Augenblicke der Besinnung

Wenn die Übel zunehmen,
sollte die Verehrung des Gottesvolkes ebenfalls anwachsen...
Betet leidenschaftlich zu unserer gnädigsten Mutter Maria,
indem ihr während des Oktobermonates den Rosenkranz betet...
Dieses Gebet ist gut
für die Marienverehrung des Gottesvolkes geeignet ...
und am wirkungsvollsten,
um den Segen des Himmels zu erlangen.

Papst Paul VI. (Enzyklika Christi Matri)














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Aktuelle Meldungen
Updated: 2 hours 21 min ago

Bischof Feige mahnt weltweite Religionsfreiheit an

21. October 2017 - 10:21
Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), hat heute (21. Oktober 2017) eine weltweite Religionsfreiheit angemahnt. Bei einem ökumenischen Gottesdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland im Berliner Dom mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen würdigte Bischof Feige, dass katholische und evangelische Christen hierzulande in einem gesellschaftlichen Kontext lebten, in dem Glaubens- und Religionsfreiheit ein hohes Rechtsgut sei. „Mögen wir als Christen manchmal müde belächelt oder verbal angegriffen werden, gewaltsamen Übergriffen sind wir in der Regel nicht ausgesetzt.“

Bischof Feige dankte in seinem Geistlichen Wort den Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen für ihr Glaubenszeugnis, gerade dann, „wenn Sie aus Regionen kommen, wo Krieg oder Bürgerkrieg herrschen und Christen aus religiösen Gründen verfolgt werden oder staatliche Repressionen erfahren“. Die biblische Verheißung, dass Gott immer auf der Seite der Menschen sei, bedeute eine Zusage der bedingungslosen Liebe Gottes. Damit, so Bischof Feige, werde das Leid nicht ungeschehen gemacht, aber diese Liebe Gottes „lässt in der Bedrängnis die Zuversicht keimen, dass Gott auf der Seite derer ist, die um seines Namens willen verfolgt werden. Dies ist keine billige Vertröstung auf irgendwann. Gottes Kraft wirkt sich schon jetzt aus“. Die endgültige Heilung der Wunden dieser Welt stehe noch aus. „Aber diese Wunden erfahren in den Armen Gottes bereits jetzt eine neue Deutung und eine neue Perspektive. Und weil das so ist, befreit uns das auch zum  politischen Handeln – befreit es dazu, dass wir dann doch alles versuchen, um die Wunden anderer zu heilen – befreit es dazu, uns für Versöhnung und Frieden in dieser Welt einzusetzen“, so Bischof Feige.

Mit Blick auf die Situation der Christen im Nahen und Mittleren Osten sagte Bischof Feige: „Wenn es die orientalisch-orthodoxen Kirchen nicht gäbe, würde dem Christentum Wesentliches fehlen. Ihre Liturgien, ihre Traditionen und ihre je eigene Geschichte sind ein kostbarer Schatz. Daher können wir nur allen Bischöfen und Gläubigen dankbar sein, die in schwierigen Situationen ausharren und so ein mutiges Zeugnis von Jesus Christus geben. Auf ihn setzen wir Christen unsere Hoffnung. In aller Bedrängnis ist er unsere Zuversicht.“

Hinweis:
Das Geistliche Wort von Bischof Feige im ökumenischen Gottesdienst ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Dialogtagung „Für einander einstehen“ der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Vertretern orientalisch-orthodoxer Kirchen vom 20. bis 21. Oktober in Berlin

20. October 2017 - 15:59
Heiligkeiten, Eminenzen, Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Es ist mir eine große Freude und besondere Ehre, dass ich als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Naher und Mittlerer Osten“ der Deutschen Bischofskonferenz heute ein Grußwort an Sie richten kann, mit dem verbunden ich auch Grüße und Segenswünsche unseres Vorsitzenden Kardinal Marx übermitteln darf.

Heiligkeiten, nachdem es gestern Abend bereits zu einer herzlichen und freundschaftlichen Begegnung zwischen Ihnen, Mitgliedern Ihrer Delegationen und Kardinal Marx sowie anderen Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz gekommen ist, wünsche ich mir sehr, dass eine solche herzliche und freundschaftliche Atmosphäre auch die heutigen und morgigen Gespräche prägen möge. Als Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland haben Sie, sehr geehrter, lieber Herr Bischof Dröge, am gestrigen Abendessen teilgenommen. Ich danke Ihnen, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Ebenso danke ich für die Einladung an einige katholische Fachleute und an mich als Vertreter unserer Bischofskonferenz, bei diesem bedeutenden evangelisch – orientalisch-orthodoxen Dialog heute und morgen gemeinsam mit Vertretern der Orthodoxen Bischofskonferenz als ökumenische Gäste dabei zu sein.

Dieser Dialog, so haben Sie es in Ihrer Begrüßung gesagt, wird ein theologischer sein, der in ein gemeinsames Gebet am morgigen Abend münden wird. Die Verbindung von theologischem Dialog und gemeinsamem Gebet ist auch ein Kennzeichen der ökumenischen Gespräche, die seit dem Jahr 2004 zwischen den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche geführt werden und an dem Ihre Kirchen, verehrte Heiligkeiten, mit großem Engagement mitwirken. Mit zwei bemerkenswerten Dokumenten, zunächst über die Ekklesiologie und dann über die Ausübung der Communio in der frühen Kirche und deren produktives Vorbild für die Suche nach Communio heute, hat dieser Dialog, wie gestern Abend schon Kardinal Marx betont hat, unser Verständnis füreinander vertieft und uns einander nähergebracht. Aktuell befasst sich der internationale Dialog zwischen unseren Kirchen mit den Initiationssakramenten, insbesondere Taufe und Eucharistie. Heiligkeit, verehrter Papst Tawadros! Gestern Abend ist es bereits angesprochen worden: Sie haben in Ihrer Gemeinsamen Erklärung mit Papst Franziskus vom 28. April 2017 während seines Besuches bei Ihnen in Ägypten das Anliegen der wechselseitigen Taufanerkennung ausdrücklich unterstützt. Hierfür möchte ich Ihnen aufrichtig Dank sagen.

Heiligkeiten, der Nahe und Mittlere Osten, die Region mit den ältesten christlichen Traditionen weltweit, die nicht zuletzt in Ihren Kirchen lebendig gehalten werden, die Region, in der unser Herr Jesus Christus gelebt hat, für uns am Kreuz gestorben und auferstanden ist, die Region, in der bis heute ein großer Teil der Gläubigen Ihrer Kirchen unter zum Teil schwierigen und schwierigsten Bedingungen lebt, ist die einzige weltweit, für die die Deutsche Bischofskonferenz eine solche Arbeitsgruppe eingesetzt hat wie die, für die ich heute zu Ihnen sprechen darf. Dies ist ein besonderes Zeichen unserer Sorge um die Kirchen im Nahen und Mittleren Osten. Seien Sie gewiss: Im Sinne des Leitworts des heutigen und morgigen Dialogs werden wir auch künftig für einander einstehen. Diese Solidarität, gerade in der Bedrängnis, vertieft und festigt die Communio unserer Kirchen. Im Gebet und in der konkreten Solidarität mit unseren bedrängten, leidenden und verfolgten Geschwistern in den Ländern, die gewissermaßen, im geistlichen Sinne, für uns alle Heimat sind, werden die Katholiken in Deutschland auch künftig nicht nachlassen. Solidarisch und gemeinsam sind wir stark und nur so können wir die äußerst schwierigen Herausforderungen, die sich vor allem im Nahen und Mittleren Osten für uns Christen stellen, angehen. Gemeinsam können wir Zeugnis geben von der Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus ein Gesicht gefunden hat. „Er ist unser Friede“ (Eph 2,14), wie der Apostel Paulus sagt, und befähigt uns zur Versöhnung.

Mit meinen katholischen Schwestern und Brüdern hoffe und bete ich, dass auch der Dialog zwischen orientalisch-orthodoxen Kirchen und evangelischer Kirche, der in diesen Tagen hier in Berlin stattfinden wird, und das gemeinsame Gebet für unsere Schwestern und Brüder im Nahen Osten unser aller Einheit stärken und unsere Solidarität befördern mögen. In diesem Sinne wünsche ich der Tagung einen guten Verlauf und Gottes Segen.

Herzlichen Dank!

Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz treffen Oberhäupter orientalisch-orthodoxer Kirchen

20. October 2017 - 9:51
Anlässlich ihres Deutschlandbesuchs ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit führenden Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen gestern Abend (19. Oktober 2017) in Berlin zusammengetroffen. Zusammen mit Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg) und Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz) begrüßte Kardinal Marx die Oberhäupter der koptisch-orthodoxen, der syrisch-orthodoxen, der armenisch-apostolischen und der malankarischen orthodoxen syrischen Kirche. Die Begegnung in Berlin sei ein schönes Zeichen der über viele Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen auf Weltebene wie auch hier in Deutschland.

Kardinal Marx sprach die teils bedrückenden Situationen für die Christen in den Heimatregionen der Patriarchen an. „Gewaltsame Übergriffe und kriegerische Auseinandersetzungen zwingen viele Menschen zur Flucht. Unwägbar ist das dadurch verursachte Leid. Seien Sie gewiss, dass die Deutsche Bischofskonferenz Ihnen und Ihren Kirchen in dieser schwierigen Situation solidarisch verbunden ist“, so Kardinal Marx. Es dürfe nicht sein, dass Christen in Ländern, in denen sie von alters her zu Hause seien, ihr Heimatrecht verlieren und christliches Kulturgut von unschätzbarem Wert unwiederbringlich zerstört werde. Zur Situation in Deutschland erklärte Kardinal Marx: „Mit den Flüchtlingsbewegungen aus den Krisengebieten des Nahen Ostens sind zahlreiche Christen und Muslime nach Deutschland gekommen. Ihnen allen gegenüber sehen wir uns als Kirchen in Deutschland in der Verantwortung. Dies gilt in besonderer Weise für unsere christlichen Schwestern und Brüder. Mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit schaue ich auf die enormen Anstrengungen Ihrer Kirchen, in Deutschland den Flüchtlingen beizustehen und sie bei der Integration in eine für sie bislang fremde Welt zu unterstützen.“ Kardinal Marx erinnerte auch an das Schicksal der beiden vor mehr als vier Jahren entführten syrischen Erzbischöfe Mor Gregorius Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi: „Mit allem Nachdruck möchte ich an die Entführer appellieren, der sinnlosen Freiheitsberaubung ein Ende zu setzen und die beiden Bischöfe unverzüglich freizulassen.“

Kardinal Marx würdigte den seit 2004 geführten theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Dabei erinnerte er an die Bedeutung der Taufe als Schlüssel zu allen Sakramenten. „Möge der theologische Dialog zwischen unseren Kirchen weitere Perspektiven für die Wiederaufnahme der vollen Communio eröffnen, damit die geistliche Verbundenheit in Christus, die die Taufe stiftet, immer mehr auch in der Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen sichtbar wird“, sagte Kardinal Marx.

Er erinnerte auch an das gemeinsame Christusfest, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz im Gedenkjahr an 500 Jahre Reformation feiern. „Wir haben Gott um Vergebung gebeten und einander Vergebung geschenkt. So miteinander versöhnt wollen wir gemeinsam Schritte in die Zukunft gehen auf dem Weg zur vollkommenen Einheit der Kirche“, so Kardinal Marx. „Lassen Sie uns auf diesem Weg der Versöhnung weitergehen mit dem Ziel der vollkommenen Einheit der Kirche und im Dienst an der Einheit der ganzen Menschheitsfamilie.“

Hintergrund
Auf Einladung von Kardinal Marx nahmen vonseiten der orientalisch-orthodoxen Kirchen teil:
  • Seine Heiligkeit Papst Tawadros, Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus (Kairo/Ägypten),
  • Seine Heiligkeit Mor Ignatius Ephräm II. Karim, Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem ganzen Orient (Damaskus/Syrien),
  • Seine Heiligkeit Karekin II., Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier (Etchmiadzin/Armenien),
  • Seine Heiligkeit Baselios Marthoma Paulose II., Katholikos und Metropolit der malankarischen orthodoxen syrischen Kirche (Kottayam/Indien);
vonseiten der Evangelischen Kirche in Deutschland:
  • Bischof Dr. Markus Dröge (Berlin-Brandenburg);
vonseiten der Deutschen Bischofskonferenz:
  • Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin),
  • Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg),
  • Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz),
  • P. Dr. Hans Langendörfer SJ (Bonn).
Hinweise:
Die Ansprache von Kardinal Marx ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar. Kostenfreie Fotos der Begegnung in Druckqualität können per E-Mail (pressestelle(at)dbk.de) angefordert werden.

50 Jahre Justitia et Pax

19. October 2017 - 16:21
Mit einem Festakt ist heute (19. Oktober 2017) in Berlin an die Gründung der Deutschen Kommission Justitia et Pax vor 50 Jahren erinnert worden. Der Vorsitzende von Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), erinnerte an die Enzyklika von Papst Paul VI., die 1967 zur Gründung von Justitia et Pax-Kommissionen weltweit führte. „Dieses Dokument war damals ein aufrüttelndes Schreiben gegen Ungerechtigkeit und für eine solidarische Entwicklung der Menschheit, die sich am globalen Gemeinwohl orientiert. Diesem Programm fühlt sich unsere Kommission bis heute verpflichtet. Dazu bringen wir Gesprächspartner aus dem Raum der Kirche und darüber hinaus zusammen“, so Bischof Ackermann. Im gegenseitigen Austausch stelle man sich den Herausforderungen der Zeit und entwickle Perspektiven für eine gerechtere und friedlichere Welt. „Eine Voraussetzung für das Gelingen einer integralen Entwicklung, so wie sie die Enzyklika Laudato siʼ von Papst Franziskus und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen verstehen, ist ein kohärentes Vorgehen in der Politik und in der Zivilgesellschaft, aber auch in unserer Kirche. Dazu kann Justitia et Pax Impulse geben, weil in ihr die Beschäftigung mit den Menschenrechten, der Entwicklungszusammenarbeit und der Friedensethik zusammenkommt“, betonte Bischof Ackermann.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte den Einsatz von Justitia et Pax weltweit und besonders in Europa: „Mit konzertierten Aktionen ist es immer wieder gelungen, sich gegen wachsende Ungleichheit, Nationalismus und Rechtsextremismus, aber für Solidarität und Offenheit gegenüber Migranten und Flüchtlingen, für Ausbildung und Arbeit für Jugendliche sowie für Steuergerechtigkeit zu engagieren. Nicht, dass es einfach wäre: Im Austausch zwischen Ost und West erfahren wir, wie wir manchmal nur mühsam aus unseren nationalen Kulturen und Denkweisen herausfinden. Aber wir gehören zusammen, sind Teil der Menschheitsfamilie und haben eine gemeinsame Sendung“, so Kardinal Marx. Das Wort von Papst Johannes XXIII. von der Weltgemeinschaft sei heute aktueller denn je. Es bedeute ein Arbeiten in Verantwortung für den globalen Horizont. „Autoritäre und nationalistische Bewegungen haben in Europa an Boden gewonnen. In den Bevölkerungen zeigen sich tiefe Verunsicherung, Verängstigung und manchmal wohl auch Überforderung. Wir haben die Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise 2008 noch lange nicht verarbeitet. In der sogenannten Flüchtlingskrise mehren sich die Stimmen in Europa, die den Sinn für Solidarität gegenüber Hilfesuchenden und gegenüber anderen Ländern vermissen lassen. Dem müssen wir unsere Botschaft entgegenhalten“, hob Kardinal Marx hervor. Dazu trage der Einsatz von Justitia et Pax bei, „von dem ich mir wünsche, dass er noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“. Kardinal Marx dankte Justitia et Pax, dass in den vergangenen Jahren vor allem die Themen Religionsfreiheit, Friedensarbeit und integrale Entwicklung nach vorne gebracht worden seien. „Bleibt streitbar und seid weiterhin ein gut sichtbares Zeichen des kirchlichen Einsatzes für Gerechtigkeit und Frieden weltweit“, ermutigte Kardinal Marx beim Festakt.

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax wird getragen von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dessen Präsident, Dr. Thomas Sternberg, würdigte während des Festaktes Justitia et Pax als ein für das ZdK unverzichtbares Instrument kirchlichen Handelns. „Die Aufgabenstellung und die Schwerpunkte der Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit, den Menschenrechten und der Friedenssicherung bzw. Friedensförderung von Justitia et Pax haben nichts an Aktualität eingebüßt. Mit großer Fachexpertise und auf Basis vielfältigen Erfahrungswissens erarbeitet Justitia et Pax zu diesen Themenfeldern Analysen und Konzepte und bringt sie nach innerkirchlicher Meinungsbildung in das gesellschaftliche und politische Gespräch ein“, so Prof. Sternberg. Das geschehe seit Jahren zunehmend oft in guter ökumenischer Tradition über die Gemeinsame Konferenz „Kirche und Entwicklung“, sodass die Kirchen in den genannten Fragen zu Themen wie zum Beispiel Rüstungsexport weitgehend mit einer Stimme sprechen. Prof. Sternberg fügte hinzu: „Unser Handeln muss sich am Weltgemeinwohl ausrichten, dieser Maßstab ist der Kompass, um nach Wegen und Lösungen für konkrete Probleme und Herausforderungen zu suchen.“

Beim Festakt stellte der Bundesminister der Finanzen, Dr. Wolfgang Schäuble, ein Sonderpostwertzeichen „50 Jahre Justitia et Pax“ vor. Es wurde von Prof. Peter Krüll (Kranzberg) gestaltet und hat einen Wert von 1,45 Euro.

Hintergrund
Am 18. Dezember 1967 erfolgte die Gründung der heutigen Deutschen Kommission Justitia et Pax. 1991 fand die Vereinigung der Kommissionen aus Ost- und Westdeutschland statt. Seit 2008 ist Bischof Dr. Stephan Ackermann Präsident der Deutschen Kommission Justitia et Pax, die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen wird. Als Teil eines internationalen Netzwerkes kann die Deutsche Kommission Justitia et Pax mit gleichgesinnten Partnerkommissionen zusammenarbeiten. Die Themenvielfalt reicht von Agrarpolitik, Versöhnungsarbeit, dem Friedensprojekt Europa bis hin zum Menschenrechtsdialog mit Afrika. 50 Jahre nach der Gründung sind die Globalisierung der Solidarität und eine regelbasierte internationale Zusammenarbeit notwendige Voraussetzung auf dem Weg zu einem umfassenden und dauerhaften Leben in Gerechtigkeit und Frieden.

Hinweise:
Das Grußwort von Prof. Dr. Thomas Sternberg beim Festakt 50 Jahre Justitia et Pax ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar. Das Programm der Veranstaltung sowie weitere Informationen sind auf der Internetseite von Justitia et Pax www.justitia-et-pax.de zu finden.

Katholischer Medienkongress in Bonn

17. October 2017 - 15:31
Zu einem differenzierten Umgang mit den Versprechen der Digitalisierung hat heute (17. Oktober 2017) der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in Bonn aufgerufen. Anlässlich des seit gestern stattfindenden zweiten Katholischen Medienkongresses betonte er, dass es ein Recht aller Menschen geben müsse, an der Digitalisierung zu partizipieren. „Wir müssen alles tun, damit die Welt nicht aufgeteilt wird in Gewinner und Verlierer. Sind unsere Strukturen, auch in den Wertschöpfungsketten so, dass die digitale Welt zum Wohl der Menschheit wird?“, fragte Kardinal Marx.

Ohne Regeln und Institutionen könne nichts entstehen. „Wir brauchen ein System von Verantwortlichkeiten und Ordnungen“, hob Kardinal Marx hervor. Wettbewerbsregeln seien notwendig, um ein „immer Mehr“ von wenigen zu verhindern. „Internationale Regeln sind in der Ökonomie unbestritten – aber nicht aus Angst vor der Zukunft, sondern um negative Folgen wie Arbeitsplatzverluste, politische Folgen und das Anwachsen von Armut zu vermeiden“, so Kardinal Marx in einer Diskussion mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, Timotheus Höttges. Auf der technischen Seite gebe es oft einen enormen Fortschritt. Die Reaktion auf die Globalisierung empfänden manche aber als Bedrohung, sodass es in einigen politischen Systemen und Demokratien zu Rückschritten komme. Mancher technologische Fortschritt habe zu schweren Konflikten geführt. Deshalb sei es notwendig, die Frage zu stellen, wie man die Transformation so gestalten könne, dass alle im Boot bleiben. „Wir müssen Chancen schaffen für sinnvolle Arbeit und damit für die Organisation des eigenen Lebens – daran wollen und werden wir als Kirche mitwirken“, betonte Kardinal Marx.

Die kulturelle Veränderung zeige sich oft in der Zerrissenheit der Gesellschaft. Kardinal Marx warnte davor, das allein auf die Digitalisierung zurückzuführen. „Wie gelingt uns eine stabile Demokratie durch solide Bildung?“, fragte er. Es gehe um die Übernahme von Verantwortung und das Eingehen von Selbstverpflichtungen. Hass und Hetze habe es zu jeder Zeit gegeben. Aber das müsse man nicht hinnehmen. „Gegen die wachsende Ungleichheit in der Welt, gegen Hass und Fake News müssen wir eine Botschaft setzen für eine Entwicklung, bei der alle mitkommen“, hob Kardinal Marx hervor. Dazu gebe auch die Enzyklika Laudatio siʼ wertvolle Hinweise.

Bereits während des Kongresses, der eine Initiative der Medienkonferenz der (Erz-)Bistümer und weiterer Kooperationspartner ist, hatte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), zu einem sensiblen Umgang in der digitalen Welt aufgerufen. Die Kirche beobachte aufmerksam Entwicklungen und Veränderungen, die durch den digitalen Wandel ausgelöst und beschleunigt würden. „Unsere zentrale Forderung lautet daher bei allen Veränderungsprozessen: Die Würde, die Persönlichkeit und die Selbstbestimmung des Menschen müssen gewahrt werden. Ziel muss sein, die Personalität und die Sozialität des Menschen als Ebenbild Gottes bewusst zu erkennen, zu erhalten, zur Entfaltung zu bringen und bei Bedarf auch zu verteidigen“, so Bischof Fürst. Die Kirche wolle aber nicht nur pessimistisch und kulturkritisch negative Auswirkungen beklagen. „Denn die Digitalisierung bringt viele Chancen mit sich. Menschen erschließen beispielsweise neue Möglichkeiten, sich miteinander auszutauschen und die eigene Persönlichkeit darzustellen.“ Nicht alles, was technisch möglich sei, sei auch schon gut. „Bei der sozialen Kommunikation werden, wie wir ja wissen, immer auch Daten erhoben, gespeichert und zum Teil kommerziell oder politisch genutzt. Wir brauchen dringend eine neue, veränderte Sensibilität für den Wert persönlicher Daten … Hass und Verrohung der Kommunikation im Netz bedürfen wacher Aufmerksamkeit. Die in der analogen Welt geltenden rechtlichen, ethisch-moralischen und kulturellen Standards gelten auch für die digitale Welt“, so Bischof Fürst.

Der Katholische Medienkongress 2017 endet heute und steht unter dem Leitwort „Es ist erst der Anfang … Gesellschaftliche Herausforderungen in der digitalen Welt“.

Hinweis:
Weitere Informationen zum zweiten Katholischen Medienkongress sind unter www.katholischer-medienkongress.de verfügbar.

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 15. Mal den Katholischen Medienpreis

16. October 2017 - 17:25
Der Katholische Medienpreis ist heute (16. Oktober 2017) zum 15. Mal verliehen worden. Bei einem Festakt im LVR-LandesMuseum Bonn zeichnete die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) und der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) Jeanne Turczynski (Kategorie Elektronische Medien) und Claas Relotius (Kategorie Printmedien) aus. Erstmals wurde der „Sonderpreis der Jury“ vergeben. Gewürdigt wurde Christina Fee Moebus für ihren Beitrag „Der Gespenster-Schiff-Prozess“ (Crossmedia-Serie des Nordwestradios). Eine sechsköpfige Jury hatte aus 200 Einreichungen die Preisträger ermittelt.

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Jury des Katholischen Medienpreises, betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung von Digitalisierung: „Klar ist, Digitalisierung durchdringt alles und betrifft wirklich jeden. Zu den unbestrittenen Fortschritten und Freiheitszuwächsen kommen schwierige Herausforderungen dazu.“ Auch habe Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel gesagt, dass Dank des technischen Fortschritts sehr viele Menschen gute oder schlechte, wahre oder falsche Nachrichten teilen könnten. „Er nimmt das Bild vom menschlichen Geist als einer Mühle, die vom Wasser bewegt niemals angehalten werden kann“, so Bischof Fürst. Der Geist des Menschen sei immer aktiv und könne nicht aufhören, das zu „mahlen“, was er aufnehme. Es sei aber an uns zu entscheiden, welches Material wir dazu liefern. „Papst Franziskus ermutigt die, die jeden Tag viele Nachrichten ‚mahlen‘, ein wohlriechendes und gutes Brot denen anzubieten, die sich von den Früchten der persönlichen und journalistisch-professionellen Kommunikation ernähren. Er ruft alle zu einer konstruktiven Kommunikation auf, die Vorurteile über den anderen zurückweist und eine Kultur der Begegnung fördert. Diese Kultur der Begegnung lehrte uns, die Wirklichkeit eben mit bewusstem Vertrauen anzuschauen.“ Bischof Fürst würdigte die Preisträger und Nominierten und bestärkte die Journalisten, eine Kultur der Begegnung zu fördern.

In der Kategorie „Elektronische Medien“ erhielt Jeanne Turczynski den Preis für „Risiko Spätabbruch. Eine Entscheidung zwischen Leben und Tod“ (gesendet im Bayerischen Rundfunk radioThema, Bayern 2 am 22. September 2016). „Durch die immer genauer werdenden Frühdiagnosen bei Schwangerschaften steigt die Bereitschaft zu Abtreibungen, auch zum Spätabbruch. An vier konkreten Fällen zeigt die packende Hörfunksendung, in welche Gewissenskonflikte Betroffene geraten … Dass Hörfunksender einem solch schwergewichtigen Thema eine Stunde Sendezeit zur Verfügung stellen, verdient eine besondere Erwähnung.“, so die Jurybegründung. Laudator Volker Herres (ARD Programmdirektor) würdigte den Beitrag: „Jeanne Turczynski hat mit ihrer außergewöhnlichen Reportage ‚Risiko Spätabbruch. Eine Entscheidung zwischen Leben und Tod‘ nicht nur herausragende journalistische Qualität bewiesen, sondern vor allem auch Mut …, ein Dilemma anzupacken … Je mehr sich der Mensch die Erde untertan macht, je mehr unsere technischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten zunehmen, desto häufiger finden wir uns in ethischen Dilemmata-Situationen wieder“, so Herres.

In der Kategorie „Printmedien“ erhielt Claas Relotius, der aus persönlichen Gründen nicht an der Preisverleihung teilnehmen konnte, den Katholischen Medienpreis für seinen Beitrag „Königskinder“ (erschienen in DER SPIEGEL am 9. Juli 2016). Barbara Schmid, langjährige Redakteurin von DER SPIEGEL, nahm den Preis stellvertretend entgegen und dankte auch im Namen des Preisträgers. In dem Artikel geht es um ein 12 und 13 Jahre altes Geschwisterpaar aus Aleppo, die dort Grausames erlebt haben und in die Türkei geflüchtet sind. „Es ist das große Verdienst von Claas Relotius, hinter das Abkommen der EU mit der Türkei zu schauen und auf Schicksale aufmerksam zu machen, nach denen hierzulande kaum jemand fragt. Auch die Medien interessiert das Thema nicht sonderlich.“, so die Jury. Laudatorin Patricia Riekel (ehemalige Chefredakteurin Bunte), würdigte bei der Preisverleihung den Beitrag: Wortungetüme seien es, „… mit denen die Politik in der Flüchtlingsfrage jongliert – und die uns fast vergessen lassen, von was hier die Rede ist: von rund 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind“. Erst in der Nahaufnahme durch die erschütternde Reportage von Claas Relotius bekämen sie ein Gesicht, eine Geschichte. „Wie kann es sein, dass wir zulassen, dass Kinder in einem solchen Elend leben müssen?“, fragte Riekel.

Christina Fee Moebus wurde für ihren Beitrag „Der Gespenster-Schiff-Prozess“ (veröffentlicht als Crossmedia-Serie des Nordwestradios am 26./27./28. September 2016 im Internet) mit dem „Sonderpreis der Jury“ ausgezeichnet. „Es ist ein zeitgemäß aufbereitetes Stück lokaler Erinnerungskultur, frei von moralisierender Kommentierung. Die Journalistin hat einen traurigen Schatz gehoben, der bewahrt gehört aus Respekt vor den Opfern. Die Jury möchte die originelle Umsetzung bei spärlichen Foto- und Filmquellen ebenso würdigen wie den Ansatz, die Grausamkeiten der NS-Zeit in eine Nachbarschaft zurückzuholen, die sich damals hilflos und passiv zeigte“, so die Jurybegründung. In seiner Laudatio betonte Stefan Kläsener (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag): „Die Muschelsammler der Jury haben einen kleinen Bernstein gefunden.“ Das dokumentarische Feature zahle sehr auf die Werte ein, für die der Katholische Medienpreis stehe: „Es geht um Schuld, es geht um Sühne, es geht um Rechtfertigungsversuche und Reue, es geht um das Leid der Opfer, es geht aber auch um die Schuld des Leviten, der dem unter die Räuber Gefallenen eben nicht hilft, sondern sich über die Ruhestörung beschwert.“ Die Autorin habe ein medienübergreifendes Werk gemacht und konsequent von der Verbreitung in Sozialen Netzwerken her gedacht.

Neben den beiden Hauptpreisen und dem Sonderpreis wurden auch die Nominierten geehrt und mit Urkunden ausgezeichnet: In der Kategorie „Elektronische Medien“ sind das Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier für „Nordstadtkinder“ (WDR Fernsehen, 9. Mai 2016) sowie Manuel Daubenberger und Lara Straatmann für „Nach 30 Jahren ein Zuhause. Eine Romreise mit Folgen“ (NDR Fernsehen, 30. Januar 2017). In der Kategorie „Printmedien“ wurden Björn Stephan mit „Klassenunterschied“ (Süddeutsche Zeitung Magazin, 15. Juli 2016) und Lena Niethammer mit „Sieht mich jemand?“ (Tagesspiegel, 29. Oktober 2016) geehrt.

Hintergrund
Der Katholische Medienpreis, der in der Kategorie „Printmedien“ und „Elektronische Medien“ mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Die Preisträger wurden von einer sechsköpfigen Jury aus insgesamt 200 Einreichungen ausgewählt. Für die Kategorie Elektronische Medien wurden 100 Beiträge eingereicht, davon waren 48 Fernseh-, 31 Radio- und 21 Internetangebote. Für die Kategorie Printmedien wurden 100 Beiträge eingereicht.

Zur Jury gehören Albert Herchenbach (ehem. Chefredakteur stadtgottes, Nettetal), Wolfgang Küpper (Redaktionsleiter Bayerischer Rundfunk Religion und Orientierung, München), Stefan Kläsener (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg), Andreas Kuschbert (Chefredakteur Heinrichsblatt, Bamberg) und Frank Windeck (Konrad-Adenauer-Stiftung, Bonn) unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart).

Hinweise:
Die Begrüßung von Bischof Dr. Gebhard Fürst sowie die Laudationes von Patricia Riekel, Volker Herres und Stefan Kläsener sind untenstehend als pdf-Dateien verfügbar. Alle Jurybegründungen sowie weitere Informationen sind auf der Initiativseite „Katholischer Medienpreis“ zu finden. Fotos der Preisträger und Nominierten in Druckqualität können den Medien auf Anfrage per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Bischof Ackermann zum Untersuchungsbericht im Bistum Hildesheim

16. October 2017 - 11:25
Zum heute (16. Oktober 2017) in Hildesheim veröffentlichten Gutachten „Untersuchung von Fällen sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Hildesheim – Fallverläufe, Verantwortlichkeiten, Empfehlungen“ des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung im Auftrag des Bistums Hildesheim erklärt Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes:

„Mit dem heute veröffentlichten Gutachten des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung geht das Bistum Hildesheim einen wichtigen Schritt in der kritischen Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich. Ich bin dem früheren Bischof von Hildesheim, Bischof Norbert Trelle, dankbar, dass er dieses Gutachten angestoßen hat.

Die Analyse des Gutachtens ist offen und schonungslos, beschämend und mahnend. Umso wichtiger empfinde ich, dass die Verantwortlichen im Bistum Hildesheim, Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger, und Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, öffentlich um Entschuldigung gebeten haben. Das Gutachten konzediert dem Bistum, dass es – trotz erheblicher Fehler – gelernt hat. Das wurde heute in Hildesheim ebenfalls dargestellt. Ich bin dem Bistum dankbar, dass es im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs und deren Aufarbeitung einen – wie das Gutachten sagt – Paradigmenwechsel eingeleitet und zahlreiche Maßnahmen, insbesondere im Präventionsbereich, getroffen hat.

Das Gutachten des Instituts geht an verschiedenen Stellen auch auf Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen sexuellen Missbrauchs ein. Hier werden insbesondere die Leitlinien aber auch die Zentrale Koordinierungsstelle, die Empfehlungen für die materielle Anerkennung erlittenen Leids ausspricht, genannt. Derzeit befinden wir uns bereits in einem Aktualisierungsprozess der Leitlinien sowie der Rahmenordnung für die Prävention. In diesem Prozess werden wir das Gutachten des Instituts aufmerksam lesen und die in ihm enthaltenen Hinweise mit in unsere Überlegungen einfließen lassen.“

Akkreditierung für den ökumenischen Gottesdienst

13. October 2017 - 15:04
Anlässlich der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages am 24. Oktober 2017 laden Prälat Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Abgeordnete und Mitarbeiter des Bundestages zu einem ökumenischen Gottesdienst um 8.30 Uhr in die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin ein.

Achtung: Dieser Gottesdienst ist nicht öffentlich.

Zur Berichterstattung ist eine eigene Akkreditierung erforderlich. Bitte melden Sie sich mit untenstehendem Formular an. Die Anmeldung muss aufgrund der bestehenden Sicherheitsauflagen bis spätestens Freitag, 20. Oktober 2017, 12.00 Uhr, erfolgt sein. Eine spätere Nachakkreditierung ist nicht möglich. Auch Journalisten mit einer Jahresakkreditierung „Bundespressekonferenz“ müssen sich für den Gottesdienst eigens akkreditieren!

Die Akkreditierungsausweise werden am 24. Oktober 2017 am Nordportal der Französischen Friedrichstadtkirche von 7.30 bis 8.00 Uhr ausgegeben. Bitte bringen Sie unbedingt Ihren Presse- und Ihren Personalausweis mit.

Hinweise für Fotografen/TV-Journalisten:
Vor Beginn des Gottesdienstes gibt es für Fotografen und TV-Journalisten die Möglichkeit, ein Erste-Reihe-Foto zu machen. Während des Gottesdienstes sind keine Fotoaufnahmen möglich. epd-Bild wird Poolfotografen schicken. Für die Überlassung der Pool-Fotos setzen Sie sich mit den Agenturen in Verbindung: epd-Bild: www.epd.de; bildredaktion@epd.de, 069/58098-201.

Kardinal Marx spricht beim St. Michael-Jahresempfang

11. October 2017 - 9:56
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat dazu aufgerufen, Gesellschaft aktiv zu gestalten und nicht nur nostalgisch in die Vergangenheit zu blicken. Das sagte Kardinal Marx aus Anlass des St. Michael-Jahresempfangs gestern Abend (10. Oktober 2017) in Berlin.

Auf Einladung des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Karl Jüsten, kamen rund 600 Gäste, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Kardinal Marx warnte nachdrücklich vor einer „restaurativen Welle“ und einer Sehnsucht nach der Vergangenheit. „Wir müssen alles tun, um der Gefahr zu widerstehen, in Fundamentalismus und reaktionäre Rückwärtsgewandtheit zu verfallen.“ Es gebe zwar positive Aspekte der Rückbesinnung und Selbstvergewisserung, „aber nicht im Sinne einer rückwärtsgewandten Nostalgie“.

In der gegenwärtigen weltweiten Lage, aber auch mit Blick auf Deutschland müsse man immer neu lernen, als Gesellschaft zusammenzuhalten. „Ein Blick ewig nach gestern bringt uns nicht nach vorne. Eine Wahl wie die vergangene Bundestagswahl zeigt uns, dass wir in einer pluralen Gesellschaft mit vielen Meinungen leben, die oft diffus aufeinandertreffen. Unser Auftrag muss es sein, gemeinsam das Gute zu suchen“, so Kardinal Marx. Oft suche man in einer solchen Welt nach Schuldigen und nach dem Einfachen. „Aber wir dürfen nicht vereinfachen oder nur nach gestern fragen. Wir müssen die Freiheit aushalten.“ Kardinal Marx erinnerte daran, dass vor allem die Demokratie lebendig bleiben müsse, „sie läuft nicht von selber, sie braucht unseren täglichen Einsatz“. Demokratie verlange das Engagement jedes Einzelnen. „Ohne Vernunft werden wir in einer vielgestaltigen Gesellschaft nicht zu Lösungen kommen“, sagte Kardinal Marx. Die Vertreter der Politik forderte er auf, Europas Einigung voranzubringen und die Flüchtlings- und Migrationspolitik weiter auch humanitär auszurichten. Ein Einwanderungsgesetz könne eine Lösung sein, aber nicht nach der Regel, dass man die Schlauesten nach Deutschland hole und die Armen alleine lasse.

Mit Blick auf aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen erinnerte Kardinal Marx an die Enzyklika Laudato siʼ von Papst Franziskus. Der Appell, das ganze Haus der Schöpfung zu sehen und damit verantwortlich umzugehen, sei auch ein Auftrag an die Politik. „Wir dürfen die möglichen Verlierer der ökologischen Kosten der Globalisierung nicht aus dem Auge verlieren. Das Haus der Schöpfung ist dieser Planet. Für den tragen wir Verantwortung, auch für kommende Generationen.“ Ausdrücklich warnte Kardinal Marx auch vor jeder Form von Diskriminierung und Verfolgung. „Es geht darum, den anderen so anzuerkennen wie er ist. Jeder Mensch muss von uns als Abbild Gottes gesehen und akzeptiert werden. Zu dieser Sicht der Welt und des Menschen gehört auch jene Vernunft, die nach der Wahrheit sucht. Wir werden als Kirche versuchen, unseren Beitrag zu leisten.“

Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, dankte der scheidenden Bundesregierung und wünschte den neu gewählten Abgeordneten Glück, Durchhaltevermögen und Gottes Segen. Er erinnerte in seinem Grußwort besonders an die Gesetzgebungen zur Hospizversorgung und zum assistierten Suizid in der bisherigen Legislaturperiode.

Hinweise: Ein kostenfreies Pressefoto des St. Michael-Jahresempfangs kann per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de angefordert werden. Die Ansprache von Kardinal Marx ist unter www.domradio.de als Video verfügbar.

Deutsche Kommission Justitia et Pax wird 50 Jahre alt

9. October 2017 - 11:59
1967 ist die Deutsche Kommission Justitia et Pax gegründet worden und setzt sich seitdem für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte ein. Sie wird getragen von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Vorsitzender von Justitia et Pax in Deutschland ist Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier).

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums von Justitia et Pax laden wir die Kolleginnen und Kollegen der Medien herzlich ein zu einem Festakt am
Donnerstag, 19. Oktober 2017, um 15.00 Uhr in der Katholischen Akademie Berlin (Hannoversche Str. 5a, 10115 Berlin).

Unter dem Leitwort „Das Gemeinwohl weltweit denken – Neue Wege integraler Entwicklung gehen“ werden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des ZdK, Prof. Dr. Thomas Sternberg im Dialog mit dem Bundesminister der Finanzen, Dr. Wolfgang Schäuble, diskutieren. Während des Festaktes mit weiteren Podiumsbeiträgen, darunter Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, wird auch die Sonderbriefmarke des Bundesfinanzministeriums „50 Jahre Justitia et Pax“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Dem Festakt schließt sich am nächsten Tag (Freitag, 20. Oktober 2017) am Vormittag ein öffentliches Fachgespräch zur Frage menschenwürdiger Arbeit und globaler Wertschöpfungsketten an.

Hinweise: Interessierte Medienvertreter können sich für den Festakt und/oder das am nächsten Tag anschließende Fachgespräch ab sofort bis zum 17. Oktober 2017, 12.00 Uhr, formlos mit einer E-Mail an pressestelle(at)dbk.de anmelden. Aufgrund der räumlichen Kapazitäten ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.
Weitere Informationen zur Veranstaltung können Sie dem beigefügten Programm entnehmen.

Einladung zum Katholischen Medienpreis 2017

5. October 2017 - 10:01
Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) zum 15. Mal den Katholischen Medienpreis und den „Sonderpreis der Jury“.

Medienvertreter sind herzlich zur Preisverleihung eingeladen. Im Anschluss an den Festakt ist auf der Bühne ein Foto möglich mit den Preisträgern und dem Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst. Der Festakt findet statt am Montag, 16. Oktober 2017, um 19.00 Uhr im LVR-LandesMuseum, Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn.

Erstmals wird ein mit 2.000 Euro dotierter „Sonderpreis der Jury“ verliehen, mit dem Christina Fee Moebus für die Crossmedia-Serie „Der Gespenster-Schiff-Prozess“ (26.–28. September 2016, Internet des Nordwestradios) ausgezeichnet wird. Die Jury des Medienpreises hat auch erstmalig in den Kategorien „Elektronische Medien“ und „Printmedien“ jeweils drei Beiträge als preiswürdig nominiert. Die von der Jury aus den Nominierten ausgewählten Preisträger werden beim Festakt bekannt gegeben. Den Nominierten, die den Preis nicht erhalten haben, wird eine Urkunde verliehen, die die „Auszeichnung journalistisch WERTvoll“ ersetzt. Der Katholische Medienpreis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien „Elektronische Medien“ und „Printmedien“ vergeben.

Die Laudationes halten Patricia Riekel, ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift Bunte, und Volker Herres, Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, sowie Stefan Kläsener, Chefredakteur im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag und Jurymitglied. Den Festakt, zu dem rund 300 Gäste aus Kirche, Politik und Medien erwartet werden, moderiert Gisela Steinhauer (WDR, Köln).

Hinweise: Medienvertreter werden gebeten, bis zum 13. Oktober 2017 (12.00 Uhr) mit der Pressestelle der Deutschen Bichofskonferenz Kontakt aufzunehmen, wenn Sie sich anmelden möchten (pressestelle(at)dbk.de). Die Jurybegründung zur Preisträgerin des „Sonderpreises der Jury“ als pdf-Datei sowie weitere Informationen zum Katholischen Medienpreis sind auf der Initiativen-Seite Katholischer Medienpreis verfügbar. Fotos der Nominierten und der Preisträgerin des „Sonderpreises der Jury“ in Druckqualität können den Medien auf Anfrage per E-Mail an pressestelle@dbk.de kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Einladung zum St. Michael-Jahresempfang 2017

2. October 2017 - 9:48
Am Dienstag, den 10. Oktober 2017, findet auf Einladung des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Karl Jüsten, um 18.00 Uhr der St. Michael-Jahresempfang im Hotel Aquino (Tagungszentrum Katholische Akademie, Hannoversche Straße 5b) in Berlin statt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wird eine Ansprache halten. Erwartet werden neben Mitgliedern des Bundeskabinetts zahlreiche Vertreter aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Bis zum 5. Oktober 2017 (12.00 Uhr) können sich Medienvertreter ohne persönliche Einladung über das Online-Formular für den St. Michael-Jahresempfang in Berlin akkreditieren. Bitte beachten Sie, dass eine Akkreditierung nur online möglich ist. Am 10. Oktober 2017 können Sie Ihren Akkreditierungsausweis zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr im Tagungszentrum Katholische Akademie abholen. Bitte beachten Sie die Anmeldefrist.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Predigt von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Schlussvesper am 28. September 2017

28. September 2017 - 19:32
Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
ehrwürdige Schwestern,
liebe Vertreter der kirchlichen Vereine und Verbände,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Seit 150 Jahren kommen die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda zusammen. Die Lage ziemlich in der Mitte Deutschlands ist verkehrstechnisch sehr praktisch. Aber der wahre Grund liegt tiefer. Wir treffen uns in Fulda, weil wir hier das Grab des hl. Bonifatius verehren, des „Apostels der Deutschen“. Die Verlautbarungen der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe, früher bisweilen einfach „Fuldaer Bischofskonferenz“ genannt, wurden stets mit der Wendung eingeleitet bzw. lokalisiert: „Am Grab des hl. Bonifatius versammelt, … tun die deutschen Bischöfe kund …“

Zur Verehrung des hl. Bonifatius gehört nicht zuletzt die Bitte um Gottes Segen auf seine Fürsprache hin, die zeichenhaft durch die Auflegung der Bonifatius-Reliquie ihren Ausdruck findet. Auch wir werden uns nachher mit dem Reliquiar segnen lassen und somit gleichsam hautnah in Berührung bringen mit dem Mann, der für seinen Glauben sein Leben hingegeben hat. Der damit durch die Gnade Gottes sein außergewöhnliches Lebenswerk der vertieften Einpflanzung des Christentums in unserem Heimatland krönen konnte.

Als Bischof von Regensburg darf ich einem Bistum vorstehen, das im Jahr 739 vom hl. Bonifatius kanonisch errichtet wurde und so treiben auch mich besonders Fragen um wie diese: Was gibt uns das Vorbild des hl. Bonifatius heute mit? Was können wir von ihm lernen, wo fordert er uns heraus?

Wenn wir sein Leben und Wirken betrachten, dann begegnet uns ein Organisationsgenie und ein Kommunikationsgenie; jemand, der die Kirche in Deutschland geordnet und fest mit Rom verbunden hat und damit ein wesentliches Fundament des Abendlandes gelegt hat. Aber diese sozusagen politischen Fähigkeiten allein begründen noch nicht seine Bedeutung. Bonifatius war ein echter Bote des Evangeliums. Davon zeugen seine Briefe. In ihnen begegnet uns manch Zeitbedingtes, aber auch viel zeitlos Gültiges für uns.

Im ältesten uns erhaltenen Bonifatius-Brief an einen gewissen Sigeberht erläutert der Heilige die Bedeutung des sogenannten Kreuzgedichtes. Das ist ein kunstvolles Figurengedicht in Ellipsenform, dessen Mitte das zweimal mit der Inschrift „Jesus Christus“ versehene Kreuz bildet: „Du sollst wissen, dass Du die einzelnen Bestimmungen des Alten und Neuen Testamentes dann in der den Kirchensatzungen entsprechenden Weise verstanden hast, wenn Du in der Mitte mit geistigen Augen betrachtend den Christus am Kreuz erblicken kannst, der das Bauwerk der bösen Begierden zerstört und den Tempel der gütigen Liebe erbaut“ (Briefe des hl. Bonifatius, hg. von Reinhold Rau, Darmstadt 1969, 365; vgl. Lutz E. von Padberg, Bonifatius. Missionar und Reformer, München 2003, 24).

Bonifatius, der sich selbst auf seinen missionarischen Dienst mit einem intensiven Studium der Heiligen Schrift vorbereitet hat – vermutlich konnte er die Bibel über weite Strecken auswendig – verpflichtet uns auf die Urkunde unseres Glaubens. Bemerkenswert sein Hinweis auf die Einheit der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament als Offenbarungszeugnis sind eine Einheit, die christologisch, letztlich durch das Kreuzesgeschehen, vermittelt ist; Einsichten, die von höchster Aktualität sind und von der Bibelhermeneutik unserer Tage wieder eingeholt werden.

Angesichts einer immer mehr schwindenden Bibelkenntnis selbst in kirchlichen Kreisen und eines Relevanz-Verlustes der biblischen Botschaft erinnert uns Bonifatius durch sein Vorbild und seine Predigt an die Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils: die Kenntnis der Heiligen Schrift zu fördern, die Liebe zur Heiligen Schrift zu entfachen und das Schriftstudium als „Seele der Theologie“ hochzuhalten (vgl. Vat. II, Dei verbum, 6. Kapitel, v. a. DV 24).

Mit der Heiligen Schrift im Herzen hat der hl. Bonifatius unsere Heimat evangelisiert. Ich bin froh, dass er die Donar-Eiche – Symbol und Kultstätte des germanischen Heidentums – gefällt, aus ihrem Holz eine Peterskirche gebaut und an ihre Stelle das Kreuz gesetzt hat. Die Propagandisten einer Re-Germanisierung haben ihm das immer übel genommen und die vermeintliche „Verweichlichung“ der hehren germanischen Natur durch die jüdisch-christliche Ethik der Schwachen und Zu-kurz-Gekommenen vorgeworfen. Erst aus der Perspektive der Umkehr und der Kreuzesnachfolge freilich ist der wahre und wahrhaftig humane Mehrwert der Botschaft des Evangeliums zu erfassen. Das Kreuz ist das Zeichen gewaltloser Toleranz, das uns zeigt, dass der Glaube in höchstem Maße eine Sache der Freiheit ist. Das Kreuz zeigt, dass Gott uns leiden mochte und leiden mag bis zur letzten Konsequenz und ist deshalb der Inbegriff der froh und selig machenden Botschaft. Woher, so frage ich, woher schließlich sollte Hoffnung kommen auf Frieden und Versöhnung unter den Völkern, wenn nicht vom Kreuz her, an dem der Herr gewalt- und wehrlos den Hass der Welt an sich hat austoben lassen und so dem unseligen Kreislauf von Tun und Vergeltung in die Speichen gefahren ist; vom Kreuz her, unter dem sich gerade auch noch einmal Opfer und Täter versöhnen können?

Dank des überlieferten Brief-Corpus haben wir auch ganz konkrete Aussagen und Ermahnungen des hl. Bonifatius an Bischöfe. Ich erinnere nur an eines der berühmtesten Worte, gerichtet an Bischof Cuthberht: „Wir wollen nicht stumme Hunde sein, nicht schweigende Späher, nicht Mietlinge, die vor dem Wolf fliehen, sondern besorgte Hirten, die über die Herde Christi wachen, die dem Großen und dem Kleinen, dem Reichen und dem Armen, jedem Stand und Alter, ob gelegen oder ungelegen, jeden Rat Gottes verkünden“ (Brief 78, ed. Rau, 251 und 253; zitiert nach Padberg, 31).

Es ist beachtlich, mit welchem Nachdruck Bonifatius die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen betont (vgl. Hubertus Lutterbach, Mit Axt und Evangelium. Eine Biographie in Briefen, Freiburg 2. Auflage 2005, 273). Lutterbach spricht davon, Bonifatius habe das Christentum als „Gewissensreligion“ gelehrt und verkündet! Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt. Menschen die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können.

Deshalb scheint mir, dass uns Bonifatius, der Glaubenszeuge, ermutigt, im Voraus zu einer Theologie der Gemeinschaft und der Kollegialität – so wichtig und notwendig sie ist –, noch deutlicher eine Theologie der Personalität und der personalen Verantwortung in den Blick zu nehmen. Eine solche Theologie der Personalität entspricht ganz dem biblischen Gottes- und Menschenbild. „Zur Struktur der Bibel gehört nicht nur die Gemeinschaftlichkeit der von Gott geschaffenen Geschichte“, sagt Joseph Ratzinger, „sondern ebenso die persönliche Haftbarkeit, die Verantwortung der Person. Das Wir ist nicht Auflösung von Ich und Du, sondern deren Bestätigung und Stärkung ins Endgültige hinein.“ Ein sprechender Beleg dafür ist die Bedeutung, die schon im Alten und erst recht im Neuen Testament, der Name hat – der Name Gottes und der Name des Menschen. Der Name, der Gott und mich und dich ansprechbar, identifizierbar und unterscheidbar macht, bezeichnet in der Sprache der Bibel dasselbe, was dann die philosophische Reflexion mit dem Wort „Person“ bezeichnen wird. „Dem Gott, der einen Namen hat, d. h. ansprechen und angesprochen werden kann, korrespondiert der Mensch, der namentlich und in namentlicher Verantwortung in der Offenbarungsgeschichte steht.“ (Joseph Ratzinger, Der Primat des Papstes und die Einheit des Gottesvolkes, JRGS 8, 660–675, hier: 663) Deshalb ist es auch wichtig, dass im eucharistischen Hochgebet, wenn die Einheit des Gottesvolkes mit der Hierarchie der Kirche aufgerufen wird, der Papst und der Ortsbischof mit ihren Namen genannt werden. Das hat nichts mit Personenkult zu tun, sondern erinnert an die Tatsache, dass der formale Kern des Glaubens die „persönlich verantwortete Zeugenschaft“ ist. Es kann in der Kirche keine anonyme Leitung geben. Die personale Inpflichtnahme darf nicht durch Gremien oder Synoden aufgehoben werden, durch letztlich anonyme Größen, hinter der die persönliche Zeugenschaft und auch die persönliche Verantwortlichkeit zu verschwinden droht. Bonifatius erinnert uns durch sein Wirken und sein Beispiel an die „martyrologische“, das heißt auf das persönliche Bekenntnis und die Zeugnis verpflichtende Sendung des apostolischen Dienstes. Die Kollegialität der Bischöfe hebt die Personalität und persönliche Verantwortung des einzelnen nicht auf, sondern setzt sie voraus.

Noch einmal mit Joseph Ratzinger gesprochen:
Dem Zeugen Jesus Christus entsprechen die Zeugen, die, eben weil sie Zeugen sind, mit Namen für ihn einstehen. Das Martyrium als Antwort auf das Kreuz Jesu Christi ist nichts anderes als die letzte Bekräftigung dieses Prinzips der unabtretbaren Namentlichkeit, der namentlich haftenden Person.“

Hl. Bonifatius, Apostel der Deutschen und Blut-Zeuge für das Evangelium, bitte für uns! Amen.

Festakt „150 Jahre Deutsche Bischofskonferenz in Fulda“

28. September 2017 - 15:29
Im Jahr 1848 fand die erste deutsche Bischofsversammlung in Würzburg statt. Diese Versammlung blieb zunächst ein einmaliges Ereignis. 19 Jahre später, vom 16. bis zum 21. Oktober 1867, trafen sich die Bischöfe am Grab des hl. Bonifatius und bildeten die erste gesamtdeutsche Fuldaer Bischofskonferenz. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe Christus Dominus vom 28. Oktober 1965 verbindliche rechtliche Normen für die Bischofskonferenz formuliert. In dieser Zeit änderte sich auch der Name: Aus der Fuldaer wurde die Deutsche Bischofskonferenz. Die Stadt und das Bistum Fulda haben gemeinsam mit den deutschen Bischöfen das Jubiläum in einem Festakt im Fuldaer Stadtschloss gefeiert.

Wir dokumentieren unten als pdf-Dateien die Grußworte von Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) und Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister von Fulda, sowie den Festvortrag von Prof. em. Dr. Hermann Josef Pottmeyer zum Thema „Die Bischofskonferenz in der synodalen Kirche“.

Abschlusspressekonferenz der Herbst-Vollversammlung 2017 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda

28. September 2017 - 13:29
Die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (28. September 2017) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten. Im Mittelpunkt stand der Studientag „Schöpfungsverantwortung nach Laudato siʼ – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche“. Aktuelle Fragen zur Flüchtlingsarbeit haben die Vollversammlung ebenso geprägt wie eine Auseinandersetzung mit den Gefahren des internationalen Terrorismus. Die deutschen Bischöfe haben sich auch mit der von Papst Franziskus für Oktober 2018 geplanten Weltbischofssynode „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“ befasst.

Wir dokumentieren hier den umfassenden Pressebericht zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 28. September 2017 um 13.00 Uhr in Fulda vorgestellt hat. Die pdf-Datei ist untenstehend zum Herunterladen verfügbar.

Predigt von Erzbischof Stephan Burger in der Eucharistiefeier am 28. September 2017

28. September 2017 - 7:03
Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder,

werfen wir am heutigen Festtag der hl. Lioba einen kurzen Blick auf ihr Leben und Wirken. Lioba stammte aus einer guten Familie in Wessex. Ihre Mutter Ebba war mit dem hl. Bonifatius verwandt und dieser bat Lioba mit einer kleine¬ren Gruppe von Schwestern ihr Kloster in Wimborne zu verlassen und aufs Festland überzusetzen, um ihn bei der Missionsarbeit zu unterstützen.

Um das Jahr 735 wurde sie die erste Äbtissin von Tauberbischofsheim. Das Kloster wuchs. Lioba sorgte für eine gute handwerkliche wie geistige Ausbildung der ihr Anvertrauten. Eine gütige Frau soll sie gewesen sein, eine beliebte Lehrerin und Erzieherin. Bonifatius hielt viel von ihr. Selbst im Tod wollte er mit ihr verbunden sein. Sein Wunsch war, dass sie neben ihm begraben werden sollte. Am 28. September 782 wurde sie hier in Fulda beigesetzt.

Diese kurze Vita zeigt, zu was Menschen fähig sein können, wenn sie sich von Gott rufen lassen, fähig dazu, Außerordentliches zu leisten, von sich selber abzusehen, um Gott verstärkt in den Blick zu nehmen, ganz und gar für ihn da zu sein. Und wer für Gott ganz und gar da ist, ist auch für den da, in dem sich die Gegenwart Gottes zeigt und widerspiegelt. Der ist da für den anderen, für den Mitmenschen. Soweit zur Praxis einer hl. Lioba. Soweit zur Theorie für alle, die ihr Christsein leben wollen. Denn es stellt sich für unser sogenanntes christliches Abendland – und nicht nur für dieses – schon die Frage, welche Auswirkungen diese Theorie auf die vielen Menschen noch hat, die einmal das Sakrament der Taufe empfangen haben.

Ein Blick in unsere Gemeinden zeigt zum einen sehr wohl ein großes Engagement in sozialer und caritativer Hinsicht. Und ich denke das Engagement von vielen im Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe belegte und belegt dies überdeutlich. Auch die Arbeit unserer caritativen Einrichtungen, die Arbeit der Caritas überhaupt mit all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leistet hier eine sehr gute, wichtige und unverzichtbare Arbeit, für die ich auch an dieser Stelle ein herzliches Danke sage!

Zum andern beschäftigt uns natürlich die Frage, wie es mit unserem kirchlichen Leben vor Ort, in unseren Gemeinden mit unserer Glaubensvermittlung weitergehen soll und kann, wenn wir auf die weiter zurückgehenden Gottesdienstbesucherzahlen blicken, auf ein Schwinden bewusst gelebter Tradition und Glaubenspraxis. Und die eigene, selbstkritische Frage gilt es auch für uns ständig neu zu stellen: Wie bewusst leben wir selbst noch aus der Hl. Schrift und aus dem Empfang der Sakramente? Wie kann und mag es gelingen, dass eine geoffenbarte Wahrheit und die daraus sich entwickelte kirchliche Lehre nicht nur als theoretischer Überbau verstanden wird, sondern als Zugang zum Geheimnis des göttlichen Lebens, als Zugang zu dem Leben, das nicht nur eine Vertröstung darstellt, das sich nach Meinung so mancher nie erfüllen mag, sondern dass es um ein göttliches Leben geht, das im Hier und Jetzt beginnt, sich immer mehr entfaltet und einmal vollendet werden wird?

Was entwickeln wir nicht alles an pastoralen Programmen und Initiativen, was tun wir nicht alles, um unsere Strukturen und Verwaltungen zukunftsfähiger zu machen und das mit einem im wahrsten Sinne des Wortes doch eher fortlaufenden Erfolg. Je mehr ich diese Gedanken vertiefe, desto mehr wird mir bei der Komplexität von Kirche und deren Faktoren deutlich, dass Kirche eben nicht zu machen ist, dass wir – bei aller Geschäftigkeit – sie uns immer neu schenken lassen müssen, diese Gemeinschaft der Glaubenden, diese von Gott zusammengerufene Gemeinschaft.

Er ruft! Wir sind nur diejenigen, die diesen Ruf durch unseren Dienst neu ins Bewusstsein heben und verstärken dürfen. Ich denke, dass dies auch die hl. Lioba ausgezeichnet hat. Sie verstand es, den Menschen ihrer Zeit Christus nahezubringen, zum einen durch eine geistige, ja geistliche Ausbildung, so wie sie im Buch der Weisheit umschrieben ist. Sich bilden im Gebet, in der Verwiesenheit auf Gott hin, von ihm alles zu erwarten, sich von ihm ständig aufs Neue beschenken zu lassen. Gott die Chance einräumen, dass er wirklich in unser Innerstes eintreten kann, um uns zu verändern, zu heiligen. Und dann, sich bilden in den persönlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten. Diese auszubilden, zur Reifung zu bringen, damit sie anderen zum Nutzen werden können, damit sie eingesetzt werden können zum Aufbau und zum Dienst am Reich Gottes, an der Gemeinschaft der Kirche, ja einer ganzen Gesellschaft.

Die hl. Lioba verstand es, die Liebe zu leben, die Freude an Gott im Herzen zu tragen. Sie verstand es, den ihr Anvertrauten eine Herzensbildung zu ermöglichen, die bis in die Gegenwart ausstrahlt. Das alljährliche Lioba-Fest in Tauberbischofsheim gibt davon Zeugnis. Als junger Kaplan durfte ich es dreimal miterleben und mitfeiern. Und auch am vergangenen Samstag konnte ich dabei sein. Auf die Fürsprache der hl. Lioba wurde Tauberbischofsheim vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bewahrt, so haben es die Vorfahren für sich erlebt und erfahren.

Ein Gelübde der Tauberbischofsheimer, dieses Fest deshalb auf besondere Weise zu begehen, wird bis heute erfüllt. Das Geschäftsleben ruht, um für Gottesdienst und Gemeindeleben Zeit zu haben. Bloße Tradition? Für manche sicherlich Folklore, für andere ist dieses Fest nach wie vor mehr! Es ist und bleibt ein Fest, das auf den Ursprung verweist, auf diesen Weinstock Jesu Christi, der seine Reben hervorgebracht hat wie eine hl. Lioba und viele andere. Und auch wir dürfen uns an diesem Weinstock als Rebenzweige verstehen, die in dieser Zeit Früchte tragen. Früchte, die zeigen, dass wir selbst zu Christus gehören, Früchte, die genährt sind von diesem Lebensstrom göttlicher Liebe, der von Christus unaufhörlich ausgeht. Nichts anderes feiern wir jetzt, als uns von diesem Lebensstrom der Liebe tragen zu lassen. Wir geben uns selbst mit unserem Leben, mit unserer Hingabe an Christus neu in diesen Lebensstrom hinein.

Und wir erhalten am Ende dieser Feier keinen anderen Auftrag, als davon selbst Zeugnis zu geben. Dazu werden wir gesendet. Und das mag uns bei allem, was wir überlegen und planen, auch entlasten. Der Weinstock Christus trägt uns, seine Liebe befähigt uns. Und unser Mühen und Arbeiten wird dann in seinen Augen auch Früchte tragen. Ob das der Welt reicht oder einem objektiven Anspruch genügen wird, weiß ich nicht; wahrscheinlich nicht. Muss es aber auch nicht, denn Christus wird darüber entscheiden. Gelingt es uns, ihm zu genügen, haben wir alles erreicht. Das will unser Anspruch sein. Ein Anspruch, dem die hl. Lioba nachgekommen ist. Ihre Fürsprache begleite uns.

Pressegespräch zum Studientag „Schöpfungsverantwortung nach Laudato siʼ – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche“

27. September 2017 - 11:49
Bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda haben die deutschen Bischöfe während eines Studientags über Umweltfragen und Entwicklung gesprochen – auf der Grundlage der Enzyklika Laudato siʼ von Papst Franziskus. Die ökologische Verantwortung der katholischen Kirche in Deutschland war ebenso ein Schwerpunkt wie der Austausch über bereits bestehende Engagements und zukünftige Perspektiven in den Diözesen.

Die Enzyklika wurde im Juni 2015 veröffentlicht, auch mit Blick auf die Generalversammlung der Vereinten Nationen wenige Monate später, bei der Papst Franziskus am 25. September 2015 die Eröffnungsrede gehalten hat. Für die UN-Weltklimakonferenz im Dezember 2015 in Paris setzte die Enzyklika ebenfalls wichtige Impulse: In beiden UN-Konferenzen standen Weichenstellungen für die Bekämpfung von Armut und Klimawandel an. Es ging es um eine neue Grundlage in der internationalen Zusammenarbeit für eine integrale Entwicklung weltweit.

Aus dem heutigen (27. September 2017) Pressegespräch zum Studientag dokumentieren wir unten als pdf-Dateien zum Download die Statements von
  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen;
  • Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Vorsitzender der deutschen Kommission Justitia et Pax;
  • Weihbischof Dr. Bernd Uhl (Freiburg), Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Prof. DDr. Hans-Joachim Schellnhuber (Potsdam), Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

40.000 Bibeln für Menschen in Gefängnissen

27. September 2017 - 9:32
In einer gemeinsamen Aktion haben die Deutsche Bischofskonferenz, die Katholische Bibelanstalt und die Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland jetzt 40.000 Exemplare einer Sonderausgabe der neuen, revidierten Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift Menschen in Gefängnissen geschenkt.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), und Weihbischof Dr. Reinhard Hauke (Erfurt), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Diakonische Pastoral innerhalb der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, übergaben heute (27. September 2017) in Fulda symbolisch eine der Bibelausgaben an den vor Ort in der JVA Fulda und JVA Hünfeld tätigen Gefängnisseelsorger Dr. Meins Coetsier.

Bischof Bode unterstrich den besonderen Auftrag der Gefängnisseelsorge: „Die Seelsorge für Inhaftierte, deren Angehörige und die JVA-Bediensteten gehört zu den wesentlichen Elementen pastoralen Handelns. Dort, wo wir als Kirche an die Ränder unserer Gesellschaft gehen, wird die Botschaft der Bibel lebendig. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, die Heilige Schrift auch zu den Menschen in den Gefängnissen zu bringen.“

Weihbischof Hauke nannte die Gefängnisse nicht nur „Orte diakonischen Handelns von Kirche und spezielle Handlungsorte der Pastoral, sondern gleichsam auch besondere Orte der Verkündigung durch unser seelsorgerisches Tun. Die weiterführende Beschäftigung mit der Bibel kann insbesondere in Krisensituation wie im Gefängnis helfen, den eigenen Weg zum Glauben zu finden und zu stärken.“

JVA-Seelsorger Dr. Coetsier würdigte die Bibel als wichtiges Element der Gefängnisseelsorge. „Hinter Gittern haben die Menschen Zeit, die Heilige Schrift zu lesen. Aufgrund ihrer Sehnsucht, Halt und Perspektive zu finden, suchen Gefangene einen Zugang zum Glauben. Die Bibel verbindet dabei, bewegt das Herz und erzählt von einem barmherzigen Gott, den man im Gefängnisalltag besonders braucht. In meinem Bibelkreis mit den Inhaftierten, spüre ich immer wieder, wie lebendig die Bibel sein kann.“

Hinweis:
Ein Foto von der Überreichung der Sonderausgabe kann kostenfrei unter pressestelle(at)dbk.de  angefordert werden.

Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki in der Eucharistiefeier am 27. September 2017

27. September 2017 - 7:29
Liebe Schwestern, liebe Brüder,

keine zwanzig Jahre war er alt, dieser Vinzenz von Paul, als er im Jahre 1600 zum Priester geweiht wurde. Dabei hatte er diesen Beruf zunächst nur ergreifen wollen, um aus der Armut herauszukommen. Doch eine Begegnung mit dem Priester und späteren Kardinal Bérulle veränderte alles. Als Hausgeistlicher des Grafen de Gondi entdeckte Vinzenz die Verlassenheit und religiöse Unwissenheit der Landbevölkerung sowie die mangelnde Bildung vieler Geistlicher. 1625 gründete er deshalb eine Gemeinschaft von Priestern, die Kongregation der Lazaristen, deren Berufung er in der Abhaltung von Volksmissionen und in der Heranbildung guter Priester sah.

Vielleicht unterscheiden sich deshalb auch die Zeitumstände, in die sich Vinzenz hineingestellt sah, gar nicht so sehr von den unseren heute. Denn wie damals scheint das Christliche auch heute mehr und mehr zu verdunsten, das Kirchliche auf jeden Fall, und es hat den Anschein, dass eine religiöse Unwissenheit – selbst innerhalb der Kirche – weiter zunimmt. Gott ist manchem zum großen Unbekannten geworden – auch manchem Christen.

Vielleicht tun wir uns deshalb heute auch so schwer, darum zu wissen, wer wir als Christen sind. In der Gemeinde von Korinth, von der am heutigen Gedenktag die Lesung berichtet, scheint es ganz ähnliche Probleme gegeben zu haben. Jedenfalls glaubte dort eine Gruppe von Schwärmern, aufgrund der Gaben des Heiligen Geistes im Besitz höherer Erkenntnis zu sein. Sie hielten sich für etwas Besonderes, für etwas Besseres, für die einzig wahren Christen. Die anderen existierten schon fast gar nicht mehr für sie. Der Apostel musste deshalb eingreifen und allen noch einmal sagen, wer sie in Wirklichkeit sind: nämlich nichts anderes als eine kleine Gemeinschaft von Sklaven, Hafenarbeitern, Handwerkern sowie ein paar Gebildete und Beamte.

Paulus will den Korinthern damit nicht signalisieren, dass sie sozial nichts wert sind, wohl aber, dass sie trotzdem „wer“ sind: und zwar aufgrund der Erwählung Gottes. Gott hat nämlich weder den Einzelnen noch die Gemeinde als Ganze aufgrund von persönlichen Fähigkeiten oder einer gesellschaftlichen oder beruflichen Stellung berufen, sondern einfach, weil er einen jeden von ihnen liebt. Er beruft sie alle: Sklaven, Hafenarbeiter, Handwerker, Gebildete und Ungebildete. Das macht froh. Das macht glücklich. Provozierend allerdings ist, dass Gott augenscheinlich ein Herz hat für die Ungebildeten, die Kleinen, die Schwachen, die Geringen, die Verachteten, ja, dass er die sogar zu bevorzugen scheint. Warum? Nicht etwa, weil sie ungebildet und gering und verachtet sind, sondern weil sie in der Regel offener, das heißt empfänglicher für Gott sind. Für Gott zählt nämlich nur eines: Dass sich einer seine Liebe gefallen lässt! Sonst nichts!

Gott bedarf und will unsererseits keine Voraussetzungen. Er ruft sogar seine Kirche gewissermaßen aus dem „menschlichen Nichts“ hervor und setzt seine Absichten selbst mit einer schwachen, armseligen Kirche durch. Um das ganz stark herauszustellen, wagt der Apostel sogar zu sagen: Gott hat das Törichte in der Welt erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen. Er hat das Schwache in der Welt erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Er hat das Niedrige und Verachtete erwählt, das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten (vgl. 1 Kor 1, 27 ff.). Daran sollen die Korinther ablesen, worin ihre Würde und die der Kirche besteht: Nämlich nicht im gesellschaftlichen Ansehen – das hatten sie ohnehin nicht –, auch nicht aufgrund der Geistesgaben – denn die waren in Korinth vielen gegeben –, sondern allein darin, dass Gott sie angesehen, dass er sich ihrer in Christus angenommen hat. „Von ihm her“ – betont Paulus – „seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung (1 Kor 1,30). Das macht sie angesehen!

Auch uns macht das „angesehen“. Wie befreiend und ermutigend das doch ist! Wer du auch bist, du bist der ewigen Liebe Gottes wert. Er hat dich in Christus angesehen und berufen. Darum bist du wer. Aus den Begegnungen des Alltags wissen wir, wie befreiend und beflügelnd das ist, wenn uns von unserem Gegenüber Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit entgegengebracht wird, wenn wir spüren, gerade mal eben nicht nur für etwas „gebraucht“ zu werden. Das macht froh, das macht glücklich. Das hebt unser Leben. Und wir leben auf.

Wir spüren, was das Wissen um unsere Berufung in Christus für unser Leben bedeutet: Es lässt uns unsere wahre Würde erfahren. Es lässt uns damit fertig werden, wo wir nur nach dem äußeren Anschein, nur nach den „Vor-Urteilen“ über uns auf- oder abgewertet werden.

Wir spüren schließlich auch, wie der Apostel uns weiterhilft, wo wir als Kirche in der Gefahr stehen, angesichts geringer werdender Zahlen, angesichts eines augenscheinlich geringer werdenden gesellschaftlichen Einflusses, zu ermüden. Wer annimmt, was der Apostel heute herausstellt, weiß, dass wir nicht von Zahlen leben, nicht von irgendwelchen Erfolgen, die uns zugeschrieben werden, sondern allein aus dem „Angesehen Sein“ durch Gott. Paulus sagt dazu, dass das ein Leben „in Christus“ sei. Vinzenz von Paul hat genau das verstanden. Deshalb wollte er in seinem Leben auch nur eines sein: Ein Instrument in den Händen Jesu Christi, um das „Angesehen-Sein“ des Menschen durch Gott an die Menschen zu verschenken – durch sein schlichtes, unscheinbares Wirken im Alltag an den armen und hilfsbedürftigen Menschen, um sie spüren zu lassen, wie gut Gott und wie barmherzig Gott mit ihnen ist.

Genau das ist und bleibt die Berufung und Sendung der Kirche als Ganze auch heute: dieses „Angesehen-Sein“ des Menschen durch Gott wie Vinzenz von Paul heute zu leben und zu bezeugen: durch ein gutes Wort, durch einen guten Blick, durch die helfende Hand, durch das Geschenk meiner Zeit, durch meine Achtsamkeit, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit für den anderen. Wer heute so in Christus lebt, verwandelt dann – wie Vinzenz von Paul in seiner Zeit – die Menschen und ihre Welt. Und Gott ist mitten unter uns gegenwärtig.

Amen.

Lesung: 1 Kor 1,26–31
Evangelium: Mt 9,35–38

Pressegespräch zum Thema „Chancen und Grenzen des Dialogs: Zur Diskussion zwischen Kirche und Islam“

26. September 2017 - 13:29
Über „Chancen und Grenzen des Dialogs: Zur Diskussion zwischen Kirche und Islam“ haben die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda diskutiert. Bischof Georg Bätzing (Limburg), der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, sagte in seinem Statement, das wir unten vollständig dokumentieren, dass „der interreligiöse Dialog der katholischen Kirche mit dem Islam heute unter wachsendem Rechtfertigungsdruck“ stehe. „Beweist nicht jeder neue Terroranschlag unter Berufung auf Allah, Mohammed oder den Koran – sei es in Kundus, Bagdad, Paris, Brüssel, London oder Berlin –, dass die katholische Kirche falsch gelegen haben könnte, als sie mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine geradezu kopernikanische Wende in ihrem Verhältnis zum Islam vollzog? War die Kirche naiv, als sie in Nostra aetate die verbindenden Glaubensinhalte von Islam und Christentum herausstellte und sich zum Dialog bekannte?“, so Bischof Bätzing. Die Kirche werde sich von solchen Fragen und dem dahinter stehenden Meinungsklima nicht von dem Weg des Dialogs abbringen lassen, aber man sehe durchaus, dass kriminelle Extremisten den Islam dadurch pervertieren, dass sie sich zur Legitimation ihrer Verbrechen auf ihn berufen. Man müsse auch feststellen, dass Religion benutzt werden könne und werde, um unterschiedliche Identitäten zu markieren, und um Menschen aufzuhetzen und das Töten zu legitimieren. Bischof Bätzing betonte: „Gerade angesichts der heutigen Spannungen brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Dialog. Nur so nämlich kann erreicht werden, dass beide Religionen nicht Teil der internationalen Probleme sind, sondern Teil von deren Lösung.“

Ein weiterer Gesprächspartner war Dr. Timo Güzelmansur, der Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) in Frankfurt am Main – einer Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz. Eine Presseinformation über CIBEDO ist ebenso als pdf-Datei verfügbar.

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