Augenblicke der Besinnung

Wie Maria gehören auch wir einem Volk an.
Und die Geschichte der Kirche lehrt uns,
dass auch dann, wenn sie stürmische Meere durchquert,
die Hand Gottes sie führt und schwierige Momente überwinden lässt.
Die echte Erfahrung von Kirche ist nicht wie ein Flashmob,
zu dem man sich verabredet, um eine Performance durchzuführen
und um dann wieder seines Weges zu ziehen.
Die Kirche trägt eine lange Tradition in sich,
die von Generation zu Generation weitergegeben wird
und dabei durch die Erfahrung jedes einzelnen bereichert wird.
Auch eure Geschichte findet ihren Platz
innerhalb der Geschichte der Kirche.

Papst Franziskus
















Sammlung von Newsfeeds

Gedenkgottesdienst für Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl in der St. Hedwigs-Kathedrale zu Berlin

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - vor 1 Stunde 44 Minuten
Liebe Schwestern und Brüder,
ein langjähriger Weggefährte des Verstorbenen erzählte mir einmal, dass Helmut Kohl in seiner Jugend mit einer ganz anderen Branche als der Politik geliebäugelt habe: nämlich der Land- und der Forstwirtschaft.

Besondere Hochachtung hatte er vor Förstern: Sie ernten, was ihre Vorfahren gepflanzt haben und sie setzen, was ihre Nachfahren ernten. Ihr Beruf verlangt Tatkraft und Geduld. Sie müssen Gestaltungswillen haben, aber auch in der Lage sein, Dinge wachsen und sich über lange Zeiträume hinweg entwickeln zu lassen. Sie brauchen ein Gefühl dafür, wann die Zeit reif für die Ernte ist. Vielleicht ist Helmut Kohls Wertschätzung dieser Berufe ein Schlüssel, der uns helfen kann, ihn besser zu verstehen.

Bauern und Förster sind bodenständig im konkreten Sinne des Wortes. Sie denken in Generationen. Sie erleben die Natur als Schöpfung, mit der wir Menschen pfleglich umgehen müssen. Die Klugen hören auf die Erfahrungen der Vorfahren und Kollegen. Die besonders Erfolgreichen sind schlau – im Umgang mit der EU bisweilen listig –, kennen die Marktgesetze und wissen, wie man ein gutes Betriebsergebnis erzielt. Bisweilen spekulieren sie auch, aber ihnen ist klar, dass der, der faule Eier verkauft, schnell jegliches Vertrauen verspielt.

Landwirte kennen sich bestens in der sie umgebenden Welt aus. Sie wissen um die Bedeutung einer funktionierenden Gemeinschaft und darum, welche Anstrengungen immer wieder zu unternehmen sind, damit das Dorf, das Gemeinwesen funktioniert. Ohne große Worte darüber zu verlieren, haben sie ein sicheres Gespür für die Wirkungszusammenhänge von Solidarität, Gerechtigkeit, Gemeinwohl und Subsidiarität. Bauern wissen um die Bedeutung der Familie, guter Nachbarschaft und Freundschaft, Beziehungspflege und Kollegialität. Bauern sind im besten Sinne des Wortes konservativ, weil sie die Schöpfung auch für die kommenden Generationen bewahren müssen.

Das lateinische Wort für das Bearbeiten des Ackers lautet colere, es ist der Wortstamm für unser deutsches Wort Kultur. In diesem Sinne – und weit mehr im übertragenen – sind Landwirte und Förster also Kulturschaffende. Sie veredeln, was die Natur hergibt, und schaffen so Neues. Ein Kulturschaffender findet sich nie mit den gegebenen Umständen ab. Fatalismus ist ihm ebenso fremd wie Machbarkeitswahn. Er weiß um die eigenen Begrenztheiten und mehr noch um die Begrenzungen durch die Naturgesetze. Aber er nutzt die Gestaltungsmöglichkeiten, die die Schöpfung ihm eröffnet. Vielleicht ist es kein Zufall, dass unter Landwirten Religiosität besonders verbreitet ist. Sie spüren tagtäglich, dass sie nicht Herren der Welt sind, sondern nur Verwalter auf Zeit. Die Welt verdankt sich einem anderen, nämlich Gott.

Für mich, der ich Helmut Kohl während seiner aktiven politischen Zeit nur aus den Medien kannte, verkörperte er in der Tat die Tugenden eines guten Försters und Landwirtes. Später lernte ich ihn dann auch persönlich kennen – und jeder, der ihn kannte, wird ein noch reicheres, wahrscheinlich differenzierteres Bild von ihm haben, je nachdem, wie man zu ihm stand.

Auch in seiner eigenen Familie haben alle ein je eigenes Bild von ihm, geprägt von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Wir Außenstehenden sollten uns bei der Bewertung dieser unterschiedlichen Sichtweisen zurückhalten. Was wir sagen können – und sollen – ist dies: In dieser Stunde sind unsere Gedanken auch bei Helmut Kohls Witwe sowie bei seinen Söhnen und ihren Familien. Und wir wünschen ihnen allen, dass sie untereinander Versöhnung und Frieden erfahren.

Helmut Kohl konnte polarisieren, aber er hatte auch in ganz herausragendem Maße die Gabe der Freundschaft. Seine Freunde und engsten Vertrauten werden sich an schöne gemeinsame Stunden und Gespräche erinnern, an Wanderungen und Saunagänge, an gutes Essen und Wein, an den überaus belesenen Geschichtskenner und anekdotenreichen Geschichtenerzähler, an den humorvollen, oft spöttischen und bisweilen melancholischen Mann, der in jeder Runde die Themen zu setzen wusste. Der einen genauso in den Bann ziehen wie irritieren konnte. Helmut Kohl mochte, wie ein enger Mitarbeiter mir erzählt hat, den Satz „Als Christen glauben wir auch an ein Leben VOR dem Tod!“

Kohl interessierte sich für die Menschen und ihre Beziehungen untereinander, ihm war völlig gleich, welchen Rang, welche Bedeutung, welche Herkunft sie hatten. Er hatte ein außerordentlich sicheres Gespür für Andere. Er konnte mit seinem Charme blitzschnell Distanz überwinden. Und er betrachtete es als eine der größten Gefahren, die mit der Macht verbunden ist, dass man sich von den Menschen unmerklich immer weiter entfernt, dass man abhebt.

Weggefährten aus aller Welt, aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Kirche genauso wie engste Vertraute werden sich an sein phänomenales Gedächtnis, seine Aufmerksamkeit für die Großen und die Kleinen, für die Details wie für die großen Linien erinnern. Wie oft hat er unkompliziert geholfen. Viele sind ihm auf immer sehr dankbar. Er vergaß wenig und konnte auch Unterstützung einfordern. Er schenkte Vertrauen und konnte nicht ertragen, wenn es missbraucht wurde. Viele verstanden nicht, dass er nach den für ihn bittersten Stunden seines Lebens Freundschaften aufkündigte, weil sich manche Weggefährten nicht solidarisch mit ihm zeigten. Auch das gehört zu seinem Leben: die Erfahrung der Einsamkeit. Und auch hier steht es uns nicht zu, die Schuldfrage zu stellen. Wir haben jedoch die Gewissheit, dass Helmut Kohl jetzt in Frieden ruht.

Helmut Kohl war ein gläubiger Mann, er bezeichnete sich selbst als christ-katholisch und hat einmal diese weitherzige Katholizität als ein Erbe seines Elternhauses beschrieben. Gewiss war es auch die Liebe zu seiner evangelischen Frau Hannelore, die ihn antrieb, ein gutes Miteinander der Kirchen und der Christen einzufordern. Er kannte die Kirchen und ihre Vertreter nur zu gut. Mit manchen verband ihn ein freundschaftliches Verhältnis – legendär sind seine Wanderungen mit Kardinal Lehmann. Wenn ihm etwas nicht passte, dann sagte er das dem Ratsvorsitzenden der EKD genauso wie dem Papst. Immer betonte er den Beitrag Johannes Pauls II. für den Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung. Das hinderte ihn aber nicht daran, ihn zu kritisieren, wenn er die nach seiner Meinung Falschen zu Bischöfen ernannte.

Mehr noch als für die institutionelle Seite des Glaubens interessierte sich Helmut Kohl aber für die Frage nach dem Grund unseres Glaubens: nach Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Im Gleichnis des heutigen Evangeliums kommen diese beiden Dimensionen des Glaubens zum Klingen. Es geht um das Reich Gottes, das mit einem Senfkorn verglichen wird. Gott hat sein Reich hier auf Erden schon anbrechen lassen, er vertröstet uns nicht auf das Leben nach dem Tod. Durch seinen Schöpfungsakt rief Gott die Welt ins Dasein. In diese Welt sandte er seinen Sohn. Jesu Botschaft breitete sich aus und trägt bis in unsere Zeit reiche Frucht. Gott ist gegenwärtig unter uns, er trägt und hält uns – besonders spüren wir seine Nähe vielleicht in Stunden wie dieser, in denen wir uns in Trauer vereint zum Gebet versammeln. Und weil Gott mitten unter uns ist, können wir mit ihm in eine personale Beziehung eintreten, uns ihm anvertrauen, mit ihm sprechen. In einer lebendigen Beziehung wissen wir auch um unsere Verantwortung vor ihm und unseren Mitmenschen ...

Das Gleichnis beschreibt auch, wie wir selbst am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken können; eigentlich so, wie es der Landwirt tut: Er findet den Acker vor, den schon seine Vorfahren bestellt hatten, er sät – und dann muss er wachsen lassen. Er kann zwar noch etwas düngen und bewässern. Ob aus dem Senfkorn letztlich etwas wird, muss er aber einem anderen überlassen.

Man kann diese Haltung Demut nennen. Man kann in ihr aber auch den Geist des Vertrauens und der Hoffnung erkennen. Dieses Vertrauen und diese Hoffnung haben Helmut Kohl sein Leben lang begleitet – und sie haben ihm in schwierigen Entscheidungssituationen den Mut zum Handeln gegeben. Das hat ihn stets mit einem Gefühl tiefer Dankbarkeit erfüllt – und es ist auch für uns ein Grund, in diesen Tagen des Abschieds von Helmut Kohl „Danke“ zu sagen.

Amen.

Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche wird verlängert

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ („MHG-Studie“) wird auf Anraten und Empfehlung des Forschungskonsortiums um neun Monate bis September 2018 verlängert. Aufgrund des Umfangs und auch der Komplexität ist dieser Schritt notwendig. Nachdem sich auch der Beirat des Projektes dafür ausgesprochen hatte, hat der Ständige Rat auf seiner jüngsten Sitzung dieser Verlängerung zugestimmt.

Das Forschungskonsortium, das die Deutsche Bischofskonferenz seit März 2014 mit der Studie beauftragt hat, wird von Prof. Dr. Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim als Verbundkoordinator geleitet. Neben dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (Prof. Dr. Harald Dreßing, Prof. Dr. Hans-Joachim Salize) sind das Kriminologische Institut der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Dieter Dölling, Prof. Dr. Dieter Hermann), das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Dr. Andreas Kruse, Prof. Dr. Eric Schmitt) und der Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Gießen (Prof. Dr. Britta Bannenberg) Mitglieder des Forschungskonsortiums.

Hintergrund
Am 28. August 2013 war das Forschungsprojekt von der Deutschen Bischofskonferenz ausgeschrieben worden. Auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Münster (10. bis 13. März 2014) wurde der Beschluss für das Forschungskonsortium gefasst. Bischof Dr. Stephan Ackermann betonte bei der Vorstellung des neuen Projektes: „Wir wollen Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche – um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen.“
Hinweis:
Weitere Informationen zum Thema sexuellen Missbrauchs im Bereich der katholischen Kirche sind im Dossier „Zum Thema sexueller Missbrauch“ verfügbar.

Jahrestagung Weltkirche und Mission diskutierte über Religion und Entwicklung

„Planet First“ – die Sorge um das gemeinsame Haus, unsere Erde, stand als starkes Bild für eine gute Entwicklungspolitik im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung Weltkirche und Mission vom 21. bis 23. Juni 2017 in Würzburg, an der rund 140 Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und alle in der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland tätigen Ordensgemeinschaften, (Erz-)Bistümer und Werke teilnahmen. Die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus bildete den Mittelpunkt vieler Beiträge zu Fragen von Religion und Entwicklung.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, verwies auf die Rahmenbedingungen einer solchen gesellschaftlichen Umkehr. In seinem Eröffnungsstatement benannte er Frieden und gute Regierungsführung als unabdingbare Voraussetzungen dafür, dass sich Menschen entwickeln und entfalten können. „Daher besteht Entwicklungshilfe nicht darin, Almosen zu geben, sondern für eine friedliche und gerechte Weltordnung einzutreten.“ Erzbischof Schick dankte allen, die sich in Deutschland und weltweit in den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften für die Entwicklung der Völker einsetzten, wobei er das päpstliche Schreiben Populorum progressio von Papst Paul VI. zitierte, das vor 50 Jahren veröffentlicht wurde. Die Teilnehmer der Tagung appellierten an die Weltgemeinschaft, das Engagement für eine gerechte und friedliche Welt noch mehr zu verstärken und verpflichten sich, sich aus dem Geist des Evangeliums zusammen mit allen Religionen weiterhin für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Christoph Bals von Germanwatch zeigte sich im einführenden Vortrag von der jüngsten Enzyklika begeistert. Laudato si’ werde auch im säkularen Bereich als Aufruf zur Kehrtwende verstanden. Hier sei auch die Kirche in Deutschland gefordert, Impulse aufzunehmen und sich verstärkt für eine umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung auf der Nord- und Südhalbkugel einzusetzen. Er betonte, dass heute jede soziale Frage auch eine ökologische sei. Dabei müsse die Perspektive der Opfer des Klimawandels im Süden und im Norden, beispielsweise der Menschen, denen durch den Kohleausstieg Arbeitslosigkeit drohe, maßgeblich werden. Als wichtigen Meilenstein auf dem Weg der Umkehr forderte er in Anlehnung an Laudato si’: „Die Atmosphäre und die Ozeane müssen Gemeineigentum werden.“

Referenten aus allen Kontinenten beleuchteten verschiedene Dimensionen, wie Religionen zur menschlichen Entwicklung beitragen können. Pater Shay Cullen von den Philippinen hob die Bedeutung von Vergemeinschaftung für die individuelle Entwicklung hervor: „In Gemeinschaft können benachteiligte Menschen ihre eigene Würde erfahren.“ Schwester Alison Munro aus Südafrika berichtete von der Vorreiterrolle, die kirchliche Einrichtungen in ihrem Land im Kampf gegen AIDS eingenommen hätten. Dieses Engagement habe nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kirche geprägt. „Der Einsatz für die AIDS-Kranken und Ausgegrenzten hat die Kirche in meiner Heimat Südafrika verändert.“ Die Vertreterin des UN-Bevölkerungsfonds, Dr. Azza Karam aus New York, erinnerte in ihrem Beitrag daran, dass leider erst durch religiös verbrämten Terrorismus Religionen in den Blick auch bei Mitarbeitern in den Hauptquartieren von UN-Institutionen geraten seien. Hingegen arbeiteten seit Jahrzehnten viele lokale Büros der Vereinten Nationen mit religiösen Organisationen für Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, Frieden und Umweltschutz eng zusammen. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen würden zunehmend die Potentiale von Religionsgemeinschaften geschätzt und systematischer einbezogen: „80 Prozent der Menschheit ist religiös; 30 Prozent der weltweiten Gesundheitsvorsorge wird von Religionsgemeinschaften erbracht“, so Karam.

Erzbischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno aus Peru berichtete von Ausbeutungsstrukturen im Amazonasgebiet. Für ihn verbindet sich – im Engagement für die Menschen dieser Region – der Auftrag für die Bewahrung der Schöpfung mit dem Einsatz für arme und entrechtete Menschen. Das finde gerade auch im politischen Engagement auf nationaler und internationaler Ebene seinen Ausdruck. Die Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, den Religionen stärkere Aufmerksamkeit zu widmen und sie in ihrem Engagement für die menschliche Entwicklung systematisch wahrzunehmen, stoße auf breite Zustimmung, betonte Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor. „Die Kooperation von staatlichen und kirchlichen Akteuren ist auf vielen Gebieten sinnvoll und hilfreich“, trotzdem sei auf die unterschiedlichen Rollen in der Entwicklungsarbeit zu achten.

Hintergrund
Veranstalter der Jahrestagung ist die „Konferenz Weltkirche“, in der die Deutsche Bischofskonferenz, die deutschen (Erz-)Bistümer, die Hilfswerke, die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), die Verbände, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und andere weltkirchlich tätige Einrichtungen zusammenarbeiten.


Hinweis:
Weitere Informationen zur Jahrestagung und zum Thema „Religion und Entwicklung“ sind auf der Internetseite der „Konferenz Weltkirche“ unter www.weltkirche.katholisch.de verfügbar.

Jahresbericht Weltkirche 2016 veröffentlicht

Die „Konferenz Weltkirche“, ein Zusammenschluss von international tätigen katholischen Einrichtungen in Deutschland, veröffentlicht zum siebten Mal den „Jahresbericht Weltkirche“. Ihm zufolge haben die deutschen (Erz-)Bistümer, Hilfswerke und Missionsorden im vergangenen Jahr pastorale und soziale Projekte weltweit mit 600 Millionen Euro gefördert.

Damit wurde das Ergebnis des Vorjahres (2015) um rund 18 Millionen Euro bzw. drei Prozent übertroffen. Hinzu kommen die Aufwendungen der Bistümer, Werke und Orden für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit, die im Jahresbericht gesondert ausgewiesen werden. Das weltkirchliche Engagement der großen Träger wird durch die Beiträge vieler Pfarrgemeinden, katholischer Verbände und Schulen ergänzt. Sie unterstützen in großer Zahl Initiativen zugunsten lokaler Partner in aller Welt, wobei der finanzielle Umfang dieser Aktivitäten nicht zentral erfasst werden kann.

Papst Franziskus hat seine Enzyklika Laudato si‘ über die Sorge für das gemeinsame Haus mit der Bitte an die Katholiken, aber auch an die gesamte Weltgemeinschaft verbunden, sich „über den Umgang mit unserem Planeten“ zu verständigen. Im inhaltlichen Schwerpunktteil des neuen Jahresberichtes wird deshalb über den Beitrag der Religionen zu nachhaltigen Entwicklungsprozessen diskutiert. Mehrere Artikel beschreiben vor allem die Bemühungen der katholischen Weltkirche, sich der ökologischen und sozialen Krise zu stellen. Dabei wird deutlich, welche Bedeutung dem ethischen Horizont des Christentums und den geistlichen Quellen der Religion für den angemessenen Umgang mit der Schöpfung zukommt.

Hintergrund
Der „Konferenz Weltkirche“ gehören Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der 27 Diözesen, der Deutschen Ordensobernkonferenz, der weltkirchlichen Werke, der Verbände und anderer weltkirchlich tätiger Einrichtungen in Deutschland an. Der Jahresbericht bietet neben dem Themenschwerpunkt und dem Statistikteil einen inhaltlichen Überblick über die vielfältige internationale Arbeit der beteiligten Organisationen.


Hinweise:
Der „Jahresbericht Weltkirche 2016“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ kostenfrei bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.
Weitere Informationen bietet das Internetportal der „Konferenz Weltkirche“ unter www.weltkirche.katholisch.de.

Abschlusstagung des ersten Mentoring-Programms zur Steigerung des Anteils von Frauen in kirchlichen Führungspositionen

Frauen in kirchliche Leitung zu berufen heißt, ihr vielfältiges Potenzial im Sinne der Kirche und für die Kirche zu nutzen – das war das Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweitägigen Abschlussveranstaltung des ersten Zyklus von „Kirche im Mentoring: Frauen steigen auf“ in München. „Die Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate haben uns gezeigt: Wenn sich die Einzelne verändert und weiterentwickelt, kann Neues entstehen, können sich starre Strukturen wandeln und den Herausforderungen der Zeit anpassen“, so Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof, stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, der das Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz und den deutschen (Erz-)Bistümern durchführt. „Das ist ein ermutigendes Zeichen.“

Auch Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zeigte sich beeindruckt vom Mentoring-Programm und ist dankbar für dieses Projekt. Eine Initiative, die so erfolgreich sei, brauche in jedem Fall eine Neuauflage. „Wir wären als Kirche verrückt, wenn wir auf die Begabung von Frauen verzichten würden“, so der Kardinal im Gespräch mit den 20 Mentees und 20 Mentoren und Mentorinnen. Bereits in seiner Predigt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Mentoring-Programms betonte Kardinal Marx den Reichtum der verschiedenen Geschlechter. Gott habe Freude daran, dass es Frauen und Männer gebe. „Als Kirche und Gesellschaft haben wir nicht immer so gehandelt, wie es die Bibel sagt und Gott will: dass Frauen und Männer einander auf Augenhöhe begegnen. Hier brauchen wir einen neuen Aufbruch, auch in unserer Kirche.“

Bereits Papst Johannes XXIII. habe daran erinnert, dass es zu den Zeichen der Zeit gehöre, eine Gleichberechtigung der Geschlechter im Lichte des Evangeliums zu ermöglichen. „Wir sind da auf dem Weg, aber längst noch nicht am Ziel. Eine Ober- oder Unterordnung der Geschlechter ist nicht begründbar“, so der Kardinal. Jede Form der Frauenbenachteiligung sei nicht hinnehmbar und letztlich gegen den Willen Gottes gerichtet. Kardinal Marx warnte vor einer Verkürzung der sogenannten Genderdebatte. „Was ist Frauen in der Geschichte und bis heute alles zugemutet worden, was wir heute bekämpfen müssen? Es braucht einen sichtbaren Einsatz für die Gleichberechtigung, dazu ermutigt schon die Heilige Schrift“, so der Kardinal. Das Mentoring-Programm in den deutschen (Erz-)Bistümern sei ein sichtbarer Schritt, der Mut mache. Es gelte die Herausforderung anzunehmen, in der Leitung der Kirche sensibel zu sein für ein Miteinander von Frauen und Männern, für ein Verständnis zwischen den Geschlechtern und letztlich auch in der Frage nach Leitungsverantwortung in der Kirche, betonte Kardinal Marx.

Die 20 Mentees und ihre 20 Mentorinnen und Mentoren des ersten Zyklus des ersten bundesweiten Mentoring-Programms zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche waren im Kardinal Wendel Haus in München zusammengekommen, um die Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie in den vergangenen zwölf Monaten gesammelt haben, zu resümieren. „Die Zusammenarbeit mit meiner Mentorin hat mir gezeigt: Wenn ich mich wandele, wandelt sich auch meine Umwelt“, so eine Mentee. „Und wenn ich Vertrauen in mich setze, tun das auch andere.“

Die Präsentation der Projekte, die die Mentees im Laufe des Mentoring-Jahres konzipiert und mit Unterstützung ihrer Mentoren und Mentorinnen durchgeführt hatten, am Ende des ersten Veranstaltungstages, „verdeutlichte auf besonders eindrucksvolle Weise welche Innovationskraft der Kirche zur Verfügung steht“, kommentierte Prof. Dr. Gisela Muschiol, Vorsitzende des Hildegardis-Vereins. So organisierte eine Mentee ein Weiterbildungsangebot für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendseelsorge, eine andere einen regelmäßigen Wochenmarkt, der in Zukunft von Ehrenamtlichen weitergeführt wird, wieder eine andere Mentee stellte ihr Ausstellungsprojekt mit Müttern tot geborener Kinder vor.

Das Seminar stand unter dem inhaltlichen Schwerpunkt „Führen in der Kirche“. Für die Mentees sowie ihre Mentorinnen und Mentoren bot die Veranstaltung auch die Gelegenheit, die Wirkungen zu reflektieren, die das Mentoring in Auseinandersetzung mit Führungsvorbildern und Führungsqualitäten angestoßen hat. Am Ende der Veranstaltung erhielten die Mentees von Prof. Dr. Muschiol in einer feierlichen Zeremonie ein Abschluss-Zertifikat. Sie bleiben Teil des wachsenden Netzwerks von „Kirche im Mentoring“, denn das erfolgreiche Programm wird mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz fortgesetzt.

Hintergrund
Das „Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche“ wird vom Hildegardis-Verein zusammen mit den deutschen
(Erz-)Bistümern und in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt. Das Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken unterstützt das Programm und insbesondere die Teilnahme der Bistümer Berlin (Caritas), Dresden-Meißen und Magdeburg. Ziel ist, weibliche Nachwuchskräfte auf Führungspositionen in der katholischen Kirche vorzubereiten und zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beizutragen. Das Programm wirbt für den Arbeitsplatz Kirche, will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen. Am ersten Durchgang des Programms mit den zwei einjährigen Mentoring-Zyklen nehmen insgesamt 14 (Erz-)Bistümer teil: Aachen, Bamberg, Berlin (Caritas), Dresden-Meißen, Essen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Limburg, Magdeburg, München und Freising, Münster, Osnabrück und Trier. Insgesamt stehen 40 Tandemplätze zur Verfügung. In jedem Tandem arbeitet eine erfahrene Leitungsperson (Mentor/in) aus den (Erz-)Bistümern mit einer Nachwuchskraft (Mentee) zusammen und ermöglicht ihr Einblicke in eine kirchliche Leitungstätigkeit. Als Mentoren werden in dem Programm Frauen und Männer eingesetzt. Das Mentoring wird vom Hildegardis-Verein e. V. durchgeführt, der in der katholischen Kirche beheimatet ist und als Einrichtung der Frauenförderung seit mehr als 100 Jahren die akademische Ausbildung und Qualifizierung von Katholikinnen unterstützt. An der Steuerung des von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zertifizierten Projektes sind neben dem Hildegardis-Verein und der Deutschen Bischofskonferenz alle (Erz-)Bistümer beteiligt, die Tandems in das Programm entsenden. So ist sichergestellt, dass spezifische regionale Bedingungen berücksichtigt und Synergien zu bereits erfolgten Gleichstellungsmaßnahmen der Bistümer und Projekten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf genutzt werden.
Hinweis:
Weitere Informationen sind unter www.kirche-im-mentoring.de und www.hildegardis-verein.de verfügbar.

Verband der Diözesen Deutschlands berät erneut zu Haushaltsfragen

In seiner jüngsten Vollversammlung hat der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) eine Zwischenbilanz des Spar- und Erneuerungsprozesses gezogen, den der Verband gegenwärtig durchläuft.

Beschlossen wurden eine weitere Klärung der Aufgaben und Ziele des Verbandes und eine Verbesserung seiner Strukturen und Verfahren. Beschlüsse zu Ausgaben- und Aufgabenänderungen sollen durch die Projektgruppe Haushalt vorbereitet werden. Das gilt auch für bereits getroffene Vorschläge und Beschlüsse für die Zeit nach 2018, die einer entsprechenden Überprüfung unterzogen werden.

Hintergrund
Seit zwei Jahren wird der Haushalt des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) auf seine Zukunftsfähigkeit hin geprüft. Dabei werden alle Institutionen und Projekte sowie deren Mitfinanzierung durch den VDD berücksichtigt. In diesem Revisionsprozess hatte sich ergeben, dass bei einigen Institutionen und Projekten der Zuschuss ganz oder teilweise in nächster Zukunft entfällt. In der Vollversammlung des VDD im Januar 2017 hatten die (Erz-)Bischöfe den Fortgang dieses Revisionsprozesses erörtert und dabei auch über die vielfältigen Reaktionen gesprochen, die auf den Revisionsprozess hin eingegangen waren.

Die VDD-Projektgruppe Haushalt wurde beauftragt, der Vollversammlung des VDD konkrete Vorschläge für die Umsetzung der Kürzungsbeschlüsse vorzulegen. Der bereits beschlossene Weg wurde fortgesetzt. Die Argumente der eingegangenen, teilweise auch öffentlichen, Reaktionen sind dabei mit in Betracht gezogen worden. Gleichzeitig sollen im weiteren Revisionsprozess möglichst Härten vermieden werden.

Der Vollversammlung des VDD gehören die 27 (Erz-)Bischöfe der 27 (Erz-)Bistümer in Deutschland an. Vorsitzender der Vollversammlung des VDD ist Kardinal Reinhard Marx.

Der VDD-Projektgruppe Haushalt gehören an: Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB (Eichstätt), Bischof Wolfgang Ipolt (Görlitz), Generalvikar Alfons Hardt (Paderborn), Generalvikar Dr. Franz Jung (Speyer), Generalvikar Dr. Clemens Stroppel (Rottenburg-Stuttgart), Finanzdirektor Hermann Josef Schon (Köln), Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Pater Dr. Hans Langendörfer SJ (Bonn), Stellv. Geschäftsführer des VDD Dr. Matthias Meyer (Bonn).

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum zweiten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

Bei einem Festakt in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum wurde heute (20. Juni 2017) in Berlin der Katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verliehen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), und der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und Juryvorsitzende, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), ehrten vier Initiativen für ihr herausragendes, vom christlichen Glauben getragenes Engagement. Den mit 4.000 Euro dotierten ersten Preis überreichten sie an das Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“, das Mitarbeiter des Diözesan-Caritasverbands Essen initiiert haben. Zweite Preise (jeweils 3.000 Euro) erhielten die Initiative „bleib.mensch“ aus Grevesmühlen und der Helferkreis für Asylbewerber in Salzweg. Mit einem „Sonderpreis Schule“ (1.000 Euro) wurde das Projekt „K21mondial“ an den katholischen Schulen in Hamburg ausgezeichnet.

In seiner Laudatio würdigte Kardinal Marx das breite gesellschaftliche Engagement gegen menschenverachtende Parolen: „Unsere Gesellschaft ist stark! Vielerorts stellt sie sich beherzt gegen all jene, die Ressentiments und Hass schüren. Und der christliche Glaube ist dabei häufig die entscheidende Motivation – an unseren vier Preisträgern zeigt sich dies auf beeindruckende Weise.“ Zugleich warnte er davor, fremdenfeindliche Straftaten zu verharmlosen: „Wo Asylsuchende, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, engagierte Lokalpolitiker, Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten fortwährend beschimpft und eingeschüchtert werden, wo sie um ihre Sicherheit fürchten müssen und Opfer gezielter Angriffe werden, da handelt es sich um Terror von rechts. Keiner, dem an unserer Werteordnung liegt, darf die Augen davor verschließen.“ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz erinnerte an die besondere christliche Sensibilität für die Anliegen von Flüchtlingen und Migranten: „Die christliche Gemeinde wird von ihrem Ursprung her als Gemeinschaft unter Fremden und für Fremde gedacht – und ist zugleich jener Ort, an dem die Trennung zwischen ehemals einander Fremden überwunden wird.“ Die vier ausgezeichneten Initiativen seien herausragende Beispiele für gelebte christliche Solidarität und Nächstenliebe. „Als Christen sind wir – wie es Papst Johannes Paul II. einmal treffend auf den Punkt gebracht hat – Teil ‚einer Großbewegung zur Verteidigung und zum Schutz der Würde des Menschen‘. Genau diesen Auftrag setzen Sie in Essen, Grevesmühlen, Salzweg und Hamburg tagtäglich eindrucksvoll in die Tat um“, unterstrich Kardinal Marx.

In einem Podiumsgespräch hob Erzbischof Dr. Heße mit den Preisträgern die große Bandbreite des kirchlichen Engagements hervor: „Wir sind überall dort, wo Menschen der persönlichen Zuwendung bedürfen. Bei aller Vielfalt der katholischen Flüchtlingsarbeit eint uns ein gemeinsames Ziel: Den Menschen, die zu uns kommen, wollen wir ein Gefühl der Wertschätzung vermitteln, und zugleich Brückenbauer sein – über kulturelle, religiöse und soziale Trennlinien hinweg.“ Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, der zugleich auch Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen ist, bezeichnete es als glückliche Fügung, dass die diesjährige Preisverleihung am Weltflüchtlingstag stattfindet: „Der heutige Tag ist ein guter Anlass, um den vielen Tausenden, die sich in unserem Land gegen Ausgrenzung und für Zusammenhalt einsetzen, von Herzen zu danken.“

Der Festvortrag des Münchner Soziologen Prof. Dr. Armin Nassehi stand unter dem Titel „Vertraute Fremde. Ein neuer Kulturkampf?“. Darin ging er zunächst der Wirkungsweise fremdenfeindlicher Ressentiments nach: „Der sogenannte ‚Fremde‘ ist eine paradoxe Figur. Oft meinen wir, gerade über den Fremden genau Bescheid zu wissen und orientieren uns an unseren Vorurteilen statt an Realitäten. Darauf beruht der Erfolg von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.“ Überdies zeigte er auch einen Weg zur Überwindung von Vorurteilen auf: „Ehrenamtliches Engagement ermöglicht Begegnungen, in denen man einüben kann, dass das Fremdheitsmerkmal nicht das einzige Merkmal ist, das die konkrete Person ausmacht. Erst solches Engagement ermöglicht es, auch Konflikte, Probleme und Missverständnisse zu thematisieren, ohne nur in Vorurteilsstrukturen gefangen zu bleiben.“

Moderiert wurde die Verleihung, an der etwa 300 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft teilnahmen, von Anna Planken (ARD/WDR). Das Ensemble „TRIMUM – Musik für Juden, Christen und Muslime“ sowie Künstler der Initiative „K21 mondial“ gestalteten die Feier musikalisch. Am Ort der Preisverleihung, der Kirche Maria Regina Martyrum, gedenken die deutschen Katholiken seit 1963 der Christen, die unter der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft ihr Eintreten für Glaubens- und Gewissensfreiheit mit dem Leben bezahlten.

Hintergrund
Auf Anregung der Migrationskommission lobte die Deutsche Bischofskonferenz Anfang 2015 zum ersten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aus. Mit dem Preis werden Personen und Gruppen ausgezeichnet, die sich in Deutschland aus dem katholischen Glauben heraus im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft engagieren. Der Preis soll dazu beitragen, das kirchliche Zeugnis gegen jede Form der Menschenverachtung zu stärken. Im Jahr 2017 sind insgesamt 130 Bewerbungen und Vorschläge im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz eingegangen.

Hinweise:
Die Auszüge aus den Jurybegründungen und die Besetzung der Jury sind untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen verfügbar. Fotos der Preisverleihung 2017 können in Druckqualität den Medien auf Anfrage per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de  kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Initiativen sind auf der Initiativenseite zum Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verfügbar.

Ständiger Rat der Deutschen Bischofskonferenz trifft Bundespräsident Steinmeier

Anlässlich seiner Sitzung in Berlin ist der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz heute (19. Juni 2017) mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammengetroffen. Der Bundespräsident empfing die Delegation der 27 Diözesanbischöfe unter Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in Schloss Bellevue.

In dem eineinhalbstündigen Gespräch, das von großer Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen geprägt war und das es in dieser Form bisher nicht gegeben hatte, ging es um aktuelle Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und um die Vielfalt der Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften im säkularen Staat. Weitere Themen waren die Ökumene, die europäische Einigung, weltkirchliche Aktivitäten sowie die Palliativ- und Hospizarbeit.

Mit Blick auf die Herausforderungen, denen sich der Staat ebenso wie die Kirche gegenübersieht, hob der Bundespräsident insbesondere das vielfältige ehrenamtliche Engagement von Christinnen und Christen hervor.

Hinweis:
Die Bilder können in Druckqualität den Medien auf Anfrage per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

„Ehe.Wir.Heiraten.“ – eine App für Brautpaare

Ab sofort ist eine spezielle Hochzeits-App für Brautpaare verfügbar: Die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e. V. (AKF), der Fachverband für Familienbildung und Familienpastoral in der katholischen Kirche in Deutschland, hat die App „Ehe.Wir.Heiraten.“ entwickelt, die Paare unterstützen und begleiten möchte. Das Angebot richtet sich an alle Paare, die in den nächsten zwölf Monaten heiraten. Informationen und Links zum App Store und zu Google Play sind unter www.ehe-wir-heiraten.de zu finden.

Die Paare erhalten inhaltlich abgestimmt auf das eingegebene Hochzeitsdatum wöchentlich einen Impuls per Push-Benachrichtigung. Bei diesen Impulsen handelt es sich um kurze Texte, Bilder und Videos, die alle wichtigen Themen rund um Hochzeit und Ehe ansprechen. Es geht um Kommunikation in der Beziehung, Spiritualität, Sexualität, den Ablauf der Trauung und vieles mehr. Außerdem können sich die Paare über interessante Termine und Veranstaltungen in den (Erz-)Bistümern und in der Region informieren. Die Hochzeits-App „Ehe.Wir.Heiraten.“ ist in Zusammenarbeit mit den Ehe- und Familienreferaten der deutschen (Erz-)Bistümer und dem Katholischen Bibelwerk entstanden und ist kostenlos für alle Android- und iOS-Smartphones verfügbar.

Weitere ausführliche Informationen rund um die kirchliche Hochzeit, Informationen zum Traugottesdienst, Ehe(vorbereitungs)kurse, Paarspiritualität, Ehebriefe und vieles mehr sind unter www.kirchlich-heiraten.info zu finden.

Kardinal Marx würdigt verstorbenen Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat den verstorbenen Bundeskanzler a. D. der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Helmut Kohl, als Persönlichkeit mit historischem Weitblick gewürdigt. Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz sprach Kardinal Marx der Witwe des Verstorbenen seine Anteilnahme aus. Mit dem Tod von Helmut Kohl gehe eine Ära zu Ende, schreibt Kardinal Marx in einer Kondolenz.

„Die Kirche in Deutschland ist dankbar für das christliche Zeugnis von Helmut Kohl. Wo die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft mit den Füßen getreten wurden – wo auch immer auf der Welt –, da setzte er sich für die Beachtung dieser Werte ein. Europa wollte und konnte er aus seinen christlich geprägten Überzeugungen heraus gestalten. Dabei war es dem Verstorbenen ein großes Anliegen, auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre für eine Soziale Marktwirtschaft einzutreten, die den Menschen in den Vordergrund stellt“, so Kardinal Marx.

Bundeskanzler Kohl sei ein regelmäßiger Gast auf Katholikentagen gewesen und habe sich oft Rat bei Theologen geholt. So sei beispielsweise Kardinal Karl Lehmann ein wichtiger theologischer Wegbegleiter des Verstorbenen gewesen, schreibt Kardinal Marx. Die Kirche sei dankbar dafür, „dass Helmut Kohl mit visionärer Kraft, mit Mut, Beharrlichkeit und großem Verhandlungsgeschick die Einheit Deutschlands befördert und mit anderen herbeigeführt hat. Zugleich wurde er zum Kanzler der ‚europäischen Idee‘. Am Wachsen eines geeinten Europas ohne Grenzen hatte er großen, ja entscheidenden Anteil … Bundeskanzler Helmut Kohl war ein überzeugter und großer Europäer.“

In seiner Würdigung erinnert Kardinal Marx auch an die Begegnungen von Bundeskanzler Kohl mit Papst Johannes Paul II. bei dessen Deutschlandbesuchen 1987 und 1996. „Es war eine historische Stunde, als Helmut Kohl mit Papst Johannes Paul II. 1996 durch das Brandenburger Tor schritt“, so Kardinal Marx. Unvergessen seien bis heute die wegweisenden Worte des Bundeskanzlers, die er damals am Brandenburger Tor gesprochen habe: „Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung, sonst schlägt sie in neue Formen der Abhängigkeit um. Gelebte Verantwortung braucht die Besinnung auf das eigene Gewissen, auf den Mitmenschen und vor allem auf Gott. Gerade in diesem Sinne ist die Stimme der christlichen Kirchen auch in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft unverzichtbar. Die Frohe Botschaft Christi ist eine Quelle der Kraft; sie gibt Menschen Orientierung und Halt. Ich wünsche mir, dass von diesem Papstbesuch in Deutschland ein Signal ausgeht – ein Signal der Ermutigung für Christen, Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen. Christenpflicht und Bürgerpflicht sind nicht voneinander zu trennen! Das gilt nicht zuletzt für den Bau des vereinten Europa!“

Kardinal Marx erinnert in der Kondolenz auch an die herzliche Begegnung mit Papst Benedikt XVI., als dieser 2011 Deutschland besuchte. „Die katholische Kirche in Deutschland verneigt sich vor dem Verstorbenen in Trauer, Anerkennung und Dankbarkeit. Das Handeln Helmut Kohls war vom christlichen Menschenbild geprägt, das ihn so sehr für seine Arbeit gestärkt hat.“

Botschaft von Papst Franziskus zum Ersten Welttag der Armen am 19. November 2017

1.     „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Diese Worte des Apostels Johannes stellen einen Imperativ dar, dem sich kein Christ entziehen kann. Die Ernsthaftigkeit, mit der der „Lieblingsjünger” bis in unsere Tage hinein das Gebot Jesu verkündet, wird besonders deutlich durch den Gegensatz zwischen den leeren Worten, die wir oftmals im Mund führen, und den konkreten Taten, an denen wir eigentlich gerufen sind, uns zu messen. Die Liebe erlaubt kein Alibi: Wer lieben will, wie Jesus geliebt hat, muss ganz und gar seinem Beispiel folgen. Das gilt besonders, wenn es um die Armen geht. Die Art und Weise, wie der Sohn Gottes geliebt hat, ist wohl bekannt, und Johannes ruft uns mit klaren Worten ihre tragenden Säulen in Erinnerung: Gott hat uns zuerst geliebt (vgl. 1 Joh 4,10.19); und er hat uns so geliebt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat (vgl. 1 Joh 3,16). Eine solche Liebe kann nicht ohne Antwort bleiben. Auch wenn sie einseitig und bedingungslos geschenkt wird, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, entzündet sie doch die Herzen derart, dass diese trotz aller persönlichen Grenzen und Sünden dazu geführt werden, diese Liebe zu erwidern. Das gelingt, wenn wir die Gnade Gottes, seine barmherzige Liebe, im Rahmen unserer Möglichkeiten in unseren Herzen aufnehmen, so dass unser Wille und auch unsere Gefühle zur Liebe zu Gott selbst und zum Nächsten bewegt werden. Auf diese Weise kann die Barmherzigkeit, die sozusagen aus dem Herzen der Dreifaltigkeit entspringt, unser Leben in Bewegung bringen und Mitgefühl und Werke der Barmherzigkeit für unsere Brüder und Schwestern in Not hervorbringen.

2.     „Da rief ein Armer und der Herr erhörte ihn“ (Ps 34,7). Immer schon hat die Kirche die Bedeutung eines solchen Schreis begriffen. Die ersten Seiten der Apostelgeschichte geben Zeugnis davon, wenn Petrus aufruft, sieben Männer auszuwählen „voll Geist und Weisheit“ (6,3), um ihnen den Dienst an den Armen zu übertragen. Das ist gewiss eines der ersten Zeichen, durch das die christliche Gemeinschaft auf der Bühne dieser Welt in Erscheinung tritt: der Dienst an den Ärmsten. All dies war ihr möglich, weil sie begriffen, dass das Leben der Jünger Jesu in einer solchen Brüderlichkeit und Solidarität Ausdruck finden musste, die der grundsätzlichen Lehre des Meisters entsprechen, der die Armen selig und zu Erben des Himmelreiches erklärt hatte (vgl. Mt 5,3). „Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte“ (Apg 2,45). Hier wird die aufrichtige Sorge der ersten Christen deutlich. Der Evangelist Lukas, jener biblische Autor, der mehr als alle anderen dem Thema der Barmherzigkeit Raum gegeben hat, macht nicht etwa nur schöne Worte, wenn er berichtet, wie die ersten Christen ihre Güter geteilt haben. Ganz im Gegenteil, wenn er davon erzählt, beabsichtigt er, zu den Gläubigen aller Zeiten zu sprechen, und damit auch zu uns, um uns im Zeugnis zu ermutigen und uns zum Einsatz für die Bedürftigsten anzuspornen. Das Gleiche lehrt uns der Apostel Jakobus mit ebensolcher Überzeugung. In seinem Brief wählt er starke und eindrückliche Worte: „Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern! Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben und Erben des Reiches erwählt, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen entehrt. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? [...] Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“ (Jak 2,5–6.14–17).

3.     Allerdings gab es auch Momente, in denen die Christen diesen Aufruf nicht wirklich bis in die Tiefe befolgt haben und sich stattdessen von einer weltlichen Denkweise anstecken ließen. Aber der Heilige Geist hat es nie versäumt, sie daran zu erinnern, den Blick auf das Wesentliche gerichtet zu halten. Denn er hat immer wieder Männer und Frauen erweckt, die ihr Leben für den Dienst an den Armen hingegeben haben. Wie viele Seiten Geschichte wurden in den letzten 2000 Jahren von Christen geschrieben, die in aller Schlichtheit und Demut sowie mit dem großzügigen Erfindungsreichtum, wie sie nur die Nächstenliebe schenken kann, ihren ärmsten Brüdern und Schwestern gedient haben! Unter ihnen sticht das Beispiel des Heiligen Franz von Assisi hervor, dem zahllose andere heilige Männer und Frauen durch die Jahrhunderte gefolgt sind. Er gab sich nicht damit zufrieden, die Aussätzigen zu umarmen und ihnen Almosen zu geben, sondern er entschied sich, nach Gubbio zu gehen und mit ihnen zu leben. Er selbst sieht in dieser Begegnung sein großes Bekehrungserlebnis: „Als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt" (Testament 1–3). Dieses Zeugnis bringt die verwandelnde Kraft der Nächstenliebe und auch den christlichen Lebensstil zum Ausdruck. Denken wir also an die Armen nicht nur als Empfänger eines wohltätigen, einmal in der Woche zu verrichtenden Freiwilligendienstes oder von improvisierten Gesten des guten Willens, um unser Gewissen zu beruhigen. Diese Taten sind zwar wertvoll und helfen uns durchaus, auf die Bedürfnisse unserer Brüder und Schwestern sowie auch auf die Ungerechtigkeiten, die oftmals zu ihrer Situation führt, zu achten. Letztendlich sollten sie uns jedoch zu einer wirklichen Begegnung mit den Armen führen und der Haltung des Teilens Raum geben, die zum Lebensstil werden soll. Das Gebet, der Weg der Jüngerschaft und die Bekehrung finden in der Nächstenliebe, die bereit ist zu teilen, eine Bestätigung ihrer evangelischen Glaubwürdigkeit. Aus dieser Lebensweise kommen Freude und Seelenfrieden, denn sie erlaubt uns, mit den eigenen Händen das Fleisch Christi zu berühren. Wenn wir wirklich Christus begegnen wollen, dann müssen wir seinen Leib auch im gemarterten Leib der Armen berühren – gleichsam als Antwort auf die sakramentale Kommunion in der Eucharistie. Der Leib Christi, der in der Eucharistie gebrochen wird, lässt sich, wenn wir die Liebe weiterschenken, im Angesicht und in den Personen der schwächsten Brüder und Schwestern wiederfinden. Zeitlos gültig erklingen die Worte des heiligen Bischofs Johannes Chrysostomos: „Willst du den Leib Christi ehren? Dann übersieh nicht, dass dieser Leib nackt ist. Ehre den Herrn nicht im Haus der Kirche mit seidenen Gewändern, während du ihn draußen vernachlässigst, wo er unter Kälte und Blöße leidet“ (Predigt zum Matthäusevangelium, 50, 3: PG 58). Wir sind also gerufen, den Armen die Hand zu reichen, ihnen zu begegnen, in ihre Augen zu schauen, sie zu umarmen, sie die Wärme der Liebe spüren zu lassen, die den Teufelskreis der Einsamkeit zerbricht. Die Hand, die sie ihrerseits uns entgegenstrecken, ist eine Einladung, aus unserer Sicherheit und Bequemlichkeit auszubrechen. Sie lädt uns ein, den Reichtum zu erkennen, den die Armut in sich selbst bereithält.

4.     Vergessen wir nicht, dass für die Jünger Christi die Armut vor allem in der Berufung besteht, dem armen Christus nachzufolgen. Sie ist der Weg, auf dem wir ihm nachfolgen und auf dem wir mit ihm unterwegs sind, ein Weg, der zur Seligkeit des Himmelreiches führt (vgl. Mt 5,3; Lk 6,20). Wahre Armut bedeutet, ein demütiges Herz zu haben, das als Geschöpf um die eigene Begrenztheit und Sündhaftigkeit weiß und darum der Versuchung von Allmachtsvorstellungen, die Unsterblichkeit vortäuscht, widerstehen kann. Die Armut ist eine Herzenshaltung, die verhindert, dass wir Geld, Karriere und Luxus als Lebensziel und Grundvoraussetzungen des Glücks betrachten. Es ist vielmehr die Armut, die die Voraussetzungen schafft, um trotz unserer Grenzen im Vertrauen auf die Nähe Gottes und getragen von seiner Gnade in Freiheit die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Die so verstandene Armut wird zum Maßstab, der es erlaubt, den korrekten Umgang mit den materiellen Dingen einzuschätzen und auch in selbstloser und nicht besitzergreifender Weise die eigenen Beziehungen und Willensantriebe zu leben (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2545). Folgen wir also dem Beispiel des heiligen Franziskus, dem Zeugen der wahren Armut. Gerade weil er die Augen auf Christus gerichtet hatte, war er in der Lage, diesen in den Armen zu erkennen und ihm zu dienen. Wenn wir also einen Beitrag leisten wollen, um die Geschichte wirksam zu verändern und wirkliche Entwicklung zu ermöglichen, dann müssen wir auf den Schrei der Armen hören und uns einsetzen, um sie aus der Ausgrenzung herauszuholen. Gleichzeitig erinnere ich die Armen in unseren Städten und in unseren Gemeinden, dass sie nicht den Sinn für die Armut des Evangeliums verlieren, der ihrem Leben eingeprägt ist.

5.     Uns ist die große Schwierigkeit bekannt, in der heutigen Welt die Armut auf klare Weise zu identifizieren. Und doch fordert sie uns tagtäglich heraus, indem sie uns mit tausenden Gesichtern anschaut, die gezeichnet sind von Schmerz, Ausgrenzung, Missbrauch, Gewalt, Folter, Gefängnis, von Krieg, vom Entzug von Freiheit und Würde, fehlenden Bildungschancen und Analphabetismus, Gesundheitsnotlagen und Arbeitslosigkeit, Menschenhandel, Sklaverei, Exil, Elend und erzwungener Migration. Die Armut hat das Gesicht von Frauen, Männern und Kindern, die aus niederträchtigen Interessen ausgebeutet werden, niedergetrampelt von der perversen Logik der Macht und des Geldes. Diese grausame und nie vollständige Liste ist man gezwungen, angesichts einer Armut zusammenzustellen, die die Frucht sozialer Ungerechtigkeit sowie moralischen Elends, der Habgier weniger und der allgemein verbreiteten Gleichgültigkeit ist. Wenn heutzutage immer mehr ein unverschämter Reichtum zutage tritt, der sich in den Händen weniger Privilegierter ansammelt und der nicht selten mit Illegalität und der beleidigenden Ausbeutung der menschlichen Würde einhergeht, erregt die Ausbreitung der Armut in großen Teilen der weltweiten Gesellschaft Ärgernis. Angesichts dieser Entwicklung ist es unmöglich, untätig zu bleiben oder gar aufzugeben. Auf eine Armut, die den Unternehmungsgeist so vieler Jugendlicher auslöscht und verhindert, dass sie Arbeit finden; auf eine Armut, die den Verantwortungssinn einschläfert und die zu einem System des Abwälzens von Verantwortung und der Suche nach Begünstigung führt; auf eine Armut, die die gemeinschaftlichen Brunnen vergiftet und die Räume der Arbeitswelt eingrenzt und damit das Verdienst derjenigen schmälert, die arbeiten und produzieren; – auf all das gilt es mit einer neuen Sicht des Lebens und der Gesellschaft zu antworten. All diese Armen gehören – wie der selige Paul VI. zu sagen pflegte – aufgrund des „evangeliumsgemäßen Rechts“ zur Kirche (Ansprache zur Eröffnung der zweiten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils, 29. September 1963) und sie verpflichten auf eine grundlegende Option für sie. Gepriesen sind also die Hände, die sich den Armen entgegenstrecken, um zu helfen, denn es sind Hände, die Hoffnung bringen. Gepriesen die Hände, die jegliche Schranke der Kultur, der Religion und der Nationalität überwinden, indem sie das Öl des Trostes in die Wunden der Menschheit gießen. Gepriesen die Hände, die sich öffnen ohne eine Gegenleistung zu erwarten, ohne Wenn und Aber und ohne Vielleicht: Solche Hände lassen über die Brüder und Schwestern den Segen Gottes herabkommen!

6.     Zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit wollte ich der Kirche den Welttag der Armen schenken, damit in der ganzen Welt die christlichen Gemeinden immer mehr und immer besser zum konkreten Zeichen der Liebe Christi für die Letzten und Bedürftigsten werden. Ich möchte, dass dieser Welttag zur Liste der anderen hinzugefügt wird, die meine Vorgänger eingerichtet haben und die zu einer Tradition in unseren Gemeinden geworden sind. Er vervollständigt das Gesamtbild, indem er ein zutiefst evangeliumsgemäßes Element hinzufügt: die besondere Vorliebe Jesu für die Armen. Ich lade die gesamte Kirche sowie alle Menschen guten Willens ein, an diesem Tag ihren Blick auf die zu richten, die mit ausgestreckter Hand um Hilfe bitten und auf unsere Solidarität hoffen. Es sind unsere Brüder und Schwestern, geschaffen und geliebt vom einzigen Vater im Himmel. Dieser Welttag will zuerst die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen. Gleichzeitig ist die Einladung an alle Menschen gerichtet, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit, damit sie sich als konkretes Zeichen der Brüderlichkeit für das Teilen mit den Armen in jeder Form der Solidarität öffnen. Gott hat den Himmel und die Erde für alle geschaffen. Es sind die Menschen, die leider Grenzen, Mauern und Absperrungen aufgerichtet haben, und die dabei die ursprüngliche für die ganze Menschheit bestimmte Gabe ohne jeden Ausschluss verraten haben.

7.     Der Welttag der Armen fällt dieses Jahr auf den 19. November, den 33. Sonntag im Jahreskreis. Ich wünsche, dass die christlichen Gemeinden sich in der vorausgehenden Woche dafür einsetzen, viele Gelegenheiten zur Begegnung und zur Freundschaft, aber auch zur Solidarität und zur konkreten Hilfe zu schaffen. Anschließend können sie die Armen gemeinsam mit den Ehrenamtlichen, die sich um diese kümmern, zur Eucharistiefeier an diesem Sonntag einladen, so dass die Feier des darauffolgenden Christkönigssonntags noch authentischer wird. Die Bedeutung des Königtums Christi tritt nämlich gerade auf dem Berg Golgota zutage, wo der Unschuldige ans Kreuz genagelt, arm, nackt und von allem beraubt, die Fülle der Liebe Gottes Fleisch werden lässt und offenbart. Seine völlige Hingabe an den Vater bringt einerseits seine völlige Armut zum Ausdruck; andererseits wird dadurch die Macht dieser Liebe deutlich, die ihn am Ostertag zu neuem Leben auferweckt. Wenn in unserer Nachbarschaft Arme leben, die Schutz und Hilfe suchen, gehen wir an diesem Sonntag auf sie zu: Dies wird eine günstige Gelegenheit sein, um dem Gott zu begegnen, den wir suchen. Laden wir sie gemäß der Lehre der Heiligen Schrift (vgl. Gen 18,3–5; Heb 13,2) als Ehrengäste an unseren Tisch. Sie können zu Lehrmeistern werden, die uns helfen, unseren Glauben konsequenter zu leben. Mit ihrem Vertrauen und der Bereitschaft Hilfe anzunehmen, zeigen sie uns auf nüchterne, aber oft frohe Weise, wie wichtig es ist, aus dem Wesentlichen zu leben und sich ganz der Vorsehung Gottes zu überlassen.

8.     Die Grundlage der vielen Initiativen zu diesem Welttag soll stets das Gebet sein. Vergessen wir nicht, dass das Vaterunser das Gebet der Armen ist. Die Bitte um das Brot bringt das Vertrauen auf Gott in den Grundbedürfnissen unseres Lebens zum Ausdruck. Wie Jesus uns mit diesem Gebet gelehrt hat, bringt sie den Schrei derer zum Ausdruck und nimmt ihn auf, die unter ihrer mangelnden Existenzsicherung leiden und denen es am Lebensnotwendigen fehlt. Als die Jünger Jesus baten, er möge sie beten lehren, hat er ihnen mit den Worten der Armen geantwortet, die sich an den einen Vater richten, vor dem alle sich als Geschwister erkennen. Das Vaterunser ist ein Gebet im Plural: Das Brot, um das wir bitten, ist „unser“ Brot und dies bringt Teilen, Teilhabe und gemeinsame Verantwortung mit sich. In diesem Gebet erkennen wir alle die Forderung, jede Form von Egoismus zu überwinden, um so zur Freude der gegenseitigen Aufnahme zu gelangen.

9.    Ich bitte die Brüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst – deren besondere Berufung es ist, den Armen beizustehen –, die Ordensleute, die Vereinigungen und Bewegungen sowie die weite Welt der Ehrenamtlichen, sich dafür einzusetzen, damit dieser Welttag der Armen eine Tradition werde, die ganz konkret zur Evangelisierung der Welt von heute beiträgt. Dieser neue Welttag möge daher ein starker Aufruf für unser gläubiges Gewissen werden, damit wir immer mehr überzeugt sein mögen, dass das Teilen mit den Armen es uns ermöglicht, das Evangelium in seiner tiefsten Wahrheit zu verstehen. Die Armen sind kein Problem. Sie sind vielmehr eine Ressource, aus der wir schöpfen können, um das Wesen des Evangeliums in uns aufzunehmen und zu leben.

Aus dem Vatikan, am 13. Juni 2017,
Gedenktag des heiligen Antonius von Padua


FRANZISKUS


© Copyright – Libreria Editrice Vaticana

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht das „Kirchliche Handbuch. Band XLI: 2012 bis 2015“

Zahlen rund um die katholische Kirche in Deutschland sind seit über 100 Jahren auch im „Kirchlichen Handbuch“ zu finden. Jetzt wurden die Datenreihen um die Statistiken aus den Jahren 2012 bis 2015 ergänzt. Das Handbuch informiert über die katholische Kirche in Deutschland, ihren Bestand an Mitgliedern sowie deren Verteilung auf die Gebiete. Zusätzlich enthält es Informationen zu den Themen: katholische Kirche in der ganzen Welt und in Europa, geistliche Berufe und kirchliche Dienste, Ehenichtigkeit und weitere ausgewählte Daten. Neu ist außerdem eine Sonderauswertung des Zensus 2011. Das Nachschlagewerk bildet die Grundlage für alle Statistiken rund um die katholische Kirche. Der Vergleich von regelmäßigen Daten ermöglicht einen differenzierten Überblick über langfristige Entwicklungen. Darüber hinaus erleichtern graphische und kartographische Darstellungen das Verständnis der Daten.

Kirchliches Handbuch. Band XLI: 2012 bis 2015. Statistisches Jahrbuch der Bistümer im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.
Hrsg.: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn
Preis: 25,00 Euro, ISBN: 978-3-8107-0275-3
Erhältlich im Buchhandel oder unter www.verlag-mainz.de 

Abschlussveranstaltung im bundesweit ersten Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in kirchlichen Führungspositionen

Zu ihrer Abschlusstagung kommen die Teilnehmenden des ersten Zyklus´ des Mentoring-Programms zur Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen in der katholischen Kirche („Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“) zusammen am

21./22. Juni 2017
im Kardinal Wendel Haus – Katholische Akademie in Bayern,
Mandlstr. 23, 80802 München.


Die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden als Tandems aus den neun (Erz-)Bistümern Aachen, Bamberg, Essen, Hildesheim, Köln, Limburg, München und Freising, Münster und Trier in das Programm entsandt.

Das Seminar steht unter dem inhaltlichen Schwerpunkt „Führen in der Kirche“. Für die Mentees sowie ihre Mentorinnen und Mentoren bietet die Veranstaltung auch eine Gelegenheit, die Wirkungen zu reflektieren, die das Mentoring in Auseinandersetzung mit Führungsvorbildern und Führungsqualitäten angestoßen hat. Die Mentees erhalten nach der einjährigen Mentoring-Zeit von der Vorsitzenden des Hildegardis-Vereins, Professorin Dr. Gisela Muschiol, ein Abschluss-Zertifikat.

Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen zur Gesprächsrunde von Kardinal Reinhard Marx mit den Teilnehmenden des Programms am:

Donnerstag, den 22. Juni 2017,
von 10.00 bis 10.45 Uhr
im Kardinal Wendel Haus – Katholische Akademie in Bayern,
Mandlstr. 23
80802 München.


Hintergrund
Das „Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche“ wird vom Hildegardis-Verein zusammen mit den deutschen (Erz-)Bistümern und in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt. Das Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken unterstützt das Programm und insbesondere die Teilnahme der (Erz-)Bistümern Berlin (Caritas), Dresden-Meißen und Magdeburg. Ziel ist, weibliche Nachwuchskräfte auf Führungspositionen in der katholischen Kirche vorzubereiten und zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beizutragen. Das Programm wirbt für den Arbeitsplatz Kirche, will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen. Am ersten Durchgang des Programms mit den zwei einjährigen Mentoring-Zyklen nehmen insgesamt 14 (Erz-)Bistümer teil: Aachen, Bamberg, Berlin (Caritas), Dresden-Meißen, Essen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Limburg, Magdeburg, München und Freising, Münster, Osnabrück und Trier. Insgesamt stehen 40 Tandemplätze zur Verfügung. In jedem Tandem arbeitet eine erfahrene Leitungsperson (Mentor/in) aus den (Erz-)Bistümern mit einer Nachwuchskraft (Mentee) zusammen und ermöglicht ihr Einblicke in eine kirchliche Leitungstätigkeit. Als Mentoren werden in dem Programm Frauen und Männer eingesetzt. Das Mentoring wird vom Hildegardis-Verein e. V. durchgeführt, der in der katholischen Kirche beheimatet ist und als Einrichtung der Frauenförderung seit mehr als 100 Jahren die akademische Ausbildung und Qualifizierung von Katholikinnen unterstützt. An der Steuerung des von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zertifizierten Projektes sind neben dem Hildegardis-Verein und der Deutschen Bischofskonferenz alle (Erz-)Bistümer beteiligt, die Tandems in das Programm entsenden. So ist sichergestellt, dass spezifische regionale Bedingungen berücksichtigt und Synergien zu bereits erfolgten Gleichstellungsmaßnahmen der Bistümer und Projekten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf genutzt werden. Weitere Informationen sind unter www.kirche-im-mentoring.de und www.hildegardis-verein.de verfügbar.

Medienkontakt:
Dr. Ursula Sautter
Hildegardis-Verein e. V.
Wittelsbacherring 9, 53115 Bonn
Tel.: 0228-90871530
E-Mail: sautter(at)hildegardis-verein.de 

Einladung zur Verleihung des Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am 20. Juni 2017 in Berlin

Ob durch Hassnachrichten im Internet, in der Kneipe oder in der Schule – Rassismus begegnet im Alltag nahezu jedem. Zum zweiten Mal zeichnet die Deutsche Bischofskonferenz Projekte und Personen aus, die sich aus dem katholischen Glauben heraus gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen und Flüchtlinge unterstützen.

Am 20. Juni 2017 um 18.00 Uhr vergibt die Deutsche Bischofskonferenz in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum den mit 4.000 Euro dotierten Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus an das Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ von den Mitarbeitern des Diözesan-Caritasverbandes für das Bistum Essen. Insgesamt sind 130 Bewerbungen und Vorschläge bei der Deutschen Bischofskonferenz eingegangen. Der zweite Preis wird einmal an die Initiative „bleib.mensch“ aus Grevesmühlen und zudem an den Helferkreis für Asylbewerber in Salzweg verliehen. Diese Projekte erhalten je ein Preisgeld von 3.000 Euro. Darüber hinaus wird mit dem neu vergebenen „Sonderpreis Schule“ (1.000 Euro) das Projekt „K21mondial“ an den katholischen Schulen in Hamburg ausgezeichnet.

Die Laudatio hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München). Außerdem werden beim Festakt Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Juryvorsitzender des Preises und Vorsitzender der Migrationskommission, sowie der Münchener Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi sprechen. Das Ensemble „TRIMUM – Musik für Juden, Christen und Muslime“ gestaltet die Feier musikalisch. Moderiert wird die Verleihung von Anna Planken (ARD/WDR).

Medienvertreter sind herzlich zur Preisverleihung und zum Empfang eingeladen sowie vorab zu einem

Fototermin um 17.30 Uhr
am Dienstag, 20. Juni 2017,
in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum
Heckerdamm 230, 13627 Berlin,
Treffpunkt an der Treppe im Foyer.

Vertreter der Preisträger-Initiativen, Kardinal Marx, Erzbischof Heße und die Moderatorin Anna Planken stehen der Presse für Fotos zur Verfügung.

Hinweise:
  • Medienvertreter, die an dem Fototermin und/oder der Preisverleihung teilnehmen möchten, schicken bitte den angehängten Antwortbogen bis Freitag, 16. Juni 2017, 12.00 Uhr per Fax an 0228/103–254 oder per E-Mail an pressestelle@dbk.de zurück.
  • Informationen zur Preisverleihung sind im Einladungsflyer verfügbar, den Sie untenstehend herunterladen können.
  • Weitere Informationen zu dem Preis finden Sie auf der Internetseite des Preises. 

Sechster Zwischenruf im Wahljahr 2017 von Justitia et Pax

In der Reihe der Zwischenrufe im Wahljahr 2017 veröffentlicht die Deutsche Kommission Justitia et Pax heute eine Wortmeldung von Prof. DDr. Johannes Wallacher. Er erinnert – angesichts von mehr als 65 Millionen Menschen weltweit, die derzeit auf der Flucht sind, – an unsere Verantwortung für die Bekämpfung von Fluchtursachen und für eine nachhaltige Entwicklung. Eine effektive Bekämpfung der Fluchtursachen liege nicht nur im wohlverstandenen europäischen Eigeninteresse, sondern sei auch ethisch geboten. Die Europäische Union müsse auf der Grundlage des Lissabon-Vertrages von 2007 nicht nur die bei uns Schutz suchenden Personen menschenwürdig behandeln, sondern auch ihrer Verantwortung für eine faire Gestaltung der Globalisierung gerecht werden.

Die Grundlagen für Frieden und Versöhnung, für funktionierende Strukturen und entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen müssten wesentlich von den betroffenen Gesellschaften selbst geschaffen werden, aber die Industrie- und zunehmend auch viele Schwellenländer trügen eine wesentliche Mitverantwortung, betont Wallacher: „Solange es etwa den Industrieländern nicht gelingt, die Transparenz von Zahlungsströmen beim Abbau von Rohstoffen zu erhöhen oder Steueroasen und Steuerflucht in ihren Bereichen wirksam zu bekämpfen, werden die betroffenen Gesellschaften die strukturellen Ursachen für Korruption und zerfallende Staatlichkeit schwerlich überwinden können.“ Die ärmeren Länder würden auch kaum ihre wirtschaftliche Wertschöpfung steigern und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Jugend schaffen können, wenn die Außenwirtschafts- und Handelspolitik der wohlhabenderen Länder ihnen dafür wenig Spielraum lasse.

Die deutsche Bundesregierung habe am 11. Januar 2017 die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie entlang der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ und ihren 17 Globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) fortgeschrieben. Damit werde hoffentlich auch in Deutschland eine kohärentere Politik für eine nachhaltige Entwicklung möglich, die niemanden zurücklasse, so Wallacher.

Hintergrund
Dieser Zwischenruf ist auf der Internetseite www.katholisch.de verfügbar. Außerdem wird er wie die anderen Zwischenrufe über den Facebook-Kanal von katholisch.de zur Diskussion gestellt. Prof. DDr. Johannes Wallacher ist Präsident der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und dort Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik. Er ist zudem Moderator des Sachbereichs Entwicklung der Deutschen Kommission Justitia et Pax und Vorsitzender der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz. Die Deutsche Kommission Justitia et Pax, eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), begleitet mit Zwischenrufen für eine gemeinwohlorientierte Politik aktuelle Debatten im Wahljahr 2017. Anfang März hatten der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), und der Präsident des ZdK, Prof. Dr. Thomas Sternberg, die Reihe eröffnet.

Kardinal Marx gedenkt bei Pfingstgottesdienst der Opfer des Terroranschlags von London

Kardinal Reinhard Marx hat beim Pfingstgottesdienst im Münchner Liebfrauendom der Opfer des Terroranschlags von London gedacht. „Wir wollen alle Menschen einschließen, die in besonderer Weise bedrängt und bedrückt sind: die Opfer der Gewalt, die Verletzten, die Toten, die Angehörigen. Alle sind in unserem Herzen in dieser Feier der Heiligen Eucharistie gegenwärtig, und wir sind mit ihnen verbunden“, sagte der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Pfingstsonntag, 4. Juni 2017. Er rief dazu auf, Terror und Gewalt die christliche Botschaft entgegenzusetzen: „Immer wieder sind wir bedrückt über die schrecklichen Ereignisse, die überall auf dem Globus deutlich machen, dass die Mächte der Gewalt und des Bösen nicht zum Schweigen gebracht werden, sondern immer wieder aufstehen. Aber wir wissen: Die Macht Christi ist stärker! Er ist stärker als der Tod, als die Sünde, als die Angst. Deswegen haben wir eine besondere Verpflichtung, gegen alle Angst, gegen alle Gewalt die Botschaft zu setzen, die von Jesus von Nazareth kommt.“

Das Oster- und Pfingstereignis solle „die ganze Welt in Bewegung bringen“, so Kardinal Marx, „auf das Ziel der einen Menschheitsfamilie hin“. Daran werde die Menschheit zwar immer wieder scheitern: „Es wird immer wieder die Mächte des Bösen geben, der Aggression, des Terrorismus, immer wieder in unserem Herzen die Stimme, die sagt: ‚Warum sollst du dich engagieren, warum sollst du gütig sein zu deinem Nächsten? Denk zunächst an dich, warum sollst du an andere denken?‘“ Es gebe „immer wieder von neuem die Versuchung, sich zurückzuziehen, sich zu verkrampfen auf das eigene Ich“, sagte der Erzbischof. So scheine der „Blick auf die ganze Welt“ als Menschheitsfamilie aktuell „eher getrübt“ zu sein: „Manche kritisieren heute den sogenannten Universalismus. Jede Nation soll für sich sein, am besten jeder Mensch auch: ‚Wenn jeder an sich denkt, dann ist ja an alle gedacht!‘ Ein schlichtes Weltbild, und ein schlechtes Weltbild.“

Besonders Christen sollten dazu „ein Gegenzeugnis abliefern, ein Zeugnis dafür, dass Gottes Geist wirksam ist, dass dieser Geist die ganze Welt in Bewegung halten kann, auf das Bessere hin, auf die Liebe hin, auf die Gerechtigkeit hin“. Das Pfingstfest sei eine Einladung, sich immer wieder neu ermutigen zu lassen, „mit großer Zuversicht, ohne Angst, dass wir nicht resignieren, nicht aufgeben, diese Botschaft in der Welt zu bezeugen“.

Am Hochfest Pfingsten gedenken Christinnen und Christen der Herabkunft des Heiligen Geistes, die in der biblischen Apostelgeschichte geschildert wird. Der Heilige Geist ermöglichte den in Jerusalem versammelten Jüngern Jesu Christi, den Glauben in fremden Sprachen zu verkünden und so den Grundstein für seine Verbreitung in der ganzen Welt zu legen. Deshalb wird Pfingsten auch „Geburtstag der Kirche“ genannt. Das Pfingstfest wird am 50. Tag des Osterfestkreises gefeiert und schließt diesen ab. Traditionell wird in den Wochen davor und danach in zahlreichen Pfarreien die Firmung gespendet, bei der den Firmkandidaten der Heilige Geist zugesprochen wird. Die Kollekte aus allen katholischen Gottesdiensten in Deutschland am Pfingstsonntag ist für die Arbeit des Hilfswerks Renovabis bestimmt. Mit den Geldern wird die pastorale, soziale und gesellschaftliche Erneuerung der Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa unterstützt. Der Name „Pfingsten“ wird vom griechischen Wort „pentecoste“ für die Zahl 50 abgeleitet: Damit war das jüdische „Wochenfest“ gemeint, ein großes Wallfahrtsfest, das sieben Wochen nach dem Pessachfest als Dankfest für die Ernte des Wintergetreides wie auch für die Übergabe der zehn Gebote an Moses auf dem Berg Sinai gefeiert wurde.

Lesung zu Pfingstsonntag aus der Apostelgeschichte

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,  und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Méder und Elamíter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrýgien und Pamphýlien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyréne hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Schrifttext: Apg 2,1-11

Hinweis:
Lesen Sie mehr über den Feiertag im Dossier „Pfingsten“.

Erzbischof Schick reist auf die Philippinen

Am Pfingstmontag, den 5. Juni 2017, beginnt der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), eine Reise auf die Philippinen. Bis zum 11. Juni 2017 wird er in dem ostasiatischen Land unterwegs sein, in dem nach aktuellen Schätzungen fast 90 Millionen Katholiken leben. Erzbischof Schick wird sich ein persönliches Bild von der derzeit angespannten politischen Lage machen und die Solidarität mit der Kirche in den gesellschaftlichen Konflikten zum Ausdruck bringen.

Auf dem Programm stehen Gespräche mit Diplomaten sowie mit Vertretern der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen, darunter die beiden Kardinäle Luis Antonio Tagle (Erzbischof von Manila) und Orlando Beltran Quevedo OMI (Erzbischof von Cotabato). In einem Armenviertel der Hauptstadt Manila wird die Delegation Menschen begegnen, die ökonomisch und sozial an den Rand gedrängt sind. Im Zuge des Aufbaus eines urbanen Großraums droht ihnen Vertreibung oder Zwangsumsiedlung in ländliche Gebiete, in denen sie ihre traditionellen Berufe, vor allem die Fischerei, nicht mehr ausüben könnten.

Einen Schwerpunkt der Reise bilden auch Kontakte mit Organisationen, die sich für soziale Entwicklung, Menschenrechte und Umweltschutz engagieren. Möglichkeiten und Hindernisse für eine Kooperation staatlicher, kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit, beispielsweise bei der Krisenvorsorge im Bereich der Klimaerwärmung, sollen ausgelotet werden. Die Philippinen gelten auf der Gefahrenskala für die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen durch den Klimawandel als  drittstärkst gefährdeter Staat der Erde. Darüber hinaus werden auch die Rechte von Minenarbeitern und die ökologischen Probleme in den vom Rohstoff-Abbau besonders betroffenen Gebieten auf der Reise thematisiert.

Durch den Besuch auf die Philippinen beabsichtigt Erzbischof Schick, das Engagement der Ortskirche zur Überwindung des vielfach vorherrschenden Klimas der Gewalt und des Tötens zu unterstützen. So wird Erzbischof Schick Angehörige von Opfern des „Krieges gegen Drogen“ treffen. Gemeinsam mit ihnen wird er einen Gottesdienst feiern. Außerdem sollen angesichts der aktuellen separatistischen und islamistischen Bewegungen vor allem im Süden des Landes die positiven Beispiele des christlich-muslimischen Dialogs auf dem Weg der gewaltlosen Konfliktüberwindung gewürdigt werden.

Erzbischof Schick reist auf die Philippinen

Am Pfingstmontag, den 5. Juni 2017, beginnt der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), eine Reise auf die Philippinen. Bis zum 11. Juni 2017 wird er in dem ostasiatischen Land unterwegs sein, in dem nach aktuellen Schätzungen fast 90 Millionen Katholiken leben. Erzbischof Schick wird sich ein persönliches Bild von der derzeit angespannten politischen Lage machen und die Solidarität mit der Kirche in den gesellschaftlichen Konflikten zum Ausdruck bringen.

Auf dem Programm stehen Gespräche mit Diplomaten sowie mit Vertretern der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen, darunter die beiden Kardinäle Luis Antonio Tagle (Erzbischof von Manila) und Orlando Beltran Quevedo OMI (Erzbischof von Cotabato). In einem Armenviertel der Hauptstadt Manila wird die Delegation Menschen begegnen, die ökonomisch und sozial an den Rand gedrängt sind. Im Zuge des Aufbaus eines urbanen Großraums droht ihnen Vertreibung oder Zwangsumsiedlung in ländliche Gebiete, in denen sie ihre traditionellen Berufe, vor allem die Fischerei, nicht mehr ausüben könnten.

Einen Schwerpunkt der Reise bilden auch Kontakte mit Organisationen, die sich für soziale Entwicklung, Menschenrechte und Umweltschutz engagieren. Möglichkeiten und Hindernisse für eine Kooperation staatlicher, kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit, beispielsweise bei der Krisenvorsorge im Bereich der Klimaerwärmung, sollen ausgelotet werden. Die Philippinen gelten auf der Gefahrenskala für die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen durch den Klimawandel als  drittstärkst gefährdeter Staat der Erde. Darüber hinaus werden auch die Rechte von Minenarbeitern und die ökologischen Probleme in den vom Rohstoff-Abbau besonders betroffenen Gebieten auf der Reise thematisiert.

Durch den Besuch auf die Philippinen beabsichtigt Erzbischof Schick, das Engagement der Ortskirche zur Überwindung des vielfach vorherrschenden Klimas der Gewalt und des Tötens zu unterstützen. So wird Erzbischof Schick Angehörige von Opfern des „Krieges gegen Drogen“ treffen. Gemeinsam mit ihnen wird er einen Gottesdienst feiern. Außerdem sollen angesichts der aktuellen separatistischen und islamistischen Bewegungen vor allem im Süden des Landes die positiven Beispiele des christlich-muslimischen Dialogs auf dem Weg der gewaltlosen Konfliktüberwindung gewürdigt werden.

Hinweis: Interviews gegen Ende der Reise vermittelt die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz. Schicken Sie dazu bitte eine E-Mail an pressestelle(at)dbk.de.

Kardinal Reinhard Marx, Präsident der ComECE und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zum Pariser Weltklimaschutzabkommen

Zur Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten zur Aufkündigung des Pariser Weltklimaschutzabkommens erklärt der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Auch wenn die Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten zu erwarten war, bleibt sie ein herber Rückschlag für den internationalen Klimaschutz und trübt die weltweite Zuversicht nach der Einigung auf der Pariser Klimakonferenz. Bis zum Schluss hatte man gehofft, dass die Gespräche im Rahmen der G7 und das Zusammentreffen mit Papst Franziskus die Entscheidung positiv beeinflussen könnten. In der Enzyklika Laudato si‘, die der Papst dem Präsidenten beim Treffen in der letzten Woche mitgegeben hatte, betont Franziskus, dass die Schwäche internationaler Politik darin liegt, dass allzu viele Sonderinteressen die Oberhand über das Gemeinwohl gewinnen. Es ist bedauerlich, dass sich diese Analyse erneut bestätigt und globale Verantwortung an der Landesgrenze endet. Die internationale Staatengemeinschaft darf sich davon nicht entmutigen lassen, insbesondere die Europäer sind aufgefordert, geschlossen eine Vorreiterrolle bei der Bewahrung der Schöpfung einzunehmen.“