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Updated: 2 hours 6 min ago

Erklärung zum Welttag der Armen am 17. November 2019

12. November 2019 - 11:12

Der Welttag der Armen, den Papst Franziskus für die Kirche erstmals 2017 ausgerufen hat, wird in diesem Jahr am Sonntag, 17. November 2019, begangen. Die Botschaft von Papst Franziskus steht unter dem Psalmwort: „Der Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren“ (Ps 9,19). Anlässlich des Welttags der Armen erklärt der Vorsitzende der Pastoralkommission und der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück):

„Papst Franziskus dankt in seiner Botschaft allen, die sich weltweit mit den Armen solidarisieren und für die Bekämpfung von Armut und ihrer Ursachen einsetzen. Als Vorsitzender der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft danke ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Frauen. Denn es sind vor allem Frauen, die sich bei uns in den verschiedenen Bereichen der Caritas und diakonischen Pastoral mit Menschen in Not solidarisieren. Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe des christlichen Glaubens, so der Papst, zeige sich in diesem persönlichen Engagement für die Armen im eigenen sozialen Umfeld. Armut hat viele Gesichter: die existenzielle Armut ist eine der schrecklichsten Formen. Aber auch Ausgrenzung von der gesellschaftlichen Teilhabe und Vereinsamung sind aktuelle Formen der Armut.

Ich möchte heute besonders an Altersarmutsrisiken von Frauen in unserem Land erinnern. Mehr als jede vierte alleinstehende Neurentnerin wird – wie neuere Untersuchungen zeigen – in den kommenden Jahren die staatliche Grundsicherung nötig haben. Alleinstehende Frauen haben ein rund viermal höheres Armutsrisiko als der Durchschnitt. Die Gründe sind vielfältig: Tätigkeit in typischen Frauenberufen beziehungsweise in geringer entlohnten Dienstleitungsberufen, Brüche in der Erwerbsbiografie, Teilzeitarbeit usw. Verstärkt wird das Armutsrisiko bei Frauen, die lange alleinerziehend waren, die kein Wohneigentum besitzen, bei Spätaussiedlerinnen, die in Deutschland keine entsprechende Anstellung fanden, und überhaupt bei Migrantinnen. Die Folgen von Altersarmut in Deutschland sind vor allem sozialer Natur. Die eigene kleine Rente und die Grundsicherung ermöglichen Wohnen, Essen und Kleidung. Aber für das Ausgehen mit Freunden, den Ausflug, die Mitgliedschaft in Vereinen, die Teilnahme an Bildungs- oder Freizeitveranstaltungen, den Besuch von Konzerten, Museen, Kinos oder gar einen Urlaub reicht das Geld nicht mehr. Die schwindende gesellschaftliche Teilhabe führt zur Vereinsamung mit all ihren Folgen für soziale Beziehungen, für die physische und psychische Gesundheit.

Innerhalb des Synodalen Weges bemühen wir uns in der Kirche in Deutschland aktuell darum, den Ausschluss beziehungsweise die unzureichende Teilhabe von Frauen an der Macht in der Kirche zu überwinden. Auch das ist eine Ungerechtigkeit, unter der viele Menschen, Frauen wie auch Männer, in der Kirche leiden. Der Welttag der Armen weitet unseren Blick für weitere Notsituationen, die ebenfalls nach Geschlechtergerechtigkeit rufen. Gerechtigkeit und so auch Geschlechtergerechtigkeit kann es immer nur für alle geben. Der Mentalitätswandel, den Papst Franziskus in seiner diesjährigen Botschaft fordert, ruft die Kirche in Deutschland dazu auf, aus geschlossenen Milieus auch der Gemeinden aufzubrechen und sowohl kreativ wie aktiv Armutsrisiken im eigenen Umfeld zu bekämpfen. Dazu gehören unter Berücksichtigung der besonders hohen Altersarmutsrisiken von Frauen hierzulande zum Beispiel:

  • die Überprüfung von Frauen- und Familienbildern, die Armutsrisiken befördern;
  •  politische Bemühungen um eine angemessene Würdigung von Sorgearbeit innerhalb und außerhalb der Familie;
  • die Förderung einer Kirchenentwicklung, in der vielfältige Lebensformen und damit auch Alleinstehende ihren Platz finden, und die die Solidarität untereinander stärkt;
  •  der Einsatz für bezahlbaren Wohnraum gerade für alleinstehende ältere Frauen in der örtlichen Gemeinde;
  • und die sensible Weiterentwicklung einer Seniorinnenpastoral und neuer Engagementformen für von Armut betroffene Frauen.

Dabei geht es um den Kern unseres Glaubens, wie Papst Franziskus schreibt: ‚Damit die Jünger des Herrn glaubwürdige Verkünder des Evangeliums sein können, ist es notwendig, dass sie konkrete Zeichen der Hoffnung aussäen. Ich bitte alle christlichen Gemeinschaften…, sich dafür einzusetzen, dass dieser Welttag in vielen den Wunsch nach einer tätigen Mithilfe stärke, damit es niemand an Nähe und Solidarität fehlt.‘“

Bischof Timmerevers spricht vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden

10. November 2019 - 11:00

Mit einem Appell, als ökumenisch verbundene Kirchen gemeinsam den „Schrei nach Gerechtigkeit und Frieden“ zu hören, hat Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) heute (10. November 2019) bei der sechsten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden gesprochen. Das Schwerpunktthema der Synode „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ treffe mitten ins Herz des christlichen Glaubens.

„Indem wir als Kirchen diesen Ruf vernehmen und ernstnehmen, stellen wir uns radikal auf die Seite der Ärmsten. Das Friedensengagement der Kirchen ist somit Ausdruck der vorrangigen Option für die Armen, die lebenspraktisch wirksam werden kann und muss“, sagte Bischof Timmerevers. „Eine Kirche, die so auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden ist, ist dann auch immer eine Kirche, die ihren Weg gemeinsam mit den betroffenen Menschen geht.“

Mit Blick auf die Lage in der katholischen Kirche erinnerte Bischof Timmerevers an die laufende Verpflichtung, Konsequenzen aus den Fällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige zu ziehen, deren Ausmaß bedrückend sei. Neben der Notwendigkeit der direkten Aufarbeitung und unmittelbarer Maßnahmen der Prävention arbeite man auch an strukturellen Defiziten, die Missbrauch zwar nicht verursachten, wohl aber begünstigten. „Dies hat die Deutsche Bischofskonferenz zum Anlass genommen, gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen Synodalen Weg zu beschließen, der auf der gemeinsamen Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses die Klärung von zentralen Problemfeldern anstrebt“, so Bischof Timmerevers. Er fügte hinzu: „Da sich die katholische Kirche in Deutschland mit ihren Schwestern und Brüdern in anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften eng verbunden weiß und damit in den Sitzungen der Synodalversammlungen und in der Arbeit der Synodalforen ihre verschiedenen Perspektiven auf die zu beratenden Themen- und Handlungsfelder zu Wort kommen können, sollen auch Beobachterinnen und Beobachter aus der Ökumene zum Synodalen Weg eingeladen werden.“

Bischof Timmerevers würdigte in seinem Grußwort im Namen der Deutschen Bischofskonferenz auch das gute ökumenische Miteinander, „das über viele Jahre gewachsen ist und uns im Reformationsjahr 2017 noch einmal einander näher gebracht hat“. Die evangelische Kirche bat er um das begleitende Gebet für den Synodalen Weg. „Wir stehen als Christen in unserem Land, in dem der Resonanzboden für den christlichen Glauben und wohl auch für den Glauben generell kleiner zu werden scheint, vor ähnlichen Herausforderungen, Menschen mit der Frohen Botschaft in Kontakt zu bringen. Dabei verstehen wir uns – gottlob – nicht als Konkurrenten. Im Gegenteil: Unser christliches Zeugnis ist umso stärker, je glaubwürdiger jeder einzelne Christ und jede einzelne Kirche und Gemeinschaft ist und je mehr es uns gelingt, auf dem weiteren ökumenischen Weg die bestehende Verbundenheit unter uns mit Leben zu füllen und sichtbar zu machen.“



Hinweis:

Das Grußwort von Bischof Timmerevers ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Logo des Synodalen Weges vorgestellt

8. November 2019 - 10:27

Das Logo für den Synodalen Weg haben heute (8. November 2019) Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK, vorgestellt. Die Wort-Bild-Marke soll den Synodalen Weg begleiten und ist das Markenzeichen des Prozesses.

„Der Wegweiser steht für Aufbruch, Erneuerung und Orientierung. Wir sind als Kirche gemeinsam unterwegs. Der Weg wird sicher nicht immer eben sein. Doch wir gehen ihn zusammen und das verbindet uns“, so Kardinal Marx. „Rund drei Wochen vor dem Beginn des Synodalen Weges nimmt dieser konkret Gestalt an. Der Wegweiser, der in seiner Grundform das Kreuz bildet, wird zum offenen Raum. So wollen auch wir uns gegenseitig Offenheit entgegenbringen und Raum geben, uns aber immer gewiss sein: Wir gehen den Synodalen Weg gemeinsam“, erklärt Prof. Dr. Sternberg.



Hinweise:

Das Logo des Synodalen Weges ist in verschiedenen Datei-Formaten (eps, jpg, pdf, png, psd, svg) und Farbgebungen (CMYK, Graustufen, schwarz-weiß, weiß) unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg verfügbar. Die Logobeschreibung sowie juristische Hinweise zur Logoverwendung finden Sie untenstehend als pdf-Datei sowie ebenfalls unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg. Das Logo ist urheber- und markenrechtlich geschützt.

Weitere Informationen zum Synodalen Weg finden Sie unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg sowie ab dem 1. Dezember 2019 unter www.synodalerweg.de.

Statement von Erzbischof Heße zur ersten Einreise von Flüchtlingen über das Pilotprogramm „Neustart im Team“

7. November 2019 - 16:26

Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen und Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), äußert sich heute (7. November 2019) zur ersten Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland über das Pilotprogramm „Neustart im Team“ (NesT):

„Die Kirche hat sich in den vergangenen Jahren stets für die Schaffung sicherer und legaler Zugangswege eingesetzt, damit Schutzsuchende nicht gezwungen sind, die lebensgefährlichen Fluchtrouten, beispielsweise über das Mittelmeer, auf sich zu nehmen. Durch das vom Bundesministerium des Innern ins Leben gerufene Programm ‚Neustart im Team‘ (NesT) können sich Kirche und Zivilgesellschaft nun auch aktiv daran beteiligen, Flüchtlingen eine sichere Einreise zu ermöglichen. Als Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder für dieses Pilotprojekt geworben, an dessen Gestaltung wir als Kirche auch beteiligt waren. Es freut mich sehr, dass dank des tatkräftigen Engagements des Erzbistums Köln und einer katholischen Kirchengemeinde heute die ersten Schutzsuchenden einreisen konnten. Die ehrenamtlich engagierten Gemeindemitglieder setzen um, wozu uns Papst Franziskus aufgerufen hat: ‚aufnehmen, schützen, fördern, integrieren‘. Ich wünsche den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingen Gottes reichen Segen und hoffe, dass weitere Christen durch dieses Beispiel ermutigt werden, sich an dem Programm zu beteiligen.“

Arbeitstreffen der Kommission Weltkirche mit dem vatikanischen „Außenminister“ Erzbischof Gallagher

5. November 2019 - 9:31

Zu einem Arbeitstreffen sind gestern (4. November 2019) der Sekretär der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls, Erzbischof Dr. Paul Gallagher, und die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn zusammengekommen. In der Begegnung wurden die aktuellen Schwerpunkte der vatikanischen Außenpolitik und Fragen der internationalen Arbeit der deutschen Bischöfe thematisiert. Die Situation im Nahen Osten und in China, die Krisen in Lateinamerika und die Förderung der Religionsfreiheit standen im Mittelpunkt des Gesprächs.

„Das weltkirchliche Engagement unserer Bischofskonferenz und auch der Hilfswerke wird nicht nur mit anderen Ortskirchen abgestimmt, sondern auch mit den verantwortlichen Stellen in Rom. Wir gehen auf gemeinsamen Wegen. So verwirklicht sich die Weltkirche, und so entwickeln wir unsere Stärke“, erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), zum Abschluss des Treffens. „Seit Jahrzehnten helfen die Ortskirchen in Deutschland der Kirche in aller Welt“, so Erzbischof Gallagher. „Diese Solidarität, die besonders den Armen gilt, ist geradezu ein Markenzeichen der deutschen Katholiken. Wir alle dürfen dafür dankbar sein.“

Fachtagung der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz

4. November 2019 - 14:42

Erstmals haben die Deutsche Bischofskonferenz und die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands eine gemeinsame Fachtagung zu aktuellen Fragen des theologischen Dialogs zwischen Kirche und Judentum durchgeführt, die heute (4. November 2019) in Berlin zu Ende gegangen ist. Das Symposium stand unter dem Leitwort „Zwischen Jerusalem und Rom“. Seit mehreren Jahren gibt es regelmäßige Gespräche zwischen Rabbinern und der katholischen Kirche.

Mit der Erklärung „Zwischen Jerusalem und Rom. Gedanken zu 50 Jahre Nostra aetate“ (2017) haben die führenden Vereinigungen orthodoxer Rabbiner in Europa und Nord-Amerika und das Israelische Oberrabbinat erstmals ihr Verhältnis zum Christentum und zur katholischen Kirche bestimmt. Ende 2015 hatte die Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum in ihrer Erklärung „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt (Röm 11,29). Reflexionen zu theologischen Fragestellungen in den katholisch-jüdischen Beziehungen aus Anlass des 50jährigen Jubiläums von Nostra aetate (Nr. 4)“ die Kernaussagen der Konzilserklärung Nostra aetate bekräftigt und weiterführende Überlegungen zum christlich-jüdischen Verhältnis vorgelegt. Damit ist mit den Worten von Papst Franziskus „ein fruchtbarer Moment im Dialog“ erreicht.

Mit der Fachtagung analysierten die katholischen Vertreter unter Leitung des Vorsitzenden der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), zusammen mit Rabbinern aus dem gesamten Bundesgebiet unter Vorsitz von Rabbiner Avichai Apel (Frankfurt am Main), die Hintergründe und Kernaussagen der Erklärungen.

Die Fachtagung sei ein wichtiger Beitrag zum jüdisch-katholischen Dialog, erklärte Bischof Neymeyr. „Es ist ein fruchtbarer Austausch über das Verständnis der Religion des anderen – und das kurz nach dem versuchten Überfall auf die Synagoge in Halle. Dieser war die Spitze eines Eisbergs, nicht nur des Judenhasses im Internet, sondern auch eines weit verbreiteten Antisemitismus in unserer Gesellschaft“, sagte Bischof Neymeyr. „Es ist bitternötig, die christlichen Wurzeln des Antijudaismus zu bekämpfen.“ Alle Katholiken müssten wissen, dass ihre Kirche die Juden als das Volk Gottes sehe, das mit Gott in einem ungekündigten Bund lebe. „Papst Johannes Paul II. hat die Juden bewusst als ‚unsere älteren Brüder‘ angesprochen.“

Rabbiner Apel betonte, dass gerade in schwierigen Zeiten, in denen das gegenseitige Vertrauen auf eine harte Probe gestellt wird, das Bemühen um den Dialog und das gegenseitige Verständnis verstärkt werden muss. „Das Zusammenkommen von Bischöfen und Rabbinern  soll das friedliche Miteinander im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in Vereinen fördern.“

Prof. Dr. Barbara Schmitz (Universität Würzburg, Lehrstuhl für Altes Testament) betonte, dass der Anschlag von Halle in erschreckender Weise vor Augen geführt habe, „wie fragil und zerbrechlich die politischen und zivilgesellschaftlichen Anstrengungen in unserem Land, im Land der Täter und im Land der Shoah, sind. Es reicht aber nicht hier nur auf politisches und zivilgesellschaftliches Engagement zu verweisen, sondern es muss für uns als Kirche auch um die theologische Aufarbeitung struktureller und auch institutionell gebundener antijüdischer Stereotypen und ihrer Wirkmacht in der kirchlichen Gegenwart von heute gehen.“

P. Dr. Christian Rutishauser SJ (Zürich, Provinzial der Schweizer Jesuiten) würdigte das Dokument der Päpstlichen Kommission für die Beziehungen zum Judentum als ersten Text seit dem Konzil, das sich ganz systematisch theologischen Fragen widmet. „Hier werden 50 Jahre von vertieftem Dialog deutlich, von verlässlichen Partnern und Freunden, die auch Irritationen im Dialog fruchtbar machen können.“ Die zentrale Frage sei, wie die Glaubensüberzeugung vom „ungekündigten Bund“ Gottes mit Israel mit dem Glauben an Jesus als Mittler des Heils für alle Menschen zusammengehen könne. „Es geht nicht um eine Judenmission durch Christen. Natürlich müssen Christen überall ihren Glauben bezeugen. Wir brauchen einen Dialog, aber keine Mission“, so P. Rutishauser.

Übereinstimmende Auffassung der Teilnehmer der Fachtagung war, dass die beiden Erklärungen einer weiteren vertieften Debatte, auch im Vatikan, bedürfen. Dazu gehören die Frage nach dem Missionsbegriff und die Überlegung, wie ein weiterer Dialog aussehen kann. Insbesondere mahnten die Teilnehmer eine konstruktive und intensive Erinnerungskultur und eine Verwurzelung des jüdisch-katholischen Dialogs in Pfarrgemeinden, Bildungseinrichtungen und der theologischen Ausbildung für angehende Priester und Rabbiner an.

Bereits gestern Abend hatte es im Rahmen der Fachtagung eine öffentliche Podiumsveranstaltung gegeben, in der aktuelle Fragen des wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa beleuchtet wurden.

Logo des Synodalen Weges wird vorgestellt

4. November 2019 - 10:24

Gut drei Wochen vor Beginn des Synodalen Weges in Deutschland wird das Logo für den Synodalen Weg vorgestellt. Die Wort-Bild-Marke soll den Synodalen Weg begleiten. Sie ist das Markenzeichen des Prozesses.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind eingeladen zu einem Fototermin, bei dem das Logo vom designierten Präsidium des Synodalen Weges vorgestellt wird: Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof Dr. Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sowie Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, am

Freitag, 8. November 2019, 13.00 Uhr,
im Foyer des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz,
Kaiserstraße 161, 53113 Bonn.


Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine formlose Anmeldung an  pressestelle(at)dbk.de.

Politik und Religion diskutierten über wachsenden Antisemitismus in Europa

4. November 2019 - 9:02

Ein stärkeres gesellschaftliches Engagement und einen besseren Zusammenhalt der Gesellschaft hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, anlässlich des wiedererstarkenden Antisemitismus in Deutschland und Europa gefordert. Das sei eine gemeinsame Sorge von Christen und Juden, die „sich niemals mehr voneinander trennen werden“, so Kardinal Marx auf einem Podium in Berlin gestern Abend (3. November 2019). Bei der von der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands durchgeführten Veranstaltung fragte der Kardinal, wie künftig eine offene Gesellschaft aussehen könne. „Ich bin in großer Sorge, weil ich unsere Gesellschaft erlebe, in der es immer mehr ‚closed shops‘, Blogs und Ideologien von Menschen gibt, die sich nicht belehren lassen, die sich in Verschwörungstheorien ergehen und rasch einen Resonanzboden für dumpfe Parolen des Antisemitismus finden.“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erläuterte, dass die Ereignisse von Halle in den vergangenen Wochen an der jüdischen Gemeinschaft gezehrt und zu Verunsicherung geführt hätten. Hier sieht er auch künftig eine hohe Verantwortung bei den  Sicherheitsbehörden. In Deutschland sei es möglich geworden, Dinge – vor allem antisemitischer Natur – auszusprechen, was es vor einigen Jahren so noch nicht gegeben hätte. „Das ist ein Verschieben von roten Linien“, so Schuster. Die vielen Solidaritätsbekundungen seien ein hoffnungsvolles Zeichen gewesen. „Was wir brauchen, ist sehr kostengünstig zu haben: Wir brauchen Zivilcourage eines jeden Einzelnen. Zivilcourage kann unser Land verändern. Dann wäre eine Menge erreicht.“

Zur Zivilcourage gehört nach Auffassung von Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Beiratsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, vor allem Bildung auf allen Ebenen. „Die Möglichkeit für geistige Brandstifter beim Antisemitismus hat Formen angenommen, die niemand für möglich gehalten hätte. Deshalb muss ein Konsens der gesellschaftlichen und politischen Mitte gestärkt werden, eine Mitte, die sich auf Demokratie und Werte verständigt“, so Soussan. Weil Antisemitismus die „Qualität“ habe, immer und überall und zu jeder Zeit zu funktionieren, sei es Aufgabe der Erzieher in den Bildungsbereichen hier zu antworten: „Es darf keine Bagatellisierung von Antisemitismus in den Schulen geben. Deshalb brauchen wir ein Miteinander, das Begegnung möglich macht, das Kennenlernen der jeweils anderen Religion“, forderte Soussan.

Diesen Aspekt griff der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet auf: Es sei Empathie gefragt, um Kinder und Jugendliche zu erreichen, auch um ihnen Erinnerungskultur zu vermitteln. Er erinnerte an den Jugendaustausch der Bundesländer mit Yad Vashem in Jerusalem und eine Reise mit muslimischen Jugendlichen nach Auschwitz. „Gerade dann, wenn die Barbarei sich Bahn bricht, müssen wir junge Menschen gewinnen, die dagegen aufstehen. Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Laschet. Gleichzeitig warb er für ein Reden über Religion: „Religion muss im öffentlichen Raum stattfinden, sonst wird es bald eine radikale Säkularisierung geben. Wenn wir nicht mehr über Religion reden – und zwar vom Kindergarten an –, dann wird man künftig religiöse Symbole nicht mehr verstehen und das Reden über Religion noch schwieriger.“ Der Antisemitismus, so Ministerpräsident Laschet, sei seit 1945 nie ganz verschwunden. „Er war immer da, er hat sich nur unterschiedlich artikuliert. Deshalb muss der Kampf gegen den Antisemitismus – überall in Europa – in jeder Generation bei Null beginnen.“

Diese Forderung bekräftige die Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission, Katharina von Schnurbein: „Jede Generation sei verpflichtet, ja wir alle müssen aufstehen, um jeder antisemitischen Hassrede zu widersprechen. Die hochkomplexe Situation in Europa macht es notwendig, sich auf gemeinsame Standards – auch in der Definition von Antisemitismus – zu verständigen.“

Kardinal Marx betonte den religiösen Aspekt, mit dem Antisemitismus häufig argumentiere. „Da müssen wir uns als Christen kritisch fragen: Dürfen wir das zulassen? Durch das Zweite Vatikanische Konzil ist mit der Erklärung Nostra aetate viel erreicht worden. Manchmal bin ich aber überrascht, wie viel Unwissen es in unseren eigenen Reihen beim Thema des Verhältnisses zu den anderen Religionen gibt.“ In der Diskussion betonte Kardinal Marx, ob nicht Aspekte des theologischen Verständnisses zwischen Christen und Juden stärker in die Priester- und Rabbinerausbildung integriert werden müssten. „Vielleicht ist jetzt die Zeit da, wo man sich in der Ausbildung austauscht und besucht, um einander kennenzulernen. Antisemitismus ist ein Angriff auf uns alle! Christen und Juden werden sich niemals mehr voneinander trennen. Auch das muss in unseren Ausbildungsstätten deutlich werden. Wir brauchen Begegnung und Sensibilität auf diesem Feld“, so Kardinal Marx. Er erinnerte an die jüdisch-christliche Tradition: „Wir können nicht Christen ohne die Juden sein. Und ohne die jüdische Tradition des Alten Testamentes könnten wir Jesus nicht begreifen. Das ist eine Selbstverständlichkeit unseres eigenen Glaubens, die bei einigen offensichtlich noch nicht angekommen ist. Wir, Juden und Christen, sind aneinander gebunden. Wir waren oft nicht gut aneinander gebunden. Die Geschichte muss jetzt weitergehen: Wir sind freundschaftlich und uns gegenseitig bereichernd verbunden. Das sollte bis in die Pfarreien hinein deutlich werden“, so Kardinal Marx.

An der Veranstaltung in der Katholischen Akademie Berlin nahmen mehr als 300 Gäste teil. Das ursprüngliche Thema „Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden“ orientierte sich aufgrund der aktuellen Ereignisse stärker an der Frage des Antisemitismus in Deutschland. Das Podium war die erste gemeinsame Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz.

Kardinal Marx predigt am Reformationstag der evangelischen Kirche

1. November 2019 - 7:17

Anlässlich des Reformationstages der evangelischen Kirche hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gestern (31. Oktober 2019) bei einem Abendgottesdienst im Berliner Dom vor einem Verschwinden der Religion in der Öffentlichkeit gewarnt. „Einige waren in früheren Jahren der Auffassung: Je stärker die Modernisierung der Gesellschaft voranschreitet, desto weniger ist die Religion präsent. Das sei so, als wenn die Religion wie der Schnee in der Sonne durch die Aufklärung verschwinde. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade heute wird die Religion neu sichtbar“, sagte Kardinal Marx in seiner Predigt, die er auf Einladung der evangelischen Domgemeinde hielt.

„Was wir vor einigen Jahrzehnten nicht erwartet hätten, zeigt sich heute in der Säkularisierung, in einem neuen Fundamentalismus, in einer politischen Instrumentalisierung der Religionen, die wir weltweit feststellen, auch in den Gefilden des Christentums. Das muss uns aufrütteln, um den wahren Sinn von Religion zu erklären“, betonte Kardinal Marx. Ins Zentrum rücke die Frage, wie das christliche Bekenntnis in dieser Gesellschaft präsent sein und die Frage nach Gott gestellt werden könne. „Es geht nicht um die Frage nach der Kirche, sondern primär um die Frage nach Gott. Papst Benedikt XVI. hat oft daran erinnert, dass die Rede von Gott stets etwas Neues ist. In diesen Zeiten sind wir herausgefordert, neu von Gott zu sprechen.“

Kardinal Marx erinnerte an die grundlegende Erfahrung des Monotheismus: „Gott ist kein Teil der Welt, er ist der Schöpfer der Welt. Gott ist ganz anders. Das muss neu in unser Bewusstsein rücken. Die Forderung des Alten Testamentes, den Namen Gottes nicht zu missbrauchen, ist auch heute aktuell angesichts eines neuen Fundamentalismus, der versucht, Religion zu politischen Zwecken zu missbrauchen. Wie oft ist die Versuchung da, sich Gott so zurechtzulegen wie wir es wollen, ganz nach unseren Interessen und unseren Ideologien“, fragte Kardinal Marx.

Der Reformationstag lade dazu ein, sich zu erinnern, was Martin Luther bewegt habe. „Der Gedanke Luthers war, dass Gott uns – auch heute – sagt: Ich gehe für Dich, Mensch, ins Nichts, für Dich gehe ich in den Tod. Dann kann der Mensch erhoben werden, aus reiner Gnade, dann wird die Hoffnung des Menschen begründet, die nicht im menschlichem Bemühen steckt, sondern allein im Handeln Gottes in dieser Welt“, so Kardinal Marx. „Gerade die Lehre von der Rechtfertigung, vom barmherzigen Gott, müssen wir neu aufleuchten lassen, damit wir uns wehren gegen eine Religion, die Instrument wird für andere Interessen, wenn von einem Gott gesprochen wird, der belanglos ist oder politisch vereinnahmt wird.“

Die Christen, so Kardinal Marx, müssten ihr Zeugnis des Glaubens ökumenisch einbringen, gemeinsam von Gott sprechen, „neugierig bleiben, ehrfürchtig und staunend Gott erkennen, aber nicht so von Gott reden, als hätten wir ihn als Besitz für uns allein“. Das komme in der ökumenischen Bewegung manchmal zu kurz, wenn man meine, Texte seien das einzige. „Ja, die Lehre ist wichtig, aber dazu gehören auch die Praxis des Glaubens und der Gottesdienst. Gleichgewichtig gehören diese drei Elemente zusammen“, betonte Kardinal Marx. „Nach 2017 sind wir enger zusammen gerückt. Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott ist unsere gemeinsame Aufgabe und der Weg als Christen. Darum ist die Gottesfrage zentral für uns und damit verbunden die Frage, ob wir miteinander das größte aller menschlichen Worte – Gott – lernen, neu durchzubuchstabieren.“

Deutsche Bischofskonferenz zum Film von Christoph Röhl „Verteidiger des Glaubens“

31. October 2019 - 13:30

Zum Film des Regisseurs Christoph Röhl, „Verteidiger des Glaubens“ über Kardinal Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI., erklärt der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp:

„Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt jeglichen konstruktiven Beitrag zur Aufdeckung von sexualisierter Gewalt, ihrer Ursachen und des Umfeldes, durch den Menschen so lange leiden mussten. Gerade auch der Kirche fernstehende Journalisten haben hier ganz wichtige Beiträge geleistet. Leider können wir im Film von Christoph Röhl, ‚Verteidiger des Glaubens‘, mit Bezug auf die Person Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. diesen konstruktiven Beitrag nicht sehen.

Der Film zeichnet insgesamt ein stark verzerrtes Bild von Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Tenor ist: Es ging ihm immer nur um die Reinheit der Kirche und des Priestertums, nie um die Opfer. Das ist eine eigenwillige und fehlerhafte Interpretation.

Die Theologie Joseph Ratzingers ist nicht charakterisiert durch einseitige Realitäts-Fremdheit und die Konzentration auf ein weltfremd Schönes. Kenner seiner Theologie sehen hier eine Verkürzung, die dem anerkannten Theologen nicht gerecht wird. In der Theologie eine der Ursachen für Missbrauch bzw. Vertuschung sehen zu wollen, geht an der Sache vorbei.

Über Jahrzehnte war Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. eine treibende Kraft gegen Missbrauch:

  • bei der kirchlichen Definition der ‚besonders schwerwiegenden Verbrechen‘ und damit der kirchenrechtlichen Definition des Verbrechens Missbrauch;
  • bei der Schaffung einer speziellen Strafkammer in der Kongregation für die Glaubenslehre und damit beim Aufbau der Strukturen;
  • bei der strafweisen Entfernung von mehr als 380 Priestern, die Täter waren, aus dem Klerikerstand.

Diese Aspekte werden im Film nicht angemessen gewürdigt.

Vor allem war es Benedikt XVI., der sich als erster Papst überhaupt auf mehreren Reisen mit Opfern sexuellen Missbrauchs traf, insbesondere im September 2011 in Erfurt. Dieser Umstand wird verschwiegen, was den Film unseriös macht. Es ist bedauerlich, dass die Chance zu einem historisch-kritischen Porträt über Papst Benedikt XVI., das ihm differenziert hätte gerecht werden können, verpasst worden ist.“

Deutsche Kirchen würdigen 20 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

31. October 2019 - 11:12

Mit einem zentralen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche ist heute (31. Oktober 2019) der 20. Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg gefeiert worden. Die Gemeinsame Erklärung stellt eines der bedeutendsten Dokumente der Annäherung der Kirchen weltweit dar. Im Gottesdienst wurde besonders die Entwicklung von einer bilateralen Einigung zwischen lutherischer und römisch-katholischer Kirche zu einem multilateralen Grundstein in der Ökumene gewürdigt. Die Gemeinsame Erklärung wird inzwischen von fünf Weltgemeinschaften der lutherischen, katholischen, methodistischen, reformierten und anglikanischen Konfession getragen. Auf einer Tagung im März 2019 in der Notre Dame University (USA) bekräftigten die Konfessionen, die gemeinsame Arbeit auf Basis der Erklärung weiter voranzutreiben.

Im Gottesdienst in Stuttgart wirkten Repräsentantinnen und Repräsentanten aller fünf Konfessionen aus Deutschland mit. Auch sie unterstrichen den Willen zur stärkeren Zusammenarbeit: Man wolle dem „gemeinsamen Zeugnis eine vermehrt sichtbare Gestalt geben, im Gottesdienst und Dienst am Nächsten, zusammen auf dem Weg zur sichtbaren Einheit“, hieß es in der Liturgie. Ebenfalls wurde vorgeschlagen, um den 31. Oktober herum verstärkt Gottesdienste zum Taufgedächtnis und zur Feier der Rechtfertigung anzubieten. Damit griffen sie die Ergebnisse des internationalen Treffens in den USA auf.

Die Predigten hielten der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), sowie der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, der gastgebende Württemberger Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.

In seiner Predigt fragte Bischof Feige, ob die Botschaft, dass Gott dem Menschen das Entscheidende schenke, nicht auch für die Menschen des 21. Jahrhunderts eine entlastende und befreiende Kraft sein könne. „Damit verbunden wäre ja: Löst euch von der zwanghaften Vorstellung, erfolgreich sein zu müssen. Macht euer Selbstwertgefühl nicht davon abhängig, wie andere euch sehen“, so Bischof Feige. Er fügte hinzu: „Anstatt krampfhaft um sich selbst zu kreisen, sollte es vielmehr immer neu darum gehen, den Lebensschwerpunkt auf Gott hin zu verlagern.“ Ausdrücklich betonte Bischof Feige, durch die Gemeinsame Erklärung sei deutlich geworden, dass die Christen verschiedener Konfessionen mehr verbinde als trenne. „Dazu gehört auch das neu erwachte Bewusstsein von der Gemeinschaft in der Rechtfertigungslehre. Heute können wir sagen, dass daraus sogar ein ökumenisches Erfolgsprojekt geworden ist.“  Diese Verbundenheit bedeute auch, dass „wir gemeinsam vor der Aufgabe stehen, diese christliche Kernbotschaft wachzuhalten, sie für unsere Zeit neu durchzubuchstabieren und mit Leben zu füllen. Wo wir dies tun, wird die sichtbare Einheit unter uns weiter gefestigt werden“. Dazu sei auch künftig ein engagiertes und beherztes Eintreten für den ökumenischen Weg gefragt, so Bischof Feige.

Landesbischof July blickte in seiner Predigt auf das Gleichnis vom Senfkorn. Er erinnerte an die Pionierinnen und Pioniere der Ökumene, die sich „trotz Verboten, trotz Kopfschütteln oder Verdächtigungen auf den Weg gemacht haben. Die den gemeinsamen Acker suchten und sich die Samenkörner zeigten“. Inzwischen sei das Miteinander der Kirchen viel selbstverständlicher, auch dank der Gemeinsamen Erklärung. „Sie lässt uns gemeinsam auf dem Feld das Senfkorn auswerfen, den Sauerteig beimischen, in einer sich wandelnden Gesellschaft vom Evangelium erzählen“, so July. Das Ziel der Ökumene sei aber immer noch, dass „einstmals jener Baum wächst, in dessen Schatten Gottes geliebte Kinder in Vielfalt, aber versöhnter Verschiedenheit, zusammenkommen, um am Tisch in gemeinsamer Mahlfreude auf das rechtfertigende und gewiss machende Wort des Herrn zu hören“, so July. „Ich selbst werde fortfahren, für eine vertiefte ökumenische Zusammenarbeit zu werben und zu beten. […] Ich wünsche mir, dass wir entschieden, fröhlich und vom Geist gestärkt den Pionierinnen und Pionieren der Ökumene in ihrem Bemühen und ihrer Arbeit nachfolgen. Das Jubiläum der Gemeinsamen Erklärung schickt uns neu auf den Weg.“

Von der Evangelisch-methodistischen Kirche wirkte Bischof Harald Rückert an dem Gottesdienst mit. Pfarrer PD Dr. Hans-Georg Ulrichs vertrat den Reformierten Bund und Canon Christopher Jage-Bowler den Council of Anglican and Episcopal Churches in Germany. Sie trugen Ausschnitte aus den Assoziierungserklärungen der drei Weltgemeinschaften zur Gemeinsamen Erklärung vor, die jeweils den besonderen Zugang zur Rechtfertigungslehre und der Erklärung verdeutlichten. Bei einem anschließenden Empfang im Alten Schloss würdigte Erzpriester Radu Constantin Miron, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), in einem Grußwort die Bedeutung der Gemeinsamen Erklärung.

Hintergrund
Mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre hatten der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche 1999 erstmals offiziell einen differenzierten Konsens über die Frage der Rechtfertigung erklärt, eine Kernfrage der Reformation. Damit konnten beide Seiten feststellen, dass die jahrhundertelang wiederholten gegenseitigen Verurteilungen in dieser Frage nicht länger Gegenstand der Lehre der beteiligten Kirchen sind. Im Jahr 2006 schloss sich der Weltrat Methodistischer Kirchen der Gemeinsamen Erklärung an, im Juli 2017 die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Die Anglikanische Gemeinschaft verkündete ihre inhaltliche Zustimmung am Reformationstag des gleichen Jahres.

Hinweise:
Die Predigten von Bischof Feige und Landesbischof July sind unten zum Download verfügbar. Ausführlichere Hintergrundinformationen zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre sind auf der Themenseite Ökumene zu finden.

Synodaler Weg der Kirche in Deutschland: Satzung auf der Zielgeraden

29. October 2019 - 10:22

Der am ersten Advent beginnende Synodale Weg der Kirche in Deutschland nimmt Gestalt an. Nach der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat jetzt auch der Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) die Satzung angenommen. Am 22. November 2019 wird die Vollversammlung des ZdK noch über die Satzung entscheiden.

Die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK veröffentlichen heute (29. Oktober 2019) den aktuellen Stand der Satzung, um die es in den vergangenen Monaten Debatten auf verschiedenen Ebenen gegeben hat. Die Satzung ist auf den Internetseiten www.dbk.de und www.zdk.de einsehbar. Dort befindet sich ab sofort auch ein umfangreicher Fragen-Antworten-Katalog rund um den Synodalen Weg. Zum ersten Advent sind alle Informationen gebündelt auf der Internetseite www.synodalerweg.de zu finden, die von Deutscher Bischofskonferenz und ZdK gemeinsam verantwortet wird.


Hinweis:

Die Satzung als pdf-Datei sowie die FAQ sind im Themenbereich Synodaler Weg verfügbar.

Kardinal Marx zum Abschluss der Amazonassynode in Rom

27. October 2019 - 11:03

Zum Abschluss der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Amazonas am heutigen Sonntag (27. Oktober 2019) erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Drei Wochen intensiver Beratung liegen hinter uns. Papst Franziskus‘ Enzyklika Laudato si‘ und ihre Vision des ‚Gemeinsamen Hauses‘ standen im Mittelpunkt. Die Bischofssynode hat uns deutlich vor Augen geführt, dass es höchste Zeit ist, das ‚Gemeinsame Haus‘ der Erde auch in neuen Allianzen zu schützen. Es wurde gesprochen von einem Bündnis zwischen Glaube, Wissenschaft und Jugend. Die Synode hat uns und der internationalen Öffentlichkeit gezeigt, wie dramatisch die Fragen von Schöpfung und Klimagerechtigkeit sind. Die Überlebensfähigkeit der globalen Ökosysteme steht auf dem Spiel. Diese Situation und die Verantwortung für das ‚Gemeinsame Haus‘ gehen uns alle an. Ausdrücklich nenne ich hier auch die junge Generation, die uns seit Monaten vor Augen hält, dass wir als menschliche Gemeinschaft gemeinsam handeln müssen.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung der Synode, denn klar ist: Wir müssen – ob im Amazonas oder in Deutschland – von der Frage ausgehen, was der Mensch braucht. Wie handeln wir? Was tun wir für die Menschen? Welche Folgen hat das? Erst dann kommt die Frage nach der Kirche und ihren Strukturen. Denn die Kirche ist nicht für sich selbst da, sie steht in Gottes Dienst am Menschen.

Durch die Synode haben das Amazonasgebiet und die dort lebenden Menschen internationale Aufmerksamkeit gefunden. Die Kulturen der indigenen Bevölkerung, aber auch die Bedrohung der Lebensbedingungen wurden intensiv erörtert. Die Synode hat gefragt, wie wir mit dem Amazonasgebiet umgehen. Ich bin deshalb unseren Hilfswerken dankbar für die vielfältigen Aktivitäten, die sie schon seit langer Zeit in der Region leisten: Sie unterstützen die Pastoral der Kirche vor Ort, fördern soziale wie schulische Projekte und tragen auch dazu bei, das gravierende Menschenrechtsverstöße nicht unbemerkt bleiben.

Die Synode ist nicht bei der Analyse der sozialen und ökologischen Probleme stehen geblieben. Es ist gut, dass das Abschlussdokument eine Reihe konkreter Punkte nennt, um die Richtung einer verantwortlichen politisch-gesellschaftlichen Entwicklung anzuzeigen. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen nach ethisch verantwortlichen und nachhaltigen Investments, die entschlossene Entwicklung alternativer Energien, aber auch die Notwendigkeit, das herkömmliche ökonomische System auf den Prüfstand zu stellen, wie es Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si‘ getan hat. Wir werden als Kirche in Deutschland überlegen, welche Konsequenzen, vielleicht auch welches konkrete Projekt wir zur Bewahrung der Schöpfung über die vielen Initiativen hinaus starten können, die es schon gibt.

Froh bin ich, dass die Synode ausdrücklich in ihrer Debatte über die Seelsorge der Zukunft auch über die Rolle und neue Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen in der Kirche und die Frage der ‚viri probati‘, also die Möglichkeit, in Beruf, Familie und Kirche bewährte Männer zu Priestern zu weihen, gesprochen hat. Diese Diskussion zeichnete sich durch eine Intensität aus, die ich so nicht erwartet hätte. Das zeigt: Es sind Fragen, die die Kirche weltweit beschäftigen. Eine Synode hat nicht die Aufgabe, hier Lösungen zu geben, aber die aufgeworfenen Fragen müssen vertieft werden und zwar auf weltkirchlicher Ebene. Die Synode hat die pastorale Situation im Amazonas verdeutlicht – eine Situation, die sich in anderen Erdteilen auch oder in ähnlicher Weise zeigt. Wir in Deutschland können von den Erfahrungen der Kirche am Amazonas lernen und zugleich einen Beitrag zum Dialog mit der Weltkirche leisten, um offene Fragen in den kommenden Jahren zu erörtern. Ausgangspunkt muss auch hier sein: Was braucht der Mensch für Leib und Seele?

Die Synode habe ich als eindrucksvolles Forum des Zuhörens erlebt, um zu lernen, was den anderen berührt. Wir werden das Abschlussdokument in der Bischofskonferenz diskutieren und auswerten. Die Debatten in der Synode haben mich für unseren bevorstehenden Synodalen Weg der Kirche in Deutschland bestärkt: Es geht darum, zuzuhören, aufeinander zuzugehen und einmütig in die Zukunft zu gehen.“


Hinweise:

Das Abschlussdokument der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Amazonas in Rom ist auf der Internetseite der Bischofssynode unter www.sinodoamazonico.va verfügbar.

Weitere Informationen sind auf der Themenseite Amazonassynode 2019 zu finden.

Deutsche Bischofskonferenz würdigt christlich-jüdische Zusammenarbeit

27. October 2019 - 11:00

„Die Arbeit der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat in den vergangenen 70 Jahren reiche Früchte getragen. Sie haben immer wieder die Verantwortlichen in den Kirchen ermahnt, sich mit dem antijüdischen Erbe christlicher Verkündigung auseinanderzusetzen.“ Diese Auffassung hat heute (27. Oktober 2019) Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Frankfurt am Main betont. Bischof Neymeyr dankte für das Engagement, durch das die Kirchen ihr Verhältnis zum Judentum in den vergangenen Jahrzehnten grundsätzlich überdacht hätten.

Die starke Verbreitung der Gesellschaften der christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Regionen und Kommunen bezeichnete Bischof Neymeyr als Glückfall. Seit 2005 gebe es regelmäßige Spitzengespräche zwischen der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz und den beiden großen Kirchen. „In diesen Gesprächen, die auch kontroverse Themen nicht aussparen, ist viel Vertrauen und gegenseitiges Verstehen gewachsen.“ Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Deutsche Koordinierungsrat hätten, so Bischof Neymeyr, die politische Kultur in Deutschland mitgeprägt durch die Kultur der Erinnerung an den kulturellen Reichtum jüdischen Lebens, aber auch an Judenpogrome und die Shoah. „Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass heute die Erinnerung an die NS-Diktatur in des Wortes wörtliche Bedeutung pervertiert, nämlich völlig umgedreht wird, und dass der Weg von der Verharmlosung über die Gutheißung bis zur Nachahmung erschreckend kurz ist.“

Bischof Neymeyr betonte, dass es weiter Erinnerung und Aufarbeitung geben müsse. „Ein Schlussstrich kann nicht gezogen werden. Auch deshalb bin ich dankbar, dass Papst Franziskus für März 2020 die Öffnung der Vatikanischen Archive aus der Zeit von Papst Pius XII. angekündigt hat.“ Erinnerung, Aufklärung und Aufarbeitung seien ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus und Judenhass. „Antisemitismus ist keine Meinung, deren Äußerung durch die Meinungsfreiheit geschützt ist, sondern ein Angriff auf die Würde von Menschen und damit ein Angriff auf den grundlegenden Wert unserer Demokratie. Hier sind wir gemeinsam zum Widerspruch verpflichtet. Hier hat sich der christlich-jüdische Dialog zu bewähren“, so Bischof Neymeyr.



Hinweis:

Das Grußwort von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Gebetstag für Opfer sexuellen Missbrauchs

25. October 2019 - 9:58

Die Deutsche Bischofskonferenz folgt auch in diesem Jahr der Anregung von Papst Franziskus und lädt zum Gebetstag für Opfer sexuellen Missbrauchs ein. Dieser findet seit 2015 in zeitlicher Nähe zum „Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ (18. November 2019) statt, der vom Europarat initiiert wurde. In diesem Jahr wird empfohlen, den Gebetstag in den Tagen um den 33. Sonntag im Jahreskreis (17. November 2019) zu begehen.

Mit dem Gebetstag soll ein Zeichen der Solidarität mit Menschen zum Ausdruck gebracht werden, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind. Er versteht sich auch als ein Beitrag zur Sensibilisierung für diese Thematik in Kirche und Gesellschaft. Bereits im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bischofskonferenz Gebets- und Fürbittenvorschläge für die Gestaltung von Gottesdiensten bereitgestellt, die weiterhin aktuell sind. In diesem Jahr werden zusätzliche Elemente für die Gestaltung von unterschiedlichen Gottesdienstformen bereitgestellt. Dazu gehören neben weiteren Fürbitten auch Impulse und Texte von Betroffenen.

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, ermutigt Pfarrgemeinden und Verbände, den Gebetstag zu nutzen: „Als Kirche übernehmen wir Verantwortung für das Unrecht, das Menschen in der Kirche angetan wurde. Als Gläubige wollen wir mit dem Gebet unsere Solidarität und Nähe ausdrücken“, so Bischof Ackermann. Die verschiedenen Materialen bieten eine gute Möglichkeit, in der Liturgie mit einem Gebet der Betroffenen zu gedenken oder einen Gottesdienst speziell unter das Thema Missbrauch zu stellen. „Oft gibt es keine Worte für das Leid, das Betroffene sexualisierter Gewalt erfahren haben. Aber im Gebet zu Gott eröffnet sich die Möglichkeit, Sprachlosigkeit zu überwinden“, so Bischof Ackermann.


Hinweis:

Die bisherigen Materialien für den Gebetstag sind als pdf-Datei auf der Themenseite Sexueller Missbrauch verfügbar. Die für dieses Jahr zusätzlichen Materialien sind dort ebenfalls zu finden.

Rabbiner, Bischöfe und Politiker diskutieren in Berlin

22. October 2019 - 12:58

Für Millionen Menschen außerhalb Europas ist der Kontinent ein Sehnsuchtsort. Für viele Europäer aber scheint Europa keine Hoffnung mehr zu geben. Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden, wie Papst Franziskus meinte? Sind Populismus und Antisemitismus, der Abbruch religiöser Überlieferungen und der Mangel an Visionen Zeichen von Altersschwäche? Nicht wenige vermissen auch kraftvolle christliche und jüdische Stimmen zu Europa. Was bedeutet Europa für Juden und Katholiken? Was wollen sie für die Zukunft Europas tun?

Diesen Fragen geht eine öffentliche Podiumsdiskussion nach, die am 3. November 2019 um 19.30 Uhr in der Katholischen Akademie Berlin (Hannoversche Straße 5) stattfindet und von der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland organisiert wird. Auf dem Podium diskutieren unter der Moderation von Ulrike Bieritz vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb):

  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland;
  • Ministerpräsident Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen;
  • Katharina von Schnurbein, Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission;
  • Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Beiratsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland.


Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind herzlich eingeladen. Wir bitten um eine formlose Anmeldung per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de.

Abschluss der Bischofssynode zum Amazonas in Rom

22. October 2019 - 9:06

Am kommenden Sonntag (27. Oktober 2019) endet die Bischofssynode zum Amazonas in Rom. Während die Beratungen am Samstagabend zu Ende gehen, feiert Papst Franziskus mit allen Teilnehmern den Abschlussgottesdienst am Sonntag.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zu einer abschließenden Pressekonferenz deutschsprachiger Teilnehmer der Synode eingeladen, die am

Samstag, den 26. Oktober 2019,
um 20.30 Uhr
in der Residenza Madri Pie, Via Alcide De Gasperi 4, Rom
(in unmittelbarer Nähe zum Vatikan)

stattfindet.

Am Pressegespräch nehmen teil:

  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied des Kardinalsrates im Vatikan;
  • Bischof Johannes Bahlmann OFM, Bischof von Obidos (Brasilien);
  • Schwester Prof. Dr. Birgit Weiler MMS, Missionsärztliche Schwester in Lima (Peru);
  • P. Michael Heinz SVD, Hauptgeschäftsführer Adveniat (Essen);
  • Msgr. Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer Misereor (Aachen).


Wir freuen uns auf Ihr Kommen!


Wichtiger Hinweis:

Bitte melden Sie Ihre Teilnahme unbedingt per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de an. Falls sich die Uhrzeit kurzfristig ändern sollte, erhalten Sie nur dann eine Mailnachricht.

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 17. Mal den Katholischen Medienpreis

21. October 2019 - 9:35

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (21. Oktober 2019) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) zum 17. Mal den Katholischen Medienpreis und die zusätzliche Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“ verliehen. Bei einem Festakt im Max Ernst Museum Brühl des LVR (Landschaftverband Rheinland) sind Veronika Wulf (Kategorie Printmedien) sowie Hans Block und Moritz Riesewieck (Kategorie Elektronische Medien) ausgezeichnet worden. Den Sonderpreis der Jury erhielt Heribert Prantl für seine Artikel zu den Feiertagen der Kirche. Insgesamt wurden 239 Einreichungen eingereicht und von einer Fachjury gesichtet.

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Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Jury des Katholischen Medienpreises, erinnerte in seinem Grußwort an den Anschlag auf die Synagoge in Halle an der Saale und betonte die besondere Verantwortung der Christen, sich gegen Antisemitismus zu stellen: „Gerade weil wir glauben, dass wir alle Geschöpfe des einen Gottes sind, der uns alle: Juden, Christen und Muslime durch seine Liebe ins Leben gerufen hat; weil Jesus Christus selbst jüdischer Abstammung war, dürfen wir nicht dulden, dass Jüdinnen und Juden bedroht werden. Und wir dürfen nicht dulden, dass unverhohlener Hass und Hetze sich in der Gesellschaft ausbreiten!“ Wie die Kunst brauche auch die Gesellschaft Toleranz, so Bischof Fürst. Die Einreichungen für den Katholischen Medienpreis hätten gezeigt, wie zahlreich die gesellschaftlichen Brennpunkte und die Wunden seien. Die Preisträger würdigte Bischof Fürst für ihren maßgeblichen Beitrag zur Förderung von Toleranz, gegenseitigem Verstehen und Miteinander in unserer Gesellschaft.

In der Kategorie „Elektronische Medien“ erhielten Hans Block und Moritz Riesewieck den Preis für den Film „The Cleaners“, gesendet in ARTE am 23. August 2018 sowie im Kino. Die Dokumentation stellt die Arbeit von Content-Moderatoren, genannt Cleaners, vor, die das Netz von Hass, Mord, Terror, Krieg, Suiziden und vielem mehr säubern. In der Jurybegründung wird die Frage gestellt, warum die Nutzer sozialer Netzwerke keinen Gedanken darüber verschwenden, wer ihre Plattformen sauber hält und unter welchen Bedingungen die Cleaners arbeiten. Laudator Prof. Dr. Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), lobte das Werk als „investigativen Journalismus der Spitzenklasse“ und ergänzte: Der Film „lenkt die Aufmerksamkeit auf eine gesellschaftliche Herausforderung, die uns alle betrifft: Wie werden Menschenrechte im Netz durchgesetzt? Und wie wird vermieden, dass dabei wiederum andere Menschenrechte beschnitten werden?“ Professioneller Journalismus wie dieser zeige Haltung durch die Macht der Aufklärung und die Vermittlung von Kontext.

In der Kategorie „Printmedien“ wurde Veronika Wulf mit dem Preis für ihren Beitrag „Der fremde Sohn“ ausgezeichnet, erschienen in der taz (Die Tageszeitung) am 16. Juni 2018. Die Journalistin berichtet über eine Familie, die einen minderjährigen syrischen Flüchtling aufgenommen hat. In der Jurybegründung heißt es, Veronika Wulf suche in diesem Beispiel das Essentielle aller Integrationsbemühungen, das Wesentliche, damit Geflüchtete in unserer Gesellschaft ankommen können. Laudator und Jurymitglied Albert Herchenbach (ehemaliger Chefredakteur stadtgottes), würdigte den Beitrag als „eine leise Geschichte, völlig unspektakulär. Aber für unser Zusammenleben enorm wichtig, weil sie zum Nachahmen ermutigt“. Er hob hervor, dass es gerade in Tageszeitungen immer schwieriger werde, derartige Beiträge zu finden. Veronika Wulf habe nicht nur intensiv recherchiert, sondern genau die richtigen Fragen gestellt und dabei auch auf das gehört, was scheinbar nebensächlich sei: wie beispielsweise das Grundgefühl, als Geflüchteter nur als Teil einer anonymen Masse verstanden zu werden.

Heribert Prantl, langjähriges Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, wurde für seine Essays in der Süddeutschen Zeitung zu den Hochfesten der Kirche mit dem „Sonderpreis der Jury“ ausgezeichnet. Die Jury schreibt in der Begründung: „Der Autor hat in über drei Jahrzehnten als Kommentator und Leitartikler nie ein Geheimnis aus seiner christlichen Grundhaltung gemacht.“ Heribert Prantl verstehe es, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Menschen im Hier und Heute christliche Grundanliegen nahezubringen. Prof. Dr. Claudia Nothelle, Aufsichtsratsvorsitzende der Katholischen Journalistenschule (ifp), sagte in ihrer Laudatio: „Er schreibt aus dem Selbstverständnis eines Menschen heraus, dessen Leben letztlich vom Glauben und der Hoffnung geprägt ist“ – auch wenn er die Kirche immer wieder deutlich kritisiere. Zahlreichen jungen Journalisten, auch denen des ifp, sei er ein Vorbild.

Neben den Hauptpreisen vergab die Jury in diesem Jahr zwei Mal die undotierte Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“. In der Kategorie Printmedien geht diese an Sarah Seifen für den Beitrag „Und Tschüss?! – Bleiben oder Gehen?“, erschienen in den Kirchenzeitungen der Bistümer Fulda, Limburg, Mainz am 6. Januar 2019. Im Bereich Elektronische Medien erhalten die Auszeichnung Sandra Weiss und Charlotte Eichhorn für den Beitrag „Völkermord im Verborgenen – ein multimediales, interkulturelles Langzeitprojekt“, u. a. veröffentlicht seit dem 1. Mai 2019 auf www.eichhorn-weiss-media.com/voelkermord.


Hintergrund

Der Katholische Medienpreis, der in der Kategorie „Printmedien“ und „Elektronische Medien“ mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Die Preisträger wurden von einer sechsköpfigen Jury aus insgesamt 239 Einreichungen ausgewählt. Für die Kategorie „Elektronische Medien“ wurden 146 Beiträge eingereicht, davon 80 Fernseh-, 40 Radio- und 26 Internetangebote. Für die Kategorie Printmedien wurden 93 Beiträge eingereicht.


Hinweise:

Die Ansprache von Bischof Dr. Gebhard Fürst sowie die Laudationes von Prof. Dr. Frank Überall, Albert Herchenbach und Prof. Dr. Claudia Nothelle sind unten als pdf-Dateien verfügbar.

Die Besetzung der Jury, alle Jurybegründungen sowie weitere Informationen sind auf der Themenseite Katholischer Medienpreis zu finden.

Kostenfreie Pressefotos von der Preisverleihung sind nach der Veranstaltung in der Bildergalerie zu dieser Pressemitteilung als Download verfügbar, vorhandene Fotos der Preisträgerinnen und Preisträger finden Sie dort bereits.

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