Augenblicke der Besinnung

Die wirklichen Zentren der Welt- und Heilsgeschichte
sind nicht die betriebsamen Hauptstädte von Politik und Wirtschaft,
von Geld und irdischer Macht.
Die wahren Mittelpunkte der Geschichte sind
die stillen Gebetsorte der Menschen.
Hier vollziehen sich in besonders dichter Weise
die Begegnung der irdischen Welt mit der überirdischen Welt,
der pilgernden Kirche auf Erden mit der ewigen und siegreichen Kirche des Himmels.
Hier geschieht Größeres
und für Leben und Sterben Entscheidenderes
als in den großen Hauptstädten,
wo man meint, am Puls der Zeit zu sitzen
und am Rad der Weltgeschichte zu drehen.

Papst Johannes Paul II.













Geleitwort Bischof von Passau

„Vertrauen von Grund auf“

„Worauf du dich verlassen kannst!“: Wer so redet, der gibt zu erkennen, dass er im Alltag die Sicherheit und die Verlässlichkeit einer Aussage unterstreicht. Wer so redet, gibt seinem Gegenüber zu erkennen, dass etwas ganz bestimmt eintreffen wird. Sicherheit, Verlässlichkeit, Bestimmtheit: Das sind Kategorien, die geradezu lebensnotwendig sind! Ohne sie gerät das Leben aus den Fugen. Die Humanwissenschaften wissen um die hohe Bedeutung der Verlässlichkeit in der Entwicklung eines Kindes: Durch sie wird es dem Kind ermöglicht, das Grundvertrauen zu entwickeln, das ein ganzes Leben hindurch zum tragenden Fundament wird.

Dieses „Vertrauen von Grund auf“ steht inhaltlich im Zentrum des Altöttinger Walfahrts- und Kulturkalenders 2011. Nicht ohne Grund – im wahrsten Sinn des Wortes! Denn der gelebte Glaube schenkt uns vertrauensvolle Zuversicht und Gelassenheit gegenüber all dem, was uns ängstigt, verunsichert und uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht!

Die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau von Altötting hat mindestens seit dem 15. Jahrhundert unzählig viele Gläubige, Junge und Alte, Kranke und Gesunde mit dem tiefen Vertrauen erfüllt, dass das Leben in allen Situationen, mögen sie noch so schwierig und aussichtslos erscheinen, getragen und gehalten ist.

Dieses „Vertrauen von Grund auf“ kommt nicht von alleine! Es ist ein Lebensgeschenk, das wir von Kindesbeinen an erfahren dürfen – und deshalb auch an die uns anvertrauten Menschen in je eigener Weise weiterzugeben berufen sind. Ich bitte hier insbesondere alle Eltern, ihren Kindern diese Verlässlichkeit und Sicherheit vorzuleben! Es ist aber auch ein Geschenk, um das wir Gott bitten dürfen, besonders auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Altötting, die ihrem Sohn Jesus Christus dieses „Vertrauen von Grund auf“ vorgelebt hat: das Vertrauen auf Gott!

Der Prophet Jeremiah bringt das Vertrauen auf Gott in einem sehr eindrücklichen Bild zur Sprache, wenn er schreibt:

„Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“ (Jer 17,7-8)

Um dieses feste Vertrauen wollen wir beten und bitten. Vertrauen wir uns der Gottesmutter Maria an! Auf die Fürbitte Unserer Lieben Frau von Altötting stärke Gott unser Vertrauen in ihn! Sein Segen begleite Sie im kommenden Jahr!

 

Wilhelm Schraml
Bischof von Passau