5. December 2016
Augenblicke der Besinnung

Der Teufel ist wie
ein wütender Hund an einer Kette;
jenseits der Kette
kann man nicht gebissen werden.
Halten Sie sich fern von ihm.
Wenn Sie ihm näherkommen,
wird er Sie fassen.
Denken Sie daran,
dass es für den Teufel
eine einzige Tür gibt,
in Ihr Inneres zu gelangen:
Ihren Willen.
Heimliche Türen gibt es nicht.

Pater Pio
















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Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung zur Stiftung „Anerkennung und Hilfe“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 1. December 2016 - 11:56
Bund, Länder und Kirchen haben heute (1. Dezember 2016) am Rande der 93. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) in Lübeck die Verwaltungsvereinbarung zur Errichtung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ unterzeichnet. Die Stiftung soll das Leid und Unrecht anerkennen, das Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. 1949 bis 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie erfahren haben.

Bundessozialministerin Andrea Nahles sagte bei der Unterzeichnung: „Ich freue mich sehr, dass wir heute nach mehr als dreijährigen Verhandlungen endlich die Gründungsurkunde für die Stiftung ‚Anerkennung und Hilfe‘ unterschreiben. Die Betroffenen haben lange beharrlich dafür gekämpft, die Stiftung zu errichten. Menschen, die als Kinder und Jugendliche in unserem Land in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe beziehungsweise der Psychiatrie unsägliches Leid erlitten haben, bekommen durch die Stiftung ‚Anerkennung und Hilfe‘ nicht nur endlich die Anerkennung und die finanzielle Unterstützung, die ihnen zusteht. Wir werden das Geschehene nun auch endlich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen können.“

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit betonte als Vorsitzende der ASMK und als Ländervertreterin: „Ich freue mich, dass es heute gelungen ist, diese Einigung im Sinne der Betroffenen zu erzielen. Mir ist wichtig, dass wir sie in den weiteren Aufarbeitungsprozess eng mit einbeziehen und dabei neben dem Thema Gewalt und Missbrauch auch das Thema Medikamentenversuche beleuchten. Kinder und Jugendliche haben in dieser Zeit Leid und Unrecht in Einrichtungen erfahren. Darüber möchte ich von Herzen mein ausdrückliches Bedauern ausdrücken. Wir werden jetzt dazu beitragen, dieses Unrecht aufzuarbeiten, öffentlich anzuerkennen und Betroffenen konkrete Hilfestellung leisten.“

Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Annette Kurschus, sagte: „Leid und Unrecht, erlitten von vielen hilfebedürftigen Menschen in Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. stationären psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland nach 1949, sind der Anlass für die Errichtung der Stiftung ,Anerkennung und Hilfe‘. Mit Scham sehen Evangelische Kirche und Diakonie auf die Verhältnisse und die Verantwortung auch kirchlicher Einrichtungen für die Ereignisse in dieser Zeit. Wir bedauern das Geschehene zutiefst und bitten die Betroffenen dafür um Vergebung. Es ist uns wichtig, dass nun endlich auch für den Kreis dieser Betroffenen ein Hilfesystem entsteht, um den heute noch vorhandenen Folgewirkungen zu begegnen.“

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), der in Vertretung für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in Lübeck teilnahm, erklärte: „Die Stiftung ist ein absolut notwendiger Schritt zur Anerkennung des Leids der Betroffenen. Das sind wir diesen Menschen schuldig! Als Erzbischof der katholischen Kirche bedauere ich die damals ausgeübte physische, psychische und sexuelle Gewalt zutiefst und bitte die Betroffenen dafür um Entschuldigung. Kirchliche Organisationen und Verantwortliche haben in diesen Fällen dem christlichen Auftrag, Menschen mit Behinderung und psychiatrisch Erkrankte in ihrer Entwicklung zu fördern und ihre Würde zu schützen, nicht entsprochen. Meine große Hoffnung ist, dass die Betroffenen durch die Anerkennung und die Hilfen ihren weiteren Lebensweg etwas unbeschwerter und mit einem größeren inneren Frieden gehen können.“

Mit der Beteiligung am Hilfesystem kommen Bund, Länder und Kirchen ihrer Aufgabe nach, in der Vergangenheit erlebtes Leid und Unrecht transparent zu machen und ihren Beitrag zur Bewältigung und Aufarbeitung zu leisten.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird Träger der nichtrechtsfähigen Stiftung des Privatrechts, die von Bund, Ländern und Kirchen gemeinsam zum 1. Januar 2017 errichtet wird. Die Stiftung hat eine fünfjährige Laufzeit und soll für den Zeitraum 2017 bis 2021 bestehen. Betroffene können sich bis Ende 2019 in den Ländern anmelden. Dafür errichten die Länder regionale qualifizierte Anlauf- und Beratungsstellen.

Die Stiftung sieht neben einer individuellen Anerkennung des Erlebten durch persönliche Gespräche mit den Betroffenen und einer öffentlichen Anerkennung auch eine wissenschaftliche Aufarbeitung der seinerzeitigen Geschehnisse vor. Ferner sollen Betroffene, die heute noch unter Folgewirkungen leiden, eine einmalige pauschale Geldleistung von 9.000 Euro zur selbstbestimmten Verwendung erhalten. Darüber hinaus wird eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro gezahlt, sofern die entsprechenden Personen dem Grunde nach sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, ohne dass dafür Sozialversicherungsbeiträge abgeführt wurden.

Hinweise:
Das Pressestatement von Erzbischof Dr. Stefan Heße finden Sie untenstehend als pdf-Dateien zum Herunterladen. Mehr Informationen sind unter www.stiftung-anerkennung-hilfe.de verfügbar.

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zur Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 1. December 2016 - 9:11
Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (1. Dezember 2016) in Berlin eine Arbeitshilfe vorgestellt, die die Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel beleuchtet. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, wies auf die unterschiedliche Lage der Christen in den verschiedenen Staaten der Arabischen Halbinsel hin. „Grundsätzlich muss zwischen den Golfstaaten und Saudi-Arabien unterschieden werden.“ Der Jemen sei aufgrund des Krieges noch einmal eigens zu betrachten. In den Golfstaaten könnten Christen ihren Glauben relativ frei leben: „Es gibt Kultfreiheit, aber keine Religionsfreiheit“, so Erzbischof Schick. Ein aktives Werben für das Christentum oder gar die Konversion von Muslimen seien allerdings streng verboten und würden strafrechtlich verfolgt. In Saudi-Arabien sind die Lebensbedingungen für Christen deutlich schlechter, betonte Erzbischof Schick. Dort dürfe nur der Islam, vorzugsweise in seiner rigoristischen wahhabitischen Auslegung, praktiziert werden. „Schon der Besitz christlicher Kultgegenstände ist verboten.“ Für die geschätzt 1,5 Millionen Christen in Saudi-Arabien gäbe es keine einzige Kirche und die Gläubigen seien gezwungen, sich heimlich in Privathäusern und Hotels zu treffen.

Erzbischof Schick hatte die Region im Februar bereist und zahlreiche Gespräche mit den Christen vor Ort, Vertretern des Islam und Regierungsmitgliedern geführt: Die christliche Minderheit in den Golfstaaten, die aus allen Teilen der Welt stamme, habe ihre Nische in einem muslimisch und arabisch geprägten Umfeld gefunden. In den vergangenen Jahren sei eine lebendige Migrantenkirche mit eigenen Kirchengebäuden und katholischen Schulen entstanden. „Die Internationalität der Gemeinschaft, die Vitalität der Gottesdienste und das Selbstbewusstsein der Christen, denen ich begegnet bin, sind beeindruckend.“ Erzbischof Schick betonte: „Wie in kaum einer anderen Region zeigt sich die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel als Weltkirche. Der gemeinsame Glaube überwindet alle Unterschiede von Herkunft, Nationalität und Ritus.“

Der Apostolische Vikar für das südliche Arabien (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen), Bischof Paul Hinder OFMCap, berichtete über die Situation vor Ort: „Schätzungen zufolge dürfte die Anzahl der ausländischen Christen auf der Arabischen Halbinsel gegenwärtig bei mindestens drei Millionen liegen. Einheimische Christen gibt es praktisch keine.“ Er erklärte, dass die Wohnbevölkerung in den Golfstaaten zu einem großen Prozentsatz aus Ausländern bestehe. Die staatliche Haltung gegenüber den Christen schwanke von Land zu Land. „Länder wie zum Beispiel Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate oder das Sultanat Oman sind recht tolerant.“ In den Vereinigten Arabischen Emiraten existierten acht katholische Pfarreien. 50.000 Gläubige nähmen in Dubai jedes Wochenende an den Messfeiern teil. „Wir sind auf der Arabischen Halbinsel eine Kirche aus Migranten für Migranten. Unsere Vitalität hängt vom außerordentlichen religiösen Engagement der Gläubigen ab“, betonte Bischof Hinder.

Der Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio in Aachen, Prof. Dr. Harald Suermann, ging in seinem Statement auf die Situation der Christen in Saudi-Arabien ein. Er erklärte, dass Christen nach dem Koran eine geschützte Minderheit seien, die das Recht habe, ihren Glauben zu leben und eigene Gotteshäuser zu unterhalten. Dies werde in Saudi-Arabien jedoch eingeschränkt. „Liturgische Feiern sind dort verboten und können nur privat unter großer Gefahr vollzogen werden. Regelmäßig werden Gottesdienste von der saudischen Religionspolizei, der muttawa, durch Razzien und Verhaftungen unterbunden“, so Prof. Suermann. Für viele Christen bleibe nur die Möglichkeit, über Streaming-Angebote im Internet an Gottesdiensten teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass innerhalb des saudischen Königshauses um die zukünftige Ausrichtung des Landes gerungen werde. Einerseits gäbe es Strömungen, die sich für gesellschaftliche Reformen einsetzten, andererseits Versuche, die aktuellen Verhältnisse zu stabilisieren. Ob es für die Christen und andere religiöse Minderheiten im Land in absehbarer Zeit zu Veränderungen komme, sei im Moment noch nicht abzusehen.

Hintergrund
Die Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zur Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel enthält ausführliche Informationen zur Geschichte und Gegenwart des Christentums in der Region. Der besondere Fokus der Arbeitshilfe liegt auf der Religionsfreiheit. Stimmen aus der Ortskirche und Fotografien aus der Region veranschaulichen das Thema.

Die Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wurde von den deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um für die Lage bedrohter Glaubensgeschwister zu sensibilisieren. Mit Publikationen, liturgischen Handreichungen und öffentlichen Veranstaltungen wird auf die teilweise dramatischen Verhältnisse christlichen Lebens in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam gemacht. Zusätzlich pflegen die Bischöfe mit Solidaritätsreisen den Kontakt zu den entsprechenden Ortskirchen. In Deutschland sucht die Deutsche Bischofskonferenz immer wieder das Gespräch mit Politikern und anderen gesellschaftlichen Akteuren, um auf bedrohliche Entwicklungen hinzuweisen. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember (Stephanustag), der in allen deutschen (Erz-)Bistümern begangen wird.


Hinweise:
Die Statements von Erzbischof Schick, Bischof Hinder und Prof. Suermann finden Sie untenstehend als pdf-Dateien zum Herunterladen. Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Arabische Halbinsel“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Das Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für die verfolgten Christen am 26. Dezember können ebenfalls in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden. Weitere Informationen gibt es auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 27. November 2016 - 11:00
Die Bewahrung der Schöpfung und der Friede sind nach Worten von Kardinal Reinhard Marx nicht zu erreichen, wenn zuerst die eigenen persönlichen und nationalen Interessen befriedigt werden. „Es ist vernünftig, nicht nur an sich selbst zu denken. Die Güter der Erde gehören uns allen, müssen allen zugutekommen und für alle bewahrt werden. Daran halten wir fest, auch in einer Zeit, in der Abgrenzung und das Nationale stärker zu werden scheinen“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, bei einem Gottesdienst zu bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion am Sonntag im Münchner Liebfrauendom.

Immer öfter höre er Vorwürfe und spüre er Bedenken, wenn die Kirche darauf hinweise, dass die Menschen aller Völker in einer Familie zusammenleben sollen, und wenn sie etwa an die Vision des Propheten Jesaja erinnere, dass „Schwerter zu Pflugscharen“ geschmiedet würden. „Dann heißt es: „Ihr unverbesserlichen Weltverbesserer, ihr naiven Träumer. Es gilt doch, zuerst an unsere eigenen Interessen zu denken, damit es unserer eigenen Nation, unserem eigenen Volk gut geht.“ Der Kardinal rief die Gläubigen dazu auf, dem entgegenzutreten und ihre Aufmerksamkeit gerade auch in der beginnenden Adventszeit zu schärfen. „Wir wollen die Schutzmacht sein für das gemeinsame Haus aller Menschen, das ist unsere Sendung!“

Die Kirche selbst stehe zeichenhaft dafür, wie verschiedene Sprachen und Kulturen zusammen leben könnten. „Wir alle sind zuerst Menschen. Dazu gehört, mit der Vielfalt umzugehen, Respekt für den anderen zu haben, ohne Vorurteile auszukommen, neugierig auf den anderen zu sein, nicht alle Unterschiede nach unseren eigenen Vorstellungen einzuebnen.“ Papst Franziskus habe deutlich  in seiner Enzyklika „Laudato si“ vor Augen gestellt, dass dies nicht nur eine politische und soziale, sondern zugleich zutiefst geistliche Aufgabe sei. „Weil die Schöpfung nicht nur Material ist, sondern ein Lebensraum in dem wir selbst lernen, Mensch zu sein.“

Der Papst bezeichne das Amazonasgebiet, das in diesem Jahr im Mittelpunkt der Adveniat-Weihnachtsaktion steht, als Schatz für die Menschheit. Kardinal Marx dankte allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit deutlich machten, „was es bedeutet, die Vernetzung der gesamten Menschheit anzuschauen und weiterzuführen“. Der Titel „Menschensohn“ für Jesus drücke die enge Verbindung zwischen Gott und allen Menschen aus – „Christus kommt von Gott und ist mit allen Menschen verbunden“.

Halbzeit von „Valerie und der Priester“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 24. November 2016 - 11:53
Das ungewöhnliche Projekt „Valerie und der Priester“ vom Zentrum für Berufungspastoral (ZfB) der Deutschen Bischofskonferenz hat die Halbzeit erreicht: Die Berliner Journalistin Valerie Schönian begleitet den Priester Franziskus von Boeselager und hält ihre gemeinsamen Erlebnisse im gleichnamigen Blog in Texten und Videos fest (www.valerie-und-der-priester.de). Seit dem 20. Mai 2016 ist der Blog online und erreicht regelmäßig mehr als 100.000 Leser pro Monat. Auf Facebook haben 12.400 Personen das Projekt abonniert und tragen mit ihren Fragen und Kommentaren zur Weiterentwicklung bei. Die Zahl der erreichten Nutzer in Sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter, YouTube) liegt bei rund einer Million im Monat. Insbesondere Videos erfreuen sich im Projekt großer Beliebtheit. Die erfolgreichsten Videos zum Thema „Nie wieder Sex?“ und „Was hältst Du von Abtreibung?“ wurden 280.000 Mal bzw. 100.000 Mal angeschaut.

Die Idee ist einfach und faszinierend: Zwei Menschen aus unterschiedlichen Realitäten begegnen sich. Eine kirchenferne, selbstbewusste junge Frau trifft auf einen jungen Priester, der alles für Gott gibt, weil ihn der Glaube stärkt. Folglich geht es in den Gesprächen zwischen den beiden auch kontrovers zu: Themen wie Homosexualität, Abtreibung oder das Frauenpriestertum werden nicht ausgeklammert. Dabei versucht Valerie Schönian den Dingen auf den Grund zu gehen, die dem Priester Franziskus von Boeselager wichtig sind. Darüber hinaus spricht sie mit ihm über seine Berufung, die Kommunikation mit Gott und die Trinität.

Valerie Schönian teilt seit sechs Monaten den Alltag von Franziskus von Boeselager. Sie reiste mit ihm zum Weltjugendtag nach Polen und ins Zentrum der katholischen Kirche nach Rom. Sie ist bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, bei Priesterweihen und Gemeindefesten dabei, ebenso wie an ganz normalen Tagen vom morgendlichen Gebet bis zur Abendmesse.

In dem Blog „Valerie und der Priester“ schreibt Valerie Schönian über diese Erlebnisse. Das Besondere: Sie macht dies nicht nur als neutrale Berichterstatterin, sondern bringt sich mit ihren Fragen und ihrer Persönlichkeit ein, die auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von der von Franziskus von Boeselager zu sein scheint – was das Projekt für viele so spannend macht.

„Ich bin unglaublich froh, diese andere Lebenswelt kennenlernen zu können“, sagt Valerie Schönian nach einem halben Jahr. Es mache Spaß, denn sie könne auch sehr viel mitnehmen. „Ich lerne viel über den Glauben und was er Menschen bedeutet. Und weil ich dabei auch darüber nachdenke, woran ich eigentlich glaube und wovon ich überzeugt bin, lerne ich auch viel über mich.“ Die Journalistin bekommt viel Feedback und sieht, dass die Authentizität des Projekts bei den Menschen ankommt, ob katholischen Glaubens oder nicht. „Es freut mich sehr zu sehen, dass der Blog Menschen berührt und zum Nachdenken bringt“, sagt sie. „Ich sehe ‚Valerie und der Priester‘ als Chance zwischen verschiedenen Lebensrealitäten zu vermitteln – was gerade angesichts der aktuellen politischen Situation noch einmal eine ganz andere Relevanz bekommt.“

Auch Franziskus von Boeselager ist nach einem halben Jahr froh, das Projekt begonnen zu haben. „Ich denke, dass Valerie mittlerweile sehr viel mehr über die katholische Kirche und den Glauben weiß, als zu dem Zeitpunkt, an dem sie in diese neue Welt eingetaucht ist“, sagt der Kaplan. Er hoffe, ihr einen kleinen Einblick geben zu können, was ihm Jesus Christus und die Kirche bedeutet – und somit auch den Lesern des Blogs. Das sei für ihn auch die Motivation, an dem Projekt teilzunehmen. „Ich will das, was mir geschenkt wurde, weitergeben.“

Für Pfarrer Michael Maas, Leiter des Zentrums für Berufungspastoral, ist das Projekt schon jetzt ein voller Erfolg. Es gehe um eine generelle Aufwertung des Priesterbildes in der Gesellschaft. Ziel sei gewesen, eine Begegnung mit einem Glaubenszeugen zu ermöglichen und dadurch zu erreichen, dass sich die Leser mit Fragen beschäftigen, die in eine eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Kirche führen, so Maas. „Es geht darum, zu zeigen, dass man als junger Priester einen sinnvollen und erfüllenden Beruf hat und es Freude macht, dieser Berufung auch zu folgen“, so Pfarrer Maas. „Ich nehme wahr, dass es tatsächlich gelungen ist: Junge Leute mit denen ich spreche, setzen sich tatsächlich mit den Fragen des Blogs auseinander.“

Hintergrund
Die Journalistin Valerie Schönian, 25 Jahre alt, ist gebürtig aus Magdeburg. Dort hat sie ein katholisches Gymnasium besucht. Sie ist evangelisch getauft und konfirmiert. Seit Jahren hat sie keinen Bezug mehr zur Kirche. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie in Berlin Germanistik und Politikwissenschaft und besuchte anschließend die Deutsche Journalistenschule in München. Der Priester Franziskus von Boeselager, 38 Jahre alt, ist Kaplan in Münster und geboren in Wickede (Ruhr). Einen Teil seiner Schulzeit verbrachte er in einem benediktinischen Internat in Irland, zurück in Deutschland besuchte er ein Jesuiteninternat. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre in Elmshorn bei Hamburg und in Köln. Daran schloss sich ein Theologiestudium in Bonn, Spanien und Belgien an. 2013 wurde er im Kölner Dom zum Priester geweiht. Seit September 2014 lebt und arbeitet er in Roxel, einem Ortsteil von Münster. Er teilt sich das Pfarrhaus mit zwei anderen Priestern, die wie er zur geistlichen Gemeinschaft Emanuel gehören.

Hinweise:
Das Projekt „Valerie und der Priester“ kann in den Sozialen Netzwerken im Internet verfolgt werden. Auf der Internetseite www.valerie-und-der-priester.de, auf Facebook, Twitter und YouTube dokumentiert Valerie Schönian, was sie in diesem Jahr erlebt. Kontakt zu Valerie Schönian und Kaplan Franziskus von Boeselager wird über die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle(at)dbk.de) vermittelt. Fotos in Druckqualität können Redaktionen auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Bitte schicken Sie eine E-Mail an pressestelle(at)dbk.de.



Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2016

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 23. November 2016 - 10:32
Weltweit wird am 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Auch in vielen katholischen Gemeinden, Frauenverbänden und sozialen Institutionen wird dieser Tag zum Anlass genommen, um auf frauenspezifische Gewalterfahrungen aufmerksam zu machen.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), erinnert anlässlich des Welttages daran, dass Frauen innerhalb der weltweiten Migrations- und Fluchtbewegung besonders verwundbar sind und vielfältig Gewalt erfahren. „Ein gutes Drittel aller Asylsuchenden waren im Jahr 2016 Frauen. Viele von ihnen haben geschlechtsspezifische Gewalt erfahren. Besonders grausam ist es, wenn die systematische Vergewaltigung von Frauen und Mädchen als Kriegsstrategie eingesetzt wird. Vielfach ist Gewalt gesellschaftlicher Ausdruck einer Sicht, die Frauen eine untergeordnete Stellung zuschreibt oder sie als Besitz betrachtet. Damit wird ihnen eine eigene, gleichberechtigte Würde abgesprochen.“ Auch psychische Gewalt oder fehlender Zugang zu Bildung und einem selbstbestimmten Leben kann Migration auslösen. Zu den frauenspezifischen Gründen für Flucht und Migration gehören drohende Verschleppung und Versklavung, Zwangsabtreibung, Steinigung, Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung sowie Mädchen- und Frauenhandel.

Bischof Bode begrüßt, dass die geschlechtsspezifische Verfolgung von Frauen in Deutschland seit 2005 ein anerkannter Asylgrund ist. Er betont, dass „die rechtliche Verankerung Ausdruck unserer gesellschaftlichen Werte ist. Gleichberechtigung von Männern und Frauen und der Schutz der Würde des menschlichen Lebens sind unverzichtbar. Für diese Werte setzen wir uns auch als katholische Kirche aktiv ein“.

In Deutschland angekommen, sind Frauen nicht automatisch in Sicherheit. Sie sind in Gefahr, erneut zum Opfer frauenspezifischer, häufig sexualisierter Gewalt zu werden. Bischof Bode unterstreicht, dass der Tag gegen Gewalt an Frauen unsere Kirche und die Gesellschaft daran erinnert, „in die Gewaltprävention zu investieren und frauenspezifische Benachteiligung abzubauen“. Dazu zähle, die Sicherheit in den Flüchtlingszentren zu verbessern, den Zugang zu Frauenhäusern und Schutzräumen zu erleichtern, vertrauenswürdige Hilfe bereitzustellen und zwangsverheiratete Frauen mit ihren Rechten vertraut zu machen. Darüber hinaus wolle die katholische Kirche dazu beitragen, dass geflüchteten Frauen in unserer Gesellschaft eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben eröffnet wird, in dem sie ihre Potentiale entfalten können. „Ein Skandal“, so Bischof Bode, sei es, dass „Frauen, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzen und Werte wie Toleranz und Gleichberechtigung einfordern, öffentlich beschimpft und bedroht werden. Ich danke ausdrücklich allen Frauen in unserer Gesellschaft, die sich für die Anerkennung der Menschenwürde von Frauen einsetzen“.

Einladung zum Pressegespräch „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen auf der Arabischen Halbinsel“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 22. November 2016 - 10:57
Auf der Arabischen Halbinsel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Mehrzahl der Länder ein lebendiges und vielfältiges Christentum etabliert. Während es in Saudi-Arabien unmöglich ist, sich zu seinem christlichen Glauben zu bekennen und im Jemen aufgrund der Kriegssituation fast alle Christen das Land verlassen haben, lebt in Kuwait, Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman eine christliche Gemeinschaft, die abseits einer mehrheitlich islamischen Gesellschaft einen Platz gefunden hat: Sie genießt Kultfreiheit, jedoch keine umfassende Religionsfreiheit.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Jahr 2003 die Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ ins Leben gerufen, um auf die Lage von diskriminierten oder unterdrückten Christen in vielen Teilen der Welt aufmerksam zu machen. Jedes Jahr erscheint in diesem Zusammenhang eine Arbeitshilfe, die sich wechselnden Länder- und Themenschwerpunkten widmet. Die diesjährige Publikation beschäftigt sich mit der aktuellen Situation auf der Arabischen Halbinsel.

Bei einem Pressegespräch wird die neue Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Arabische Halbinsel“ vorgestellt und über die Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel informiert. Interessierte Medienvertreter sind hierzu herzlich eingeladen am

Donnerstag, 1. Dezember 2016, um 10.30 Uhr,
im Tagungszentrum Katholische Akademie (Hotel Aquino),
Seminarraum 5, Hannoversche Straße 5b, 10115 Berlin-Mitte.


Als Gesprächspartner stehen zur Verfügung:
  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz,
  • Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar des Vikariats Südliches Arabien (zu dem die Länder Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Jemen gehören),
  • Prof. Dr. Harald Suermann, Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio e. V.
Hinweis: Interessierte Medienvertreter werden gebeten, sich bei der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz per E-Mail (pressestelle(at)dbk.de) anzumelden.

„Misericordia et misera“ – Kardinal Marx würdigt Apostolisches Schreiben

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 21. November 2016 - 16:30
Das heute (21. November 2016) veröffentlichte Apostolische Schreiben Misericordia et misera von Papst Franziskus würdigt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, als starken Impuls für eine Weiterführung des Heilig-Jahr-Anliegens. Gestern ist das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit in Rom beendet worden. Mit dem heute veröffentlichten Apostolischen Schreiben fordert Papst Franziskus auf, Barmherzigkeit zum zentralen Anliegen eines jeden Christen zu machen.

„Das Heilige Jahr wirkt so länger als es dauert“, betont Kardinal Marx. In einer eindrucksvollen Komposition zeige Franziskus auf, in welchen Lebensbereichen und wie im Leben der Kirche sich Barmherzigkeit vollziehen müsse. „Das geht von den Gedanken des Papstes zur Familie über die Gefangenenseelsorge bis hin zur Verortung des Sakraments der Versöhnung in der Kirche. Ich bin Papst Franziskus dankbar, dass er so intensiv und engagiert für eine Kultur der Barmherzigkeit wirbt, sie theologisch untermauert und ihr einen Sitz im Leben der Menschen gibt“, so Kardinal Marx. Wenn der Papst schreibe, dass „die Barmherzigkeit Freude erweckt, weil sich das Herz der Hoffnung auf ein neues Leben öffnet“, schenke er der Kirche eine Sicht der Dinge, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Zu Recht bezeichne Franziskus das Heilige Jahr als Erfolg: „Wie ein heftiger und heilsamer Wind wehten die Güte und das Erbarmen des Herrn über die ganze Erde hin“, schreibt der Papst.

„Als Kirche in Deutschland freuen wir uns über diese weiteren Impulse des Heiligen Vaters, die wir gerne aufgreifen. Gerade seine klaren Hinweise an Priester und uns Bischöfe dürfen uns nicht gleichgültig lassen. Die vom Papst geforderte Großherzigkeit, um Barmherzigkeit zu ermöglichen, muss uns ständige Mahnung sein“, so Kardinal Marx. Wie Franziskus die Gläubigen auffordere, „die Pforte der Barmherzigkeit unseres Herzens immer weit geöffnet zu halten“, gehe die Kirche in Deutschland ihren Weg weiter, das barmherzige Antlitz Jesu zu zeigen. Das werde in dem Apostolischen Schreiben besonders eindringlich, wenn Franziskus von der positiven Auswirkung der Barmherzigkeit als sozialem Wert spreche. „An dieser Barmherzigkeit bauen wir mit“, so Kardinal Marx. „Gerade deshalb begrüße ich die Idee von Papst Franziskus, künftig einen besonderen Welttag der Armen in der Kirche zu begehen.“ Jetzt, so Kardinal Marx, sei die Zeit der Barmherzigkeit, der wir uns nicht verschließen dürfen. „Das ist die Frucht des Heiligen Jahres, das ist die Perspektive für den weiteren Weg der Kirche.“

Hinweis:
Das Apostolische Schreiben Misericordia et misera ist abrufbar auf der Internetseite des Vatikans.

Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus zum Abschluss des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit veröffentlicht

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 21. November 2016 - 12:10
Der Vatikan hat heute (21. November 2016) ein Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus zum Abschluss des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit veröffentlicht, in dem der Papst darlegt, wie Barmherzigkeit über das Jahr hinaus in der Kirche wirken soll.

Der Wortlaut des Apostolischen Schreibens ist online auf der Internetseite des Vatikans in Deutsch und weiteren Sprachen verfügbar.
Zum Schreiben

Weihbischof Ulrich Boom zieht positive Bilanz des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 18. November 2016 - 16:06
Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für das Heilige Jahr, Weihbischof Ulrich Boom (Würzburg), sieht eine weitreichende Wirkung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr endet in Rom am Christkönigssonntag (20. November 2016), in den (Erz-)Bistümern auf der ganzen Welt wurde das Heilige Jahr nach Willen des Papstes bereits am vergangenen Wochenende (13. November 2016) beendet. Zum Abschluss des Heiligen Jahres zieht Weihbischof Boom eine Bilanz und erklärt:

„Das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit hat das Interesse der Menschen geweckt. Der Wunsch nach Informationen über Publikationen, Veranstaltungen und Aktivitäten rund um das Heilige Jahr der Barmherzigkeit war über alle Erwartungen hinaus groß. Die Thematik der Barmherzigkeit hat die Menschen gepackt, weil deutlich ist: Es geht um die lebendige Entfaltung unseres christlichen Glaubens und um ein Leben aus dem Glauben, das jeden Menschen ernst nimmt.

Aus meiner Sicht ist es in diesem Jahr gut gelungen, zahlreiche Veranstaltungen und Verlautbarungen unter dem Gedanken der Barmherzigkeit auszurichten. Papst Franziskus war und ist es ein Anliegen, die Menschen mit der barmherzigen Liebe des Vaters in Berührung zu bringen und mit Christus als dem Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Es ist ihm wichtig, Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen, durch liebende Zuwendung, durch Vergebung, durch Nähe. Es bewegt die Menschen und vertieft ihren Glauben. Ich erinnere an den diesjährigen 100. Katholikentag in Leipzig zum Thema ,Seht, da ist der Mensch‘. Ich nenne den Weltjugendtag vor wenigen Monaten in Krakau unter dem Leitthema ,Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden‘. Nicht zuletzt gehört auch die Heiligsprechung von Mutter Teresa in diesen Kontext.

Auch wir Bischöfe verdanken uns der Barmherzigkeit des Vaters. Wir haben unsere Bischofsexerzitien in diesem Jahr zum Thema Barmherzigkeit abgehalten. Wir haben unseren Studientag im Herbst dem Thema ,Armut und Ausgrenzung als Herausforderung für die Kirche und ihre Caritas‘ gewidmet und machen so deutlich, dass Glauben und Leben zusammengehören.

In den (Erz-)Bistümern ist viel geschehen. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Symbol der Heiligen Pforte von den Menschen verstanden und angenommen wird. Deshalb eignen sich die Heiligen Pforten besonders gut, die verschiedenen Wirklichkeiten – den Eintritt in den Raum des Heiligen/des Heils einerseits und das Hinausgehen zu den Menschen/in die Welt andererseits – darzustellen. Vor Ort konnten und können wir verwirklichen, was Papst Franziskus über die Kirche sagt: ,Die erste Wahrheit der Kirche ist die Liebe Christi. Die Kirche macht sich zur Dienerin und Mittlerin dieser Liebe, die bis zur Vergebung und zur Selbsthingabe führt. Wo also die Kirche gegenwärtig ist, dort muss auch die Barmherzigkeit des Vaters sichtbar werden. In unseren Pfarreien, Gemeinschaften, Vereinigungen und Bewegungen, das heißt überall wo Christen sind, muss ein jeder Oasen der Barmherzigkeit vorfinden können.‘ (Misericordiae vultus Nr. 12)

Ein Heiliges Jahr endet zwar offiziell mit der Schließung der Heiligen Pforten. Die Erfahrungen, die durch die Fokussierung auf die Barmherzigkeit gemacht wurden und die Bereicherungen, die sich ergeben haben, halten aber an. Mögen sie nachhaltig sein. In der Offenbarung des Johannes sagt der Herr ,ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann‘ (vgl. Offb 3,8). In Glaube und Liebe zu wachsen, bleibt eine Aufgabe. Ebenso bleibt unsere Suche nach dem gnädigen und barmherzigen Gott. Sich von Gott in seiner Barmherzigkeit angenommen zu wissen, macht uns frei, frei auch für die Weitergabe der erfahrenen Barmherzigkeit an andere in unserem Lebensumfeld.

Ich bin dankbar für die vielfältigen und kreativen Umsetzungen der Anliegen des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Ich wünsche uns, dass wir das, was wir in diesem Jahr begonnen haben, weiterführen über das Heilige Jahr hinaus. Dann kann sich verwirklichen, was wir in unserer bischöflichen Botschaft geschrieben haben: ,Bitten wir Gott, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit wirklich eine Zeit der Gnade für jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns, für die gesamte Kirche und für ihr Zeugnis vom Evangelium in der Welt wird und so wir selbst zu einer Tür der Barmherzigkeit werden, wie sie Jesus Christus für uns alle ist.‘“

Hinweise:
  • Die Liturgie zum Abschluss des Heiligen Jahres in den (Erz-)Bistümern steht als pdf-Datei zum Herunterladen auf der Internetseite zum Heiligen Jahr www.heiligesjahrbarmherzigkeit.de unter „Das Heilige Jahr in den Bistümern“ bereit. Sie ist der achtbändigen Reihe des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung zum Heiligen Jahr entnommen: Barmherzigkeit feiern, Liturgische Anregungen. Schwabenverlag (Ostfildern), 2015.
  • Die Botschaft der deutschen Bischöfe zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit finden Sie als pdf-Datei zum Herunterladen auf der Internetseite zum Heiligen Jahr unter „Dokumente, Literatur und Links“.
  • Informationen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sind verfügbar unter www.heiligesjahrbarmherzigkeit.de.

Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten veröffentlicht Arbeitshilfe

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 17. November 2016 - 11:59
Aus Anlass des „Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ am 18. November 2016 hat die Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten eine Arbeitshilfe mit Hintergrundinformationen und erste Anregungen für pastorale Arbeitsfelder veröffentlicht. Die Broschüre „Kinder haben Rechte!“ ist als pdf-Datei unter www.dbk.de im Dossier „zum Thema sexueller Missbrauch“ sowie auf der Internetseite „Prävention in Einrichtungen der katholischen Kirche“ verfügbar.

Im Vorwort schreibt der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier): „Es geht darum hinzusehen und sich zu erinnern. In den letzten Jahren haben wir dies in der Kirche intensiv getan, um Fälle sexueller Gewalt durch Priester und kirchliche Mitarbeiter aufzuarbeiten und darauf basierend neue Regelungen und Präventionsprogramme auf den Weg zu bringen. Damit wollen wir gewährleisten, dass in einer neuen Kultur achtsameren Miteinanders Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene künftig sichere Räume des Aufwachsens und Lebens finden.“ Dieser innerkirchliche Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen, hebt Bischof Ackermann hervor. „Das darf aber nicht den Blick darauf versperren, dass es hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem geht.“ Wenn diese Arbeitshilfe vorgelegt wird, um den Gedenktag auch im Bereich der Pastoral aufzugreifen, dann folge dies den Spuren, die in den vergangenen Jahren gelegt wurden: „im Inneren einen achtsameren Umgang gerade auch mit Betroffenen zu fördern und sich in der Gesellschaft an dem Großprojekt des Kinder- und Jugendschutzes zu beteiligen“, so Bischof Ackermann.

Die Arbeitshilfe der Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten ist ein Angebot an Mitarbeitende in der Pastoral. Sie ist bewusst als „Work in progress“ angelegt, heißt es in der Arbeitshilfe. Im Mittelpunkt steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sinne einer Anwaltschaft für deren Rechte. Dazu treten Ansätze zu einer opfergerechten pastoralen Praxis als Grundlage für ein achtsames Miteinander von Betroffenen und Nicht-Betroffenen. Im ersten Teil informiert diese Arbeitshilfe über die Hintergründe des „Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ und über sexualisierte Gewalt und ihre Folgen. Ziel ist, Vorurteile und Fehleinschätzungen zum sexuellen Missbrauch abzubauen und bei der Entwicklung einer realistischen Sicht auf die Situation von Betroffenen zu unterstützen. Im zweiten Teil gibt die Arbeitshilfe Impulse und Anregungen zum Aufgreifen des Gedenktages in Arbeitsfeldern der Pastoral. Dazu gehört das Feiern der Liturgie ebenso wie die katechetische Praxis und die Bildungspastoral.

Hinweis: Die Arbeitshilfe „Kinder haben Rechte!“ ist als pdf-Datei im Dossier „zum Thema sexueller Missbrauch“ sowie auf der Internetseite „Prävention in Einrichtungen der katholischen Kirche“ verfügbar.

Vorstellung der Sonderbriefmarke „Weihnachten 2016“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 16. November 2016 - 11:59
Zum Weihnachtsfest gibt der Bundesminister der Finanzen, Dr. Wolfgang Schäuble, auch in diesem Jahr ein Sonderpostwertzeichen heraus. Gestaltet wurde die Sonderbriefmarke mit dem Motiv „Die Hirten auf dem Feld“ von Stefan Klein und Olaf Neumann. Zur Vorstellung des Sonderpostwertzeichens „Weihnachten 2016“ durch Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble laden Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, sowie Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V., herzlich zu einem kleinen Festakt ein. Er findet statt am

Dienstag, 22. November 2016, um 15.00 Uhr
im Caritas-Seniorenzentrum Kardinal Bengsch,
Iburger Ufer 14, 10587 Berlin.


Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind herzlich zu diesem Termin eingeladen. Bei dem Festakt sprechen:
  • Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen,
  • Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes e. V.
Wenn Sie an dem Festakt teilnehmen möchten, bitten wir um vorherige Anmeldung (mit Angabe von Namen und Redaktion) per E-Mail an gabler(at)kath-buero.de.

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 14. Mal den Katholischen Medienpreis

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 14. November 2016 - 12:55
Der Katholische Medienpreis ist heute (14. November 2016) zum 14. Mal verliehen worden. Bei einem Festakt in Berlin zeichnete die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) und der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) das Redaktionsteam der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg unter Koordination von Ludger Möllers (Kategorie Printmedien) sowie Christian Wölfel (Kategorie Elektronische Medien) aus. Eine sechsköpfige Jury hatte aus 223 Einreichungen die Preisträger ermittelt.

Der Vorsitzende des Katholischen Medienverbandes (KM.), Ulrich Peters, begrüßte die rund 250 Gäste aus Kirche, Politik und Medien. Dass Jahr für Jahr der Katholische Medienpreis für herausragende publizistische Arbeiten ausgelobt und Beiträge ausgezeichnet werden, sei ein Statement, das ebenso tiefen Respekt vor der Qualität der Arbeit ausdrückt wie ein Bekenntnis dazu, dass wir diese Arbeit brauchen – heute dringender denn je. „Qualitätsjournalismus, das ist ein Grundnahrungsmittel jeder Gesellschaft, auch jeder kirchlichen Gesellschaft. Ohne guten Journalismus verliert unsere geistige Muskulatur ihre Kraft und Klarheit. Sie büßt ihre Belastbarkeit ein, wird träge und müde. Vielleicht ist es kein Zufall, dass un- oder unterinformierte Gesellschaften nicht selten auch uninspirierte Gesellschaften sind. Nicht zuletzt dank der Menschen, die wir heute Abend feiern, ist das bei uns anders“, so Peters.

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzender der Jury des Katholischen Medienpreises, würdigte die Preisträger und ihre Beiträge und betonte, dass das authentische, der Wahrheit und den Menschen dienliche journalistische Handwerk für unser Gemeinwesen unabdingbar sei. „Ein beachtlicher Anteil der eingereichten Beiträge in diesem Jahr thematisiert die Problematik Terror und Krieg sowie deren tragische Folgen. Es ist ganz klar: In unserem Verhalten, in unserer Barmherzigkeit oder auch Unbarmherzigkeit – im Grad unserer Solidarität – scheint das auf oder auch nicht, was das Evangelium eigentlich meint. Denn in der frohen Botschaft des Evangeliums kommt die liebende Beziehung des Schöpfergottes zu den Menschen zum Ausdruck. Dass er sich besonders den Schwachen und Bedrängten, den Außenseitern der Gesellschaft zugewandt hat, das zeigt sich vor allem im Handeln Jesu Christi.“ Papst Franziskus habe in diesem Sinne in seiner Botschaft zum 50. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel angeregt, darüber nachzudenken, wie Kommunikation und Barmherzigkeit miteinander in Beziehung stehen. „Von Liebe geprägte Kommunikation kann zur Gotteserfahrung werden. Von Hass geprägte Kommunikation bewirkt Zerstörung von Menschen und Zivilisationen und gibt dem Bösen Raum“, so Bischof Fürst.

In der Kategorie „Elektronische Medien“ erhält Christian Wölfel (Jahrgang 1976) den Preis für seinen Film „Kirchenasyl und dann? – Vom Bangen, Hoffen und Warten“, der am 13. Januar 2016 im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Der Autor zeigt ein eindringliches Portrait über Menschen, die Gewalt und Krieg erlebt haben, die Flucht und Vertreibung erdulden mussten, so die Jurybegründung. Laudatorin Dagmar Reim, ehemalige Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) würdigte bei der Preisverleihung den Beitrag: „Wölfel hat das Leben von Hussam, Shahinas, Ali und Osman über viele Monate begleitet. Dabei war er nie aufdringlich – Extra-Lob an die Kamera –, nie voyeuristisch, nie sensationsgeil. Bei ihm durften Entwicklungen, die lange dauern, Raum einnehmen. Da hat eben Shahinas längere Zeit ihr Gesicht nicht zeigen mögen, und erst, als sie in die neue Freiheit nach dem Kirchenasyl entlassen ist, erträgt sie die Kamera von vorn.“ Sie selbst, so Reim, habe über das Thema Kirchenasyl aus diesem Film viel gelernt. Bei den Protagonisten habe Christian Wölfel auch Reporterglück gehabt, denn nicht jeder, der vor den Kameras zu Wort komme, sei ein so eindrucksvoller Anwalt seiner selbst. „Und für den Journalisten ist es eine Gratwanderung, so viel Schicksal zu zeigen, dass Couchpotatoes vergessen, mit ihren Chipstüten zu knistern, aber peinlich voyeuristische Szenen zu meiden, die in tränendrüsigen Kitsch münden. Das ist Ihnen meisterhaft gelungen“, so Reim.

Das Redaktionsteam der Schwäbischen Zeitung unter Koordination von Ludger Möllers erhält den Katholischen Medienpreis in der Kategorie „Printmedien“ für die umfangreiche Artikelserie „Menschenwürdig leben bis zuletzt“, die im Zeitraum vom 21. November bis 24. Dezember 2015 in der Schwäbischen Zeitung erschienen ist. Im Mittelpunkt der Serie standen die anspruchsvollen Themen Sterbebegleitung, Hospizarbeit und Palliativversorgung. Nach Auffassung der Jury gehört besonderer Mut dazu, ausgerechnet in der Adventszeit über das Sterben zu schreiben. Mit dem Preis würdigt die Jury den Mut der Zeitung, sich einem unbequemen Thema selbstbewusst und raumgreifend zu stellen. Laudator Patrik Schwarz, Herausgeber von Christ & Welt und geschäftsführender Redakteur der ZEIT, würdigte bei der Preisverleihung den Umgang mit der Thematisierung des Todes: „Auch Journalisten müssen sich immer wieder fragen, welche Worte sie für das Sterben finden, welchen Umgang mit dem Tod.“ Die Schwäbische Zeitung habe mit ihrer Serie gezeigt, wie das gehe und was eine Lokal- und Regionalzeitung „aller Unkenrufe der Branche zum Trotz an Wirkung entfalten kann.“

Neben den Hauptpreisen vergab die Jury auch in diesem Jahr mehrfach die Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“: im Bereich „Printmedien“ für Dominik Stawski und Ingrid Eißele („Der Mörder dieses Mädchens könnte bald freikommen. Aber soll er das?“, Stern vom 30. Juli 2015) und an Lara Meißner (Artikelserie zur Schulintegration, Main-Post, im Zeitraum vom 16. September 2015 bis 19. Februar 2016). Im Bereich „Elektronische Medien“ haben Dr. Nicola Albrecht („Leben in der Falle – Die vielen Gesichter Gazas“, ZDF, 23. September 2015), Nina und Oliver Buschek („Fünfzig Prozent Zukunft. Unser Leben mit der Huntington-Krankheit“, Bayerischer Rundfunk, 5. März 2016), sowie Jeannine Apsel („Neuanfang in Hamburg – Vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer“, ZDFinfo, 23. Dezember 2015) die Auszeichnung erhalten. Darüber hinaus wurde Jan Lindenau mit dem Team 17 der Axel Springer Akademie für das Internetprojekt „Je reste Charlie. Warum wir weitermachen. Müssen“, (erschienen unter www.jerestecharlie.eu/de am 7. Juli 2015) ausgezeichnet.
Hintergrund
Der Katholische Medienpreis, der in der Kategorie „Printmedien“ und „Elektronische Medien“ mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Die Preisträger wurden aus insgesamt 223 Einreichungen – 67 in der Kategorie „Printmedien“, 156 in der Kategorie „Elektronische Medien“, darunter 97 Fernsehbeiträge, 36 Radiobeiträge und 23 Internetangebote – von einer sechsköpfigen Jury ausgewählt.

Zur Jury gehören Albert Herchenbach (Chefredakteur stadtgottes, Nettetal), Wolfgang Küpper (Redaktionsleiter Bayerischer Rundfunk Religion und Orientierung, München), Stefan Kläsener (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg), Andreas Kuschbert (Chefredakteur Heinrichsblatt, Bamberg) und Frank Windeck (Konrad-Adenauer-Stiftung, Bonn) unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart).


Hinweise:
Die Ansprache von Bischof Dr. Gebhard Fürst sowie die Laudationes von Dagmar Reim und Patrik Schwarz  finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen. Unter der Initiativseite „Katholischer Medienpreis“ sind weitere Informationen und die Jurybegründungen zu finden. Über den Katholischen Medienpreis und den Festakt in Berlin informieren auch www.gkp.de, www.katholischer-medienverband.de und www.katholisch.de.
Fotos der Preisträger sind abrufbereit bei KNA-Bild, Tel. 0228/26000-0, E-Mail: redaktion[at)kna-bild.de oder www.kna-bild.de.

Bischof Dr. Helmut Dieser als Bischof von Aachen eingeführt

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 12. November 2016 - 9:14
Der bisherige Weihbischof im Bistum Trier, Dr. Helmut Dieser, ist heute (12. November 2016) in sein Amt als neuer Bischof von Aachen eingeführt worden. Er tritt damit die Nachfolge von Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff an, dessen Amtsverzicht Papst Franziskus im vergangenen Jahr angenommen hatte.

Während des Festgottesdienstes gratulierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dem Bistum zum neuen Bischof. „Wer Helmut Dieser kennt, wird schnell von seiner verbindlichen und fröhlichen Art beeindruckt sein.“ Kardinal Marx, der Bischof Dieser aus der gemeinsamen Zeit in Trier gut kenne, wisse in ihm um einen engagierten Pfarrer und Seelsorger. „Mit seinen seelsorglichen Erfahrungen, der Verantwortung als Weihbischof im Bistum Trier und dem theologischen Arbeiten und Denken bringt Bischof Dieser die besten Voraussetzungen für die neue Aufgabe mit. Wer Bischof Helmut Dieser begegnet, trifft einen ruhigen und besonnenen Menschen, eine Person, die erst nachdenkt, bevor sie spricht, einen Seelsorger, dem die Menschen am Herzen liegen. Er lässt sich durch den barmherzigen Gott tragen“, so Kardinal Marx. Treffsicher und theologisch versiert, bringe sich Bischof Dieser in die Debatten der Deutschen Bischofskonferenz und in die Mitarbeit in der Glaubens- und Pastoralkommission ein.

Mit seinem Leitwort „Der Friede Gottes übersteigt alles Verstehen“ (Phil 4,7) habe sich Bischof Dieser ein Wort ausgesucht, das ihn präge: „Wo wir Menschen manches, gerade auch in unseren unfriedlichen Zeiten, nicht mehr verstehen, werden der Friede und damit die Botschaft Gottes alles menschliche Denken übersteigen. Wo die Welt hoffnungslos erscheint, siegt die Liebe Gottes“, sagte Kardinal Marx. Das Bistum Aachen stehe, wie die ganze Kirche in Deutschland, vor vielfältigen Herausforderungen. Seelsorgeeinheiten, personale Fragen, Gottesdienstbesucher, das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen seien nur einige Punkte, um die es in Zukunft gehen werde. „Ich bin dankbar, dass das Bistum Aachen sich in den vergangenen Jahren intensiv und erfolgreich auf den Dialogprozess der Kirche in Deutschland eingelassen hat, um sich den Fragen von Seelsorgern und Gläubigen zu stellen.“

Kardinal Marx dankte dem früheren Bischof von Aachen, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, für dessen unermüdliches Wirken und seinen Einsatz in der Deutschen Bischofskonferenz. Diözesanadministrator Weihbischof Karl Borsch dankte Kardinal Marx, dass er das Bistum umsichtig und mit ruhiger Hand in der Zeit der Vakanz geleitet habe.

Hinweis:
Das Grußwort von Kardinal Marx zur Amtseinführung von Bischof Dieser finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen.

Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Cusanuswerkes

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 11. November 2016 - 12:58
Mit einer Festmesse und einem Festakt ist heute (11. November 2016) in Bonn an die Gründung der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk vor 60 Jahren erinnert worden. In seiner Predigt ermutigte der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, das Cusanuswerk, auch künftig Biographien zu fördern: „Als Christin und Christ ist uns schmerzlich bewusst, dass eine Bildung, die in der Gefahr versagt, nicht taugt (Dietrich Bonhoeffer). Es taugt eine Bildung, die Vernunft und Glaube fördert, und die beides schult und einübt.“

Das könne zu „hervorragender Forschung, zu glaubwürdigen und vorbildhaften Christinnen und Christen führen – das kann aber in letzter Konsequenz auch dazu führen, dass man sich in Widerstand zu einer Globalisierung der Gleichgültigkeit bringt, die so gar nicht zum Bild eines angepassten, fleißigen katholischen Studierenden, einer etablierten Professorin oder eines in sich ruhenden geistlichen Begleiters im Cusanuswerk passt“, so Kardinal Woelki. Eine Bildung, die in der Gefahr tauge, sei nicht harmlos, sondern wisse darum, „dass es Gott selbst ist, der hungert und dürstet, wenn Menschen in unserem Land nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen und wenn Menschen versuchen, Europa zu erreichen. Wir sind keine Insel der Seligen – wir sind vielmehr diejenigen, auf die es ankommt, wenn andere keine Chancen in unserem reichen Land haben. Wir sind diejenigen, auf die es ankommt, wenn ein Mensch im Mittelmeer ertrinkt oder wenn er an den europäischen Außengrenzen erschossen wird.“

Der Vorsitzende der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz und Beauftragte für das Cusanuswerk, Weihbischof Dr. Christoph Hegge (Münster), erinnerte an das christliche Menschenbild, das das Cusanuswerk präge. Es geht darum, dass sich die Hauptamtlichen sowie die Stipendiatinnen und Stipendiaten kreativ und biographiebezogen einem solchen Menschenbild zuwenden, um den Mehrwert christlicher Freiheit, christlicher Dialogfähigkeit und christlicher Kultur für sich selbst je neu zu entdecken und zeugnishaft in den Dialog mit den Menschen in der Gesellschaft einzubringen. „Das steht keineswegs dem Gedanken eines recht verstandenen Humanismus entgegen, sondern es schließt diesen ein und eröffnet ihm einen Sinnhorizont, der im Offenbarungs- und Erlösungsgeschehen Jesu Christi dem rein rationalen Denken vorausliegt und ihn auf eine größere Freiheit, eine größere Liebe und eine Glaubensvernunft hin weitet“, so Weihbischof Hegge. Biographiebezogene Förderung der Stipendiaten bedeute dann auch, „dass sie nicht einfach mit einer christlichen Botschaft und ihren Norm- und Wertvorstellungen konfrontiert werden, die sie mehr oder weniger in ihr eigenes Weltbild integrieren, sondern es bedeutet, einen Erfahrungshorizont im Glauben zu eröffnen“.

Als die deutschen Bischöfe 1956 das Cusanuswerk ins Leben riefen, wollten sie – wie es der frühere Bischof von Essen und für das Cusanuswerk zuständige Bischof Dr. Hubert Luthe einmal formulierte, „begabte junge Menschen fördern in der Entfaltung ihrer Geistesgaben für den Dienst an den Menschen in Gesellschaft, Staat und Kirche“. 60 Jahre später wurde erstmals systematisch mit einer Vollerhebung unter allen mehr als 7.000 Ehemaligen untersucht, welche langfristigen Wirkungen die Förderung im Hinblick auf fachliche Exzellenz, herausragendes Engagement und katholischer Grundüberzeugung hat. Fast 4.000 Ehemalige haben an der Studie teilgenommen, was für derartige Untersuchungen eine hohe Beteiligungsquote darstellt. Ihre Rückmeldungen zeigen, dass das Cusanuswerk zu einer festen Größe in Kirche und Gesellschaft geworden ist.

Dr. Thomas Scheidtweiler, Generalsekretär des Cusanuswerks, machte dies während des Festakts anhand eines Gedankenexperiments deutlich: „Die im Cusanuswerk Geförderten könnten das gesamte wissenschaftliche Personal von vier mittelgroßen deutschen Hochschulen stellen, sämtliche Ärztinnen und Ärzte von 13 Krankenhäusern, alle Lehrerinnen und Lehrer von 15 Gymnasien – ganz zu schweigen von vielen hundert kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ungezählten Juristen, Ingenieuren, Betriebswirten, Künstlern, Musikern etc., die vielen Mütter und Väter nicht zu vergessen. Die Tag für Tag und Jahr für Jahr ehrenamtlich geleistete Arbeit aller Altcusanerinnen und Altcusaner dürfte der Arbeitszeit von mehr als 400 Vollzeitarbeitskräften entsprechen. Besonders viele sind im kirchlichen Bereich aktiv.“ Von den vor zehn Jahren geförderten Cusanerinnen und Cusanern sind nach den Ergebnissen der Studie heute bereits 64 Prozent in Leitungspositionen tätig. Spitzenpositionen wie Vorstand, Geschäftsführung, Direktorium, Beamte der höchsten Besoldungsstufen etc. besetzen bzw. besetzten 22 Prozent aller befragten Ehemaligen.

Während die Auswahl- und die Förderarbeit des Cusanuswerks durchweg sehr positiv beurteilt werden, waren neun von zehn Ehemaligen der Ansicht, dass im Bereich der Ehemaligen- und Netzwerkarbeit noch ungenutzte Potenziale für die Zukunft liegen. 78 Prozent der Befragten meldeten dem Cusanuswerk zurück, dass sie bereit sind, sich stärker für den Austausch zwischen den Stipendiatengenerationen und die Anliegen der Bischöflichen Studienförderung einzubringen. Das Cusanuswerk hat bereits ein großangelegtes Programm gestartet, um hier anzusetzen. Thomas Scheidtweiler: „Die Studie hat gezeigt, dass der Wirkungsgrad der Bischöflichen Begabtenförderung nicht nur von der Gestaltungskraft des Einzelnen abhängt, sondern auch vom Grad der Verbundenheit – gerade wenn es darum geht, das Wesen der christlichen Botschaft in der Gesellschaft lebendig werden zu lassen. Ein Sauerteig, und ein solcher will das Cusanuswerk sein, wirkt erst durch die Symbiose der beteiligten Organismen. Dem Cusanuswerk geht es nicht um die Begünstigung Einzelner, sondern um die Förderung von Persönlichkeiten, die selbst zu Förderern für andere werden.“ Das Erfolgsrezept sei die Förderung von leistungsstarken Persönlichkeiten, die mit Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungskraft positive Veränderungen vorantreiben. Für das Cusanuswerk werde dies mit der Netzwerkstudie eindrucksvoll bestätigt.

Hintergrund
Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland und fördert mit staatlichen, kirchlichen und privaten Zuwendungen hochbegabte katholische Studierende und Promovierende – ideell und finanziell. Cusanerinnen und Cusaner tragen mit fachlicher Exzellenz und herausragendem Engagement zum Gemeinwohl bei, ein Leben lang und vielfach in besonders verantwortungsvollen Positionen von Kirche und Gesellschaft, von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Das Cusanuswerk wurde 2015 von der European Foundation for Quality Management mit dem Zertifikat „EFQM Committed to excellence – 2 stars” ausgezeichnet.

Hinweise:
Die Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki sowie das Grußwort von Weihbischof Dr. Christoph Hegge finden Sie untenstehend als pdf-Dateien zum Herunterladen.
Die Studie des Cusanuswerkes ist unter www.cusanuswerk.de verfügbar.

Erzbischof Burger zur Entscheidung des Bundeskabinetts zur Errichtung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 9. November 2016 - 14:11
Anlässlich der Pläne zur Errichtung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“, denen das Bundeskabinett heute (9. November 2016) zugestimmt hat, erklärt der Vorsitzende der Kommission für caritative Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stephan Burger (Freiburg):

„Wer in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland oder in der DDR in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren hat, kann nun mit Hilfen zur Bewältigung dieser schlimmen Erlebnisse rechnen. Das Bundeskabinett hat heute (9. November 2016) den Plänen zur Errichtung der Stiftung ‚Anerkennung und Hilfe‘ zugestimmt. Die vom Bund, von den Bundesländern und den beiden Kirchen getragene Stiftung soll die damaligen Geschehnisse öffentlich anerkennen, wissenschaftlich aufarbeiten und den Betroffenen für das widerfahrene Leid und Unrecht Hilfen anbieten. Nach den Fonds Heimerziehung West und DDR, die nur für Betroffene aus Kinder- und Jugendheimen galten, werden nun endlich auch Betroffene der Behindertenhilfe und Psychiatrie solche Hilfen erhalten können.

Die Entscheidung der Bundesregierung ist zwar ein später, aber wichtiger und absolut notwendiger Schritt zur Anerkennung des Leids der Betroffenen. Ich bin erleichtert, dass nun auch die Heimkinder, die in Behinderteneinrichtungen oder in der Psychiatrie schlimme Erlebnisse machen mussten, Hilfen zur Bewältigung dieser Zeit erhalten können. Das sind wir diesen Menschen schuldig! Wir als Kirche haben dabei ebenso die Verantwortung, der wir uns auch durch das Mitwirken an der Stiftung stellen wollen. Nach einer im Juni 2016 vorgestellten Studie des Fachverbandes Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) haben Kinder und Jugendliche mit Behinderung in den Anfangsjahren der Bundesrepublik auch in katholischen Einrichtungen Gewalt, Missbrauch und Leid erfahren.“

Hintergrund
Die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ soll am 1. Januar 2017 starten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Sie richtet sich an Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in der Zeit vom 23. Mai 1949 bis zum 31. Dezember 1975 (Bundesrepublik Deutschland) bzw. vom 7.  Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 (DDR) in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen untergebracht waren und bei denen heute noch eine Folgewirkung aufgrund des dort erlittenen Leids und Unrechts während der Unterbringung vorliegt. Ihr Ziel ist es, die damaligen Verhältnisse und Geschehnisse öffentlich anzuerkennen, wissenschaftlich aufzuarbeiten und das den Betroffenen widerfahrene Leid und Unrecht durch Gespräche individuell anzuerkennen. Betroffene, bei denen aufgrund erlittenen Leids und erlebten Unrechts während der Unterbringung heute noch eine Folgewirkung besteht, sollen Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen erhalten. Soweit die Voraussetzungen vorliegen, können sie eine individuelle Unterstützung in Form einer Geldpauschale in Höhe von 9.000 Euro sowie einer Rentenersatzleistung in Höhe von 3.000 Euro bzw. 5.000 Euro bei einer Arbeitsdauer von über zwei Jahren erhalten. Träger der Stiftung, die 288 Mio. Euro umfasst, sind der Bund, die Bundesländer und die beiden Kirchen mit ihren Wohlfahrtsverbänden und den Orden.

Weihbischof Ulrich Boom zieht positive Bilanz des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 8. November 2016 - 11:33
Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für das Heilige Jahr, Weihbischof Ulrich Boom (Würzburg), sieht eine weitreichende Wirkung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr endet in Rom am Christkönigssonntag (20. November 2016), in den (Erz-)Bistümern auf der ganzen Welt wird das Heilige Jahr nach Willen des Papstes bereits am kommenden Wochenende (13. November 2016) beendet. Zum Abschluss des Heiligen Jahres zieht Weihbischof Boom eine Bilanz und erklärt:

„Das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit hat das Interesse der Menschen geweckt. Der Wunsch nach Informationen über Publikationen, Veranstaltungen und Aktivitäten rund um das Heilige Jahr der Barmherzigkeit war über alle Erwartungen hinaus groß. Die Thematik der Barmherzigkeit hat die Menschen gepackt, weil deutlich ist: Es geht um die lebendige Entfaltung unseres christlichen Glaubens und um ein Leben aus dem Glauben, das jeden Menschen ernst nimmt.

Aus meiner Sicht ist es in diesem Jahr gut gelungen, zahlreiche Veranstaltungen und Verlautbarungen unter dem Gedanken der Barmherzigkeit auszurichten. Papst Franziskus war und ist es ein Anliegen, die Menschen mit der barmherzigen Liebe des Vaters in Berührung zu bringen und mit Christus als dem Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Es ist ihm wichtig, Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen, durch liebende Zuwendung, durch Vergebung, durch Nähe. Es bewegt die Menschen und vertieft ihren Glauben. Ich erinnere an den diesjährigen 100. Katholikentag in Leipzig zum Thema ,Seht, da ist der Mensch‘. Ich nenne den Weltjugendtag vor wenigen Monaten in Krakau unter dem Leitthema ,Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden‘. Nicht zuletzt gehört auch die Heiligsprechung von Mutter Teresa in diesen Kontext.

Auch wir Bischöfe verdanken uns der Barmherzigkeit des Vaters. Wir haben unsere Bischofsexerzitien in diesem Jahr zum Thema Barmherzigkeit abgehalten. Wir haben unseren Studientag im Herbst dem Thema ,Armut und Ausgrenzung als Herausforderung für die Kirche und ihre Caritas‘ gewidmet und machen so deutlich, dass Glauben und Leben zusammengehören.

In den (Erz-)Bistümern ist viel geschehen. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Symbol der Heiligen Pforte von den Menschen verstanden und angenommen wird. Deshalb eignen sich die Heiligen Pforten besonders gut, die verschiedenen Wirklichkeiten – den Eintritt in den Raum des Heiligen/des Heils einerseits und das Hinausgehen zu den Menschen/in die Welt andererseits – darzustellen. Vor Ort konnten und können wir verwirklichen, was Papst Franziskus über die Kirche sagt: ,Die erste Wahrheit der Kirche ist die Liebe Christi. Die Kirche macht sich zur Dienerin und Mittlerin dieser Liebe, die bis zur Vergebung und zur Selbsthingabe führt. Wo also die Kirche gegenwärtig ist, dort muss auch die Barmherzigkeit des Vaters sichtbar werden. In unseren Pfarreien, Gemeinschaften, Vereinigungen und Bewegungen, das heißt überall wo Christen sind, muss ein jeder Oasen der Barmherzigkeit vorfinden können.‘ (Misericordiae vultus Nr. 12)

Ein Heiliges Jahr endet zwar offiziell mit der Schließung der Heiligen Pforten. Die Erfahrungen, die durch die Fokussierung auf die Barmherzigkeit gemacht wurden und die Bereicherungen, die sich ergeben haben, halten aber an. Mögen sie nachhaltig sein. In der Offenbarung des Johannes sagt der Herr ,ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann‘ (vgl. Offb 3,8). In Glaube und Liebe zu wachsen, bleibt eine Aufgabe. Ebenso bleibt unsere Suche nach dem gnädigen und barmherzigen Gott. Sich von Gott in seiner Barmherzigkeit angenommen zu wissen, macht uns frei, frei auch für die Weitergabe der erfahrenen Barmherzigkeit an andere in unserem Lebensumfeld.

Ich bin dankbar für die vielfältigen und kreativen Umsetzungen der Anliegen des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Ich wünsche uns, dass wir das, was wir in diesem Jahr begonnen haben, weiterführen über das Heilige Jahr hinaus. Dann kann sich verwirklichen, was wir in unserer bischöflichen Botschaft geschrieben haben: ,Bitten wir Gott, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit wirklich eine Zeit der Gnade für jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns, für die gesamte Kirche und für ihr Zeugnis vom Evangelium in der Welt wird und so wir selbst zu einer Tür der Barmherzigkeit werden, wie sie Jesus Christus für uns alle ist.‘“

Hinweise:
  • Die Liturgie zum Abschluss des Heiligen Jahres in den (Erz-)Bistümern steht als pdf-Datei zum Herunterladen auf der Internetseite zum Heiligen Jahr www.heiligesjahrbarmherzigkeit.de unter „Das Heilige Jahr in den Bistümern“ bereit. Sie ist der achtbändigen Reihe des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung zum Heiligen Jahr entnommen: Barmherzigkeit feiern, Liturgische Anregungen. Schwabenverlag (Ostfildern), 2015.
  • Die Botschaft der deutschen Bischöfe zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit finden Sie als pdf-Datei zum Herunterladen auf der Internetseite zum Heiligen Jahr unter „Dokumente, Literatur und Links“.
  • Informationen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sind verfügbar unter www.heiligesjahrbarmherzigkeit.de.

Bischof Feige spricht vor der dritten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Magdeburg

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 6. November 2016 - 12:01
Der Bischof von Magdeburg und Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige, hat heute (6. November 2016) auf der dritten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu einem engagierten Einsatz für Europa aufgerufen. Bei allen Anfragen, die es an Europa gebe, sei jeder einzelne gefragt, was er für den europäischen Zusammenhalt leisten könne. „Wir dürfen als Kirchen das Thema der Zukunft Europas nicht ausschließlich den Politikern überlassen. Stattdessen sollten wir gemeinsam für ein menschenwürdiges Europa eintreten, das sich durch Nächstenliebe, Solidarität und Vertrauen auszeichnet“, so Bischof Feige.

Auch wenn die großen Meldungen zur Flüchtlingssituation aus den Nachrichten verschwunden sind, so sei das Thema keineswegs vom Tisch. „Die Frage, wie wir mit denen umgehen, die aus Angst und Verzweiflung Zuflucht bei uns suchen, kann nur gemeinsam beantwortet werden. Dafür brauchen wir ein starkes Europa, das sich mutig und kreativ den Herausforderungen stellt und in dem die christlichen Werte nicht nur beschworen, sondern auch wirklich gelebt werden“, betonte Bischof Feige. Die Synode habe daher mit dem Schwerpunktthema „... so wirst du leben (Lk 10,28). Europa in Solidarität – Evangelische Impulse“ eine aktuelle Fragestellung aufgegriffen.

Bischof Feige ging in seinem Grußwort vor den Synodenteilnehmern auch auf das Reformationsgedenken ein und erinnerte an das ökumenische Zeichen, das auf Weltebene mit dem Gottesdienst von Papst Franziskus und dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes im schwedischen Lund gesetzt werden konnte. „Dass wir vorgestern in der katholischen Kathedrale St. Sebastian hier in Magdeburg gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst nach dem Formular von Lund gefeiert haben, zeigt, wie sehr uns allen die Versöhnung ein Herzensanliegen ist. Auch in unserem Land sind wir dabei auf einem hoffnungsvollen Weg. Das Dokument ‚Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen‘ ist dafür ein lebendiger und starker Ausdruck.“ Bischof Feige fügte hinzu: „Reformationsjubiläen werden nicht in einem luftleeren Raum gefeiert, sondern immer in einem bestimmten historischen und gesellschaftlichen Kontext. Heutzutage ist dieser wie niemals derart zuvor von ökumenischen Entwicklungen, Herausforderungen und Aspekten geprägt. Daher interessiert seit einiger Zeit schon besonders, wie das gewachsene Miteinander der Kirchen in Deutschland aufgegriffen und fruchtbar gemacht wird.“

Seit Beginn der Lutherdekade 2008 habe sich vieles bewegt und geklärt. Eine „ökumenische Lerngeschichte“ sei in Gang gekommen. „Dass wir nun 2017 miteinander ein Christusfest feiern wollen und uns gemeinsam auf den besinnen, der uns die Einheit schenkt und in dem wir schon eins sind, ist eine Frucht dieser konstruktiven Entwicklung. Damit könnte auch unser gemeinsames Christuszeugnis für die Welt an Bedeutung gewinnen. Gerade in den Gebieten der ehemaligen DDR, wo christlicher Glaube längst nicht mehr selbstverständlich ist, kommt dem Umgang der Kirchen miteinander sowie ihrem gemeinsamen Auftreten eine besondere Bedeutung für ihre Glaubwürdigkeit zu“, so Bischof Feige.

Hinweis:
Das Grußwort von Bischof Dr. Gerhard Feige auf der Synode der EKD in Magdeburg finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen.

Gemeinsame Predigt von Bischof Feige und Landesbischof Manzke

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2016 - 16:21
Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde!

I. (Landesbischof Manzke)

Hand aufs Herz, liebe Schwestern und Brüder, Hand aufs Herz und nicht gelogen! Was würden wir wohl von einem erwachsenen Menschen halten, der sich uns so vorstellt und allen Ernstes dergleichen von sich behauptet wie: „Ich bin das Fenster“ oder „Ich bin das Licht“ oder eben auch „Ich bin die Tür“ oder „Ich bin der Weinstock“. Die Antwort ist klar. Sie ist geradezu peinlich klar. Wir müssen sie auch gar nicht unbedingt noch aussprechen. Nachdem der johanneische Christus seinen Zuhörern diese zum Teil befremdenden Selbstvorstellungen zugemutet hat, notiert der Evangelist selber die Wirkung. Viele von denen, die das gehört hatten, sagten: „Er hat einen Dämon und ist verrückt – was hört ihr auf ihn!“

Normalerweise übergeht man die Person, die unbedingt eine Tür sein will oder ein Weinstock oder ein Licht mit Schweigen. Es sei denn, man säße selbst hinter verschlossenen Türen. Oder sei kraftlos geworden und wäre gerne so lebhaft und fruchtbringend wie ein gesunder Weinstock. Es ist klug und nachvollziehbar, das Wort aus dem Johannesevangelium in diese Feier mit hineinzunehmen. Das galt schon für Lund – das gilt auch für Magdeburg. Denn dieses Wort zeigt, dass alle leuchtenden Ausprägungen des Lebens und christlichen Glaubens auf die lebendige Quelle, die für diesen Glauben nur Jesus Christus selbst werden kann, angewiesen sind und bleiben. „Bleibt in mir und ich in euch – dann könnt ihr Frucht bringen. Aber ohne mich könnt ihr nichts tun“, sagt der johanneische Christus.

Der, der hinter verschlossenen Türen sitzt, kann mit dem Ich-bin-Wort von der Tür etwas anfangen. Und der, dessen Glaube kraftlos zu werden droht und dessen Bekenntnis mager klingt und wenig überzeugend, kann mit jenem Wort vom Weinstock gut umgehen. Es zeigt doch: Allzu große Selbstsicherheiten und Hinweise auf die eigene Wachstumsstärke sind auf dem Hintergrund dieses Bildes gar nicht nötig und angebracht. Pausbäckige Selbstgefälligkeiten von gegenwärtigen Kirchengebilden und den Menschen, die sie verantworten, sind unnötig. Deshalb ist es klug und nachvollziehbar, in die Feier und die liturgische Gestaltung dieses Gottesdienstes, in dem wir den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft zwischen den Konfessionen über viele Hundert Jahre nachgehen und nachzeichnen, diesen Text mit aufzunehmen. Dieser Text aus dem Johannesevangelium klärt auf, bringt zurecht – und bindet alle Formen, in denen der Glaube gelebt wird, an Christus zurück. Unsere persönlichen Gaben, unsere vermeintlichen Leistungen – mögen sie zum Guten beitragen in der Welt. Am Ende zählt nur, ob wir den Blick auf den Gekreuzigten und Auferstandenen für unser Leben und im Sterben bewahren.

Das Schöne und Bestechende an diesem Bild vom Weinstock, an dem unterschiedliche Reben sich entfalten können und dürfen, ist: Es ist ein organisches Bild! Ein Bild, in dem Wachstum und Veränderung und der Blick auf die, die noch mit uns am Weinstock anheften und miteinander an ihm wachsen, mitgegeben ist. Wachstum, die Angewiesenheit auf Christus und die Freude an dem Mitwachstum der Anderen kommen hier zusammen. Darin steckt viel von dem, was diesen Gottesdienst ausmacht. So wollen wir mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, gerne an diesem Text noch einen Moment entlanggehen und uns von ihm inspirieren lassen. Denn Inspiration und neue Auffrischung brauchen Kirchengebilde, die eine lange Streitgeschichte hinter sich haben und deren Bekenntnis durch diese Streitgeschichte für viele fade und unglaubwürdig geworden ist, allemal. Und diese Auffrischung wird uns durch die neue Begegnung mit dem Wort der Schrift geschenkt, wodurch sonst?


II. (Bischof Feige)

An Christus teilzuhaben, mit ihm verbunden zu sein und zu bleiben, daran hängt tatsächlich alles: die Lebendigkeit, die Glaubwürdigkeit, die Fruchtbarkeit. Das gilt für jede und jeden der Getauften ganz persönlich, das gilt für alle einzelnen Gemeinden, das gilt für die ganze Kirche. Was aber heißt das, in Christus zu sein und zu bleiben? Worin besteht diese Gemeinschaft? Eine mögliche Antwort darauf bietet die Äußerung Jesu (Joh 15,7): „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ Und weiter sagt er (Joh 15, 15): „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Wir sind also – so kann man daraus folgern – Freunde Christi und mit ihm verbunden, wenn seine Worte in uns bleiben, wenn wir ihnen vertrauen und unser Leben danach ausrichten, wenn wir uns von ihnen leiten lassen und sie beherzigen. Dass es nicht nur genügt, Jesu Worte zu hören und zu kennen, wird noch deutlicher in dem Hinweis (Joh 15,10.12): „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben. (…) Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.“ Erst unsere Liebe zu den Schwestern und Brüdern ist also Zeichen und Beweis, dass wir mit Christus Gemeinschaft haben. Wir können auch sagen: So nahe wir den Mitchristen sind, so nahe sind wir Christus; und umgekehrt: So fern wir den Mitchristen sind, so fern sind wir Christus. Weil aber die Gemeinschaft mit Jesus notwendig das Bleiben in der Liebe und somit den Dienst am Menschen fordert, wird das Leben mit Jesus zugleich ein neues Leben mit den Menschen. Eine neue Menschengemeinschaft wird möglich und wirklich, deren Verfassung nicht mehr rechtlich pragmatisch begründet ist, die sich weder aus Blutsverwandtschaft noch aus menschlicher Sympathie ergibt, sondern letztlich in Gott selbst ihren Ursprung hat. Das ist Kirche. In dieser Lebensgemeinschaft werden Menschen zu Jüngern und Jüngerinnen Jesu, sind sie gewissermaßen Reben an seinem Weinstock. Im Glauben und in der Lehre geeint könnten sie vor der Welt zu einem beeindruckenden Zeugnis für das Wirken Gottes und die Erlösung durch Christus werden. Tragischer Weise ist die Einheit der Kirche aber so manches Mal zerbrochen, haben Auseinandersetzungen und Spaltungen ihr Zeugnis verdunkelt, haben Christen anderen Christen abgesprochen, noch zum wahren Weinstock des Herrn dazuzugehören.


III. (Landesbischof Manzke/Bischof Feige)


Wir haben Ihnen drei Bilder in das Programm unseres Gottesdienstes hineingedruckt. Drei Bilder, die gleichsam den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft noch einmal nachzeichnen. Dieser Bilder bringen plastisch zum Ausdruck, welchen Weg wir hinter uns haben – und welche Verpflichtung wir daraus für die Zukunft erkennen können.


III a. (Bischof Feige)

„Der Weinberg des Herrn“, so lautet der Titel des ersten Bildes, eines 1569 geschaffenen Gemäldes, das aus der Werkstatt Lukas Cranach d. J. stammt und in der Stadtkirche von Wittenberg zu finden ist. In Salzwedel gibt es auch noch eine zweite, etwas abgewandelte Fassung desselben Malers, aus dem Jahr 1582. Dieses Gemälde schildert, indem es das Weinberglied  des Jesaja mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg und dem von den bösen Winzern verbindet, die Kampfsituation des 16. Jahrhunderts. Hatte Papst Leo X. zuvor in seiner Bannandrohungsbulle gegen Luther die Heiligen gegen den wilden Eber zu Hilfe gerufen, der in den Weinberg des Herrn eingebrochen sei und ihn zu verwüsten drohe, so wird nun in ebenso scharfer Polemik der Spieß umgedreht. Auf dem oberen Bildteil links ist zu sehen, wie die in voller Pracht dargestellten Amtsträger der römischen Kirche als „böse Weingärtner“ die Weinstöcke umhauen, die Gartenwerkzeuge verbrennen, den Brunnen mit Steinen zuschütten, den Zaun zerstören, miteinander streiten und zechen und schlafen. Damit aber zieht sich die „alte Kirche“ Gottes Strafgericht zu. Rechts dagegen stellen die Reformatoren – sorgfältig porträtiert und miniaturähnlich dargestellt – den verwüsteten Weinberg wieder her; sie pflanzen, harken, gießen und beschneiden. Und natürlich wächst alles bestens und gedeiht. Interessanterweise sieht man auch „Grenzgänger“, die den Mist von der einen auf die andere Seite bringen. Und im Vordergrund findet die „Abrechnung“ statt. Die „bösen Winzer“ mit dem Papst an der Spitze erhalten von Christus ihren Denar, werden „ausgezahlt“ und damit – so die eine Deutung – „endgültig entlassen“. Eine etwas weniger anstößige Interpretation aus schon ökumenisch denkender Zeit meint, hier komme zum Ausdruck, dass die römische Kirche, auch wenn sie fast 1500 Jahre länger gearbeitet hat als die der Reformatoren, keinen höheren Lohn erhalte als diese. Dass aber die damals sogenannten „Papisten“ für die Verwüstung des Weinbergs noch belohnt würden, ist kaum vorstellbar. Somit bleibt es dabei: In klarem Schwarz-Weiß-Kontrast wird durch dieses  Gemälde der Anspruch verdeutlicht, dass die „alte Kirche“ nun abtreten und ihren Platz den Reformatoren überlassen muss, weil sie keine Früchte gebracht hat.


III b. (Landesbischof Manzke)

Ebenso polemisch ist die Darstellung, die wir in der für den Jesuitenorden so bedeutsamen Kirche Il-Gesù in Rom finden. Neben dem überdimensionalen Bild von der Apotheose des Ignatius von Loyola ist diese Darstellung durch den Künstler Pierre le Gros gestaltet worden. Sie ist mit dem Titel versehen: Die Religion vertreibt die Ketzerei. Auf diesem Bild wird dargestellt, wie Maria, in der christlichen Kunst in der Regel die Kirche darstellend, mit dem Kreuz in der einen und der Geißel in der anderen Hand die Ketzereien des 15. und 16. Jahrhunderts bekämpft. Man sieht hier mit einem Fußtritt versehen auch Martin Luther fallen. Man sieht rechts von Luther den Böhmen Jan Hus, der ebenso verbannt wird. Der Fußtritt deutet an, dass entschiedenes Handeln gefordert ist – Achtsamkeit und Wertschätzung kommen als Grundhaltungen hier nicht so wirklich zum Ausdruck. Und, wie der Künstler es in einer ungewöhnlichen Ausdeutung einer Art Verbindungsmodell darstellt, kämpfen Hus und Luther mit zwei Schlangen, die für Zwingli und Calvin stehen. Hier wird die Ketzerei der Lutheraner und der Reformatoren insgesamt gebrandmarkt. Keiner von uns kommt wirklich gut weg, weder die Religion noch die Kirche.


IV. (Bischof Feige)

Wie anders klingt doch da die Bildrede Jesu vom wahren Weinstock. Zwar heißt es darin auch, dass alle Reben ständiger Reinigung bedürfen und die, die keine Frucht bringen, vom Winzer – gemeint ist Gott, der Vater – abgeschnitten werden, ansonsten aber ist da ganz unpolemisch von der notwendigen Verbundenheit mit Christus und untereinander die Rede. Auch von dem dritten unserer Bilder strahlt gleichsam eine wohltuende Harmonie aus. Das Evangelium vom Weinstock ist hier in Farbe umgesetzt. Entsprechend seiner Selbstbezeichnung ist Christus inmitten des Weinstocks zu sehen, umgeben von den Aposteln, die auf den Rebzweigen sitzen, dort, wo auch die Trauben hängen. Alle Apostel sind Christus zugewandt und schauen auf ihn. Eine große innere Ruhe ist zu spüren, ein tiefe Zuneigung, ein wirklicher Frieden. Auch wenn Kirche in ihren menschlich-irdischen Dimensionen sehr vielfältig und spannungsreich sein kann, kommt hier doch ihr wesentliches Geheimnis zum Ausdruck: Sie ist nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst, kein Ergebnis menschlicher Leistungen und kein Selbstzweck. Gott will und begleitet sie, und Jesus Christus ist es, der uns mit sich und untereinander verbindet, sein Geist führt uns aus allem Konflikt zur Gemeinschaft, bewirkt Versöhnung, stiftet Frieden und drängt uns zur Einheit sowie zum gemeinsamen Dienst an der Welt. Und noch etwas: Aus der Ikone heraus schaut uns Christus gleichsam an und fragt uns gewissermaßen: Betrachtest du dir alles nur von außen und bleibst in Distanz zur Kirche oder lässt du dich mit Leib und Seele auf sie ein und nimmst Platz im Weinstock des Herrn? Kirche ist nämlich nicht dort, wo über sie geredet wird, sondern da, wo Menschen von Christus und seinem Evangelium ergriffen sind, ihm voll und ganz vertrauen, unermüdlich die sichtbare Einheit suchen und gemeinsam inmitten der Herausforderungen unserer Welt die Gnade und Barmherzigkeit Gottes bezeugen.


V. (Landesbischof Manzke)

Das Bild ist kräftig und lebensfroh – das Bild vom Weinstock. Wer ist nicht unter uns, der von der Frucht des Weinstockes schon gern einmal genascht hat und zum Teil übermäßig den flüssigen Früchten zugesprochen hat. Denn sie schmecken wunderbar und tragen zur Erheiterung des Lebens zumindest für einen Zeitraum bei. Dieses dritte Bild, das wir Ihnen in das Programm mit hineingedruckt haben, liebe Schwestern und Brüder, macht Freude! Es lohnt sich, dies noch einmal genauer zu betrachten. Denn auf diesem Bild wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es allen, die an diesem Weinstock Platz haben und wachsen dürfen, ganz offensichtlich Freude macht, dabei zu sein. Und die Freude, am Weinstock, der für Christus steht, zu wachsen und zu reifen und mit ihm verbunden zu sein, hat gleichzeitig zur Folge: Die Freude wird dadurch groß, dass auch andere dazu gehören. Wie traurig anzusehen wäre die Traube, die alleine am Weinstock wächst und reifen muss und durch ihr überzogenes Bewusstsein, als einzige Traube an dem Weinstock wirklich Platz haben zu dürfen, die anderen vermissen müsste. Deswegen zeigt die Ikone wunderbar, dass alle Unterschiede im Wachstum nicht aufgehoben werden sollen – die Zweige sind unterschiedlich, das Wachstum hat ganz offensichtlich unterschiedliche Geschwindigkeiten und die Früchte sind nicht alle gleich groß und schön anzusehen. Aber die Lust, am Weinstock teilzuhaben, ist doch Allen durchaus anzumerken. Am Schluss bleibt: An Christus hängen und den Blick auf ihn zu behalten, darauf sind alle angewiesen. Es ist klug und nachvollziehbar, dass mit der Heilung der Erinnerung der Bezug auf diesen johanneischen Text verbunden wird an diesem Tag. Der johanneische Text führt uns über uns hinaus, auch über den Schmerz, insofern wir in die Tradition derer gehören, die den jeweils anderen in seiner Stärke verzeichnet und schlecht geredet hat. Deswegen wollen wir beide heute damit schließen, dass wir aus unserer persönlichen Sicht die Stärke der jeweils anderen Tradition und Prägung kennzeichnen.


V a. (Bischof Feige)

Entgegen allen Selbstbespiegelungs- und Profilierungstendenzen halte ich es sogar für besonders förderlich und heilsam, sich gegenseitig noch mehr im Lichte Jesu Christi zu betrachten und neidlos ins Wort zu fassen, was man aneinander schätzt und vielleicht sogar bewundert, worin man spezielle Begabungen erkennt und den Geist Gottes eindrucksvoll am Wirken sieht. Für mich ist das zunächst die stark biblisch orientierte Theologie und Frömmigkeit des evangelischen Christentums. Welche große Bedeutung haben doch für viele der Konfirmationsspruch, die Tageslosungen, die Lesungstexte im Gottesdienst oder auch die Bibelarbeiten! Viele leben tatsächlich Tag für Tag aus und mit dem Wort Gottes. Als katholischer Hallenser konnte ich vier Jahre lang auf meinem Schulweg am Hauptgebäude der von Pietisten errichteten Franckeschen Stiftungen immer wieder die Botschaft aus Jesaja 40,31 lesen: „Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Diese Hoffnung, Zuversicht oder Gewissheit, die darin zum Ausdruck kommt, hat auch mich beeindruckt und motiviert. Dann ist es auch die evangelische Kirchenmusik in ihrer Vielfalt und Ausdrucksstärke, die mich begeistert. Ich sehe in ihr eine großartige Möglichkeit, die Herzen zu erheben und Menschen für Gott zu sensibilisieren. Spaßeshalber habe ich in meiner Studentenzeit manchmal gesagt, die Musik sei in der evangelischen Kirche fast wie ein drittes Sakrament. Schon lange profitieren wir Katholiken im deutschsprachigen Raum auch davon. Und so wundert es nicht, wenn wir ganz selbstverständlich zahlreiche Lieder evangelischer Herkunft singen und man auch im neuen Gotteslob Lieder von Paul Gerhardt finden kann. Wie ernst evangelische Christen ihre Weltverantwortung wahrnehmen und sich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen, finde ich ebenfalls beispielhaft. Neben aktuellen Erfahrungen ist mir dazu aus DDR-Zeiten in Erinnerung geblieben, dass junge Katholiken, die vor der Gewissensentscheidung standen, als ganz normaler Soldat in der Armee anzutreten oder den Dienst mit der Waffe zu verweigern, von manchen katholischen Geistlichen an evangelische Kreise weiter verwiesen wurden, die sich auf diesem Gebiet mehr engagierten und darum über reichere Erfahrungen verfügten.


V b. (Landesbischof Manzke)

An der Prägung der römisch-katholischen Kirche, nein, besser des römisch-katholischen Glaubens gefällt mir die Sinnenhaftigkeit der Gesten und der Zeichen, mit denen sie ihre Zugehörigkeit zu Christus und zur Kirche ausdrücken. Ich kenne die Gründe für die Kargheit im Umgang mit Gesten und Zeichen in der evangelischen Tradition. Aber das Knien des katholischen Christen neben mir bei Herrenmahl – das Sich-Bekreuzigen beim Eingang in die Kirche, wenn ich mit meinem katholischen Freund eine Kirche in Italien oder im Emsland betrete. Es durchströmt mich jedes Mal mit einer gewissen Bewunderung, wie vertraut auch diejenigen katholischen Christen, die sich von ihrer Kirche innerlich entfernt haben, mit diesen Gesten sind und nicht von ihnen lassen können. Gewiss, auch ich bekreuzige mich in gut lutherischer Tradition, wenn ich den lutherischen Morgensegen spreche oder den Tag mit dem Abendsegen beschließe. Aber es scheint mir, dass die katholischen Christinnen und Christen mit diesen Gesten und den Zeichen, in denen sie sich selbst ihrer Zugehörigkeit zu Christus vergewissern, vertrauter und geübter sind. Das berührt mich – und das schätze ich an dem römisch-katholischen Glauben.

Hier brechen wir ab, liebe Schwestern und Brüder. Wir sind allen dankbar, die über die Jahrzehnte ihre Kräfte dafür gegeben haben, dass wir in der Kraft des Heiligen Geistes den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft bis hierher gehen konnten. Dieser Weg ist uns Verpflichtung, eine noch tiefere und sichtbare Gemeinschaft zu suchen und zu finden.

AMEN.

Lesung: Joh 15,1–5

Erklärung zur Pilgerreise der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD ins Heilige Land

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2016 - 15:33
Anlässlich einer öffentlichen Debatte über den Besuch von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD auf dem Tempelberg und an der Westmauer in Jerusalem am 20. Oktober 2016 erklärt der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp:

„Die katholischen Bischöfe aus Deutschland und die evangelische Delegation haben bei ihrem Besuch des Felsendoms und der al-Aksa-Moschee (nicht aber des gesamten Tempelbergs) (arabisch: al-haram asch-scharif) darauf verzichtet, das Bischofskreuz zu zeigen. Gleiches haben sie auch beim Besuch der jüdischen Westmauer (hinlänglich bekannt als ‚Klagemauer‘) getan. Es handelte sich dabei um eine Geste der Zurückhaltung, die angesichts der generell angespannten und in Folge des jüngsten UNESCO-Beschlusses sogar noch verschärften Lage angeraten erschien. Die Besucher aus Deutschland haben deutlich gemacht: Wir empfinden uns hier als Gäste; unser Besuch geht nicht mit irgendwelchen Ansprüchen einher, die die ohnehin schwierige und aufgeheizte Situation noch weiter belasten könnten. Die ökumenische Delegation hat damit auch an die Streitparteien in Jerusalem und im Nahen Osten ein Signal ausgesandt: Nur mit Respekt, Klugheit, Umsicht und Demut ist der Frieden zu erringen.“

Einladung zum Katholischen Medienpreis 2016

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2016 - 9:38
Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) zum 14. Mal den Katholischen Medienpreis und die zusätzliche Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“.

Mit dem diesjährigen Preis werden in der Kategorie Printmedien das Redaktionsteam der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg unter Koordination von Ludger Möllers (Artikelserie „Menschenwürdig leben bis zuletzt“, Schwäbische Zeitung) und in der Kategorie Elektronische Medien Christian Wölfel („Kirchenasyl und dann? – Vom Bangen, Hoffen und Warten“, Bayerischer Rundfunk) ausgezeichnet. Für weitere herausragende Beiträge erhalten im Bereich Printmedien Dominik Stawski und Ingrid Eißele („Der Mörder dieses Mädchens könnte bald freikommen. Aber soll er das?“, Stern) sowie Lara Meißner (Artikelserie zur Schulintegration, Main-Post) die Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“. Im Bereich Elektronische Medien werden ebenso Dr. Nicola Albrecht („Leben in der Falle – Die vielen Gesichter Gazas“, ZDF), Nina und Oliver Buschek („Fünfzig Prozent Zukunft. Unser Leben mit der Huntington-Krankheit“, Bayerischer Rundfunk) sowie Jeannine Apsel („Neuanfang in Hamburg – Vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer“, ZDFinfo) ausgezeichnet. Darüber hinaus erhält auch Jan Lindenau mit dem Team 17 der Axel Springer Akademie (Internetprojekt „Je reste Charlie. Warum wir weitermachen. Müssen“, www.jerestecharlie.eu/de) die Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“.

Die Laudationes halten Dagmar Reim, ehemalige Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), und Patrik Schwarz, Herausgeber von Christ & Welt und geschäftsführender Redakteur der ZEIT. Den Festakt um 18.00 Uhr, zu dem rund 300 Gäste aus Kirche, Politik und Medien erwartet werden, moderiert Claudia Schick (HR).

Medienvertreter sind herzlich zur Preisverleihung eingeladen sowie vorab zu einem Fototermin, der unmittelbar vor dem Festakt stattfindet, mit den Preisträgern und dem Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst:

am Montag, 14. November 2016, um 17.45 Uhr
im Kuratorium der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin
(Treffpunkt Bühne),
Gendarmenmarkt 5,
10117 Berlin.

Hinweise:
Medienvertreter werden gebeten, mit der Pressestelle der Deutschen Bichofskonferenz Kontakt aufzunehmen, wenn Sie sich anmelden möchten (pressestelle(at)dbk.de).
Weitere Informationen wie die Kurzbiographien der Preisträger und die Jury-Begründungen zum Katholischen Medienpreis finden Sie auf der Initiativen-Seite „Katholischer Medienpreis“.
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