Gedanken zum Wallfahrtsleitwort 2011

„ Vertrauen von Grund auf “

Sehr früh habe ich in meinem Leben einen Satz entdeckt und aufgeschrieben: „ Nur eines ist wichtig: ob wir tapfer oder feige sind, immer dort zu sein, wo Gott uns haben will, und im Übrigen ihm zu vertrauen.“
„Immer wird das Vertrauen eines der größten, seltensten und beglückendsten Geschenke menschlichen Zusammenlebens bleiben.“ (Dietrich Bonhoeffer)
Joseph Ratzinger schreibt in „Die Hoffnung des Senfkorns“: „ Wer aber zum Herrn „Vater“ sagen darf, hat wirklich Grund zum Vertrauen. Ihm gehört die Zukunft. Warum sollte es uns nicht möglich sein, die ansteckende Kraft dieses Vertrauens auch in unserer Zeit zu leben?“
Ein tägliches Predigtleitwort könnte uns durch eine Wallfahrtswoche führen:

Sonntag: Vertrauen in Jesus
„ Nicht Wunder erbittet Maria, sondern Glauben lehrt sie und Vertrauen darauf, dass Jesus wirklich da ist, uns sieht und hört.“ (Papst Benedikt XVI.) „ Im Namen der ganzen Liebe, die ich für euch hege, zögere ich nicht, euch aufzufordern: <Reißt die Tore weit auf für Christus!> Was fürchtet ihr? Vertraut auf ihn! Wagt es, ihm zu folgen.“ (Johannes Paul II.).
Jesus Christus, gib uns ein großes Herz, das fähig ist, Vertrauen zu schenken und zu wecken.

Montag: Vertrauen in die Kirche
„ Ich glaube mit Zuversicht und Vertrauen an die unzerstörbare Zukunft der alten und neuen, der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche “. (Ida Goerres)
Jesus ruft uns in seiner Kirche zu: Habt doch Vertrauen! Gott wird nicht alles  einfach so richten. Wir dürfen die Hände nicht faul in unseren Schoß legen und die Augen vor der Wirklichkeit verschließen. Kirche will Vertrauen zurückgewinnen und um vertrauensvolles Klima werben. Gott hat uns in Blick genommen und wir können gelassen durch unser Leben gehen. Das Geschenk der Gelassenheit empfangen wir, wenn es uns gelingt, Gott vom Grund unseres Herzens zu vertrauen – in seiner Kirche. Vertrauen ist der Anfang von allem.

Dienstag: Vertrauen in die Menschen
„ Ohne Vertrauen von Grund auf wächst und gedeiht nichts!“ Die Vertrauen erweckende Umgebung des Lebens tröstet und heilt. „ Was wären wir alle ohne das Vertrauen der einen zu den anderen, die Bereitschaft einander zu sehen und anzunehmen?“ (Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.)
Das gegenseitige Vertrauen trägt das Verhältnis von Einheit und Vielfalt. Grundvertrauen trägt. Es trägt das ganze Leben. Es strahlt aus. Aus der Kraft des Grundvertrauens kann ich Zeit meines Lebens die notwendigen Entscheidungen treffen.

Mittwoch: Vertrauen in den Heiligen Geist
„ Die Frucht des Geistes … ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22) und schenkt Vertrauen von Grund auf.
„ Der Friede ist ein Geschenk Gottes, das uns Gott anvertraut hat.“ (Johannes Paul II.) „Barmherziger Gott, wo du gegenwärtig bist, können Menschen einander vertrauen. In deiner Nähe können sie zur Ruhe kommen und zu sich selber finden.“ Der Hl. Geist ermöglicht Vertrauensaufbau und Vertrauensbildung.

Donnerstag: Vertrauen und Bitte in Gott
„ Ihm - Gott, dem Schöpfer und Erhalter des Lebens - vertraut sich der Christ an in frohen und schweren Stunden. … er vertraut darauf, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt…Es gibt auch besondere Orte des Gebetes, zu denen die Gläubigen in ihren Sorgen wallfahren.“  (Gotteslob Nr. 288) „ Bleib der Trost in Angst und Grauen und im Wanken der Verlass, in Verzweiflung das Vertrauen, die Vergebung noch im Hass. Du verwandelst grenzenlos Nein in Ja und Klein in Groß.“

Freitag: Vertrauen in die Hände des barmherzigen Vaters
„ In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist“. (Gotteslob Nr. 699/Stundenliturgie)
„ Mein Gott, auf dich vertraue ich; bei dir bin geborgen!“
„ Herr Jesus Christus, um die neunte Stunde hast du dem reumütigen Schächer vom Marterpfahl des Kreuzes aus dein Reich versprochen. Wir bekennen dir, dass wir Sünder sind, und bitten dich voll Vertrauen: Lass auch uns nach dem Tod bei dir im Paradiese sein.“ (Freitag/Non)
„ Ich vertraue darauf, dass du – Herr Jesus – ein gutes Wort für mich einlegst.“ (Lk 13,6-9)
„ Herr, schenke mir das Vertrauen, dass du meinen Weg mit Liebe begleitest, und die Freude darüber, dass in jedem Augenblick eine Heimkehr zu dir möglich ist.“
Die Gewissheit der sorgenden Liebe Gottes lässt uns doch auch in schwierigen Augenblicken unseres Daseins auf seine väterliche Vorsehung vertrauen. Dieses volle Vertrauen in Gott hinein, als den fürsorgenden Vater, auch unter widrigen Umständen und Situationen wird trefflich von Teresia von Jesus zum Ausdruck gebracht: Nichts soll dich verwirren. Nichts erschrecke dich. Alles geht vorüber. Gott ändert sich nicht, Die Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem mangelt nichts. Gott allein genügt.“

Samstag: Vertrauen in Maria
„Papst Johannes XXIII. hat den Beginn des II. Vatikanische Konzils 1962 den mütterlichen Händen und dem mütterlichen Herzen Mariens anvertraut. Papst Benedikt XVI. vertraute die Synode des Nahen Ostens 2010 mit all den Problemen, Herausforderungen und Hoffnungen ebenso dem mütterlichen Herzen Mariens an.
Maria, die zu Gottes Anruf Ja gesagt hat, die den Gottessohn in unsere Welt hineingeboren hat, die unter dem Kreuz stand, ist für viele Heilsuchende Ansprechpartnerin auf dem Weg hin zu Gott, der sie großes Vertrauen entgegenbringen. Vertrauen öffnet den weiten Zustrahlungsraum der Pilger und lässt pulsierendes gläubiges Leben entstehen.
Zusammen mit der Wallfahrtskustodie und allen, die sich der Wallfahrt vor Ort in Liebe verpflichtet wissen, bitten wir auch heuer wieder um das Vertrauen von Grund auf.

Prälat Ludwig Limbrunner
Bischöflicher Administrator