Augenblicke der Besinnung

Gebet, Barmherzigkeit und Fasten,
diese drei bilden nur eines.
Sie geben einander das Leben.
Denn die Seele des Gebetes ist das Fasten.
Das Leben des Fastens ist die Barmherzigkeit.
Niemand reiße sie auseinander.
Wenn man nur eines von diesen dreien hat,
so hat man nichts.
Wer also betet, der faste!
Wer fastet, der übe Barmherzigkeit!

Petrus Chrysologus













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Aktualisiert: vor 1 Stunde 39 Minuten

Empfang für die Partner im christlich-islamischen Dialog: Einladung für Medienvertreter

vor 9 Stunden 31 Minuten

Die Deutsche Bischofskonferenz lädt auch in diesem Jahr ihre Partner im christlich-islamischen Dialog zu einem Empfang ein. Sie verbindet ihn mit dem Hochfest „Verkündigung des Herrn“. Dieses Fest ist ebenfalls unter dem Namen „Mariä Verkündigung“ bekannt und wird neun Monate vor Weihnachten gefeiert. Es erinnert an die Mutter Jesu, die auch im Islam hohe Verehrung genießt und vielen Christen und Muslimen als Brücke der Verständigung gilt. Die Deutsche Bischofskonferenz setzt damit ein Zeichen für die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen in Deutschland.

Der Empfang findet statt am
Freitag, den 29. März 2019, um 17.15 Uhr
in der Hochschule Sankt Georgen

(Offenbacher Landstraße 224, 60599 Frankfurt am Main).

Die Begegnung beginnt mit einer Andacht in der Kapelle der Hochschule, der sich ab 18.00 Uhr der eigentliche Empfang in der Aula anschließt.

Der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), wird die Gäste begrüßen. Die Festrede zum Thema „Als Bischof in Arabien. Franziskanische Impulse für den christlich-islamischen Dialog“ hält Bischof Paul Hinder OFMCap aus Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, die kürzlich Papst Franziskus besucht hat.

Hinweise:
Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zu diesem nicht öffentlichen Termin eingeladen. Eine vorherige Anmeldung per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de ist bis spätestens Donnerstag, 28. März 2019, um 12.00 Uhr notwendig. Bischof Bätzing und Bischof Hinder OFMCap stehen vor Ort für kurze O-Töne zur Verfügung – bitte entsprechende Anfragen in der Anmeldung vermerken.
Weitere Informationen zum christlich-islamischen Dialog finden Sie unter www.cibedo.de.

Steven Herrick erhält den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz 2019

19. März 2019 - 9:33

Der australische Autor Steven Herrick und der deutsche Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn erhalten den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz für das im Thienemann Verlag erschienene Buch „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 190 Titeln ausgewählt, die von 60 Verlagen eingereicht wurden. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wird zwischen Autor (4.000 Euro) und Übersetzer (1.000 Euro) aufgeteilt.

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Hinweis: Die hochauflösenden Downloaddateien aus der Bildergalerie sind für die Berichterstattung rund um den Preis unter Nennung des Copyrights frei verfügbar.

Steven Herrick entführt den Leser in eine australische Kleinstadt der 60er Jahre, in das Leben von Harry und dessen jüngerem Bruder Keith. Nach dem frühen Tod der Mutter hält der Vater die Familie zusammen. „Harry schildert seine Erlebnisse auf dem Weg ins Erwachsenwerden in einer Offenheit, die anrührt“, so Weihbischof Brahm. „Frank und frei vertraut er uns Lesenden an, was in ihm vorgeht: seine diebische Freude, wenn ein Streich gelingt, sein Ringen mit dem Verlust der Mutter und der Freundin, die großen und kleinen Fragen, die sich auftun im Abenteuer des Erwachsenwerdens.“

Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wird in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben. Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), zeichnet die Preisträger am 23. Mai 2019 in Hamburg aus.

Jurybegründung
Gegen Ende des Romans wird in dessen rhythmisierendem Stil die Theodizeefrage gestellt. Der Gedankenstrom, dem das 14-jährige Ich Harry dabei folgt, entspricht dem Fluss, der den Roman wortwörtlich durchfließt und sowohl die Topografie als auch die literarische Motivik der Ereignisse bestimmt – dem Originaltitel „by the river“ entsprechend.

An diesem Fluss lebt Harry mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder Keith. Hier findet Harry hinein ins Leben. Dem Moment des Staunens folgend, erforscht er Flusslandschaft und Menschen, die hier leben. Im Schwemmgebiet des Pearce Swamp lässt sich Harry gerne im Wasser treiben, sieht hinauf in den Himmel und lauscht seinem Atem. Dort zeigt sich situativ und literarisch eindringlich, dass der Fluss das Werden und Vergehen markiert; dass er gibt, aber auch nimmt: Harrys Mutter ist an den Ufern des Flusses bei einem Autounfall gestorben. Und Linda Mahony, die Harry damals mit ihrer Zuversicht, ihrem Vertrauen auf einen Himmel und mit ihrem bittersüßen Orangenkuchen zu trösten wusste, stirbt sieben Jahre und vier Tage später im Hochwasser.

In diesen Zeitraum sind Steven Herricks Miniaturen gestellt: Einzelne, in lyrischer Prosa gehaltene Kapitel, die jeweils für sich lesbar sind und sich doch zu einem berührenden Gesamtbild zusammenfügen. Einem expliziten chronologischen Handlungsverlauf verweigert sich der Roman und spiegelt damit Harrys Notwendigkeit, die Wirkmacht der Ereignisse in einen sinnstiftenden Zusammenhang zu bringen. Das transitorische Moment von Kindheit und Adoleszenz geht dabei über in ein Erzählen entlang des Flusses und durch dessen metaphorische Strudel hindurch. Heil und Unheil liegen in diesem Fluss begründet, der die lebensspendende Kraft des Wassers gleichermaßen verkörpert wie die Bedrohlichkeit der Flut – wie Vernichtung und Neubeginn.

Steven Herricks Roman bleibt zeitlos, wenn er verschrobene Figuren aus der Gemeinschaft der Kleinstadt herausschält, sie episodenhaft auftauchen und wieder verschwinden lässt. Einzig Johnny Barlow durchzieht in seiner feisten Art die Ereignisse über mehrere Jahre hinweg. Er tritt wie ein kindlicher Halbstarker auf und scheint durch das Faustrecht an Harry gebunden. Anknüpfend an das Motiv von Schuld und Sühne entwickelt sich ein eigener Handlungsstrang entlang der provokativ-schweigenden Übereinkunft zwischen den beiden. Und erst am Ende zeigt sich – natürlich am Pearce Swamp – ein überraschend verbindendes Moment zwischen den mit den kargen Verhältnissen in der Kleinstadt ringenden Jugendlichen. Zu diesem Zeitpunkt hat Harry bereits Claire kennen gelernt. Claire, die den Fluss ganz neu deutet und Harrys Leben und Erleben damit noch einmal neu überschreibt. Denn wenn der Regen kommt, werden die Staubecken geflutet und die Bäche gefüllt.

Zum Autor
Steven Herrick wurde 1958 in Brisbane (Australien) als jüngstes von sieben Kindern geboren. Er studierte Literatur und arbeitet seit vielen Jahren als Schriftsteller insbesondere für Lyrik. Steven Herrick lebt mit seiner Frau in der australischen Stadt Katoomba in den Blue Mountains und hat zwei erwachsene Söhne. Das englische Original des Buches „by the river“ erschien bereits im Jahr 2004. Es erhielt zahlreiche Preise, darunter den Ethel Turner Prize for Books for Young Adults.

Zum Übersetzer
Uwe-Michael Gutzschhahn, geboren 1952 in Langenberg/Rheinland, studierte Germanistik und Anglistik und lebt heute als Übersetzer, Herausgeber, Autor und Lektor in München. Im Jahr 2011 erhielt er den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis für die Übersetzung von „Einmal“ von Morris Gleitzman. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein übersetzerisches Gesamtwerk ausgezeichnet.

Zur Jury
Der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises gehören neben dem Juryvorsitzenden, Weihbischof Robert Brahm (Trier), Gabriele Cramer (Münster), Cornelia Klöter (Leipzig), Bettina Kraemer (Bonn), Susanne Kriesmer (Burgbrohl), Dr. Heidi Lexe (Wien), Dr. Klara Asako Sarholz (Bottrop), Prof. Dr. Markus Tomberg (Fulda), Elisabeth Wagner-Engert (Ellgau) und Anna Winkler-Benders (Frankfurt) an.

Hinweise:

  • Informationen zur Jury und zur Geschichte des Preises sowie alle Siegertitel inklusive Jurybegründungen seit 1979 finden Sie unter www.dbk.de auf der Seite „Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis“ (Rubrik Themen/Auszeichnungen der Deutschen Bischofskonferenz).
  • Fotos des Preisbuchcovers sowie der Preisträger finden Sie zum Herunterladen in der Bildergalerie dieser Pressemitteilung.

Studie zur Zufriedenheit kirchlicher Mitarbeiter

19. März 2019 - 9:30

Das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz eine Studie zur Zufriedenheit kirchlicher Mitarbeiter durchgeführt. Das ZFG befragte dazu rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 24 Bistümern nach deren Erwartungen hinsichtlich familienfreundlicher Leistungen und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das Projekt wurde federführend von Prof. Dr. Klaus Stüwe, Vizepräsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Direktor des ZFG, begleitet.

Wir laden die Kolleginnen und Kollegen der Medien zu einem Pressegespräch ein, bei dem die Ergebnisse der Studie durch Prof. Stüwe und den Vorsitzenden der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Heiner Koch, vorgestellt werden. Das Pressegespräch findet statt

am Donnerstag, den 28. März 2019, um 9.00 Uhr
im Senatssaal der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt,
Ostenstraße 26 (Sommerresidenz), Raum 108.


In der Studie spielen Aspekte der Familienfreundlichkeit, der Pflege von Angehörigen sowie der Kinderbetreuung und die flexible Gestaltung von Arbeitszeiten eine Rolle. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich in ihren Beratungen bereits im Herbst 2018 mit den Ergebnissen der Studie beschäftigt, die jetzt veröffentlicht wird.

Hinweis:
Wir bitten die Kolleginnen und Kollegen der Medien um eine formlose Anmeldung für das Pressegespräch per E-Mail an: pressestelle(at)ku.de.

Dialog über das europäische Gemeinwohl

18. März 2019 - 10:37

Die Vorsitzenden der Deutschen, der Französischen und der Schweizer Bischofskonferenz laden am 25.–26. März 2019 in Paris zu einer Tagung ein, die unter dem Leitwort „Dialog über das europäische Gemeinwohl“ steht. In der Überzeugung, dass die Wiederbelebung des europäischen Projekts eine Neudefinition des Gemeinwohls voraussetzt, geben die von den drei Bischofskonferenzen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz eingeladenen Teilnehmer Denkanstöße zur Vertiefung dieses Begriffs. Ein wichtiger Aspekt der Dialogveranstaltung ist es außerdem, eine kirchliche Perspektive auf die Europawahlen im Mai 2019 zu werfen. Zu der Veranstaltung werden rund 80 Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwartet.

Während der Tagung wird der Entwicklung des Begriffs des europäischen Gemeinwohls seit der Schuman-Erklärung nachgegangen und nach aktuellen Formen der Rezeption eines europäischen Gemeinwohls gefragt. Hierbei steht eine Analyse der Ursachen für die Enttäuschung und das Desinteresse vieler Europäer an diesem Begriff im Vordergrund. Außerdem fragt die Veranstaltung nach Wegen, den Begriff des europäischen Gemeinwohls neu zu definieren, wozu ein geopolitischer, ökologischer und sozioökonomischer Ansatz angewendet wird.

Zur Konferenz laden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür (Basel), und der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontier (Marseille) ein. Seit 2015 organisieren die Vorsitzenden dieser Bischofskonferenzen alle zwei Jahre ein Treffen zu einem aktuellen Thema, das für die drei Länder von Bedeutung ist. Das erste Treffen fand 2015 in Rom mit Blick auf die Familiensynode statt, das zweite 2017 in Berlin zum Thema Migration.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zur Teilnahme eingeladen. Der Dialog findet im Haus der Französischen Bischofskonferenz in Paris (58, Avenue de Breteuil) statt. Erforderlich ist eine formlose Anmeldung per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de.


Hinweis:

Das Programm der Dialogveranstaltung ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Josefstag 2019

15. März 2019 - 13:47

Zuhören, erklären lassen und dann selbst loslegen: Beim Josefstag 2019 in der Jugendeinrichtung „Die Kurbel“ haben Bischof Dr. Stefan Oster SDB, Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, sowie weitere Gäste aus Politik und Kirche zusammen mit Jugendlichen der Einrichtung gearbeitet.

„Hände reichen-Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ ist in diesem Jahr das Motto des Josefstags. Dabei stehen Jugendliche und die Herausforderungen durch Europa im Vordergrund. Der Josefstag 2019 wurde durch Bischof Stefan Oster eröffnet. Er hob dabei das Engagement der Jugendsozialarbeit für benachteiligte Jugendliche hervor. In Einrichtungen wie der Kurbel werde man jeden einzelnen jungen Menschen gerecht, indem man sich für sie einsetzt und sie individuell fördert. „Geht wählen und leistet einen Beitrag für ein demokratisches Europa“, ermutigte Bischof Oster abschließend zur Teilnahme an der Europawahl.

Der Josefstag steht mit seinem Motto in diesem Jahr für eine europäische Ausrichtung der Jugendsozialarbeit. Die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit setzen dem zunehmenden Nationalismus ein Zeichen für ein tolerantes, offenes und partizipatives Europa entgegen. „Wenn das Versprechen eingelöst werden soll, ein Europa der Chancen für alle Jugendlichen zu sein, dann muss das auch für benachteiligte junge Menschen gelten. Deshalb braucht es einen höheren Finanzrahmen und eine Vereinfachung der Antragsstellung von Erasmus-Mitteln sowie weitere Unterstützung für soziale Inklusion und Jugendbeschäftigung beispielsweise durch den Europäischen Sozialfonds“, erläutert Lisi Maier, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit für die Träger des Josefstags.

Beim gemeinsamen Arbeiten in der Holzwerkstatt, in der Metallwerkstatt und in der Malerwerkstatt kamen die Gäste mit den Jugendlichen der Einrichtungen ins Gespräch.

Den Einblick in die Arbeit der Jugendsozialarbeit hatten in diesem Jahr nicht nur die Teilnehmenden vor Ort: Bischof Oster und andere Gäste haben sich von den Jugendlichen in den Werkstätten anleiten lassen. Ihre Erlebnisse wurden live gesendet. Die Bilder sind auf www.facebook.com/josefstag zu sehen. Dort sind weitere Livestreams der Auftaktveranstaltung verfügbar.

Zusätzlich zur bundesweiten Auftaktveranstaltung in Oberhausen gibt es am Dienstag, den 19. März 2019, dezentrale Veranstaltungen zum Aktionstag anlässlich des Hochfests des heiligen Josef. Einrichtungen der katholischen Jugendsozialarbeit in Deutschland laden kirchliche Amtsträger, Politikerinnen und Politiker sowie gesellschaftliche Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger ein. Dabei sind die Gäste gemeinsam mit den Jugendlichen aktiv. Einen Überblick über die bundesweiten Aktionen gibt es unter www.josefstag.de.


Hintergrund

Der Josefstag bringt Verantwortliche aus Kirche und Politik mit benachteiligten Jugendlichen zusammen. Besonders im Blick: Europa. Mittels Webstream wurde die Auftaktveranstaltung mit Bischof Oster am 15. März 2019 in Oberhausen live übertragen.

Der heilige Josef ist Schutzpatron der Arbeiter und Jugendlichen. Der Josefstag ist eine Aktion des „arbeit für alle e.V.“, einer Initiative des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e. V. Gemeinsam mit der Kurbel – Katholisches Jugendwerk Oberhausen GmbH und weiteren Einrichtungen der Jugendsozialarbeit führte der Trägerkreis die bundesweite Veranstaltung durch.

Quelle: Pressestelle BDKJ

XV. Jahrestagung Illegalität in Berlin beendet

15. März 2019 - 12:31

Die XV. Jahrestagung Illegalität, die sich mit dem Thema „Soziale Rechte – Hürden zwischen Anspruch und Umsetzung“ befasste, ist heute zu Ende gegangen. Zu der Veranstaltung, die das Katholische Forum Leben in der Illegalität mit dem Rat für Migration und der Katholischen Akademie in Berlin durchführte, kamen rund 100 Fachleute aus Kirche und Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung, Politik und Wissenschaft zusammen.

Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), der zugleich Vorsitzender des Katholischen Forums Leben in der Illegalität ist, verwies bei einer Podiumsdiskussion auf die menschenrechtliche Dimension der Thematik: „Die Menschenrechte gelten universell, auch für Migranten ohne Papiere. Sicherlich hat der Staat ein berechtigtes Interesse, Fragen des Aufenthalts zu klären. Doch zugleich gilt es, die Würde eines jeden Menschen zu wahren. Dies ist, wie unser Grundgesetz festhält, Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Wenn ein Mensch krank ist, muss er medizinisch behandelt werden – unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Und wenn ein Kind im schulfähigen Alter ist, muss ihm der Zugang zu Bildungseinrichtungen offen stehen – egal, welche Papiere die Eltern haben.“ Erzbischof Dr. Heße unterstrich, dass die Thematik auch international an politischer Relevanz gewonnen hat: „Mit dem Globalen Migrationspakt hat sich die überwältigende Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten zu dem Ziel bekannt, die Menschenrechte von Migranten ungeachtet ihres Migrationsstatus zu achten, zu schützen und zu gewährleisten. Dies ist ein wichtiger Schritt. Nun kommt es darauf an, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen.“

In einem einführenden Vortrag widmete sich Dr. Constantin Hruschka (Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, München) Defiziten in der Umsetzung der sozialen Rechte von Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität. Prof. Dr. Eva Kocher (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) und Prof. Dr. Fritz Sager (Universität Bern) stellten Erklärungsansätze aus rechts- und verwaltungswissenschaftlicher Perspektive vor. Im weiteren Verlauf des ersten Tages beschäftigten sich die Teilnehmer in parallelen Foren mit konkreten Umsetzungsdefiziten in den Bereichen Gesundheit und Arbeit sowie mit der Frage, wie aufenthaltsrechtliche Illegalität in öffentlichen Debatten behandelt wird. Ein „Get-together“ mit Informationsständen verschiedener Initiativen verdeutlichte die Bandbreite des kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Engagements. Schließlich fand am Abend ein von Marie Wildermann (freie Journalistin, Berlin) moderiertes Podiumsgespräch statt, bei dem sich Dr. Wieland Schinnenburg, MdB (FDP), Helge Lindh, MdB (SPD) und Eva Maria Welskop-Deffaa (Vorstand Sozial- und Fachpolitik, Deutscher Caritasverband) mit aktuellen politischen Herausforderungen auseinandersetzten. Dabei plädierte Eva Maria Welskop-Deffaa für eine Überarbeitung der gesetzlichen Regelungen zu den Übermittlungspflichten in den Bereichen Gesundheit und Arbeitsmarkt. Außerdem sprach sie sich dafür aus, dass auch Kinder „ohne Papiere“ eine Geburtsurkunde bekommen sollten.

Am zweiten Tag der Veranstaltung hielt Prof. Dr. Georg Ruhrmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena) einen Vortrag zur journalistischen Berichterstattung über Fragen der aufenthaltsrechtlichen Illegalität. Außerdem hatten die Teilnehmer in Fachforen die Gelegenheit, die Themen des Vortags zu vertiefen, sich über Praxiserfahrungen auszutauschen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Den Abschluss der Tagung bildete ein von Andrea Dernbach (Der Tagesspiegel, Berlin) moderiertes Podiumsgespräch, bei dem Erzbischof Dr. Stefan Heße, Pater Claus Pfuff SJ (Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland, Berlin) und Dr. Michael Lukas (Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung, Hannover) als Vertreter des Katholischen Forums Perspektiven für die weitere Arbeit in den Blick nahmen.


Hintergrund

Das Katholische Forum Leben in der Illegalität wurde 2004 auf Initiative der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Es setzt sich dafür ein, dass Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität in Deutschland ihre grundlegenden sozialen Rechte in Anspruch nehmen können, ohne deshalb die Abschiebung befürchten zu müssen. Neben der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz sind der Deutsche Caritasverband, die Katholische Arbeitsgemeinschaft Migration, der Malteser-Hilfsdienst und der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Träger des Forums.

Die Jahrestagung Illegalität wird vom Katholischen Forum Leben in der Illegalität, der Katholischen Akademie in Berlin und dem „Rat für Migration“, einem unabhängigen Zusammenschluss von Migrationswissenschaftlern, organisiert.


Hinweise:

Weitere Informationen zum Katholischen Forum sind unter www.forum-illegalitaet.de zu finden.

Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen

14. März 2019 - 10:09

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (14. März 2019) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten.

Der Studientag „Die Frage nach der Zäsur – zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“, an dem die deutschen Bischöfe zu Konsequenzen aus der MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) beraten haben, hat diese Vollversammlung maßgeblich geprägt. Weitere Themen waren unter anderen Fragen zu Flucht und Migration  sowie die bevorstehende Veröffentlichung einer Arbeitshilfe zu den Herausforderungen des Populismus. Zudem haben sich die Bischöfe mit dem Weltjugendtag in Panama im Januar 2019 befasst.

Wir dokumentieren hier den Pressebericht zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 14. März 2019 in Lingen vorgestellt hat.

Predigt von Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn) in der Eucharistiefeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 14. März 2019 in Lingen

14. März 2019 - 7:00

Lesung: Est 4,17k.17l–m.17r–t;
Evangelium: Mt 7,7–12


Goldene Regel


Liebe Mitbrüder,

die sogenannte „Goldene Regel“ ist hinreichend bekannt: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten“. Das Wort spricht für sich, und eigentlich müsste ich es hier gar nicht weiter kommentieren.

Die „Goldene Regel“ steht bekanntlich am Schluss der Bergpredigt. Das muss man wissen, denn für das Verständnis ihrer „christlichen Variante“ ist eines ganz entscheidend: Nur kurz zuvor hatte Jesus nämlich dazu aufgerufen, seine Feinde zu lieben – „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen (…)!“

Zwar ist die „Goldene Regel“ sozusagen universal. Sie gehört zum „Erbe der Menschheit“ und regelt, dass die Menschen sich nicht fortwährend die Köpfe einschlagen. Das allein schon wäre ein wirklich großartiger Erfolg. Die „Goldene Regel“ findet sich aber nicht nur in den Geboten der Thora oder bei den Evangelisten Matthäus und Lukas. Es gibt unzählige Formulierungen und Varianten davon. Jede halbwegs menschenfreundliche Organisation, jede religiöse Gemeinschaft oder Gesellschaft versucht heute, sich zumindest daran zu orientieren. Denn die Regel besagt: Liebe beruht auf gegenseitiger Wertschätzung, und diese Wertschätzung soll das ganze Leben prägen. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Oder positiv: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“, „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“

Jeder vernünftige Mensch wird das so unterschreiben können. Die „Goldene Regel“ ist der Anfang aller Zivilisation und Humanität, der Minimalkonsens sozusagen. Und dieser Minimalkonsens war zu allen Zeiten gefährdet. Er ist es auch heute noch, wenn manche meinen, dass es Ausnahmen von dieser Regel geben kann. Bei Flüchtlingen, Behinderten, Schwachen oder Ungeborenen etwa. Nein, Ausnahmen kann es nicht geben. Das wäre völlig absurd.

„Diese Liebe des Nächsten ist es, die du selbst bist“, übersetzt der jüdische Philosoph Emmanuel Levinas das Liebesgebot: Diese Liebe macht dich aus, das ist deine wirkliche Identität. Deine Herzmitte. Nichts anderes. Das kommt der „christlichen Variante“ der „Goldenen Regel“ schon sehr viel näher. Denn in diesem Sinn geht die Regel weit über die Wechselseitigkeit des „Wie-du-mir-so-ich-dir“ hinaus. Es geht nicht einfach nur um Fairness oder auch nicht um Sympathie. „Eine Hand wäscht die andere“, das ist hier nicht gemeint.

Navid Kermani, der Islamforscher und Orientalist, hat in sehr schönen Worten das seiner Meinung nach Einzigartige an der christlichen Nächstenliebe zum Ausdruck gebracht: „Wenn ich etwas am Christentum bewundere oder an den Christen“, schreibt er, „dann ist es die spezifisch christliche Liebe… Diese Liebe geht über das Maß hinaus, auf das ein Mensch auch ohne Gott kommen könnte: Ihre Liebe macht keinen Unterschied.“ Eine maßlose Liebe, die von Gott her kommt und daher die Feinde mit einschließt, die bis zur Stellvertretung geht. Denn die Freunde zu lieben und die Feinde zu hassen, das ist kein wirkliches Kunststück.

Ich habe neulich einmal von der Fernsehmoderatorin und Journalistin Dunja Hayali gelesen, dass sie sich die „Goldene Regel“ seit frühester Kindheit zum Leitspruch gewählt hat. Ihre Eltern sind Christen aus dem Irak. Ihre Mutter ist chaldäisch-katholisch, der Vater syrisch-orthodox. Die Eltern haben ihr die „Goldene Regel“ vorgelebt, sagt sie, weil sie Christen sind. Die gegenseitige Rücksichtnahme aufeinander, das habe sie entscheidend geprägt. Die Regel beschreibt für sie das, was das Leben ihrer Eltern und auch ihr eigenes ausmachen soll: Wertschätzung des anderen, Priorität der Kleinen und Schwachen. Aber auch die Art, wie wir jeden Tag und selbstverständlich übereinander und miteinander sprechen und wie wir miteinander umgehen. Und die Art, wie wir immer wieder unsere eigenen Denkblockaden überwinden müssen. Denn in den alltäglichen Dingen, die für das Thema Wertschätzung so entscheidend sind, haben wir manchmal den meisten Nachholbedarf. Vielleicht weil diese Dinge so viel mehr Mühe machen als schöne Worte und Ideen, die oft wohlfeil sind.

Levinas hat das einmal pointiert und mit etwas Augenzwinkern gesagt: Es gibt eine Haltung, sagt er, die uns in bestimmten Situationen dazu befähigt, die eigene Selbstverliebtheit zu überwinden und dem anderen angesichts der offenen Tür den Vortritt zu lassen. Eine Haltung, das Eigeninteresse hintan zu stellen und zu sagen: „Après-vous, Monsieur. Bitte nach Ihnen, mein Herr!“: die Haltung der Nächstenliebe. Das ist ein schönes Bild für die „Goldene Regel“.

Studientag zum Thema „Die Frage nach der Zäsur – zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“

13. März 2019 - 15:56

Ein Schwerpunkt der Beratungen der Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen ist der Studientag „Die Frage nach der Zäsur – zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“, bei dem die deutschen Bischöfe über Konsequenzen aus der MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) sprechen.

Wir dokumentieren hier die Referate, die von Experten auf dem Studientag gehalten wurden.

Einführung von Prof. Dr. Julia Knop
Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt

Vortrag von Prof. Dr. Philipp Müller
Professor für Pastoraltheologie in Mainz, Studium in Theologie und Geschichte, Promotion, Habilitation in Pastoraltheologie und Homiletik, war u. a. Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars der Erzdiözese Freiburg in St. Peter (Schwarzwald), ist Berater der Kommission für geistliche Berufe und kirchliche Dienste (IV)

Vortrag von Prof. Dr. Gregor Maria Hoff
Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg, Studium in klassischer Philologie, Theologie, Philosophie und Germanistik, Promotion und Habilitation in Fundamentaltheologie, war u. a. Obmann der Salzburger Hochschulwochen, ist Berater der Glaubenskommission (I) und der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Beziehungen zum Judentum.

Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff
Professor für Moraltheologie in Freiburg, Studium der Theologie, Promotion und Habilitation in Moraltheologie, war u. a. Mitglied im Deutschen Ethikrat, ist Berater der Glaubenskommission (I)

Pressegespräch „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen: Aufarbeitung und Prävention – Informationen zum aktuellen Stand“ bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen

13. März 2019 - 9:43

Während der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen wurde in einem Pressegespräch am Mittwoch (13. März 2019) über den Stand der Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen: Aufarbeitung und Prävention“ berichtet. Ein Schwerpunkt dieser Beratungen war der Studientag „Die Frage nach der Zäsur – zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“, an dem die deutschen Bischöfe über Konsequenzen aus der MHG-Studie ( „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) gesprochen haben.

Wir dokumentieren hier das Statement aus dem Pressegespräch in Lingen von Bischof Dr. Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes.

Zudem sind die Erklärung der deutschen Bischöfe zu den Ergebnissen der MHG-Studie anlässlich der Herbst-Vollversammlung in Fulda (27.09.2018) und eine Übersicht der zentralen Maßnahmen der katholischen Kirche in Deutschland im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im kirchlichen Bereich seit Januar 2010 verfügbar.

Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Bode in der Eucharistiefeier am 13. März 2019 in Lingen zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

13. März 2019 - 7:00

Lesung:    Jona 3,1–10
Evangelium:    Lk 11,29–32


„Wo bleibt die Reue?“ titelte kürzlich eine große Wochenzeitung und meinte damit die katholische Kirche in der derzeitigen Auseinandersetzung um den Missbrauchsskandal.

„Wo bleibt eure Reue?“, so ruft Jona auf Geheiß des Herrn der Stadt Ninive zu in all den Sünden, die sie auf sich geladen hat.

Viele müssen den Eindruck gewinnen, dass es in unserer Kirche weltweit und vor Ort nicht anders zugeht als in Ninive. Wie sehr, liebe Schwestern und Brüder, sind wir wirklich in tiefe Schuld geraten durch unwiderrufliche Vertrauensbrüche, durch unklare Umgangsweisen, durch die Arroganz angemaßter Macht über Menschen und ihr Leben und durch manches steinharte Herz bei den Verantwortlichen?

Es geht um Missbrauch von Macht, um spirituelle Nötigung, wie der Papst sagt, und um sexualisierte Gewalt. Dem haben wir uns in diesen Tagen zu stellen. Und das mit Blick auf die Gestalt des Jona.

Jona wehrt sich zunächst gegen den Auftrag Gottes. Er möchte sich der unangenehmen Aufgabe der Entlarvung Ninives entziehen. Wie schwer fällt es uns, uns prophetisch der Schuld der Vergangenheit und der Gegenwart zu stellen und eine neue Zukunft zu bereiten?!

Ninive ist den Weg der Buße gegangen in Sack und Asche in allen Bereichen ihres Lebens, mit Mensch und Tier. Ninive hat dabei selbst den Propheten überrascht und ihn durch seine Umkehr missmutig gemacht, da Gott der Stadt Erbarmen schenkte.

Jesus sieht in seiner Generation noch größere Schuld und Sünde als in Ninive, weil diese Generation die Herausforderung des Jona noch nicht einmal versteht. – Ob Jesus nicht auch uns heute so ansprechen muss, weil wir uns dem Erforderlichen nicht genügend stellen und die Umkehr von Herzen aus Stein zu Herzen aus Fleisch nicht in der Tiefe vollziehen, oder besser: uns nicht in der Tiefe von Gott wandeln lassen von Stein zu Fleisch?!

Es ist derselbe Jesus, der später über die Stadt Jerusalem mit ihrem großen Tempel weinen wird: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Heil bringt. So aber wird kein Stein auf dem anderen bleiben, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast“ (vgl. Lk 19,41–44).

Manchmal habe ich in diesen Wochen das Gefühl, dass er – für mich sehr bedrückend – damit auch mich und uns meint als Verantwortliche für die Kirche, aber auch alle Mitbeteiligten am Aufbau der Kirche, und dass wir in der Gefahr sind zu verkennen, was uns zum Heil dient, das heißt: dass wir die Zeichen der Zeit so schwer im Licht des Evangeliums zu deuten verstehen.

Die Meinungen darüber, was uns zum Heil dient, sind in der Kirche gefährlich verschieden, manchmal widersprüchlich, auch wenn – und das ist entscheidend – in dem grundsätzlichen Willen zur Umkehr Einigkeit besteht.

Jesus verweist in dieser kritischen Lage ganz und gar auf seine Person: Hier ist mehr als Salomo, hier ist mehr als Jona. Die einzige Rettung aus der Misere ist die schlichte und doch schwere Annahme, dass Jesus wirklich mehr ist, mehr als von uns erwartet, und dass er uns mehr zumutet, als wir uns wünschen oder erdenken. Die einzige Rettung ist die Annahme, dass er immer noch größer und anders ist, als wir es uns vorstellen, dass sein Gott erst recht größer ist als unser Herz, dass wir deshalb immer auf dem Weg bleiben und dass unsere Gerechtigkeit größer sein muss als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, das heißt: weit größer als eine enge oder erstarrte Wahrnehmung der Wirklichkeit Gottes und der Menschen.

„Hier ist mehr als die Weisheit Salomos, hier ist mehr als die Predigt des Jona. Hier bin ich selbst, der Menschensohn, der neu in dieser Zeit, unter diesen Lebensbedingungen gefunden werden muss.“

Im Jahr 2010 gerieten wir als Kirche in eine Krise der Glaubwürdigkeit durch die aufgedeckten Gräueltaten in vermeintlich vertrauensvollen, seelsorglichen Beziehungen von Menschen. Im Jahr 2013 gerieten wir in die Krise der Glaubwürdigkeit durch den intransparenten und unklaren Umgang mit den Gütern, die uns anvertraut sind. In letzter Zeit geraten wir in die Krise der Glaubwürdigkeit dadurch, dass wir nicht genug hineinhören in den Willen Gottes, der sich in Schrift und Tradition zeigt, aber für unsere theologische Erkenntnis auch durch die Lebenswirklichkeit und die Geschichte der Welt, durch das, was das Konzil „Zeichen der Zeit“ nennt, die nicht mit dem sogenannten Zeitgeist zu verwechseln sind.

Kein Baum lebt allein aus der Wurzel, so entscheidend sie ist. Er lebt auch aus dem Austausch mit Licht und Luft, die um ihn sind, aus dem Klima, in dem er sich entfaltet. Deshalb sagt Jesus von sich: Hier ist mehr als Jona, der Prophet, hier ist mehr als die Weisheit Salomos. Hier ist mehr als die Zeichen der Vergangenheit und der Tradition. Hier sind der Weg, die Wahrheit und das Leben, das heißt: Wahrheit als lebendige Person, Wahrheit auf dem Weg und als sich entfaltendes Leben.

Wir sind erschüttert in der Glaubwürdigkeit dessen, was die Evangelischen Räte meinen:

  • erschüttert in der Keuschheit, Echtheit und Lauterkeit der Beziehungen
  • erschüttert in dem verantwortungsvollen Umgang mit Besitz
  • erschüttert in dem Gehorsam gegenüber Gott und den Menschen in dieser Zeit, in der contemplatio dei et populi, zu der uns Papst Franziskus immer wieder ermahnt (vgl. EG 154)

Nur eine Kirche, die reinen Herzens ist, sich in die Karten schauen lässt und transparent ist, lauter und ohne Doppelmoral, die sich der Wirklichkeit stellt, wird Vertrauen wiedergewinnen.

Nur eine Kirche, die mit Besitz und Eigentum transparent und verantwortungsvoll umgeht, die der Option für die Armen dient und selbst einfach lebt und handelt, wird Vertrauen wiedergewinnen.

Nur eine Kirche, die hörfähig ist, die gehorsam gegenüber der Tiefe des Willens Gottes im Geist des Evangeliums, die horcht in die heutige Wirklichkeit und in ihr das wahre Menschliche entdeckt, das in den Herzen der Jünger Christi Widerhall finden soll, wie das Konzil in Gaudium et spes 1 betont, nur eine solche Kirche wird Vertrauen wiedergewinnen.

Eine Kirche also, in der wir Beziehungen und Leben teilen, Besitz und Eigentum teilen, Macht und Vollmacht teilen mit all den Getauften, Gefirmten, Beauftragten, Gesendeten und Geweihten, ja mit allen Menschen guten Willens. So werden wir gemeinsam Kirche sein im Haus der Schöpfung und der Menschheitsfamilie.

So erfahren die Menschen: Hier ist mehr als die Weisheit der Weisen und Klugen, der Maßnahmen und Planungen und erst recht der Schwarz-Weiß-Lügen der Populisten und Simplifizierer. Hier ist mehr als Gesetze, Gebote und Verbote, mehr als ethische und moralische Anforderungen allein. Hier geht es um den Menschen als Person, weil es um Gott als Person geht, dessen Ebenbild der Mensch ist bis in die Tiefe des Gewissens.

So erfahren Menschen, dass hier Gott gegeben wird, was Gottes ist, das heißt: dass Gott gedient wird und nicht Gott gespielt wird, und deshalb dem Menschen gegeben wird, was des Menschen ist, der ja selbst der Weg der Kirche ist, wie Papst Johannes Paul II. es uns auch heute nachdrücklich sagt.

Heute werden wir uns an unserem Studientag intensiv mit wesentlichen Fragen der Kirche befassen:

  • mit ihrem priesterlichen Dienst und Leben, mit der Lebensform und der Lebenskultur der Priester und der Verantwortlichen
  • mit den Strukturen der Macht und der Versuchung zum Klerikalismus, mit dem Missbrauch von Macht und Vollmacht
  • mit Fragen der Sexualmoral und der Bewertung und Wertschätzung verantwortungsvoller und bindungsbereiter Beziehungen zwischen Menschen, die dem obersten Maßstab der Liebe gerecht werden.

Es geht also wiederum um eine lautere, transparente, glaubwürdige Kirche in Hinblick auf Beziehungen, Macht und Besitz.

Bitten wir Gott in aller Demut und in gläubiger Gelassenheit an diesem wichtigen Tag um das, was wir auch im Tagesgebet erbeten haben in dieser österlichen Bußzeit: „Herr, sieh auf die Hingabe deines Volkes. Gib, dass wir uns in Zucht nehmen in jeder Hinsicht und durch gute Werke im Geist neu werden.“

Ja, im Geist neu werden, das möge Gott uns heute schenken. Amen.

Pressegespräch zum Thema „Studie Frauen in Leitungspositionen“ bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen

12. März 2019 - 10:07

Während der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen wurde in einem Pressegespräch am Dienstag (12. März 2019) die Studie „Frauen in Leitungspositionen deutscher Ordinariate und Generalvikariate 2018“ vorgestellt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat in dieser Studie erneut die Zahlen zu Frauen in kirchlichen Leitungspositionen systematisch erheben und auswerten lassen. Die zuständige Projektleiterin, Dr. Andrea Qualbrink aus Münster, hatte bereits eine erste Studie zu diesem Thema verantwortet, die bei der Vollversammlung 2013 in Trier präsentiert wurde.

Die Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins aus Bonn, Birgit Mock, erläuterte den anwesenden Medienvertretern das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das seit 2016 weibliche Führungskräfte in der Kirche unterstützt.

Wir dokumentieren untenstehend die Statements aus dem Pressegespräch in Lingen von

  • Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Vorsitzender der Pastoralkommission und der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz,
  • Dr. Andrea Qualbrink, Leiterin des Studienprojekts „Frauen in Leitungspositionen deutscher Ordinariate/Generalvikariate 2018“,
  • Birgit Mock, Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins und Koordinatorin des Projekts „Mentoringprogramm für Frauen“

sowie

  • eine pdf-Datei der Studie „Frauen in Leitungspositionen deutscher Ordinariate und Generalvikariate 2018“ und
  • ein Factsheet mit Zahlen, Daten und Fakten rund um das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“.

Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki in der Eucharistiefeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 12. März 2019 in Lingen

11. März 2019 - 22:37

Lesung:    Jes 55,10–11
Evangelium:     Mt 6,7–15


Liebe Schwestern, liebe Brüder,

auf dem Land kann man es schon noch erleben: dass am Morgen ein Hahn mit seinem Ruf den Tag anbrechen lässt. Zumeist wird es heute aber eher ein Funk- oder Radiowecker bzw. ein Smartphone sein. Dabei ist es dann ein Segen, wenn es sich bei dem eingestellten Weckruf um eine sanfte Melodie handelt. Nichts ist schrecklicher als ein Radiowecker, der just zum Zeitpunkt des Weckens schon mit den neuesten Informationen aus aller Welt, den aktuellen Staus und einer hektischen Sprecherstimme daherkommt. Schlagartig ist man dann mitten drin im Geschwätz des Alltags.

Der über jedwede Frömmelei erhabene Gottfried Benn befand einmal: „Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird es nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort“. Das Wort, das der Dichter hier meint, ist kein gewöhnliches, kein nur gesprochenes oder daher gesagtes. Es ist Gottes Wort. Dieses Wort ist von allem Anfang an. Es war bei Gott, nein, es war Gott (vgl. Joh 1,1). Und durch dieses Wort ist alles geworden, und ohne dieses Wort wurde nichts, was geworden ist ... Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden... (vgl. Joh 1,3.10). Christus ist dieses Wort Gottes.

Dieses Wort ist an einen jeden von uns gerichtet. Wenn das Wort Gottes an uns ergeht, befinden wir uns im Grunde jedes Mal in der Lage Adams, der sich vor Gott verbirgt, von Gott aber aus seinem Versteck geholt wird. „Mensch, wo bist Du?“ Gott richtet damit einen Anspruch an uns. Er will uns. Er will mich – mit meinem Leben. Und er will darin einen Platz haben. Wenn wir das Wort Gottes hören - wie heute Morgen hier - dann begegnen wir dem lebendigen Gott.

Wie relativ werden dagegen viele der Worte, die tagein tagaus millionenfach gewechselt werden, die gedruckt, gemailt, gesagt, getwittert und gepostet werden. Meinungen und Meinungsmache – tatsächlich schaffen auch falsche Worte bisweilen eine Wirklichkeit, aber im Unterschied zum Wort Gottes handelt es sich bei der Wirklichkeit der falschen Worte um Ideologie – oder wie Gottfried Benn es nennt: Propaganda. Davon ist unsere Welt voll wie lange nicht. Es gehört sicher zu den großen Herausforderungen unserer Tage, in der Fülle der Informationen und Meinungen und in Anbetracht der Vertwitterung komplexer Sachverhalte auf Kurznachrichten-Niveau, nicht die Orientierung zu verlieren.

Gottes Wort schenkt Orientierung. Es ist ein Wort der Güte, aber es steht nicht zur Wahl. Es richtet einen Anspruch an uns, der uns in die Entscheidung von Heil oder Unheil ruft. Es ist lebendig dieses Wort, aber es richtet auch – wie uns der Apostel später einmal an anderer Stelle erinnert – über die Regungen und Gedanken unseres Herzens (Hebr 4,12). Deshalb kehrt dieses Wort auch – wie uns der Prophet Jesaja heute Morgen erinnert – nicht einfach leer zu Gott zurück, sondern bewirkt wirklich das, was Gott will. Es erreicht all das, wozu Gott es ausgesandt hat (vgl. Jes 55,11). Wozu aber hat er es ausgesandt? Er hat es dazu ausgesandt, dass wir es wirken, dass wir es bewirken lassen, was es will. Das ist das Entscheidende! Wir dürfen darauf vertrauen, dass es ein Wort des Erbarmens ist. Gott kommt, um uns durch sein Wort, um uns durch Christus tiefer in seine Nähe zu rufen. Das entzündet Freude. Das schenkt Geborgenheit und Glück. Beim Propheten Ezechiel lesen wir, wie Gott dem Propheten den Auftrag gegeben hat, die Buchrolle zu essen, in der das Wort Gottes niedergeschrieben war. Wie eine Speise sollte er sich das Wort Gottes aneignen (Ez 3,1–3). Und im Buch der Offenbarung wird dasselbe von Johannes erzählt. Auch er muss die Schriftrolle des Wortes Gottes essen (Offb 10,9).

Diese Tage der österlichen Bußzeit laden uns, liebe Schwestern und Brüder, nun wieder erneut ein, es Ezechiel und Johannes gleich zu tun. Sie laden uns ein, uns Gottes Wort wie eine Speise anzueignen, es uns einzuverleiben. Denn so wie wir aus der Speise leben, die wir zu uns nehmen, so sollen wir als Christen in unserem Alltag aus dem Wort Gottes leben. Das bedeutet, dass wir uns immer wieder neu in das Wort Gottes hineinversenken müssen, um so auf Gott zu schauen und auf ihn zu hören. So kann das Wort Gottes dann auch in uns bewirken, was Gott will und es erreicht all das, wozu er es ausgesandt hat: Zum einen unsere erneute und vertiefte Hinkehr zu IHM, der das fleischgewordene Wort Gottes in Person ist, und zum anderen unsere Bereitschaft, dieses Wort durch unser Leben zu bezeugen. Denn das wissen wir mit Glaubensgewissheit: Es ist dieses Wort, das allein Hoffnung schenkt. Es ist dieses Wort, das allein stärkt und ein Licht zu entzünden vermag, das einem zum Leben hilft. Amen.

Eröffnungsgottesdienst zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen

11. März 2019 - 19:53

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist heute (11. März 2019) in Lingen die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eröffnet worden. Zu Beginn begrüßte der Bischof von Osnabrück, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, die 65 anwesenden Bischöfe, Vertreter der Weltkirche und zahlreiche Gläubige in der überfüllten Pfarrkirche St. Bonifatius. Dabei erinnerte er an die Vollversammlung der deutschen Bischöfe, die 1999 in Lingen stattgefunden hatte. Auch jetzt ständen aktuelle Fragen, die viele Menschen bewegten, auf der Tagesordnung, so Bischof Bode.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, appellierte an die Gläubigen, Religion nicht als Auslaufmodell zu sehen. Die russische Schriftstellerin Tatjana Goritschewa habe noch in kommunistischer Zeit das Buch „Von Gott zu reden, ist gefährlich“ geschrieben. Darin werde deutlich, dass die Rede über Gott Widerstand hervorrufe, so Kardinal Marx. Auch heute erscheine es oft so, dass es gefährlich sei, von Gott zu sprechen. „Das Gegenteil aber ist der Fall: Gott ist da! Die Religion verschwindet nicht. Natürlich hat es in den vergangenen Jahren Diskussionen über die Religion gegeben: Religionen, die missbraucht worden sind, die missbraucht haben, die für politische Zwecke verwendet wurden. Auf diesen Missbrauch müssen wir als gläubige Menschen eine Antwort geben“, sagte Kardinal Marx.

Neu sei, dass Religion oft instrumentalisiert, verharmlost oder banalisiert werde. In den zehn Geboten heiße es: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Haben wir die Heiligkeit Gottes erkannt und uns dafür eingesetzt?“, fragte Kardinal Marx. Oft genug sei in den zurückliegenden Wochen und Monaten deutlich geworden, dass im Namen der Religion und im Namen Gottes andere missbraucht worden seien. Wenn die Bischofkonferenz über Missbrauch nachdenke, sei damit die Frage des sexuellen Missbrauchs gemeint, aber auch der Missbrauch, wenn sich die Religion über andere erhebe. „Deshalb brauchen wir einen Weg der Erneuerung. Gerade die österliche Bußzeit ruft uns auf, diesen Weg als ganzes Gottesvolk zu gehen. Von Gott zu sprechen sollten wir demütig und verantwortungsvoll tun und nicht von oben herab“, so Kardinal Marx.

Die Gottesbegegnung zeige sich in der Person Jesu von Nazareth und im Nächsten. „In der konkreten Wahrnehmung der Nächstenliebe komme ich dem Geheimnis Gottes auf die Spur – wenn wir dem Armen und Kranken, dem Missbrauchten und Ausgestoßenen begegnen. Nur so können wir eine neue Glaubwürdigkeit gewinnen, nachdem, was manche Priester anderen angetan haben. Die Ausbeutung, die durch Missbrauch geschehen ist, kann nie gutgeheißen werden. Sind wir uns darüber bewusst, wie viel Leben und wie viel Glauben zerstört wurde?“, fragte Kardinal Marx.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betonte in seiner Predigt, dass die Bischöfe alles tun würden, um Missbrauch aufzuklären. „Aber es geht um mehr, es geht um das, was Papst Johannes Paul II. zum Heiligen Jahr 2.000 als ‚Reinigung des Gedächtnisses‘ bezeichnet hat: Eine Reinigung im umfassenden Sinne – der Kirche, der Theologie, der Tradition, der Geschichte!“ Dieser Prozess der Reinigung sei nicht nach drei Tagen abgeschlossen, sondern ein kontinuierlicher Weg. „Ich glaube, dass wir an einer neuen Epochenschwelle der Kirche stehen: tastend und suchend, aber in der Verantwortung von allen im Gottesvolk. Nur so können wir eine Reinigung ermöglichen, die dann ahnen lässt, was das Heilige, was Gott bedeutet“, so Kardinal Marx.

Grußwort von Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen

11. März 2019 - 16:47

„In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen. Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!“ (Mt 18,1–7).

Eminenzen, Exzellenzen, liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Die Worte Jesu führen uns zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, das von großer Aktualität ist. Um dieses abgründige Verbrechen genauer in den Blick zu nehmen, das uns mit Scham und Demut erfüllt, aber auch mit dem Willen, darum zu kämpfen, es aus der Mitte der Kirche und, wenn möglich, der Gesellschaft herauszureißen, hat der Heilige Vater Franziskus die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen vom 21. bis 24. Februar in den Vatikan zusammengerufen. An dieser Zusammenkunft hat auch der Vorsitzende dieser Bischofskonferenz, Seine Eminenz Reinhard Kardinal Marx, aktiv und mit einem öffentlich beachteten Beitrag teilgenommen. Hierüber wird er sicher noch ausführlich berichten. In meinem Wort an Euch heute möchte ich nach einigen statistischen Daten zum Missbrauch (I) an die Position von Papst Franziskus zu diesem tragischen Thema erinnern (II), um mit einigen Reflexionen abzuschließen, die im Zusammenhang mit der Situation der Katholischen Kirche in Deutschland stehen (III).

1.    Die statistischen Daten
Die Verbrechen sexuellen Missbrauchs sind weit verbreitet und erstrecken sich über die ganze Welt. Allein über das Internet lässt sich das leicht mit einigen Daten belegen. Nach Compassion International 2019. Child Abuse Facts aus dem Jahr 2014 haben eine Milliarde Kinder zwischen zwei und 17 Jahren Formen von Gewaltanwendung erlebt, vornehmlich physische, sexuelle und emotionale. Eine von fünf Frauen und einer von 13 Männern wurden sexuell missbraucht. Nach UNICEF Kinderschutz wurden nach einer Studie in 21 vor allem entwickelten Ländern ein Prozentsatz von sieben bis 36 Prozent der Frauen und drei bis 29 Prozent von Männern genannt, die angeben, Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kindheit gewesen zu sein. Der Großteil der Missbrauchstaten ist im familiären Umfeld angesiedelt. Etwa eine Million Kinder werden in jedem Jahr in den Bereichen von Prostitution, Kinderpornographie und damit verbundenen Aktivitäten ausgebeutet. Im Jahre 2002 wurden 150 Millionen Kinder und 73 Millionen Jugendliche unter 18 Jahren zu sexuellen Handlungen gezwungen oder erlitten andere Formen von Gewalt, einschließlich belästigender Körperkontakte. In Europa schätzt man nach Angaben des italienischen Telefono Azzurro (TG la 7), dass 18 Millionen Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs sind.

Zum größten Teil sind die Täter den Opfern sexueller Gewalt bekannt und gehören mehr oder weniger zum familiären Umfeld. Nur in einem von zehn Fällen geschieht der Missbrauch durch jemanden von außerhalb, vornehmlich durch Kontakte über das Internet. Angesichts dieses erschreckenden Phänomens gibt es jedoch nur in 79 Ländern angemessene Rechtsvorschriften zu diesem Thema. Nach Angaben des Amtes des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung wurden im Jahre 2017 12.940 Kinder missbraucht, 7.818 wurden Opfer im Zusammenhang mit Kinderpornographie.

Leider betreffen diese Verbrechen auch die katholische Kirche, insbesondere beim Missbrauch durch Angehörige des Klerus. Allein im Pontifikat von Papst Franziskus wurden der zuständigen Kongregation für die Glaubenslehre 2.200 Fälle von sexuellem Missbrauch gemeldet. Bezüglich der Situation in der katholischen Kirche in Deutschland gibt es die Euch allen bekannten Ergebnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG Studie).

In seiner Ansprache am Ende des Treffens „Der Schutz von Minderjährigen in der Kirche“ hat Papst Franziskus am 24. Februar 2019 auch auf andere Formen des Machtmissbrauchs hingewiesen, dem weitere 85 Millionen Kinder ausgesetzt sind: „die Kindersoldaten, die minderjährigen Prostituierten, die unterernährten Kinder, die entführten Kinder, die oftmals Opfer des abscheulichen Handels mit menschlichen Organen werden oder zu Sklaven gemacht werden; die Kinder, die Opfer des Krieges sind; die Flüchtlingskinder, die abgetriebenen Kinder und so weiter“.

2.    Der Redebeitrag von Papst Franziskus
Verschiedene Male hat der Heilige Vater Franziskus sich zum Geschwür des sexuellen Missbrauchs in der Kirche und in der Welt geäußert. Anführen möchte ich seine Worte an die Mitglieder der römischen Kurie beim Weihnachtsempfang am 21. Dezember 2019: „Seit einigen Jahren bemüht sich die Kirche ernsthaft um die Beseitigung des Übels des Missbrauchs, das zum Herrn nach Vergeltung schreit, zu Gott, der nie das Leid vergessen wird, das viele Minderjährige durch Geistliche und Gottgeweihte erfahren haben: Missbrauch von Macht, Missbrauch des Gewissens und sexueller Missbrauch.“ Der oberste Pontifex illustriert seine Ausführungen, indem er sich auf König David bezieht, „den Gesalbten des Herrn“, der dreifach gesündigt hat, „das heißt einen dreifachen schweren Missbrauch: sexuellen Missbrauch, Missbrauch von Macht und Missbrauch des Gewissens. Drei verschiedene Arten von Missbrauch, die jedoch gemeinsam auftreten und sich überschneiden“. Leider gibt es auch heute, so fährt der Papst fort, „viele ‚Gesalbte des Herrn‘, Gottgeweihte, die die Schwachen missbrauchen und ihre moralische Macht und Überredungskunst ausnutzen. Sie begehen abscheuliche Taten und üben weiter ihren Dienst aus, als ob nichts wäre; sie fürchten weder Gott noch sein Gericht, sondern haben einzig davor Angst, entdeckt und entlarvt zu werden. Amtsträger, die den Leib der Kirche verletzen, indem sie Skandale verursachen und den Heilsauftrag der Kirche und die aufopferungsvolle Hingabe vieler ihrer Mitbrüder und -schwestern in Misskredit bringen“. Der Bischof von Rom fordert die solcher Verbrechen Schuldigen auf: „Bekehrt euch, stellt euch der menschlichen Justiz und bereitet euch auf die göttliche Gerechtigkeit vor. Erinnert euch dabei an die Worte Christi: „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!“ (Mt 18,6–7)

Auch in der Ansprache nach dem Angelus am 24. Februar 2019, in der er kurz die Arbeit des erwähnten Treffens skizziert hat, benutzt der Heilige Vater wiederum die Wendung vom dreifachen Missbrauch von Minderjährigen: „Missbrauch von Macht, des Gewissens und der Sexualität“. Hierzu führt er aus: „Weil es ein Problem ist, das sich über alle Kontinente erstreckt, wollte ich, dass wir, die Hirten der katholischen Gemeinschaft weltweit, diesem als gemeinsam und kollegial Verantwortliche zusammen ins Gesicht sehen. Wir haben die Stimmen der Opfer gehört, haben gebetet und Gottes und der vom Leid geprüften Personen Vergebung erbeten. Uns wurde unsere Verantwortung bewusst, und es ist unsere Pflicht, Gerechtigkeit in Wahrheit zu üben und jede Form des Missbrauchs von Macht, des Gewissens und der Sexualität radikal auszumerzen.“ Um das Ziel zu erreichen, dass „alles Tun und jeder Ort der Kirche für Minderjährige vollkommen sicher sind; dass die Kirche wieder absolut glaubwürdig und in ihrer Mission des Dienstes und der Erziehung der Kleinen nach der Lehre Jesu vertrauenswürdig wird“, hat der Heilige Vater zugesagt, mit allen Menschen guten Willens und mit allen positiven Kräften in jedem Land und auf internationaler Ebene zusammenarbeiten zu wollen, „denn wir kämpfen bis zum Ende und auf jede Weise gegen die ernste Geißel von Gewalt gegenüber Millionen von Minderjährigen, Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt“.

Beim Neujahrsempfang am 7. Januar 2019 für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps erinnerte Papst Franziskus an den 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention. Das war eine weitere Gelegenheit, um „ernsthaft über die Schritte nachzudenken, die gesetzt wurden, um über das Wohl unserer Kleinen zu wachen, über ihre soziale und intellektuelle Entwicklung wie auch über ihr körperliches, seelisches und geistiges Wachstum. Hier darf ich eine der Plagen unserer Zeit nicht verschweigen, die leider auch einige Angehörige des Klerus als Hauptverantwortliche kennt. Der Missbrauch von Minderjährigen stellt eines der niederträchtigsten und unheilvollsten Verbrechen dar, die überhaupt möglich sind“.

3.    Prioritäten der Kirche im Kampf gegen den Missbrauch
In seiner Ansprache am 24. Februar 2019 hat der Heilige Vater Franziskus acht Punkte aufgezeigt, mit denen sich die ganze katholische Kirche in Zukunft bei der Prävention, der Sorge um die Opfer und den disziplinarischen Maßnahmen gegenüber den Tätern einsetzen muss. Die Punkte sind bekannt: 1. Kinderschutz; 2. absolute Ernsthaftigkeit; 3. wirkliche Reinigung; 4. Ausbildung der Priesterkandidaten; 5. die Leitlinien der Bischofskonferenzen verstärken und verifizieren; 6. missbrauchte Personen begleiten; 7. digitale Welt; 8. Sextourismus.

Ohne auf jeden dieser Punkte einzugehen, scheint mir für die Situation der katholischen Kirche weltweit, einschließlich der Kirche in Deutschland, notwendig, die Einladung zur Bekehrung großherzig anzunehmen, umso mehr, als wir uns in der österlichen Bußzeit befinden.

Bekehrung. Der Bischof von Rom führt aus: „Das beste Ergebnis und die wirksamste Resolution, die wir den Opfern, dem Volk der heiligen Mutter Kirche und der ganzen Welt bieten können, besteht im Bemühen um eine persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung sowie in der Demut, zu lernen und den am meisten Verwundbaren zuzuhören, ihnen beizustehen und sie zu schützen.“ Auf diese Weise und unter der Führung des Heiligen Geistes werden wir bei diesem anspruchsvollen, aber möglichen Prozess unseren Beitrag leisten, „dieses Übel zu einer Chance der Reinigung werden zu lassen“. Mit der Bekehrung verbunden ist wesentlich „ein wiederholtes und ständiges Bemühen um die Heiligkeit der Hirten nötig, deren Gleichgestaltung mit Christus, dem guten Hirten, ein Recht des Gottesvolkes ist“. Für die Hirten besteht der Weg zur Heiligung im beständigen Hören auf das Wort Gottes, auch im Stundengebet, und in der Praxis eines sakramentalen Lebens, insbesondere durch die tägliche Feier der Eucharistie und eine häufige Beichtpraxis.

Opfer. Die Bekehrung schließt in besonderer Weise die Haltung zu den Opfern von sexueller Gewalt ein, die sich bewußt ist: „Das Übel, das ihnen widerfahren ist, lässt in ihnen unheilbare Wunden zurück, die sich auch in Form von Hass und selbstzerstörerischen Tendenzen zeigen.“ Der Heilige Vater fordert die Bischöfe und andere in diesem Bereich Verantwortliche auf, „ihnen jede notwendige Hilfe zukommen zu lassen und dabei auf Fachleute auf diesem Gebiet zurückzugreifen“. An erster Stelle ist es nötig, auf die Opfer zu hören. „Das Zuhören schenkt dem Verwundeten Heilung, es heilt auch uns selbst vom Egoismus, von der Distanz, von der Einstellung ‚Das ist nicht meine Aufgabe‘, von der Haltung des Priesters und des Leviten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter“. Diesbezüglich wenden sich verschiedene Opfer an die Apostolische Nuntiatur und bitten, ihre Schreiben dem Heiligen Vater und an den Heiligen Stuhl weiterzuleiten, weil sie mit den aus den betreffenden Diözesen erhaltenen Antworten nicht zufrieden sind oder, wie sie sagen, gar keine Antwort erhalten haben. Der Heilige Stuhl aber kann nicht ohne die Mitwirkung der einzelnen Diözesen oder Ordensgemeinschaften tätig werden, denn für die Opfer ist es in jedem Fall besser, vor Ort die nötige Unterstützung zu erhalten und in Kontakt mit in diesem Bereich erfahrenen Personen zu kommen, auch wenn dies über die Empathie hinaus Zeit, Geduld und Großherzigkeit verlangt.

Bildung der Priesterkandidaten. Die Bildung und Prägung der Seminaristen ist offensichtlich von größter Wichtigkeit. Der Heilige Vater hat die Enzyklika Sacerdotalis caelibatus des Heiligen Pauls VI. zitiert. Am 8. Dezember 2016 hat die Kongregation für den Klerus die Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis – Das Geschenk der Berufung zum Priestertum erlassen.

Die Beziehung Bischöfe – Priester. Die Beziehung zwischen dem Bischof und den Priestern ist von vitaler Bedeutung, insofern die Priester die „notwendigen Helfer und Ratgeber“ (PO 7) der Bischöfe sind. Ein Bischof sollte zu seinen Priestern eine Beziehung wie ein Vater und Hirte haben, wie es das Zweite Vatikanische Konzil vorsieht (vgl. CD 28; 11). Eine solche Haltung erfordert unter anderem eine leicht mögliche Kontaktaufnahme und gegenseitiges Vertrauen. Papst Franziskus erinnert häufig daran, Priester sollten einen direkten Zugang zu ihrem Bischof haben, um ihm leicht begegnen zu können, ihm ihre Freude und Nöte mitzuteilen und sein Verständnis, seine Unterstützung und Ermutigung zu finden. Diese persönlichen Kontakte sind in Zeiten von Krisen und Zweifeln umso wichtiger. Bei der permanenten Priesterbildung, die sich in den Diözesen gut entwickelt hat, sollten auch die Themen vertieft werden, die mit den erschütternden Taten des sexuellen Missbrauchs mit den vielfältigen menschlichen, sozialen, kirchlichen, geistlichen, rechtlichen und theologischen Aspekten in Zusammenhang stehen.

Moraltheologie. Die Skandale des Missbrauchs von Minderjährigen sind eine Herausforderung auch für die Theologie, vor allem für die Moraltheologie. Sie sollte zum Beispiel vertieft die zehn Gebote reflektieren und sich dabei der Beziehung von Freiheit und Verantwortung der menschlichen Person bewusst bleiben, die von Gott gerufen ist, auf dem Weg zur Heiligkeit immer weiter voranzuschreiten, denn dieses Ideal soll jeder Christ anstreben und erreichen. Es ist also nötig, immer wieder zu bekräftigen, dass alle Christen zur Heiligkeit berufen sind, wie das Zweite Vatikanische Konzil daran erinnert, dass die Kirche heilig ist, jedoch aus Sündern besteht, die zur Bekehrung und Heiligkeit gerufen sind (vgl. LG, Kap. V).

Dank an die Priester. Ich schließe, indem ich den vielen Priestern und gottgeweihten Personen danke, die auch in Deutschland ihre priesterliche Berufung und ihre Ordensgelübde in Treue vor Gott leben, indem sie sich großherzig und mit Selbstverleugnung dem Dienst an Gott und dem Nächsten widmen. Ich tue dies mit den Worten des Heiligen Vaters: „Lasst mich nun allen Priestern und gottgeweihten Personen innigen Dank sagen, die dem Herrn vollkommen und treu dienen. Sie fühlen sich vom schändlichen Verhalten einiger ihrer Mitbrüder entehrt und in Misskredit gebracht. Alle – die Kirche, gottgeweihte Personen, das Volk Gottes und sogar Gott selbst – tragen wir die Folgen ihrer Untreue. Im Namen der ganzen Kirche danke ich der überwältigenden Mehrheit der Priester, die nicht nur den Zölibat treu leben, sondern in einem Dienst aufgehen, der heute durch die Skandale einiger weniger (aber immer zu viele) ihrer Mitbrüder schwieriger geworden ist. Und Dank gilt auch den Gläubigen, die ihre tüchtigen Hirten sehr wohl kennen und weiter für sie beten und sie weiterhin unterstützen.“

Kardinal Marx zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen

11. März 2019 - 16:25

Zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, heute (11. März 2019) gesagt, es gehe jetzt darum, weitere konkrete Schritte umzusetzen, wie sie die im Herbst vorgestellte Missbrauchsstudie angeregt habe. Konkret wollten sich die Bischöfe mit dem Monitoring in Sachen Missbrauchsprävention, der Einrichtung von mehr unabhängigen Anlaufstellen für Opfer und der finanziellen Anerkennung des Leids befassen. Zudem gehe es um die „systemischen Gefährdungen in der Kirche“. Zu diesem Beratungskomplex gehören die Sexualmoral, die Macht von Geistlichen und die Lebensform der Priester. Die Frage des Zölibats werde dabei aber nicht unter dem Aspekt von Pro und Contra diskutiert. Kardinal Marx hat betont, dass mit einer jahrhundertealten Tradition so nicht umgegangen werden könne. Vielmehr gehe es um die Verbesserung von Aus- und Fortbildung von Priestern und die geistliche Begleitung von Klerikern. Kardinal Marx hat auch erläutert, warum bei der Versammlung der Bischofskonferenz keine Vertreter von Opfer-Organisationen eingeladen sind. Es gebe Beratungen der Bischöfe einerseits und Orte des Zuhörens andererseits. Den Opferverbänden komme eine besondere Bedeutung zu; sie verträten aber nicht alle Betroffenen.

Auch für eine aktive Frauenförderung in Kirche und Politik hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ausgesprochen. Kardinal Marx sagte, er sei früher ein Gegner von Frauenquoten gewesen, heute aber sehe er die Sache differenzierter. „Ich habe begriffen, dass man intensiv daran arbeiten muss, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu fördern, damit es auch geschieht“, so Kardinal Marx. Dass es mehr Frauen in Verantwortungspositionen gebe, geschehe nicht einfach von selbst.

Als Negativbeispiel hat der Münchner Erzbischof darauf verwiesen, dass im Bayerischen Landtag die Zahl der weiblichen Abgeordneten seit der letzten Wahl wieder rückläufig sei. Dagegen müsse man etwas tun. Wenn Frauen sich in besonderer Weise um die Familie kümmerten, dürfe dies nicht dazu führen, dass sie weniger Möglichkeiten zur Partizipation bekämen. Viele Forschungsergebnisse zeigten, dass die gemeinsame Arbeit von Männern und Frauen sich positiv auf die Arbeitsergebnisse auswirke. „Deshalb sollten wir auch im kirchlichen Bereich die Frauen stärker einbeziehen“, sagte Kardinal Marx. Zugleich erklärte der Kardinal, die Frage der Zulassung von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern stehe bei der Vollversammlung in Lingen nicht auf der Tagesordnung: „Wir haben jetzt nicht die Agenda, hier alle aktuellen theologischen Streitfragen zu diskutieren. (...) Aber das Thema wird sicher im Rahmen der Diskussion auftauchen, und zwar berechtigterweise.“

Zu den weiteren Beratungsthemen der Bischöfe in Lingen gehörten Flucht und Migration, die Europawahl, eine Arbeitshilfe zum Thema „Populismus“ sowie ein Gemeinsames Wort der evangelischen und der katholischen Kirche zum Demokratieverständnis, das in Vorbereitung sei.

Treffen von Kirchenvertretern und Rabbinern in Frankfurt am Main

7. März 2019 - 12:19

Die Frage nach der Zukunft der deutschen Gedenk- und Erinnerungskultur stand im Zentrum des diesjährigen Treffens von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands am 7. März 2019 in Frankfurt am Main. Angesichts einer von Rechtspopulisten lautstark vorgetragenen Kritik an der deutschen Kultur der Erinnerung an die nationalsozialistische Diktatur stimmten Rabbiner und Kirchenvertreter darin überein, dass die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus unverzichtbar zur politischen Kultur Deutschlands und Europas gehört. Der Erfolg der Demokratie in Deutschland sei auch einer Gedenkkultur zu verdanken, die weder das Unrecht der Vergangenheit noch das antisemitische und menschenverachtende Erbe der NS-Zeit verschweigt.

Die Einschätzung, dass die Erinnerungskultur überfrachtet sei, finde sich schon in den 1950er Jahren, betonte der neue Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ARK), Prof. Dr. Andreas Nachama, der auch die Ausstellung Topographie des Terrors in Berlin leitet. „Genau deswegen“, so Nachama weiter, „ist unsere gemeinsame Erinnerungsarbeit notwendig. Die Lehre aus der Geschichte ist: Völkermorde sind geschehen, also können sie wieder geschehen. Unsere Aufgabe – aller, die heute leben – ist es doch, dafür zu sorgen, dass so etwas möglichst nie wieder geschieht.“

Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, hob die Bedeutung „der jüdisch-christlichen Überlieferung für eine öffentliche Erinnerungskultur“ hervor: „Indem die Kirche gemeinsam mit den jüdischen Geschwistern öffentlich für das Gedächtnis der Opfer der Geschichte eintritt, indem sie verhindert, dass die Opfer von Ungerechtigkeit den endgültigen Tod durch das Vergessen erleiden, schafft sie die Voraussetzung für ein Erinnern, das gerade durch die Würdigung und Anerkennung vergangenen Leidens neues Leiden verhindert.“ Dem stimmte der katholische Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt) ausdrücklich zu. Er erinnerte an die Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2000 und fügte hinzu, dass der kritische Blick auch auf kirchliche Traditionen gerichtet werden müsse, um das Erbe antijüdischer Vorurteile zu überwinden: „Da haben wir in der Kirche noch einen weiten Weg vor uns – auch in der Verkündigung und Katechese, denn viele Katholiken haben noch falsche Vorstellungen vom Judentum.“

Einen kritischen Akzent setzte der Frankfurter Rabbiner Julian-Chaim Soussan von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD). Zwar wolle er die Bedeutung der Erinnerungskultur für die Demokratie keineswegs schmälern. Allerdings dürften Juden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf eine Opferrolle festgelegt werden. Es gelte vielmehr, den Reichtum der jüdischen Tradition und die Lebendigkeit des gegenwärtigen Judentums stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Seit 2006 treffen sich Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK) und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD einmal jährlich zu einem ausführlichen Meinungsaustausch, an dem auch das Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit teilnimmt.

Weitere Informationen unter:
Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands – www.a-r-k.de
Evangelische Kirche in Deutschland – www.ekd.de
Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands – www.ordonline.de
Deutscher Koordinierungsrat – www.deutscher-koordinierungsrat.de

Ausschreibung für den Katholischen Medienpreis 2019

7. März 2019 - 11:24

Bis zum 10. Mai 2019 können sich Journalisten aus Fernsehen, Hörfunk und Printmedien um den 17. Katholischen Medienpreis bewerben. Ausgezeichnet werden Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen. Journalisten sollen durch den Preis zu einer qualitäts- und wertorientierten Berichterstattung motiviert werden.

Der Katholische Medienpreis, der in den Kategorien „Printmedien“ und „Elektronische Medien“ mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Zusätzlich wird der „Sonderpreis der Jury“, dotiert mit 2.000 Euro, für außergewöhnliche Leistungen verliehen. Die Preisträger werden von einer Jury unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), ausgewählt. Der Festakt zur Verleihung des Katholischen Medienpreises findet am 21. Oktober 2019 im Max Ernst Museum Brühl des LVR statt.

Ab sofort ist das Bewerbungsformular für den Katholischen Medienpreis unter www.dbk.de auf der Themenseite Katholischer Medienpreis sowie unter www.gkp.de und www.katholischer-medienverband.de verfügbar. Es können Arbeiten eingereicht werden, die zwischen dem 10. Mai 2018 und dem 9. Mai 2019 in einem journalistischen Medium des deutschen Sprachraums veröffentlicht wurden. Einsendeschluss ist am 10. Mai 2019.

Weitere Informationen zur Jury und den bisherigen Preisträgern sowie zu den Preisverleihungen finden Sie ebenfalls auf der Themenseite Katholischer Medienpreis.

Blutzeugen des 20. Jahrhunderts

6. März 2019 - 10:04

Zur Erinnerung an die Märtyrer des 20. Jahrhunderts ist jetzt die siebte  überarbeitete und aktualisierte Auflage des Deutschen Martyrologiums unter dem Titel „Zeugen für Christus“ erschienen. Das Projekt geht auf Papst Johannes Paul II. zurück, der dazu aufrief, die Erinnerung an die Märtyrer des 20. Jahrhunderts wachzuhalten: „Die Märtyrer sind zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‚unbekannte Soldaten‘ der großen Sache Gottes. Soweit als möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verloren gehen. Wie beim Konsistorium empfohlen wurde, muss von den Ortskirchen alles unternommen werden, um durch das Anlegen der notwendigen Dokumentation nicht die Erinnerung zu verlieren an diejenigen, die das Martyrium erlitten haben“, so Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben zur Einberufung des Heiligen Jahres 2000. Verantwortlich für das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts ist im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz Prälat Prof. Dr. Helmut Moll.

In der siebten Auflage des Werkes werden neue aktuelle wissenschaftliche Forschungen mit berücksichtigt. Aktuelle und umfangreiche Monographien und Biographien thematisierten Glaubenszeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Hier sind Studien über den Münchner Journalisten Dr. Fritz Michael Gerlich, den früheren Württembergischen Staatspräsidenten Dr. h.c. Eugen Bolz oder Dr. Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg aus dem Bistum Würzburg zu nennen.

Seit der Auslieferung der sechsten Auflage des deutschen Martyrologiums wurden mehrere Blut- und Glaubenszeugen mit einem Verfahren für Selig- bzw. Heiligsprechungen ausgezeichnet. Das aktuelle Werk geht unter anderem auf den Mariannhiller Missionar P. Engelmar Unzeitig ein, ebenso auf die Seligsprechungen von Pfarrer Antonius Joseph Marxen und Pfarrer Alfons Tracki.

Das Martyrologium des 20. Jahrhunderts wird kontinuierlich fortgeschrieben. Seit dem Jahre 2015 konnten dazu neue Beauftragte für deutsche Diözesen ernannt werden, die in der Lage sind, Personen von Glaubenszeugen zu entdecken, neue Lebensbilder zu erstellen sowie eingehende Rückfragen zu beantworten.

Hintergrund

Das Gesamtprojekt zur Märtyrergeschichte des 20. Jahrhunderts wurde 1994 von Papst Johannes Paul II. initiiert. Seither haben 160 Fachleute in Zusammenarbeit mit Bistümern und Ordensgemeinschaften Lebensbilder von knapp 1.000 katholischen Märtyrerinnen und Märtyrern zusammengestellt. Die Darstellung erfolgt in vier Kategorien: die Blutzeugen unter Hitlers Terror; die Blutzeugen in der Zeit des Kommunismus; das „martyrium puritatis“ von Mädchen, Frauen, Ordensschwestern und ihren Beschützern; die Blutzeugen aus den Missionsgebieten.


Hinweis:

Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Herausgegeben von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. 2 Bände, Verlag Ferdinand Schöningh Paderborn, 99,00 Euro, ISBN 978-3-506-78012-6.

Leitlinien zur Stilllegung und kirchlichen Nachnutzung von Kirchen liegen jetzt in deutscher Sprache vor

5. März 2019 - 10:13

Bei einer internationalen Konferenz des Päpstlichen Rates für die Kultur, die unter dem Thema „Wohnt Gott nicht mehr hier? Stilllegung von Gotteshäusern und ganzheitliche kirchliche Kulturgutpflege“, die vom 29. bis 30. November 2018 an der Päpstlichen Universität Gregoriana stattgefunden hat, wurden gemeinsam mit den Delegierten der Bischofskonferenzen Europas, Kanadas, der Vereinigten Staaten und Australiens die Leitlinien „Stilllegung und kirchliche Nachnutzung von Kirchen“ veröffentlicht. Dieses Dokument ist ab sofort als pdf-Datei in einer deutschen Arbeitsübersetzung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz verfügbar.

Die Konferenz fand anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 (ECHY 2018) statt und befasste sich mit Überlegungen zu Nachnutzungskonzepten von Kirchen, die nicht mehr liturgisch genutzt werden.

Der Päpstliche Rat für die Kultur hat klargestellt, dass die Leitlinien nicht bindend sind, sondern die letzte Verantwortung dem jeweiligen Ortsbischof obliegt. Außerdem werden die Leitlinien demnächst in der überarbeiteten Broschüre „Umnutzung von Kirchen. Beurteilungskriterien und Entscheidungshilfen“ (Arbeitshilfen Nr. 175) veröffentlicht.

Hinweis:
Die Leitlinien „Stilllegung und kirchliche Nachnutzung von Kirchen“ sind untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

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