auch die Kraft dazu“.

Mit ermutigenden Worten wenden sich die Bischöfe an die Veranstalterinnen und Veranstalter der vielen Initiativen und Aktionen rund um die Interkulturelle Woche. Zwar seien die Planungen in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie von vielen Unwägbarkeiten betroffen, dennoch sei aber deutlich geworden, wie lebensnotwendig eine solidarische Grundhaltung in der Gesellschaft sei: „Wir möchten dazu ermutigen, kreativ nach Möglichkeiten und Formaten zu suchen, wie unser Motto ‚Zusammen leben, zusammen wachsen‘ umgesetzt werden kann.“ So könne die Interkulturelle Woche „gerade in schwieriger Zeit ein starkes Zeichen der Gemeinsamkeit“ setzen.

Hinweise:
Das Gemeinsame Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2020 ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.
Für die Vorbereitung der Interkulturellen Woche hat der Ökumenische Vorbereitungsausschuss eine Reihe von Materialien (Materialheft, Plakate und Postkarten) erstellt, die unter www.interkulturellewoche.de bestellt werden können. Dort finden Sie auch weitere Informationen.

Erklärung zum Aufruf einzelner Bischöfe aus der Weltkirche zur Corona-Pandemie

9. Mai 2020 - 15:00

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, erklärt heute (Samstag, 9. Mai 2020) zum Aufruf einiger Kardinäle und Bischöfe aus der Weltkirche vom 8. Mai 2020 in Sachen Corona-Pandemie:

„Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands.

Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet.“

Hinweis:
Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat sich auf seiner Videokonferenz am 27. April 2020 mit Fragen der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf das kirchliche Leben befasst. Die anschließende Erklärung ist als Pressemitteilung vom 27. April 2020 verfügbar.

Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs

8. Mai 2020 - 9:16

Mit einem eindringlichen Appell, das Geschenk des Friedens zu wahren und aus der Vergangenheit zu lernen, haben die christlichen Kirchen heute (8. Mai 2020) einen ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom gefeiert. Damit gedachten sie des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Der in der ARD übertragene Gottesdienst stand unter dem Leitwort „Frieden!“ In der Kuppel des Berliner Doms, so die evangelische Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann, leuchteten die Worte Jesu aus der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Aufgrund der Corona-Pandemie konnte beim Gottesdienst keine Gemeinde mitfeiern. „Unsere Kirchenbänke sind heute leer. Sie sind unsere Gemeinde. Die Leere erinnert uns an die Bedrohung dieser Zeit. Sie erinnert auch an die unzähligen Menschen, die den Tag der Befreiung damals vor 75 Jahren nicht mehr erleben konnten“, so Zimmermann.

In seiner Predigt betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, die bleibende deutsche Verantwortung für die unzähligen Toten des Zweiten Weltkriegs. „Gott vergisst nicht. Unsere jüdischen Geschwister haben uns das gelehrt. Wir gedenken all der Toten, weil auch Gott ewig gedenkt.“ Auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs bleibe Deutschland von der Schuld gezeichnet. „Gegen das Vergessen und gegen alle Relativierung sagen wir: Ja, wir sind schuldig geworden. Wir haben ganz Europa und weite Teile der Welt ins Elend gestürzt. Und dankbar fügen wir hinzu: Aber unsere Geschichte ist weitergegangen.“ Die bleibende Schuld habe nicht zu ewiger Verwerfung geführt. „Unsere ehemaligen Feinde sind wieder auf uns zugegangen. Wir durften ihnen wieder in die Augen sehen. Sie sind uns zu Freunden geworden“, so der EKD-Ratsvorsitzende. „Welch ein Geschenk, dass manche unserer jüdischen Geschwister geblieben, viele zurückgekommen sind in das Land, das ihnen so Unfassbares angetan hat. Und die Hand der Versöhnung ausgestreckt haben. Nie mehr werden wir zulassen, dass sich der Ungeist wieder ausbreitet, aus dem millionenfacher Mord entstanden ist“, so Bedford-Strohm

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, sprach in seiner Predigt Mut und Trost auch in Leidenssituationen zu. Jesus gehe nicht am Leiden anderer vorbei. „Sein eigener Weg ist der Weg des Leidens. Sein Weg führt ihn zum Kreuz … Der Friede, den Jesus uns schenkt und hinterlässt, führt auch uns, die wir ihm nachfolgen, nicht am Leiden vorbei – er führt uns mitten hindurch“, so Bischof Bätzing. „Tatsächlich haben wir in großen Teilen Europas seit nunmehr 75 Jahren Frieden erlebt. Und mehr noch: Die Völker haben sich einander zugewandt – und wir Deutschen haben das Wunder erlebt, dass sie sich auch uns zugewandt haben.“ Aber Friede lasse sich nicht einfach herbeiorganisieren: „Er braucht Menschen, die eine Hoffnung in sich tragen, weil sie überzeugt sind, nicht allein zu sein, sondern dass Gott selbst, sein Geist, sie begleitet. Menschen, die daran glauben, dass der Friede uns geschenkt ist – und deshalb eine Aufgabe ist, der wir uns stellen dürfen.“ Nur wer bereit sei, sich den eigenen Abgründen zu stellen, könne zu tragfähigen neuen Beziehungen gelangen. „Nur wer bereit ist, sich selbst aufrichtig und ehrlich zu betrachten, wird in der Lage sein, den Anderen zu begegnen und zu neuer Gemeinschaft beizutragen. Nur wer auf die Opfer schaut, dient der Versöhnung. Kurz gesagt: Nur wer durch das Leiden des Kreuzes hindurchgeht, lebt aus dem Frieden, den Gott uns schenken will“, sagte Bischof Bätzing.

Bei den Fürbitten im Gottesdienst wurde der weltweiten Opfer von Krieg und Verfolgung und auch der Kranken und Sterbenden der Corona-Pandemie gedacht. Neben den Vertretern der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz wirkte auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, mit. Er hob die Mitverantwortung der Kirchen für Frieden und Gerechtigkeit hervor und das Eintreten für Demokratie, Recht und Respekt: „Fast drei Generationen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der unzähligen Menschen schlimmstes Leid gebracht hat, bekennen wir uns in der Christenheit dazu, dass Gottes Frieden für uns Befreiung und Verantwortung, Hoffnung und Verpflichtung ist. Der Gottesdienst heute ist ein wunderbares Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche Jesu sind.“

Hinweise:

Fotos vom Gottesdienst werden als Poolbilder von epd-Bild zur Verfügung stehen. Für die Überlassung der Pool-Fotos setzen Sie sich mit der Agentur in Verbindung: epd-Bild: www.epd.de; bildredaktion(at)epd.de, 0160/94590220.

Die Predigt von Bischof Bätzing und die Predigt von Landesbischof Bedford-Strohm sind unten als pdf-Dateien verfügbar.