Augenblicke der Besinnung

Wenn wir nach Empfang des Sakraments
die Liebe Gottes in uns schwinden fühlen,
lasst uns geistigerweise
mit dem lebenspendenden Leib des Heilands
uns wieder vereinen!
Können wir nicht in die Kirche kommen,
so wenden wir uns dem Tabernakel zu.
Der liebe Gott kennt keine Mauer,
die ihn hindern könnte.
Eine von Liebe durchdrungene Seele
entschädigt sich,
indem sie voll heißer Sehnsucht
immer aufs neue sich mit ihm vereinigt

Johannes Maria Vianney - Pfarrer von Ars













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Updated: 2 hours 34 min ago

Kardinal Reinhard Marx gratuliert Ursula von der Leyen zur Wahl als neue Präsidentin der Europäischen Kommission

17. July 2019 - 9:41

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Frau Dr. Ursula von der Leyen im Namen der Deutschen Bischofskonferenz zu ihrer Wahl in das Amt der Präsidentin der Europäischen Kommission gratuliert. Für die vor ihr liegende Aufgabe wünsche er mutige Visionen, viel Kraft, die nötige Unterstützung und in all dem Gottes Segen. In seinem Brief schreibt Kardinal Marx: „Sie übernehmen dieses Amt in einer entscheidenden Phase der europäischen Integration, in der lebhaft über die Zukunft unseres gemeinsamen Hauses Europa gestritten wird. Gerade in diesen Zeiten dürfen wir Ihnen dankbar sein, dass Sie zur Übernahme dieses wichtigen Amtes bereit sind.“ Dieser Dank gelte auch im Blick auf den Einsatz als Bundesministerin in verschiedenen Ressorts, zuletzt im Bundesministerium der Verteidigung.

Frau von der Leyen habe wiederholt bewiesen, dass sie geprägt sei von der Weite eines europäischen Geistes, dessen es bedarf, um die Union zu gestalten. „Heute und künftig brauchen wir eine Europäische Union, zu deren obersten Zielen Stabilität, Verlässlichkeit und Rechtsstaatlichkeit gehören und die sich von ihrer Verpflichtung als erfolgreiches Friedensprojekt und Garant europäisch geprägter Werte leiten lässt“, so Kardinal Marx. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie dank ihrer langjährigen, reichen politischen Erfahrung, die tief vom christlichen Menschenbild geprägt ist, beste Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringen.“

„Pastorale Orientierungen zum Menschenhandel“

11. July 2019 - 10:50

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (11. Juli 2019) die deutsche Fassung des vatikanischen Dokuments Pastorale Orientierungen zum Menschenhandel veröffentlicht. Die englische und italienische Version dieser Orientierungshilfe wurde bereits am 17. Januar 2019 in Rom der Öffentlichkeit vorgestellt. Vorangegangen waren Konsultationen des römischen Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen mit Bischofskonferenzen und anderen kirchlichen Organisationen. Die Orientierungshilfe analysiert Ursachen und Formen des Menschenhandels und formuliert konkrete Empfehlungen zur Bekämpfung der „modernen Sklaverei“ sowie zur Unterstützung der Opfer. Dabei werden gerade auch kirchliche Handlungsfelder in den Blick genommen. Das Dokument richtet sich an Diözesen, Pfarrgemeinden, muttersprachliche Gemeinden und Ordensgemeinschaften, katholische Schulen und Universitäten, kirchliche Wohlfahrtsverbände und alle, denen die Bekämpfung des Menschenhandels am Herzen liegt.

Weihbischof Ansgar Puff (Köln), der im Auftrag der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz das kirchliche Engagement gegen den Menschenhandel begleitet, betonte die Aktualität der Thematik: „Tausende von Menschen sind mitten in unserem Land Opfer von Zwangsprostitution und Arbeitsausbeutung. Der Menschenhandel ist, wie Papst Franziskus es ausgedrückt hat, eine ‚offene Wunde am Leib der heutigen Gesellschaft‘. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen von staatlichen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren wird es möglich sein, diese menschenverachtende Praxis zu überwinden. Dringend vonnöten ist ein Bewusstseinswandel: Kein Kind, keine Frau, kein Mann ist ein Gebrauchsgegenstand. Wer Menschen zu Waren degradiert, verletzt ihre unveräußerliche Würde.“

Papst Franziskus räumt dem Kampf gegen den Menschenhandel einen hohen Stellenwert ein. Bereits 2014 wurde in seiner Anwesenheit die „Santa Marta Group“ gegründet, in der Bischöfe, Ordensschwestern und leitende Polizeibeamte zur Bekämpfung des Menschenhandels und zur Unterstützung der Opfer zusammenarbeiten. Im gleichen Jahr unterzeichnete der Papst mit hochrangigen Würdenträgern anderer Religionsgemeinschaften im Vatikan eine Erklärung, die dazu aufruft, die „moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen“. Für den 8. Februar 2015, dem Gedenktag der hl. Josephine Bakhita, setzte er erstmals einen Internationalen Tag des Gebets und der Reflexion gegen den Menschenhandel an, der seitdem jedes Jahr begangen wird. Die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge im Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, die von Papst Franziskus persönlich geleitet wird, widmet sich der Problematik in pastoraler, caritativer und politischer Hinsicht.

Die katholischen Organisationen, die sich in Deutschland gegen den Menschenhandel engagieren, haben sich 2014 auf Anregung der Migrationskommission in der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“ zusammengeschlossen. Neben dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Büro in Berlin sind darin der Deutsche Caritasverband, die Deutsche Kommission Justitia et Pax, Renovabis, SOLWODI, IN VIA und das Fraueninformationszentrum Stuttgart vertreten. Seit 2018 ist der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission, Weihbischof Puff, für die Thematik zuständig. Im vergangenen Jahr hat er für die Deutsche Bischofskonferenz an der internationalen Konferenz der Santa Marta Group im Vatikan teilgenommen.


Hinweise:

Das Dokument Pastorale Orientierungen zum Menschenhandel steht in der Rubrik Publikationen als pdf-Datei zum Herunterladen bereit und kann dort auch als Broschüre (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 219) bestellt werden.

Weitere Informationen sind unter https://weltkirche.katholisch.de/Themen/Menschenhandel und https://migrants-refugees.va/trafficking-slavery/ verfügbar.

Kardinal Reinhard Marx würdigt Bischof em. Dr. Konrad Zdarsa

7. July 2019 - 14:07

Anlässlich des Abschieds aus dem Amt als Bischof von Augsburg hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Bischof em. Dr. Konrad Zdarsa gewürdigt. Bei einem Gottesdienst im Dom zu Augsburg dankte Kardinal Marx für das vielfältige Engagement des Augsburger Bischofs in der Deutschen und in der Freisinger Bischofskonferenz. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch von Bischof Zdarsa angenommen.

Mit seinen Wortmeldungen und Gedanken, mit Erfahrungen und Erwartungen habe Bischof Zdarsa die Debatten der Deutschen Bischofskonferenz bereichert, so Kardinal Marx. „Engagiert hast Du Dich eingebracht, gerade auch in den Sitzungen des Ständigen Rates. Mein Dank für diesen Einsatz wäre unvollständig, würde ich nicht Dein Mitwirken in der Kommission Weltkirche und in der Publizistischen Kommission erwähnen, deren stellvertretender Vorsitzender Du warst. Bei allen Themen, die Dich in unserer Konferenz bewegt haben, war Dir die Gemeinschaft stets wichtig“, so Kardinal Marx in seinem Grußwort.

Ausdrücklich hob er die Heimatverbundenheit Bischof Zdarsas hervor, der zunächst Bischof von Görlitz war und 2010 Bischof von Augsburg wurde. Die Bischöfe und die Bischofskonferenz habe Konrad Zdarsa mit seinen Erfahrungen in der ehemaligen DDR bereichert. „Diese Erfahrungen, die Du machen musstest, haben Dich geprägt und zu einem treuen Verfechter unserer Kirche gemacht. Für dieses Zeugnis – in Görlitz und in Augsburg – danken wir Dir ebenfalls.“ Bischof Zdarasa habe das Bistum Augsburg in teilweise turbulenten Zeiten geleitet: „Umso dankbarer sind wir Dir, dass Du auch in schwierigen Momenten treu das Evangelium verkündet hast“, betonte Kardinal Marx.


Hinweis:

Das Grußwort von Kardinal Reinhard Marx ist unterstehend als pdf-Datei verfügbar.

Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland

5. July 2019 - 14:35

„Die Relevanz von Glaube und Kirche wird aufgrund vielerlei Gründe infrage gestellt wie nie zuvor. Dem wollen wir als Kirche in Deutschland mit dem Synodalen Weg begegnen und Antworten auf die Fragen der Zeit geben.“ Diese Auffassung haben heute (5. Juli 2019) der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, vertreten. Anlässlich der Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK in Bonn erläuterten Kardinal Marx und Prof. Dr. Sternberg bei einem Pressegespräch die Eckpunkte für den Synodalen Weg.

Dieser werde nach jetziger Planung am 1. Advent beginnen. Wichtig sei eine erweiterte Gemeinsame Konferenz am 13./14. September 2019 in Fulda, bei der  das Statut und die  inhaltliche Ausrichtung weiter erörtert würden.

Kardinal Marx erinnerte an die Ausgangslage, die zur Entscheidung für den Synodalen Weg geführt hat. Die Krise um die Fälle sexuellen Missbrauchs habe die Kirche erschüttert. Jetzt gehe es neben der weiteren Aufarbeitung um konkrete Schritte bei den mit der Missbrauchskrise identifizierten übergreifenden Themen. Neben den drei bereits beschlossenen Themenbereichen zum Umgang mit Macht in der Kirche, der Zukunft der priesterlichen Lebensform und der Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral habe der Ständige Rat einem vierten Forum zum Thema „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ zugestimmt, das vom ZdK angeregt worden war, so Kardinal Marx: „Damit wollen wir die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche aufnehmen. Uns geht es im Synodalen Weg darum, die Relevanz von Glaube und Kirche wieder in die gesellschaftliche Debatte einzubringen und gleichzeitig Antworten auf binnenkirchliche Fragen zu finden. Das geht nur in einer Gemeinsamkeit von Frauen und Männern in der Kirche.“

Prof. Dr. Sternberg betonte die Entschlossenheit des ZdK, den Synodalen Weg partnerschaftlich mitzugestalten. „Vor dem Hintergrund der epochalen Umbrüche und tiefgreifenden Krisen ist die Kirche als Sinn- und Autoritäts-Instanz infrage gestellt. Denn in Zeiten, in denen Menschen unterschiedlicher Denkart auf Suche nach Sinn und Orientierung sind, ausgerechnet in dieser Krise wird unserer Kirche immer weniger vertraut und immer weniger zugetraut. Darüber müssen wir sprechen und Antworten auf die Herausforderungen finden. Und wir müssen handeln“, so Sternberg.

Kardinal Marx und Prof. Dr. Sternberg hoben hervor, dass der Synodale Weg von Deutscher Bischofskonferenz und ZdK gemeinsam vorbereitet und getragen würde: „Wir möchten viele Menschen einbinden. Dazu denken wir neben der Gremienarbeit der Synodalforen und der Synodalversammlung an eine Reihe weiterer Veranstaltungen. Dabei soll eine Diskussion mit den Menschen entstehen, um brennende Themen aus Kirche und Welt zu diskutieren.“ Die ersten drei Themenforen hätten bereits ihre Arbeit aufgenommen. Ziel dieser Forumsarbeit sei es, im Herbst erste Zwischenergebnisse zu liefern, um den eigentlichen Synodalen Weg vorzubereiten. „Unser gemeinsamer Fahrplan sieht vor, dass wir über die genaue Ausgestaltung des Synodalen Weges im September und November auf den jeweiligen Vollversammlungen von Deutscher Bischofskonferenz und ZdK entscheiden wollen.“

Im Pressegespräch erinnerten Kardinal Marx und ZdK-Präsident Sternberg auch an den Brief von Papst Franziskus „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“: „Wir verstehen ihn als Leitlinie, Ermutigung und Auftrag, auf dem Synodalen Weg gemeinsam voranzugehen und aufrichtig nach Antworten auf unsere existenziellen Fragen und die konkreten Herausforderungen, gerade aus der Krise durch den sexuellen Missbrauch, zu suchen. Von Herzen laden wir alle Katholikinnen und Katholiken ein, den Synodalen Weg zu unterstützen und mit uns über eine erneuerte Kirche nachzudenken, die ihren Beitrag zu einer humanen Gesellschaft leistet.“

Hinweis:
Weitere Informationen zum Synodalen Weg sind unter www.zdk.de und auf der Themenseite Der Synodale Weg verfügbar.

Vierter Katholischer Flüchtlingsgipfel in Essen beendet

4. July 2019 - 14:50

Am heutigen Tag (4. Juli 2019) fand in Essen der vierte Katholische Flüchtlingsgipfel statt. Auf Einladung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz waren etwa 150 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche auf der Zeche Carl zusammengekommen, um über Fremdenfeindlichkeit als Herausforderung der kirchlichen Flüchtlingshilfe zu diskutieren.

Mit dem Dank der deutschen Bischöfe an die kirchlichen Flüchtlingshelfer eröffnete Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen und Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, die Veranstaltung. Die Vielzahl der Teilnehmenden sei „eine Quelle der Inspiration und der Kraft“, so Erzbischof Heße in seiner Ansprache. Zugleich stellte er klar: „Die großen Herausforderungen stehen noch bevor, denn Integration, die der Aufnahme folgt, ist eine langfristige Aufgabe, die unsere Gesellschaft verändert und auch mit Konflikten einhergeht. Vor diese Aufgabe sind wir jetzt gestellt. Und es ist entscheidend, wie wir damit umgehen und welche Antworten wir geben. Unsere Antwort ist Ausdruck dessen, wie wir uns als Gesellschaft verstehen und auch als Kirche.“ Er bekräftigte die christliche Haltung gegenüber Flüchtlingen mit den von Papst Franziskus formulierten Handlungsmaximen „aufnehmen, schützen, fördern und integrieren“, erinnerte aber zugleich an die Notwendigkeit, mit Ängsten umzugehen, die sich auch in der Kirche Gehör verschafften: „Ein Blick in die Gemeinden zeigt, dass auch manche Kirchengemeinde um ihre Einheit ringen muss, wenn es um Flüchtlinge und Migranten geht. Auch unter uns in der Kirche gibt es Angst vor dem Fremden und den Fremden.“ Vor diesem Hintergrund stellte er klar: „Eindeutig bekennen wir: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit widersprechen der Botschaft Jesu. Wir wollen eine offene und ehrliche Debatte führen, die auch Raum lässt für das Unbehagen und die oft diffuse Angst, die sich in der Gesellschaft verbreitet haben. Aber wir glauben, gute Argumente zu haben, wenn wir auf Hoffnung und Vertrauen setzen, statt uns der Angst zu ergeben. Hass und Hetze treten wir entschieden entgegen.“

Ausdrücklich würdigte Erzbischof Heße die rund 51.000 Ehrenamtlichen und die 5.100 Hauptamtlichen, die 2018 in der kirchlichen Flüchtlingshilfe aktiv waren. Ebenso dankte er dem fortwährenden Einsatz der (Erz-)Bistümer und der kirchlichen Hilfswerke, die 2018 rund 125,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt haben: darunter 83,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe im Ausland und rund 37,5 Millionen Euro für die Unterstützung der Flüchtlingshilfe im Inland.

In seinem Vortrag interpretierte Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für Theologische Ethik, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Fremdenfeindlichkeit im Kontext „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. Sie sei durch abwertende Einstellungen und Vorurteile gegenüber Angehörigen ganzer Gruppen bestimmt, die als „anders“ definiert würden. Prof. Dr. Lob-Hüdepohl machte deutlich, dass fremdenfeindliche Menschen zwar keine homogene Gruppe seien, aber doch „gemeinsame tiefgreifende Verunsicherungen“ teilten, nicht zuletzt auch aufgrund einer „Ohnmachtserfahrung durch soziale und politische Deprivation“. Die von der Deutschen Bischofskonferenz am 25. Juni 2019 veröffentlichte Arbeitshilfe „Dem Populismus widerstehen. Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“ versuche, angesichts dieser Situation Aufklärung zu leisten und Orientierung zu geben.

Die Frage, wie die Kirche den Ängsten und Vorbehalten gegenüber Geflüchteten begegnen kann, bildete auch den roten Faden in den Diskussionen der Arbeitsgruppen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln behandelten. Ergänzt wurde das Programm des Flüchtlingsgipfels durch einen Markt der Möglichkeiten, auf dem Bewerber und Preisträger des Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ihre Arbeit präsentierten.

Von unterschiedlichen Differenz- und Diskriminierungserfahrungen berichtete Ali Can, Begründer des Hashtags #MeTwo, in einem Impulsvortrag, der der abschließenden Diskussionsrunde voranging. Seinem Hashtag, der sich an der „Metoo“-Debatte zum sexuellen Missbrauch orientierte, hatten sich viele Migranten angeschlossen, um von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus und Diskriminierung zu berichten. „#MeTwo hat gezeigt, dass Rassismus ein großes Problem in Deutschland ist“, so Ali Can.

An der Podiumsdiskussion unter dem Leitthema „Fremdenfeindlichkeit – Welche Aufgaben stehen in Kirche und Gesellschaft an?“ nahmen neben Erzbischof Heße und Ali Can auch Monika Düker, Fraktionsvorsitzende der Grünen, Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, und Dr. Ina Schildbach, Projektleitung der „Kompetenzzentren für Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern“, teil. „Ab wann ist ein Flüchtling kein Flüchtling mehr, sondern ein Nachbar, ein Studierender oder ein Deutscher? Die Zeit für eine Neudefinition des Deutschseins ist reif. Wir haben alle mehr als eine Heimat. Vielfalt ist das neue Made in Germany!“, betonte Ali Can. Die Fraktionsvorsitzende Monika Düker unterstrich während der Podiumsdiskussion: „Unsere Gesellschaft ist geprägt von Zukunftsängsten: Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel und Migration werden unsere Lebensweise verändern. Die Politik muss Antworten geben, wie wir diese Herausforderungen meistern können. Die aktuellen gesellschaftlichen Bewegungen zum Beispiel für Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen zeigen, dass vielen Menschen genau diese Antworten fehlen. Gleichzeitig schüren und nutzen Rechtspopulisten Ängste, um ihre menschenfeindliche, ausgrenzende und nationalistische Politik zu verkaufen. Grundfalsch und gefährlich für unsere Demokratie finde ich es, diesen ideologischen Brandstiftern hinterherzurennen und sich ihrer Programmatik anzunähern, um Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen. Wir sollten mit einer klaren Haltung gegen Nationalismus und Rassismus und für eine menschenrechtsorientierte Politik antworten, die auf den Werten unserer Verfassung fußt. Das Grundgesetz wird in diesem Jahr 70 Jahre alt, und leider müssen wir seine Artikel mehr denn je verteidigen.“

Dr. Ina Schildbach erklärte, dass es entscheidend sei, dass wir Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus nicht lediglich als ein Problem an den Rändern der Gesellschaft begreifen. Der Aufstieg der AfD und anderer Parteien spiegele nur in institutionalisierter Form wider, was empirische Studien schon lange zeigten: Solche Einstellungsmuster seien fest in der Mitte verankert. „Ich erlebe in verschiedenen Veranstaltungen einerseits zwar eine große Verunsicherung, weil tatsächlich immer mehr Menschen sowohl im Privaten als auch beruflich mit entsprechenden Aussagen/Einstellungen konfrontiert werden. Zum anderen wird jedoch auch wahrgenommen, dass es eine große Rückendeckung vonseiten der Kirchenspitze gibt, da gibt es keinerlei Unschärfen und das ist extrem wichtig!“, so Dr. Schildbach. Hier ergänzte Erzbischof Heße: „Von uns Bischöfen wird zu Recht erwartet, dass wir ihnen geistlich und argumentativ den Rücken stärken. Das ist aber bisweilen keine leichte Aufgabe. Denn so entschieden und unmissverständlich unsere Ablehnung menschenfeindlicher Haltungen ist: Auch für jene, die mit rechtspopulistischen Tendenzen sympathisieren, tragen wir seelsorgliche Verantwortung.“ Die Flucht- und Migrationsbewegungen der Jahre 2015 und 2016 hätten gezeigt, dass Rechtspopulisten auch in Deutschland imstande seien, diffuse Ängste und Verunsicherungen zu bündeln, so Erzbischof Heße: „Besonders bedenklich ist es, wenn solche Bewegungen sich als Verteidiger des christlichen Abendlands inszenieren und wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes dabei ausblenden. Rechtspopulistische Tendenzen fordern uns heraus – sowohl gesamtgesellschaftlich als auch innerkirchlich.“ Dr. Schildbach betonte die Relevanz von Kompetenzzentren: „Meines Erachtens müssen wir die innerkirchliche politische Bildung stärken, wie es jetzt mit dem bayerischen Kompetenzzentrum versucht wird. Menschen trauen sich nur dann in die Auseinandersetzung, wenn sie sich auch gut dafür vorbereitet sehen – dafür braucht es nun mal Unterstützung. Insofern wäre meine Hoffnung tatsächlich, dass in sämtlichen Bundesländern Kompetenzzentren eingerichtet und dadurch Gesprächsräume geöffnet werden.“


Hinweise:

Die Statistik zur Flüchtlingshilfe, die Eröffnungsansprache von Erzbischof Dr. Stefan Heße und der Vortrag von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl sind als pdf-Dateien unter www.dbk.de verfügbar. Weitere Informationen zur Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche finden Sie unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de.

Von dieser Veranstaltung werden im Laufe des Tages kostenfreie Fotos in Druckqualität zur Verfügung stehen, die unter dem Link https://gallery.joernneumann.de/dbk-fluechtlingsgipfel-und-preis-gegen-rassismus  abrufbar sind. Die Copyright-Angabe ist: © Deutsche Bischofskonferenz/Jörn Neumann.

Deutsche Bischofskonferenz verleiht Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

4. July 2019 - 14:17

Bei einem Festakt in Essen ist heute (4. Juli 2019) zum dritten Mal der Katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verliehen worden. Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), ehrte vier Initiativen für ihr herausragendes, vom christlichen Glauben getragenes Engagement.

Den mit 4.000 Euro dotierten ersten Preis überreichte er an das von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Bonaventura und Hl. Kreuz in Remscheid-Lennep initiierte Projekt „Global Village: Weltort Lennep“. Zweite Preise (jeweils 3.000 Euro) erhielten die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) und der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ) für ihre gemeinsame Initiative „Tacheles! Klare Kante gegen Extremismus“ sowie die Schweinfurter Caritas für das Projekt „Lesekoffer Flucht und Vertreibung“ und weitere Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe. Mit einem „Sonderpreis für eine innovative Projektidee“ (1.500 Euro) wurde „Café Hoffnung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen ausgezeichnet.

Die Festrede hielt der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Er betonte: „Nordrhein-Westfalen ist ein weltoffenes und vielfältiges Land. Jeder Form von Rassismus, Hetze und Bedrohung treten wir entschieden entgegen. Alle Preisträger des Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit haben eines gemeinsam: Sie stärken mit ihrem beeindruckenden Einsatz den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, indem sie sich gegen Menschenverachtung und den Hass zur Wehr setzen. Mit ihrem Engagement leisten die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre ausgezeichneten Projekte einen wichtigen Beitrag für unsere Demokratie. So wie das Projekt „Global Village: Weltort Lennep“ aus Remscheid, das den ersten Preis erhält. Hier arbeiten verschiedene Generationen und Kulturen Tag für Tag daran, dass Integration gelingt und Menschen bei uns eine neue Heimat finden können. Meinen größten Respekt!“

Als Jury-Vorsitzender sagte Erzbischof Dr. Heße: „Allen Preisträgern ist etwas gemeinsam: Der Glaube spornt sie an, Ressentiments entgegenzutreten und Dialog zu ermöglichen. Mit Worten und Werken engagieren sie sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen die Abwertung des Anderen. Sie sind Vorbilder christlicher Nächstenliebe.“ Entschieden wandte er sich gegen jegliche Vereinnahmung des Christentums für menschenfeindliche Zwecke: „Das Zweite Vatikanische Konzil hat unmissverständlich festgestellt: Die Kirche verwirft ‚jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht‘. Wer Hass und Misstrauen sät, kann sich nicht auf Jesus Christus berufen. Der Platz der Kirche ist an der Seite derer, die unter Ausgrenzungen und Anfeindungen leiden.“

Zur Preisverleihung kamen rund 250 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft auf der Zeche Carl in Essen zusammen. Mit der Wahl des Ortes wurde daran erinnert, dass das Ruhrgebiet in besonderer Weise von Migration und Interkulturalität geprägt ist. Aus Essen stammte auch der Gewinner des Preises 2017. Die Essener Band „Culture Pool“, die sich der Begegnung von Menschen, Kulturen und Stilrichtungen verschrieben hat, gestaltete die Feier musikalisch.


Hintergrund

Auf Anregung der Migrationskommission hat die Deutsche Bischofskonferenz 2015 zum ersten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgelobt. Mit dem Preis werden Personen und Gruppen ausgezeichnet, die sich in Deutschland aus dem katholischen Glauben heraus im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bzw. für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft engagieren. Der Preis soll dazu beitragen, das kirchliche Zeugnis gegen jede Form der Menschenverachtung zu stärken. Im Jahr 2019 sind insgesamt 81 Bewerbungen und Vorschläge beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz eingegangen.


Hinweise:

Von dieser Veranstaltung werden am späteren Abend kostenfreie Fotos in Druckqualität zur Verfügung stehen, die unter dem Link https://gallery.joernneumann.de/dbk-fluechtlingsgipfel-und-preis-gegen-rassismus  abrufbar sind. Die Copyright-Angabe ist: © Deutsche Bischofskonferenz/Jörn Neumann.

Die Jurybegründungen finden Sie in der Anlage zu dieser Pressemitteilung sowie unter www.dbk.de. Weitere Informationen über die Jury, den Preis und die Preisträger sind unter www.dbk.de/de/katholischer-preis-gegen-fremdenfeindlichkeit-und-rassismus/home/ verfügbar.

Über die ausgezeichneten Initiativen informieren darüber hinaus: gemeinden.erzbistum-koeln.de/lotsenpunkt-lennep, www.projekt-tacheles.de, caritas-sw.de/lesekoffer-flucht-und-vertreibung und caritas-sw.de/hilfe-beratung/asylsozialarbeit sowie www.cafehoffnung.de .

Vierter Katholischer Flüchtlingsgipfel in Essen

4. July 2019 - 13:17

Am heutigen Tag (4. Juli 2019) findet in Essen der vierte Katholische Flüchtlingsgipfel statt. Auf Einladung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz sind etwa 150 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche auf der Zeche Carl zusammengekommen, um über Fremdenfeindlichkeit als Herausforderung der kirchlichen Flüchtlingshilfe zu diskutieren.

Wir dokumentieren hier die Eröffnungsansprache von Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, sowie die Präsentation von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Untenstehend ist außerdem die neue Statistik zur Flüchtlingshilfe verfügbar.

Weitere Informationen zur Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche finden Sie unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de.


Einladung für die Medienvertreter aus Anlass des Synodalen Wegs

2. July 2019 - 9:36

Am kommenden Freitag, 5. Juli 2019, tagt die Gemeinsame Konferenz von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Schwerpunkt der Beratungen ist der für die Kirche in Deutschland vorgesehene Synodale Weg, zu dem sich zuletzt Papst Franziskus in einem Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ geäußert hat.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des ZdK, Prof. Dr. Thomas Sternberg, werden interessierten Medien die Vorbereitungen zum Synodalen Weg in einem Pressegespräch während der Gemeinsamen Konferenz erläutern. Es findet statt am

Freitag, 5. Juli 2019, um 13.00 Uhr
im Generalsekretariat des ZdK,
Hochkreuzallee 246, 53175 Bonn.


Wir bitten die Kolleginnen und Kollegen der Medien um eine Anmeldung per E-Mail an presse(at)zdk.de. Aufgrund der laufenden Gemeinsamen Konferenz bitten wir um Verständnis, dass für das Pressegespräch 45 Minuten vorgesehen sind.

Statement von Erzbischof Dr. Stefan Heße zum Rettungsschiff Sea Watch 3

1. July 2019 - 17:04

Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen und Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), äußert sich heute (1. Juli 2019) zur Debatte um den Umgang mit dem Rettungsschiff Sea Watch 3 und fordert eine Erneuerung der europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik:

„Jährlich sterben Tausende beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, um schrecklichen Verhältnissen in der Heimat zu entkommen. Alle Experten wissen: Einfache Lösungen kann es hier nicht geben. Denn nicht weniger als eine grunderneuerte europäische Flüchtlings- und Migrationspolitik muss entwickelt werden. Die Seenotrettung ist sicherlich nur ein Element dieser Politik, aber sie ist unverzichtbar. Es ist deshalb unzulässig, die Seenotretter zu entmutigen, zu attackieren und zu kriminalisieren. Das Verhalten der italienischen Regierung gegenüber dem Rettungsschiff Sea Watch 3 und seiner Kapitänin Carola Rackete ist unannehmbar. Solange die Staaten sich einer konsequenten Seenotrettung verweigern oder sie nicht leisten können, ist die privat organisierte Rettung aus Seenot legitim, ja gefordert. Moralisches Handeln darf nicht staatlicherseits bedroht und unmöglich gemacht werden.“

Sportseelsorge bei der Universiade in Neapel

1. July 2019 - 11:41

Bei der 30. Sommer-Universiade vom 3. bis 14. Juli 2019 wird Elisabeth Keilmann als Sportseelsorgerin der Deutschen Bischofskonferenz das deutsche Team in Neapel begleiten. Sie freue sich schon auf die Weltsportspiele der Studierenden, so Keilmann. „Zum ersten Mal bin ich bei einer Universiade dabei. Gemeinsam mit meinem evangelischen Kollegen, Pfarrer Thomas Weber, habe ich die Möglichkeit, die jungen Athletinnen und Athleten kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Ich freue mich sehr auf viele Begegnungen und Gespräche, auch mit Trainern, Betreuern und Verantwortlichen und auf die seelsorgerische Begleitung. Mir ist es wichtig, für die Menschen vor Ort da zu sein, um Mut zuzusprechen, um zu trösten, um Freude zu teilen“, sagt Keilmann.

Der Sport sei ein Bereich, in dem der Mensch seine Talente entfalten und für das Leben lernen kann. Wenn Sportlerinnen und Sportler in ihrer Disziplin ihr Bestes geben, erleben sie Zufriedenheit und Freude. Dass sie dann gewinnen wollen, gehöre dazu. Bei Wettkämpfen stehen oft hohe Erwartungen und Leistungsanforderungen im Mittelpunkt. Es gelte gleichzeitig aber auch mit Niederlagen umzugehen. „In solchen Situationen geht es sicherlich nicht nur um den Sport, sondern auch um Lebens- und Glaubensfragen.“

Einen besonderen Ort der Begegnung oder der Stille bietet das religiöse Zentrum. „Dort werden wir für Impulse, Gebete und Gottesdienste zusammenkommen. Dieser Raum lädt aber auch dazu ein, sich aus dem sportlichen Geschehen zurückzuziehen, um Ruhe zu finden und sich auf sich selbst zu konzentrieren“, so die Sportseelsorgerin.

Zu den Aufgaben des Seelsorgerteams gehört neben der Begleitung und Betreuung der Aktiven auch die Unterstützung des Krisenmanagements sowie des Büroteams vor Ort. „Wir sind Teil des deutschen Universiade-Teams. Bereits beim Vorbereitungstreffen des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands (adh) konnte ich diese Erfahrung machen. Wir sind in viele Abläufe einbezogen. Angesprochen hat mich besonders das große Vertrauen und der Teamgeist“, berichtet Keilmann.

Weiter sagt sie: „Sport schafft Freude und Gemeinschaft. Das können die Athletinnen und Athleten unterschiedlicher Herkunft und Kultur erfahren, wenn sie beim großen Sport- und Kulturfest in Neapel zusammentreffen. Ich bin mir sicher, dass wir eine tolle Universiade erleben werden.“


Hintergrund

Die Universiade bringt die besten studierenden Spitzensportler aus der ganzen Welt zusammen. Alle zwei Jahre richtet der Weltdachverband des Universitätssport FISU die zweitgrößte internationale Multisport-Veranstaltung nach den Olympischen Spielen aus. Erwartet werden in Neapel 8.000 Athleten aus über 170 Nationen, die in 18 Sportarten um Medaillen kämpfen. Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) wird mit rund 120 deutschen Sportlern nach Italien reisen. Seit vielen Jahren sind katholische und evangelische Seelsorger fester Bestandteil des Teams, um den Athleten, Betreuern, sowie Verantwortlichen der deutschen Mannschaft für Gespräche und Begleitung zur Verfügung zu stehen und geistliche Angebote sowie Gottesdienste anzubieten.


Hinweis:

Interviews mit Elisabeth Keilmann sind während der Universiade möglich. Anfragen richten Sie bitte an die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle(at)dbk.de).

Papst Franziskus schreibt Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“

29. June 2019 - 10:00

Papst Franziskus hat heute (Samstag, 29. Juni 2019) einen Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ gerichtet. Zu diesem Dokument erklären der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg:

„Der Brief von Papst Franziskus an das ‚pilgernde Volk Gottes in Deutschland‘ ist ein Zeichen der Wertschätzung des kirchlichen Lebens in unserem Land und aller katholischen Gläubigen. Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiter zu gehen.

Papst Franziskus möchte die Kirche in Deutschland in ihrer Suche nach Antworten auf die uns alle bewegenden Fragen für eine zukunftsfähige Gestalt der Kirche unterstützen. Wir werden diesen Brief zur Orientierung unseres gemeinsamen Handelns aufgreifen und ihn auf dem Synodalen Weg intensiv bedenken.

Es ist das zentrale Anliegen von Papst Franziskus, die Kirche weiterhin als eine starke geistliche und pastorale Kraft zu verstehen, die das Evangelium in die Gesellschaft hinein vermittelt und glaubwürdig verkündet. Diese Glaubwürdigkeit ist in den zurückliegenden Jahren erschüttert worden. Wir sind als katholische Kirche in Deutschland gemeinsam aufgefordert, Vertrauen neu zu gewinnen. Die Voraussetzung für das Gelingen des Synodalen Weges ist auch eine geistliche Ausrichtung, die sich nicht in Strukturdebatten erschöpfen darf.

Für den vor uns liegenden Prozess mahnt uns Papst Franziskus zu einer neuen Art des Hörens aufeinander, damit wir uns als Teil der Weltkirche mit aller Kreativität, Spiritualität und Leidenschaft in den Dienst des Glaubens stellen. Bereits am 5. Juli 2019 werden wir die Gelegenheit haben, in der Gemeinsamen Konferenz von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK diesen Brief zu besprechen und weitere konkrete Schritte zu vereinbaren.“


Hinweis:

Der Brief von Papst Franziskus an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Fachgespräch der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin

27. June 2019 - 11:28

Auf Einladung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz hat gestern (26. Juni 2019) ein hochrangiges Fachgespräch zum Globalen Migrationspakt und zum Globalen Flüchtlingspakt stattgefunden. Dazu kamen rund 50 Verantwortungsträger und Experten aus Kirche, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen in der Katholischen Akademie in Berlin zusammen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Vorsitzenden der Migrationskommission und Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen MdB, sowie den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Stephan Mayer MdB. Das Fachgespräch knüpfte an eine Veranstaltung vom März 2018 an. Während es seinerzeit um kirchliche und zivilgesellschaftliche Empfehlungen für die abschließende Verhandlungsphase der Globalen Pakte ging, stand nun die Frage nach der konkreten Umsetzung im Mittelpunkt.

Zu Beginn des Fachgesprächs erinnerte Erzbischof Heße an die vier Leitworte, in denen Papst Franziskus den kirchlichen Auftrag gegenüber Migranten und Flüchtlingen zusammengefasst hat: aufnehmen, schützen, fördern, integrieren. „Es freut mich, dass diese Handlungsmaximen in den Pakten, wie sie nun vorliegen, ihren deutlichen Widerhall gefunden haben“, so Erzbischof Heße. „Papst Franziskus nennt die mangelnde Solidarität gegenüber Schutzsuchenden ‚eine Wunde, die zum Himmel schreit‘ und konstatiert eine ‚Globalisierung der Gleichgültigkeit‘. Die beiden Pakte bieten eine gute Gelegenheit, diese Gleichgültigkeit zu überwinden.“

Mit Blick auf die Umsetzung des Globalen Migrationspakts plädierte Erzbischof Heße für einen nationalen Implementierungsplan, der in einem partizipativen Prozess entwickelt wird und Gegenstand einer öffentlichen Debatte ist: „Die anwesenden Vertreter der zuständigen Bundesministerien möchte ich ausdrücklich ermutigen: Binden Sie die kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Netzwerke mit ein, lassen Sie ihr starkes Engagement und ihre Fachkompetenz nicht ungenutzt. Als Vertreter der katholischen Kirche kann ich Ihnen versichern: Wir sind gerne bereit, aktiv an der Implementierung des Migrationspakts in Deutschland mitzuwirken.“ Bei der Umsetzung des Globalen Flüchtlingspakts sei es wichtig, dass die Bundesregierung auf internationaler Ebene „ambitionierte Selbstverpflichtungen“ formuliere. Sowohl für den Globalen Migrationspakt als auch für den Globalen Flüchtlingspakt gelte: „Staat, Kirche und Zivilgesellschaft sind gemeinsam gefragt, die Pakte mit Leben zu füllen.“ Eine klare Absage erteilte der Erzbischof jeglicher Tendenz zu nationalen Alleingängen: „Selbst Kritiker und Skeptiker werden einräumen müssen: Migrationsbewegungen lassen sich heute nicht allein national regeln und steuern. Wer sich der internationalen Zusammenarbeit verweigert, schadet letztlich auch den Interessen des eigenen Landes.“

Staatsminister Annen würdigte die Annahme des Globalen Migrationspakts und des Globalen Flüchtlingspakts als „starke Antwort der Weltgemeinschaft auf eine der größten Herausforderungen seit Ende des Zweiten Weltkrieges“. In der nun anstehenden Phase der praktischen Implementierung komme dem kirchlichen Engagement eine hohe Bedeutung zu: „Gemeinsam mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren spielen die Kirchen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der beiden Pakte.“ Besorgt zeigte er sich darüber, dass „der universal geltende Flüchtlingsschutz faktisch derzeit nur von etwa 35 Staaten der Welt getragen wird“. Die Bundesregierung werde sich deshalb im Rahmen des Globalen Flüchtlingsforums, das im Dezember 2019 in Genf stattfindet, „für ein Mehr an internationaler Solidarität“ einsetzen. „Deutschland ist bereits heute wichtiges Aufnahmeland und zweitgrößter humanitärer Geber – aus dieser besonderen Rolle heraus können wir als Mitveranstalter unsere Erfahrungen in das Forum einbringen“, so der Staatsminister.

Staatssekretär Mayer unterstrich die Relevanz der internationalen Zusammenarbeit in Migrationsfragen: „Die Steuerung von Migration ist ein Thema der gesamten Weltgemeinschaft. Wichtig ist, dass der Migrationspakt eine klare Unterscheidung zwischen regulärer und irregulärer Migration vornimmt. Reguläre Formen der Migration möchte die Bundesregierung fördern. Dieses Ziel verfolgen wir etwa mit dem jüngst verabschiedeten Fachkräfteeinwanderungsgesetz.“ Mit Blick auf den Flüchtlingsschutz nannte er das Pilotprojekt „Neustart im Team“ (NesT), in dem Staat, Kirchen und Zivilgesellschaft zusammenwirken, als einen innovativen Ansatz zur Eröffnung sicherer und legaler Zugangswege für Flüchtlinge.

In fünf aufeinanderfolgenden Panels vertieften die Teilnehmer einige Fragen, die sich in der Phase der Implementierung der Pakte stellen:

  • Der für Migration zuständige Untersekretär im vatikanischen Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, P. Michael Czerny SJ, der Freiburger Politikwissenschaftler Dr. Stefan Rother und die Leiterin des Deutschland-Büros der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Monica Goracci, gingen auf die Rolle von Kirche und Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der beiden Pakte ein.
  • Der Generalsekretär der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC), Msgr. Robert Vitillo, der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Dominik Bartsch, und der Leiter der Abteilung Krisenprävention im Auswärtigen Amt, Rüdiger König, skizzierten konkrete Verbesserungen, die der Globale Flüchtlingspakt für die internationale Gewährleistung des Flüchtlingsschutzes mit sich bringen kann.
  • Der Gießener Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Bast und der Leiter des Referats Flucht und Asyl im Arbeitsstab der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Michael Maier-Borst, fragten nach dem rechtlichen Status der beiden Pakte und den Folgen, die sich daraus für politisches Handeln ergeben.
  • Verschiedene Facetten der Förderung regulärer Migration und der Verhinderung der Ausbeutung von Migranten beleuchteten Patrick Marega-Castellan von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Direktorin des Berliner Büros des Deutschen Caritas-Verbandes, Katrin Gerdsmeier, die Geschäftsführerin des bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel (KOK), Sophia Wirsching, sowie der Leiter der Migrationsabteilung im Bundesministerium des Innern, Ulrich Weinbrenner.
  • Der Sozialwissenschaftler Dr. Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn, der Vorsitzende des Beirats des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Bruder Michael Schöpf SJ, und Julian Pfäfflin aus dem Referat Grundsatzfragen Flucht und Migration im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung befassten sich mit Fragen der umwelt- und klimabedingten Migration.

In einer abschließenden Runde bekräftigten die Vertreter aus Kirche und Zivilgesellschaft die Notwendigkeit, die beiden Globalen Pakte immer wieder als politische und gesellschaftliche Aufgabe ins Gespräch zu bringen. Einigkeit bestand darüber, dass es auch in Deutschland weiteren Handlungsbedarf gebe. Mit Sorge wurde darauf hingewiesen, dass manche aktuellen politischen Maßnahmen den Zielen der Pakte sogar entgegenzulaufen drohten. In einem abschließenden Statement dankte Erzbischof Heße allen Teilnehmern des Fachgesprächs für ihre Bereitschaft, die Umsetzung der Pakte weiterhin konstruktiv und kritisch zu begleiten. Zudem sprach er sich dafür aus, neben bereits bestehenden Netzwerken neue Bündnisse auf europäischer Ebene zu schmieden. Trotz aller politischen Differenzen sei es für den Erfolg der Globalen Pakte unerlässlich, sie auch als gesamteuropäisches Projekt zu begreifen.

Hinweise:
Das Grußwort von Erzbischof Heße sowie die Vorträge in englischer Sprache von Pater Czerny SJ und Msgr. Vitillo sind untenstehend als pdf-Dateien verfügbar.
Das Dokument „20 Handlungsschwerpunkte für die Global Compacts“ der vatikanischen Abteilung für Migranten und Flüchtlinge ist ebenfalls dort zu finden.
Weitere Informationen zu den Globalen Pakten sind verfügbar unter migrants-refugees.va und unter refugeesmigrants.un.org zu finden.

Abschluss des Mentoring-Programms für 33 Frauen

26. June 2019 - 15:32

Mehr als 30 Frauen aus 14 (Erz-)Bistümern, zwei Caritasverbänden und dem Hilfswerk Misereor haben in diesen Tagen das einjährige Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen erfolgreich beendet: Am Mittwoch (26. Juni 2019) ging in Bamberg das dreitägige Abschlussseminar für die 17 Mentees zu Ende. Eine Woche zuvor fand das Abschlussseminar für 16 Frauen einer weiteren Gruppe in Siegburg statt. Vertreter der jeweiligen Bistumsleitungen nahmen an beiden Veranstaltungen teil.

„Das Thema Frauen in Leitungsämtern auszublenden, wird künftig nicht mehr möglich sein, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen in Ordinariaten, kirchlichen Verbänden und Hilfswerken sowie der Caritas geht“, sagte Weihbischof Herwig Gössl (Bamberg). Das bei der jüngsten Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erklärte Ziel, mindestens ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, wäre ohne den Hildegardis-Verein und sein Mentoring-Programm nicht zu erreichen, fügte er hinzu. Aber nicht alle der unterschiedlichen Ziele des Programms seien in gleicher Weise erreicht worden: „Vor allem mit Blick auf die Erhöhung des Frauenanteils in Leitungspositionen ist, wenn ich in unser Bistum blicke, noch Luft nach oben.“

Weihbischof Gössl erinnerte daran, dass es in katholischen Jugendverbänden seit Längerem üblich ist, Leitungsämter paritätisch zu besetzen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen seien grundsätzlich positiv. „Es ist zu überlegen, wie in ähnlicher Weise paritätische Führungsmodelle auf verschiedenen kirchlichen Ebenen etabliert werden können – in einigen Diözesen wird bereits daran gearbeitet“, betonte er. Es sei wichtig, „mit Mut und Zuversicht“ weiter an der Umsetzung der Ziele zu arbeiten.

Ein Highlight der dreitägigen Veranstaltung war die Präsentation der innovativen Projekte, die die Mentees im Laufe des Mentoring-Jahres in ihrem Arbeitsumfeld entwickelt und umgesetzt haben. Diese Projekte wirkten in den Bistümern und darüber hinaus, sagte die Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, Birgit Mock: „Mit ihnen haben die Frauen auf Bedarfe und Veränderungen in ihren Organisationen reagiert und Verantwortung übernommen.“ Behandelt wurden so unterschiedliche Themen wie die bistumsweite strategische Aufarbeitung der Missbrauchsstudie, die Optimierung von Datenbanken und Arbeitsabläufen in Stiftungen sowie eine zielführendere Werbung für die Berufe der Kirche.

Am Dienstag (25. Juni 2019) feierte Domkapitular Dr. Norbert Jung  mit den Mentees und ihren Mentorinnen und Mentoren eine Messe. Jung wandelte in seiner Predigt ein Zitat aus Melinda Gates’ jüngst erschienenem Buch über die Stärkung der Rechte von Frauen auf die Kirche um: „Wenn wir der Kirche Auftrieb verschaffen wollen, dann müssen wir die Frauen stärken. Es ist dies das umfassendste und wirksamste Investment mit der größten Hebelwirkung, das wir in der Kirche tätigen können.“

Zum Abschluss des Treffens signalisierten Mentees und Mentorinnen, dass sie das Programm „Kirche im Mentoring“ weiter fortgeführt und in ihren Bistümern nachgearbeitet wissen wollen: Es sei nicht damit getan, sich Frauenförderung medienwirksam auf die Fahnen zu schreiben, sagte Katharina Jestaedt, stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros in Berlin und Mentorin. „Das Thema müsste flächendeckend in den kirchlichen Verwaltungen implementiert werden, damit eine nachhaltige Wirkung erzielt werden kann.“ Christiane Dietz, Referentin für Fort- und Weiterbildung im Erzbistum Paderborn und Mentorin, fügte hinzu: „Ich wünsche mir, dass mein Erzbistum und auch die anderen Bistümer mit den Frauen, die das Mentoring-Programm absolviert haben, im Dialog bleiben. Personalentwicklungsgespräche mit den Absolventinnen sind notwendig, um ihnen Perspektiven innerhalb des Bistums aufzuzeigen.“

Eine der Mentees, Dr. Christiane Bongartz, Direktorin der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, richtete sich mit einem Wunsch direkt an die geweihten Männer innerhalb der Kirche: „Sprechen Sie überall, wo es geht, über Rechte von Frauen in der Kirche und kämpfen Sie für Gleichberechtigung.“

Zahlen und Daten zum zweiten Durchgang
Nach dem erfolgreichen ersten Durchgang von „Kirche im Mentoring“ wurde der zweite Durchgang von 2018 bis 2020 aufgrund der hohen Nachfrage seitens der (Erz-)Bistümer in drei Gruppen aufgeteilt, von denen zwei in den vergangenen zwei Wochen zu Ende gegangen sind; die dritte Gruppe startet vom 8. bis 10. Juli 2019 in München in das Mentoring-Jahr. Die 17 Mentees der einen Gruppe  kommen aus den (Erz-)Bistümern Aachen (3), Augsburg (2), Bamberg (2), Caritasverband Berlin (2), Limburg (2), München und Freising (3) und Paderborn (2) sowie dem Hilfswerk Misereor (1). Die 16 Mentees der anderen Gruppe, deren Abschluss am 19. Juni 2019 in Siegburg stattfand, wurden von den (Erz-)Bistümern Dresden-Meißen (3), Essen (4), Köln (2), Münster (2), Osnabrück (1), Freiburg (2) und dem Caritasverband Würzburg (2) entsandt.

Allgemeine Information zu „Kirche im Mentoring“
„Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche, wird vom Hildegardis-Verein in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz für die (Erz-)Bistümer durchgeführt. Es zielt darauf ab, Frauen zu ermutigen, eine Führungsposition innerhalb der katholischen Kirche zu übernehmen. Das Programm will darüber hinaus zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beitragen, für den Arbeitsplatz Kirche werben und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen.

Hinweise:

Fotos zu beiden Veranstaltungen können beim Hildegardis-Verein unter per E-Mail an lukassek(at)hildegardis-verein.de angefordert werden.

Weitere Informationen sind unter www.kirche-im-mentoring.de oder unter www.hildegardis-verein.de verfügbar.

Ständiger Rat befasst sich mit der Überarbeitung der Rahmenordnung Prävention, der Leitlinien und des Maßnahmenkatalogs zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs

25. June 2019 - 14:57

Der Ständige Rat hat sich auf seiner heutigen Sitzung (25. Juni 2019) in Berlin mit Entwürfen zur Überarbeitung der Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und der Rahmenordnung Prävention befasst. Die Entwürfe wurden seit Juni 2017 in Redaktionsprozessen unter Einbeziehung von Betroffenen erarbeitet. Dabei wurden Hinweise aus den (Erz-)Bistümern ebenso berücksichtigt wie die Ergebnisse des Gutachtens des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung München zum Bistum Hildesheim (Oktober 2017), der MHG-Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (September 2018) und neuere datenschutzrechtliche Entwicklungen.

Mit der Veröffentlichung des Motu proprio Vos estis lux mundi am 9. Mai 2019 hat Papst Franziskus ein weiteres Dokument im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch erlassen. Auch wenn viele der neuen universalkirchlichen Normen bereits durch die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz abgedeckt sind, müssen Regelungen des Motu proprio in die Leitlinien und die Rahmenordnung eingearbeitet werden. Aus diesem Grund hat der Ständige Rat die Geltungsdauer der aktuellen Regelungen bis zum 31. Dezember 2019 verlängert. Die abschließenden Entwürfe sollen bis Ende 2019 verabschiedet werden.

Als Reaktion auf die Ergebnisse der MHG-Studie haben die deutschen Bischöfe am 20. November 2018 fünf zentrale Schritte angekündigt, die unter der Verantwortung von Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes der Deutschen Bischofskonferenz, konsequent umgesetzt werden (siehe auch Pressemitteilung vom 20. November 2018). Bischof Ackermann hat im Ständigen Rat über die kontinuierlichen Fortschritte berichtet. Bei der Umsetzung aller Arbeitsschritte wird großer Wert auf die Zusammenarbeit mit Betroffenen, externen Sachverständigen, Vertretern staatlicher Stellen und Wissenschaftlern gelegt. Zum Stand der Arbeiten berichtete Bischof Ackermann:

  • Zur Erarbeitung einer standardisierten Aktenführung wurde eine bundesweite Erhebung zur gegenwärtigen Praxis in den (Erz-)Bistümern durchgeführt. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Erarbeitung einer bundeseinheitlichen Rahmenordnung, welche die Dokumentation von Missbrauchsbeschuldigungen in allen (Erz-)Bistümern einheitlich, transparent und verbindlich sicherstellen soll. Eine Expertengruppe wird diese Rahmenordnung erarbeiten, die sich am weltlichen Beamtenrecht orientieren soll.
  • Die MHG-Studie hat die Einrichtung von unabhängigen Anlaufstellen für Betroffene empfohlen, welche eine niedrigschwellige und von der katholischen Kirche unabhängige Beratung gewährleisten sollen. Dazu werden zurzeit Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend (BKSF) geführt.
  • Zur Weiterentwicklung des gegenwärtigen Verfahrens zur Anerkennung des Leids fand am 27. Mai 2019 ein Kick-off-Workshop statt, bei dem 28 fachkundige Personen aus Kirche und Gesellschaft Vorschläge für eine Reform des aktuellen Systems erarbeitet haben (siehe auch Aktuelle Meldung vom 28. Mai 2019). Diese bezogen sich unter anderem auf die Struktur und Transparenz des Verfahrens sowie auf die Unabhängigkeit des Entscheidungsgremiums. Es wurde außerdem besprochen, ob eine möglichst individualisierte oder pauschale Lösung vorzuziehen sei. Deutlich wurde dabei, wie wesentlich ein betroffenensensibles Vorgehen in dem gesamten Verfahren ist. Die im Workshop gewonnenen Erkenntnisse werden durch Erhebungen zur Zufriedenheit von Betroffenen mit dem aktuellen System und zur Akzeptanz bei den unterschiedlichen Beteiligten ergänzt. Eine unabhängige Arbeitsgruppe wird beauftragt, Grundsätze für die Überarbeitung und Weiterentwicklung des Verfahrens vorzulegen, die auf möglichst breite Zustimmung stoßen.
  • Zur Sicherstellung einer transparenten und unabhängigen Aufarbeitung arbeitet die katholische Kirche mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, und einer von ihm eingerichteten Arbeitsgruppe zusammen. Am 22. Mai 2019 fand dazu ein erstes Treffen statt, bei dem sich über das weitere gemeinsame Vorgehen verständigt wurde. Bis zum Herbst soll eine Vereinbarung zu einheitlichen Standards und Kriterien der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im katholischen Bereich geschlossen werden.
  • Im Anschluss an die Beratungen zur MHG-Studie im September 2018 erklärten die deutschen Bischöfe, ein verbindliches überdiözesanes Monitoring für die Bereiche der Intervention und der Prävention einzurichten. Mithilfe eines solchen überdiözesanen Monitorings soll die bisher bemängelte Undurchsichtigkeit und Uneinheitlichkeit im Umgang mit den Maßnahmen und Verfahren zur Intervention, Prävention und Aufarbeitung systematisch erfasst und behoben werden. Dazu wird eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Prävention und Aufarbeitung (IPA) angestrebt, dessen Gründung am 27. Mai 2019 öffentlich angekündigt wurde und das Mitte September 2019 in Lantershofen seine Arbeit aufnimmt.

Hintergrund
Die Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahre 2002 wurden überarbeitet und in einer ersten Fassung am 1. September 2010 ad experimentum für drei Jahre erlassen. Am 26. August 2013 wurde eine weitere überarbeitete Fassung für fünf Jahre erlassen. Die überarbeitete Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz wurde am 26. August 2013 verabschiedet und ersetzte damit die Erstfassung vom 23. September 2010.

Hinweise:
Der Maßnahmenkatalog sowie ein Überblick über zentrale Maßnahmen der katholischen Kirche in Deutschland im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im kirchlichen Bereich seit Januar 2010 sowie weitere Informationen zu den Themen Missbrauch und Prävention sind auf der Themenseite Sexueller Missbrauch verfügbar.

Dort sind ebenfalls die aktuellen Versionen der Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Rahmenordnung Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz zu finden.

„Dem Populismus widerstehen“

25. June 2019 - 11:42

Unter dem Titel Dem Populismus widerstehen hat die Deutsche Bischofskonferenz heute (25. Juni 2019) in Berlin eine Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen veröffentlicht. Das Dokument, das im Zusammenwirken der Migrationskommission und der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Deutschen Kommission Justitia et Pax als Expertentext entstanden ist, wurde von den drei zuständigen Kommissionsvorsitzenden, Erzbischof Dr. Stefan Heße, Bischof Dr. Franz-Josef Bode und Bischof Dr. Stephan Ackermann vorgestellt.

In einer Einführung zur Arbeitshilfe beschreiben die drei Bischöfe die gegenwärtigen rechtspopulistischen Tendenzen als Herausforderung für Kirche und Gesellschaft: „Der Populismus, der uns herausfordert, zeigt tagtäglich sein bedrohliches Gesicht, weil er zu Schwarz-Weiß-Malerei und neuer Kleingeistigkeit verführt – in der Gesellschaft wie in der Kirche. Tatsächlich wird die Welt immer komplexer, und es ist unbestreitbar, dass diese Komplexität manchen überfordert. Der Populismus aber verspricht zu einfache Antworten.“ Mit Entschiedenheit weisen die Bischöfe jeglichen Versuch zurück, das Christentum für populistische Zwecke zu vereinnahmen: „Wir sind überzeugt, dass unser Glaube und unsere katholische Tradition als Weltkirche im Widerspruch stehen zu entscheidenden Merkmalen des Populismus. Wir denken an die (...) absolute Gleichheit aller Menschen als Geschöpfe Gottes. Wir denken an das fundamentale Gebot der Nächstenliebe, die gerade auch den erreicht, der uns vielleicht am fernsten steht, der aber in seiner Hilfsbedürftigkeit uns zum Nächsten wird.“

Nach Einschätzung der Bischöfe gehen populistische Bewegungen in aller Regel mit der Angst vor gesellschaftlichem Niedergang einher. Demgegenüber sei für die Kirche die Dimension der Hoffnung prägend: „Unser Glaube steht für das Vertrauen in einen Gott, der nicht Angst und Schrecken verbreitet, sondern Zuversicht: die Zuversicht, dass bei der Lösung der Probleme unserer Zeit keine ängstliche Verbissenheit um sich greifen muss.“ Aufgabe der Seelsorge sei es, auch auf jene Menschen zuzugehen, die mit populistischen Tendenzen sympathisieren: „Unser Auftrag besteht darin, mit allen ins Gespräch zu kommen – auch mit denen, die ganz anderer Auffassung sind.“

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg) erinnerte bei der Vorstellung der Arbeitshilfe an die Opfer von Hass und Ausgrenzung: „Als Vorsitzender der Migrationskommission und Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, dass rechtspopulistische Tendenzen kein rein abstraktes Phänomen sind. Vielmehr werden sie als ganz konkrete Bedrohung wahrgenommen: von Menschen, die vor Gewalt geflohen sind und hier Schutz suchen, und von den ehrenamtlich Engagierten, die Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mancherorts wird ein Klima der Feindseligkeit geschürt, das zwischenmenschliche Begegnungen verhindert und das gesellschaftliche Miteinander vergiftet.“ In dieser schwierigen Situation würden Kirchengemeinden und kirchliche Basisinitiativen zu Recht erwarten, dass die Bischöfe ihnen „geistlich und argumentativ den Rücken stärken“.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), betonte, dass es „innerkirchlich einen Gesprächs- und Klärungsbedarf“ gebe. „Denn da sind auch diejenigen, die in kirchlichen Gemeinden und Gruppen Ängste schüren und die Ablehnung des und der Fremden verstärken. Es gibt auch diejenigen, die die Sorge um den Verlust einer christlichen Identität instrumentalisieren, um überhaupt gegen Muslime und Andersdenkende oder gegen moderne Familienbilder und Rollenveränderungen in der Gesellschaft oder gegen Homosexuelle und Menschen mit anderen sexuellen Identitäten zu hetzen.“ Dies stelle eine Herausforderung für die Pastoral dar. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die in der Arbeitshilfe dokumentierten Beispiele dazu anregen sollen, „gegen populistische Stimmen und Stimmungen in Gesellschaft und Kirche vorzugehen.“

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, beschrieb den kirchlichen Einsatz für Menschenrechte als Schwerpunkt von Justitia et Pax. Der Geltungsanspruch der Menschenrechte werde in rechtspopulistischen Kreisen infrage gestellt und Menschenrechte würden „als unzulässige Beschränkung der Volkssouveränität“ abgetan. „Der Respekt vor der Würde des Menschen kann nur in einem demokratischen Gemeinwesen abgesichert werden – wie auch unsere moderne Demokratie nur in einem Gemeinwesen denkbar ist, das sich am Respekt vor der Würde eines jeden Einzelnen orientiert.“ Die Menschenrechte „zu stärken und damit die reale Pluralität des Gemeinwesens sichtbar werden zu lassen bedeutet, Demokratie zu leben“.

Die Ausarbeitung der Arbeitshilfe leistete eine Expertengruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin). Das Dokument gibt Anregungen für Diskussionen und Aktivitäten, vermittelt Hintergrundinformationen und Argumente und stellt beispielhafte kirchliche Initiativen sowie pastorale Anregungen vor. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Tendenzen orientiert sich an sechs thematischen Schwerpunkten: (1) Welches Volk? Annäherungen an Phänomene des Populismus, (2) Strategien und Inhalte rechtspopulistischer Bewegungen, (3) Flucht und Asyl, (4) Islam und Islamfeindlichkeit, (5) Familienbilder, Frauenbilder, Geschlechterverhältnisse sowie (6) Identität und Heimat.

Im Anschluss an die Präsentation der Arbeitshilfe durch die drei Bischöfe fand eine Podiumsveranstaltung statt, die einer kritischen Analyse des Dokuments diente. Neben Prof. Dr. Lob-Hüdepohl nahmen daran Bettina Jarasch (Abgeordnetenhaus Berlin), Prof. em. Dr. Werner Patzelt (TU Dresden) und Dr. Siegfried Grillmeyer (Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern) teil. Moderiert wurde die Diskussion von der stellvertretenden Direktorin der Katholischen Akademie in Berlin, Dr. Maria-Luise Schneider.

Hinweise:
Die Statements von Erzbischof Heße, Bischof Bode und Bischof Ackermann sind untenstehend als pdf-Dateien zu finden.

Die Arbeitshilfe Dem Populismus widerstehen. Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen ist als pdf-Datei in der Rubrik Publikationen verfügbar. Dort kann diese auch als Broschüre (Arbeitshilfen Nr. 305) bestellt werden.

Weihbischof Bentz beendet viertägige Reise nach Kairo

21. June 2019 - 13:16

Heute (21. Juni 2019) geht die viertägige Reise von Weihbischof Dr. Udo Bentz (Mainz) nach Kairo (Ägypten) zu Ende. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz hielt sich dort zu Gesprächen mit Vertretern katholischer und orthodoxer Kirchen und des Islam auf. Dabei konnte er sich über die Situation der Christen, Fragen der Religionsfreiheit und die Bedeutung interreligiöser Zusammenarbeit informieren. „Das Engagement der Christen in diesem Land beeindruckt mich sehr. Vor allem in der Bildung leisten die Kirchen viel. Die katholische Kirche ist recht klein. Sie betreibt aber 170 Schulen. Das ist enorm. Damit wirkt sie mitten in die Gesellschaft hinein“, so Weihbischof Bentz.

Weihbischof Bentz versteht es als ein gutes Zeichen, dass viele Muslime ihre Kinder „wie selbstverständlich“ auf christliche Schulen schicken und damit ganz konkret ein gutes Miteinander der Religionen praktizieren. Patriarch Ibrahim Sidrak, das Oberhaupt der koptisch-katholischen Kirche, unterstrich die Bedeutung, die den katholischen Schulen für die Einübung eines alltäglichen Miteinanders zukomme. Indem Kinder gemeinsam unterrichtet würden, lernten sie Angehörige der anderen Religion kennen und bauten Vorurteile ab. „Zudem nehmen sie alle an Kursen teil, in denen gemeinsame Werte für eine tolerante Gesellschaft vermittelt werden“, führte der Patriarch aus. Die katholischen Schulen werden ungefähr zur Hälfte von Muslimen besucht. Auch ein großer Teil der Lehrerschaft ist muslimisch. „Dies zeigt, dass der in den Schulen vermittelte gegenseitige Respekt von Vielen in der Gesellschaft geschätzt und geachtet wird“, so Patriarch Ibrahim.

Auch in der Begegnung mit Papst Tawadros II., dem Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, standen Fragen der Bildung im Mittelpunkt. So hat der koptische Papst den Bau und den Unterhalt von Schulen initiiert, denn „gute Bildung ist die Grundlage von Demokratie und Menschenrechten“, wie Tawadros II. betonte. Eine besondere Aufgabe sieht er in der Fortbildung der Lehrer und in der geistlichen Profilierung der Schulen. Bildung, so Papst Tawadros II., sei ein Schlüssel, um der Migration aufgrund sozialer und ökonomischer Probleme zu begegnen.

Die Erziehung zu gegenseitigem Respekt von Angehörigen verschiedener Religionen war auch Thema des Austausches von Weihbischof Bentz mit dem Großscheich der Al Azhar, Ahmed Mohammad Al Tayeb. Dieser bewertete das gemeinsame „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“, das er und Papst Franziskus im Februar 2019 unterzeichnet haben, als Meilenstein der Förderung von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Der Text hat, so betonte der Großscheich, inzwischen Eingang in das Curriculum von Al Azhar gefunden. In der Begegnung zwischen dem Großscheich und Weihbischof Bentz wurde auch die Entwicklung des vor einigen Jahren gegründeten „Hauses der Familie“ in Ägypten erörtert. In dieser interreligiösen Einrichtung bearbeiten derzeit acht Kommissionen besonders konfliktträchtige Felder gesellschaftlicher Debatten. Auch hier sind Fragen von Bildung und Kultur, die in einer Bildungskommission diskutiert werden, von hoher Bedeutung. Die Initiative hat sich unter anderem zur Aufgabe gestellt, Schulbücher zu prüfen, um negative Stereotypisierungen anderer Religionen aufzuspüren und auf deren Entfernung hinzuwirken.

Auch Pastor Andrea Zaki, der Präsident des evangelischen Kirchenrates Ägyptens, unterstrich die Bedeutung von Dialog und Bildung für die künftige Entwicklung der Gesellschaft. „Für eine weitere Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten bedarf es mehr Zeit und Geduld, damit sich demokratische Tugenden in der Gesellschaft entwickeln können“, mahnte der evangelische Kirchenpräsident.

In allen Gesprächen der Delegation wurde die Notwendigkeit einer vertieften politischen und gesellschaftlichen Erneuerung Ägyptens herausgestellt. Dabei stand die Frage im Vordergrund, welche Wege und Initiativen hilfreich sind, um Ägypten auf dem Weg zu einer inklusiveren Gesellschaft zu unterstützen. „Bildung ist und bleibt der zentrale Schlüssel auf diesem Weg zu einer Zivilgesellschaft, die allen gleiche Rechte, gleiche Pflichten und die gleiche Würde ermöglicht“, so Weihbischof Bentz. „Es hat mich berührt, wie Papst Tawadros davon sprach, dass sich alle Ägypter als Teil der einen Nation wahrnehmen, deren Lebensader und Lebensraum seit Jahrtausenden der Nil ist.“

Kardinal Marx auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund

21. June 2019 - 11:55

Zu einem neuen Reden über Gott, auch in ökumenischer Perspektive, hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, heute (21. Juni 2019) in Dortmund aufgerufen. Bei einer Bibelarbeit in der Westfalenhalle aus Anlass des Evangelischen Kirchentags betonte Kardinal Marx, dass mit dem Reden über Gott manche ökumenische Streitfrage in ganz anderem Licht erscheine.

In der Bibelarbeit legte Kardinal Marx Genesis 22, 1–19 aus, in der das Opfer Abrahams geschildert wird, der seinen Sohn Isaak opfern soll. Die Geschichte zeige, wie das Vertrauen des Menschen auf die Probe gestellt werde. „In der Person Abrahams erleben wir einen Menschen, der das Unerwartete, das Nicht-Verständliche akzeptiert und sein Ja sagt“, so Kardinal Marx. Dabei mache Abraham die Erfahrung, dass Gott ihn nicht übersehe: „Gott sieht nach dem Menschen, er rettet den Menschen. Haben wir genügend Vertrauen in diesen Gott? Wir müssen neu lernen, dass Gott den Menschen nicht übersieht. Diesen Glauben sollten wir haben, einen Glauben, der offen ist und der alles wagt, ein Glaube, der lebendig ist und frei macht“, hob Kardinal Marx hervor.

Das biblische Gottesbild sei zutiefst ein Gottesbild der Kommunikation: „Gott spricht! Und es gibt jemanden, der zuhört. Es gibt das Fragen des Menschen und die Antwort Gottes. Das ist ein besonderes kommunikatives Geschehen“, so Kardinal Marx. Abraham höre auf den Anruf Gottes und befolge ihn. Bei all seinem Fragen, warum er seinen Sohn opfern solle, bekomme er von Gott die rettende Antwort. „Gott mutet Abraham eine Menge zu. Aber Abraham zeigt die Bereitschaft, Ja zu sagen, aus sich hinauszugehen, aufzubrechen und neue Wege zu gehen. Diese Bereitschaft wird von Gott angenommen, es kommt das Ja Gottes auf uns Menschen zu, das über alles hinausgeht, was wir kalkulieren, berechnen und planen können.“

Kardinal Marx betonte in der Bibelarbeit, dass es eine Herausforderung sei, immer neu den Aufbruch zu wagen, neu über Gott zu denken. Das Wort von Augustinus – „Wer liebt, bricht auf“ – drücke aus, worauf es Abraham ankam und was heute für die Kirchen wichtig sei: „Wer liebt, bricht auf und bleibt nicht sitzen. Wir müssen neugierig auf den Anruf Gottes sein. Eine Kirche, die selbstreferenziell ist, die nur sich sieht, die nur um sich kreist, wird nicht aufbrechen, sie wird nicht zum Segen werden. Haben wir die Kraft – auch als Kirchen –, durch Schwierigkeiten hindurch zu gehen? Auch wenn uns manche Zumutungen des Lebens und Zumutungen Gottes unbegreiflich erscheinen, so sind wir doch aufgerufen, das auszuhalten und uns zu bewähren“, sagte Kardinal Marx. Die Lernerfahrung Abrahams, die die Menschen übernehmen könnten, sei das Leben in einem Horizont Gottes: „Es ist ein Gott, der mich nicht aus den Augen lässt, dem ich vertrauen kann, so wie es das Motto dieses Kirchentags ist.“

Mit Blick auf den weiteren ökumenischen Weg warb Kardinal Marx um das offene Ohr, sich von Gott ansprechen zu lassen. Die Erneuerung des Christentums sei ein langer Weg in die Tiefe, wie es auch der tschechische Theologie Tomáš Halik ausdrücke. Kardinal Marx sagte: „Die ökumenischen und pastoralen Tätigkeiten sind wichtig. Die Suche nach einer neuen und tieferen Form, über Gott zu sprechen, ist aber noch wichtiger. Die tiefste Krise ist, wenn wir mit dem Wort Gottes nichts mehr anfangen können. Als Kirchen müssen wir uns ökumenisch fragen lassen: Wie beginnen wir, Menschen zu faszinieren, von Gott zu sprechen und das Geheimnis Gottes zu ergründen? Lassen wir eine Reise in die Tiefe der Gottesrede unternehmen, da kommen wir ökumenisch in unserem Denken ganz neu zusammen. Da werden manche Fragen rasch Schnee von gestern sein, wenn wir lernen, von diesem Geheimnis, dem absoluten Geheimnis Gottes zu sprechen. Es ist ein Geheimnis, das für uns alle wichtig ist und unser Leben bestimmt“, so Kardinal Marx.

Der 37. Evangelische Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni 2019 steht unter dem Leitwort aus dem zweiten Buch der Könige im Alten Testament: „Was für ein Vertrauen“ (2 Kön 18,19).