Augenblicke der Besinnung

Wir alle müssen uns mit aufrichtiger Liebe
dem Studium der christlichen Lehre hingeben,
um zugleich mit allen übrigen Wahrheiten unserer heiligen Religion zu erkennen,
dass die Eucharistie
der Mittelpunkt unseres Glaubens,
das Endziel jeder anderen Andachtsübung,
die Quelle alles Guten,
die Vollendung aller anderen Sakramente,
der Inbegriff der göttlichen Geheimnisse,
der Strom aller Gnaden,
das Linderungsmittel für alle Schmerzen,
das Brot des Lebens,
die Zehrung für die Reise in die Heimat,
das Unterpfand und der Vorgenuss der Himmelsglorie ist.

Hl. Papst Pius X.













Bruder-Konrad-Jubiläum

Heiliger Bruder Konrad – 200 Jahre in unserer Mitte

Zwei Tage, bevor im rund 80 km entfernten Oberndorf an der Salzach das weltberühmte Weihnachtslied „Stille Nacht“ uraufgeführt wurde, erblickt auf dem Venushof in niederbayerischen Parzham bei Bad Griesbach am 22. Dezember 1818 kurz nach Mitternacht der kleine Hansl das Licht der Welt. Er ist das elfte von zwölf Kindern der Eheleute Bartholomäus und Gertraud Birndorfer. Sein Vater bringt ihn gleich am Morgen in die Kirche St. Wolfgang bei Weng, wo er um 9.00 Uhr auf den Namen des Evangelisten Johannes, dessen Fest die Kirche am 27. Dezember feiert, getauft wird.

Sein 200. Geburts- und Tauftag soll, so ist es die Absicht der Brüder Kapuziner, besonders in Altötting, wo er im damaligen St. Annakloster 41 Jahre gelebt und als Pförtner Gott verbunden und den Menschen zugewandt gewirkt hat, das ganze Jahr 2018 über im Blick sein, ebenso im Bistums Passau, dessen dritter Patron der Hl. Bruder Konrad seit 1984 ist. Dieser 22. Dezember 1818 war für den kleinen Hansl nicht nur Geburtstag für das Leben auf dieser Erde, sondern durch die Taufe auch Geburtstag für das Leben mit Gott und damit für das ewige Leben.

Der kleine Hansl hat seine Taufberufung gelebt. Geprägt war er durch sein religiöses Elternhaus. Dort wurde der Glaube nicht nur durch häufiges gemeinsames Beten in der Familie und den Gottesdienstbesuch praktiziert, sondern auch durch eine großzügige Gastfreundschaft gegenüber Wanderern und Bettlern. Hansl hat auf dem Schulweg regelmäßig den Rosenkranz gebetet, später war er sonntags zu den verschiedensten Kirchen und Kapellen in näheren Umkreis unterwegs, um mehrere Gottesdienste mitzufeiern. So wurde er schon in jungen Jahren zum Pilger und Wallfahrer. Er gehörte verschiedenen Bruderschaften an, die ihm ein großes Gebetspensum vorgaben, eine in unserer Zeit schwer verständliche, aber damals durchaus übliche Frömmigkeitshaltung. Eine Volksmission in Ering St. Anna und die jahrelange geistliche Begleitung und der Empfang des Bußsakramentes beim Benefiziaten Dullinger in Aigen am Inn bestärkten seinen Wunsch, Kapuzinerbruder zu werden.

Im September 1849 bittet er im Altöttinger Kapuzinerkloster St. Anna um Aufnahme. Seinen Besitz verteilt er gleich seinem Ordensvater Franziskus und wie im Evangelium empfohlen, an die Armen und für verschiedene religiöse und soziale Zwecke. Er erhält das Kleid des Hl. Franz von Assisi und den Ordensnamen „Konrad“ Nach dem Noviziat in Laufen an der Salzach und der Feierlichen Profess am 4. Oktober 1852 wird er mit dem Pfortendienst an der am stärksten frequentierten Klosterpforte Bayern beauftragt. Dieser Dienst prägt sein ganzes Ordensleben bis zu seinem Tod am Abend des 21. April 1894.  

Seine Aufnahme in das Verzeichnis der Heiligen am Pfingstfest 1934 durch Papst Pius XI war nach knapp 200 Jahren die erste Heiligsprechung eines Deutschen. Der letzte vor Br. Konrad heiliggesprochene Deutsche war 1746 die von Fidelis von Sigmaringen. Dieser kam 1622 in den religiösen und politischen Wirren der Gegenreformation in Seewies in Graubünden zu Tode und ist damit der Erstlingsmärtyrer des Kapuzinerordens. Beide sind Mitpatrone der Deutschen Kapuzinerprovinz.

Die Heiligsprechung von Br. Konrad war gleichzeitig ein großes Geschenk und eine starke Ermutigung der Kirche an das durch den Nationalsozialismus schwer geprüfte deutsche Volk. Gemäß dem Pauluswort „das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen (1 Kor. 1, 27)“ und dem Wort Mariens in ihrem Lobgesang des Magnifkats „er stürzt die Mächtigen von Thron und erhöht die Niedrigen (Lk 1,52)“ wird hier gegenüber dem deutschen Diktator, dem „Braunen aus Braunau“, mit seinem Größenwahn der einfache schlichte Kapuzinerbruder in der braunen Kutte den Gläubigen vor Augen gestellt, der auf das wirkliche Heil verweist.

Dieses zweiten großen Heiligen der bayerischen Wallfahrtsmetropole neben der Gnadenmutter soll in Altötting und im ganzen Bistum Passau mit verschiedenen Veranstaltungen in seinem 200. Geburtsjahr gedacht werden. Ein Höhepunkt wird sicher das Bruder-Konrad-Fest am 21./22. April sein mit der Wiedereröffnung der renovierten und umgestalteten Klosterkirche St. Konrad mit Altarweihe durch den Passauer Diözesanbischof Dr. Stefan Oster SDB. Als weiterer prominenter Gast wird zum Bruder-Konrad-Fest der Generalminister der Kapuziner Br. Mauro Jöhri aus Rom in Altötting erwartet und eine Woche später am 1. Mai zur Eröffnung der Hauptwallfahrtssaison der Kapuzinerkardinal Séan Patrick O’Malley aus Boston, der in diesem Zusammenhang auch unseren Mitbruder Thomas Maria Schied, der zurzeit als Diakon in München sein Praktikum macht, in der Altöttinger Wallfahrtsbasilika am 30. April zum Priester weihen. Außerdem gibt es in Altötting das ganze Jahr über verschiedene Sonderausstellungen zum Leben und Wirken von Bruder Konrad.

Zum 200. Geburtsjahr des Heiligen, der als einfacher Kapuzinerbruder die Kunst besaß, Gottesfreundschaft und Menschenliebe miteinander zu verbinden und dem heute Konradkirchen auf vier Kontinenten geweiht sind, hat unser Schweizer Mitbruder Niklaus Kuster ein neues Bruder-Konrad-Buch geschrieben mit der Lebensgeschichte Br. Konrads, die spirituell in die Gegenwart spricht und dazu ermutigt, auch einem ganz schlichten Alltag Tiefe und Weite zu geben. Die Lektüre dieses Buch, das im Januar 2018 in der Reihe der Topos-Biographien erscheinen wird, ermöglicht einen neuen zeitgemäßen Zugang zu unserem heiligen Mitbruder.

Br. Norbert Schlenker OFMCap.