Augenblicke der Besinnung

Wenn wir den Engelsgruß beten,
dürfen wir uns mit dem Jawort Marias verbinden,
voller Vertrauen einstimmen
in die Schönheit des Planes Gottes und der Vorsehung,
die er uns in seiner Huld zugedacht hat.
Dann wird die Liebe Gottes
auch in unserem Leben
gleichsam Fleisch werden,
immer mehr Gestalt annehmen.
In allen Sorgen brauchen wir
keine Angst haben.
Gott ist gut.             

Papst Benedikt XVI.
















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Aktuelle Meldungen
Aktualisiert: vor 36 Minuten 33 Sekunden

Kirchen diskutieren über Zustand der Demokratie

23. March 2017 - 13:50
In der gegenwärtigen Debatte um die politische Kultur in Deutschland wünscht sich Bundestagspräsident Norbert Lammert von den christlichen Kirchen ein klares Bekenntnis zur repräsentativen parlamentarischen Demokratie. Lammert sprach am gestrigen Mittwoch (22. März 2017) bei einer von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deutschen Bischofskonferenz, der Synode der EKD und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in Zusammenarbeit mit der Evangelischen und Katholischen Akademie in Berlin getragenen Veranstaltung mit dem Titel „Zwischen Polarisierung und Konsens. Wie steht es um unsere Demokratie?“.

Gegen den Anspruch praktisch aller Populisten, den Willen des Volkes unverfälscht zum Ausdruck zu bringen, erinnerte der Bundestagspräsident daran, dass eine freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie von der Idee der gleichen Berechtigung verschiedener Überzeugungen lebe. Die demokratische Mehrheitsentscheidung sei keine Entscheidung über Wahrheiten, wohl aber ein Gültigkeitstestat für die erfolgte Willensbildung. Der Konflikt sei in einer Demokratie ein gewollter Dauerzustand, wie auch das Spannungsverhältnis zwischen Bewahren und Verändern.

In der repräsentativen parlamentarischen Demokratie mit regelmäßigen Wahlen, Berufspolitikern als Repräsentanten des Volkes und der Zuordenbarkeit von Verantwortung und nicht in plebiszitären Entscheidungsformen sieht Lammert den besten Weg. „Parlamentarische Entscheidungen sind selten genial, aber auch selten völlig daneben“, so Lammert.

Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte unterstrich in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer Streitkultur für das Funktionieren einer Demokratie. „Streit ist wichtig“, so Korte, „Wettbewerb, Auseinandersetzungen und Konflikte sind die Voraussetzung für notwendige Veränderung.“ Er kritisierte, dass die Deutschen in Bezug auf ihre Demokratie oft zu streitscheu seien. Eine Belebung der Streitkultur, für die es aktuelle Anzeichen gebe, werde der Demokratie gut tun.

Der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, rief dazu auf, gegen die Tendenz zur Emotionalisierung der politischen Debatte auf die Kraft des rationalen Argumentes zu setzen und die Auseinandersetzung über den richtigen Weg auf der Basis persönlicher fundierter Überzeugungen zu führen. „Mich beunruhigen der Hass und Müll, der mir insbesondere im Netz begegnet“, so Sternberg.

Die Präses der Synode der EKD, Irmgard Schwaetzer, rief die Christen dazu auf, ihren Beitrag zur Revitalisierung der politischen Kultur zu leisten und besonders den Dialog mit den Unentschlossenen zu suchen. „Wir haben als Menschen und natürlich auch als Christen eine Verpflichtung, uns für die Demokratie in die Bresche zu werfen.“

Der Essener Bischof und Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, kündigte in seinem Schlusswort an, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland wollten gemeinsam eine Erklärung zur Demokratie erarbeiten. In diesen Text müssten die Debatten über Bedeutung des Konflikts, der Identität und der Verantwortung in der Demokratie eingehen.

Ökumenische Erklärung zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge

23. March 2017 - 11:51
Am 25. März 1957 gründeten Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Italien und die Niederlande in Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft. Aus Anlass des 60. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge erinnern der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an die friedenspolitische Bedeutung der Unterzeichnung. In einer gemeinsamen Erklärung würdigen beide die Römischen Verträge als Grundlage für ein Zusammenwachsen Europas, das bis heute Frieden und Wohlstand für Europa garantiere und zu einem Symbol freiheitlichen Lebens in der Welt geworden sei.

„Europa muss Konsequenzen aus den Zerwürfnissen der vergangenen Jahre ziehen und seine derzeitige tiefe Krise überwinden. Die EU ist mehr als die Summe ihrer Mitgliedstaaten. Sie muss für die zahlreichen aktuellen Herausforderungen besser aufgestellt sein und darf sich nicht auseinanderdividieren lassen“, so Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm. „Eine engere Zusammenarbeit wäre in vielen Bereichen dringend geboten. So brauchen wir eine faire Handels-, eine solidarische Flüchtlings- und eine abgestimmte Außen- und Sicherheitspolitik. Gleichzeitig sollte die EU ihr soziales Profil schärfen und den Bürgerinnen und Bürgern besser vermitteln, dass sie zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse beiträgt.“

Beide Vorsitzenden betonen, dass die Kirchen auch heute zur Überwindung innereuropäischer Gräben beitragen wollen: „Wir haben weiter Hoffnung für Europa! Die heutige Erinnerung an die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die damit verbundene Erfolgsgeschichte für Frieden und Einheit sollten uns als Christen zum tatkräftigen Bekenntnis für Europa ermutigen. Die Präsenz der Gemeinden vor Ort sowie die vielfältigen ökumenischen Kontakte in Europa wollen wir noch stärker dazu nutzen, den Austausch unter den Menschen zu unterstützen und Zeichen der europäischen Verbundenheit zu setzen.“

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm appellieren an die politisch Verantwortlichen, die besondere moralische Verantwortung Europas in der Welt wahrzunehmen: „Auch in der Krise darf sich Europa nicht selbst genug sein, sondern muss für eine Entwicklung der ganzen Welt in Frieden und Gerechtigkeit Sorge tragen.“
Hinweis:
Die Gemeinsame Erklärung ist untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen verfügbar.

Deutsche Bischofskonferenz gratuliert neuem Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland

19. March 2017 - 8:57
Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), hat die guten Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland gewürdigt. Anlässlich der heutigen Einführung des neuen Bischofs der Evangelisch-methodistischen Kirche in der St. Petri-Kirche zu Hamburg, Bischof Harald Rückert, betonte Bischof Feige in seinem Grußwort, dass ein internationaler Dialog seit 50 Jahren gewachsen sei. Dieser habe mit der Zustimmung zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch den Weltrat Methodistischer Kirchen im Jahr 2006 eine eigene Qualität erlangt.

Bischof Feige hob den Weg „geschwisterlicher Verbundenheit“ hervor, der auch künftig fortgesetzt werden solle. Bischof Rückert bringe nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Mitwirkung in der Delegiertenversammlung und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg einen reichen Erfahrungsschatz mit. Bischof Rückert war bei der an diesem Wochenende zu Ende gegangenen Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Deutschlands zum Nachfolger von Bischöfin Rosemarie Wenner gewählt worden. Das Leitwort der Zentralkonferenz, „,In Christus verbunden – in Liebe verbinden‘ möge Ihnen und uns allen Zuspruch und Ansporn auch für unsere Bemühungen auf dem Weg zur vollen sichtbaren Einheit der Kirche sein“, so Bischof Feige.

Der scheidenden Bischöfin Wenner dankte Bischof Feige für ihren engagierten Einsatz in der Ökumene. 2005 hatte Bischöfin Wenner das Amt übernommen: „Die große Wertschätzung, mit der Sie den Glaubensgeschwistern in anderen Kirchen stets begegnet sind, und die hohe Sensibilität, die Ihr ökumenisches Engagement prägte, haben sehr dazu beigetragen, dass zwischen der katholischen Kirche und der Evangelisch-methodistischen Kirche das Verständnis füreinander weiter gewachsen ist und Ihre Kirche in der Ökumene in hohem Ansehen steht“, so Bischof Feige.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte Bischof Rückert in einem Brief gratuliert. Darin schreibt er: „Das Vertrauen, das die Zentralkonferenz Ihnen mit der Wahl zum Bischof geschenkt hat, möge Sie bei der Ausübung Ihres Amtes tragen und Ihnen helfen, es mit Freude, Mut und Entschiedenheit auszuüben. Gottes kraftvoller Geist möge mit Ihnen sein und Sie bei der Wahrnehmung dieser verantwortungsvollen Aufgabe leiten.“ Hinweis:
Das Grußwort von Bischof Dr. Feige anlässlich der Verabschiedung von Bischöfin Wenner und das Grußwort bei der Amtseinführung von Bischof Rückert finden Sie untenstehend zum Herunterladen.

XIII. Jahrestagung Illegalität in Berlin beendet

17. March 2017 - 9:59
Unter dem Titel „Gesundheitsversorgung und aufenthaltsrechtliche Illegalität – Anspruch und Umsetzung“ ist heute (17. März 2017) die XIII. Jahrestagung Illegalität zu Ende gegangen. Dazu kamen rund 120 Fachleute aus Kirche und Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung, Politik und Wissenschaft in der Katholischen Akademie in Berlin zusammen.

Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), der zugleich Vorsitzender des Katholischen Forums Leben in der Illegalität ist, forderte in seinem Impulsvortrag eine größere Sensibilität für die besonderen Bedürfnisse der Betroffenen: „Mangelnde ‚Papiere‘ dürfen keinen Mangel an Menschenwürde bedeuten.“ Aufgabe der Kirche sei es, „sich all derer anzunehmen, die – an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt – im Verborgenen leben; ihnen eine Stimme zu verleihen; ihre Menschenwürde in Worten und Taten zu verteidigen“.

Mit Blick auf ein aktuelles Positionspapier des Katholischen Forums Leben in der Illegalität forderte der Erzbischof, „dass Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität ihren Anspruch auf medizinische Grundversorgung ohne Furcht vor Aufdeckung ihres Status und Abschiebung geltend machen können“. Darüber hinaus müsse es allen schwangeren Frauen – unabhängig von ihrem Status – möglich sein, „ihr Kind frei von Angst auf die Welt zu bringen“ und die erforderliche Vor- und Nachsorge zu erhalten.

Bei einer Diskussion zwischen dem Kulturanthropologen Prof. Dr. Werner Schiffauer von der Europa-Universität Viadrina und dem Publizisten Dr. Alexander Grau stand die Frage nach dem Spannungsverhältnis zwischen nationalstaatlicher Souveränität und universalen menschenrechtlichen Verpflichtungen in Migrationsfragen im Zentrum. Fachvorträge widmeten sich unter anderem der Gesundheitsversorgung von Menschen „ohne Papiere“. Dabei wurde immer wieder auf die Kluft zwischen dem rechtlichen Anspruch auf medizinische Behandlung einerseits und der faktischen Umsetzbarkeit dieses Rechts andererseits hingewiesen. Als Pilotprojekte wurden das niedersächsische Modell des „anonymen Krankenscheins“ sowie die Hamburger „Clearingstelle zur Gesundheitsversorgung von Ausländern“ vorgestellt. Prof. Dr. Winfried Kluth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg lenkte den Blick auf verfassungsrechtliche Fragen, die mit der Gesundheitsversorgung von Kindern „ohne Papiere“ zusammenhängen.

In Diskussionsforen befassten sich die Teilnehmer mit der Situation von Schwangeren in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität, dem Versicherungsschutz von EU-Bürgern mit unklarem Arbeitsstatus sowie der Gesundheitsversorgung von Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in den Niederlanden und in Italien. Die Jahrestagung endete mit einer politischen Podiumsdiskussion, in der Perspektiven für die nächste Legislaturperiode erörtert wurden. Aus Sicht des Katholischen Forums Leben in der Illegalität besteht insbesondere im Bereich der Gesundheitsversorgung dringender Handlungsbedarf.

Hintergrund Das Katholische Forum Leben in der Illegalität wurde 2004 auf Initiative der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Es setzt sich dafür ein, dass Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität in Deutschland ihre grundlegenden sozialen Rechte in Anspruch nehmen können, ohne deshalb die Abschiebung befürchten zu müssen. Neben der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz sind der Deutsche Caritasverband, die Katholische Arbeitsgemeinschaft Migration, der Malteser-Hilfsdienst und der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Träger des Forums. Die Jahrestagung Illegalität wird vom Katholischen Forum Leben in der Illegalität, der Katholischen Akademie in Berlin und dem „Rat für Migration“, einem unabhängigen Zusammenschluss von Migrationswissenschaftlern, organisiert.
Hinweise: Den Impulsvortrag von Erzbischof Dr. Stefan Heße und das aktuelle Positionspapier des Katholischen Forums Leben in der Illegalität finden Sie untenstehend zum Herunterladen. Weitere Informationen zum Katholischen Forum unter http://forum-illegalitaet.de.

Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz: „Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“

15. March 2017 - 11:59
Die niederländische Autorin Anna Woltz und die deutsche Übersetzerin Andrea Kluitmann erhalten den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz für das im Carlsen Verlag erschienene Buch „Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 241 Titeln ausgewählt, die von 64 Verlagen eingereicht wurden. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wird zwischen der Autorin (4.000 Euro) und der Übersetzerin (1.000 Euro) aufgeteilt.

„Wir alle kennen Verletzungen, die wir am liebsten eingipsen würden. Wir sehnen uns nach Heilung und einer Rüstung, wenn wir uns schwach fühlen und Brüche in unserer Welt auftauchen. Mit der kleinen Felicia hat Anna Woltz ein starkes und mutiges Mädchen geschaffen, das an diesem einen Tag im Krankenhaus nicht nur ihre eigene Welt repariert, sondern auch für die Menschen, denen sie begegnet, zur Heilsbringerin wird,“ so Weihbischof Robert Brahm.

Die Preisverleihung des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises durch den Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), findet in diesem Jahr anlässlich des 70-jährigen Bestehens der STUBE, Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur der Erzdiözese Wien, während eines Festaktes am 11. Mai 2017 im Erzbischöflichen Palais in Wien statt, bei dem auch der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, anwesend sein wird. Die STUBE steht seit Jahren in engem Austausch mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis und stellt traditionell ein Jurymitglied.
Der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises gehören neben dem Juryvorsitzenden, Weihbischof Robert Brahm (Trier), Ute Auweiler (Bergisch Gladbach), Prof. Dr. Norbert Brieden (Wuppertal), Gabriele Cramer (Münster), Cornelia Klöter (Leipzig), Bettina Kraemer (Bonn), Prof. Dr. Georg Langenhorst (Augsburg), Dr. Heidi Lexe (Wien), Dr. Klara Asako Sarholz (Bottrop) und Anna Winkler-Benders (Frankfurt) an.

Jurybegründung
Ein Tag an dem die Welt im Schnee versinkt und stehen zu bleiben scheint – draußen. Drinnen hingegen klaffen Wunden; jene, die offenliegen, aber auch jene, die tief innen bluten, ohne dass jemand von ihnen weiß. Anna Woltz nutzt für ihren Kinderroman die klassische Einheit von Ort und Zeit und verlegt jenen Tag im Leben der zwölfjährigen Felicia, von dem sie erzählt, in ein Krankenhaus. Heute ist die Welt hier, heißt es über den in sich geschlossenen Raum, der ein Ort des Unheil-Seins gleichermaßen wie des Heil-Werdens ist. Hierher geraten Felicia und ihre neunjährige Schwester Bente, weil ihr Vater die Möglichkeiten winterlicher Fahrradtransporte überschätzt und mit dem glätteuntauglichen Fortbewegungsgerät samt Schlitten und Bente auf dem Gepäckträger ausrutscht. In der Wundversorgung jedoch zeigt sich, dass in Felicias Familie weit mehr in die Brüche gegangen ist als ein Zombiefinger, dem nun eine Kuppe fehlt. Die Fingerkuppe kann wieder angenäht werden; aber wie ist das mit Felicias Familie – kann auch die wieder hergestellt werden? Ist man überhaupt noch eine Familie, wenn die Eltern geschieden sind? Nur kurze Zeit vorher haben Felicias Eltern ihren Kindern mitgeteilt, dass man einander immer verbunden sein, in Zukunft aber getrennte Wege gehen werde. Daraufhin hat Felicia ihre Eltern per E-Mail informiert, ab jetzt Fitz genannt werden zu wollen. In ihrer Erzählhaltung macht sie kein Hehl aus ihrer Wut, aber auch aus ihrer Enttäuschung und Ratlosigkeit. Eloquent steigt sie in die Schilderung der Ereignisse ein und erzählt unmittelbar aus ihrer Situation heraus. Anna Woltz stattet Fitz als Ich-Erzählerin dafür mit den sprachlichen Mitteln des Präsens ebenso wie mit trockenem Humor aus. Sie positioniert sie zu Beginn des Romans als scheinbare Unheilbringerin – denn Fitz hat sich ihren Kommentar zur familiären Situation angriffslustig mit Permanentmarker ins Gesicht geschrieben. Ins Krankenhaus darf sie überhaupt nur mit, weil die Nachbarin ihr eine Tigermaske ausgeliehen hat. Während Bente im Krankenhaus als Patientin aufgenommen wird, agiert der Vater leicht panisch und die in ihren nagelneuen Joggingschuhen antrabende Mutter regelt die Dinge außerordentlich souverän. Der wilde Tiger Fitz jedoch streift durch das Krankenhaus und findet gerade hier, an einem Ort zahlreicher anonymisierter Schicksale, auf verschlungenen Wegen neu zu sich selbst. Anna Woltz inszeniert Rituale des Übergangs und befreit dabei einzelne Biografien aus der Anonymität: Sie lässt Fitz gemeinsam mit dem unwiderstehlichen Adam sowie der schrägen Primula kleine Dummheiten zelebrieren und große Wahrheiten wie nebenbei erkennen. Denn das Gefühl des Zurückgesetzt- und Angenommen-Seins, das in unterschiedliche Varianten aufgefächert wird, birgt gerade für kindliche Leserinnen und Leser großes (emotionales) Identifikationspotential. Dabei werden einzelne Motive und Symbole in sprachlich und situativ immer neuen Variationen aufgegriffen – wie auch der titelgebende Gips. Denn Brüche müssen in Gips gelegt werden; dieser Gips wird hart und schließt sich wie ein Panzer um Wunden; er dient der Selbststärkung gleichermaßen wie der Befriedung der darunterliegenden Irritationen. Brüche heilen und auch wenn der Knochen nicht mehr seinem Ausgangszustand entspricht, ist er dennoch wieder tragfähig: Ich fühle mich neu. Als hätte ich nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein neues Stück Gehirn. Und ein neues Stück Herz, stellt Fitz gegen Ende des Romans fest. Zum Gefühl des Neubeginns gehört für Fitz die Erfahrung, dass Idealbilder von Familie zersplittern, aber auch neue Konstellationen heilbringend sein können. Vor Gott sind 1.000 Jahre wie ein Tag und für Fitz verdichtet sich in diesem Tag ein Wegstück des Erwachsenwerdens, das schmerzvoll, aber auch unendlich beglückend ist.

Zur Autorin
Anna Woltz wurde am 29. Dezember 1981 in London geboren und wuchs in Den Haag auf. Im Alter von 15 Jahren schrieb sie in der niederländischen Tageszeitung „de Volkskrant“ eine regelmäßige Kolumne über ihr Leben in der Schule. 2002 veröffentlichte Anna Woltz ihr erstes Kinderbuch. Seit ihrem Studium der Geschichte in Leiden ist sie als Schriftstellerin und Journalistin tätig.  Die Werke von Anna Woltz wurden mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert. So erhielt zuletzt „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“ (2013) einen Vlag en Wimpel der Griffeljury, „Hundert Stunden Nacht“ (2014) gewann den Nienke van Hichtum-Preis und „Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte“ (2016) wurde mit dem Gouden Griffel 2016 ausgezeichnet.

Zur Übersetzerin
Andrea Kluitmann wurde 1966 geboren und studierte Germanistik und Niederlandistik in Bochum und Amsterdam. Sie arbeitet als freie Übersetzerin aus dem Niederländischen und übersetzte Werke unter anderem von Hella Haasse und Gerbrand Bakker. Ihre Übersetzung von Do van Ransts Jugendroman „Wir retten Leben, sagt mein Vater“ wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Hinweise: Zum Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz ist die Arbeitshilfe Nr. 293 „Preisbuch 2017 und empfohlene Bücher“ mit ausführlichen Rezensionen aller Titel sowie ein Preisträgerplakat 2017 im Format DIN A1 erschienen. Beides kann in der Rubrik Veröffentlichungen bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Hier geht es direkt zur Broschüre und zum Plakat. Informationen zur Jury und zur Geschichte des Preises sowie alle Siegertitel inklusive Jurybegründungen seit 1979 finden Sie auf der Seite „Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis“ (Rubrik Initiativen). Fotos der Titel der Empfehlungsliste 2017 sowie aller Preisbücher seit 1979 sind abrufbereit bei KNA-Bild, www.kna-bild.de, Tel. 0228-26000-0.

Treffen von CDU und Deutscher Bischofskonferenz

14. March 2017 - 9:55
Das Präsidium der CDU Deutschlands hat sich gestern (13. März 2017) unter Leitung der Vorsitzenden, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, zu einem Meinungsaustausch mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung ihres Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, getroffen. Im Mittelpunkt des gut zweistündigen Gesprächs im Katholischen Büro der Deutschen Bischofskonferenz standen neben einem Ausblick auf das Jahr 2017 Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Themen Flucht und Migration sowie die Zukunft der Europäischen Union.

Angesichts der großen Herausforderungen waren sich beide Seiten einig, dass christliche Werte in unserem Land eine zentrale Rolle spielen müssen. Mit Blick auf das Reformationsjahr wurde die Bedeutung der Ökumene betont. Der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sowie der Unterstützung und Förderung von Familien komme eine entscheidende Rolle zu. Dies gelte auch für die Fortschreibung der europäischen Integration, deren friedensstiftendes Wirken besonders hervorgehoben wurde.

Die Integration von Flüchtlingen mit Bleiberecht sei eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre, waren sich beide Seiten einig. Die Vertreter der CDU dankten den Bischöfen ausdrücklich für das große Engagement der Kirchen in der Flüchtlingshilfe und bei der Integrationsarbeit. Dabei warben die Vertreter der Bischofskonferenz für eine faire Lastenverteilung in Europa und unterstrichen die Bedeutung des Familiennachzugs für eine erfolgreiche Integration.

Die Bekämpfung der Fluchtursachen insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent bleibe eine dauernde Aufgabe. Die Vertreter der Bischofskonferenz betonten, es sei ein starkes Signal, dass die Entwicklung Afrikas einer der Schwerpunkte der diesjährigen G20-Präsidentschaft Deutschlands sei.

Die Begegnung fand in einer herzlichen und offenen Atmosphäre statt. Beide Seiten vereinbarten, den vertrauensvollen Austausch weiter fortzusetzen.

Hintergrund
Für das Präsidium der CDU Deutschlands nahmen an dem Gespräch teil:
die CDU-Parteivorsitzende, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel; CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber; die Präsidiumsmitglieder Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister Dr. Thomas de Maizière, Prof. Monika Grütters, Karl-Josef Laumann und Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff; zudem waren Bundesminister Peter Altmaier und die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Sabine Weiss zu Gast.

Für die Deutsche Bischofskonferenz nahmen an dem Gespräch teil:
der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof Dr. Heiner Koch, Bischof Dr. Stephan Ackermann, Weihbischof Dieter Geerlings, Weihbischof Dr. Christoph Hegge, Weihbischof Wilfried Theising, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Dr. Hans Langendörfer SJ, sowie Prälat Dr. Karl Jüsten und Katharina Jestaedt.

Hinweis:
Ein Foto des Spitzengesprächs kann kostenfrei unter pressestelle@dbk.de angefordert werden.

Fachtagung der evangelischen und katholischen Kirche

13. March 2017 - 9:50
Die Zukunft der Demokratie und die Frage nach den Rahmenbedingungen für ein Gelingen der Demokratie sind ein aktuelles Thema für die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland. Zehn Jahre nach dem Erscheinen des Gemeinsamen Wortes „Demokratie braucht Tugenden“ wollen die Kirchen sich mit der gegenwärtigen Lage der Demokratie befassen. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Populismus auch in Deutschland Fuß fassen kann. Das betrifft nicht nur die Aufmerksamkeit, die populistische Parteien erreichen und ihre Erfolge in Wahlen. Die Institutionen und Verfahren der Demokratie sind herausgefordert, die Politik und die gesellschaftlichen Gruppen müssen neue Antworten suchen. Auch die Kirchen stellen sich dieser Aufgabe und beraten, was sie gemeinsam angesichts der augenblicklichen Entwicklungen tun können.

Dieser Problematik will eine Fachtagung nachgehen, die am Mittwoch, 22. März 2017, von 17.30 bis 19.30 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte stattfindet. Neben Bundestagspräsident Norbert Lammert und Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen werden Prof. Dr. Reiner Anselm, Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD, und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, diskutieren. Die Präses der Synode der EKD, Dr. Irmgard Schwaetzer, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, werden ebenfalls an der Diskussion teilnehmen.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Eine Anmeldung per E-Mail an die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (pressestelle@dbk.de) ist notwendig.

Hinweise:
Veranstalter der Tagung sind EKD, die Deutsche Bischofskonferenz, die Synode der EKD und das ZdK in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie und der Katholischen Akademie Berlin.
Das Tagungsprogramm finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen.

„Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“

11. March 2017 - 16:26
Mit einem gemeinsamen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der Hildesheimer Michaeliskirche haben die katholische und evangelische Kirche in Deutschland heute eine Umkehr von der Jahrhunderte währenden Geschichte gegenseitiger Verletzungen und Abgrenzung vollzogen. Bei dem Gottesdienst, an dem auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Bundestagspräsident Norbert Lammert teilnahmen, dankten die Kirchen zugleich für das 500 Jahre nach der Reformation sichtbar werdende gegenseitige Vertrauen.

„Das Reformationsgedenken soll ein neuer Anfang sein für einen Weg, der uns als Kirchen nicht mehr voneinander trennt, sondern zusammenführt“, sagte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, in einer Dialogpredigt mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. „Wir wollen in der Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben“, so Landesbischof Bedford-Strohm. „Wenn alle, die heute hier dabei sind, und auch alle, die heute zuschauen und zuhören, sich gemeinsam verpflichten, die Kraft der Liebe Gottes in unserem Leben zu bezeugen, und sie selbst auszustrahlen, dann können wir diese Gesellschaft erneuern.“

Kardinal Reinhard Marx sprach 500 Jahre nach der Reformation von einem „Tag der Freude“. „Ich bin froh, dass wir heute ein Zeichen für ein versöhntes Miteinander setzen. Wir nehmen unsere Geschichte an, schauen auf das, was Christen sich gegenseitig angetan haben, und gehen gemeinsam weiter. Wir tun das nicht anklagend oder niedergedrückt, sondern in einer Haltung der Hoffnung und des neuen Aufbruchs. Dafür bin ich dankbar“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Im Verlauf des Gottesdienstes hatten Jugendliche in der gemeinsam von katholischer und evangelischer Gemeinde genutzten Hildesheimer Michaeliskirche eine im Mittelgang liegende symbolische Sperre zu einem Kreuz aufgerichtet. „Es gibt einen Weg heraus aus den Sperren, es gibt Wege, die Trennungen zu überwinden. Und wir haben gesehen, was der Schlüssel dafür ist: Aus der Sperre ist ein Kreuz geworden“, sagte Landesbischof Bedford-Strohm. „Ich wünsche mir, dass wir sagen können: Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander. Sie stehen im Zeichen des Kreuzes nicht nur für sich selbst, sondern sind Hoffnungsträger für alle Menschen, besonders für die Armen, Schwachen und Hoffnungslosen“, betonte auch Kardinal Marx.

Am Ende des Gottesdienstes sprachen die Liturgen eine Selbstverpflichtung, in der sie sich zusagten, im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes „weitere Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen zu gehen“.

Das Jahrhundertjubiläum im Jahr 2017 ist das erste in der 500-jährigen Reformationsgeschichte, das evangelische und katholische Kirche gemeinsam begehen. Zu den ökumenischen Höhepunkten gehörte unter anderem eine gemeinsame Pilgerreise ins Heilige Land sowie der Besuch einer Delegation in Rom, bei dem Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm auch mit Papst Franziskus zusammengetroffen waren.

Der Gottesdienst in Hildesheim ist das zentrale Ereignis eines sogenannten „Healing of Memories“-Prozesses („Heilung der Erinnerung“), mit dem die Kirchen gemeinsam nach Wegen zur Versöhnung suchen. Der Prozess hat weltweit Vorbilder. So stand auch der Versöhnungsprozess nach dem Ende der Apartheid in Südafrika unter der Überschrift „Healing of Memories“. Im September 2016 hatten katholische und evangelische Kirche in München eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen vorgestellt. Darin hatten sie sich darauf verständigt, „die Trennungen der Kirchen ehrlich anzuschauen, ihre leidvollen Auswirkungen zu bedenken und Gott und einander um Vergebung für das Versagen auf beiden Seiten zu bitten“. Nächster ökumenischer Meilenstein im Jahr 2017 wird eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT), des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz am 16. September 2017 in Bochum sein.

Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 der Deutschen Bischofskonferenz in Bensberg

9. March 2017 - 14:00
Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (9. März 2017) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten.

Wir dokumentieren hier den umfassenden Pressebericht zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 9. März 2017 um 14.00 Uhr in Bensberg vorgestellt hat. Die pdf-Datei ist untenstehend auch zum Herunterladen verfügbar.

1.    Einführung 2.    Interview von Papst Franziskus in der ZEIT 3.    Studienhalbtag „Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“ 4.    Bischöfliche Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes 5.    Sterben in Würde – Anmerkungen zur aktuellen Debatte 6.    Woche für das Leben 2017 7.    Ökumene
  • Reformationsgedenken 2017
  • Konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie
8.    Aktuelle politische Entwicklungen und Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts 9.    5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 10.    Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken 11.    Präsenz der Theologie in Berlin 12.    Kirchliche Formate beim Jugendangebot „funk“ von ARD und ZDF 13.    Weltkirche und Migration
  • 17. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
  • Syrien – Bericht zur politischen und kirchlichen Situation
  • Bericht des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen
  • Zur aktuellen Debatte über Abschiebungen (Afghanistan)
14.    Haushaltsfragen des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) 15.    Personalien

1.    Einführung Vor über 25 Jahren hat sich die Deutsche Bischofskonferenz hier in Bensberg getroffen. Damals war das die erste Vollversammlung, in der die Bischöfe aus Ost- und Westdeutschland zusammenkamen. Wir sind dankbar für die Gastfreundschaft des Erzbistums Köln. Beim Eröffnungsgottesdienst im Kölner Dom war es mir in der Predigt wichtig, an das Prinzip der Freiheit als Gabe und Aufgabe zu erinnern. Gerade das ist es ja, was die Bischofskonferenz damals bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung nach der Wiedervereinigung gespürt und geprägt hat. Wir müssen Zeuginnen und Zeugen der Freiheit sein, einer Freiheit auch für jene Menschen, die nicht unsere Überzeugung teilen. Es geht um den Einsatz für eine Freiheit jener, die getreten, geschlagen und vergewaltigt werden, eine Freiheit für jene, die unterdrückt und mundtot gemacht werden. Unser Einsatz für deren Freiheit gehört zum Kern der Menschenwürde und des christlichen Auftrags. Daran zeigt sich der ununterbrochene Weg des christlichen Glaubens durch die Geschichte hindurch. 2.    Interview von Papst Franziskus in der ZEIT Wir freuen uns über das kraftvolle und nachdenkliche Interview, das Papst Franziskus der ZEIT gegeben hat und das heute erschienen ist. Die starke Sprache des Papstes, die Ehrlichkeit, wenn er auch Einblicke in einsame Momente seines Lebens gibt, und die Hinweise für weitere innerkirchliche Debatten nehmen wir als wertvolle Impulse mit auf. Mich hat besonders das Wort beeindruckt: „Ängste schließen Türen. Die Freiheit öffnet sie. Und wenn die Freiheit klein ist, öffnet sie immerhin ein Fensterchen.“ 3.    Studienhalbtag „Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“ Unser Studienhalbtag war dem Thema „Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“ gewidmet. Er knüpfte an den Brief der deutschen Bischöfe an die Priester (2012) und an ihr Wort Gemeinsam Kirche sein (2015) zur Erneuerung der Pastoral an. In diesem Wort ging es um die Sendung und Aufgabe der ganzen Kirche für die Gesellschaft. Im Studienhalbtag ging es speziell um die Konsequenzen, die die veränderten Bedingungen des priesterlichen Dienstes und Lebens mit sich bringen. Im Mittelpunkt stand also nicht die Frage nach dem Priestermangel allgemein oder der zölibatären Lebensform im Besonderen, sondern die Frage nach dem Gelingen eines Lebens und Wirkens als Priester in der heutigen Zeit. Bischof Dr. Felix Genn (Münster), Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, hob einleitend hervor, dass Bischöfe, wenn sie über Priester sprechen, immer auch sich selbst reflektieren würden. Bischof Genn wies auf das qualitativ neue Niveau der Erwartungen und Anforderungen hin, welches die Gläubigen und die Bischöfe von den Priestern erwarten. Angesichts dessen erweist sich das Leitbild einer umfassenden seelsorglichen Verantwortung nicht selten als menschliche und geistliche Überforderung. Herkömmliche Leitbilder vom Pfarrersein tragen nicht mehr. Wie aber die Priester den religiösen Charakter ihres Amtes in den neuen, komplexen kirchlichen und gesellschaftlichen Strukturen ausgestalten und ihre priesterliche Identität neu ausbilden sollen, das sind offene Fragen. In einem ersten Statement berichtete Weihbischof Dr. Michael Gerber (Freiburg) über seine Erfahrungen mit jungen Priestern in der Pastoral. Er verwies auf das erfolgreiche Programmformat „Valerie und der Priester“ (valerieundderpriester.de), das unter jungen Menschen auf hohes Interesse stößt. Das Schwinden eines Bewusstseins bis in den Kern der Gemeinden hinein für die sakramentale Grundstruktur der Kirche und damit für eine unterscheidend priesterliche Lebensform verunsichert die Priester und lässt sie die Sinnhaftigkeit ihres Dienstes hinterfragen. Wo aber das Bewusstsein dafür geringer wird, dass es Jesus Christus selbst ist, der vorrangig in der Kirche handelt, werden der priesterliche Dienst und überhaupt jede Form von Seelsorge rasch eine Überforderung. Priester geraten dann schnell in die Rolle entweder des Opfers oder des Machers. Weihbischof Gerber nannte als Aufgabe für die Priester und Bischöfe, für ein tragfähiges Beziehungsnetz und tragfähige menschliche Rahmenbedingungen in der Pastoral zu sorgen und in die Wachstumswege junger Menschen zu investieren. Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden) sprach in einem zweiten Statement über „Gelingende Pfarrerrolle – auch in extremen Situationen“ und beschrieb die Spannung zwischen den gewandelten Idealforderungen an einen Pfarrer und den realen Priestern, die in der Regel noch unter ganz anderen Bedingungen Priester geworden sind und zum Pfarrer ausgebildet wurden. Es bereitet Sorge, dass wegen der gewandelten Anforderungen eine nicht unerhebliche Zahl von Priestern gar nicht mehr als Pfarrer eingesetzt werden kann. Bischof Timmerevers verwies auf die Problematik, dass wegen eines verbürgerlichten Lebensstils manchen Priestern eine spirituelle und menschliche Überzeugungskraft fehle. Dies und die hohen Anforderungen durch Managementaufgaben würden das geistliche Profil des priesterlichen Dienstes beeinträchtigen oder gar unkenntlich machen. Die Herausforderung für die Bischöfe sieht er vor allem darin, Prozesse der priesterlichen Identitätsfindung zu begleiten und zu stärken. In einem dritten Statement sprach Weihbischof Heinz-Günter Bongartz (Hildesheim) über die „Begleitung von Priestern, die nicht als leitende Pfarrer eingesetzt werden“. Er erinnerte an die Ergebnisse der „Seelsorgestudie“, die eine hohe Zufriedenheit der Priester in der Seelsorge und eine ebenso hohe Unzufriedenheit mit den institutionellen Bedingungen von Seelsorge gezeigt hat. Vor allem die Priester, die nicht mehr länger als Pfarrer eingesetzt sind, bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Es sollte klar werden, dass es die Seelsorge selbst und deren verschiedene Aufgaben sind – und nicht das Management –, die das Profil eines Priesters ausmachen und einer neuen Wertschätzung bedürfen. Bischöfe selbst seien dabei ganz neu als Seelsorger der Seelsorger gefordert. Im Anschluss an die drei Statements diskutierte die Vollversammlung die Perspektiven für den priesterlichen Dienst. Dabei kamen unter anderem folgende Aspekte zur Sprache:
  • der Zusammenhang zwischen sozialem bzw. demographischem Umfeld und Bestimmung der Pfarrer- und Priesterrolle;
  • Differenzen in der priesterlichen Lebensweise zwischen ost- und westdeutschen
  • (Erz-)Bistümern;
  • das Bedürfnis vieler Priester nach Nähe zu ihrem Bischof;
  • die Frage nach den Zulassungsbedingungen zur Priesterweihe und deren Plausibilität;
  • die Weiterentwicklung des Priesterbildes im Kontext mit anderen pastoralen Berufen und im Gespräch mit den Gläubigen;
  • der Umgang mit Enttäuschungen und Vergeblichkeit.
Bischof Genn fasste die Diskussion zusammen und nahm folgende Anregungen für die weitere Arbeit der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste auf: Aus dem Wort der deutschen Bischöfe zur Erneuerung der Pastoral Gemeinsam Kirche sein (2015) müssen konkretisierende Folgerungen gezogen werden. Dabei muss dem besonderen Dienstamt des Priesters, das für die Authentizität der Kirche notwendig ist, gesteigerte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bereits in den erwähnten Schreiben von 2012 und 2015 wurde die Notwendigkeit einer Transformation des priesterlichen Dienstes erkannt. Vorrangig muss das Verhältnis geklärt werden zwischen der in der Weihe verliehenen Teilhabe an der Leitung der Kirche einerseits und andererseits den vielfältigen Formen von kirchlichen Leitungsfunktionen bei den Laien. Eine isolierte Beschreibung des priesterlichen Dienstes in der Kirche werde der Realität nicht gerecht. Denn der priesterliche Dienst ist konstitutiv auf die ganze Kirche bezogen. Er gibt seine Besonderheit und Unverwechselbarkeit erst in einer Gesamtschau der verschiedenen Charismen und ehrenamtlichen Engagements vieler Gläubigen zu erkennen; und in der Unterscheidung der verschiedenen pastoralen Berufsgruppen, die in der Kirche in Deutschland fest etabliert sind. Die Tätigkeit des Priesters darf nicht reduziert werden auf Modelle erfolgskontrollierten, instrumentellen Handelns. Die Suche nach der priesterlichen Identität muss immer beachten, dass sie ein Sakrament und somit ein Geschenk Christi an seine Kirche ist. Die Frage, welche Priester die Kirche in Deutschland in Zukunft benötigt, steht mithin in engem Zusammenhang mit den Bestimmungen zur priesterlichen Identität. Das wiederum ist bedeutsam für Konzepte der Berufungspastoral und Priesterbildung, wie sie auf nationaler Ebene zu entwickeln sind. 4.    Bischöfliche Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes Im November 2015 hat der Ständige Rat die Bischöfliche Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes eingerichtet. Sie unterstützt den Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann, in seiner Aufgabe, in Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich tätig zu werden. Darüber hinaus trägt die Arbeitsgruppe dazu bei, auf der Ebene der Bischöfe ein verlässliches und klares Eintreten für den Schutz von Kindern und Jugendlichen fest zu verankern. Bischof Ackermann berichtete als Vorsitzender der Arbeitsgruppe über eine Fachtagung, die im vergangenen Jahr in Köln stattgefunden hat und darauf abzielte, einen Überblick über kirchliche Akteure, Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes zu erarbeiten. Die rund 50 Teilnehmenden spiegelten die große Vielfalt und die Breite des Engagements in der katholischen Kirche für den Kinder- und Jugendschutz wider. Es wurde vereinbart, weitere Möglichkeiten zum Austausch und zu einer stärkeren Vernetzung in diesem Bereich zu schaffen. 5.    Sterben in Würde – Anmerkungen zur aktuellen Debatte Unmittelbar vor der Vollversammlung veröffentlichte das Bundesverwaltungsgericht Leipzig am 2. März 2017 ein Urteil, nach dem der Staat in „extremen Ausnahmefällen“ den Zugang zu einem Betäubungsmittel nicht verwehren darf, das dem Patienten eine würdige und schmerzlose Selbsttötung ermöglicht. Zur Begründung hieß es, dass das im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Patienten umfasse, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden soll – vorausgesetzt, er könne seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln. Ich möchte noch einmal unsere Position erläutern: Die Entscheidung erfüllt uns mit großer Sorge und wirft erhebliche Fragen auf. Es kann nicht sein, dass der Staat dazu verpflichtet wird, die Hand zum Suizid zu reichen. Nichts anderes ist es, wenn das Gericht dem Staat die Entscheidung darüber abverlangt, ob im Einzelfall das Leben eines Menschen noch erträglich und zumutbar ist, oder ob ihm ausnahmsweise der Zugang zu einem todbringenden Medikament eröffnet werden soll. Damit muss eine Behörde ein Werturteil über die Zumutbarkeit des Lebens abgeben, das ihr bisher aus guten Gründen verwehrt ist. Die Werteordnung des Grundgesetzes verbietet solche Entscheidungen durch den Staat, da sie das Leben und die Würde jedes Menschen ungeachtet seiner körperlichen oder geistigen Verfassung schützt. Die personale Würde besteht ja gerade darin, dass auch ein von schwerer Krankheit gezeichneter Mensch sie niemals verliert und ihm die solidarische Zuwendung seiner Mitmenschen bis zuletzt zusteht. Der Urteilsspruch scheint sich über grundlegende Wertungen des Gesetzgebers hinwegzusetzen, indem er die Tür zum staatlich assistierten Suizid – wenn auch nur einen Spalt weit – öffnet. Dabei hatte der Gesetzgeber noch Ende 2015 mit den Gesetzen zum Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung und dem Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung kraftvolle Signale für die Begleitung und Unterstützung Schwerstkranker, aber eindeutig gegen jegliche Formen prozeduralisierter Hilfe zum Suizid gesetzt. In diesem Zusammenhang erinnere ich auch noch einmal an unsere klaren Positionierungen  im September 2014. Anlass war damals bereits die Debatte um die Frage der Suizidbeihilfe. Wie vor drei Jahren bekräftigen wir auch jetzt unsere Forderung, dass das Leben eines jeden Menschen – gerade auch des hilfsbedürftigen, alten, kranken und verzweifelten – unbedingt zu schützen ist. Wir sprechen uns nachdrücklich dafür aus, dass jede Form des organisierten, assistierten Suizids gesetzlich verboten wird. Das jüngste Urteil aus Leipzig macht deutlich, welche hohe Bedeutung die Sorge um eine menschenwürdige Sterbebegleitung hat. Es ist wichtig, dass alte und kranke Menschen von ihren Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen fürsorglich begleitet werden. Der Wunsch zu sterben, entsteht oft erst in Einsamkeit und Verzweiflung. Deshalb drängen wir auf eine Ausweitung der Hospizangebote und eine Verbesserung der Palliativmedizin. Die katholische Kirche engagiert sich in diesem Bereich vielfältig und ist selbst Träger zahlreicher ambulanter und stationärer Einrichtungen für Palliativ- und Hospizversorgung. Gerne erinnere ich an unseren Informationsflyer, der seit drei Jahren in hoher Stückzahl von Interessierten abgefragt wird (das gilt übrigens auch für unsere ökumenische Patientenvorsorge): Sterben in Würde – worum geht es eigentlich? In eingängiger und verständlicher Sprache stellen wir darin unsere Position dar und nehmen Begriffserklärungen vor, um damit die hochkomplexen Sachverhalte besser und differenzierter fassbar zu machen. 6.    Woche für das Leben 2017 Einen weiteren Schritt zum Lebensschutz werden wir in der nächsten ökumenischen „Woche für das Leben“ vom 29. April bis zum 6. Mai 2017 setzen. Sie steht in diesem Jahr und auch 2018 unter dem Leitwort „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“ und wendet sich damit den Fragen zu, in deren Zentrum die Wünsche nach einer sorgenfreien Schwangerschaft, einer glücklichen Geburt, einem gesunden Kind und einem guten Gedeihen des Kindes stehen. Dieser Wunsch ist nicht nur zutiefst menschlich. Er ist auch vernünftig, berechtigt und in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Dennoch gehorchen die tatsächlichen Ereignisse oft nicht den Wunschvorstellungen. Und so stellen sich Fragen: Was kann man tun, wenn der erhoffte Kindersegen ausbleibt? Was darf man tun? Was kann vorbeugend getan werden, um eine gute Schwangerschaft und Geburt vorzubereiten? Welche Möglichkeiten gibt es, wenn Zweifel darüber entstehen, ob das Kind im Mutterleib gesund ist? Wie stellt sich ihre ethische Bewertung dar? Die moderne Medizin eröffnet viele Möglichkeiten. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die meisten dieser medizinisch-technischen Möglichkeiten mit zusätzlichen Aspekten und Nebenwirkungen verbunden sind, die sich nicht ausklammern lassen. So stehen Paare und werdende Eltern vor der Notwendigkeit, sorgfältig abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. Wichtig sind dabei aktuelle medizinisch-technische Informationen und auch ethische Einschätzungen und Bewertungen, die in die Meinungsbildung mit einbezogen werden müssen. 7.    Ökumene Reformationsgedenken 2017
Die Vollversammlung hat sich über die Initiativen des ökumenischen „Christusfestes“ informiert, das aus Anlass des 500. Jahrestages der Reformation mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verabredet wurde. Der Bericht schloss einen kurzen Rückblick auf die gemeinsame Pilgerreise von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD vom 16. bis 22. Oktober 2016 ein. Der Besuch der Ursprungsorte des Christentums wurde als fruchtbar für die ökumenische Verständigung in Deutschland angesehen. In der Erklärung, die alle Teilnehmer zum Abschluss verabschiedet haben, betonten wir: „Wir kommen zurück in unser Land, das wie zu jeder Zeit auf das Wort Gottes angewiesen ist, das tröstet und befreit. Wir kommen zurück in ein Land, das – Gott sei Dank – immer stärker die ökumenische Partnerschaft zu schätzen gelernt hat und deshalb unser gemeinsames Glaubenszeugnis erwartet. Wir sind Jesu Ruf zur Einheit verpflichtet
(vgl. Joh 17,21). Die Einheit ist unsere Bestimmung. Wir ermutigen dazu, auf allen Ebenen das Gemeinsame zu stärken. Christus, den auferstandenen Herrn, zu verkünden, ist unser gemeinsamer Auftrag.“ Die Eröffnung des Reformationsjahres in Lund in Anwesenheit von Papst Franziskus kann als ein erster Höhepunkt gelten und auch die nationale Eröffnung in Berlin am 31. Oktober 2016 hatte mit der Verleihung der Martin-Luther-Medaille an Kardinal Karl Lehmann einen starken ökumenischen Akzent. Bei der ökumenischen Bibeltagung am 9. Februar 2017 in Stuttgart ging es um die Herausgabe von neuer Einheits- und neuer Lutherübersetzung. In den vergangenen Jahren wurden die Einheitsübersetzung und die Lutherbibel jeweils einer eingehenden Überprüfung und Revision unterzogen. Bei der wechselseitigen Überreichung der neuen Bibeln haben der Ratsvorsitzende der EKD und ich betont, dass wir uns mit den neuen Übersetzungen an unsere gemeinsame Grundlage – die Heilige Schrift – erinnern und gleichzeitig unsere Wertschätzung für die jeweils andere Übersetzung zum Ausdruck bringen. Für die ökumenischen Gottesdienste auf den verschiedenen Ebenen empfehlen wir, auf die Texte der revidierten Einheitsübersetzung und der Lutherbibel zurückzugreifen und wenn möglich auch beide Übersetzungen zu Gehör zu bringen. Einheitsübersetzung und Lutherbibel sind damit gemeinsame Grundlage für die ökumenische Arbeit. Diese hier nur stichpunktartig genannten Initiativen haben schon jetzt der Ökumene neue Impulse gegeben. Sie wollen in der Hinwendung zu Christus dazu beitragen, die Frohe Botschaft gemeinsam glaubwürdig zu verkünden. Die Vollversammlung habe ich – und das war mir wichtig – auch über den Besuch der Delegation der EKD bei Papst Franziskus am
6. Februar 2017 informiert. Die EKD hatte mich zur Teilnahme eingeladen. Wir sind Papst Franziskus dankbar für seine Ansprache, die wir in der Vollversammlung diskutiert haben. Mit dem Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in Hildesheim steht ein weiterer Höhepunkt des ökumenischen Reformationsgedenkens unmittelbar bevor. Mit diesem Gottesdienst, zu dem die Deutsche Bischofskonferenz und die EKD gemeinsam einladen, wird an die leidvolle und schuldbeladene Vergangenheit erinnert und eine Geste der Versöhnung gesetzt. Wir freuen uns, dass bei diesem für unser Land wichtigen Ereignis  fast alle Verfassungsorgane vertreten sein werden. Die Vollversammlung informierte sich darüber hinaus über weitere Initiativen, wie die Dauerpräsenz der katholischen Kirche bei der Weltausstellung zur Reformation in Wittenberg: Vom 20. Mai bis 10. September 2017 findet in der Lutherstadt Wittenberg die 95-tägige Weltausstellung Reformation statt. Die katholische Kirche wird während dieser Zeit auf dem Gelände der katholischen Pfarrkirche am Rande der Wittenberger Altstadt in ökumenischer Nachbarschaft präsent sein. 21 (Erz-)Bistümer und einzelne katholische Institutionen gestalten im wöchentlichen Wechsel ein abwechslungsreiches Programm. Die Angebote reichen von Kurzmeditationen und Tagzeitenliturgie bis hin zu Gesprächsangeboten über den katholischen Glauben und  kulturellen und akademischen Veranstaltungen. Flankiert wird das Programm von einem Kirchencafé und zwei Ausstellungen über den katholischen Kirchenraum und die Geschichte der katholischen Pfarrei in Wittenberg. Die katholische Kirche möchte mit ihrer Präsenz ein Zeichen gelebter Ökumene im Reformationssommer 2017 setzen. Lassen Sie mich als weitere Initiative das Ökumenische Fest in Zusammenarbeit mit der EKD, dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unter dem Leitwort „Wie im Himmel, so auf Erden“ gegen Ende des Reformationsjahres am 16. September 2017 in Bochum nennen.

Konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie
Wir haben uns, nicht zuletzt angeregt durch Papst Franziskus, mit dem Thema „Konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie“ befasst. Angesichts des hohen Anteils konfessionsverschiedener / konfessionsverbindender Ehen und Familien in Deutschland sehen wir hier eine dringende pastorale Aufgabe. Anknüpfend an die weltkirchlichen und kirchenamtlichen Bezugstexte der vergangenen Jahrzehnte bis hin zu Amoris laetitia will der Text eine Hilfestellung sein, im seelsorglichen Gespräch die konkrete Situation anzuschauen und zu einer verantwortbaren Entscheidung über die Möglichkeit des Kommunionempfangs des nichtkatholischen Partners zu kommen. In der Aussprache wurde klar, dass nach Maßgabe des Kirchenrechts die Bischofskonferenz Regelungen über den Kommunionempfang nichtkatholischer Christen unter bestimmten Voraussetzungen treffen kann. Dabei hat die Deutsche Bischofskonferenz sich bereits früher gegen kasuistische Lösungen ausgesprochen, sondern für nachvollziehbare Kriterien. Wir haben hier noch kein Ergebnis, aber wir sind mit der während der Vollversammlung geführten Diskussion auf einem guten Weg. 8.    Aktuelle politische Entwicklungen und Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts Bereits am Dienstag (7. März 2017) hat Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, zusammen mit Prof. Dr. Gerhard Kruip und Prälat Dr. Peter Neher ein Pressegespräch zur Frage der gesellschaftlichen Kohäsion geführt. Die Dokumente kennen Sie. Mit Blick auf die aktuellen politischen Debatten bin ich überzeugt, dass wir jede Auseinandersetzung inhaltlich führen müssen. Es gibt natürlich eine legitime Bandbreite des politischen Engagements, aber es existieren auch Grenzen, wo wir als Christen sagen: Da sind rote Linien. Als Beispiel nenne ich Ausländerfeindlichkeit, Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften, die Überhöhung der eigenen Nation, Rassismus, Antisemitismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt, aber auch eine abschätzige oder feindselige Art und Weise miteinander zu reden. Wo grob vereinfacht wird, wo Parolen zur Feindschaft beitragen – da kann ein Christ nicht dabei sein. Letztlich bestimmen die Parteien durch Personen und Programme ihre Nähe zur Kirche. Natürlich lebt politische Diskussion gerade in Wahlkampfzeiten auch von Zuspitzung. Aber es ist klar: Wir als Christen dürfen nicht den Stil von Scharfmachern und Fundamentalisten übernehmen. Erfolg muss sich messen lassen an Sachlichkeit und Respekt. Wir haben auch über die gegenwärtigen populistischen Tendenzen in unserem Land gesprochen. Immer wieder kommt die Frage auf, ob man die AfD wählen kann oder nicht. Es geht uns nicht um eine Stigmatisierung der AfD. Aber wir distanzieren uns klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei, die in Wahlprogrammen und öffentlichen Äußerungen deutlich werden. Die deutschen Bischöfe betonen ihr Bekenntnis zur repräsentativen Demokratie des Grundgesetzes, zur Menschenwürde in all ihren Dimensionen (nicht nur beim Lebensschutz, auch bei der Flüchtlingsfrage), zur Religions- und Weltanschauungsfreiheit, zur sozialen Marktwirtschaft, zu Inklusion und Solidarität mit den Schwachen, zum Zusammenhang zwischen Freiheit und Verantwortung. Wir unterstreichen die Notwendigkeit eines fairen, respektvollen und ehrlichen demokratischen Diskurses. In aller Klarheit: Mit einer christlichen Perspektive ist politisches Agieren nicht vereinbar, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistisches Kulturverständnis, Religionsfreiheit unter dem Vorbehalt staatlicher Kontrolle oder der grundsätzlichen Infragestellung der repräsentativen Demokratielebt. Wir lehnen eine politische Einseitigkeit ab, die Antworten auf drängende Fragen in einer globalisierten Welt stets so gibt, dass es auf Abschottung und Rückkehr in längst vergangene Zeiten hinausläuft, die vermeintlich Sicherheit gewährleisten. 9.    5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) hat uns als Vorsitzender der Kommission für caritative Fragen über die Ergebnisse des 5. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung informiert, der in Kürze im Bundeskabinett beraten wird. Der Bericht ist unter der Federführung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vorgelegt und in einem mehrjährigen Prozess erarbeitet worden. Begleitet wurde die Erstellung durch ein wissenschaftliches Gutachtergremium und einen Beraterkreis, in dem unter anderem die Deutsche Bischofskonferenz und der Deutsche Caritasverband vertreten waren. Zentrales Ergebnis des Berichts ist, dass sich die Situation von Armut in Deutschland trotz der guten wirtschaftlichen Situation im Vergleich zum letzten Armuts- und Reichtumsbericht nicht grundlegend verändert hat. Menschen, die von Armut betroffen sind, können sich weiterhin kaum aus ihrer Lage befreien. Verschiedene Faktoren erschweren die Auswege aus einer Armutslage: schlechte Bildung, geringe Berufsperspektiven, geringes Einkommen und höheres Gesundheitsrisiko. Nach wie vor gibt es eine hohe Abhängigkeit der sozialen Situation vom Bildungsstand der Eltern. Die Armutsrisikoquote in Deutschland ist zwischen 1998 und 2005 gestiegen und liegt seitdem stabil zwischen 14 und 16 Prozent (je nach Datenbasis). Auch die Einkommens- und Vermögensverteilung stagniert seit etwa fünf Jahren. Zu den besonders armutsgefährdeten Personengruppen gehören wie bisher Jugendliche und junge Erwachsene, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen. Neuere Armutsentwicklungen sind im Bereich der Wohnungslosigkeit in den Ballungsräumen und der Überschuldung der Haushalte zu beobachten. Die Vollversammlung hat die Erstellung des 5. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung begrüßt. Mit dem Bericht wird eine Forderung des gemeinsamen Wortes der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland in 1997 aufgegriffen. Die Bischöfe stellen fest, dass Armutsbekämpfung weiterhin eine wichtige Aufgabe der Politik bleibt, auch wenn in den vergangenen fünf Jahren keine weiteren Zuspitzungen des Armutsrisikos sowie der Einkommens- und Vermögensverteilung zu konstatieren sind. Wir vermissen zudem Untersuchungen zur verdeckten Armut und Analysen von längerfristigen, heute schon absehbaren Armutsgefährdungen, etwa zu den Auswirkungen steigender Pflegebedürftigkeit älterer Menschen. Diese Aspekte sollten beim nächsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung unbedingt berücksichtigt werden. 10.    Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken Wir haben uns mit dem diesjährigen Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken befasst. Der im Jahr 1990 begründete Preis ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche im Kultursektor und wird alle drei Jahre in wechselnden Kunstsparten verliehen. Ich freue mich, dass der Preis in diesem Jahr bereits zum neunten Mal ausgelobt wird: Am
27. November 2017 werde ich in Leipzig gemeinsam mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, den Preis an eine Persönlichkeit aus der Musiksparte überreichen. Der Name des Preisträgers ist ermittelt, er wird am 7. Juli 2017 veröffentlicht. 11.    Präsenz der Theologie in Berlin Auf der Grundlage der Berliner Koalitionsvereinbarung werden derzeit verschiedene Ideen für eine Neuverortung der Theologie in der dortigen Wissenschaftslandschaft diskutiert. Dies betrifft zunächst die Einrichtung eines Instituts für islamische Theologie an der Humboldt-Universität, an der es lediglich eine evangelische Theologische Fakultät gibt. Aber auch die jüdische und die katholische Theologie sind im Gespräch. Wir beobachten diese Überlegungen aus dem Raum der Wissenschaft mit großem Interesse, auch vor dem Hintergrund, dass wir – wie Sie wissen – schon seit einiger Zeit selbst über eine Verstärkung eines katholischen intellektuellen Dialogangebots zu Fragen der Anthropologie, Fundamentaltheologie und politischer Philosophie in Berlin nachdenken. Vor allem der Erzbischof von Berlin, Erzbischof Dr. Heiner Koch, ist mit den verschiedenen Akteuren im Gespräch. 12.    Kirchliche Formate beim Jugendangebot „funk“ von ARD und ZDF Die von den Kirchen redaktionell verantworteten Verkündigungssendungen wie das „Wort zum Sonntag“, Gottesdienstübertragungen und die Feiertagssendungen gehören zum festen Programmangebot von ARD und ZDF. Hier hat sich die Zusammenarbeit bewährt. Gleiches gilt für die kirchlich verantworteten Formate bei den privaten Sendern Pro7.Sat1 und RTL. Es war aber auch immer ein Anliegen der Kirchen, Bewegtbildformate für eine junge Zielgruppe zu entwickeln. Diese sollen sich von den klassischen Verkündigungssendungen sowohl in Sprache und Gestaltung als auch in den Verbreitungswegen unterscheiden. Zu den positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre gehören ökumenische Initiativen bei „funk“, dem am 1. Oktober 2016 gestarteten Online-Jugendangebot von ARD und ZDF. Ein Kirchenformat bei „funk“ heißt „frei.willig.weg.de“. Es geht um die Berichterstattung über zwei junge Menschen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland bei Projekten von „Adveniat“ und „Brot für die Welt“ leisten. Die Zugriffszahlen auf den Plattformen YouTube, Facebook und Instagram steigen. Bei der zweiten Initiative handelt es sich um den Video-Wettbewerb „1’31“. Das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) der Ruhr-Universität Bochum ruft jährlich mit Hilfe einer Stiftung und Kooperationspartnern (unter anderem der Rundfunkarbeit der Deutschen Bischofskonferenz, dem Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses und katholisch.de) den Video-Wettbewerb „1’31“ aus. Ziel ist, innovative und kreative Webvideo-Beiträge zu Glaubens- und Lebensfragen zu fördern sowie Talente vor und hinter der Kamera zu finden. Es werden junge YouTuber gesucht, die  auch inhaltlich überzeugen. Der Wettbewerb richtet sich an Filmemacher, Anfänger und auch Profis zwischen 16 und 29 Jahren. Neben Geldpreisen gibt es Förderpreise wie Trainingswochenenden, Praktika, ein Mentoring-Programm für den erfolgreichen Auftritt bei Videoplattformen und seit 2016 eine Zusammenarbeit mit „funk“. 13.    Weltkirche und Migration 17. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
Die Vollversammlung hat sich mit der aktuellen Lage insbesondere der Christen im Heiligen Land auseinandergesetzt. Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier) berichtete über das diesjährige internationale Bischofstreffen „Zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“, an dem er als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen hat. Bei dieser Solidaritäts- und Pilgerreise sind vom 14. bis 19. Januar 2017 Vertreter von zehn nationalen Bischofskonferenzen und der europäischen Bischofsversammlungen ComECE und CCEE mit Mitgliedern der Konferenz Katholischer Ordinarien des Heiligen Landes zusammengekommen. In diesem Jahr stand der 50. Jahrestag der Besatzung der palästinensischen Gebiete durch die israelische Armee im Mittelpunkt des Treffens. Die Situation ist für die Palästinenser nach wie vor unerträglich und hat zerstörerische Auswirkungen auf beide Völker. Dieser Zustand muss überwunden werden. Auch nach Auffassung der Deutschen Bischofskonferenz ist eine Zwei-Staaten-Lösung mit wechselseitig vereinbarten und international anerkannten Grenzen der einzige Weg, um Sicherheit und Freiheit für Israelis und Palästinenser zu gewährleisten. Diese Haltung vertritt seit vielen Jahren auch der Heilige Stuhl. Alles, was dem entgegenwirkt, insbesondere der fortgesetzte Siedlungsbau, muss gestoppt werden. Die deutschen Bischöfe bekräftigen ihre besondere Solidarität mit den Christen im Heiligen Land. Sie findet ihren Ausdruck im Gebet, in Pilgerfahrten und in der tatkräftigen Unterstützung der Arbeit der Ortskirche. Syrien – Bericht zur politischen und kirchlichen Situation
Die Bischöfe beschäftigten sich einmal mehr auch mit der politischen und kirchlichen Situation in Syrien. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), berichtete über das Engagement der deutschen katholischen Hilfswerke in diesem geschundenen Land bzw. für syrische Flüchtlinge in der Region. Seit Beginn des bewaffneten Konfliktes im Jahr 2011 haben die Werke mit über 110 Millionen Euro Hilfsprojekte unterstützt. Die Menschen in Syrien sind auch weiterhin auf unsere Solidarität angewiesen. Damit Geflüchtete in ihre Heimat zurückkehren können, müssen Projekte auf den Weg gebracht werden, die dem Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur dienen, aber auch dem Aufbau von Vertrauen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Insbesondere die geflüchteten Christen brauchen mehr als funktionierende Kirchen, Krankenhäuser und Schulen, um den Mut zur Rückkehr aufzubringen. Syrien bedarf international mitgetragener Initiativen für einen gesamtgesellschaftlichen Versöhnungsprozess. Ob Sunniten oder Schiiten, Araber oder Kurden, Muslime oder Christen – alle Menschen in Syrien haben einen Anspruch auf Schutz vor Verfolgung und Repression, auf individuelle Freiheiten und auf Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Die Sicherheit von kleineren Gemeinschaften ist hierbei von besonderer Bedeutung. Extremistische Gruppierungen, die gegen ein friedliches Zusammenleben von Angehörigen verschiedener Glaubens- und Religionsgemeinschaften kämpfen, müssen daher von den Friedensverhandlungen ausgeschlossen bleiben. Insbesondere ist der sogenannte „Islamische Staat“ mit seiner Ideologie und seinen Praktiken, die die Würde so vieler Menschen in eklatanter Weise verletzen,  weiterhin eine große Gefahr für die Zukunft auch der Christen in Syrien. Bericht des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen
Der Sonderbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen und Vorsitzende der Migrationskommission, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), hat über Entwicklungen in der kirchlichen Flüchtlingshilfe berichtet: Insgesamt wurde das Engagement für Flüchtlinge im Jahr 2016 auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens erheblich ausgeweitet. Dies betrifft vor allem die Handlungsfelder Ehrenamt, Seelsorge, Wohnraum sowie Bildung und Integration. Die 27 deutschen (Erz-)Bistümer und die kirchlichen Hilfswerke haben im Jahr 2016 127,7  Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe aufgewendet: rund 53,4 Millionen Euro für die Förderung von Initiativen im Inland und rund 74,3 Millionen Euro für Hilfsprojekte in den Krisenregionen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2015 hatten die (Erz-)Bistümer und Hilfswerke 112 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt; davon rund 71  Millionen Euro im Inland und 41 Millionen Euro im Ausland. Diese Zahlen sind Mindestangaben, da die außerordentliche Flüchtlingshilfe der Ordensgemeinschaften und der kirchlichen Verbände nicht erfasst ist. Die rund 100.000 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in den Kirchengemeinden, den Ordensgemeinschaften, den katholischen Verbänden und bei der Caritas haben entscheidend dazu beigetragen, dass sich die „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge und Asylbewerber zu einer „Integrationskultur“ weiterentwickelt hat. Zusätzlich bieten mehr als 5.900 hauptamtliche Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen professionelle Hilfen für Flüchtlinge an, z. B. im Bereich der Rechtsberatung, der Gesundheitsvorsorge sowie der Sprach- und Integrationsförderung. Viele hauptamtliche Fachkräfte sind zugleich Ansprechpartner und Koordinatoren für die ehrenamtlich Engagierten. Um über eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der kirchlichen Flüchtlingshilfe zu beraten, hatte Erzbischof Heße am 29. September 2016 zum zweiten Katholischen Flüchtlingsgipfel nach Frankfurt am Main eingeladen. Mehr als 140 Praktiker und Experten der kirchlichen Flüchtlingshilfe diskutierten die Frage, auf welche Weise die Kirche weiterhin zu gelingender Integration beitragen kann. Der thematische Fokus lag auf Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der gesellschaftlichen Teilhabe. Dazu zwei Beispiele:
  • Bildung und Arbeit: Bisher wurden in schätzungsweise jeder dritten katholischen Kindertageseinrichtung geflüchtete Kinder aufgenommen. Auch katholische Schulen und Hochschulen haben – wenn auch in zahlenmäßig geringem Umfang – Flüchtlinge in Klassen und Studiengängen integriert. Darüber hinaus wollen kirchliche Einrichtungen und katholische Unternehmer zukünftig verstärkt die Arbeitsmarktteilhabe von Flüchtlingen fördern, indem sie beispielsweise Praktika und Ausbildungsplätze an Flüchtlinge vergeben.
  • Interreligiöser und interkultureller Austausch: Die Vertiefung interreligiöser und interkultureller Kompetenzen spielt auf vielen Ebenen des kirchlichen Lebens eine zunehmend wichtige Rolle. Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen hat im Jahr 2016 angeregt, das Projekt „Weißt du, wer ich bin?“ mit einem Schwerpunkt auf jüdisch-christlich-muslimischen Kooperationen in der Flüchtlingshilfe neu aufzulegen. Dafür hatte das Bundesministerium des Innern finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnten 32 „Best-Practice-Projekte“ gefördert werden.
Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, dürften angesichts der gegenwärtigen Fluchtbewegungen allein im Jahr 2015 bis zu 200.000 Christen aus dem Orient nach Deutschland gekommen sein. Die große Mehrheit von ihnen sind Angehörige orthodoxer Kirchen, aber auch die meisten der 23 mit Rom verbundenen Ostkirchen sind mit Gläubigen und Seelsorgern in Deutschland präsent. Alle (Erz-)Bistümer bieten deshalb zusätzliche Gottesdienste und Gebetszeiten in arabischer Sprache und in den verschiedenen Riten an. Einige (Erz-)Bistümer haben auch seelsorgliche Handreichungen für die Katholiken aus dem Orient veröffentlicht und Priester beauftragt, die sich um die Pastoral kümmern. Bereits im Januar hat der Ständige Rat Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB (Paderborn) zum Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Gläubigen der unierten (mit Rom verbundenen) Ostkirchen berufen. Er wird sich der Koordination in diesem pastoralen Feld widmen. Bei all dem steht im Vordergrund, dass die Schwestern und Brüder im Glauben, die bei uns Zuflucht suchen, hier auch eine religiöse Beheimatung finden. Zur aktuellen Debatte über Abschiebungen (Afghanistan)
Aktuell rückt das Thema „Rückkehr und Abschiebungen“ in den Vordergrund, das der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen ebenfalls dargelegt hat. Die Deutsche Bischofskonferenz hat in den Leitsätzen des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge (2016) betont: „Jeder Mensch, der bei uns Zuflucht sucht, hat Anspruch auf ein faires Verfahren und eine menschenwürdige Behandlung. Dies gilt auch für jene, die nicht dauerhaft in Deutschland bleiben können.“ Diesem Anspruch gerecht zu werden, ist eine Herausforderung für die inländische und ausländische Flüchtlingshilfe der Kirche. Nach der zweiten Sammelabschiebung haben der Vorsitzende der Migrationskommission, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), und der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Präses Manfred Rekowski, eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Darin betonen sie, dass „kein Mensch in eine Region zurückgeschickt werden darf, in der sein Leben durch Krieg und Gewalt bedroht ist. Die Sicherheit der Person muss stets Vorrang haben gegenüber migrationspolitischen Erwägungen.“ Und ferner: „Wenn ein Asylbewerber infolge eines fairen rechtsstaatlichen Verfahrens in seine Heimat zurückkehren muss, trägt unser Land die Verantwortung für sein Wohlergehen. Es muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob Gefahren für Leib und Leben drohen und ob eine Rückkehr tatsächlich zumutbar ist.“ Den Kirchen geht es nicht darum, Rückführungen grundsätzlich infrage zu stellen. Abschiebungen in lebensgefährliche Gebiete sind jedoch inakzeptabel. Im Vorfeld der dritten Sammelabschiebung haben der Ratsvorsitzende der EKD und ich die Rückführungen nach Afghanistan kritisiert. Ich wiederhole in diesem Zusammenhang: Man darf niemanden abschieben in ein Land, wo Krieg und Verfolgung drohen. Dieser Grundsatz sollte auch für weitere kirchliche Stellungnahmen zu der Thematik maßgeblich sein. 14.    Haushaltsfragen des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) In der Vollversammlung habe ich auch über den Erneuerungsprozess berichtet, den gegenwärtig gerade der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) durchläuft. Wie Sie wissen, hatten die (Erz-)Bistümer darum gebeten, das gesamte Spektrum der Verbandsaktivitäten daraufhin zu überprüfen, ob und in welchem Umfang sie auch künftig ratsam oder notwendig erscheinen. Erwartet werden dabei auch Vorschläge für eine substantielle Ausgabenreduzierung. Diese Überprüfung ist noch nicht abgeschlossen. Es wurden bereits einige Empfänger finanzieller Unterstützung durch den VDD identifiziert. Mit ihnen ist die Geschäftsstelle des VDD im Gespräch. Bei der Überzahl der Zuwendungsempfänger befinden wir uns inmitten der Überprüfung. Es geht zentral um die Frage, was der Verband unter den heutigen Umständen tun soll und leisten kann, nicht nur um einen Sparprozess. 15.    Personalien
  • Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB (Paderborn) wird zum Mitglied der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.
  • Weihbischof Ludger Schepers (Essen) wird Mitglied der Koordinierungskonferenz zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK).
  • Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (München und Freising) wird zum Mitglied der Migrationskommission und der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.
  • Dr. Timo Güzelmansur (Frankfurt) wird erneut zum Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle CIBEDO berufen.
  • Dr. Dagmar Nelleßen-Strauch (Bonn) wird zur Leiterin des Bereichs Kirche und Gesellschaft im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz bestellt.

Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 der Deutschen Bischofskonferenz in Bensberg

9. March 2017 - 13:29
Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (9. März 2017) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten.

Wir dokumentieren hier den umfassenden Pressebericht zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 9. März 2017 um 14.00 Uhr in Bensberg vorgestellt hat. Die pdf-Datei ist untenstehend zum Herunterladen verfügbar.

Predigt von Bischof Norbert Trelle in der Eucharistiefeier am 9. März 2017

9. March 2017 - 7:29
„Sucht, dann werdet ihr finden“.

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

im Kapitel 58 seiner Mönchsregel gibt der hl. Benedikt ausführliche Anweisungen, wie zu verfahren ist, wenn jemand um Aufnahme in die Gemeinschaft bittet. Hauptkriterium für die Aufnahme eines Novizen in den Mönchsstand ist es − so wörtlich, „ob er wirklich Gott sucht“ – „si revera Deum quaerit“ (58, 7).

Nun ist die Suche nach Gott nichts ausschließlich Monastisches, sie gehört vielmehr zum Wesen eines jeden Christen, ja vielleicht eines jeden Menschen, der sein Leben bewusst und sinnvoll gestalten will. Die Vorstellungen jedoch von dem, „was“ bzw. „wen“ man als „Gott“ sucht, sind sehr verschieden – je nach Religion, Konfession, Alter und Stand.

Verschieden sind auch die Erfahrungen der gottsuchenden Menschen, wie Gott sich finden lässt und wie viel Zeit es braucht und wie viel Geduld.

Im Wort des Herrn aus dem Evangelium des heutigen Tages gibt es keinen Hinweis darauf. Es heißt lediglich: „Sucht, dann werdet ihr finden; bittet, dann wird euch gegeben; klopft an, dann wird euch geöffnet“ (vgl. Mt 7,7) Keine Rede ist davon, dass das Erbetene und Gesuchte sich sofort findet. Es braucht Geduld und Hartnäckigkeit, ja sogar Zudringlichkeit, wie der Paralleltext bei Lukas im Gleichnis vom bittenden Freund es belegt:

„Und Jesus sagte zu ihnen: Stellt euch vor, ihr habt einen Freund und geht mitten in der Nacht zu ihm und sagt: Freund, leih mir drei Brote, denn ein Freund, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen könnte. Und jener drinnen würde antworten: Belästige mich nicht! Die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch seiner Zudringlichkeit wegen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.“ (vgl. Lk 11,5−8)

Das Suchen nach Gott braucht also Geduld und Hartnäckigkeit, denn es muss Widerstände aushalten. Das bereits erwähnte Kapitel 58 der Benediktusregel über das Verfahren bei der Aufnahme der Brüder beginnt mit den Worten:

„Wenn einer neu ankommt, um Mönch zu werden, dann soll ihm der Eintritt nicht ohne weiteres gewährt werden, sondern man halte sich an das Apostelwort: Prüft, ob die Geister aus Gott sind. Kommt also einer und klopft beharrlich an, und zeigt es sich, dass er die schlechte Behandlung und die Erschwernis des Eintritts vier oder fünf Tage lang geduldig erträgt und auf seiner Bitte besteht, dann gewähre man ihm den Eintritt …
Man achte sorgfältig darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht.“


Es geht also nicht um irgendeine beliebige Art von Suchen, es geht um Gott-Suchen. Auf besondere Weise verbinde ich dieses Thema „Gott suchen“ mit diesem Haus in Bensberg. Wenn ich den Vortragssaal betrete, erinnere ich mich an die pastorale Großveranstaltung, die wir im Erzbistum Köln von 1993 bis 1996 hier abgehalten haben. „Pastoralgespräch“ war das Unternehmen überschrieben, das als seelsorgliche Standortbestimmung so oder ähnlich in vielen Diözesen stattfand: Menschen unterschiedlichster Herkunft mit ebenso unterschiedlichen Lebenszusammenhängen und Glaubenserfahrungen kamen zusammen, um Grundsätze für eine künftige Seelsorge zu überdenken. In der Rückerinnerung sehe ich wieder das Schriftwort vor mir, das an den Tagen, an denen wir hier zusammenkamen, groß über der Stirnwand des Saales geschrieben stand, ein Wort aus dem Propheten Jesaja: „So spricht Gott: Sie suchen mich Tag für Tag, denn sie wollen meine Wege erkennen.“ (vgl, Jes 58,2)

Ja, suchen die Menschen unserer Zeit denn wirklich noch Gott – Tag für Tag? Geht ihr Sinnen und Trachten nicht in viele andere Richtungen? So halten wir Pastoralkonferenzen und stellen fest: Ja, das Interesse der Menschen an religiösen Fragen nimmt ab, von Tag zu Tag. Gott aber sagt etwas anderes: „Sie suchen mich Tag für Tag!“

Ich war damals bei den manchmal ermüdenden und zuweilen nervigen Diskussionen froh über dieses Prophetenwort, das uns ständig vor Augen stand, − „heilfroh“ in einem wörtlichen Sinn, weil ich damals wie heute überzeugt bin: Menschen suchen noch immer Gott, und sie werden es immer tun. Sie bitten, sie suchen, sie klopfen an.

Gewiss, sie verstehen oft nicht mehr die Wege ihres Lebens und sie haben Mühe, darin Spuren Gottes zu erkennen. Sie ziehen sich zurück und verschließen sich, weil sie meinen, Gott habe sie im Stich gelassen und er verberge sich vor ihnen. Die immer wieder gestellte Frage ist uns allen geläufig: „Wo warst du, Gott?“ Aber gerade deswegen hören sie nicht auf, ihn zu suchen – ihn, von dem der Prophet Jesaja das sagt: „Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels“ (vgl. Jes 45,15). Ein Gott also, der sich verbirgt und darum gesucht werden will – Tag für Tag, immer wieder.

Göttliche Pädagogik? Ich glaube: Ja.
Der hartnäckig Bittende und Fragende, der Anklopfende und Ausdauernde erhält zwar nicht die alsbaldige Erfüllung all seiner Wünsche, aber „den Heiligen Geist“, der zum wahren Hören und Beten mit Gottes Wort anleitet (Lk 11,13). Gottes Wort wird zum Gebet und das Gebet erschließt das göttliche Wort in Ausdauer, Geduld, Beharrlichkeit.

In dieser Wechselwirkung erst wird verständlich, was das Evangelium in einer fast ungeheuerlichen Weise behauptet. Es sagt nichts Geringeres als dies: Nur wer hartnäckig sucht, wer in Geduld vor dem schweigenden Gott aushält, betet überhaupt. Das Ausharren mit dem schweigenden Gott, vielleicht über lange Zeit hin, das erst ist Gebet. Wie man einen Menschen nicht kennenlernen kann, wenn man nur für ein paar Minuten für ihn Zeit hat, sondern erst, wenn man ein gutes Stück seines Lebens teilt, so kann es Gebet und Annäherung an die Heilige Schrift nicht geben, indem man schnell mit irgendeinem Bedürfnis zu Gott läuft und sofortige Aufhellungen für Geist und Seele erwartet.

Wir müssen bei Gott stehen bleiben und anklopfen bei ihm, immer wieder und wieder, und gerade dann, wenn er nicht zu hören scheint. Denn Gott will so bedrängt werden und wird uns Türen um Türen öffnen für das Verständnis seiner verborgenen Gegenwart und Nähe.
Amen.

Pressegespräch zum Thema „Jugend – Glaube – Kirche: Jugendpastorale Herausforderungen und die Bischofssynode in Rom 2018“

8. March 2017 - 13:00
Über die im Oktober 2018 bevorstehende XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ haben die deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Bensberg diskutiert. Das Vorbereitungsdokument hebt hervor, dass die Mitglieder der Synode in Rom sich der Frage annehmen sollen, wie alle jungen Menschen dabei begleitet werden können, ihren Weg im Leben zu gehen und ihren Platz in Kirche und Gesellschaft zu finden. Papst Franziskus macht mit dieser Synode die Jugend der Welt zum Thema und möchte mehr über die verschiedenen Lebenswirklichkeiten erfahren, weshalb im Mai eine Online-Umfrage des Vatikans starten soll.

Aus dem heutigen (8. März 2017) Pressegespräch zum Thema „Jugend – Glaube – Kirche: Jugendpastorale Herausforderungen und die Bischofssynode in Rom 2018“ dokumentieren wir die Statements von Bianka Mohr (Düsseldorf), Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und Pfarrer Dirk Bingener (Düsseldorf), Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau), Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, hat frei gesprochen. Von ihm liegt kein Statement vor.

Spitzengespräch des Präsidiums der CDU und Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz

8. March 2017 - 9:59
Das Präsidium der CDU und Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz treffen sich am Montag, 13. März 2017, um 16.00 Uhr im Katholischen Büro zu einem Spitzengespräch. Die Delegationen werden von der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geleitet.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zu Auftaktbildern eingeladen. Treffpunkt dazu ist am 13. März 2017 um 15.45 Uhr im Foyer des Katholischen Büros (Hannoversche Straße 5, Berlin).

Eine Anmeldung per E-Mail an die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (pressestelle(at)dbk.de) ist notwendig. Aufgrund der räumlichen Kapazitäten können maximal fünf Kamerateams und sechs Fotografen akkreditiert werden. Eine Nachakkreditierung vor Ort ist nicht möglich. Es gilt die Reihenfolge der Anmeldungen.

Predigt von Erzbischof Dr. Heiner Koch in der Eucharistiefeier am 8. März 2017

8. March 2017 - 7:00
Fragen der Berufung wollen wir Bischöfe uns am heutigen Studientag unserer Bischofskonferenz stellen, voller Sorgen etwa angesichts der Zahl der Priesterweihen, aber hoffentlich auch voller Gottvertrauen. Die Lesung der Eucharistie an diesem Morgen stellt uns in der Geschichte der Berufung des Jona Grundzüge jeder Berufungsgeschichte eines Menschen vor Augen:

  • Jona hört den nur ihm eigenen Ruf Gottes. Ganz persönlich gibt er seine Antwort auf dieses an ihn gerichtete Wort Gottes. Berufung ist ein urpersönlicher Dialog zwischen Gott und dem Berufenen.
  • In einem packenden Lernprozess entfaltet Jona in einem höchst existenziellen Ringen seine Berufung; in einem Ringen mit sich selbst und vor allem im Ringen mit Gott. Berufung ist und bleibt eine lebenslange Geschichte, ein lebenslanges Suchen, Antworten und Neu-Fragen.
  • Kein Mensch wird auf sich hin berufen. Zu jeder Berufung gehört wesentlich – wie auch bei Jona – die Sendung. Er wird zu den Menschen in der großen Stadt Ninive gesandt. „Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren“ (Jona 3,3). Die Größe von Ninive erinnert mich an Berlin mit seinem Durchmesser – von Ost nach West – von 45 Kilometern.
Spätestens bei der Reaktion der Bewohner von Ninive aber merke ich, wie sehr sich Berlin von Ninive unterscheidet: Wenn Jona heute rufend durch Berlin gehen würde, so würden ihn die meisten inmitten der lauten Stimmen dieser Stadt gar nicht hören und sein Rufen im großen Wirrwarr der Stimmen kaum wahrnehmen: In Berlin gibt es nichts, was nicht irgendeiner laut herausschreit; in dieser beliebigen Buntheit der Stimmen würde auch einer, der im Auftrag eines Gottes zur Umkehr ruft, entweder nur müde belächelt oder mit einem Applaus für seine Originalität als irrelevant von der Bühne verabschiedet werden. Selbst wenn Menschen ihn wahrnehmen, seine Stimme gelten lassen würden, so würden die einen ihn ablehnen, weil er zu viel Verbindlichkeit fordert, die zu erbringen man nicht bereit ist. Im Osten würden sie sich nach Jahrzehnten der DDR prinzipiell gegen jegliche Vereinnahmung – erst Recht durch die Kirchen – (ver)wehren. Die meisten aber würden Jona nicht folgen, weil sie nicht an einen Gott glauben und dieses Nichtglauben als Akt der Freiheit eines großen und mündigen Menschen bewerten: Gut, dass es keinen Gott gibt, erst recht keinen, der sich vor mir mit seinen Ge- und Verboten aufbaut. „Wir glauben an keinen Gott, das macht unsere Größe und Würde aus, wir sind so frei: Gott sei Dank, dass es keinen Gott gibt!“ Von daher ergibt sich auch nicht die Notwendigkeit einer Umkehr zu Gott, die ohnehin als Umkehrprozess so anstrengend und schwierig ist wie alle menschlichen Erneuerungsprozesse.

Was sollen von Gott Berufene wie Jona, was sollen wir Christen mit unserer Berufung und Sendung da machen?
  • Sollen wir unsere Berufung verweigern und unser Leben nach eigenem Gutdünken führen, nach Tarschisch fliehen, das genau entgegengesetzt zu Ninive liegt, wohin Gott den Jona senden wollte?
  • Sollen wir lieber in der vertrauten Umgebung bleiben, statt ins fremde Ninive aufzubrechen, in unserem kirchlichen Milieu, wo alles überschaubar und geordnet ist, wo wir Akzeptanz finden? Sollen wir uns auf unsere kleinen Gemeinden zurückziehen, in denen wir eindeutig und alternativ zum fremden und manchmal so unchristlichen Ninive leben können?
  • Oder sollen wir Jesus Christus, den Kern unserer Botschaft, aufgeben und lieber das verkünden, was die Menschen hören und annehmen wollen, wenn sie schon nicht hören und annehmen wollen, was wir wollen?
Wie sollen in dieser Situation Berufene ihre Berufungsgeschichte leben vor Gott und den Menschen? Jona und seine Geschichte geben einige bewegende Hinweise:
  • Manchmal muss ein Berufener sich unter die Rizinusstaude setzen, mit seiner ganzen Erschöpfung, seinen unerfüllten Erwartungen, seinem Nicht-Gefragt-sein. Manchmal darf er sich zugestehen, verdrossen wie Jona zu sein und über Bord gehen zu wollen, unterzugehen in den Tiefen des Meeres oder Zeiten des Dunkels zu erleben wie Jona im Bauch des Fisches. Die Geschichte der Berufenen ist nicht immer eine strahlende Geschichte. Das war sie nicht bei Christus und das war sie nicht bei vielen Heiligen. Manches Mal ist unsere Berufung zum Davonlaufen, manchmal ist alles zum Verwünschen!
  • Vielleicht wächst gerade in jenen Stunden die Erkenntnis, dass wir vor allem unserem Tun und Schaffen das sind, was der hebräische Name Jona auf Deutsch bedeutet: „Taube“. Die Taube ist in der Heiligen Schrift schon früh – bei Noah etwa – ein Bild für das göttliche Leben und insbesondere für den lebensspendenden Gott, für den Heiligen Geist, den Schöpfergeist selbst: Diese Botschaft des auch in Ninive wirkenden Geistes Gottes soll Jona in diese Stadt der Sünde bringen. Für diesen lebenskreativen Gott und seine Botschaft sollen nicht nur seine Worte stehen, für sie steht der von Gott Berufene mit seinem ganzen Leben. Seine Berufung zu leben bedeutet für Jona und für jeden Berufenen von daher, in der Nähe dessen zu leben, der uns in unserer Berufung mit der Botschaft des Lebens, der Botschaft der Taube, zu den Menschen sendet; bedeutet, zu leben in und aus dem Geist Gottes. Ohne diese immer wieder zu gewinnende und zu haltende Nähe zum schöpferischen Geist Gottes verliert jede Berufung ihre Lebenskraft. „Nur wer nah genug am Feuer ist, kann brennen“, schreibt Origenes.
  • Gott bleibt in der Erzählung des Jona hartnäckig. Sein Wort ergeht zum zweiten Mal an Jona. Da macht sich Jona ohne tiefe Begeisterung aber irgendwie pflichtbewusst vor Gott doch auf den Weg und verkündigt in Ninive nur wenige Worte: „Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört.“ Berufen sein heißt, sich auf den Weg machen. Wir bleiben nicht sitzen und ziehen uns nicht in unsere vertraute Welten zurück. Wir lassen uns ein auf dieses bunte, oft so unerlöste Treiben von Ninive. „Im Grau des Lebens nach dem Willen Gottes vorgehen“, so hat es Papst Franziskus umschrieben.
  • Seiner Berufung folgen heißt dann aber auch, wie Jona zu entdecken, wie plötzlich das Wunder des Lebens Gottes neu aufbricht, wo wir es nicht erwarten. Denn Gott ist schon längst da bei den Menschen, bevor wir ihnen Gottes Wort verkünden. Wir bringen Gott nicht den Menschen, er lebt schon längst in und zwischen ihnen. Unsere Aufgabe ist es, mit den Menschen die Nähe Gottes in ihrem Leben entdecken zu lernen, in Ninive, in Berlin und an manchen anderen angeblich gottlosen Orten. Vielleicht werden wir dann wahrnehmen, dass uns kein anderes Zeichen gegeben ist als die vielen Zeichen für Gottes Nähe in Ninive, in Berlin oder wie auch immer die Orte heißen, zu denen Gott uns sendet. Und plötzlich können wir entdecken, wie wundervoll Gott wirkt in Ninive und in Berlin, in Bensberg und in Rom und wie die Orte heißen, die unsere Bestimmung sind.
Da lassen sich Eltern an diesem Osterfest taufen, weil sie ihr seit der Geburt schwerstbehindertes Kind als Geschenk Gottes sehen gelernt haben. Da ergreift ein bekennender Atheist in einem unserer Krankenhäuser sterbend den Rosenkranz der neben ihm stehenden Ordensschwestern und stirbt mit den Worten „Ich glaube“. Da lassen sich mehr als 120 Erwachsene allein in Berlin in der kommenden Osternacht taufen. Sie erzählen uns von ihrer Berufung und werden damit auch zu einer Frage an jeden von uns und an unsere Antwort auf unsere Berufung. „Das Wort des Herrn erging an Jona“, so fing die Erzählung des Jona an. Mit einer Frage Gottes hört sie auf: „Ich soll nicht Mitleid haben mit Ninive?“ Jona gibt auf diese Frage Gottes an ihn keine Antwort. Das ist die eigentliche Tragik dieser Erzählung, die Tragik der Berufungsgeschichte des Jona, wohl auch die Tragik vieler Berufener heute.

Pressegespräch zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Auflösung des Gemeinwohls?“

7. March 2017 - 13:29
Bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Bensberg haben die Bischöfe über die Lage der Gesellschaft in Deutschland gesprochen. Das Vertrauen in Institutionen schwindet, nicht nur bei jungen Menschen. Dieser Rückgang des Vertrauens betrifft nicht nur staatliche und politische Institutionen, Organe und Parteien, sondern auch Großorganisationen und damit auch die Kirchen. Zudem fühlen viele Menschen sich ausgegrenzt, sehen keine Chancen für sich und ihre Kinder oder haben Abstiegsängste. Welchen Beitrag können die Kirche und ihre Caritas leisten, um diese Menschen aufzufangen und sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen?

Aus dem heutigen (7. März 2017) Pressegespräch zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Auflösung des Gemeinwohls? Aktuelle Fragen im Spannungsfeld von sozialer Gerechtigkeit, wachsendem Populismus und dem Auftrag der Kirche“ dokumentieren wir die Statements von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz,  Prälat Dr. Peter Neher (Freiburg), Präsident des Deutschen Caritasverbandes, und Prof. Dr. Gerhard Kruip (Mainz), Professor für Anthropologie und Christliche Sozialethik an der Universität zu Mainz.

Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki in der Eucharistiefeier am 7. März 2017

7. March 2017 - 6:10
Liebe Schwestern, liebe Brüder,

heute hören wir reifer und erfahrener als noch vor einem Jahr die Worte der Heiligen Schrift.

Denn jeder Tag unseres Lebens schenkt uns ja neue Sichtweisen, schenkt uns neue Erkenntnisse, neue Lesarten. Wer von uns hätte vor einem Jahr gewusst, was „Fake News“ sind? Heute graut uns davor, welches Unheil diese anzurichten vermögen. Sie blenden und verführen Menschen. Sie verschleiern die Realität. Sie suchen und finden Sündenböcke. Sie heizen die Stimmung an.

Es sind Worte, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden. Aber noch bevor sie gedruckt sind, kursieren sie in Echtzeit über unsere Bildschirme und Smartphones. Es sind Worte, die ebenfalls nicht leer zurückkehren zu dem, der sie gesprochen, geschrieben oder gepostet hat, sondern die genau das bewirken, was der Demagoge will und wozu dieser sie ausgesandt hat. Auch Gottes Wort – so der Prophet Jesaja heute – kehrt nicht leer zu ihm zurück, sondern bewirkt, was er will. Aber während das Wort des Demagogen zerstört, verletzt und diffamiert, baut Gottes Wort auf und stärkt und heilt (vgl. Jes 55, 11).

Auch wir senden Worte aus: Pressestatements, Presseerklärungen, Predigten, Schriftenreihen, Interviews, Berichte von Arbeitsgruppen, Bischofs- und Hirtenworte, Protokolle, Gemeinsame Worte mit der EKD, Briefe, Glückwunschschreiben, bisweilen auch noch den einen oder anderen privaten Brief, Videobotschaften, Worte zum Sonntag …

Hört uns überhaupt noch jemand zu? Und wir selbst? Welche Worte haben wir noch übrig für Gott? Wie beten wir? Beten wir wirklich? Es ist ja nicht so, dass die Hinweise Jesu heute zum Gebet nur an seine Jünger damals und später dann an die ersten Adressaten des Matthäusevangeliums gerichtet waren. Natürlich sind sie auch an uns gerichtet. Wir sind diejenigen, deren Geplapper unerwünscht ist. „Sei nicht zu schnell mit dem Mund, ja selbst innerlich fiebere nicht, vor Gott das Wort zu ergreifen! Gott ist im Himmel, du bist auf der Erde, also mach wenig Worte“, mahnt deshalb schon Kohelet (Koh 5,1).

Da sind wir auf einmal mittendrin in der „Not und dem Segen des Gebetes“, wie Karl Rahner sein eindrückliches Buch schon vor Jahrzehnten überschrieb. Darin entlarvt er, dass wir oftmals hinter Masken unsere Verzweiflung verstecken und wir lernen müssen, hinter diese Masken zu schauen. Nur so könne man erkennen, dass „der eigentliche Mensch, der Mensch der Freiheit, des Vertrauens, des Glaubens und der Unendlichkeit verschüttet und tot“ hinter seinen Masken liegt. (Rahner, 17). Und er mahnt uns – genau uns! – davor, dass auch wir nie dieser Gefahr des „Verschüttetwerdens“ enthoben sind.

Auch wir, „die sogenannten guten Christen, die Kirchentreuen, die Praktizierenden: Wir können so in unserem patentierten Christentum dahinleben und dahinpraktizieren – und vielleicht ist das Herz schon längst ein verschüttetes Herz. Denn diese Einstürze machen keinen Lärm.“ Wir gewöhnen uns vielmehr daran und rotieren weiter im Getriebe unseres Alltags. Dabei hat Gott uns doch bei unserem Namen gerufen, hat uns ein Herz aus Fleisch gegeben, hat uns in der Taufe neu geboren.

Das Herz wieder für die Gegenwart Gottes zu öffnen, ist nach Rahner das eigentliche Wort des Gebetes. Ein stilles Wort. Ein Wort, das Gott Raum gibt, in uns zu wirken, was er will. Ansonsten bliebe es wohl eher hohl, bliebe es womöglich Geplapper, wenn wir etwa sagen würden „Dein Wille geschehe“ (Mt 6,10), aber es gar nicht ernst meinten und Gott in unserem Leben nicht den Raum zur Verfügung stellten, der es erst möglich macht, dass sein Wille darin auch wirklich Gestalt annehmen kann. Wirklich zu Gott zu sprechen, wirklich zu beten, bedeutet deshalb: sich permanent von Gott durchdringen zu lassen. Nicht wir sind der Mittelpunkt, sondern wir haben unseren Mittelpunkt in ihm, weil er uns ja innerlicher ist als wir uns selbst.

Unser Herz will wieder lernen, auf Gottes wortloses Reden zu lauschen – und wenn dann nach einer Zeit der Übung, des Aushaltens, der Stille, der Gott-Inwendigkeit aus diesem Geschehen heraus Worte über unsere Lippen kommen, dann kämen sie aus einem Herzen, das nicht verschüttet ist, sondern das lebt, das aus Fleisch und nicht aus Stein ist, das um seine Taufwürde weiß, das auferstanden ist zum ewigen Leben. Beten ist kein Reden, kein Geplapper, kein Fake. Beten ist das, was entsteht, wenn Gott der Mittelpunkt unseres Ichs sein darf.

Wenn wir anfingen „mit viel weniger Worten und mit viel mehr Herz zu sprechen zu Gott, ich glaube doch, unser Herz hätte sich geöffnet und wir hätten ein Wort des Gebetes gesprochen“ (Rahner, 25). Und dort, wo wir wirklich beten, verändert das Gebet uns und die Welt um uns herum. Wo wir wirklich beten, wirkt Gott in uns, wirkt seine Präsenz heilsam mitten in Krankheit und Tod, mitten in Gewalt und Zerstörung. Nichts kann seine Gegenwart vernichten, wenn wir nur nicht aufhören, ihm unser Herz zu öffnen.

Versuchen wir, uns deshalb von nichts und von niemandem in unserem Vertrauen auf Gott beirren zu lassen – nicht von schlechten Nachrichten und nicht von falschen Nachrichten. Nicht vom Geplapper um uns herum. Nicht von „likes“ und nicht von „dislikes“; nicht von Drohungen und nicht davon, als Christen diffamiert oder lächerlich gemacht zu werden. Es gibt nur einen Weg und auch nur eine Wahrheit – und unser Herz weiß: Darin liegt das Leben. Für uns und für alle. In Ewigkeit.
Amen.

Lesung:             Jes 55,10–11
Evangelium:    Mt 6,7–15

„Freiheit ist Gabe und Aufgabe zugleich“

6. March 2017 - 19:58
Mit einem feierlichen Gottesdienst ist die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz heute Abend (6. März 2017) im Kölner Dom eröffnet worden. In seiner Predigt warb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dafür, sich mutig und offen der eigenen Identität zu stellen: „Wir spüren, dass wir in einer unruhigen Zeit leben, einer Zeit der Umwälzung, des Umbruchs. Dinge, die wir vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätten, passieren. Oft gerät die Identität in Gefahr“, so Kardinal Marx.

Die Frage nach der Identität gelte auch für die Kirche. „Die Kirche ist immer dieselbe und doch lernt sie dazu, nach den Möglichkeiten, die der Heilige Geist ihr schenkt. So ist die Kirche aufgefordert, ihre Identität immer neu zu entdecken.“ Gerade das sei Ausdruck der jüdisch-christlichen Kultur, die es auch zu verteidigen gelte. Kardinal Marx erinnerte an die fünf Bücher Mose, die Torah, die der „Kernpunkt der Identität Israels“ sei. Diese Torah stelle viel mehr als ein Gesetzbuch dar, „sie ist die Geschichte der Befreiung, der neuen Lebensweise, der Neuentdeckung Gottes. Das ist ein grundsätzlicher Auftrag an das Volk Gottes − damals und heute.“ In dieser Botschaft und der jüdisch-christlichen Identität zeige sich, so Kardinal Marx, dass Gott dem Menschen nahe sei: „Er ist der Gott der Befreiung, der ein Projekt mit der Welt vorhat. Gott schenkt dem Menschen seine Freiheit. Die Gottebenbildlichkeit besteht in dieser Freiheit.“

Kardinal Marx betonte, dass die Geschichte der Kirche nicht nur erzählt werde, sondern dass sie gleichsam ein Weltauftrag sei, für die Freiheit und damit für die Würde des Menschen einzutreten. „Gott ist ein Gott der Schwachen, ein Gott, der nach unten schaut. Die Gottes- und Nächstenliebe ist nicht durch Jesus neu erfunden worden, aber er hat sie neu ins Zentrum des Bewusstseins gerückt, mit seinem Leben, mit seinem Tod. Gott ist somit die wahre Freiheit, die wir als Kinder Gottes finden“, so Kardinal Marx. Dann verstehe man auch, dass das, was die Kirche durch die Geschichte lernen müsse, noch längst nicht zu Ende sei.

Kardinal Marx ermutigte die Gläubigen „Zeuginnen und Zeugen der Freiheit zu sein, einer Freiheit auch für jene Menschen, die nicht unsere Überzeugung haben. Eine Freiheit für jene, die getreten, geschlagen und vergewaltigt werden, eine Freiheit für jene, die unterdrückt und mundtot gemacht werden, auch Journalisten. Für ihrer aller Freiheit wollen wir eintreten, weil das der Kern der Menschenwürde und des christlichen Auftrags ist. Daran zeigt sich der ununterbrochene Weg des christlichen Glaubens durch die Geschichte hindurch.“

1996 habe Papst Johannes Paul II. bei seiner historischen Rede im Brandenburger Tor die viel beachtete Rede gehalten, dass der Mensch zur Freiheit berufen sei: „Die Kirche soll Protagonistin der verantwortlichen Freiheit sein. Freiheit und Wahrheit gehören ebenso zusammen wie Freiheit und Solidarität.“ Diese Freiheit, so Kardinal Marx, gelte es zu verteidigen: die Freiheit der Kultur, der Würde, des Respekts. „Diese Freiheit nimmt alle Menschen in den Blick, nicht nur mich, meine Pfarrei, meine Ideen, sondern die Freiheit öffnet sich für die ganze Menschheitsfamilie. Dann spüren wir, welchen Auftrag wir haben: Wenn die Welt unruhig und unbarmherzig wird, wenn Auseinandersetzungen und Polarisierung zunehmen, dann muss dem die Botschaft Jesu entgegengehalten werden. Wir wollen uns als Christen bemühen, Brücken zu bauen und an einer Kultur des Respekts und der Freiheit mitzuwirken. Denn Freiheit ist Gabe und Aufgabe zugleich!“

Christlich-jüdisches Gespräch in Frankfurt

6. March 2017 - 13:49
Anlässlich des diesjährigen Reformationsgedenkens haben sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands bei ihrem diesjährigen Treffen heute (6. März 2017) in Frankfurt am Main mit dem Thema „Reformation, Reform und Tradition“ befasst. Die Teilnehmer haben die Reformation nicht nur als innerchristliches Ereignis, sondern auch in ihren gesellschaftlichen und kulturellen Folgen gewürdigt. Dabei wurde auch die ambivalente Wirkungsgeschichte der Reformation gerade auch mit Blick auf das christlich-jüdische Verhältnis und auf den christlichen Antijudaismus in den Blick genommen.

„Der reformatorische Ruf zur Umkehr als eine das ganze Leben betreffende Buße schließt notwendig auch das Verhältnis zum Judentum mit ein“, erklärte der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister. Tragischerweise hätten Luthers späte Äußerungen zum Judentum das Einfallstor für judenfeindliche Aussagen im Protestantismus bis hinein ins 20. Jahrhundert gebildet, so Meister weiter.

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt) unterstrich, dass die katholische Erinnerung an die Reformation von „einer tiefen Ambivalenz“ geprägt sei. Die Reformation habe nicht nur Impulse zur Erneuerung des kirchlichen Lebens gegeben, sondern auch zur Spaltung der westlichen Christenheit und zu wechselseitigen religiösen und sozialen Abgrenzungen geführt. „Erst der ökumenische Dialog der vergangenen Jahrzehnte hat den Blick dafür frei gemacht, dass die Identität der Kirchen sich nicht in gegenseitiger Abgrenzung, sondern in der Orientierung am Evangelium bildet.“

Von Seiten der Rabbiner wurde ausdrücklich gewürdigt, dass die EKD sich schon im Vorfeld des Reformationsjubiläums von den antijüdischen Schriften Martin Luthers distanziert und – wie zuvor schon die katholische Kirche – einen theologisch begründeten Verzicht auf die so genannte „Judenmission“ erklärt hat. Das sei ein weiterer, wichtiger Schritt auf dem Weg der Versöhnung von Juden und Christen.

Die Beschäftigung mit der geschichtlichen Reformation führte zur Frage, wie das Verhältnis von Tradition und Reform im Judentum und im Christentum zu bestimmen ist. Rabbiner und Kirchenvertreter stimmten darin überein, dass es nicht nur darauf ankomme, eine Tradition zu bewahren, sondern sie für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Die Frage, welche Reformen theologisch legitim sind und nach welchen Kriterien Reformen durchgeführt werden können, wurde hingegen sehr unterschiedlich beantwortet.

Seit 2006 treffen sich Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK) und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD einmal jährlich zu einem ausführlichen Meinungsaustausch, an dem auch das Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit teilnimmt.

Hinweise: Das Statement von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr ist untenstehend zum Herunterladen verfügbar.

Weitere Informationen unter:
Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands – www.a-r-k.de
Deutsche Bischofskonferenz – www.dbk.de
Evangelische Kirche in Deutschland – www.ekd.de
Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands – www.ordonline.de
Deutscher Koordinierungsrat – www.deutscher-koordinierungsrat.de

Pater Michael Heinz SVD ist neuer Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat

3. March 2017 - 15:28
Mit einem Gottesdienst ist heute (3. März 2017) im Dom zu Essen der neue Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat, Pater Michael Heinz SVD, in sein Amt eingeführt worden. Er übernimmt die Aufgabe von Prälat Bernd Klaschka, der die Geschäftsstelle von Adveniat seit 2004 geleitet hat und nun mit 70 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Pater Heinz war zuletzt Provinzial der Steyler Missionare in Bolivien. Davor hat er sieben Jahre in Nicaragua gearbeitet. Die Vertrautheit mit dem kirchlichen Dienst und der Lebenswirklichkeit der Armen in Lateinamerika ist Grundlage der Arbeit des weltweit größten Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat.

Beim Festakt nach dem Gottesdienst dankte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), der seitens der Deutschen Bischofskonferenz für Adveniat verantwortlich ist, sowohl dem scheidenden als auch dem neuen Hauptgeschäftsführer für ihr großes Engagement. Ihre Sorge gelte den Armen und dies komme in dem Einsatz der Geschäftsstelle deutlich zum Ausdruck: „Adveniat ist keine Einbahnstraße von Deutschland nach Lateinamerika und in die Karibik, sondern ein Weg des Gebens und Nehmens, des Lernens und gegenseitigen Verstehens. Diesen Auftrag hat Prälat Klaschka in besonderer Weise ausgefüllt“, so Bischof Overbeck. Gleichzeitig wünschte er Pater Heinz Gottes Segen und ein hörendes Herz für die Stimme der Armen.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hob die Bedeutung von Adveniat und der anderen katholischen Hilfswerke für das Selbstverständnis der Kirche in Deutschland hervor. Prälat Klaschka war bis zuletzt auch Sprecher der katholischen Hilfswerke. Bei der Übergabe eines symbolischen Pilgerstabes von Prälat Klaschka an Pater Heinz erinnerte Erzbischof Schick daran, dass Adveniat wie alle Hilfswerke der katholischen Kirche in Deutschland Ausdruck des weltweiten Einsatzes der katholischen Kirche sei, die so sichtbar in die Gesellschaft hineinwirke. „Die Hilfswerke sind ein sichtbares Zeichen für das Evangelium, das wir als Christen allen Menschen weltweit verkünden.“ Erzbischof Schick dankte Prälat Klaschka im Namen der Deutschen Bischofskonferenz „für das viele Gute, das er geleistet hat. Möge Gott Ihnen vergelten, was Sie für Adveniat und die Menschen in Lateinamerika getan haben“.

Als Gäste waren unter anderen der Vorsitzende des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, Kardinal Rubén Salazar, und der Vorsitzende der Haitianischen Bischofskonferenz, Kardinal Chibly Langlois, anwesend. Beide würdigten die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Adveniat.

Hintergrund
Die Bischöfliche Aktion Adveniat ist das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Seit 1961 kommt die jährliche Weihnachtskollekte, die am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Gottesdiensten gehalten wird, Adveniat zugute. Darüber hinaus finanziert Adveniat seine Arbeit aus Einzelspenden und Kirchensteuermitteln. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr über 2.000 Projekte mit rund 35 Millionen Euro unterstützt werden.

Ausschreibung für den Katholischen Medienpreis 2017

3. March 2017 - 12:30
Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 15. Mal zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM.) den Katholischen Medienpreis. Der Preis soll Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus motivieren.

Ausgezeichnet werden herausragende Beiträge aus Hörfunk, Fernsehen, Printmedien oder Internet, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis von Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhängen fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen.

Der Preis ist nicht teilbar und wird mit jeweils 5.000 Euro in den Kategorien „Elektronische Medien“ und „Printmedien“ verliehen. Über die Verleihung der Preise entscheidet eine Jury unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart). Die Preisverleihung ist für den 16. Oktober 2017 in Bonn geplant.

Ab sofort steht das Bewerbungsformular für den Katholischen Medienpreis auf der Initiativenseite „Katholischer Medienpreis“ sowie www.gkp.de und www.katholischer-medienverband.de zur Verfügung. Es können Arbeiten eingereicht werden, die zwischen dem 5. April 2016 und dem 4. Mai 2017 in einem journalistischen Medium des deutschen Sprachraums veröffentlicht worden sind. Bewerbungsschluss ist der 5. Mai 2017.

Weitere Informationen zur Jury und den bisherigen Preisträgern sowie zu den Preisverleihungen finden Sie ebenfalls auf der Initiativenseite „Katholischer Medienpreis“.

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