Augenblicke der Besinnung

Die heilige Jungfrau ist
die Frau des Glaubens,
die Gott in ihrem Herzen,
in ihren Plänen Raum gegeben hat;
sie ist die Glaubende,
die fähig war,
in dem Geschenk des Sohnes
die Ankunft jener "Fülle der Zeit" zu erfassen,
in der Gott den demütigen Weg
des menschlichen Daseins wählte,
um persönlich
in die Bahn der Heilsgeschichte einzutreten.

Papst Franziskus













Besinnung

"Ich hab wunderbare Hilf erlangt"

Wenn wir auf die Kapelle zugehen, spüren wir von Weitem schon die geheime Kraft der Votivbilder. Gemalte Zeugnisse tiefer Frömmigkeit und Marienverehrung! Viele Blicke heften sich heute noch an diese stummen Zeugnisse, die zugleich äußerst redegewandt sind.
Wieviele tausende von Votivtafeln fristen oft ein verschwiegenes Leben. Oft entdecken wir sie im Dämmerlicht rückwärtiger Kirchenräume, oft gar hinter den Altar abgelegt - versteckt - vergessen - heruntergekommen - in traurigem Zustand - nach Wiedererweckung lechzend - hoffend aus dem Scheintod erweckt zu werden -, oft im Stiegenhaus zur Obersakristei oder oft zum Emporenaufgang zur Seite gehängt.
Wie sind wir dankbar und froh, dass bei uns in und an der Gnadenkapelle - innen und außen/außen und innen bilden gleichsam eine gläubige Herzhaut voll lebendigen Glaubenblutes - diese rührenden Zeugnisse menschlicher Hilfsbedürftigkeit und Heilserwartung hohe Beachtung finden.
Die Votivbilder sind durchaus von ästhetischer Liebenswürdigkeit und gläubige Zeugnisse zugleich. Die einfache Schönheit und das einfache Zeugnis des Glaubens gehören zusammen wie zwei Herzkammern des einen Herzens. So entsteht die Schönheit des Glaubens.
Votivbilder sind Dokumente alten Wallfahrtsbrauchtums, willkomene Zeugnisse für Trachtenkunde und Erscheinungsbilder Menschen früherer Zeiten, geben Einblick in Lokalgeschichte und vielfältigen Ereignissen, sind Quelle der Volksmedizin und geben den meist bäuerlich einfache Lebensgewohnheiten bewegenden Einblick, geben Zeugnis von Unglücksfällen in Haus, Hof und Stall, Krankheit - Unfall - Krieg - Naturkatastrophen - und was eben das Leben noch alles ertragen muss kommt zum Ausdruck, weil Menschen von seelischer und körperlicher Not schier erdrückt wurden.
Die Votivrafeln werden so - gerne sprechen wir von Daferln, nicht minder gern "ex voto" - zu Urkunden, die jedem einsichtig sind, der in aller Stille und offen für gläubige Betrachtung im Kapellenumgang Schritt für Schritt die Augen an die Wände heftet. So wird die erlebte und auf die Votivtafel hinterlegte Gebetserhörung gleichsam in der Seele des Betrachters neu lebendig und lebt über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte immer wieder neu auf.

In der Betrachtung des Votivsbild wird deutlich wie sich Menschen aus innerster Kraft zur wallfahrt "verlobt" haben. Drei Momente bewegen uns immer wieder neu:
Zum einen taucht immer wieder das Gnadenbild - Unsere Liebe Frau von Altötting - auf. Da spüren wir, wie sich Menschen damals und heute voll Hoffnung und Liebe an sie wenden. Zum anderen stellt sich der Bittsteller selbst dar. Die einfachen Selbstbildnisse atmen die erhoffte Erhörung und zeigen zugleich die Erhöringsgewissheit. Alle Bilder sind spannend, weil das Leben hineingespannt ist zwischen die Sehnsucht der Hoffnung und der Erfüllung der Hoffnung. Und zum dritten kommt meist auch der Votivgrund zum Ausdruck, der den Anlass der Votivgabe darstellt.
So ist jedes Votivbild ein Ausdruck des Glaubens. Im unteren Bereich des Bildes stellt sich also meist die irdische, menschliche Misere - eben das Elend - dar. Von oben herab zeigt sich die himmlische Herrlichkeit und der Ort der Abrufung. Und dazwischen - zwischen oben und unten / zwischen der himmlischen Herrlichkeit und der irdischen Misere - steht der Bittsteller.

Da stehen wir und kommen so auf die Gnadenkapelle zu. Jeder von uns könnte wohl in ehrlichen und unverstellbaren Blick ins bittende Herz mit der Geistesgabe des Verstandes und der Frömmigkeit wohl solch ein Votivbild selbst malen.