Sollen wir Christen Christus nicht immer ähnlicher werden?, sel. Franz Jägerstätter

P. Felix Kraus, Wallfahrtskustos in Altötting, erzählt von der Seligsprechungsfeier des Jägerstätter:
 

Warum bist Du zu Feier der Seligsprechung gefahren?

Zur Feier der Seligsprechung von Franz Jägerstätter bin ich gefahren, weil mich sein Leben seit mindestens 30 Jahren interessiert hat, besser gesagt berührt hat. Dass ich seine Familie auch seit ca. 30 Jahren kenne und seine Frau Franziska sehr schätze, kommt dazu. Über den für St. Radegund, dem Wohn- und Wirkungsort Franz Jägerstätters, zuständigen Ortspfarrer Josef Steinkellner bekam ich eine Einladung des zuständigen Bischofs von Linz Dr. Ludwig Schwarz. Am 26. Oktober 2007 wurde Franz Jägerstätter aus Radegund in Oberösterreich im Mariendom zu Linz selig gesprochen. Seine Seligsprechung ist ein starkes Zeichen der Kirche in Bezug auf den Frieden, die Menschenwürde, das Recht auf Leben, die Gewissensfreiheit und den Glauben an den Gott des Lebens. Es ist zugleich ein Zeichen, wie ein Mensch aus dem Glauben heraus, Zivilcourage auch unter dem Einsatz des eigenen Lebens gezeigt hat und wie ernst ihm das Wort der Schrift war: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29)
 

Worin kann Franz Jägerstätter uns Vorbild sein?

Franz Jägerstätter kann durch die große Treue, wie er seine Berufung lebte, für uns ein Vorbild sein. Sein Leben bis zum gewaltsamen Tod ist nur begreifbar, weil er viele Worte der Heiligen Schrift nicht nur gelesen hat und kannte, sondern weil er die Wahrheit dieser Worte in seine persönliche Lebensentscheidung einband und mit Gottes Gnade in die Tat umsetzte. Hier haben wir unter ganz anderen Verhältnissen das Vorbild des heiligen Ordensvaters Franziskus vor uns, der seine Brüder in der ersten Regel ganz mit den Worten der Heiligen Schrift zum Leben in der Nachfolge Christi führen wollte. Jägerstätter sieht in den Seligpreisungen keine schöngeistige Literatur, sondern für ihn spiegeln sie das Antlitz Jesu und seine Liebe. Darum schreibt er in seinen Gefängnisbriefen: „Die meisten Menschen verbittern sich das Leben selbst durch ihre Unversöhnlichkeit.“ (GBA 51) Auch in den Orden und in unseren Klöstern gibt es leider verbitterte und unversöhnliche Brüder. Im seligen Franz Jägerstätter könnten sie sich ein Vorbild nehmen in Bezug auf das Wort Jesu: Selig, die Frieden stiften und die keine Gewalt anwenden.
 

Jägerstätter war Mitglied der Franziskanischen Gemeinschaft - welchen Impuls gibt er ihr für heute?

Der selige Franz Jägerstätter gehört zum Dritten Orden des Hl. Franziskus. Am 8. Dezember 1940, als er als Kraftfahrer bei der Deutschen Wehrmacht in Enns (Oberösterreich) dienen musste, wurde er mit einem weiteren Soldaten in den Dritten Orden eingekleidet. Ein Jahr später legte er in der Heimat die Profess ab. Einige Wallfahrten der St. Radegunder zur Mutter Gottes nach Altötting leitete er. Bei Exerzitien der Marianischen Männerkongregation im Franziskushaus in Altötting nahm der mit großer Freude und Anteilnahme teil; sie wurden gehalten von Kapuzinerpater Tuto. Franz Jägerstätter geht nach seiner Hochzeit häufig zur hl. Kommunion. Mit seiner Frau Franziska hält er eine tiefe Gebetsgemeinschaft und die Heilige Schrift wird für die beiden zum Lebensbuch. Franziska bezeugt: „Wir haben einer dem anderen weitergeholfen im Glauben.“ Aus dieser ehelichen Gemeinschaft gehen drei Töchter hervor: Rosalia (1937), Maria (1938) und Aloisia (1940). So ist der selige Franz Jägerstätter ein echtes Vorbild für unsere Schwestern und Brüder in der Franziskanischen Gemeinschaft: Bindung auch in schwieriger Zeit; eine vom Glauben und von der Liebe getragene Ehe; Kinder, die im Glauben erzogen wurden; Gebet und Kenntnis der Heiligen Schrift und Leben aus dem Glauben im Ehe- und Familienalltag; Engagement in der Pfarrgemeinde durch Mesnerdienst und Wallfahrten. Treue zur Kirche, auch wo sie schwach und sündig ist, so wie es Franziskus vorgelebt hat; Entscheidung für Gott, wo es ihm das Leben kostete.
 

Lebenslauf

Franz Jägerstätter wird am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich (Diözese Linz), als Sohn der ledigen Bauernmagd Rosalia Huber gebo­ren, am 21. Mai wird er in der Pfarrkirche getauft. Rosalia und der Vater, Franz Bachmeier, waren als Dienstboten zu arm, um heiraten zu können. Die Erziehung des Kindes übernimmt die Großmutter, Elisabeth Huber, eine liebevolle, im Glauben verwurzelte und vielseitig interessierte Frau. Die materielle Not während des Ersten Weltkrieges ist auch hier groß. In der Schule erfährt sich der kleine Franz wegen seiner Armut benachtei­ligt. Die Mutter heiratet 1917 den Bauern Heinrich Jägerstätter, der bei der Hochzeit den inzwischen 10jährigen Franz adoptiert. Inspiriert durch den Adoptiv-Großvater interessiert sich Franz als Heranwachsender für Bücher, darunter auch für religiöse Literatur. Von seinem Adoptivvater erbt er den Bauernhof.

Von 1927 bis 1930 arbeitet Franz Jägerstätter im Erzabbau in Eisenerz (Steiermark). Dort erfährt er sich geistig und religiös entwurzelt; er erlebt eine Glaubens- und Sinnkrise. 1933 wird er Vater der unehelichen Toch­ter Hildegard.

1935 lernt er Franziska Schwaninger kennen; die beiden heiraten 1936. Die Ehe wird zum Wendepunkt im Leben Franz Jägerstätters. Die Nach-barn bekunden, dass Franz nach seiner Hochzeit „ein anderer“ geworden sei. Häufig geht er zur Kommunion. Franz und Franziska beten mitein-ander und die Heilige Schrift wird für die beiden zum Lebensbuch. Gattin Franziska bezeugt: „Wir haben einer dem anderen weiter geholfen im Glauben.“ Aus dieser ehelichen Gemeinschaft gehen drei Töchter hervor: Rosalia (1937), Maria (1938) und Aloisia (1940).

1938 übernehmen die Nationalsozialisten auch in Österreich die Macht; ein Traum motiviert ihn, ihnen von Anfang an jede Zusammenarbeit oder Unterstützung zu verweigern, denn Nationalsozialismus und christlicher Glaube sind für ihn unvereinbar.

1940 wird er zum Militärdienst einberufen, auf Betreiben seiner Heimatge­meinde St. Radegund aber zweimal als Bauer für „unabkömmlich“ erklärt. Einer weiteren Einberufung will er nicht mehr Folge leisten, denn mittler­weile hat er von vielen Gräueltaten erfahren; mitzukämpfen und zu töten, „damit Hitler die ganze Welt beherrschen könne“, sieht er als schwere Sünde an. Die Mutter, Verwandte und auch befreundete Priester versu­chen, ihn umzustimmen, doch seinen biblischen Argumenten können sie nichts entgegensetzen. Seine Frau Franziska hält später fest: „Wenn ich nicht zu ihm gehalten hätte, hätte er ja gar niemanden gehabt.“ Um Kraft und Klarheit zu erbeten, besucht er jeden Tag die Messe. Vikar Fürthauer überträgt ihm den Mesnerdienst.

Nach der neuerlichen Einberufung meldet sich Franz am 1. März 1943 bei seiner Stammkompanie in Enns und erklärt, „dass er auf Grund seiner religiösen Einstellung den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, … dass er gegen sein religiöses Gewissen handeln würde, wenn er für den natio-nalsozialistischen Staat kämpfen würde“, und „es gebe Dinge, wo man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen; … gemäß dem Gebot Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, dürfe er nicht mit der Waffe kämpfen. Er sei jedoch bereit, als Sanitätssoldat Dienst zu leisten“ (aus: Reichkriegsgerichtsurteil, 6. Juli 1943).

Wegen Wehrkraftzersetzung wird Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel enthauptet. Seine Urne wird 1946 von Franziskanerinnen nach Oberösterreich gebracht und im Grab an der Kirchenmauer in St. Radegund bestattet.
 

Blick des Seligen zu Maria vor seiner Hinrichtung

„Habe in der letzten Woche die Himmelmutter noch öfter gebeten, wenn es Gottes Wille ist, dass ich bald sterbe, dass ich das Fest Maria Himmelfahrt schon im Himmel mitfeiern darf. […] Jesu Herz, Maria Herz und mein Herz seien ein Herz verbunden für Zeit und Ewigkeit. Maria mit dem Kinde lieb, uns noch allen deinen Segen gib!“
 

Gute Informationen finden Sie unter: www.jaegerstaetter.at