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28. Juni 2016
Augenblicke der Besinnung

Im Namen Gottes
sage ich noch einmal:
Gewalt ist für alle
nur ein Weg des Todes und der Zerstörung;
sie entehrt die Heiligkeit Gottes
und die Würde des Menschen.

Johannes Paul II.

 
















Schleierbilder


Es gibt wieder "Schleierbilder" vom Gnadenbild
Anberührung der schwarzen Schleierbänder durch Administrator Prälat Ludwig Limbrunner

Nach dem Festamt am 8. september 2010 in der Gnadenkapelle zur Feier der Geburt der Gottesmutter Maria erzählte Administrator Prälat Ludwig Limbrunner den Pilgern vom alten Brauch der Schleierbildchen. "So wollen wir den Schrein öffnen, die Schleier am Gnadenbild berühren, damit sie dann aus frommer, gläubiger Hand die Bilder des Gnadenortes zieren dürfen. Dazu gehört das stete Schweigen und das Gebtet. Bei Herrn Zehentner wissen wir diese Tugenden vereint und wir danken für die Fortführung des Brauches, den wir hoch schätzen", sagte der Administrator. Reinhard Zehentner, der ihm die 15 Rollen schwarzen, zarten Schleier reichte, wird nun nach den Schwestern der Englischen Fräulein, die sich jetzt Congregation Jesu nennen, die Schleierbildchen herstellen.

Dass auch die Pilger die Schleierbildchen hoch schätzen, konnte man hautnah nach dem Gottesdienst erleben, als viele in der Sakristei der Gnadenkapelle ein Bild zu erhaschen versuchten. Da noch Restbestände von berührten Schleierbändern vorhanden waren und die Administration alte Bildchen mit der Darstellung der Muttergottes von Altötting zur Verfügung stellte, konnte Reinhard Zehentner schon vor dem Fest eine begrenzte Zahl Schleierbildchen anfertigen.
"Gestern bin ich angekommen und heute erlebe ich so etwas Schönes", sagte Sr. Margit aus Heidenfeld bei Schweinfurt mit dem Schleierbild in der Hand. "Ich bin ganz glücklich", schwärmt die Erlöserschwester, die einen 14 tägigen Urlaub in Altötting verbringt. Inständig hatte sie sich gewünscht, einmal länger in Altötting zu sein, und nun dürfe sie dies und dazu noch die Anberührung am Gnadenbild erleben, "so etwas Schönes, das kann nicht wahr sein", wiederholt sie tief beeindruckt. Auch Herbert Bauer, der Leiter des Wallfahrts- und Verkehrsbüros, freut sich, dass der Brauch der Schleierbildchen fortgeführt wird.

Die Verhüllung der Muttergottesstatue mit schwarzen Schleier am Karfreitag und die Verteilung der Schleierbilder an die Pilger hatte der Altöttinger Stiftsdechant Joseph Hagn 1736 in Loreto erlebt und 1737 für Altötting eingeführt. Vom schwarzen Schleier, mit dem das Gnadebild am Karfreitag verhüllt wird, wurden die ersten Schleierbildchen gefertigt. Zuerst für den kurfürstlichen Hof und besondere Wohltäter, dann ab 1738 für alle Pilger. Weil der Schleier vom Karfreitag dafür nicht ausreichte, wurden besondere Schleier am Gnadenbild berührt und davon Stückchen auf die Andachtsbilder geklebt. Bildchen und Schleier stiftete die Administration der Hl. Kapelle, die Arbeit besorgten die Englischen Fräulein, anfangs gegen verbilligte Wasserlieferung aus der eigenen Leitung der Kapellstiftung, später auf allerhöchst genehmigte Rechnungsstellung, wie DDr. Bauer im Buch "Bayerische Wallfahrt Altötting" schreibt. Prälat Ludwig Limbrunner zitierte in seiner Ansprache auch den früheren Administrator von 1957 bis 1991, DDr. Robert Bauer, der den Aufzeichnungen des Kapellarchivs entnommen hatte, dass "1738/39 in der Schatz- und Gnadenkammer das Wachs ausgegangen ist". Die bedeutete, dass nicht mehr so viele Pilger zum Beten an den Gnadenort kamen und deshalb weniger Wachs geopfert wurde, erläuterte Limbrunner.

Als nun Sr. Ancilla Moser, die die Schleierbildchen zuletzt fertigte, am 25 Dezember 2008 starb, erklärte sich Reinhard Zehentner aus Mühldorf bereit, auf ehrenamtlicher Basis diesen Dienst zu übernehmen. Die Arbeit der Schwestern hatte er schon vor Jahren schätzen gelernt, als er im Institut die Reliquien der seligen Gisela konservierte, die Schreine mit Reliquien Bruder Konrads neu ordnete und verschiedene reliquien fasst und verzierte.

(Text und Bilder von Hildegard Pollety)