Back

Ein ”Raum von hinreißender Wirkung” wurde das Oktogon der Gnadenkapelle von einem berufenen Kenner einmal genannt. Nur wenige Schritte misst diese Rotunde, aber was hat sie alles schon erlebt: Kaiser, Könige, Päpste haben hier gekniet und gebetet, und Abermillionen schlichter Pilger. Das zauberhafte Spiel von mystischem Dunkel und dem von Kerzenlicht sprühenden Gold und Silber des Altares und der Silbervotive in den Wandschreinen nimmt jeden Besucher gefangen.

Der Gnadenaltar in seinem funkelnden Silber- und Goldglanz und dem altehrwürdigen Gnadenbild Mariens im Mittelschrein, die mit dem göttlichen Kind im Arm gut und mild und mütterlich auf die Beter und Bitter herunterblickt, beherrscht die Szene. Hier ist die laute Welt ausgesperrt, alles wird Stille und Betrachtung.

In eine der acht Nischen ist der Altar hineingebaut. Erst seit der Barockzeit bietet er diesen prachtvollen Anblick. Der alte gotische Schreinaltar ist nur auf Kupferstichen überliefert. Auf ihm flankierten die heiligen Frauen Katharina und Margareta das Gnadenbild. 1645, noch im 30-jährigen Krieg, schuf der Münchener Bildhauer Marx Schinagl im Auftrag des Kurfürsten Maximilian einen Silbertabernakel für das Gnadenbild. 1670 wurde die Laibung der Nische mit der kunstvoll aus Silber getriebenen „Wurzel Jesse“, dem irdischen Stammbaum Christi geziert; entworfen hatte diesen Figuren- und Rankenschmuck, der zum besten dieses Genres in Deutschlands zählt, der Burghauser Maler Tobias Schinagl. Die Modelle lieferte der Münchener Bildhauer Balthasar Ableithner, und ins Silber und Gold übertrug Franz Oxner aus München die Entwürfe. Vollendet wurde der Altar 1673 mit der Marienkrönung durch die hl. Dreifaltigkeit im oberen Bogenfeld, wahrscheinlich von Franz Fesenmayer aus Augsburg, nach dem Entwurf des Münchner Malers Kaspar Amort. Aus Silber getrieben ist auch die große Antependiumstafel des Altartisches, auf welcher die legendäre Herzogstaufe durch Bischof Rupertus dargestellt ist, ein Werk der Nach-Rokoko-Zeit, 1821 entstanden. Hoch über der Altarnische, fast schon im Dunkel des Gewölbes entschwindend, funkelt die große Silbertafel mit dem Bild der Stadt Burghausen, deren Stiftung die bedrängte Bürgerschaft in den Nöten des Spanischen Erbfolgekrieges 1705 gelobt hat.

Altötting- Herz Bayerns:
Nirgends wird dieses Wort in vielfacher Weise so konkret, greifbar und begreifbar wie hier im Oktogon der Heiligen Kapelle.