Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum

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11. Europäischer Workshop in Oświęcim/Auschwitz

7. August 2020 - 10:35

Die Maximilian-Kolbe-Stiftung veranstaltet vom 11. bis 16. August 2020 zum elften Mal einen europäischen Workshop in Oświęcim/Auschwitz. Im Zentrum des Workshops, an dem 25 Vertreter aus zehn ost- und westeuropäischen Ländern teilnehmen, steht die Frage nach den bis heute andauernden Prägungen und Verletzungen, die von Auschwitz und dem Zweiten Weltkrieg ausgehen, sowie die Frage nach einem angemessenen Umgang mit der prekären Gegenwart dieser Geschichte. Ausgehend von den unterschiedlichen Erfahrungen der verschiedenen europäischen Gesellschaften tauschen sich die Teilnehmer über die grundlegenden Perspektiven von Gewaltüberwindung und Versöhnung sowie die auf diesem Wege zu vergegenwärtigenden Schwierigkeiten aus.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzende des Stiftungsrats der Maximilian-Kolbe-Stiftung, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), unterstreicht: „Es gehört wesensmäßig zum Auftrag der Kirche, sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen und für Gerechtigkeit und Frieden zu wirken. Dazu gehört auch, ein glaubwürdiges, konkret erfahrbares Zeugnis für Versöhnung zwischen Menschen, Völkern und Nationen abzulegen. Dafür muss sich die Kirche auch ihrer eigenen Gewaltgeschichte stellen, ihren Platz an der Seite der Opfer von Gewalt einnehmen und die damit verbundenen Konflikte zu überwinden suchen.“

Über den konkreten Fall Auschwitz hinaus haben die Gespräche eine exemplarische Bedeutung für den Umgang mit Gewalterfahrungen und ihren Folgen. Der jährliche Workshop leistet einen Beitrag zur Stärkung eines europäischen, auf Heilung und Versöhnung zielenden Diskurses. Die intensiven Begegnungen der Teilnehmenden helfen zugleich, ein europäisches Netzwerk zu bilden, das sich in seinen Aktivitäten gegenseitig unterstützt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Corona-Krise wird deutlich, welche immense Bedeutung dem Aufbau und der Pflege vertrauensvoller Beziehungen zukommt.


Hintergrund

Die Maximilian-Kolbe-Stiftung wurde 2007 mit Unterstützung der Polnischen und der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Ziel der katholischen Stiftung ist es, Beiträge zur Stärkung der kirchlichen Versöhnungsarbeit in Europa zu leisten und sich für Opfer von Unrecht und Gewalt zu engagieren. Der heilige Maximilian Kolbe gab 1941 sein Leben stellvertretend für einen Mithäftling im Konzentrationslager Auschwitz und setzte damit ein Zeichen, dass Hass und Gewalt nicht das letzte Wort haben. Weitere Informationen sind unter www.maximilian-kolbe-stiftung.de zu finden.




Hinweise:

Das Programm des Workshops ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Interviewanfragen zum Workshop richten Sie bitte an die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle(at)dbkdbk.dbkde).

Bischof Bätzing gratuliert Kardinal Marx zur Wiederberufung in den vatikanischen Wirtschaftsrat

6. August 2020 - 13:09

Papst Franziskus hat den Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, erneut als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats berufen. Außerdem veröffentlichte der Vatikan heute (6. August 2020) die vom Papst ernannten neuen Mitglieder des Gremiums. Dazu gehören unter anderem die Düsseldorfer Juristin, Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof, und die Berliner Finanzspezialistin, Marija Kolak.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, gratuliert zu den Berufungen. „Mit Kardinal Marx als Koordinator des Wirtschaftsrats setzt der Papst auf Kontinuität bei diesem wichtigen Thema. Ich freue mich sehr, dass Kardinal Marx diese verantwortungsvolle Position auch weiterhin haben wird. Seine Expertise ist in Rom und bei uns in der Bischofskonferenz unverzichtbar.“

Bischof Bätzing betont, dass er ebenso die erstmalige Ernennung von Beraterinnen für den Rat als ein wichtiges Zeichen empfinde. In Rom werde so die Kompetenz von Frauen aufmerksam wahrgenommen und genutzt. „Wir dürfen froh und dankbar sein, das mit Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof eine national und international anerkannte Juristin als Beraterin in den Rat berufen wird. Mit den Fachgebieten für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht wird Frau Kreuter-Kirchhof ihre Kompetenz mit in den Rat einbringen“, so Bischof Bätzing. Die Deutsche Bischofskonferenz schätze ihr besonderes Engagement als stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Hildegardis-Vereins, der sich um die Förderung von Frauen in Führungspositionen kümmere. „Mit Marija Kolak wird eine in der Bankenwelt hoch anerkannte Expertin in den Rat berufen, die gerade seit ihrer Ernennung vor drei Jahren zur Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre hohe ökonomische Kompetenz unter Beweis gestellt hat. Drei Persönlichkeiten aus Deutschland werden so künftig die wirtschaftlichen Belange des Vatikans mit begleiten. Das ist eine Aufgabe“, erklärt Bischof Bätzing.

Bischof Bätzing zu den Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut

5. August 2020 - 12:40

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, schreibt in seiner Kondolenz an den maronitischen Patriarchen, Kardinal Béchara Boutros Raï, zu den Explosionen in Beirut:

„Mit großer Bestürzung habe ich Kenntnis von dem tragischen Unglück am gestrigen Abend in Beirut erhalten. Die Gewalt der Explosionen ist erschreckend und erschüttert mich zutiefst. Den Opfern und ihren Angehörigen gilt mein Gebet. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz übermittle ich Ihnen, den vielen Verletzten sowie den Angehörigen mein tief empfundenes Mitgefühl.

Die Ursache der Detonationen ist bisher ungeklärt, die Gerüchte überschlagen sich. Doch es wird angenommen, dass es sich um ein tragisches Unglück handelt. Die Krankenhäuser sind nun – wenn nicht schon durch die Corona-Pandemie – durch die zahlreichen Verletzten überfordert. Große Teile des Hafens sind zerstört, umliegende Stadtgebiete beschädigt, Beiruts Straßen sind mit Trümmern übersät. Die Explosionen sollen mehrere hundert Kilometer weit zu spüren gewesen sein. Wir hoffen, das Patriarchat und seine Einrichtungen sind nicht im Übermaß betroffen. Es sind erschütternde Bilder. Wir wünschen Ihnen und den Gläubigen Kraft und Gottes Segen und sind im Gebet verbunden. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“

Studie zur ethischen Urteilsbildung erscheint in englischer Übersetzung

4. August 2020 - 9:02

„Gott und die Würde des Menschen“ ist eine Studie zur ethischen Urteilsbildung der Dritten Bilateralen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Jetzt erscheint der Text erstmals in englischer Übersetzung als zweiter Band der Reihe “Lutheran Theology: German Perspectives and Positions”. Damit soll die Wahrnehmung der Studie im internationalen ökumenischen Kontext erleichtert werden.

Ist trotz einzelner Differenzen in ethischen Fragen ein gemeinsames Eintreten der Kirchen für Menschenwürde möglich? Das war die Leitfrage, mit der sich die dritte Bilaterale Arbeitsgruppe von VELKD und der Deutschen Bischofskonferenz seit 2009 beschäftigt hat. Die Studie, die 2017 als Abschlussdokument veröffentlicht wurde, erprobt neue Wege für den ökumenischen Umgang mit ethischen Fragestellungen: Mit der Methode des „differenzierten Konsenses“ werden die theologischen Gemeinsamkeiten der Kirchen in der Lehre vom Menschen und in der Ethik aufgezeigt, ohne die Unterschiede in der Bewertung einzelner Fragen zu übergehen. Diese Herangehensweise ermöglicht es, theologisch fundiert gemeinsam Position zu beziehen.

Die Reihe “Lutheran Theology: German Perspectives and Positions”, die von der VELKD und dem Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) herausgegeben wird, soll zum Austausch theologischer Literatur vor allem in den Gliedkirchen des Lutherischen Weltbundes und zur Förderung des internationalen und interkulturellen Diskurses beitragen.




Hinweis:

God and the Dignity of Humans. Lutheran Theology: German Perspectives and Positions, Vol. 2, Dritte Bilaterale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (Ed.), Leipzig 2020, ISBN 978-3-374-06430-4, 20,00 Euro, zu beziehen über den Buchhandel oder www.eva-leipzig.de.

Weltkirchlicher „Sonntag des Gebets und der Solidarität mit den Leidtragenden der Corona-Pandemie“

3. August 2020 - 11:27

Die Solidaritätsaktion der katholischen Kirche in Deutschland für die Leidtragenden der Corona-Pandemie, in deren Mittelpunkt der „Sonntag des Gebets und der Solidarität“ am 6. September 2020 steht, läuft an. Für die Aktion gibt es ab sofort unter www.weltkirche.de/corona-kollekte erste Materialien zum Herunterladen. Dort stehen die Wort-Bild-Marke der Aktion, ein Gebetszettel, ein Informationsflyer und ein Plakat zur Verfügung. Die Materialien werden im August auch direkt den Pfarrgemeinden zugeschickt. Ab dem 25. August 2020 werden auf der Internetseite außerdem liturgische Hilfen bereitgestellt.

Die Solidaritätsaktion wird von der Deutschen Bischofskonferenz, den (Erz-)Diözesen, den weltkirchlichen Hilfswerken und den Ordensgemeinschaften getragen. Zentraler Bestandteil ist eine Sonderkollekte in den Gottesdiensten am 6. September 2020. Darüber hinaus werden auch auf anderen Wegen Spenden zur Finanzierung internationaler Corona-Projekte eingeworben.

Die Aktion ergänzt die Hilfsprogramme, die bereits in den zurückliegenden Monaten von Bistümern, Werken und Orden aufgelegt wurden. Dabei konnten erhebliche finanzielle Mittel mobilisiert werden. Andererseits konnten mehrere weltkirchliche Kollekten seit März wegen der coronabedingten Einschränkungen öffentlicher Gottesdienste nicht oder nur in begrenzter Form stattfinden.

Die katholische Kirche in Deutschland thematisiert in der Woche vor dem „Sonntag des Gebets und der Solidarität“ verstärkt die Hintergründe der Aktion: Das Corona-Virus betrifft alle Menschen weltweit. Während jedoch die meisten europäischen Staaten die Pandemie derzeit unter relativer Kontrolle haben, bedeutet das Virus in Lateinamerika, Afrika und Asien, aber auch im Osten Europas Krankheit, Hunger, Arbeitslosigkeit und einen Kampf ums Überleben. Es droht eine gesundheitliche, soziale und ökonomische Katastrophe. Die überall auf der Welt tätigen Partner der Kirche in Deutschland bilden ein dichtes Netzwerk der Solidarität. So kann den Ärmsten in den von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Gebieten direkt geholfen werden.

Für die Aktion ist ein Sonderkonto für Spenden eingerichtet (Verband der Diözesen Deutschlands, Stichwort: Corona-Kollekte 2020, IBAN DE53 4006 0265 0003 8383 03, GENODEM1DKM, Darlehnskasse Münster). Mit dem Erlös fördert die Kirche in Deutschland die Arbeit ihrer weltkirchlichen Werke und der Orden, die in der internationalen Corona-Hilfe aktiv sind.

75 Jahre nach Atombombenabwurf auf Hiroshima: Politisches Ziel ist eine Welt ohne Atomwaffen

31. July 2020 - 9:00

75 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki haben der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, und der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, die politisch Verantwortlichen aufgefordert, ernsthafte und zielorientierte Schritte in eine nuklearwaffenfreie Welt zu gehen. „Hierzu bedarf es der (Wieder-)Aufnahme vertrauensvoller Dialoge und des politischen Willens zur Veränderung. Ein erstes und eindrückliches Zeichen sollte die Annahme und Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags der UN – auch durch Deutschland – sein“, heißt es dazu in einer gemeinsamen Erklärung von Justitia et Pax und der Evangelischen Friedensarbeit.

Bischof Wilmer und der EKD-Friedensbeauftragte Brahms erinnern an die ungezählten zivilen Opfer der ersten Atombombenabwürfe, die ihr Leben in einem aussichtslosen Krieg gelassen und das atomare Inferno erlitten hätten. „Der Blick in die Vergangenheit ist uns Mahnung für die Gegenwart und Zukunft“, betonen beide. Dies gelte gerade in einer Zeit, in der wir eine „fatale Deregulierung internationaler Nuklearwaffenabkommen und Rüstungspolitik“ erleben. Eingebettet in eine globale Krise der internationalen Beziehungen wachse die Gefahr atomarer Gewalteskalation, warnen die beiden Theologen.

„Genährt wird diese Sorge durch das Bestreben, vorhandene nukleare Waffensysteme zu modernisieren, um ihre Einsatzfähigkeit zu erhalten oder an veränderte Bedrohungsszenarien anzupassen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Auch neue Gefährdungslagen wie Cyberwar, Terrorismus und Handelskriege stellen die strategische Bedeutung dieser nuklearen Waffensysteme fundamental infrage, so Bischof Wilmer und der EKD-Friedensbeauftragte Brahms. Beide erinnern daran, dass sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche die Entwicklung nuklearer Waffen äußerst kritisch begleitet hätten. So sei immer klar gewesen, dass der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen ethisch nicht zu rechtfertigen sei. In jüngerer Zeit hätten sich zudem in beiden Kirchen die Stimmen gemehrt, dass sowohl der Einsatz von Nuklearwaffen als auch die nukleare Abschreckungsstrategie als Mittel der politischen Interessensdurchsetzung unverantwortlich seien, unterstreichen Bischof Wilmer und der EKD-Friedensbeauftragte Brahms. Unter Verweis auf die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus wie auch auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 machen beide deutlich, dass das politische Ziel Global Zero, eine Welt ohne Atomwaffen sein muss.


Hinweis:

Der Wortlaut der Gemeinsamen Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer, und des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, zum Hiroshima-Tag 2020 ist unterstehend als pdf-Datei verfügbar.

„Libyen erweist sich als tödlicher Hafen“

29. July 2020 - 17:42

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in der Nacht von Montag auf Dienstag (27. auf 28. Juli 2020) zwei sudanesische Schutzsuchende an der Küste Libyens von „Mitarbeitern der örtlichen Behörde“ erschossen worden. Zuvor vereitelte die libysche Küstenwache den Versuch einer größeren Gruppe von Flüchtenden über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die Aufgegriffenen sollten in eines der libyschen Internierungslager gebracht werden. Einige von ihnen versuchten, sich dieser Zwangsmaßnahme zu entziehen, wobei zwei Menschen von der Küstenwache erschossen, drei weitere verletzt wurden.

Dazu erklärt Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und deren Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen:


„Das Vorgehen der libyschen Küstenwache ist ethisch unvertretbar und auch rechtlich äußerst fragwürdig. Flüchtlinge, die Staatsgrenzen überqueren, sind keine Kriminellen, denen Staaten mit Waffengewalt begegnen dürften. Leider passiert es nicht zum ersten Mal, dass Schutzsuchende, die von Libyen aus die Flucht nach Europa wagen und von der libyschen Küstenwache abgefangen werden, zu Tode kommen, weil sie sich der Inhaftierung in libyschen Internierungslagern entziehen wollen. Die Flüchtlinge werden in diesen Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. Auch gibt es Berichte über Folter und Misshandlung. Dass Flüchtlinge sich diesem Schicksal nicht beugen wollen, ist nur allzu verständlich.

Der Schutz der Grenzen und die Durchsetzung staatlichen Rechts gegenüber Schutzsuchenden rechtfertigt nicht den tödlichen Waffengebrauch. Die europäischen Staaten, die mit Libyen bei der Grenzsicherung und Seenotrettung kooperieren, können ihre eigene Verantwortung nicht wegdelegieren. Die aktuellen Vorfälle zeigen erneut, wie gefährdet Flüchtlinge in Libyen sind. Das Land erweist sich als tödlicher Hafen. Vor diesem Hintergrund halte ich die Zusammenarbeit der Europäischen Union mit der libyschen Küstenwache für äußerst bedenklich. Die europäischen Staaten sind aufgerufen, in eigener Verantwortung eine echte Rettungsmission einzurichten, die dem Grundsatz des Schutzes der Menschenwürde und des Lebens gerecht wird.“

Weihbischof Puff zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel

28. July 2020 - 10:07

Am 30. Juli 2020 begehen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag gegen Menschenhandel. Dabei handelt es sich um ein nach wie vor wenig beachtetes Feld der Kriminalität: Menschen, meist Frauen und Kinder, werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, unter Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit, durch Nötigung und Missbrauch von Macht gefügig gemacht und ausgebeutet. Menschenhandel ist eine Straftat und ein Verbrechen gegen die Menschenwürde.

Beobachter schätzen die Zahl der Opfer des Menschenhandels auf weltweit rund 40 Millionen. Auch in Deutschland wird die Notlage tausender Menschen ausgenutzt. Sie werden unter menschenunwürdigen Bedingungen, ohne ausreichenden Arbeitsschutz und ohne existenzsichernde Entlohnung beschäftigt. Grundrechte ebenso wie arbeits- und sozialrechtliche Ansprüche werden ihnen vorenthalten. „Von dieser Entmenschlichung der Arbeit zu Menschenhandel ist es nur ein kleiner Schritt“, erklärt Weihbischof Ansgar Puff (Köln), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Menschenhandel der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz. „In der Pandemie wird insbesondere die Situation in der Lebensmittelindustrie wahrgenommen. Und das nicht zu Unrecht! Aber in Deutschland und der Europäischen Union findet Ausbeutung in erheblichem Maß auch in der Pflege, auf dem Bau und in der Prostitution statt.“

Die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen haben ihren Ursprung auch in den Herkunftsländern der Betroffenen. „Kirchliche Partner in Rumänien und Bulgarien berichten, dass viele Menschen bereit sind, einen schlechten Lohn und prekäre Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, um ihre Familien im Heimatland unterstützen zu können. Hierfür zahlen sie einen viel zu hohen Preis“, so Weihbischof Puff.

Papst Franziskus räumt dem Kampf gegen den Menschenhandel einen hohen Stellenwert ein. 2014 wurde in seiner Anwesenheit die „Santa Marta Group“ gegründet, in der Bischöfe, Ordensschwestern und leitende Polizeibeamte in der Bekämpfung des Menschenhandels und zur Unterstützung der Opfer zusammenarbeiten. Im gleichen Jahr unterzeichnete er mit hochrangigen Vertretern anderer Religionsgemeinschaften im Vatikan eine Erklärung, die dazu aufruft, die „moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen“.

Die katholische Kirche kümmert sich in Deutschland wie in den Herkunftsländern in vielfältiger Weise um die Opfer von Menschenhandel: in der sozialen und juristischen Beratung und durch konkrete Hilfe für Menschen, die der Ausbeutung entkommen. „Zum Engagement der katholischen Kirche gegen Menschenhandel gehört nicht nur die Sorge um und für die Opfer, sondern auch der Einsatz für faire Lebensbedingungen weltweit, die dem Menschenhandel seine Grundlagen entziehen“, sagt Weihbischof Puff.

Vor allem aber seien Politik und staatliche Verwaltung gefordert, Regeln zu formulieren und durchzusetzen, damit Maßnahmen nicht nur ein Strohfeuer bleiben. „Damit sich derart ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gar nicht erst entwickeln können, sind konsequente Kontrollen sowohl der Arbeitsvermittlungsagenturen als auch der Betriebe zwingend erforderlich“, betont Weihbischof Puff. Ziel der Kontrollen müsse es sein, den Arbeitnehmerschutz zu stärken, Arbeitsausbeutung und Menschenhandel aufzudecken und zu verhindern. „Es muss sichergestellt werden, dass die zuständigen Behörden mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet sind und auf qualifiziertes Personal, nicht zuletzt Dolmetscher, zugreifen können.“


Hintergrund

Für das internationale kirchliche Engagement gegen den Menschenhandel ist die Santa Marta Group von hoher Relevanz. Sie geht auf eine Initiative der Bischofskonferenz von England und Wales zurück und wurde 2014 im vatikanischen Gästehaus Domus Sanctae Marthae gegründet. Aus Deutschland sind Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der katholischen Frauenrechtsorganisation Solwodi und des Bundeskriminalamts beteiligt.

Die katholischen Organisationen, die sich in Deutschland gegen den Menschenhandel engagieren, haben sich 2014 auf Anregung der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“ zusammengeschlossen. Vorsitzender der Arbeitsgruppe ist seit 2018 der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Ansgar Puff (Köln).

Ausführlich hat sich der Vatikan in seinen (2019 auch auf Deutsch veröffentlichten) „Pastoralen Orientierungen zum Menschenhandel“ mit dem Problem auseinandergesetzt. Die Orientierungshilfe beschreibt, warum Menschenhandel stattfindet, weshalb er so oft verborgen bleibt und wie die Mechanismen der Ausbeutung auch inmitten moderner Gesellschaften funktionieren. Sie bringt Vorschläge in die Diskussion ein, wie das Verbrechen bekämpft und Opfern geholfen werden kann. Das Dokument (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 219) kann als pdf-Datei heruntergeladen oder als Broschüre in der Rubrik Publikationen bestellt werden.

Jahresbericht Weltkirche 2019 veröffentlicht

24. July 2020 - 9:21

Der Jahresbericht Weltkirche 2019 über das weltkirchliche Engagement der katholischen Hilfswerke, Missionsorden und Bistümer liegt vor. Er wird von der Konferenz Weltkirche herausgegeben, in der die Träger weltkirchlicher Arbeit der katholischen Kirche in Deutschland versammelt sind.

Der Bericht informiert über die pastoralen und sozialen Hilfsprojekte, über Bildungsarbeit und besondere Aktionen. Die Finanzstatistik gibt Rechenschaft über Herkunft und Verwendung der Hilfsgelder. Diese Zahlen belegen den Umfang der weltkirchlichen Arbeit: Mit 591,6 Millionen Euro haben Bistümer, Hilfswerke und Missionsorden im vergangenen Jahr Projekte in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa gefördert. Das Geld stammt überwiegend – neben öffentlichen Mitteln – aus Spenden, Kollekten und kirchlichen Haushaltsmitteln. Direkte Überweisungen von katholischen Pfarreien, Verbänden, Vereinen, Stiftungen und Schulen sind in dieser Zahl nicht berücksichtigt, da sie zentral schwer zu erfassen sind. Die tatsächliche Summe liegt also höher.

Der Vorsitzende der Konferenz Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hebt in seinem Vorwort den „beeindruckenden Umfang der weltkirchlichen Arbeit“ hervor. Zwar seien die Rekordsummen der vergangenen Jahre nicht erreicht worden. Dennoch zeigten die Zahlen: „Die deutschen Katholiken finden sich mit Armut und Not in der Welt nicht ab. Sie leisten Hilfe, wo diese am meisten gebraucht wird. Nachhaltigkeit, Ganzheitlichkeit und Armenorientierung sind ihre Prinzipien.“

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. In den großen weltkirchlichen Aktionen 2019/2020 legen die katholischen Hilfswerke und Diözesen daher gemeinsam den Fokus auf Frieden und Versöhnung. Dies greift der thematische Teil des Jahresberichts auf. Mehrere Artikel beleuchten den Frieden stiftenden Charakter der Religion ebenso wie die Gefahr, dass Religionsführer sich für politische Zwecke, Kriege und Bürgerkriege instrumentalisieren lassen.

Angesichts der Corona-Pandemie mahnt Erzbischof Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist, das Weltgemeinwohl in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen: „Solidarität, Gerechtigkeit und Einheit weltweit sind unerlässliche Bedingungen für eine Zukunft in Freiheit und Sicherheit für die ganze Menschheit.“


Hintergrund

Der „Konferenz Weltkirche“ gehören Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der (Erz-) Bistümer, der Deutschen Ordensobernkonferenz, der weltkirchlichen Hilfswerke (Adveniat, Caritas international, Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Misereor, Missio Aachen und München, Renovabis, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken), der Verbände und anderer weltkirchlich tätiger Einrichtungen in Deutschland an. Der Jahresbericht bietet neben einem Themenschwerpunkt und einem Statistikteil einen inhaltlichen Überblick über die vielfältige internationale Arbeit der beteiligten Organisationen.


Hinweise:

Der Jahresbericht Weltkirche 2019 kann in der Rubrik Publikationen als Broschüre kostenfrei bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Weitere Informationen bietet das Internetportal der Konferenz Weltkirche unter www.weltkirche.de.

Weltkirchlicher „Sonntag der Solidarität“ für die Leidtragenden der Corona-Pandemie

22. July 2020 - 8:26

Angesichts der dramatischen globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie starten die Deutsche Bischofskonferenz, die (Erz-)Diözesen, die weltkirchlichen Hilfswerke und die Ordensgemeinschaften eine gemeinsame internationale Solidaritätsaktion für die Leidtragenden der Pandemie. Im Mittelpunkt steht dabei der erste Sonntag im September (6. September 2020), den die Deutsche Bischofskonferenz zum „Sonntag der Solidarität“ ausgerufen hat. An diesem Tag soll in allen Gottesdiensten eine Sonderkollekte abgehalten werden. Darüber hinaus werden Spenden zur Finanzierung internationaler Projekte eingeworben.

Diese Solidaritätsaktion ergänzt die Hilfsprogramme, die bereits in den zurückliegenden Monaten von den Bistümern, den weltkirchlichen Werken und den Orden aufgelegt wurden. Dabei konnten erhebliche finanzielle Mittel mobilisiert werden. Allerdings konnten auch mehrere weltkirchliche Kollekten seit März wegen der coronabedingten Einschränkungen öffentlicher Gottesdienste nicht oder nur in begrenzter Form stattfinden.

Die im September vorgesehene Solidaritätsaktion umfasst drei Dimensionen: Gebet, Information und Spenden/Kollekten. Die Deutsche Bischofskonferenz versteht den „Sonntag der Solidarität“ ausdrücklich auch als geistliches Ereignis, das die Verbundenheit der deutschen Katholiken mit den notleidenden Menschen in aller Welt zum Ausdruck bringt. Die weltkirchliche Solidarität gehört zum Selbstverständnis der Kirche und setzt das Evangelium Jesu Christi in die Tat um.

Die Pfarrgemeinden erhalten im August Plakate, Flyer und Gebetszettel zur Solidaritätsaktion. Ab 20. August 2020 stehen dann auf der Aktions-Homepage www.weltkirche.de/corona-kollekte weitere Informationen, Beispiele für Hilfsprojekte der (Erz-)Diözesen, weltkirchlichen Hilfswerke und Orden sowie das Corona-Gebet, Fürbitten und andere liturgische Hilfen zum Herunterladen für die Gestaltung von Gottesdiensten am 6. September 2020 zur Verfügung.

Die katholische Kirche in Deutschland thematisiert in der Woche vor dem „Sonntag der Solidarität“ verstärkt die Hintergründe der Aktion: Das Corona-Virus betrifft alle Menschen weltweit. Während jedoch die meisten europäischen Staaten die Pandemie derzeit unter Kontrolle haben, bedeutet das Virus in Lateinamerika, Afrika und Asien, aber auch im Osten Europas Krankheit, Hunger, Arbeitslosigkeit und einen Kampf ums Überleben. Es droht eine gesundheitliche, soziale und ökonomische Katastrophe. Die Partner weltweit der Kirche in Deutschland erreichen diese Regionen mit einem dichten Netzwerk. Damit kann den Ärmsten in den von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Gebieten direkt geholfen werden.  

Für die Aktion ist ein Sonderkonto eingerichtet worden, auf das ab sofort Spenden eingehen können (Darlehnskasse Münster, IBAN DE53 4006 0265 0003 8383 03, GENODEM1DKM). Mit dem Erlös fördert die Kirche in Deutschland die Arbeit ihrer weltkirchlichen Partnerorganisationen.

Arbeitshilfe „Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2019/20“ veröffentlicht

20. July 2020 - 9:48

Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht heute (20. Juli 2020) die Arbeitshilfe Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2019/20 mit Daten aus der kirchlichen Statistik. Die Broschüre informiert über Zahlen des Jahres 2019 und aktuelle Entwicklungen bis in das Jahr 2020. Die Eckdaten der (Erz-)Bistümer, die die Deutsche Bischofskonferenz bereits am 26. Juni 2020 veröffentlicht hat, wurden für die Broschüre aufbereitet. Einordnende Beschreibungen ergänzen das Gesamtbild der katholischen Kirche in Deutschland und zeigen auch, was sie international leistet.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), schreibt in seinem Vorwort über die aktuelle Krise: „Die Corona-Pandemie hat uns alle erschüttert. Wie sie sich auf lange Sicht auswirkt, ist noch offen. In unseren Gemeinden haben wir schmerzlich gespürt, was es heißt, auf Gottesdienst und Begegnung, Gruppenstunde und Pfingstlager zu verzichten. Bei allen Krisen und Unsicherheiten dürfen wir aber auch erfahren: Unsere Kirche lebt und sie wird als Größe in der Gesellschaft, vor allem aber im Leben der Menschen wahrgenommen.“ Davon berichte die Arbeitshilfe, mit der die katholische Kirche zeigen wolle, wie das kirchliche Leben in Deutschland aussehe. „Das ist keine Leistungsschau, sondern ein Querschnitt dessen, wo wir präsent sind, was wir tun und wo unsere Stärken liegen“, so Bischof Bätzing. Über einen QR-Code im Vorwort der Broschüre gelangt man zu einem ergänzenden Video mit Bischof Bätzing.

Die drei Schwerpunktthemen der Arbeitshilfe in diesem Jahr sind: Der Synodale Weg, Schöpfung und Umwelt sowie Inklusive Kirche. In seinem Beitrag Kirche angesichts der Corona-Pandemie arbeitet Pater Dr. Hans Langendörfer SJ, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, die Erfahrungen von Kirche und Gesellschaft in der Krise auf. Zudem befasst sich ein Gastbeitrag von Pater Prof. Dr. Hans Zollner SJ, Präsident des vatikanischen Centre for Child Protection in Rom, mit dem Thema Kinderschutz weltweit. Er öffnet darin den Blick aus Deutschland in die Weltkirche und legt dar, welche Schritte gegen sexuelle Gewalt bereits erreicht wurden und worin die Herausforderungen für die Kirche bestehen.


Hinweise:

Die Broschüre Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2019/20 (Arbeitshilfen Nr. 315) kann in der Rubrik Publikationen bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Weitere Informationen sind auf der Themenseite „Kirche in Zahlen“ verfügbar.

Vatikanische Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde“

20. July 2020 - 7:11

Die Kleruskongregation im Vatikan hat heute eine Instruktion mit dem Titel Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche veröffentlicht. Dabei geht es um die Bedeutung der Pfarrei angesichts des Zweiten Vatikanischen Konzils und vielerorts aktuelle Strukturprozesse in den Bistümern und Pfarreien.

Hinweis:
Das Dokument ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Bischof Bätzing gratuliert dem Zentralrat der Juden in Deutschland

17. July 2020 - 9:37

Am kommenden Sonntag (19. Juli 2020) vor 70 Jahren wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Aus diesem Anlass gratuliert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, dem Zentralrat und würdigt das vielfältige jüdische Leben in Deutschland.

In einem Brief an den Präsidenten des Zentralrates, Dr. Josef Schuster, hebt Bischof Bätzing die von den Ursprüngen bis heute gültigen Aufgaben hervor: „Von Anfang an stand der Zentralrat vor der Herausforderung, angesichts der unterschiedlichen Herkünfte und Erfahrungen, der kulturellen und religiösen Prägungen die Einheit der jüdischen Gemeinschaft zu stärken.“ Dazu zählte auch die Integration verschiedener religiöser Strömungen in der jüdischen Gemeinschaft. Die Neugründung von Gemeinden, Synagogenneubauten, die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, zwei Rabbinerseminare und vieles andere belegten die intellektuelle und spirituelle Vitalität des Judentums in Deutschland, so Bischof Bätzing.

Mit großem Engagement habe sich der Zentralrat in den vergangenen Jahrzehnten an den politischen und kulturellen Debatten in Deutschland beteiligt. „Die jüdischen Stimmen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf rechtsextremistische und antisemitische Gruppen und Strömungen lenkten, haben einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung einer demokratischen Kultur in diesem Land. Dazu gehört nicht zuletzt auch die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Ermordung der europäischen Juden, die der Zentralrat immer wieder durch eigene Stellungnahmen begleitet hat“, schreibt Bischof Bätzing. Leider werde das Jubiläum des Zentralrats durch eine Zunahme antisemitischer Angriffe überschattet: „Angriffe auf Juden sind Angriffe auf unsere Demokratie und unser Zusammenleben. Seien Sie gewiss, dass die katholische Kirche auch weiterhin im Kampf gegen Antisemitismus an Ihrer Seite stehen wird.“

In seinem Brief erinnert Bischof Bätzing außerdem an die grundlegende Wandlung des christlich-jüdischen Verhältnisses in den zurückliegenden 70 Jahren. „Auch in Deutschland ist aus kleinen und mühsamen Anfängen eine Kultur des Dialogs zwischen Christen und Juden entstanden, an dessen Entwicklung der Zentralrat einen bedeutenden Anteil hat. Heute gibt es vielfältige und intensive Kontakte zwischen Bischöfen und Rabbinern, katholischen und jüdischen Einrichtungen und nicht zuletzt auch zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralrat.“

Vatikanisches Vademecum zu einigen Fragen in den Verfahren zur Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger

17. July 2020 - 9:00

Am 16. Juli 2020 hat die Kongregation für die Glaubenslehre einen Leitfaden (Vademecum) zum juristischen Umgang mit Missbrauchsfällen veröffentlicht. Das Dokument Vademecum zu einigen Fragen in den Verfahren zur Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger versteht sich als Hilfestellung für Mitarbeiter der kirchlichen Rechtspflege und legt die Verfahrenswege bei sexuellen Vergehen von Klerikern an Minderjährigen dar. Änderungen der Gesetzeslage sind damit nicht verbunden.

Das Dokument war nach einem Gipfel zur Missbrauchsprävention im Vatikan im Februar 2019 angekündigt worden. Wesentliche Grundlagen sind das 2001 veröffentlichte und 2010 überarbeitete Motu proprio des Papstes Sacramentorum sanctitatis tutela sowie das Motu proprio Vos estis lux mundi vom Mai 2019 und die Rechtspraxis der Kongregation für die Glaubenslehre, die für die strafrechtliche Aufarbeitung von Missbrauchsdelikten in der katholischen Kirche zuständig ist.

Hinweis:
Das Dokument Vademecum zu einigen Fragen in den Verfahren zur Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ist untenstehend als pdf-Datei zum Download verfügbar.
Weitere Informationen sind auf der Themenseite Sexueller Missbrauch verfügbar.

Amrai Coen, Malte Henk, Nanfu Wang und Jialing Zhang erhalten den Katholischen Medienpreis 2020

15. July 2020 - 9:26

Der Katholische Medienpreis in der Kategorie Printmedien wird in diesem Jahr an Amrai Coen und Malte Henk für den Beitrag „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem!“, der in der ZEIT erschienen ist, verliehen. In der Kategorie Elektronische Medien werden Nanfu Wang und Jialing Zhang für ihren Fernsehbeitrag „Land der Einzelkinder“ (ARTE) ausgezeichnet. Die beiden Kategorien sind mit je 5.000 Euro dotiert. Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Jury, wird den Katholischen Medienpreis am 12. November 2020 im LVR-LandesMuseum Bonn überreichen.

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Insgesamt sind 185 Einreichungen eingegangen. Für die Kategorie Elektronische Medien wurden 102 Beiträge eingereicht, davon sind 40 Fernseh-, 36 Radio- und 26 Internetangebote. In der Kategorie Printmedien waren es 83 Beiträge.

Kategorie Printmedien
Amrai Coen (Jahrgang 1986) und Malte Henk (Jahrgang 1976) erhalten den Preis für ihren Beitrag „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem!“, erschienen in DIE ZEIT am 22. August 2019. Die Autoren haben sich auf den Weg in den Jemen gemacht und nicht aufgegeben, als ihnen die Einreise verweigert wurde. Sie suchten nach anderen Möglichkeiten, um über die Menschen im Jemen zu berichten, das macht ihre Geschichte preiswürdig. Denn nicht zu berichten hieße, den Kriegsparteien nachzugeben und den Blick abzuwenden vom Leid der Menschen. Stattdessen hat das Team das Verständnis für die Menschen in einem vergessenen Krieg gestärkt, ihnen eine Stimme gegeben und die humanitäre Katastrophe dort offengelegt.

Kategorie Elektronische Medien
Nanfu Wang (Jahrgang 1985) und Jialing Zhang (Jahrgang 1984) erhalten den Preis für den Film „Land der Einzelkinder“, gesendet auf ARTE am 22. Oktober 2019. Die Autorinnen, selbst in China geboren, beschreiben die Ein-Kind-Politik des Landes und des kommunistischen Systems. Was sie erfahren, ist monströs, dabei beleuchten sie auch die Mitverantwortung des Einzelnen. Die zentrale Frage des Films, „Wie können Menschen so etwas tun?“, stellen Wang und Zhang ebenso unermüdlich wie frei von Aggression. Sie bewegen sich journalistisch, inhaltlich und ästhetisch auf höchstem Niveau und werben so für humanitäres und soziales Verantwortungsbewusstsein als Grundlage und Voraussetzung für menschenwürdiges Zusammenleben.

Den mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis der Jury erhält Veronika Wawatschek (Jahrgang 1984) für ihren am 3. Januar 2020 bei Bayern 2-Radio Revue ausgestrahlten Beitrag „Kirche, was tust Du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende“.

Hintergrund
Seit 2003 wird der Katholische Medienpreis jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. „Ausgezeichnet werden Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen“, so heißt es in der Ausschreibung.

Zur Jury unter dem Vorsitz von Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) gehören: Katja Auer (Teamleiterin der Bayernredaktion der Süddeutschen Zeitung, München), Andrea Groß-Schulte (Chefredakteurin der Liborius Verlagsgruppe, Hamm), Albert Herchenbach (ehemaliger Chefredakteur stadtgottes, Nettetal), Wolfgang Küpper (ehemaliger Redaktionsleiter Bayerischer Rundfunk, Religion und Orientierung, München), Andreas Kuschbert (Chefredakteur Heinrichsblatt, Bamberg), Michaela Pilters (ehemalige Leiterin der ZDF-Redaktion „Kirche und Leben“, Mainz), Dagmar Reim (ehemalige Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Berlin) und Katharina Zeckau (Hörfunk Bayerischer Rundfunk, München).

Hinweise:
Jurybegründungen zu den Kategorien Print und Elektronische Medien finden Sie untenstehend zum Download. Weitere Informationen über den Preis sind in der Rubrik „Auszeichnungen der Deutschen Bischofskonferenz/Katholischer Medienpreis“ verfügbar.
Fotos der Preisträger sind in der Bildergalerie dieser Pressemitteilung für die Berichterstattung und unter Nennung der Copyrightangaben (© privat) kostenfrei verfügbar.



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