30. August 2016
Augenblicke der Besinnung

Der Mensch ist so groß,
dass nichts auf der Erde
ihm genügen kann.
Nur wenn er sich
Gott zuwendet,
ist er zufrieden.
Zieh einen Fisch aus dem Wasser:
er wird nicht leben können.
Das ist der Mensch ohne Gott.

Johannes Maria Vianney - Pfarrer von Ars

 
















Bischof Dr. Stefan Oster SDB


Feierliche Bischofsweihe im Dom St. Stephan

Tausende Gläubige feiern ihren neuen Oberhirten Bischof Stefan!

Das Bistum Passau hat wieder einen Bischof: Pater Dr. Stefan Oster SDB ist am 24- Mai von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum  85. Oberhirten der Diözese geweiht worden.

Er ist damit der jüngste Bischof in Deutschland, der eine Diözese leitet. An der Feier im Stephansdom nahmen 24 Bischöfe aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Rumänien und sogar aus der Partnerdiözese Alagoinhas in Brasilien teil. Über 20 Äbte, Äbtissinnen, Ordensobere sowie rund 250 Priester und Diakone, Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie geschätzte 5000 Gläubige begleiteten Bischof Stefan an diesem Samstag. Umjubelt wurde Bischof Stefan auf dem Domplatz in Empfang genommen. Nicht nur dort, auch bereits im Dom bei seiner ersten Ansprache spendeten die Gläubigen kräftig Applaus. Bischof Stefan ist in seinem Bistum angekommen.

Großer Dank mit „freudigem und zitterndem Herzen“

Eingeläutet wurde der Weihegottesdienst zunächst von einem großen Kirchenzug rund um den Passauer Domplatz, der von Fahnenträgern, Chören, Bläsern und Böllerschützen und sogar einer Abordnung der Reiterstaffel des Münchner Polizeipräsidiums begleitet wurde. An diesem Tag waren insgesamt mehrere hundert Helfer im Einsatz. Ihnen allen dankte Bischof Oster in einer berührenden Rede, nachdem er allen Gottesdienstbesuchern den Segen erteilte. Diesen Gottesdienst habe er mit freudigem und zitterndem Herzen erlebt, so Oster. Er dankte für die Vorbereitungen den Feuerwehren, der Polizei, den Maltesern, dem Roten Kreuz, der Stadt Passau vom Ordnungsamt bis hin zur Stadtgärtnerei, der Brauerei Hacklberg oder auch den Schwestern von Thyrnau und den Mönchen der Abtei Niederaltaich. Sein Dank galt auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ordinariat, von der wundervollen Kirchenmusik über die Sekretariate, von denen, die künstlerisch mitgestaltet haben bis zu den Handwerkern sowie allen Priestern und Diakonen und allen Gläubigen, die gekommen sind, um mit ihm zu feiern. Besonders hervorgehoben hat Bischof Stefan in seiner Ansprache seine Familie, vor allem seine Eltern Heinz und Maria Magdalena Oster. „Ich hatte das große Glück in einer Familie aufwachsen zu dürfen, in der mir meine Eltern immer vermittelt haben, dass sie mich schon lieben und bejahen, ehe ich etwas geleistet habe und auch unabhängig davon.“ Durch ihr bedingungsloses Ja zu ihrem Sohn, hätten sie ihm tief in den Glauben geholfen. Auch seinem Lehrmeister Ferdinand Ulrich an der Universität Regensburg dankte er in besonderer Weise. „Er war und ist der tiefste Philosoph, dem ich bisher in meinem Leben begegnen durfte, gerade weil er zuerst ein Christ ist. Auch er hat mir seine väterliche Freundschaft geschenkt und ich darf sagen, dass ich ohne die Begegnung mit ihm weder Ordensmann noch Priester geworden wäre – und folglich heute auch nicht hier stehen würde.“ Er sei für ihn in gewisser Weise Johannes der Täufer geworden, der Zeuge, der ihm gezeigt hat, um was und vor allem um wen es letztlich geht.
 
Ringen, Suchen, Gott anbeten und Zeugnis geben: Der Weg der Kirche in die Zukunft

In seiner rund 20minütigen, ersten Ansprache als Bischof deutete er bereits an, welchen zentralen Weg die Kirche in die Zukunft gehen müsse. „Es geht immer und zuerst um Beziehung“, betonte Oster im vollbesetzten Dom und vor tausenden Fernsehzuschauern und Zuhörern. „Zuallererst um eine Beziehung zu Christus, die lebendig, tief und tragend ist. Vertrauen Sie darauf, dass es das wirklich gibt, dass das nicht nur Gedanken sind,  sondern dass die Begegnung mit dem Herrn wirklich und real ein Leben erfüllen, tragen, verwandeln und im tiefsten Sinn des Wortes retten und heilen kann“, ermutigte er die Gläubigen. Als Kirche seien wir schon Beziehungsgemeinschaft und Zeugengemeinschaft, ehe wir etwas dafür tun. „Aber der Heilige Geist liebt unsere Mitwirkung und Mitarbeit. Deshalb sind wir alle, die wir schon zu Christus gehören, auch dazu berufen, diese Beziehung zu pflegen, zu vertiefen und auch einander zu helfen, tiefer in diese Beziehung zu finden und sie uns gegenseitig neu zu erschließen – und so unsere Kirche von Passau und auch überall sonst in seiner Kraft lebendig werden zu lassen. Wir sind berufen, einander Zeuginnen und Zeugen für die Gegenwart Jesu in unserem Leben zu sein: in Wort und Tat“, so der Bischof. Eine zentrale Aufgabe für die Zukunft werde es sein, neue Räume von Begegnung und Glaubenskommunikation zu erschließen, „in denen wir miteinander ehrlich und offen fragen, ringen, suchen, Gott anbeten und eben auch Zeugnis geben können“. Es brauche solche Räume, damit den Menschen die Sakramente neu zur Nahrung und zur Quelle werden könnten, so Oster. „Wir brauchen sie, damit wir zum Beispiel das zentrale Geheimnis der Eucharistie nicht einfach als 45minütigen Kirchenbesuch hinter uns bringen wollen, sondern damit es uns tatsächlich Quelle und Höhepunkt unseres christlichen Lebens wird, wie das letzte Konzil es sagt.“
Wahrheit, Liebe und das Geheimnis der Heiligkeit

„Wir erleben bisweilen in unserer Kirche, dass mancher vielleicht allzu sehr auf die Wahrheit pocht, und dann bisweilen der Versuchung erliegt, die ehrliche Zuwendung zum Nächsten für zweitrangig zu halten, wenn nur ja alles formal richtig ist. Und wir erleben umgekehrt, die vielfache konkrete Zuwendung zum Nächsten oder auch die Forderung nach dieser Zuwendung, die sich dann aber bisweilen wenig um Wahrheit kümmert, angesichts der unübersehbaren Vielfalt konkreter Lebenssituationen. „Beides führt ins Abseits“, mahnte Oster. Wahrheit ohne Liebe bleibe abstrakt und Liebe ohne Wahrheit verdiene oft den Namen Liebe gar nicht, weil sie letztlich zur Beliebigkeit neige. „Die Liebe, die die Wahrheit bezeugt, diese Mitte trägt den Sieg davon und sie heißt christlich: Heiligkeit.“ Dabei gehe es dem frisch geweihten Bischof nicht um „eine Art Leistungssport in Tugend- oder Gebetsübungen. Heiligkeit wächst im Herzen von jedem Menschen, der sich der Liebe Gottes immer neu aussetzt, der sich von ihr wirklich berühren und verwandeln lässt. Heiligkeit wächst in denen, die Jesus ehrlich suchen, ihn lieben und sich von ihm lieben lassen.“ Heiligkeit sei der Wille Gottes für jeden Menschen, nicht nur für Bischöfe oder andere so genannte Berufschristen. Bischöfe, Priester, Diakone und alle Männer und Frauen, die in einen Dienst in der Kirche berufen sind, hätten diese Berufung auch deshalb, damit sie mithelfen, „dass auch alle anderen tiefer entdecken, dass sie ebenfalls zur Heiligkeit, also zur tiefen Christuszugehörigkeit berufen sind.“ Überall, wo dieses Geheimnis der Heiligkeit in einem oder mehreren Menschen neu aufscheine, da beginne Kirche von neuem zu wachsen, da werden Menschen berührt von einer Gegenwart, die mehr wirkt ist als eine bloße Versammlung von Menschen es könnte. Da werden Menschen angezogen und können sinnstiftende, stärkende und lebensverändernde Begegnung mit dem Herrn erleben. „Lernen wir ihn deshalb von neuem miteinander so kennen, dass die Menschen auch zu uns kommen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, Gott ist mit euch.“

Der Lebenslauf von P. Dr. Stefan Oster SDB