24. Juli 2016
Augenblicke der Besinnung

Herr, lass mich rasten,
wo ich hasten will.
Lass mich plaudern,
wo ich vorübereilen will.
Lass mich freundlich sein,
wo ich verdrossen bin.
Damit alle, die meine Wege kreuzen,
von Deiner Frohbotschaft erfahren.
Amen.

P. Bosmans

 
















Heilige Kapelle


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Das Heiligtum - die Gnadenkapelle und das Gnadenbild

Klein an Gestalt, aber groß an Geschichte und Bedeutung, beherrscht die Gnadenkapelle den weiträumigen Kapellplatz. Ihr Oktogon (achteckiger Turm), der Kernbau dieser Kirche, um das Jahr 700 entstanden, dürfte der älteste bestehende Kirchenbau im rechtsrheinischen Deutschland sein. Sein achteckiger Grundriss weist auf die Ursprüngliche Bestimmung als Taufkapelle hin. Der Legende nach hat hier der heilige Bischof Rupertus von Salzburg den ersten christlichen Bayernherzog getauft. Um 1330 kam das in Burgund oder am Oberrhein entstandene, aus Lindenholz geschnitzte, ca. 70 cm hohe frühgotische Bild einer stehenden Muttergottes mit dem Kind hierher, das rund 150 Jahre später, im Jahr 1489, nach den Berichten von zwei Heilungswundern zum Wallfahrtsziel und Gnadenbild wurde. Im frühen 16. Jahrhundert, wenige Jahre nach dem Beginn der Wallfahrt, wurde an das Oktogon das spätgotische Langhaus mit spitzem Dachreiter und der überdachte Umgang angebaut. Die Goldene Rose überbrachte Legat Kardinal Joachim Meisner im Auftrag Papst Benedikt XVI. als Zeichen der Wertschätzung des Gnadenortes und der Kapuziner im Jahre 2008.
Bedeutende Kunstwerke sind der ganz in Silber getriebene, 1670 vollendete Schmuck des Gnadenaltars, dessen Retabel, in die der Schrein mit dem Gnadenbild einbezogen ist, die Krönung Mariens symbolisiert. Die Laibung der Altarnische ziert eine kunstvolle Darstellung der "Wurzel Jesse". Die Silberarbeiten stammen von den Goldschmieden Balthasar Ableithner, Franz Oxner und Johann F. Fesenmayr. Eine Silberschmiedearbeit von Weltrang ist der rechts am Altar kniende, 1737 von Kurfürst Karl Albrecht gestiftete "Silberprinz" des niederländischen Meisters Wilhelm de Groff, ein lebensgroßes Abbild des zehnjährigen Kurprinzen Max III. Joseph in zierlicher Rokoko-Rüstung. Als Pendant kam links vom Altar in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die von dem Münchner Bildhauer Prof. Georg Busch geschaffene Silberfigur des knienden hl. Bruders Konrad hinzu. In Wandnischen werden zahlreiche silberne Votivgaben aus mehreren Jahrhunderten aufbewahrt.
Ebenfalls in Wandnischen auf der Westseite des Oktogons stehen die silbernen Herzurnen bedeutender Persönlichkeiten aus dem Hause Wittelsbacher, unter ihnen sämtliche Kurfürsten und Könige bis zu Ludwig III. Das eindrucksvollste Herz-Grabmal ist das des Wittelsbacher-Kaisers Karl VII., 1745 geschaffen vom Münchner Hofbildhauer Johann Baptist Straub.
Der Umgang der Kapelle ist ausgekleidet mit rund 2000 Votivtafeln aus mehreren Jahrhunderten. Sie sind zu unterscheiden von dem Zyklus der über 50 großformatigen "Mirakeltafeln", die etwa 1500-1520 von einem Maler aus dem Umkreis der "Donauschule" geschaffen wurden.