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Ausschreibungsfrist des Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus endet am 30. November 2020

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 25. November 2020 - 14:49

Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt 2021 zum vierten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Bewerbungen und Vorschläge können noch bis zum 30. November 2020 beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz eingereicht werden. Es ist auch möglich, bis zum 30. November 2020 zunächst eine Kurzbewerbung an preis-gegen-fremdenfeindlichkeit(at)dbk.de zu senden und zusätzliche Unterlagen im Dezember nachzureichen. Mit dem Preis werden Personen, Gruppen oder Organisationen ausgezeichnet, die sich in Deutschland aus dem katholischen Glauben heraus gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus engagieren oder sich prägend an ökumenischen bzw. gesellschaftlichen Initiativen beteiligen.

Die Preisverleihung soll am 8. Juni 2021 im Deutschen Olympia- und Sportmuseum in Köln stattfinden. Aus dem Erzbistum Köln stammte der erste Preisträger des dritten Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus 2019, das Projekt „Global Village: Weltort Lennep“ (Remscheid).


Hintergrund

Die Deutsche Bischofskonferenz hat den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf Anregung Ihrer Migrationskommission 2015 zum ersten Mal ausgelobt. Er ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und kann auf bis zu drei Preisträger aufgeteilt werden. Verliehen wird er auf Vorschlag einer fachkundigen Jury durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.


Hinweise:

Der Flyer zur Ausschreibung sowie weitere Informationen sind auf der Themenseite Katholischer Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verfügbar. Wer sich an der Ausschreibung beteiligen möchte und weitere Fragen hat, kann sich per E-Mail an preis-gegen-fremdenfeindlichkeit(at)dbk.de wenden.

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zur Situation in Syrien und im Irak

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 25. November 2020 - 9:00

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (25. November 2020) eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Syrien und im Irak vorgestellt. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit mit dem Gebetstag am 26. Dezember im Mittelpunkt.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte: Die Lage der Christen „bleibt sowohl in Syrien als auch im Irak – auch nach dem militärischen Sieg über den ‚Islamischen Staat‘ – besorgniserregend. Sie sind nach wie vor vielen Gefahren und Verfolgungen ausgesetzt.“ Grundsätzlich müsse man feststellen: „Der Terror des IS hat die Region auf dramatische Weise und langfristig destabilisiert. Die brutale Gewalt der Islamisten hat viele Christen zur Flucht gezwungen.“ Immerhin aber existiere weiterhin eine christliche Minderheit. Inmitten der ethnischen, religiösen und politischen Spannungen sei sie vor die große Herausforderung gestellt, ihren Platz in einem vom Bürgerkrieg zerstörten Syrien und einem von anhaltender Instabilität geprägten Irak zu finden.

Bezugnehmend auf seine jüngsten Reisen in die beiden Länder zeigte sich Erzbischof Schick vom Mut und der Widerstandskraft der Ortskirche und ihrer Gläubigen beeindruckt. Wenngleich ihre Erinnerung von der Verfolgung und Bedrängnis durch den IS geprägt sei, entwickelten sie doch zugleich eine Vision für die Zukunft der Kirche im Nahen Osten. Es gehöre zum Wesen des Christentums, so Erzbischof Schick, sich nicht auf sich selbst zurückzuziehen, sondern allen Menschen in den materiellen und seelischen Nöten zu helfen sowie Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten. Im Hinblick auf die Präsenz der Christen in Syrien und im Irak zeigte er sich zuversichtlich: „Auch wenn die durch den IS verübten Gräueltaten viele Christen traumatisiert und nachhaltig verunsichert haben, ist die Kirche in Syrien und im Irak von der Bedeutung ihres jahrhundertealten Bestehens im Nahen Osten überzeugt. Sie weiß um ihre Berufung, allen Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit im Dienst der christlichen Nächstenliebe beizustehen.“

Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo SJ, beschrieb die ungewisse Zukunft und Verwundbarkeit der Christen in Syrien: „Wie alle Syrer sind wir im Moment von großer allgemeiner Armut betroffen und haben keine klare Perspektive für unsere Zukunft. Darüber hinaus fühlen wir Christen uns als Minderheit im Land im Alltag und mit Blick auf die Zukunft schwach und hilflos.“ Die Verantwortlichen in den Kirchen, so Bischof Audo, stellten sich die Frage, wie sie auf die Fülle der Herausforderungen reagieren sollten: die Armut, die rückläufige Zahl von Christen, den demografischen Wandel in einer Stadt wie Aleppo, die Ansiedlung muslimischer Familien in traditionell von Christen bewohnten Vierteln, die steigende Zahl junger Muslime in christlichen und vor allem katholischen Schulen. Eine erste Antwort bestehe darin, so Bischof Audo, dass im Anschluss an eine Synode der katholischen Kirchen (März 2018) verschiedene Ausschüsse gebildet worden seien, um die Beschlüsse im Bereich der Jugend-, Sozial- und Familienpastoral, der Ausbildung von Laien und der Weiterbildung des Klerus umzusetzen: „Diese Ausschüsse haben ihre Arbeit mit dem Ziel aufgenommen, in unserer Gesellschaft eine lebendige und spürbare christliche Präsenz aufrechtzuerhalten. Dies erfordert den Wiederaufbau eines dynamischen christlichen Sozialgefüges, das auf der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit der überwiegend muslimischen Gesellschaft zugewandt ist.“

Der Erzbischof von Kirkuk und Sulaimaniyah (Irak), Yousif Thomas Mirkis OP, betonte, dass der Verbleib der Christen im Irak von vielen Faktoren abhänge: „So fühlen sie sich mit Blick auf andere Familienmitglieder, die das Land bereits verlassen haben, hin- und hergerissen, wobei sie jedoch vergessen, welche Opfer [bei einer Auswanderung] gebracht werden müssen. Andererseits fällt es immer schwerer, Argumente zu finden, die sie zum Verbleib im Irak ermutigen sollen. Bleiben reicht nicht, wir müssen alle mit anpacken und mit dem Herzen hier sein, um mit den anderen Gemeinschaften den Wiederaufbau voranzutreiben“. Erzbischof Mirkis erinnerte an die wichtige Rolle der Christen als Bindeglied zwischen den Kulturen. Im Dienst des Bildungs- und Gesundheitswesens hätten sie durch ihre Schulen, Krankenhäuser und Ambulanzen Hervorragendes geleistet.

Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen, Pfarrer Dirk Bingener, skizzierte die von Missio unterstützte Bildungsarbeit in Syrien und im Irak, die die Stärkung des Zusammenhalts und des interreligiösen Friedens zum Ziel habe: „Gerade der interreligiöse Dialog ist uns sehr wichtig. Es ist unsere Überzeugung, dass Angehörige aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften es nur gemeinsam schaffen können, für eine umfassende Verteidigung der menschlichen Würde und für grundlegende Freiheitsrechte einzutreten. Unsere Partnerinnen und Partner in Syrien und im Irak leben uns vor, dass eine friedliche religiöse Koexistenz entschiedenen Einsatz verlangt, auch angesichts bitterer Rückschläge.“ Friedliche religiöse Koexistenz, so Pfarrer Bingener, gehe einher mit der Pflege interkultureller Kompetenz, der Entwicklung einer eigenen religiösen Identität sowie der Bereitschaft und Fähigkeit zum interreligiösen Dialog. Die kirchliche Arbeit im Bildungsbereich diene diesen Zielen.


Hintergrund

Die Arbeitshilfe Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Nach der Herrschaft des „Islamischen Staats“: Syrien und Irak gibt einen Überblick über die Situation der Christen in diesen Ländern. Die Arbeitshilfe erläutert aktuelle Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaften, analysiert die Hintergründe und lässt Mitglieder der Ortskirche zu Wort kommen.

Die Initiative Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen wurde von den deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um für die Lage bedrohter Glaubensgeschwister zu sensibilisieren. Mit Publikationen, liturgischen Handreichungen und öffentlichen Veranstaltungen wird auf die teilweise dramatischen Verhältnisse christlichen Lebens in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam gemacht. Zusätzlich pflegen die Bischöfe mit Solidaritätsreisen den Kontakt zu den unter Druck stehenden Ortskirchen. In Deutschland sucht die Bischofskonferenz auch immer wieder das Gespräch mit Politikern und gesellschaftlichen Akteuren, um auf bedrohliche Entwicklungen hinzuweisen. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember (Stephanustag), der in allen deutschen Diözesen begangen wird.


Hinweise:

Folgende Materialien von Erzbischof Schick, Pfarrer Bingener, Erzbischof Mirkis und Bischof Audo sind für Medienvertreter frei verfügbar:

  • Statements als pdf-Dateien untenstehend
  • Je zwei O-Töne untenstehend sowie pdf-Dateien mit den Übersetzungen der Bischöfe aus Syrien und Irak

Je ein Video-Statement (YouTube-Link):

Die Arbeitshilfe Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Nach der Herrschaft des „Islamischen Staats“: Syrien und Irak ist als pdf-Datei zum Herunterladen in der Rubrik Publikationen verfügbar. Dort kann sie auch als Broschüre (Arbeitshilfen Nr. 318) bestellt werden.

Das neue Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen können ebenfalls in der Rubrik Publikationen bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind auf der Themenseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ verfügbar.

Ständiger Rat der Deutschen Bischofskonferenz setzt neue Verfahrensordnung zur Anerkennung des Leids ein

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 24. November 2020 - 16:56

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat heute (24. November 2020) die Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids abgeschlossen. Ausgangspunkt ist die im Herbst 2018 veröffentlichte Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie). Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2020 hatte neun Grundsätze für die Weiterentwicklung des Verfahrens beschlossen. Die Herbst-Vollversammlung 2020 klärte weitere Detailfragen zur Anerkennung des Leids. Heute ist die Verfahrensordnung verabschiedet worden. Sie tritt zum 1. Januar 2021 in den (Erz-)Diözesen in Kraft und löst das bisherige, seit 2011 praktizierte Verfahren zur materiellen Anerkennung erlittenen Leids ab. In dessen Rahmen wurden rund 2.400 Anträge bearbeitet.

Neue Verfahrensordnung zur Anerkennung des Leids
In der Präambel zur Verfahrensordnung heißt es: „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen sowie an schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen – gerade wenn Kleriker, Ordensleute oder Beschäftigte im kirchlichen Dienst solche Taten begehen –, erschüttert nicht selten bei den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie Nahestehenden und Hinterbliebenen das Grundvertrauen in die Menschen und in Gott. In jedem Fall besteht die Gefahr schwerer physischer und psychischer Schädigungen. Erlittenes Leid kann nicht ungeschehen gemacht werden.“ Durch die materiellen Leistungen soll gegenüber den Betroffenen zum Ausdruck gebracht werden, dass die Bistümer Verantwortung für erlittenes Unrecht und Leid übernehmen. Dabei liegt die erste Verantwortung zur Erbringung von finanziellen Leistungen beim Täter. Überdies werden die Leistungen in Anerkennung des Leids durch die (Erz-)Diözesen als Zeichen der institutionellen Mitverantwortung erbracht. Zugleich wird so sichergestellt, dass Betroffene auch dann Leistungen erhalten, wenn nach staatlichem Recht vorgesehene Ansprüche gegenüber dem Beschuldigten wegen Verjährung oder Tod nicht mehr geltend gemacht werden können.

Das Verfahren zur Anerkennung des Leids gliedert sich in fünf Schritte:
Personen, die als minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene sexuellen Missbrauch erlebt haben, wenden sich an die unabhängigen Ansprechpersonen einer (Erz-)Diözese.

  1. Die unabhängigen Ansprechpersonen führen ein Gespräch und können beim Ausfüllen des Antragsformulars unterstützen.
  2. Der Antrag wird von der Ansprechperson oder der Diözese an die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) weitergeleitet.
  3. Die Unabhängige Kommission legt eine Leistungshöhe fest und weist die Auszahlung an Betroffene an.
  4. Die Geschäftsstelle der Unabhängigen Kommission informiert die betroffene Person sowie die zuständige Diözese und zahlt die festgelegte Summe direkt aus.

Zur Transparenz und Unabhängigkeit des neuen Verfahrens trägt insbesondere die UKA bei. Ihr gehören sieben Frauen und Männer an. Sie ist interdisziplinär mit Fachleuten aus Medizin, Recht, Psychologie und Kriminologie besetzt. Die Mitglieder stehen in keinem Anstellungsverhältnis zu einer (Erz-)Diözese oder einer anderen kirchlichen Einrichtung und arbeiten weisungsunabhängig. Die Mitglieder der UKA werden für ihre Aufgabe vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ernannt. Ihre Namen werden nach der konstituierenden Sitzung auf der Internetseite www.dbk.de veröffentlicht.

Ausgewählt wurden die Mitglieder der UKA von einem mehrheitlich nichtkirchlichen Personenkreis. Neben Bischof Dr. Stephan Ackermann gehörten diesem Kreis Dr. Manuela Stötzel (Leiterin des Arbeitsstabes des UBSKM), Staatsministerin a. D. Roswitha Müller-Piepenkötter (Bundesvorsitzende des Weißen Rings a. D.) und Robert Köhler (Verein Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer) an.

Nach der heute beschlossenen Verfahrensordnung können Betroffene verschiedene Leistungen erhalten. Die UKA kann, orientiert an Schmerzensgeldzahlungen, Leistungen von bis zu 50.000 Euro festlegen. Bei besonders schweren Härtefällen sind höhere Leistungen oder anderweitige Unterstützungen mit Zustimmung des zuständigen (Erz-)Bistums möglich. Zusätzlich können – wie bisher – Kosten für Therapie- und/oder Paarberatung übernommen werden. Personen, die bereits in der Vergangenheit einen Antrag gestellt und Leistungen erhalten haben, können einen erneuten Antrag stellen. Für diese Personen gibt es ein verkürztes Antragsverfahren.

Unterstützungsfonds für Betroffene von Orden
Von großer Bedeutung ist die Gleichbehandlung von Betroffenen, die neben den Bistümern auch die rechtlich unabhängigen Ordensgemeinschaften umfasst. Die Bischöfe haben deshalb bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung 2020 beschlossen, dass zur Sicherstellung von Leistungen an Betroffene eine Solidarkomponente vorgesehen ist, damit Orden nötigenfalls bei der Finanzierung von Anerkennungsleistungen unterstützt werden können. Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) und Vertreter einzelner Orden haben verschiedentlich das gemeinsame Ziel bekräftigt, ein einheitliches Verfahren zur Anerkennung des Leids umsetzen zu wollen. Der Ständige Rat hat dementsprechend die Einrichtung eines subsidiären und nachrangigen Unterstützungsfonds beschlossen. Die Orden, die am weiterentwickelten Verfahren teilnehmen, finanzieren die durch die UKA festgesetzten Anerkennungsleistungen grundsätzlich selbst und haben nur subsidiär, unter bestimmten Kriterien, Zugang zum Unterstützungsfonds.

Betroffenenbeirat
Bischof Dr. Stephan Ackermann hat den Ständigen Rat darüber informiert, dass der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz seine Arbeit aufnehmen konnte und die konstituierende Sitzung Anfang November 2020 stattgefunden hat.

Hinweise:
Die Verfahrensordnung zur Anerkennung des Leids ist als pdf-Datei unter dieser Pressemitteilung sowie auf der Themenseite Sexueller Missbrauch verfügbar. Dort sind auch aktuelle FAQ zu finden.

Bischof Fürst zum ARD-Themenabend „Suizidbeihilfe“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 24. November 2020 - 15:32

Zum gestrigen (23. November 2020) ARD-Themenabend „Suizidbeihilfe“ erklärt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission und der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart):

„Der gestrige Fernsehabend im Ersten (ARD) zum Thema Suizidbeihilfe hat mich bewegt. Dass es vielen anderen genauso ging, zeigt ein Blick auf die Social Media-Kanäle. Bei den Überlegungen zur Neuregelung der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte. Deshalb bin ich der ARD dankbar. Die Inszenierung des fiktionalen Films ‚GOTT von Ferdinand von Schirach‘ war sehr eigenwillig: Ein Anwalt seziert souverän die Bedenken und Einwände der angehörten oder zitierten Gutachterpositionen und gewinnt seinen ‚Prozess‘. Von der Arbeit eines Ethikrates ist das natürlich weit entfernt. Da geht es vielmehr darum, möglichst sachlich und nüchtern auszuloten, abzuwägen und Bandbreiten zu differenzieren. Auch im anschließenden Gespräch bei Frank Plasbergs ‚Hart aber fair‘ wurde deutlich: Es gibt viele Aspekte, über die wir das Gespräch weiterführen müssen: Was bedeutet Selbstbestimmung an den Rändern des Lebens? Wie sehen Solidarität und menschenwürdige Begleitung im Sterben aus? Was passiert mit einer Gesellschaft, die das Leiden ausblenden und abspalten möchte?

Als Christen sind wir überzeugt, dass das Leben wertvoll ist. Dieses Leben ist dem Menschen geschenkt und zur Gestaltung aufgegeben. Er darf und soll in diesem Leben sein Glück suchen und er soll sich dem Leid entgegenstemmen. Aber die Grundlage für dieses Bemühen ist und bleibt das Leben selbst. Man kann letztlich nicht das Leben bejahen und es zugleich beenden. Deshalb sollte alles Bemühen der Hilfe zum Leben gelten und nicht der Hilfe zum Sterben. Es geht um eine Gesellschaft, in der nicht ein unterschwelliger Druck entsteht, der sagt: ‚Wenn es auf dein Ende zugeht, dann erspare doch deinen Mitmenschen die Last deiner Krankheit und deines Siechtums. Sei doch so rücksichtsvoll, von dir aus rechtzeitig ein Ende zu setzen.‘“

Deutsche Bischofskonferenz trauert um serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 20. November 2020 - 13:50

Die Deutsche Bischofskonferenz hat mit Betroffenheit auf den Tod des Patriarchen der Serbischen Orthodoxen Kirche, Irinej, reagiert. Der Patriarch war heute Morgen (20. November 2020) im Alter von 90 Jahren an einer Covid-19-Erkrankung verstorben.

In einem Beileidsbrief an den Heiligen Synod der Serbischen Orthodoxen Kirche in Belgrad schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing: „Wir sind Ihnen und allen, die in diesen Tagen um den Verstorbenen trauern, in stiller Anteilnahme und im fürbittenden Gebet verbunden.“ Über ein Jahrzehnt habe Patriarch Irinej die Geschicke seiner Kirche mit großer Umsicht gelenkt und durch seine spirituelle Tiefe den Gläubigen Orientierung und Halt gegeben. „Ökumenische Offenheit zeichnete sein Denken und Handeln aus. So führte er die engen Beziehungen, die seit langer Zeit zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz bestehen, engagiert weiter“, so Bischof Bätzing. Eine Phase besonders intensiven Austausches sei die Zeit von 1999 bis 2009 gewesen, bei der die Serbische Orthodoxe Kirche, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland einen fruchtbaren Dialog zur Rolle der Kirchen angesichts der neuen politischen Verhältnisse auf dem Balkan und zur kirchlichen Verantwortung für Versöhnung und Frieden geführt hätten.

„Dankbar erinnern möchte ich auch an die Begegnung zwischen dem Patriarchen und Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der bei seiner Serbienreise 2011 als damaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von Patriarch Irinej in Belgrad zu Gespräch und Austausch herzlich empfangen wurde“, so Bischof Bätzing. „Als Christen dürfen wir hoffen, dass der Verstorbene nun seine ewige Heimat bei Gott gefunden hat. Seien Sie nochmals versichert, dass wir seiner im Gebet gedenken. Wir schließen dabei besonders all die Menschen ein, die in diesen Zeiten weltweit an einer Corona-Infektion versterben, und bitten den Herrn des Lebens um Trost und Beistand für die Hinterbliebenen.“

Regelung zu Internetübertragungen von Gottesdiensten und liturgischen Feiern mit den Verwertungsgesellschaften GEMA und VG Musikedition verlängert

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 19. November 2020 - 12:08

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) hat das Gespräch mit den zuständigen Verwertungsgesellschaften GEMA und VG Musikedition gesucht, um die rechtlichen Fragen bezüglich der bestehenden Gesamtverträge für die Übertragung über das Internet zu klären. Es ist gelungen, mit den Verwertungsgesellschaften die zunächst befristete Einigung, die es gestattet, Gottesdienste und andere liturgische Feiern über kircheneigene Internetpräsenzen zu übertragen, langfristig bis zum 31. Dezember 2022 zu verlängern. Es ist dabei unerheblich, ob der Gottesdienst bzw. die liturgische Feier zeitgleich über einen Stream oder auch zeitversetzt durch späteren Abruf übertragen werden soll. Für beide Übertragungsvarianten sind die Rechte eingeholt.

Dazu wurde zunächst die Vereinbarung mit der GEMA zur Abdeckung der Nutzung von noch urheberrechtlich geschützten Werken der Musik in Gottesdiensten und anderen liturgischen Feiern verlängert. Die Vereinbarung erfasst das Live-Streamen über das Internet, die Aufnahme auf Audioträger, um diese an die Gläubigen in der Pfarrei bzw. Gemeinde kostenfrei zu verteilen und schließlich auch die Aufnahme auf CD, MP3 oder andere Träger oder auch auf Internetportale (YouTube, Facebook usw.) zum Abspielen der Musikstücke während eines Gottesdienstes oder einer anderen liturgischen Feier, die beispielsweise unter freiem Himmel oder in großen Hallen, in denen die Hygienekonzepte eingehalten werden können, stattfinden.

Mit der VG Musikedition ist eine Vereinbarung ebenfalls bis 31. Dezember 2022 getroffen worden. Der Pauschalvertrag zwischen der VG Musikedition und dem VDD wird danach dahingehend erweitert, dass die Berechtigten ebenfalls bis zum 31.12.2022 das Recht erhalten, Lieder/Liedtexte im Zusammenhang mit der zeitgleichen und zeitversetzten Übertragung von Gottesdiensten über das Internet den Gläubigen zu Verfügung zu stellen. Eine zeitliche Beschränkung (vorher 72 Std.) für ein Belassen der Liedtexte und/oder -noten besteht nicht weiter.

„Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ am 26. Dezember 2020

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 18. November 2020 - 9:34

An jedem 26. Dezember begehen die Katholiken in Deutschland den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. In den Gottesdiensten am zweiten Weihnachtstag soll insbesondere der Glaubensgeschwister gedacht werden, die vielerorts in der Welt Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Als Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz den zweiten Weihnachtstag ausgewählt, da die Kirche an diesem Tag das Fest des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers des Christentums, feiert.

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz stellt für die Aktion in den Pfarrgemeinden ein neues Plakat (DIN A3) zur Verfügung, das vor allem zum Aushang in den Schaukästen bestimmt ist. Außerdem ist ein neues Gebetsbild erhältlich, auf dem ein von den deutschen Bischöfen empfohlenes Gebet für die unter Bedrängung lebenden Mitchristen steht. Es ist zur Einlage in das Gesang- und Gebetbuch geeignet. Als Motiv wurde ein Reportagefoto des Fotografen Andy Spyra gewählt: Mitglieder der nigerianischen Sicherheitstruppe beschützen die katholische Kirche St. Rita in Kanos christlichem Viertel Sabon Gari gegen Angriffe von Boko Haram.

Der Gebetstag am 26. Dezember ist Teil der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, mit der die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen. Die Initiative besteht jeweils aus einer Arbeitshilfe, die eine Schwerpunktregion in den Blick nimmt, Solidaritätsreisen, Gesprächen mit politisch Verantwortlichen und Besuchen von Bischöfen aus bedrängten Ortskirchen. Die neue Arbeitshilfe der Initiative wird in der kommenden Woche vorgestellt.


Hinweise:

Das neue Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen können in der Rubrik Publikationen bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ verfügbar.

Gemeinsame Erklärung der Stiftungsratsvorsitzenden der Maximilian-Kolbe-Stiftung anlässlich des 55. Jahrestags des Briefwechsels der polnischen und deutschen Bischöfe

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 17. November 2020 - 12:32

Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika Fratelli tutti dazu aufgerufen, sich für Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft einzusetzen. In diesem Geist erinnern wir uns daran, dass am 18. November vor 55 Jahren, inspiriert durch das geistliche Klima des Zweiten Vatikanischen Konzils der Briefwechsel zwischen den polnischen und deutschen Bischöfen begann. Er war eine Initialzündung des deutsch-polnischen Dialogs sowie des gesellschaftlichen Versöhnungsprozesses zwischen Polen und Deutschen.

In der aktuellen Situation Europas und der Welt braucht es verstärkt das christliche Versöhnungszeugnis der Kirche, das bekräftigt, dass die Bitte um Versöhnung ausgesprochen und Vergebung gewährt werden kann. Dieses Zeugnis darf sich nicht allein auf das historische Gedächtnis beschränken. Daher haben die deutschen und die polnischen Bischöfe 2007 mit der Maximilian-Kolbe-Stiftung ein gemeinsames Instrument der kontinuierlichen Arbeit für Versöhnung und Frieden geschaffen.
Die Stiftung arbeitet nach dem im Evangelium beschriebenen Prinzip von Samenkorn und Sauerteig. Sie ist in vielen Ländern tätig und zeigt insbesondere der jungen Generation, dass Versöhnung möglich und der gemeinsame Aufbau einer friedlichen Zukunft wichtiger ist, als das Festhalten an Konflikten und an zweifelhaften Logiken der Abgrenzung.

Die Stiftung geht ihrem Auftrag auch an dem besonderen Ort Auschwitz nach. Dort versammelt sie jedes Jahr junge Menschen aus verschiedenen Ländern, um durch Begegnung, Kennenlernen und Austausch zu einem wirklichen Dialog zu finden und um mit dem heiligen Maximilian Kolbe, dem Patron der Versöhnung, die Kraft der Worte zu erfahren: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“

Im Geist dieser Tradition hat die Maximilian-Kolbe-Stiftung gemeinsam mit dem Maximilian-Kolbe-Werk dankbar den Beschluss des deutschen Bundestags zur Kenntnis genommen, in Berlin ein Denkmal zur Erinnerung an die polnischen Opfer der deutschen Okkupation in Polen zu errichten. Der Vorstandsvorsitzende sowohl des „Maximilian-Kolbe-Werk“ als auch der „Maximilian-Kolbe-Stiftung“, Peter Weiß MdB, betont, dass damit eine wichtige Lücke in den deutsch-polnischen Beziehungen geschlossen wird. Das geplante Denkmal soll sowohl der Erinnerung als auch der Begegnung dienen, was auch Ziel der Maximilian-Kolbe-Stiftung ist.

Wir hoffen, dass auch die kommunalen Verantwortlichen in Berlin diese Initiative unterstützen. Sie ist Ausdruck der Anerkennung für die Errungenschaften der deutsch-polnischen Versöhnung, die auf den Worten im Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe 1965 aufbaut: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, die zu „Geschwisterlichkeit und sozialer Freundschaft“ (Papst Franziskus, Fratelli tutti) führen.

Prof. Dr. Ludwig Schick              Dr. Wiktor Skworc
Erzbischof von Bamberg            Erzbischof von Katowice

Enzyklika Fratelli tutti als Broschüre in aktueller Übersetzung erschienen

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 17. November 2020 - 12:27

Die am 3. Oktober 2020 von Papst Franziskus unterschriebene Enzyklika Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft ist jetzt als Broschüre in der Reihe „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“ der Deutschen Bischofskonferenz erschienen und berücksichtigt die aktuellste Übersetzung. Zentrale Aussage des Papstes ist der Wunsch, einen Planeten zu haben, der allen Menschen Land, Heimat und Arbeit bietet.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, würdigte die Enzyklika bei der Vorstellung am 4. Oktober 2020 in Limburg als einen „eindringlichen Appell für weltweite Solidarität und internationale Zusammenarbeit“. Papst Franziskus wende sich insbesondere gegen nationale Abschottung und rege an, über eine „Ethik der internationalen Beziehungen“ nachzudenken. „Die Enzyklika ist ein Weck-, Mahn- und Hoffnungsruf: Ein Weckruf, dass wir zueinander finden. Ein Mahnruf, dass wir den Nächsten nicht vergessen. Ein Hoffnungsruf, der uns auffordert, Mauern niederzureißen und Zusammenhalt zu stärken“, sagte Bischof Bätzing.

Die Enzyklika ist bisher bereits rund 27.000 Mal bestellt worden. Die erste Auflage des Drucks liegt bei einer Höhe von 35.000 Exemplaren.

Hinweise:
Die Enzyklika Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft von Papst Franziskus steht in der Rubrik Publikationen als pdf-Datei zum Herunterladen bereit und kann dort auch als Broschüre (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 227) bestellt werden.
Weiterführende Informationen sind auf der Themenseite Enzyklika Fratelli tutti verfügbar.

Virtuelle Werkstatt zum interreligiösen Dialog in Deutschland

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 17. November 2020 - 9:27

Im Rahmen einer virtuellen Dialogwerkstatt ist Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg) heute (17. November 2020) mit Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie Praktikern des interreligiösen Dialogs in Deutschland zusammengekommen. Die von der Eugen-Biser-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung organisierte Veranstaltung widmete sich dem „Beitrag von Dialogbeauftragten der Religionsgemeinschaften und Vertretern gemischtkonfessioneller Dialogprojekte für ein gelingendes Zusammenleben“. Seit der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2020 ist Bischof Meier neuer Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog.

Im Zentrum der Online-Veranstaltung stand der Austausch über Best-Practice-Beispiele der interreligiösen Dialogarbeit, darunter das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zusammen mit jüdischen und muslimischen Partnern initiierte Projekt „Weißt du, wer ich bin?“ und die Drei-Religionen-Schule im Bistum Osnabrück.

Bischof Meier betonte bei einer Podiumsdiskussion zum Beitrag des interreligiösen Dialogs für den gesellschaftlichen Zusammenhalt die gemeinsame Verantwortung der Religionsgemeinschaften „für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“. Dies sei „in Zeiten, in denen Religion für Ausgrenzung und Spaltung, ja sogar für Krieg und Terror instrumentalisiert wird“ wichtiger denn je. Letztlich gehe es um die Sorge für „unser gemeinsames Haus“, wie er in Anlehnung an Papst Franziskus ausführte. Bischof Meier hob die Voraussetzungen für ein gelingendes Miteinander hervor: „Ein aufrichtiger Dialog zeichnet sich durch das Selbst-Bewusstsein der Gesprächspartner ebenso aus wie durch die Bereitschaft, auch eigene Schwächen und Lernerfahrungen zu reflektieren und ins Wort zu bringen.“ Er würdigte die gesellschaftliche Relevanz der vielen lokalen Dialog-Initiativen in Deutschland. An ihrem Engagement lasse sich ablesen, dass der interreligiöse Dialog dann erfolgreich verlaufe, „wenn Menschen unterschiedlicher Religionen auf ganz selbstverständliche Weise miteinander sprechen, miteinander den Alltag teilen und gemeinsam die Gesellschaft gestalten“.

An der Podiumsdiskussion nahmen neben Bischof Meier Staatsministerin Annette Widmann-Mauz MdB (Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration), Bischöfin Kirsten Fehrs (Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland), Burhan Kesici (Sprecher des Koordinationsrats der Muslime) und Abraham Lehrer (Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) teil.

Hinweise:
Das Statement von Bischof Dr. Bertram Meier zu der Veranstaltung ist untenstehend als pdf-Datei zu finden. Im Nachgang der Veranstaltung wird die Eugen-Biser-Stiftung eine Broschüre mit den Statements aller Diskutanten veröffentlichen. Weitere Informationen sind verfügbar unter www.eugen-biser-stiftung.de.

Allianz für Weltoffenheit wirbt in Corona-Pandemie für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 16. November 2020 - 9:31

Die „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“ wirbt in einem heute (16. November 2020) veröffentlichten gemeinsamen Aufruf dafür, angesichts der aktuellen Herausforderungen der Corona-Pandemie demokratische Grundwerte und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren, den Diskurs zu suchen und Solidarität zu üben. Der Aufruf im Wortlaut:

„Die Corona-Pandemie und ihre Bewältigung sind für die Menschen in Deutschland und weltweit eine schwere Belastung. Seit dem Ausbruch der Krise haben Gesellschaft und Politik in unserem Land vieles richtig gemacht. Die Verbreitung des Virus konnte zunächst verlangsamt werden. Eine Überlastung unseres Gesundheitssystems wurde bisher verhindert. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgeschäden konnten bislang in Grenzen gehalten werden. Seit Oktober sind die Infektionszahlen wieder stark angestiegen. Wenn wir das aktuelle Pandemiegeschehen nicht rasch in den Griff bekommen, sind die Risiken erheblich: für die Gesundheit und das Leben vieler Menschen, ihre wirtschaftliche Existenz, aber auch für das gesellschaftliche Miteinander.

Eine große Mehrheit in unserem Land trägt das entschlossene Handeln der Politik mit. Auch der Grundsatz, dass jede und jeder Einzelne Verantwortung für den anderen übernehmen muss, trifft weiterhin auf breite Zustimmung. Gleichzeitig sinkt jedoch die Akzeptanz für pauschale Antworten. Zunehmend besteht die Herausforderung darin, differenzierte Lösungen zu finden, die auch auf längere Sicht verstanden und akzeptiert werden. Dies setzt eine lebendige demokratische Auseinandersetzung und einen offenen gesellschaftlichen Diskurs voraus.

Die Bereitschaft der Menschen zu solidarischem Handeln lässt sich nicht verordnen. Solidarität kann aber durch offene, demokratische Debatten gestärkt werden. Wenn Grund- und Freiheitsrechte des Einzelnen und das gesellschaftliche Leben eingeschränkt werden, muss dies nicht nur wissenschaftlich gut begründet werden; solche Maßnahmen müssen außerdem einsichtig, verhältnismäßig und demokratisch legitimiert sein. Und es muss weiterhin gewährleistet sein, dass all diejenigen, die aufgrund der Einschränkungen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, sich darauf verlassen können, dass der Staat sie unterstützt.

Ängste und Sorgen sind in dieser schwierigen Situation verständlich, Kritik und Zweifel an getroffenen Entscheidungen können berechtigt sein. Niemand darf aber für sich in Anspruch nehmen, seine Freiheit auf Kosten anderer auszuleben. Wer mit Falschinformationen und Verschwörungstheorien die Bereitschaft zur Solidarität untergräbt, gefährdet unsere Demokratie und setzt die Gesundheit zahlreicher Menschen aufs Spiel.

Als ‚Allianz für Weltoffenheit‘ rufen wir zu rücksichtsvollem, besonnenem Handeln und mehr Dialogbereitschaft auf. Als Teil eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses wollen wir dazu beitragen. Wir engagieren uns für den offenen demokratischen Diskurs, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Uns eint die Überzeugung, dass die eigene Freiheit spätestens dort endet, wo die Gesundheit und das Leben anderer gefährdet wird. Deshalb appellieren wir als ‚Allianz für Weltoffenheit‘ an die Politik und unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger:

  • Parlamente auf Bundes- und Länderebene sind in unserer Demokratie die zentralen Orte politischer Debatten und Entscheidungen. Dies muss auch in Ausnahmesituationen gelten.
  • Die Politik muss Maßnahmen, mit denen Grund- und Freiheitsrechte vorübergehend eingeschränkt werden, gut begründen und erklären. Dazu zählt auch, dass sie auf die Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen achtet und mit allen Teilen der Gesellschaft aktiv das Gespräch sucht.
  • Politik und Gesellschaft sind gemeinsam gefordert, neue Räume für die Debatte, für Kritik und konstruktive Vorschläge zu eröffnen. Wir alle stehen in der Verantwortung, Menschenleben zu schützen und jenen beizustehen, die unter der Pandemie besonders leiden.

Gemeinsam wird es den Menschen in unserem Land gelingen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Folgen der Krise mit Solidarität aufzufangen.“

Hintergrund
Zu dem breiten gesellschaftlichen Bündnis der „Allianz für Weltoffenheit“, das im Februar 2016 ins Leben gerufen wurde, gehören die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Deutsche Bischofskonferenz, der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Deutsche Kulturrat, der Koordinationsrat der Muslime, der Deutsche Naturschutzring sowie der Deutsche Olympische Sportbund. Weitere Informationen unter www.allianz-fuer-weltoffenheit.de.

Abschluss der Tagung „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 13. November 2020 - 16:41

In Leipzig ist heute (13. November 2020) die Online-Tagung „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ zu Ende gegangen, an der knapp 400 Personen teilgenommen haben. Eingeladen hatte dazu die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Sächsischen Landesärztekammer.

Bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Tagung betonte Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen): „Wenn wir den geistigen und spirituellen Missbrauch thematisieren, nehmen wir keinen Deut von der Schwere der Schuld beim sexuellen Missbrauch. Dazu müssen wir stehen, es aufklären und künftig verhindern. Die geistliche Begleitung von Menschen ist zu wichtig für uns als Religionsgemeinschaft, als dass wir auf einen Reflexionsprozess warten können, der uns von außen angetragen wird.“ Es gehe nicht um den Schutz der Institution, denn: „Der Schutz der Würde des Einzelnen ist zu wichtig, als dass wir geistlichen Missbrauch im Raum unserer Kirche unreflektiert lassen könnten.“ Es brauche zuerst den Empathiewechsel als katholische Kirche und den Blick aus Sicht der Betroffenen. „Wenn wir zuerst fragen, welche Konsequenzen wir als Institution bekommen, verhindern wir den angemessenen Umgang mit Betroffenen“, so Bischof Timmerevers.

Dr. Katharina Anna Fuchs, Psychologin am Psychologischen Institut der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, ergänzte, dass geistiger Missbrauch eine unterschätzte Gefahr mit gravierenden Folgen für die körperliche, psychische und seelische Gesundheit der Betroffenen sei, der neben dem Glauben auch die Beziehung zu Gott erschüttern oder gar zerstören könne. Für die Kirche gelte es nun, die Augen nicht vor geistlichem Missbrauch zu verschließen, sondern den Betroffenen ein offenes Ohr und Glauben zu schenken. „Präventionsmaßnahmen und konkrete Hilfsangebote sollten sich an den Bedürfnissen Betroffener orientieren. Dafür ist interdisziplinäre Zusammenarbeit nötig, bei der auch kirchenexterne Experten einbezogen werden.“ Regelmäßige Schulungen bilden dabei die Grundlage für die Arbeit geistlicher Begleiterinnen und Begleiter. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sollten das transparente Handeln auf allen Ebenen leiten, so Dr. Fuchs.

Die Erfurter Kirchenrechtlerin Prof. Dr. Myriam Wijlens hob hervor, dass es eine Umkehr in der Haltung hin zum Schutz und zu der Würde des Menschen geben müsse. Bezogen auf staatliches Recht solle ein flexibler Entwicklungsprozess stattfinden und erweitert werden, wo erforderlich. Unter Prävention verstehe sie zu reflektieren, wie Menschen in der Kirche gut aufgehoben sein können. Außerdem müssten Faktoren identifiziert werden, die übergriffiges Verhalten implizieren bzw. diesem vorzubeugen. Prof. Wiljens schlug vor, eine Checkliste zur Überprüfung geistlicher Gemeinschaften zu schaffen und anhand dieser regelmäßige Visitationen in Gemeinschaften vorzunehmen. Sie merkte an, dass Menschen, die sich in Situationen befänden, in denen sie leicht verletzbar seien, besonderen Schutz erfahren müssten. Hierfür benötige es qualifizierte Ansprechpersonen, die auf Grundlage des bestehenden Rechts beraten und zur Aufarbeitung geistigen Missbrauchs beitragen. „Nun gilt es das, was im Dunkeln liegt, auch aufzudecken. Das bestehende Kirchenrecht ist dabei kein Allheilmittel.“ Prof. Wijlens forderte zur Überlegung heraus, welche weiteren Konsequenzen, auch in Bezug auf das Kirchenrecht, gezogen werden müssen.

Bischof Dr. Felix Genn (Münster), Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, dankte den Betroffenen für ihren Mut, auch gegen Widerstände, das Erlebte offenzulegen. Er wünsche sich, dass diese Berichte in den Blickpunkt gerückt werden. Denn geistliche Begleitung treffe die Wurzel kirchlichen Handelns. „Geistlicher Missbrauch ist eine Form des Machtmissbrauchs und hat gravierende Auswirkungen auf die emotionale und psychologische Befindlichkeit von Menschen und besitzt neben der individuellen auch eine systemische Komponente.“ Bischof Genn sagte zu, dass sich die Kommission intensiv mit den vielen auf der Tagung aufgeworfenen Fragen befassen und entsprechende Vorschläge für die Bischofskonferenz erarbeiten werde. Fragen nach gelingender geistlicher Begleitung und Leitung, Präventionsschulungen, der Einrichtung von Anlaufstellen für Betroffene, nach Qualifizierungsmaßnahmen für kirchliches Personal, gesunden und transparenten Strukturen in allen kirchlichen Einrichtungen und Gruppen müssten dabei geklärt werden. Es bleibe notwendig, „bei der Thematik interdisziplinär mit der Psychologie und Psychiatrie, der Rechtswissenschaft und den unterschiedlichen theologischen Disziplinen zusammenzuarbeiten, wie wir es auf dieser Tagung gewinnbringend und fruchtbar erlebt haben“, so Bischof Genn.

Bischof Timmerevers benannte außerdem konkrete Schritte, wie das Thema des geistigen Missbrauchs künftig im Bistum Dresden-Meißen aufgearbeitet werden solle: Dazu werde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Kriterien zur Definition geistlichen Missbrauchs und Verfahren im Umgang mit den Betroffenen entwickeln solle. Außerdem würden entsprechende Ansprechpersonen beauftragt und benannt. Bischof Timmerevers betonte, dass es ihm ein Anliegen sei, in der Deutschen Bischofskonferenz zu einem abgestimmten Umgehen mit der Thematik zu kommen: „Lassen Sie uns den Marathon gemeinsam begehen. Es wird eine weite Strecke zur Freiheit.“

Akademiedirektor Dr. Thomas Arnold sieht sich durch die Tagung ermutigt: „Die digitale Version einer so großen Tagung war für uns als Akademie eine Herausforderung. Aus meiner Sicht ist der Versuch geglückt und ermutigt, diesen Weg des Digitalen und Analogen fortzusetzen. Die Kirche befasst sich auch in der Pandemie mit für sie relevanten Themen. Ich bin demütig schweigend angesichts des Leids durch spirituellen Missbrauch, andererseits schreit das erlangte Wissen danach, sich innerhalb der Kirche ein neues Bewusstsein für charismatische Leitung, die Defizite existierender Machtstrukturen und deren teils spirituelle Überhöhung zu entwickeln. Die Akademien werden hierfür auch weiterhin ihren Beitrag leisten“, so Dr. Arnold.




Hinweis:
Die Statements von Bischof Timmerevers und Bischof Genn bei der Abschlusspressekonferenz sind untenstehend als pdf-Dateien verfügbar.

Welttag der Armen am 15. November 2020

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 13. November 2020 - 10:56

Den Welttag der Armen hat Papst Franziskus im Jahr 2016 zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit verkündet, um das Schicksal der Armen weltweit verstärkt ins Blickfeld zu rücken. Er ruft die Menschen dazu auf, sich selbst mit konkreten Beiträgen ihren Mitmenschen am Rande der Gesellschaft zuzuwenden und einen persönlichen Einsatz gegen Armut zu leisten. Der Welttag wird seit 2017 jährlich am Sonntag vor dem Christkönigsfest begangen. In diesem Jahr findet der Welttag der Armen am 15. November statt.

In einer gemeinsamen Erklärung betonen der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg) sowie der Vorsitzende der Kommission für caritative Fragen, Erzbischof Stephan Burger (Freiburg): „Als Christinnen und Christen in einem wohlhabenden Land sind wir aufgerufen, unsere Arme auch über die Grenzen auszustrecken. Medizinisch und wirtschaftlich ist die durch Corona verursachte Not in vielen Entwicklungsländern ungleich größer als in Deutschland. Häufig verhindern dort Ausgangssperren, dass die Menschen das Nötigste zum Leben verdienen. Viele haben weder ein festes Einkommen, noch erhalten sie Unterstützungsleistungen.“ Die katholischen Hilfswerke seien hier von großer Bedeutung: Gut vernetzt könnten sie in vielen Fällen direkt und wirkungsvoll helfen. Herzlich danken die Bischöfe allen, die dem Spendenaufruf der deutschen Bischöfe im September 2020 gefolgt seien. „Strecken wir den Armen unsere Hände entgegen! Jeder und jede nach den eigenen Möglichkeiten – in den Familien und im weiteren Lebensumfeld, in Gesellschaft, Staat und internationaler Gemeinschaft. So machen wir deutlich, dass es uns um die Würde aller geht und wir deshalb auf allen Verantwortungsebenen die Voraussetzungen für ein wahrhaft menschliches Miteinander schaffen wollen“, so die Bischöfe in ihrer Erklärung.

Papst Franziskus hat den Welttag der Armen in diesem Jahr unter das Leitwort „Streck dem Armen deine Hand entgegen“ gestellt. In seiner Botschaft zum Welttag erklärt er: „Den Blick auf den Armen gerichtet zu halten ist schwierig, aber notwendiger denn je, um unserem persönlichen und sozialen Leben die rechte Richtung zu verleihen. Es geht nicht darum, viele Worte zu machen, sondern vielmehr, von der göttlichen Liebe angetrieben, sein Leben konkret einzubringen. Jedes Jahr komme ich mit dem Welttag der Armen auf diese für das Leben der Kirche grundlegende Wirklichkeit zurück, da die Armen immer bei uns sind und sein werden (vgl. Joh 12,8), um uns zu helfen, die Gegenwart Christi im täglichen Leben zu erfassen.“


Hinweise:

Die gemeinsame Erklärung von Bischof Bode, Erzbischof Schick und Erzbischof Burger ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar. Die Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der Armen ist auf der Themenseite Welttag der Armen zu finden.

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 18. Mal den Katholischen Medienpreis

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 12. November 2020 - 15:02

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (12. November 2020) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) zum 18. Mal den Katholischen Medienpreis verliehen. Coronabedingt fand die Veranstaltung als Online-Konferenz statt. Ausgezeichnet wurden Amrai Coen und Malte Henk (Kategorie Printmedien) sowie Nanfu Wang und Jialing Zhang (Kategorie Elektronische Medien). Den Sonderpreis der Jury erhielt Veronika Wawatschek. Insgesamt wurden 185 Beiträge eingereicht und von einer Jury gesichtet.

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Jury des Katholischen Medienpreises, betonte in seiner Begrüßung, dass er in der gegenwärtigen Krise ein wieder erwachendes Interesse an rationaler, der Wahrheit verpflichteter, authentischer Information spüre. Mit Fake sei dieser Krise nicht beizukommen, sondern mit gründlicher und verantwortungsvoller Recherche mit Blick auf das, was Menschen diene. „Ich bezeuge Journalistinnen und Journalisten dafür meinen Respekt! Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung des Journalismus und der Medien für die Gesellschaft deutlich unterstrichen. Für die Vielfalt von klassischen oder digitalen Angeboten von Zeitungen und Magazinen, Hörfunk- und Fernsehsendern können wir in Deutschland dankbar sein. Sie sichert die Meinungsvielfalt und stärkt die gesellschaftliche Integration in Deutschland. Die heute ausgezeichneten Arbeiten leisten genau dies. Eine solche Qualität hat aber auch ihren Preis. Wir müssen deshalb gerade in dieser Zeit der Verunsicherung achtsam bleiben. Wir müssen die Rahmenbedingungen für die publizistischen Medienunternehmen so ausgestalten, dass sie leistungsfähig sind. Die Verlage, der private und der öffentlich-rechtliche Rundfunk müssen ihren jeweiligen Auftrag für die Gesellschaft auch zukünftig leisten können“, so Bischof Fürst.

In der Kategorie Elektronische Medien erhielten die chinesischen Filmemacherinnen Nanfu Wang und Jialing Zhang den Preis für ihren Fernsehbeitrag „Land der Einzelkinder“, gesendet in ARTE am 22. Oktober 2019.  Sie beschreiben in ihrem Film Chinas 36 Jahre lange Ein-Kind-Politik. Die Geburt ihres Sohnes veranlasst Wang zu ergründen, wie es während der Ein-Kind-Politik in ihrem Heimatland zuging. Ihre eigene Geburt fiel in diese Phase. Laudatorin Xifan Yang, ZEIT-Korrespondentin in China, verweist darauf, dass Nanfu Wang in ihrem Heimatdorf in Jiangxi ihren Familienangehörigen und den Menschen dort mit den nüchternen Fragen einer Journalistin begegnet – aber auch als Enkelin, Tochter, Schwester, als Spross aus der Gemeinschaft ihres Heimatdorfes. „Diese Insider-Perspektive verleiht den Interviews eine Intimität, die besonders ist, aber auch schwer auszuhalten: Wenn zum Beispiel Nanfu Wangs Tante erzählt, wie sie ihre neugeborene Tochter einst einer Menschenhändlerin übergeben hat. Die Menschenhändlerin war eine Cousine ihres Mannes. Oder die Hebamme im Dorf auf die 20 Zwangssterilisationen, die sie in den achtziger Jahren vorgenommen hat. Die Dorfbeamten transportierten die Frauen zu ihr wie Vieh.“ Laudatorin Yang würdigte den Beitrag als „eine bewegende und meisterhaft recherchierte Dokumentation verschütteter Traumata und unverheilter Wunden“.

In der Kategorie Printmedien wurden Amrai Coen und Malte Henk für den Beitrag „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem!“ ausgezeichnet, erschienen in DIE ZEIT am 22. August 2019. Die Autoren haben sich auf den Weg in den Jemen gemacht und nicht aufgegeben, als ihnen die Einreise verweigert wurde. Sie suchten nach anderen Möglichkeiten, um über die Menschen im Jemen zu berichten. In ihrer Laudatio würdigte Anna-Beeke Gretemeier, Chefredakteurin STERN, dass die Autoren sich von der Berichterstattung des Jemen-Konflikts nicht haben abschrecken lassen. Nicht von den fehlenden Genehmigungen, nicht von den Themen, nicht von den Gesprächspartnern. Detailliert zeichneten sie das Bild eines langjährigen Kriegsschauplatzes, in dem alle Seiten zu Wort kommen. „Ihr liefert uns eine Collage aus Oral History, einordnenden Recherchen und Handyscreenshots, die einen dabei sein lässt an diesem verlorenen Ort – und seid darüber hinaus in all euren Vorgehensweisen dem Leser gegenüber transparent und dadurch noch glaubwürdiger.“ Das unbedingte und unnachgiebige Dranbleiben, die gefundenen Möglichkeiten, von dem Leid im Jemen zu berichten, machten die Geschichte preiswürdig. „Ihr habt das Verständnis für die Menschen in einem vergessenen Krieg gestärkt, ihnen eine Stimme gegeben und die humanitäre Katastrophe dort offengelegt. Ihr lasst nicht nur Vertreter beider Kriegsparteien zu Wort kommen, sondern viele Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Krieg betroffen sind“, so Gretemeier. Damit gäben die Autoren Einblick in eine verschlossene Welt und tragen so dazu bei, dass die Menschen im Jemen nicht in Vergessenheit geraten. „Ihr habt ihm durch euren Artikel die Chance gegeben, dass seine Botschaft auch hier in Deutschland ankommt.“

Mit dem Sonderpreis der Jury wurde Veronika Wawatschek für ihren Beitrag „Kirche, was tust Du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende“, erschienen bei Bayern 2-Radio Revue am 3. Januar 2020, ausgezeichnet. „Die Autorin hat eine Chronik der Ereignisse im Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal von Anfang 2010 bis 2019/2020 erstellt.“ In seiner Laudatio betonte Wolfgang Küpper, ehemaliger Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, dass die Sendung Erinnerungsarbeit sei, ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. „Mit dem Skandalösen geht die Autorin offen, ehrlich und ungeschminkt um. Falsches Pathos oder gar überbordende Empörung, kombiniert mit Schuldzuweisungen an einzelne Personen, meidet sie. Die Fakten, die Schilderungen der Geschädigten sprechen für sich.“


Hintergrund

Der Katholische Medienpreis, der in der Kategorie Printmedien und Elektronische Medien mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Die Preisträger wurden von einer neunköpfigen Jury aus insgesamt 185 Einreichungen ausgewählt. Für die Kategorie Elektronische Medien wurden 102 Beiträge eingereicht, davon sind 40 Fernseh-, 36 Radio- und 26 Internetangebote. In der Kategorie Printmedien waren es 83 Beiträge.


Hinweise:

Die Begrüßung von Bischof Dr. Gebhard Fürst sowie die Laudationes von Xifan Yang und Anna-Beeke Gretemeier sind untenstehend als pdf-Dateien verfügbar.

Die Preisverleihung wird von katholisch.de übertragen, Sie können diese auch unter www.dbk.de verfolgen.

Die Besetzung der Jury, alle Jurybegründungen sowie weitere Informationen sind auf der Themenseite Katholischer Medienpreis zu finden. Dort finden Sie auch Fotos der Preisträger, die für die Berichterstattung und unter Nennung der Copyrightangaben kostenfrei verwendbar sind.

„GOD OR NOT? – Entscheidung im Priesterseminar“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 12. November 2020 - 9:49

Was passiert, wenn Medienschaffende in ein Priesterseminar einziehen? Dieser Frage geht die heute (12. November 2020) beginnende Webserie „GOD OR NOT?“ (Gott oder nicht?) nach. In zwölf Folgen erkunden Studienabgänger der Hochschule der Medien in Stuttgart (HdM) über sechs Monate hinweg filmisch das Priesterseminar St. Georgen in Frankfurt am Main. Sie begeben sich auf die Suche nach Gott und fragen, wieso man heute noch Priester werden will.

Bischof Dr. Felix Genn (Münster), Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz, würdigt das kreative Videoprojekt, das einen Einblick in das Leben in einem Priesterseminar gewähren wird: „Es freut mich, dass sich junge Medienschaffende von der Hochschule der Medien in Stuttgart darauf hinließen, in diese Welt einzutauchen! Ich wünsche dem Projekt Gottes Segen und allen Zuschauerinnen und Zuschauern gute Anregungen beim Ansehen der Beiträge.“

In der Webserie ist kein Thema tabu. „Alles kann gefragt werden, alles kann gesagt werden, und keiner von uns weiß heute, was dabei herauskommt. Wir sind überzeugt: Wer Christus nachfolgt, muss keine Angst vor der Öffentlichkeit haben“, erklärt Pfarrer Michael Maas das Projekt. Als Direktor des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz wirbt er für kirchliche Berufe.

Mit dem Projekt lässt sich die katholische Kirche auf eine Form der Öffentlichkeitsarbeit ein, die eher ungewöhnlich ist. „Der ganze Charme der Serie ist, dass ihr ein Kontrollverlust zugrunde liegt. Die Studienabgänger haben keinen inhaltlichen Auftrag. Sie filmen das, was sie interessiert, können ihre Fragen an diese für sie fremde Welt stellen. Das Ergebnis publiziert die katholische Kirche dann unzensiert auf ihren Kanälen“, erklärt Prof. Jørn Precht, Storytelling-Dozent von der HdM. Dass darin durchaus Spannung liegt, wird schnell klar. Denn die jungen Medienmacher haben mit der Kirche sonst gar nichts zu tun.

Eine von ihnen ist Sally Müller. Sie träumt davon, Moderatorin zu werden. Sie reist häufig in den Fernen Osten, der ihr näher ist als die Vorstellung, in ein Priesterseminar zu ziehen. Sie fragt gleich zu Anfang des Projektes: „Bin ich hier die einzige Frau?“ Ferdinand Stöckel sieht sich als Rebell, der seine Nächte auf Partys verbringt. Im Priesterseminar fragt er sich: „Fehlt mir selbst der Sinn im Leben?“ Florian Heidecker plant eine Karriere als Tontechniker. Kirchen kennt er nur als Ort, an dem Musik gespielt wird.

Sie treffen auf vier junge Männer, die sich für einen Eintritt in das Priesterseminar entschieden haben. Lukas Kämpflein ist nur wenige Tage vor dem Kamerateam ins Priesterseminar gezogen. Antonio Jagodin, Christian Jager und Julian Kenia leben dort schon länger. Alle vier haben sich bereit erklärt, sich jeder Frage der Medienmacher zu stellen. „Ich habe keine Ahnung, worauf ich mich da eingelassen habe. Aber dieses Gefühl kenne ich schon. Schließlich bin ich auch ins Priesterseminar eingezogen, und es wurde trotzdem gut“, sagt und ist gespannt, was in den kommenden sechs Monaten passiert.

Zu sehen ist die Webserie ab heute (12. November 2020) auf YouTube (www.god-or-not.de/youtube). Die ersten Folgen sind bei einem Dreh im Spätsommer 2020 entstanden. Sie erscheinen alle zwei Wochen. Das Besondere: Während die Folgen online gehen, dreht das Kamerateam – sobald es die Pandemie-Lage zulässt – weiter, sodass die Fragen und Perspektiven des Publikums in das Projekt einbezogen werden können.


Hinweise:

Mehr Informationen finden Sie unter:

„#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 11. November 2020 - 14:29

In einer – teilweise digitalen – Pressekonferenz haben heute (11. November 2020) in der Berliner Parochialkirche die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihre Kampagne gegen Antisemitismus für das Jahr 2021 vorgestellt. Die Plakat-Kampagne wendet sich insbesondere an die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen. Kernanliegen der Kampagne ist es, die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Christen in den Festen und im religiösen Leben aufzuzeigen, um gegen den zunehmenden Antisemitismus klar Stellung zu beziehen, der auch christliche Wurzeln hat.

Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, Vorsitzender der allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands, begrüßt die Kampagne, an deren Entstehen er selbst mitgewirkt hat: „Seit Jahrzehnten sind die Umfragen über Antisemitismus in Deutschland in der Prozentzahl ungefähr gleich, sie liegen immer zwischen 20 oder 25 Prozent. Ich selber könnte sagen, diesen 20 Prozent bin ich nicht begegnet, aber wir wissen: die Kirchen sind Teil dieser Gesellschaft, also wird es auch dort Antisemitismus geben, auch wenn ich in vielen Begegnungen mit Christinnen und Christen diese Erfahrung nicht gemacht habe. Und so finde ich es gut, dass es diese Plakatreihe gibt, die Christliches und Jüdisches einander gegenüberstellt. Man erkennt Gemeinsames, man erkennt auch Unterschiede. Es wurde in dieser Plakatreihe nicht alles weggeschliffen, was an Kanten und Unterschieden drin ist, sondern es bleibt stehen – dass wir uns für das interessieren, was den Anderen etwa zur gleichen Zeit bewegt.“

Dr. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, freut sich „ganz besonders über dieses Projekt. Denn es gibt immer noch einen weitverbreiteten Glauben in unserem Land, dass die Bekämpfung des Antisemitismus die Mehrheit der Bevölkerung nichts anginge. Zum einen, weil sie nicht betroffen sei, und zum anderen, weil es im Zweifelsfall jedenfalls nicht ihre Aufgabe sei, hiergegen aktiv zu werden. Deshalb ist es so wichtig, das Bewusstsein hierfür zu stärken.“

Die Kampagne startet im Januar 2021 bundesweit und ökumenisch. Kernstück werden Plakate für jeden Monat sein, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen und in den Gemeinden aufgehängt werden können. Ein QR-Code auf den Plakaten führt zu einer Website, auf der die Themen aufgearbeitet werden.

Entstanden aus einer Initiative der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat sich die Kampagne zu einem deutschlandweiten ökumenischen Projekt entwickelt, das von der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz aufgenommen wurde und unterstützt wird.

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, bekräftigt daher: „Diese theologische Einsicht hat politische Konsequenzen. Seit einigen Jahren nimmt der Antisemitismus in Deutschland wieder zu. Das darf uns nicht gleichgültig lassen. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Juden beleidigt oder angegriffen werden. Und wir dürfen nicht weghören, wenn über Judenwitze gelacht, wenn über eine angebliche jüdische Weltverschwörung schwadroniert oder wenn der Staat Israel dämonisiert wird. Papst Franziskus hat es auf die prägnante Formel gebracht: ,Ein Christ kann kein Antisemit sein!‘ Ich füge hinzu: Es ist die Pflicht von uns Christen, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.“

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, schließt sich dem an: „Gerade jetzt ist es so wichtig, dass wir Zeichen gegen den wieder neu anschwellenden Antisemitismus setzen. Und die Kampagne dient genau diesem Ziel in – glaub ich – hervorragender Weise. Es muss deutlich werden, dass Antisemitismus Sünde ist und allem widerspricht, wofür das Christentum steht.“


Hinweise:

Graphik und Gestaltung der Kampagne: Uwe Baumann.

Den Livestream der Pressekonferenz können Sie über den Youtube-Kanal der EKBO nachhören und -sehen: https://www.youtube.com/watch?v=99QL7cb-5oI.

Die Plakatmotive sind unterstehend als pdf-Dateien sowie auf www.ekd.de und www.erzbistumberlin.de verfügbar.

Die Statements von Bischof Neymeyr und Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm finden Sie unten als pdf-Dateien zum Herunterladen.

Bischof Bätzing wendet sich an die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 8. November 2020 - 10:11

„Die durch das Corona-Virus ausgelöste Krise führt in hohem Maße zu Verunsicherung, Zweifel und Ängsten. Es ist gut, dass wir in dieser Situation als Kirchen in Deutschland zusammenstehen und dass wir Beistand, Trost und Hoffnung schenken.“ Diese Auffassung hat heute (8. November 2020) der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, anlässlich der Eröffnung der siebten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertreten. In einem Grußwort per Videobotschaft an die online tagende Synode betonte Bischof Bätzing: „Gott ist bei uns, auch in Krisenzeiten. Wir bewegen uns auf gutem und verlässlichem Grund. Diese Gewissheit nimmt uns nicht alle Sorgen und Ängste. Aber sie macht freier, sich ihnen zu stellen und immer wieder neue Aufbrüche zu wagen. Das gilt für jeden Einzelnen. Das gilt in gleicher Weise aber auch für die Kirche bei ihrer Suche nach einer zeitgemäßen Verkündigung des Glaubens und nach Strukturen, die diesem Ziel dienen.“

Ausdrücklich würdigte Bischof Bätzing das ökumenische Engagement der vergangenen Jahre. „Ich erinnere gern an die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation, die wir in vielen Projekten und Initiativen auch miteinander gestaltet haben. Dank des großen Engagements unzähliger Christinnen und Christen in unserem Land, der Verantwortlichen auf beiden Seiten und nicht zuletzt dank des starken persönlichen Einsatzes Ihres Ratsvorsitzenden, Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und meines Vorgängers im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, haben wir gemeinsam ein Christusfest gefeiert, das innerhalb und außerhalb kirchlicher Kreise viel positive Resonanz erfahren hat“, so Bischof Bätzing.

Die Weitergabe des christlichen Glaubens stelle die Kirchen in Deutschland vor Herausforderungen. Die Frage, welche inhaltlichen und strukturellen Impulse nötig seien, damit auch die nächsten Generationen den christlichen Glauben als lebensfördernd erfahren und annehmen, zeige sich mit größter Dringlichkeit. Bischof Bätzing fügte hinzu: „Die Gemeinschaft im Glauben, die ökumenisch schon auf vielfache Weise sichtbar wird, zielt auf eine Einheit, die auch als Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft erfahrbar sein wird. Es ist gut, dass durch das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises ‚Gemeinsam am Tisch des Herrn‘ die Debatte über die noch offenen Fragen auf dem Weg dorthin neu angefacht wurde. Ich werde mich in der Bischofskonferenz und auch im Gespräch mit Rom dafür einsetzen, dass darüber ein intensiver Diskurs geführt wird und Ergebnisse der ökumenischen Dialoge gesichtet und rezipiert werden.“




Hinweis:
Das Grußwort von Bischof Bätzing ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen in der Corona-Pandemie

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 6. November 2020 - 11:26

Angesichts der aktuellen Debatte um die Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen gegen den SARS-CoV-2 gilt es nach Auffassung des Vorsitzenden der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Dazu erklärt Bischof Fürst:

„Trotz der gravierenden gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Belastungen durch die gegenwärtige Pandemie müssen bei der Suche und Erprobung geeigneter Impfstoffe die bisher gültigen strikten Qualitätsstandards aufrecht erhalten werden. Hierzu gehört selbstverständlich auch eine umfassende Aufklärung über Wirksamkeit und unerwünschte Wirkungen der einzelnen Impfstoffe. Niemand darf leichtfertig gefährdet werden.

Als Reaktion auf ein globales Ereignis muss auch eine Impfstrategie global ausgerichtet sein und den Zugang aller Menschen zu Corona-Impfungen anzielen. Das bedeutet, dass geeignete Impfstoffe auch weltweit zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen. Nationale Egoismen bei der Verteilung der Impfdosen sind hier ebenso kontraproduktiv wie Versuche der Hersteller, einen möglichst hohen Verkaufspreis durchzusetzen. Dies gilt umso mehr, als erhebliche öffentliche Mittel in die Entwicklung der Impfstoffe investiert worden sind.

Da die Impfstoffe anfänglich nur in begrenzter Zahl verfügbar sein werden, bedarf es ethisch gut begründeter Priorisierungskriterien für deren Verteilung. Im Wissen darum, dass wahrscheinlich unterschiedliche Impfstoffe auf den Markt kommen, deren Effektivität für unterschiedliche Personengruppen variiert, bedarf es einer Regelung, die sicherstellt, dass Personen mit stark erhöhtem Risikoprofil vorrangig geimpft werden. Auch Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Funktion besonders häufig mit infizierten Personen in Kontakt kommen (z. B. Gesundheitspersonal, Polizeikräfte etc.), sollten bei der Verteilung der anfänglich knappen Impfdosen privilegiert werden.

Auch wenn die Impfung grundsätzlich freiwillig sein sollte, kann kein Zweifel daran bestehen, dass wir uns als Christen für ein solidarisches Miteinander einsetzen, in dem sich jeder Einzelne seiner Verpflichtung für den Schutz besonders vulnerabler Personen bewusst sein sollte. Die Bereitschaft zur eigenen Impfung ist konkreter Ausdruck dieser Solidarität.

Da noch viele Fragen bezüglich Art und Dauer der durch eine Impfung erreichbaren Immunität zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen sind, dürfte davon auszugehen sein, dass die Impfung nur ein – wenn auch besonders wichtiger – Teil einer Gesamtstrategie zur Milderung der desaströsen Folgen der Corona-Pandemie darstellt, die von weiteren (sozial-)politischen und ökonomischen Hilfsmaßnahmen flankiert werden muss.“

Evangelische und katholische Kirche beziehen Position gegen Antisemitismus

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 6. November 2020 - 9:47

Mit einer Plakat-Kampagne wollen die evangelische und katholische Kirche im nächsten Jahr ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Sie wendet sich insbesondere an die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen. Kernanliegen der Kampagne ist es, die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Christen in den Festen und im religiösen Leben aufzuzeigen, um gegen den zunehmenden Antisemitismus klar Stellung zu beziehen, der auch christliche Wurzeln hat.

Vorgestellt wird die Kampagne in einer Pressekonferenz am 11. November 2020 um 12.00 Uhr in der Parochialkirche in Berlin (Klosterstraße 67, 10179 Berlin). Folgende Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:

  • Ulrike Trautwein, Berliner Generalsuperintendentin;
  • Dr. Andreas Nachama, Rabbiner;
  • Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus;
  • Volker Beck, Publizist.

Die Pressekonferenz wird live gestreamt unter www.ekd.de/beziehungsweise.

Die Kampagne startet im Januar 2021 bundesweit und ökumenisch. Kernstück werden Plakate für jeden Monat sein, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen und in den Gemeinden aufgehängt werden können. Ein QR-Code auf den Plakaten führt zu einer Website, auf der die Themen aufgearbeitet werden.

Entstanden aus einer Initiative der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat sich die Kampagne zu einem deutschlandweiten ökumenischen Projekt entwickelt, das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz aufgenommen wurde und unterstützt wird.


Hinweise:

Pressevertreter sind unter den gegebenen Abstands- und Hygienemaßnahmen herzlich zur Pressekonferenz eingeladen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu Einzelinterviews. Ebenso ist es möglich, Interviews per Telefon oder Video zu führen. Um Anmeldung wird gebeten unter presse(at)ekbo.de.

Jugendpastoral zukunftsfähig gestalten

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 5. November 2020 - 11:45

In einer zunehmend säkularen Gesellschaft erreicht Jugendastoral in Deutschland nach wie vor viele junge Menschen. Um zukunftsfähig zu werden, braucht es jedoch auch weiterhin einen aufmerksamen Blick auf die Zielgruppen und die Sicherstellung von Ressourcen für Jugendarbeit unter sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Das wurde beim Forum Jugendpastoral deutlich, zu dem die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz eingeladen hatte. Vom 3. bis 4. November 2020 trafen sich rund 150 Akteurinnen und Akteure der Jugendpastoral in einer digitalen Konferenz, um gemeinsam Ideen zur Weiterentwicklung von Jugendpastoral zu erarbeiten.

In seinem Eröffnungsvortrag berichtete Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau), Vorsitzender der Jugendkommission, von seinen Eindrücken der XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom, die im Oktober 2018 unter dem Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ stattfand. Diese habe herausgestellt, dass Kirche nicht nur für junge Menschen da sein sollte, sondern eine Kirche mit jungen Menschen sei. „Die Synode hat ein Bild von Kirche beschrieben, die zuhört, lernt und unterscheidet“, so Bischof Oster. Er appellierte an die Teilnehmenden: „Als Glaubensfamilie sind alle Christinnen und Christen aufgefordert, sich jungen Menschen zuzuwenden und sie als ihre Nächsten nicht nur wahr-, sondern auch ernst zu nehmen.“

Björn Szymanowski, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für angewandte Pastoralforschung Bochum (ZAP), betonte, dass Jugendpastoral sich mit Trends auseinandersetzen müsse, um zukunftsfähig zu bleiben. „Wir befinden uns mitten in Trendentwicklungen und müssen dieses Zukunftswissen ernst nehmen. Denn mit den Routinen von gestern kommt man morgen nicht mehr weiter“, so Szymanowski.

Prof. Dr. Katharina Karl (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) und Prof. Dr. Matthias Sellmann (ZAP) stellten unter dem Titel „Jugendpastoral in postchristlicher Gesellschaft: Geistliche Deutungen, die fitter machen“ Ansatzpunkte für eine zukunftsfähige Jugendpastoral vor. Es gelte, auf das Potenzial der Jüngeren zu schauen und von ihnen zu lernen, in welchen Kontexten Christsein sich heute bewähren müsse. Sie regten dazu an, Kirche nicht primär als Ort und Raum zu verstehen, sondern sie gemeinsam mit jungen Menschen als Weg und Stil zu entdecken. „Jugendpastoral bedeutet zu lernen, was los ist, zu fördern, was los wolle und zu lassen, was los gehe“, so Sellmann.

Bianka Mohr, Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), zeigte sich am Ende der Konferenz zuversichtlich: „In einer sich wandelnden Gesellschaft kann Jugendpastoral auch zukünftig Angebote machen, mit der sie Jugendliche erreicht.“ Dies liege vor allem auch an der Vielfalt der Angebote, beispielsweise in den Jugendkirchen, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, den Freiwilligendiensten, den Jugendverbänden, Ministrantengruppen und der Politischen Bildung. „Zu uns finden junge Katholikinnen und Katholiken ebenso wie Jugendliche, die wenige oder keine Anknüpfungspunkte zur Kirche und zum Glauben haben“, so Mohr weiter. „Somit sind und bleiben wir ein wichtiger Teil der Gesellschaft.“

Bischof Oster betonte: „Einmal mehr ist deutlich geworden, worauf wir uns auch in der Jugendpastoral in Deutschland verständigen können – wir evangelisieren durch die Qualität unserer Beziehungen. Beziehungen zu und Begegnungen mit jungen Menschen sind daher auch der Schlüssel einer zukunftsfähigen Jugendpastoral.“ Die Impulse der Tagung stellten eine wertvolle Grundlage für die nun anstehende Weiterentwicklung der Leitlinien zur Jugendpastoral aus dem Jahr 1990 dar, so Bischof Oster weiter.


Hintergrund

Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) ist als Fachstelle für Jugendfragen in die Arbeit der Jugendkommission und des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz eingebunden. Die Jugendkommission hat zur Aufgabe, aktuelle Entwicklungen in der Jugendpastoral zu beraten und große jugendpastorale Veranstaltungen zu begleiten.

Das Forum Jugendpastoral findet auf Einladung der Jugendkommission anlassbezogen statt. Dabei werden jeweils aktuelle und grundsätzliche Themen der Pastoral in Deutschland bearbeitet. Dieses Format der Reflexion, Weiterentwicklung und Vernetzung der Jugendpastoral wurde im April 2009 eingeführt. Das letzte Forum Jugendpastoral hat 2015 unter dem Thema „An Jesus Christus Maß nehmen“ stattgefunden. Alle Fachkräfte und Verantwortlichen der Jugendpastoral in Deutschland auf Diözesan- und Bundesebene waren eingeladen, am Forum teilzunehmen und bei der inhaltlichen Vorbereitung mitzuwirken.

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