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Abschluss des 20. Internationalen Bischofstreffens zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land

16. January 2020 - 12:54

Das 20. Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land ist heute (16. Januar 2020) zu Ende gegangen. Seit dem 11. Januar 2020 hat sich eine Delegation von 13 Bischöfen aus zehn europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen über die Situation der Christen in der Region sowie über den anhaltenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern informiert. „Ich bin dankbar, dass ich mit den Bischöfen aus verschiedenen Ländern gemeinsam den Menschen im Heiligen Land begegnen und die Realität ihrer Lebenssituation erfahren konnte“, erklärte Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, der die Deutsche Bischofskonferenz bei dem Treffen vertreten hat.

Schwerpunkte in diesem Jahr waren Gaza, Ramallah, Jerusalem und Betanien. Dabei hat die Bischofsgruppe eine Reihe von Konflikten im Heiligen Land diskutieren können. Sie befasste sich im Besonderen mit der humanitären Situation im Gazastreifen. „Ein Ort, wo jeder weg will, wo keiner sein will: das ist ein Ort, wo Kirche sein muss!“, sagte Weihbischof Bentz. In diesem Sinn arbeiten die Priester und Schwestern mit den verbliebenen Christen. „Einige der Familien konnte ich besuchen und an ihren Lebensschicksalen teilhaben. Dadurch wurde mir bewusst, wie sehr der Lebensalltag der Menschen durch die Quasi-Gefängnissituation im Gazastreifen belastet ist: Kontakte zu Familienangehörigen außerhalb Gazas werden verunmöglicht. Auch dieses Jahr wurden kaum Visa für die weihnachtlichen Besuche in Betlehem und der Westbank gewährt.“

Die Bischofsgruppe konnte in Gaza auch an einen früheren Besuch anknüpfen. „Ich freue mich über den Aufbau eines Zentrums für Berufsqualifizierung als Frucht unseres Besuchs im Jahr 2018. Wir trafen eine Gruppe der 46 Absolventen, denen diese Maßnahmen zu einem Arbeitsverhältnis verholfen haben. Beeindruckend war die Motivation und Hoffnung, die dabei erlebbar waren“, so Weihbischof Bentz.

Dennoch zeigten sich die Mitglieder der Delegation betroffen, in welchem Maße die unannehmbare Lage im Gazastreifen „Normalität“ geworden ist. „Die Abwärtsspirale dreht sich unverändert weiter, aber die Weltöffentlichkeit nimmt kaum mehr Kenntnis davon“, so Weihbischof Bentz. Er rief die israelische Regierung und die radikalislamistische Hamas, die in Gaza regiert, dazu auf, die humanitären Belange der Bevölkerung in den Vordergrund zu rücken.

In Jerusalem wurde der Delegation eine Studie zur Situation der Jugend in Ost-Jerusalem vorgestellt, die vom lokalen Netzwerk der katholischen Hilfsorganisationen (CCAO) initiiert worden war. Die Studie macht unter anderem sichtbar, dass sich die christliche Jugend von ihrer Kirche in ihrer Lebenswirklichkeit nicht ausreichend wahrgenommen fühlt. „Die Kirchen sollten gemeinsam mit den Jugendverbänden überlegen, was zu tun ist, um das Gehör der Jugend zu finden“, so die Bewertung von Weihbischof Bentz. Die Jugendlichen erwarten auch, in Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. „Das erleben sie nirgends, weder in der Politik, noch in der Kirche, noch in den eigenen Verbänden. Dabei könnten die Verbände einen Beitrag dazu leisten, die christliche Jugend demokratisch zu bilden.“

In Betanien, unweit Jerusalems im Westjordanland, haben die Bischöfe erneut die Comboni-Schwestern besucht, durch deren Konvent vor zehn Jahren die Trennungsmauer gezogen wurde. Weihbischof Bentz ist beeindruckt, „dass sich die Schwestern durch das Leid des Mauerbaus auf ihrem Grundstück einer neuen Mission gestellt haben: Sie haben sich entschieden, auf beiden Seiten präsent und tätig zu sein. Dadurch eröffnen sie den Menschen im Viertel einen Raum der Hoffnung“. Die Oberin der Gemeinschaft, Schwester Alicia Vacas, betonte: „Als Kirche sind wir bereit, mit allen zu arbeiten, die Brücken bauen wollen.“

Die Mauer trage dazu bei, so Vertreter der Organisation Ir Amin (Stadt der Völker), dass 76 Prozent der Menschen in Ost-Jerusalem unterhalb der Armutsgrenze leben. Sie kritisierten vor allem die Siedlungen, die sich beiderseits der Mauer wie ein Ring um Ost-Jerusalem legen. Die Organisation Ir Amin setzt sich für die Gleichberechtigung der beiden Völker in Jerusalem ein.

Die Siedlungspolitik Israels im Westjordanland schaffe weiterhin schleichend Fakten, die letztendlich eine Zweistaatenlösung mit einer gemeinsamen Hauptstadt Jerusalem immer unwahrscheinlicher machen, so die Einschätzung von Weihbischof Bentz. Dies gelte umso mehr angesichts der von israelischer Seite lancierten Annexionspläne. Er zeigte Verständnis für die israelischen Sicherheitsinteressen. Diese müssten jedoch in Übereinstimmung mit dem Recht des palästinensischen Volkes, friedlich und frei in einem souveränen Staat zu leben, verwirklicht werden. „Die Machtgebärde der Mauer ist letztlich ein Ausdruck der Hilflosigkeit“, so der Weihbischof, eine gute Zukunft für die beiden Völker könne daraus nicht erwachsen.

Die schwierigen Bedingungen des palästinensischen Staatsaufbaus waren Gegenstand der Gespräche mit dem stellvertretenden palästinensischen Premierminister, Ziad Abu-Amr, und dem langjährigen Regierungsmitglied Hanan Ashrawi, heute Präsidentenberaterin in Religionsangelegenheiten. Beide appellierten an die Europäische Union, sich stärker als bisher dafür einzusetzen, dass internationales Recht gewahrt und an der Zweistaatenlösung festgehalten werde. Diese Perspektive hat der Heilige Stuhl durch die Anerkennung des Staates Palästina nachdrücklich bestätigt.

An der Delegationsreise haben neben Weihbischof Dr. Udo Bentz folgende Bischöfe teilgenommen: Erzbischof Timothy Broglio (Militärseelsorge der Bischofskonferenz der USA); Bischof em. Pierre Bürcher (Rejkjavik, Skandinavische Bischofskonferenz); Bischof Rodolfo Cetoloni (Grosseto, Italienische Bischofskonferenz); Erzbischof Richard Gagnon (Winnipeg, Kanadische Bischofskonferenz); Weihbischof Nicholas Hudson (London, Bischofskonferenz von England und Wales); Weihbischof William Kenney CP (Birmingham, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Declan Lang (Clifton, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Alan McGuckian (Raphoe, Irische Bischofskonferenz); Bischof William Nolan (Galloway, Schottische Bischofskonferenz); Bischof Marc Stenger (Troyes, Französische Bischofskonferenz); Bischof Noel Treanor (Down and Connor, Irische Bischofskonferenz) und Erzbischof Joan Enric Vives Sicilia (Urgell, Spanische Bischofskonferenz). Darüber hinaus waren Repräsentanten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) an der Veranstaltung beteiligt.

Hintergrund
Das Internationale Bischofstreffen verfolgt das Ziel, Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften zu stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen zu festigen. Die Bischöfe besuchen während ihres Treffens als Pilger die Heiligen Stätten im Land und feiern dort Gottesdienste. So sollen auch die Gläubigen in ihren Heimatländern zu Pilgerreisen ermutigt werden.

Hinweis:
Die Abschlusserklärung des 20. Internationalen Bischofstreffens ist unten als pdf-Datei verfügbar.

Deutsche Bischofskonferenz begrüßt Entscheidung des Deutschen Bundestages zur Organspende

16. January 2020 - 12:02

Anlässlich der heutigen (16. Januar 2020) Debatte und Entscheidung im Deutschen Bundestag zum Thema Organspende erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Der Deutsche Bundestag hat heute mit einer deutlichen Mehrheit ein Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende beschlossen. Die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt nachdrücklich das mit dem Gesetz verfolgte Anliegen, in Deutschland die Zahl der Organspenden wirksam zu erhöhen.

Wir glauben, dass das heute beschlossene Gesetz geeignet ist, die erfreulich große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung praktikabel und nachhaltig in eine individuelle Bereitschaft zur Organspende zu überführen. Das Gesetz gewährt weiterhin eine möglichst große Entscheidungsfreiheit bei der Organspende und trifft dennoch Maßnahmen, die dazu führen, dass die Menschen sich verstärkt mit der Frage der Organspende befassen.

Zudem hält das Gesetz praktische Regelungen bereit, wie z. B. die Einführung eines Organspenderegisters, die die Abläufe und Strukturen bei der Organspende weiter verbessern werden. Die Verabschiedung dieses Gesetzes setzt ein wichtiges Zeichen für den Erhalt und Schutz grundlegender (medizin)ethischer und grundrechtlicher Prinzipien, auf denen das Wertefundament unserer Gesellschaft fußt. Wir begrüßen die Entscheidung des Deutschen Bundestages deshalb sehr.“

Ariadne Klingbeil folgt Wilfried Günther als Geschäftsführerin der MDG Medien-Dienstleistung GmbH

13. January 2020 - 11:13

Ariadne Klingbeil wird neue Geschäftsführerin der MDG Medien-Dienstleistung GmbH (MDG) mit Sitz in München. Sie folgt Wilfried Günther, der nach 26 Jahren bei der MDG, davon von 2005 bis 2019 mit der Geschäftsführung betraut, in den Ruhestand getreten ist.

Seit 2017 arbeitet Ariadne Klingbeil bei der MDG. Nach dem Studium der Rechts- und Medienwissenschaften und Philosophie in Berlin hat sie mehr als 20 Jahre Berufserfahrung im Bereich der Geschäftsführung und strategischen Unternehmensplanung gesammelt. Stationen waren die Axel Springer SE, das Direktmarketingunternehmen Werbung und Vertrieb sowie die V.V. Vertriebs-Vereinigung Berliner Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten GmbH & Co. KG. Außerdem war Ariadne Klingbeil 2003 Mitgründerin und Gesellschafterin der myphotobook GmbH, die zu einem der führenden europäischen Fotodienstleister geworden ist.

„Wir freuen uns sehr, dass wir Frau Klingbeil als Geschäftsführerin für die MDG gewinnen konnten. Die Digitalisierung stellt auch die Medien und die Kommunikation der Kirche vor große Herausforderungen. Aufgabe der MDG ist es, diese Prozesse zu begleiten und zu unterstützen und wir sind überzeugt, dass Frau Klingbeil hier neue Impulse setzen kann“, erklärt der Vorsitzende des Aufsichtsrats der MDG und Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart). „Zugleich möchte ich Herrn Günther meinen herzlichsten Dank aussprechen. Seine Einschätzungen und Empfehlungen waren nicht nur in den kirchlichen Gremien und Kommissionen geschätzt und wertvoll. Wir verlieren mit ihm eine Stimme, der besonders das geschriebene Wort in Buch, Zeitung und Zeitschrift am Herzen lag. Für seinen verdienten Ruhestand wünsche ich ihm alles Gute und Gottes reichen Segen“, so Bischof Fürst.

Hintergrund
Die MDG (Medien-Dienstleistung GmbH) ist eine Unternehmensberatung der katholischen Kirche mit Sitz in München und eine 100-prozentige Tochter des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD). Als Unternehmensberatung für Medien und Kommunikation gestaltet und begleitet die MDG seit ihrer Gründung 1975 Veränderungsprozesse. Sie berät kirchliche Unternehmen, Bistümer und deren Medien- und Kommunikationsabteilungen, kirchliche Organisationen und Institutionen sowie Verbände und Vereine.

Hinweis:
Ein Pressefoto der neuen Geschäftsführerin erhalten Sie mit einer Anfrage an die E-Mail pressestelle(at)dbk.de zur kostenfreien Verfügung.

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ zur aktuellen Lage in Nahost

9. January 2020 - 9:24

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim), erklärt zu den aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten:

„Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten geben Anlass zu größter Besorgnis. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich vertieft; die Eskalationsspirale droht in einen Krieg einzumünden. Sollte dieser nicht vermieden werden, so werden nicht nur unzählige Menschen darunter zu leiden haben, sondern die Länder der Region geraten noch tiefer als bislang schon in den Abwärtsstrudel aus Hass, gesellschaftlicher Zerrüttung, Gewalt, Terror und Verarmung. Ein Krieg zwischen den USA und dem Iran muss deshalb verhindert werden. Alle Kräfte der Diplomatie müssen aufgeboten werden, um ein weiteres großes Blutvergießen im geschundenen Nahen Osten zu vermeiden. Die beiden Streitparteien sind hier in erster Linie gefordert. Aber auch die anderen Akteure auf der Weltbühne – auch die Europäische Union – sind aufgerufen, zu tun, was immer getan werden kann, damit den Menschen nicht ein weiterer Krieg aufgebürdet wird.

Niemand sollte sich über den Charakter des iranischen Regimes täuschen: In seinem Bestreben, eine Vormachtstellung im Nahen Osten zu erringen und die Schiiten im konfessionellen Konflikt mit den Sunniten obsiegen zu lassen, überzieht der Iran die Länder der Region mit den Gewalttaten ihm nahestehender Gruppen und Milizen. Der Iran in seiner jetzigen Verfassung missachtet die Menschenrechte und ist ein Hindernis auf dem Weg zu einem gerechten Frieden auch in seinen Nachbarländern.

Die aktuelle Kriegsgefahr geht aber ebenso von den USA aus. Ihre Nahost-Politik wirkt seit Jahren konzeptionslos und unberechenbar. Auch trägt die Verachtung des derzeitigen Präsidenten gegenüber zwischenstaatlicher Kooperation und multilateralen Strukturen zur Zersetzung der internationalen Ordnung bei. Dies wirkt sich notwendigerweise auch auf die Möglichkeiten der Streitschlichtung und der Friedenssicherung aus. Nicht zufällig ist die neue Runde der Spannungen zwischen den USA und dem Iran durch den Austritt der USA aus dem von zahlreichen internationalen Mächten geschlossenen Abkommen zur Verhinderung beziehungsweise Verlangsamung des iranischen Nuklearprogramms eingeläutet worden.

Gerade in der jetzigen Situation bitte ich die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland um ihr leidenschaftliches Gebet für den Frieden. Pax et Bonum!“

Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz im Gespräch mit Zartbitter e. V.

9. January 2020 - 8:14

Die Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz hat sich zum Thema ‚Missbrauch in Familien‘ informieren lassen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Hilfe Familien zukommen kann, deren Kinder von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Dazu war die langjährige Leiterin von Zartbitter e. V. Köln, Ursula Enders, eingeladen. Zartbitter ist eine der ältesten Kontakt- und Informationsstellen gegen sexuellen Missbrauch in Deutschland.

Der Vorsitzende der Familienkommission, Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), unterstrich die Notwendigkeit einer gründlichen Information über die Situationen sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen im familiären Umfeld. Nur so könne die Präventionsarbeit in den Familien und die Betreuung der Betroffenen optimiert werden. „Dabei liegt es nahe, auf das jahrzehntelange Know-how des Vereins Zartbitter zurückzugreifen, mit dem auch die katholische Kirche immer wieder zusammenarbeitet.“

Ursula Enders betonte, dass seit den 80-er Jahren sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im familiären Umfeld verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt wird. Während zunächst Väter als potentielle Täter in den Blick genommen wurden, erweiterte sich das Täterbild bald auf Frauen als Täterinnen. Außerdem rückte die organisierte sexuelle Ausbeutung von Kindern, etwa für gewerbsmäßige Pornoproduktionen, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Außerdem wurde der organisierten digitalen sexuellen Ausbeutung im Internet mehr Beachtung gewidmet. Zunehmend spielt die sexualisierte Peergewalt eine Rolle, worunter sexuelle Handlungen durch Kinder und Jugendliche gleichen Alters verstanden werden. „In den Präventionsprogrammen von Kirche muss das Thema sexualisierter Übergriffe durch Kinder und Jugendliche stärker berücksichtigt werden“, hob Ursula Enders hervor.

Im engeren Kontext der Familie geht Missbrauch am häufigsten von Familienmitgliedern aus, die einen direkten Erziehungsauftrag haben und für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig sind, von Vätern, Müttern, Stief- oder Pflegevätern oder Lebensgefährten der Mütter, weniger häufig von Geschwistern, Onkel, Tanten und Großeltern und Freunden der Familie. Es existiert jedoch in Deutschland noch keine umfassende seriöse Forschung zu der Frage „Missbrauch in Familien“.

Erzbischof Schick beendet seine Reise nach Kamerun

8. January 2020 - 11:04

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), beendet heute (8. Januar 2020) seine einwöchige Solidaritätsreise (2. bis 8. Januar 2020) in die Republik Kamerun. Im Mittelpunkt der Reise stand der Austausch mit der Kamerunischen Bischofskonferenz über die aktuellen Herausforderungen der Kirche vor Ort. Außerdem informierte sich Erzbischof Schick umfassend über die jüngsten politischen und sozialen Entwicklungen in Kamerun.

„Das Land beeindruckt durch seine freundlichen, vielen jungen und aktiven Menschen. Bei den Christen gründet diese Haltung im tief verankerten Glauben. Im Angesicht der vielen Schwierigkeiten im Alltag bewundere ich den Lebensmut und die Zuversicht der Kameruner“, so Erzbischof Schick im Anschluss an einen sonntäglichen Gottesdienst in der Diözese Ebolowa. Nach vielen Begegnungen im Land und Gesprächen mit der Kamerunischen Bischofskonferenz sowie mit dem Apostolischen Nuntius in Kamerun, Erzbischof Julio Murat, zeigte sich Erzbischof Schick beeindruckt von einer katholischen Kirche, die sich für alle Kameruner in jeder Lebenslage einsetze: „Trotz der vielen politischen und sozialen Probleme versuchen die Christen in allen Regionen, den Menschen Zuversicht und Hoffnung zu spenden. Ihr Dienst an der Versöhnung und der Einheit in der multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft ist außergewöhnlich und bewundernswert.“

Besonders im Norden Kameruns erschütterten in der vergangenen Zeit immer wieder Anschläge der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram das friedliche Zusammenleben der Menschen. So hob Erzbischof Schick insbesondere den Mut und den Durchhaltewillen der vielen Priester und Ordensschwestern in den weit abgelegenen und oftmals vergessenen Regionen im Land hervor: „Die Kirche beweist auch dort, dass sie trotz der gefährlichen Lebensumstände immer bei den Menschen bleibt. Ihr Glaube an eine friedliche Koexistenz von Christentum und Islam bildet die Grundlage für eine gelingende Zukunft.“

Neben zahlreichen anderen Herausforderungen der Kirche im Land war insbesondere der seit 2016 anhaltende Konflikt zwischen dem englischsprachigen Südwesten und dem französischsprachigen Teil Kameruns Gegenstand der Gespräche. So hob Erzbischof Schick im Anschluss an das Treffen mit dem Deutschen Botschafter in Kamerun, Dr. Hans-Dieter Stell, den Willen der Kirche zur Vermittlung hervor: „Zur Lösung des Konfliktes ist noch die Überwindung vieler Hürden nötig, wobei der kamerunischen Zentralregierung eine besondere Verantwortung zukommt. Dabei will die Kirche mit all ihren Möglichkeiten mitwirken.“


Hintergrund

Die ehemals deutsche Kolonie Kamerun verzeichnet in den vergangenen Jahren einen steten politischen, sozialen und ökonomischen Wandel. Der Weg zu einem demokratischen und sozialen Rechtstaat gestaltet sich weiterhin als schwierig. Dies beweist auch der seit 2016 anhaltende Konflikt zwischen dem englischsprachigen Südwesten Kameruns und dem französischsprachigen Teil. Viele englischsprachige Kameruner fühlen sich seit Jahren von der frankophonen Zentralregierung benachteiligt. Kämpfe zwischen Polizei und Militär, die der Zentralregierung unterstehen, und Rebellen im anglophonen Landesteil haben viele Todesopfer gefordert und zu erheblichen Flüchtlingsströmen innerhalb Kameruns und in die angrenzenden Nachbarstaaten geführt. Trotz mehrerer Vermittlungsversuche – auch durch Vertreter der katholischen und der protestantischen Kirche in Kamerun – konnte der Konflikt bis heute nicht gelöst werden. Kamerun kämpft seit Jahren auch gegen den wachsenden Terror durch die islamistische Gruppe Boko Haram im Norden des Landes.

20. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land

7. January 2020 - 12:53

Das 20. Internationale Bischofstreffen im Heiligen Land findet vom 11. bis 15. Januar 2020 statt. 13 Bischöfe aus zehn europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen werden daran teilnehmen. Die Deutsche Bischofskonferenz wird durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz), vertreten.

Die jährlich stattfindenden Bischofstreffen haben das Ziel, die Verbundenheit der Weltkirche mit den Christen im Heiligen Land zum Ausdruck zu bringen und internationale Aufmerksamkeit für die Situation der Kirchen in der Region herzustellen. Darüber hinaus sollen Möglichkeiten der Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern erörtert werden.

Das diesjährige Treffen setzt den Fokus auf die Situation in Gaza, Ramallah, Jerusalem und Bethanien. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Bischofsgruppe während ihrer Konferenzen einer Reihe von Konfliktsituationen im Heiligen Land begegnet. Die Ergebnisse der Analysen wurden in die Öffentlichkeit und in den politischen Dialog mit den eigenen Regierungen eingebracht. Beim Treffen ab dem kommenden Wochenende soll geprüft werden, wie sich einzelne Orte und Dimensionen des israelisch-palästinensischen Konflikts seither entwickelt haben und wie die von Unrecht Betroffenen besser unterstützt werden können.

Die Bischöfe werden sich deshalb erneut mit der humanitären Situation im Gazastreifen, der prekären Lage von Palästinensern in der Jerusalemer Altstadt und dem Siedlungsbau im Westjordanland auseinandersetzen. Beim Besuch der Comboni-Schwestern in Bethanien sollen die konkreten Folgen der Grenzanlagen für das kirchliche Leben in der Region untersucht werden.

Des Weiteren werden vor Ort Herausforderungen von Bildung und Ausbildung thematisiert. Vor dem Hintergrund der steten Konfliktlage und Abwanderung von arabischen Christen aus dem Heiligen Land und dem zeitgleichen Zuzug katholischer Migranten vor allem aus dem asiatischen Raum nach Israel ist der Bildungssektor gefragt, den Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Gerade die Ordensgemeinschaften leisten hier seit vielen Jahrzehnten eine für den israelischen und palästinensischen Staat unverzichtbare Aufgabe und zwar vom Kindergarten an über höhere Schulen bis hin zu Berufsausbildung und Universität.

Das 20. Internationale Bischofstreffen beginnt in Gaza mit einem Besuch der dortigen katholischen Pfarrei und Gesprächen in christlichen Familien. In Jerusalem stehen Gespräche mit dem Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, sowie weiteren Kirchenvertretern und Jugendorganisationen auf dem Programm. In Ramallah sind eine Begegnung mit Präsident Mahmoud Abbas und der Besuch einer lateinischen Schule vorgesehen.

An der Konferenz werden neben Weihbischof Dr. Udo Bentz folgende Bischöfe teilnehmen: Erzbischof Timothy Brogio (Militärseelsorge der Bischofskonferenz der USA); Bischof em. Pierre Bürcher (Rejkjavik, Skandinavische Bischofskonferenz); Bischof Rodolfo Cetoloni (Grosseto, Italienische Bischofskonferenz); Erzbischof Richard Gagnon (Winnipeg, Kanadische Bischofskonferenz); Weihbischof Nicholas Hudson (London, Bischofskonferenz von England und Wales); Weihbischof William Kenney CP (Birmingham, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Declan Lang (Clifton, Bischofskonferenz von England und Wales); Bischof Alan McGuckian (Raphoe, Irische Bischofskonferenz); Bischof William Nolan (Galloway, Schottische Bischofskonferenz); Bischof Marc Stenger (Troyes, Französische Bischofskonferenz); Bischof Noel Treanor (Down and Connor, Irische Bischofskonferenz) und Erzbischof Joan Enric Vives Sicilia (Urgell, Spanische Bischofskonferenz). Darüber hinaus werden Repräsentanten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) vertreten sein.


Hintergrund

Das Internationale Bischofstreffen verfolgt das Ziel, Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften zu stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen zu festigen. Die Bischöfe besuchen während ihres Treffens als Pilger die Heiligen Stätten im Land und feiern dort Gottesdienste. So sollen auch die Gläubigen in ihren Heimatländern zu Pilgerreisen ermutigt werden.


Hinweis:

Während des Aufenthaltes steht Weihbischof Dr. Udo Bentz für Interviews zur Verfügung. Anfragen werden über die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle(at)dbk.de) koordiniert.

Kardinal Marx zum Jahreswechsel

31. December 2019 - 21:20

„Geht das neue Jahrzehnt mit Fantasie an“, ermutigte Kardinal Reinhard Marx zum Jahreswechsel die Gläubigen, „bringt neuen Schwung in eure Familien, Freundschaften und Beziehungen.“ Ein neues, ganzheitliches Denken forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising auch in Kirche und Gesellschaft. „Ich weiß, wie groß die Probleme des vergangenen Jahrzehnts waren, und sie werden künftig nicht kleiner werden“, sagte er in seiner Jahresschlusspredigt am gesteigen  Silvesterabend, Dienstag, 31. Dezember, im Münchner Liebfrauendom. DochChristen sollten ein Zeugnis der Hoffnung ablegen, „dass wir mit Gott trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen in die Zukunft gehen“. Dazu müsstenjedoch „alte Schablonen und Besitzstanddenken“beiseitegelassen werden: „Wenn die Kirche, wenn Europa und die ganze Welt im neuen Jahr einen Weg gehen wollen, dann nicht in einer Verteidigungshaltung, sondern in der Zuversicht, dass Gott uns neue Möglichkeiten erschließt – ohne Angst, ohne Enge, sondern mit großem Mut und mit großer Lust, Neues zu denken.“
 
Mit Jesu Wirken, so der Erzbischof in seiner Predigt, sei „ein völlig neuer Ton in Gesellschaft und Religion“ gekommen. Wenn Jesus Menschen geheilt und aufgerichtet, wenn er Sünden vergeben habe, habe erdamit viele Menschen verblüfft, viele aber auch verärgert. Christus selbst sei zornig über diejenigen gewesen, „die in verbohrten Vorurteilen sitzen, die die gewohnten Bahnen nicht verlassen und denen das Leid anderer gleichgültig ist, die ihre eigenen menschlichenTraditionen höher stellen als den Willen Gottes“, nahm der Kardinal Bezug auf die Heilung eines Kranken mit einer verdorrten Hand durch Jesus, über die im Markus-Evangelium berichtet wird. „Wir haben die Brücken der Tradition nicht abzubrechen, wir haben sie zu begehen an die anderen Ufer“, mahnte der Erzbischof an. „Denn Gott wirkt, wo Brücken gebaut werden, wo Vergebung passiert, wo Versöhnung geschieht, wo Geschwisterlichkeit entsteht“, unterstrich Marx. In diesem Sinne dürfe Fortschritt nicht nur nach ökonomischen Zahlen, nach Wachstumskriteriengemessen werden. Wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ immer wieder betone, habewirklicher Fortschritt „den ganzen Menschen im Blick, und alle Menschen, besonders auch die Armen, die Schwachen und diejenigen, die an Leib und Seele verwundet sind“. Dies habe die Kirche ins neue Jahrzehnt einzubringen.
 
Laut Kardinal Marx ist es „keine Formalie, wenn wir sagen: das 2019 und 2020 nach Christi Geburt. Nehmen wir dies nicht als selbstverständliche Floskel, denn unsere Kultur und unser Leben orientieren sich an diesem Jesus von Nazareth“. Christi Geburt habe eine Zeitenwende gebracht, er bleibe für die Menschen gegenwärtig. Jeder Jahreswechsel erinnere daran, dass diese Orientierung an Christus die Menschen darin leiten solle, wie sie ihr Leben, ihre Zeit, ihre Zukunft beurteilen. „Dazu müssen wir immer neu hinhören, was uns seine Stimme in der konkreten Zeitstunde zu sagen hat“, führte Marx aus. Die Begegnung mit Christus stärke die Menschen, entfessle die Möglichkeiten in jedem, in ihr könne man „Zuversicht tanken“. Dies zu verkünden, zu verkünden,dass Gott inmitten der Menschen konkret wirke, „dass das Reich Gottes da ist“, sei Aufgabe der Christen.

Quelle: Pressestelle Erzbistum München und Freising

Papst Franziskus zum Welttag des Friedens am 1. Januar 2020

27. December 2019 - 11:53

Anlässlich des 53. Welttags des Friedens am 1. Januar 2020 fordert Papst Franziskus weltweit verstärkte Friedensbemühungen. In seiner Botschaft beschreibt er den Frieden als Weg der Hoffnung. Frieden müsse in allen Dimensionen des Lebens – in Staat und Gesellschaft, Gemeinschaften und persönlichem Leben – gesucht werden. Dabei seien gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung, das Eintreten für eine sozial gerechte Welt und Bemühungen um die Bewahrung der Schöpfung aufs Engste miteinander verbunden. Eine Voraussetzung aller Anstrengungen bestehe darin, „an die Möglichkeit des Friedens zu glauben, zu glauben, dass der andere ebenso wie wir Frieden braucht“.

Die Botschaft zum Welttag des Friedens ist mit den Worten „Der Frieden als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“ überschrieben. Dabei geht er auf aktuelle Erfahrungen von Unsicherheit, Angst und Gewalt ein. Sie gründeten in gegenseitigem Misstrauen – und schienen dennoch mancherorts für politische Stabilität sorgen zu können. Stabilität aber, die auf Angst und Misstrauen gründet, erhöhe letztlich immer das „Risiko der Gewalt“. Dies gelte für die Beziehungen der Menschen untereinander, wenn sie vom „Verlangen nach Besitz“ und dem „Willen zu Vorherrschaft“ geleitet seien, ebenso wie für politische Beziehungen. Deshalb könne „auch die nukleare Abschreckung nur eine trügerische Sicherheit herstellen“.

Angesichts dieser Realitäten ist Frieden für Papst Franziskus „eine immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe, ein Weg, den wir gemeinsam gehen, indem wir auf das Gemeinwohl bedacht sind und uns dafür einsetzen, das gegebene Wort zu halten und das Recht zu achten“. Neid und Missgunst könnten überwunden werden. Unabdingbar sei es dafür, die Erinnerung an das Leid und die Verwundungen, die durch Gewalt und Krieg hervorgebracht wurden, zu bewahren, damit sie „als Frucht der Erfahrung für die gegenwärtigen und zukünftigen Friedensentscheidungen … die Richtung vorgeben möge“. Im gegenseitigen Hören auf die Erfahrungen des Anderen würden Ängste und Fremdheit schwinden. Friedensprozesse brauchten daher Zeit. Sie setzten auf die geduldige „Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, die das Gedächtnis an die Opfer ehrt“. Versöhnung und Vergebung seien mit der Erinnerung untrennbar verflochten. Der Weg gegenseitiger Achtung durchbreche die Spiralen einer von Rache getriebenen Gewalt. Der Frieden als Achtungsanspruch eines jeden erfordere jedoch eine Umkehr nicht nur im persönlichen und sozialen Leben, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich. Das System der Weltwirtschaft bedürfe einer Umgestaltung. „Es wird nie einen wahren Frieden geben, wenn wir nicht in der Lage sind, ein gerechteres Wirtschaftssystem aufzubauen“, so Papst Franziskus.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), unterstreicht die von Papst Franziskus in seiner Friedensbotschaft hervorgehobene Bedeutung des Gemeinwohls. „Immer wieder und so auch in seinem Wort zum jetzigen Weltfriedenstag fordert der Papst auf, Eigennutz und partikulare Interessen zu überwinden und stattdessen die Perspektive des globalen Gemeinwohls in den Blick zu nehmen und zu verwirklichen. Ohne Gemeinwohlorientierung ist dauerhafter Friede in unserer vernetzten Welt undenkbar! Und dazu gehört heute, angesichts der ökologischen Krisen und des Klimawandels, unabweisbar auch die Verantwortung für die Schöpfung. Indem wir uns dieser Aufgabe zuwenden, erweisen wir Christen auch Gott die Ehre, den wir im Glaubensbekenntnis als Schöpfer des Himmels und der Erde bekennen.“

Hinweis:

Die Botschaft von Papst Franziskus zum 53. Welttag des Friedens ist unter Papstbotschaften verfügbar.

Papst Franziskus: Botschaft und Segen „Urbi et Orbi“ zu Weihnachten 2019

25. December 2019 - 12:49

Liebe Brüder und Schwestern, frohe Weihnachten!
Aus dem Schoß der Mutter Kirche wurde in dieser Nacht erneut der menschgewordene Gottessohn geboren. Sein Name ist Jesus, das bedeutet „Gott rettet“. Der Vater, die ewige und unendliche Liebe, hat ihn in die Welt gesandt, nicht um sie zu verurteilen, sondern um sie zu erlösen (vgl. Joh 3,17). Der Vater hat ihn geschenkt, aus unermesslicher Barmherzigkeit heraus. Er hat ihn für alle geschenkt. Er hat ihn für immer geschenkt. Und er wurde geboren wie ein kleines Flämmchen, das im Dunkel und in der Kälte der Nacht angezündet worden ist.

Dieses Kind, von der Jungfrau Maria geboren, ist das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist. Es ist das Wort, das das Herz und die Schritte Abrahams auf das verheißene Land hingelenkt hat und das weiterhin diejenigen anzieht, die auf die Verheißungen Gottes vertrauen. Es ist das Wort, das die Juden auf ihrem Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit geleitet hat und das weiterhin die Unfreien aller Zeiten, auch der unseren, ruft, aus ihren Gefängnissen auszubrechen. Es ist das Wort, das heller als die Sonne strahlt und in einem kleinen Menschenkind Fleisch annimmt, in Jesus, dem Licht der Welt.

Deshalb ruft der Prophet: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht“ (Jes 9,1). Ja, in den Herzen der Menschen gibt es Finsternis, doch das Licht Christi ist heller. Es gibt die Finsternis innerhalb der persönlichen, familiären und sozialen Beziehungen, doch das Licht Christi ist heller. Es gibt die Finsternis bei den wirtschaftlichen, geopolitischen und ökologischen Konflikten, doch das Licht Christi ist heller.

Möge Christus das Licht für die vielen Kinder sein, die unter dem Krieg und den Konflikten im Nahen Osten und in verschiedenen Ländern der Erde leiden. Er richte das geschätzte syrische Volk auf, das immer noch kein Ende der Feindseligkeiten findet, die das Land in diesem Jahrzehnt zerrissen haben. Er sensibilisiere das Gewissen der Menschen guten Willens. Er rege die Regierungen und die internationale Gemeinschaft an, Lösungen zu finden, welche die Sicherheit und das friedliche Zusammenleben der Völker dieser Region garantieren und ihrem Leiden ein Ende setzen. Er stehe dem libanesischen Volk bei, dass es aus der aktuellen Krise herausfindet und seine Berufung wiederentdeckt, eine Freiheitsbotschaft und ein Modell harmonischen Zusammenlebens aller zu sein.

Der Herr Jesus möge ein Licht für das Heilige Land sein, wo er, der Erlöser der Menschen, geboren wurde und wo weiterhin viele mit Anspannung, aber ohne sich entmutigen zu lassen, Tage des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstandes erhoffen. Er tröste den Irak, der von gesellschaftlichen Spannungen durchzogen ist, und den Jemen, der durch eine schwere humanitäre Krise geprüft wird.
Das kleine Kind aus Betlehem gebe dem gesamten amerikanischen Kontinent Hoffnung, wo einige Nationen eine Periode gesellschaftlicher und politischer Unruhen durchleben. Es mache dem geschätzten venezolanischen Volk Mut, das seit langem von politischen und gesellschaftlichen Spannungen geprüft wird. Es möge ihm nicht die Hilfe, der es bedarf, vorenthalten. Es segne die Anstrengungen derer, die sich für Gerechtigkeit und Versöhnung einsetzen und für die Überwindung der verschiedenen Krisen und der vielen Formen der Armut, welche die Würde des Menschen verletzen.

Er, der Retter der Welt, möge ein Licht sein für die geschätzte Ukraine, die auf der Suche nach konkreten Lösungen für einen dauerhaften Frieden ist.
Der Herr, der geboren wurde, möge ein Licht für die Völker Afrikas sein, wo weiterhin gesellschaftliche und politische Situationen bestehen, welche die Menschen oft zur Emigration zwingen und sie so der Heimat und der Familie berauben. Er gebe der Bevölkerung der östlichen Regionen der Volksrepublik Kongo Frieden, die von andauernden Konflikten gequält wird. Er tröste alle, die unter Gewalt, Naturkatastrophen oder gesundheitlichen Notständen leiden. Er stehe denen bei, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, besonders die entführten Missionare und Gläubigen, wie auch die Menschen, die Angriffen radikaler Gruppierungen zum Opfer fallen, besonders in Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria.

Der Sohn Gottes, der vom Himmel auf die Erde gekommen ist, gebe denen Schutz und Geleit, die wegen diesem und anderem Unrecht in der Hoffnung auf ein sicheres Leben emigrieren müssen. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, Wüsten und Meere, die zu Friedhöfen werden, zu überqueren. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, unsagbare Misshandlungen, Knechtschaft jeder Art und Folter in den unmenschlichen Auffanglagern zu ertragen. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie abweist von Orten, wo sie eine Hoffnung auf ein würdiges Leben haben könnten und die sie auf Mauern der Gleichgültigkeit stoßen lässt.

Der Immanuel möge Licht für die gesamte verletzte Menschheit sein. Er möge unser oft verhärtetes und egoistisches Herz erweichen und uns zu Werkzeugen seiner Liebe machen. Er möge durch unsere armen Gesichter hindurch den Kindern auf der ganzen Welt sein Lächeln schenken: den verlassenen und denen, die Gewalt erlitten haben. Durch unsere schwachen Arme möge er die Armen bekleiden, die keine Kleidung besitzen, er möge den Hungrigen Brot schenken, er möge die Kranken pflegen. Er möge mit unserer unsteten Begleitung den alten und einsamen Menschen, den Migranten und den sozialen Außenseitern nahe sein. Er möge an diesem Festtag allen seine zärtliche Liebe schenken und die Finsternis dieser Welt erhellen.

Kardinal Marx zum Weihnachtsfest

24. December 2019 - 10:34

An Weihnachten das Kind von Bethlehem zu sehen, bedeutet laut Kardinal Reinhard Marx, auf die gesamte Menschheitsfamilie zu blicken: „Dieses Kind ist der Bruder aller Menschen. In seiner Menschwerdung nimmt Gott jeden Menschen in den Blick und in die Arme.“ Christ sein heiße, „an diesem Projekt Gottes zur Erlösung der Welt teilzunehmen“, sagt der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Manuskript in seiner Weihnachtspredigt an Heiligabend (Dienstag, 24. Dezember 2019) bei der Christmette im Münchner Liebfrauendom. Wer diese Botschaft ernst nehme, müsse sich für das Wohl der Menschen und der Umwelt einsetzen und „darf nicht mehr nur das eigene Ich, die eigene Nation sehen und die eigenen Interessen im Blick haben“.

Kardinal Marx verweist auf ein unruhiges Jahr 2019, in dem „Spannungen, Polarisierungen, Unsicherheiten und Ängste“ gewachsen seien. „Irgendwie spüren wir, dass eine alte Welt vergeht, aber das, was kommt, wird noch nicht wirklich sichtbar und löst deshalb Sorgen und Ängste aus“, so Kardinal Marx. Im Zentrum der Sorgen vieler Menschen stehe das Wohl des Planeten: „Die Demonstrationen gerade junger Menschen haben aufgerüttelt. Aber was tun? Wie geht es weiter?“

Als Gegenentwurf zu den Sorgen und Ängsten nimmt Kardinal Marx mit Optimismus Bezug auf die erste Mondlandung vor 50 Jahren. Diese habe den Blick auf die Hoffnungen und Erwartungen gelenkt, die in der Zukunft liegen: „Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte war es möglich, nicht nur auf dem Mond zu landen, sondern auch den blauen Planeten Erde von außen zu sehen und seine Einmaligkeit und Schönheit zu bestaunen.“ Diese Draufsicht habe gezeigt, wie kostbar und im Universum einzigartig die Erde sei. Dabei sei außerdem deutlich geworden, „dass wir alle eine Menschheitsfamilie sind, die zusammengehört, die ,das gemeinsame Haus der Erde bewohnt‘, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si‘ so sehr unterstrichen hat“, so Kardinal Marx.

Diese reflektierte Sicht müsse zu mehr Gemeinschaft und Dankbarkeit motivieren sowie „zum Einsatz für ein besseres Miteinander und für die Zukunft dieses Planeten“. An Weihnachten werde deutlich, dass der Blick auf Christus mit dem Blick auf die gesamte Menschheit gleichzusetzen sei, betont Kardinal Marx. Wenn alle Gläubigen sich auf den Weg dieses Kindes Jesus von Nazareth einließen, „wird die Welt insgesamt in eine Richtung bewegt, die auf das Heil aller Menschen und der ganzen Schöpfung ausgerichtet ist“. Christen müssten – nicht nur an Weihnachten – sagen: „Da wollen wir dabei sein.“

Quelle: Pressestelle Erzbistum München und Freising