Entfaltung in Ruhe
Das Wesen der Menschlichkeit
entfaltet sich nur in der Ruhe.
Ohne sie verliert die Liebe alle Kraft
ihrer Wahrheit und ihres Segens.
Johann Heinrich Pestalozzi


„Durchbrechen wir im Alltag die Mauer des Sichtbaren,
um überall den Herrn im Auge zu behalten.“ –
(Papst Johannes Paul II., 18. Nov. 1980)
„Konrad – im Kleinen groß“ – so der Titel der Ausstellung bei der Pfarrkirche, mit der an die Heiligsprechung von Br. Konrad vor 75 Jahren erinnert wird. Auch das Leitwort lenkt den Blick auf den Kapuzinerbruder und zeigt ihn als einen Helden in den alltäglichen Dingen. Seine Stärke war, die kleinen Dinge des Alltags mit Beharrlichkeit zu leisten und Gott dabei immer im Blick zu behalten.
In seinem ersten Vorsatz am Beginn seines Ordenslebens schreibt er:
„Ich will mir recht angewöhnen, mich alle Zeit in die Gegenwart Gottes zu stellen!“
Heiligsprechung am 20. Mai 1934
Am Pfingstsonntag vor 75 Jahren wurde der Pförtner im Kapuzinerkloster St. Anna zu Altötting von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Der Vatikanische Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., sagte damals zu den deutschen Rompilgern:
„Glücklich das Bayerland, glücklich das Deutschland, dem in schwerer,von düsteren Wolken überschatteter Zeit ein neuer Fürbitter ersteht in dem großen Geisteskampf gegen die Mächte der Finsternis, die den unsterblichen Seelen nachstellen, die Christus durch sein Blut erlöst hat. Ein neues Vorbild gottseligen, christusfrohen Lebens in einer Zeit, wo laute und aufdringliche Diesseitspropheten versuchen, den Völkern die trügerische Fata Morgana einer Zukunft zu zeigen, die ihr Glück und ihre Größe nicht in Christus, sondern fern von ihm und gegen ihn suchen und finden soll...
Christus ist und bleibt das letzte Wort des erbarmenden Gottes an die Menschheit. Was ihn verneint, ist Irrtum. Was sich ihm nicht beugt, ist Rebellion. Was ihn verachtet, webt sich selbst das Totenkleid. Wer Christi Namen und Kreuz, Christi Lehre und Glauben aus den Herzen der Menschen zu tilgen sucht, ist nicht Wegbereiter einer besseren Zukunft, sondern ihr Totengräber.“
„Der kleine Kapuzinerbruder Konrad war zum Signalzeichen geworden in der Auseinandersetzung mit der Geisteswelt des Nationalsozialismus.“ (P. Calixt Hötschl)
Papst Benedikt XVI. über den hl. Bruder Konrad
„Von einem Mönch des Berges Athos in Griechenland wird erzählt, dass er in tiefe Betrachtung versunken vor seiner Einsiedelei saß. Jemand schreckte ihn auf und fragte ihn: über was denkst du denn da nach? Und er antwortet: Ich denke nichts, ich halte nur meine Seele in die Liebe Gottes hinein. Ein moderner Biograph des hl. Bruders Konrad hat gesagt, dass eigentlich in dieser Geschichte die ganze Gestalt von Bruder Konrad beschrieben ist. So war er, das war sein Leben: er hat einfach sich in die Liebe Gottes hineingehalten, und so ist er sehend und gut geworden.“ (14.03.1999)
„Ihnen allen (den Menschen, die an seine Pforte kamen) hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte. Bitten wir den heiligen Bruder Konrad, dass er uns hilft, den Blick auf den Herrn gerichtet zu halten, und dass er uns so hilft, Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen.“ (11.09.2006)
Zur Besinnung
Der Weg durchs Leben ist leichter zu finden mit einem Ziel vor Augen. Worauf läuft mein Leben hinaus? Kenne ich mein Ziel oder laufe ich ziellos?
Es gilt: „Worauf du schaust, das formt dich, und was du im Auge hast, das prägt dich!“
„So wie 1934 seine Demut und Bescheidenheit dem Zeitgeist des germanischen Herrenmenschentums entgegengestellt wurde, so könnte für uns heute Br. Konrad sehr wohl ein Gegensymbol sein
gegen den Zeitgeist der Hektik und Betriebsamkeit,
gegen den Zeitgeist des Konsums und Lebensgenusses,
gegen den Zeitgeist der Kinderfeindlichkeit und gegen den Zeitgeist eines immer selbstverständlicher werdenden Lebens ohne Gott.“
(Karl Grüner)
Beispielgebendes Vorbild
Sein Weg kann auch mein Weg werden:
Ein Weg der Niedrigkeit – statt der Macht.
Ein Weg der Bedürfnislosigkeit statt des Anspruchsdenkens.
Ein Weg des Gottvertrauens statt der Selbstversicherung.
Ein Weg zum Glück: Konrad selbst war glücklich, wie nur ein Mensch sein kann, der seinen Weg zum Ziel gefunden hat: bei Gott aufgehoben und geborgen zu sein.
Besuchen Sie die Ausstellung bei der Stiftspfarrkirche: „Konrad – im Kleinen groß“, täglich geöffnet April bis Oktober 2009, Dezember bis 6. Jan. 2010, 8.00 – 18.00 Uhr
Besuchen Sie das Bruder Konradkloster. Vereinbaren Sie eine Führung:
Bruder-Konrad-Platz 5
84503 Altötting
Tel. 08671 / 983-0
E-Mail: altoetting@kapuziner.org