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Deutsche Bischofskonferenz übermittelt Aleviten Segenswünsche zum Muharrem-Fasten und zum Aşure-Fest 2017

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 21. September 2017 - 11:59
Der Vorsitzende der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für den Interreligiösen Dialog, Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), hat den Aleviten in Deutschland zum Muharram-Fasten und dem anschließenden Aşure-Fest am 3. Oktober 2017 die Glück- und Segenswünsche der Deutschen Bischofskonferenz in einer Grußbotschaft übermittelt:

„Zu Beginn der zwölftägigen Muharram-Fastenzeit und zum anschließenden alevitischen Aşure-Fest am 3. Oktober sende ich Ihnen im Namen der katholischen Kirche in Deutschland meine herzlichsten Segenswünsche.

Die Fastenzeit ist für viele Menschen eine willkommene Unterbrechung des alltäglichen Lebens. Das gilt auch, wenn sie – wie es beim Fasten der Aleviten der Fall ist – an traurige Ereignisse in der Geschichte der eigenen Religion erinnert. Die Zeit des Fastens bietet die Möglichkeit, über Erlebtes, Gegenwärtiges und Zukünftiges vertieft nachzudenken: Wir ziehen eine Bilanz der Ereignisse des vergangenen Jahres, überdenken unsere gegenwärtige Lage und überlegen, wie wir unsere Zukunft gestalten möchten. Als religiöse Menschen dürfen wir dem Allmächtigen in Demut unsere Bitten, Sorgen und Nöte vortragen und darauf hoffen, erhört zu werden.

Die Zeit des religiös inspirierten Innehaltens kann auch hilfreich sein, sich auf das Verbindende unter den Menschen zu besinnen und das Trennende nicht übermächtig werden zu lassen. Eine alevitische Weisheit lehrt, dass 72 Nationen symbolisch als eine einzige zu betrachten seien. Das erinnert mich an die Zeilen von Nostra aetate, jenem wegweisenden Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Beziehungen der katholischen Kirche zu den anderen Religionen. Dort heißt es: „Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ. […] Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.“

Unsere Überlieferungen und Lehren verlangen von uns, Menschen nicht auf ihre unterscheidenden Merkmale zu reduzieren und gegenüber rassistischen und menschenfeindlichen Ideologien wachsam zu sein. Eine Gesellschaft, in der Menschen aus verschiedenen religiösen Traditionen friedlich zusammenleben, steht für Stärke, nicht für Schwäche! Es liegt an uns allen, eine solche Gesellschaft aufzubauen und aufrechtzuerhalten, damit sie gegenüber hetzerischen Ideologien standhaft bleiben kann.

Liebe alevitische Geschwister, Sie werden am Ende der Fastenzeit gemäß Ihren Überlieferungen aus zwölf verschiedenen Zutaten, die an das Überleben in der Arche Noah erinnern, die Aşure-Suppe zubereiten und sie gemeinsam mit Ihren Familien, Freunden, Nachbarn und Gästen verzehren. Dies ist eine schöne Tradition und wird zu einem lebendigen Zeichen der Gastfreundschaft, wenn auch andere an dieser Feier teilnehmen. Ich freue mich darüber, dass Ihre Einladungen auch von zahlreichen Christen und Vertretern der Gesellschaft angenommen werden.

Möge dieses Zeichen der gelebten Toleranz zu einem friedlichen, freundschaftlichen Miteinander in unserem Lande beitragen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen persönlich und im Namen der katholischen Christen in unserem Land eine erfüllte Fastenzeit und ein friedliches Aşure-Fest.

Friede sei mit Ihnen!“

Hintergrund Die Fastenzeit der Aleviten im Monat Muharram, dem ersten Monat des islamischen Kalenders, dauert in diesem Jahr vom 21. September bis 2. Oktober. Während dieser zwölf Tage, deren Zahl an die zwölf Imame erinnert, gedenken die Aleviten insbesondere des gewaltsamen Todes des Imam Hüseyin und von 72 seiner Familienangehörigen und Anhänger im Jahr 680. Im Anschluss an das Fasten – in diesem Jahr am 3. Oktober – feiern die Aleviten das Aşure-Fest, an dem traditionell eine Speise aus zwölf Zutaten (Aşure) zubereitet und mit Nachbarn und Freunden geteilt wird. Das alevitische Aşure-Fest ist nicht mit dem Aschura-Tag der Schiiten und der Sunniten zu verwechseln, der in diesem Jahr auf den 30. September fällt und mit dem sich zum Teil ähnliche, zum Teil andere Überlieferungen verbinden.

Kardinal Marx gratuliert zum Jüdischen Neujahrsfest Rosch haSchana

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 19. September 2017 - 11:59
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, sowie allen jüdischen Mitbürgern anlässlich des Neujahrsfestes Rosch haSchana Friedens- und Segenswünsche übermittelt.

„In den vergangenen Monaten haben wir leider ein Erstarken des Antisemitismus auch in Deutschland erleben müssen. Neben den bekannten antijüdischen Vorurteilen hat vor allem ein israelbezogener Antisemitismus zugenommen“, schreibt Kardinal Marx. Kritik an Entscheidungen israelischer Regierungen etwa in Bezug auf die Besatzungs- oder Siedlungspolitik sei zweifellos legitim. „Diese Kritik aber muss so formuliert werden, dass sie nicht antisemitisch oder antizionistisch missverstanden werden kann und den vorhandenen Antisemitismus nicht verstärkt. Wir sind auch für die politische Wirkung dessen, was wir sagen und tun verantwortlich“, so Kardinal Marx.

Es habe in den vergangenen Wochen aber auch positive Entwicklungen gegeben. Kardinal Marx verwies auf die Erklärung „Zwischen Jerusalem und Rom“, die eine Delegation der Europäischen Rabbinerkonferenz, des Rabbinical Council of America und des Israelischen Oberrabbinats Papst Franziskus am 31. August 2017 in Rom übergeben hat. „Diese Erklärung ist eine Würdigung der Verbesserungen in den christlich-jüdischen Beziehungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und vor allem eine Ermutigung, den christlich-jüdischen Dialog auch zukünftig engagiert fortzuführen“, schreibt Kardinal Marx in seinem Grußwort. Er hoffe, dass diese Erklärung eine weite Verbreitung sowohl in den Kirchen als auch in der jüdischen Gemeinschaft finde und dass „die wegweisenden Aussagen die theologischen Debatten, aber auch das alltägliche Zusammenleben inspirieren“.

Hinweis: Das Grußwort von Kardinal Marx zum Jüdischen Neujahrsfest ist unten als pdf-Datei verfügbar.

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