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Interview von Prälat Jüsten zur Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibung

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 7. December 2017 - 10:30
Vertreter von SPD, Grünen, FDP und Linken streben eine Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibung an. Für die Kirche würde dies aber die Gesamtkonzeption des Abtreibungsrechts infrage stellen.

Berlin (KNA) Der Leiter des katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, warnt vor einer Streichung des Werbeverbots für Abtreibungen. „Der Paragraf 219a im Strafgesetzbuch ist nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts integraler Teil des Schutzkonzepts“, so Jüsten im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Zugleich beklagte er „eine bewusst oder unbewusst fehlerhafte Bewertung der rechtlichen und tatsächlichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen“ in der derzeitigen Debatte.

Das Amtsgericht Gießen hatte in der vergangenen Woche eine Ärztin wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt. Es berief sich dabei auf den Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch. Dieser untersagt „das Anbieten, Ankündigen oder Anpreisen“ von Schwangerschaftsabbrüchen aus finanziellem Vorteil heraus oder wenn dies in „grob anstößiger Weise“ geschieht.

KNA: Herr Prälat Jüsten, wie steht die Kirche grundsätzlich zum Schwangerschaftsabbruch?

Jüsten: Wir setzen uns für einen umfassenden Lebensschutz ein. Nach unserer tiefen Überzeugung stellt das menschliche Leben vom Augenblick der Zeugung bis zum Tod eine Einheit dar, die der Verfügungsgewalt anderer entzogen ist. Die Kirche sieht dabei eine besondere Verpflichtung, für die Schwächsten einzutreten und in diesem Falle für das ungeborene Leben.

KNA: Wie steht es um die Frauen in einer Konfliktsituation?

Jüsten: Selbstverständlich sorgt sich die Kirche auch um das Schicksal der Frauen. Wir bieten ihnen auf vielfältige Weise Hilfe und Beratung an. Die Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs und die konkrete Hilfe für die Frauen in Notsituationen gehören für uns untrennbar zusammen.

KNA: Das Verbot des „Anbietens“ und „Ankündigens“ steht für viele im Widerspruch dazu, dass eine Abtreibung inzwischen als „normale“ ärztliche Dienstleistung angesehen wird. Wie bewerten Sie das?

Jüsten: Dies macht deutlich, dass in der Debatte über das Werbeverbot ein verzerrtes Verständnis der geltenden Rechtslage, aber auch der Realitäten vorherrscht und im öffentlichen Diskurs zunehmend eine „Normalisierung“ von Schwangerschaftsabbrüchen unterstellt wird. Der Schwangerschaftsabbruch ist weder für die betroffenen Frauen noch für Ärzte ein normaler Vorgang.

Wir wissen aus unserer Beratungspraxis nur allzu gut, dass die Frauen oft noch viele Jahre unter diesem Eingriff leiden. Gerade deshalb untersagt ja der Gesetzgeber grundsätzlich das Bewerben von eigenen oder fremden Diensten zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs. Nur in genau definierten Ausnahmesituationen bleibt der Schwangerschaftsabbruch ungeahndet.

Die grundsätzliche Missbilligung des Schwangerschaftsabbruchs zeigt sich auch darin, dass Kosten der Abtreibungen nach der sogenannten Beratungsregelung – also bei über 95 Prozent der Fälle – nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Das Bundesverfassungsgericht hat dies 1993 zwingend festgeschrieben.

KNA: Vertreter von SPD, FDP, Grüne und Linkspartei fordern eine ersatzlose Streichung des Werbeverbots-Paragrafen, weil sie das Recht der Frauen auf Information beschnitten sehen.

Jüsten: Dieses Argument leuchtet mir nicht ein. Für kaum eine andere Gruppe gibt es ein umfangreicheres Netz an individuellen Beratungs- und damit auch Informationsangeboten. Deshalb habe ich den Eindruck, dass eine bewusst oder unbewusst fehlerhafte Bewertung der rechtlichen und tatsächlichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen vertreten wird. Der Paragraf 219a ist nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts integraler Teil des Schutzkonzepts.

Das Beratungskonzept nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz soll Frauen mit der benötigten Unterstützung und mit Informationen versorgen. Sowohl in einer Beratungsstelle als auch bei ihrer Frauenärztin werden die Betroffenen auf eine sichere Art und Weise über die Möglichkeiten, Folgen und Risiken des Schwangerschaftsabbruchs und mögliche Alternativen informiert. Gerade weil die Beratung frei ist von wirtschaftlichen oder anderen Eigeninteressen, soll derjenige, der berät, nicht die Abtreibung durchführen.

KNA: Die Linkspartei fordert die Streichung des Paragrafen auch, um Ärzte „vollständig zu entkriminalisieren“.

Jüsten: Der Werbeverbots-Paragraf soll das ungeborene Leben schützen und eine angemessene Beratung garantieren. Aus der Schutzpflicht des Staates folgert das Bundesverfassungsgericht, dass die Frauen ergebnisoffen, aber in Richtung des Schutzes des ungeborenen Lebens zu beraten sind. Der Logik dieser positiven Werbepflicht für das ungeborene Leben entspricht das Werbeverbot für die Abtreibung. Es schützt die Frauen vor manipulierten Informationen durch denjenigen, der mit Abtreibungen Geld verdient. Ich sehe daher keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf.

KNA: Befürworter der Streichung argumentieren, es handele sich hierbei um ein Relikt der NS-Zeit ...

Jüsten: Das zeigt leider, dass die Debatte von einigen nicht seriös geführt wird. Die Vorschrift ist zwar 1933 in Kraft getreten, ihre Konzeption reicht jedoch zurück in die Zeit der Weimarer Republik, und der bundesrepublikanische Gesetzgeber hat sie sich zu eigen gemacht. Diese Art von Polemik sollte die öffentliche Debatte nicht bestimmen.

KNA: Ist aber ein Werbeverbot im digitalen Zeitalter noch angemessen?

Jüsten: Die Betroffenen brauchen in ihrer Notlage angemessene Hilfe. Deshalb muss der Staat im Zeitalter von „Fake News“ und vielen unseriösen Angeboten mehr denn je für eine angemessene Beratung und Unterstützung sorgen.

KNA: Sehen Sie die Gefahr, dass mit der Änderung der gesamte, hart errungene Abtreibungskompromiss ins Rutschen kommt?

Jüsten: Eine Streichung des Paragrafen 219a würde die Gesamtstatik des Schwangerschaftsberatungssystems gefährden. Die derzeitige Gesetzeslage ist die Folge einer intensiven, auch schmerzhaften politischen und öffentlichen Debatte. Ich will nicht verhehlen, dass die Kirche mit diesem Kompromiss nie glücklich war. Nun aber an einen der Eckpfeiler der Lösung, der für den Schutz des ungeborenen Lebens so wichtig ist, die Axt anzulegen, hielte ich für verantwortungslos.

KNA: Wie bewerten Sie die Auseinandersetzung gerade zum jetzigen Zeitpunkt?

Jüsten: Besonders angesichts der derzeitigen unklaren politischen Lage auf Bundesebene erstaunt es mich einigermaßen, dass hier eine Diskussion über die Recht- und Verhältnismäßigkeit des Werbeverbots – und damit über die Gesamtkonzeption des Abtreibungsrechts – losgetreten wird.

Ich befürchte, dass die Aufhebung des Werbeverbots nur ein erster Schritt sein soll zur allgemeinen Lockerung des Lebensschutzes. Wir beobachten auch auf internationaler Ebene zunehmend Bestrebungen, etwa in internationalen Verträgen unter anderem das vermeintliche Recht auf Abtreibung zu verankern. Dem sollte sich Deutschland mit seinem hohen Lebensschutzniveau entgegenstellen.


© 2017 Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), Bonn. Alle Rechte vorbehalten.

Presseeinladung: Vorstellung des Ökumenischen Berichtes zur Religionsfreiheit der Christen weltweit

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 5. December 2017 - 11:59
Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland setzen sich seit Langem für die Religionsfreiheit ein. Wie ist es um die Religionsfreiheit der Christen weltweit bestellt? Wie wird das elementare Grundrecht auf Religionsfreiheit garantiert?

Zum zweiten Mal legen die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Titel „Das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit: Bedrohungen – Einschränkungen – Verletzungen“ einen Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit vor. Die Broschüre präsentiert Daten und Fakten und will vor allem die Zusammenhänge und Konflikte beleuchten, die den Nährboden für Feindseligkeiten oder gar Gewalt gegen Christen bilden.

Der Ökumenische Bericht wird auf einer Pressekonferenz vorgestellt, zu der die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam einladen. Sie findet statt am

Freitag, 15. Dezember 2017, um 10.15 Uhr, im Haus der Evangelischen Kirche in Deutschland, Charlottenstraße 53/54, 10117 Berlin.

Als Gesprächspartner stehen für Sie zur Verfügung:
  • Bischöfin Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der EKD, und
  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.
Als Anmeldung zur Pressekonferenz reicht eine formlose E-Mail an pressestelle(at)ekd.de. Der Bericht liegt auf der Pressekonferenz in gedruckter Form vor.

50 Jahre Zeitschrift „Gottesdienst“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. December 2017 - 15:29
„In bewusster und qualitätsvoller Weise Liturgie zu feiern, ist in der Kirche kein unveränderliches Naturgesetz“, betonte der Vorsitzende der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier). „Immer wieder braucht es für eine gute Feier der Liturgie die Vergewisserung, die Erinnerung, die selbstkritische Rückfrage, die Besinnung auf die Tradition ebenso wie die wache Zeitgenossenschaft“, so Bischof Ackermann aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Zeitschrift „Gottesdienst“.

Seit 1967 erscheint die Zeitschrift „Gottesdienst“ im Verlag Herder in Zusammenarbeit mit den Liturgischen Instituten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Zum Jubiläum wurde in die neu konzipierte Zeitschrift die Zeitschrift „praxis gottesdienst“ integriert. „Gottesdienst“ erscheint alle 14 Tage mit einer Auflage von 6.000 Exemplaren pro Ausgabe. Sie richtet sich an jene, die sich für die Feier des Gottesdienstes interessieren und engagieren und ist im deutschen Sprachraum eine maßgebliche Stimme in liturgischen Fragen.

Während eines Festaktes in Freiburg betonte Bischof Ackermann in seiner Ansprache außerdem: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bedeutung der Zeitschrift ‚Gottesdienstʻ über die Jahrzehnte hin nicht abgenommen hat oder abnimmt, auch wenn zurzeit keine einschneidenden Konzilsbeschlüsse umzusetzen sind. Die aktuellen Herausforderungen durch die sich signifikant verändernde kirchliche Landschaft in unseren Ländern sind auch für das gottesdienstliche Leben höchst anspruchsvoll: Sie erfordern wache Reflexion und zugleich eine lebendige wie authentische Praxis gottesdienstlichen Feierns. Veröffentlichungen für die reine Fachcommunity der Liturgiewissenschaftler sind da zu wenig, genauso wie bloße liturgiepraktische Ideenbörsen.“

Der Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts, Pfarrer Dr. Marius Linnenborn, erläuterte mit Blick auf die Zeitschrift: „Durch die erneuerte Zeitschrift ‚Gottesdienstʻ wird die gesamte Bandbreite unserer Leserschaft von der liturgischen Praxis bis zur Liturgiewissenschaft noch besser angesprochen: alle, die in Liturgiekreisen Gottesdienste gestalten und Wort-Gottes-Feiern leiten, wie auch diejenigen, die hauptamtlich in Pfarreien und Diözesen für die Liturgie Verantwortung tragen.“

Hinweis:
Die Ansprache von Bischof Dr. Stephan Ackermann ist unten als pdf-Datei verfügbar.

Neues Dokument in der Reihe „Das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens“ veröffentlicht

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 30. November 2017 - 13:59
Die Gemeinsame Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland hat heute (30. November 2017) ihr neues Dokument „Christus feiern mit der Gottesmutter und allen Heiligen“ veröffentlicht. Darin werden Herrenfeste, die besonderen Ereignissen im Leben Jesu Christi gewidmet sind, und Feste der Gottesmutter Maria exemplarisch vorgestellt. Außerdem finden sich Heiligenfeste und Feste, die auf besondere Aspekte des christlichen Glaubens oder der jeweiligen Frömmigkeitspraxis eingehen – wie zum Beispiel Kreuzerhöhung, Fronleichnam oder Ikonenfeste.

Die beiden Vorsitzenden der Gemeinsamen Kommission, der orthodoxe Metropolit Augoustinos (Bonn) und der katholische Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg) unterstreichen die Bedeutung dieser Feste: „Sie sind für die Frömmigkeit wichtig. Sie helfen, das Heilswirken Gottes durch Jesus Christus mit seinen unterschiedlichen Akzentsetzungen zu erschließen und in der Glaubenspraxis der Christen zu verankern. Das gilt für die Tradition der Kirche im Osten wie im Westen.“ Bischof Feige fügt hinzu: „In der Gottesmutter Maria und in den Heiligen begegnen uns Menschen, die auf je eigene Weise in ihrer ganzen Existenz von Christus geprägt sind und von ihm Zeugnis geben. Dadurch werden sie zu persönlichen Wegweisern für Jesus Christus, die uns heute auf dem Glaubensweg Orientierung geben können.“ Viele der beschriebenen Feste sind in beiden Traditionen verankert und werden häufig auch am gleichen Tag gefeiert. „Dies bewusst zu machen kann dazu beitragen, dass orthodoxe und katholische Christen in Deutschland noch stärker die Gemeinschaft im Glauben erkennen und einander näher kommen“, so Metropolit Augoustinos. Das sei nach seiner Auffassung auch ein wichtiger Aspekt der Beheimatung orthodoxer Christen in Deutschland.

Der Text erscheint am Festtag des heiligen Apostels Andreas, der in beiden Kirchen am 30. November gefeiert wird. „Dieses Datum haben wir bewusst gewählt“, so Bischof Feige. „Andreas hat für die orthodoxe Kirche eine ähnlich hohe Bedeutung wie sein Bruder Petrus für die katholische Kirche. Seit vielen Jahren ist es eine gute Tradition, dass der Papst zum Andreasfest eine Delegation nach Konstantinopel an den Sitz des Ökumenischen Patriarchen entsendet, und umgekehrt eine Delegation des Ökumenischen Patriarchen zum Petrusfest am 29. Juni nach Rom reist. Auf diese Weise kommt zum Ausdruck, dass die brüderliche Beziehung zwischen den beiden Aposteln auch für unsere Kirchen gilt.“

Metropolit Augoustinos und Bischof Feige wünschen der Broschüre, dass sie viele erreicht: „Wir hoffen, dass die Gläubigen beider Kirchen mit Hilfe des Dokumentes freudig und dankbar in der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria und den Heiligen in das Lob Christi einstimmen. Das Wissen um die vielen Gemeinsamkeiten in den Festen des Kirchenjahres möge uns noch näher zusammenführen und unsere geschwisterliche Verbundenheit im Glauben weiter stärken und vertiefen.“

Die neue Broschüre schließt die Reihe der Dokumente der Gemeinsamen Kommission über das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens ab: „eine bewährte, brüderliche Zusammenarbeit, die immer über die Tagesordnung hinausgeht und im Anderen den Freund, ja den Bruder in Christo entdeckt“, hebt Metropolit Augoustinos hervor.

Hintergrund Die Gemeinsame Kommission ist ein katholisch-orthodoxes Dialoggremium, das sich mit theologischen Fragestellungen in pastoraler Perspektive befasst. Zu ihr gehören Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland sowie weitere Experten beider Kirchen. Seit 2007 erarbeitet die Gemeinsame Kommission Texte über das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens, um es für orthodoxe und katholische Kirchengemeinden und ihre Gläubigen sowie darüber hinaus für die interessierte Öffentlichkeit zu erschließen. Sie führt die Arbeit der früheren Gemeinsamen Kommission der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz fort, die in ihrem 25-jährigen Bestehen eine Reihe von gemeinsamen Handreichungen zu pastoralen Themen publiziert hat. Bisher sind in der Reihe „Das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens“ die Broschüren „Der Sonntag – ‚Urfeiertag‘ der Christen“ (2010), „Ostern – das Hauptfest der Kirche in Ost und West“ (2012) und „Weihnachten – die Feier der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus“ (2014) erschienen.

Hinweis: Die Broschüre „Das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens. IV. Christus feiern mit der Gottesmutter und allen Heiligen“ kann in der Rubrik Veröffentlichungen bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Die Broschüre steht ebenfalls unter www.obkd.de (Rubrik: „Texte der OBKD“) zum Herunterladen bereit.

Kardinal Marx spricht auf Konferenz zu Integrationsfragen bei den Vereinten Nationen in Genf

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 30. November 2017 - 12:59
Anlässlich eines Fachgesprächs zu Fragen von Migration und Integration hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, heute in Genf für einen Integrationsbegriff geworben, der auf umfassende gesellschaftliche Teilhabe setzt. „Wir sind aufgerufen, die Entwicklung jeder Person zu fördern – unabhängig von ihrem jeweiligen Status.“ Zu diesem Zweck sei ein Perspektivwechsel notwendig: „Migranten, Asylbewerber und Flüchtlinge sollten nicht als passive Bittsteller betrachtet werden, sondern als Menschen, die einen Neubeginn wagen“, so Kardinal Marx. Dabei seien Sprache, Bildung und Arbeit Schlüssel zu gelingender Integration.

Das Fachgespräch, das unter dem Leitwort „Gegenseitige Beiträge und Bereicherungen: Migranten in Aufnahmegesellschaften integrieren“ stand, fand im Palais des Nations als Begleitveranstaltung zur 108. Ratssitzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) statt, die unter dem Leitwort  „Gegenseitige Beiträge und Bereicherungen: Migranten in Aufnahmegesellschaften integrieren“ stand. Organisiert wurde das Fachgespräch vom Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, der Vertretung des Souveränen Malteserordens, der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC), Caritas Internationalis und der Stiftung Caritas in Veritate.

Als wesentliche Voraussetzung gelingender Integration hob Kardinal Marx die gemeinsame Verantwortung hervor: „Sowohl unter Einheimischen als auch unter Zuwanderern muss sich eine gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwohl entwickeln.“ Gefordert sei ein Gemeinschaftssinn, der auf „gegenseitiger Anerkennung und gegenseitiger Wertschätzung“ beruhe. Auf beiden Seiten bedürfe es „einer Bereitschaft, sich auf bislang unbekannte Sichtweisen, Erfahrungen und Gewohnheiten einzulassen“.

Kardinal Marx erinnerte auch an den Beitrag der Kirche zu Fragen der Integration. Gerade die Katholische Soziallehre mache empfindsam für eine weitgefasste anthropologische Dimension des Menschen: „Wenn wir wirklich die Würde eines jeden Menschen anerkennen, können wir sie nicht zu einem Leben in Untätigkeit zwingen oder ohne ihre Familien zu leben.“ Deshalb sei es notwendig, jene Hürden abzubauen, die unter Zuwanderern für Gefühle der Frustration und Aussichtslosigkeit führten. Unter ethischen Gesichtspunkten sei es geboten, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, seine Fähigkeiten zu entfalten. Papst Franziskus ermutige zu einer Haltung der Offenheit, „die, anstatt die Zerstörung der eigenen Identität zu befürchten, fähig ist, neue kulturelle Synthesen zu schaffen“ (EG, 210). Diesem Leitbild wisse sich auch die Kirche in Deutschland verpflichtet. Eine „Sprache des Ausschlusses“ hingegen sei eine Gefahr für die gemeinsame Zukunft unserer Gesellschaft.

Kardinal Marx würdigte die Bemühungen der Vereinten Nationen, bis Ende 2018 zwei Globale Pakte zu Migration und Flucht zu verabschieden. Von den internationalen Beratungs- und Aushandlungsprozessen könnten nicht zuletzt auch für das Thema Integration wichtige Impulse ausgehen. Er versicherte, dass der katholischen Kirche die internationale Kooperation ein Anliegen sei: „Als Katholiken gehören wir einer Kirche aller Sprachen und Völker an. Wir sind überzeugt, dass die Definition des Gemeinwohls einer Gesellschaft niemals vom Gemeinwohl der gesamten Menschheitsfamilie getrennt werden darf. Um dieses Ziel – gerade auch in schwierigen Zeiten – voranzubringen, sind internationaler Austausch und internationale Zusammenarbeit nötiger denn je.“

Hinweise: Die englischsprachige Rede von Kardinal Reinhard Marx ist als pdf-Datei unten verfügbar. Weitere Informationen zum Beitrag der katholischen Kirche zu den Verhandlungen rund um die beiden Globalen Pakte (Global Compacts) zu Migration und Flucht sind unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de und https://migrants-refugees.va  verfügbar.

Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Nigeria

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 29. November 2017 - 10:29
Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (29. November 2017) in Berlin eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Nigeria vorgestellt. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte: „Während meines Besuchs im April habe ich die verheerenden Auswirkungen islamistischer Gewalt gesehen. Im Norden Nigerias leiden alle Menschen darunter, ganz besonders die Christen.“ Regelmäßig kommt es in der Region zu Attentaten, Entführungen und brutaler Gewalt durch die islamistische Gruppe Boko Haram, deren Terror seit 2009 rund 20.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zusätzlich konkurrieren muslimische Nomaden mit mehrheitlich christlichen Bauern um das knapper werdende fruchtbare Land. Immer wieder werden ganze Dörfer durch die Gewalt ausgelöscht.

Im Pressegespräch betonte Erzbischof Schick die Vielschichtigkeit der Konflikte im Norden Nigerias: „Natürlich spielt die religiöse Zugehörigkeit in den Auseinandersetzungen eine Rolle, da Religion ein wesentlicher Teil menschlicher Identität ist. Sie kann die Perspektive der Menschen weiten und Solidarität über die eigene Gruppe hinaus begründen. Nicht selten dient sie aber auch dazu, vorhandene Konflikte aufzuladen. Man wird sicher sagen können, dass die ungerechte Macht- und Ressourcenverteilung ein Kernproblem in Nigeria ist. Die so zustande kommenden Streitigkeiten werden von manchen – besonders von extremistischen muslimischen Kreisen – in einem religiösen Zusammenhang interpretiert. Das ist brandgefährlich.“

Erzbischof Schick wies auf die Notwendigkeit hin, die ökonomische und politische Benachteiligung einzelner Gruppen zu beenden, die grassierende Korruption zu bekämpfen und eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Von Bedeutung seien zudem die Bemühungen um interreligiöse Verständigung: „Das gemeinsame Engagement der Kirche und der lokalen muslimischen Würdenträger für den Frieden hat das Verhältnis zwischen Gläubigen der beiden Religionsgemeinschaften in einigen Regionen entspannt.“ Dass der „interreligiöse Dialog keine Frage des Wollens, sondern eine Notwendigkeit“ sei, zeige auch der Beitrag von Erzbischof Ignatius Kaigama (Jos), der in der Arbeitshilfe das Engagement seiner Diözese beschreibt. Jeweils ungefähr die Hälfte der Nigerianer bekennt sich zum Christentum und zum Islam. Christen stellen im Süden des Landes die Mehrheit, Muslime im Norden.

Bischof Matthew Hassan Kukah aus dem nigerianischen Bistum Sokoto erläuterte die Situation vor Ort. Die mehrheitlich muslimische Region ist durch die Stadt Sokoto bekannt, in der mit dem Sultan von Sokoto der ranghöchste muslimische Würdenträger Nigerias seinen Sitz hat. Bischof Kukah stellte den Alltag der Christen in einem mehrheitlich islamischen Umfeld dar und verwies auf die historischen Gründe der Benachteiligung von Christen in den 19 Bundesstaaten Nordnigerias: „Einige Muslime werfen bis heute Christentum und Kolonialismus in einen Topf. In der Folge werden Christen im Norden Nigerias oft als Kolonialisten und Außenseiter angesehen.“

Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen, Prälat Dr. Klaus Krämer, stellte einige von Missio geförderte Projekte vor. Dabei würdigte er die interreligiösen Friedensaktivitäten in den vom islamistischen Terror besonders betroffenen Diözesen Maiduguri und Jos. Er betonte, dass eine friedliche religiöse Koexistenz entschiedenen Einsatz verlange, auch angesichts bitterer Rückschläge. „Friedliche religiöse Koexistenz geht einher mit der Pflege interkultureller Kompetenz, der Entwicklung einer eigenen religiösen Identität sowie der Bereitschaft und Fähigkeit zum interreligiösen Dialog. Zu dieser friedlichen religiösen Koexistenz gehört schließlich auch die Freiheit des einzelnen Menschen, sich zu seinem Glauben zu bekennen, ihn zu praktizieren sowie ihn frei wählen zu können. Alle Menschen – vollkommen unabhängig von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht – haben das Recht auf Religionsfreiheit.“


Hintergrund Die Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zur Situation der Christen in Nigeria gibt einen Überblick über die Geschichte des Christentums und des Islam in dem westafrikanischen Land, erläutert aktuelle Konfliktlinien und analysiert die Hintergründe der andauernden Gewalt. Die Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wurde von den deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um für die Lage bedrohter Glaubensgeschwister zu sensibilisieren. Mit Publikationen, liturgischen Handreichungen und öffentlichen Veranstaltungen wird auf die teilweise dramatischen Verhältnisse christlichen Lebens in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam gemacht. Zusätzlich pflegen die Bischöfe mit Solidaritätsreisen den Kontakt zu den unter Druck stehenden Ortskirchen. In Deutschland sucht die Deutsche Bischofskonferenz immer wieder das Gespräch mit Politikern und gesellschaftlichen Akteuren, um auf bedrohliche Entwicklungen hinzuweisen. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember (Stephanustag), der in allen deutschen Diözesen begangen wird.
Hinweise: Die Statements von Erzbischof Schick, Bischof Kukah sowie von Prälat Krämer sind unten als
pdf-Dateien verfügbar. Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Nigeria“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Das Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für die verfolgten Christen am 26. Dezember können ebenfalls in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden. Weitere Informationen gibt es auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

Komponist Mark Andre erhält den Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 27. November 2017 - 18:29
Der deutsch-französische Komponist Prof. Dr. Mark Andre (52) hat heute (27. November 2017) in Leipzig den mit 25.000 Euro dotierten „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ erhalten. Die Verleihung fand in der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis statt, die 2015 für die wachsende Leipziger Stadtgemeinde erbaut wurde. Vor rund 400 Gästen aus Kultur, Kirche, Politik und Medien würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den Preisträger Mark Andre als „Musik-Avantgardisten“, der „kein abgehobener Mensch ist, sondern einer, der zuhört, der bescheiden ist“. Kardinal Marx hob insbesondere Mark Andres Hauptwerk, die Oper Wunderzaichen hervor: „Kann Kunst avantgardistischer, also vorantreibender, aktueller, ökumenischer sein?“, so Kardinal Marx.

In seiner Ansprache lenkte Kardinal Marx den Blick auf das Verhältnis von Kirche und Avantgarde. Dabei gehe es um eine Offensive sozialer Sensibilität, sinnbezogener Lebensperspektiven und intellektueller Redlichkeit in einer Zeit, die von der Versuchung zur Vereinfachung und Gewalt bedroht sei. Kardinal Marx erinnerte neben dem Interesse an der Avantgarde auch an die Breitenwirkung der Musik, die ebenso notwendig sei: „Deshalb fördern wir mit Überzeugung und Freude ein Laienchorwesen, das weltweit seinesgleichen sucht. In rund 18.000 katholischen Chören und Musikensembles sind 374.000 Laienmusiker zusammengeschlossen.“

Der Komponist Prof. Jörg Widmann, der die erste der beiden Laudationes hielt, sagte über den Preisträger: „Es ist radikal, sperrig und un-erhört – sein tastendes Suchen und die Erkundung klanglicher Grenzzonen sind einzigartig.“ Die zweite Laudatorin, Ordensschwester Prof. Dr. Margareta Gruber OSF, betonte in ihrer Rede den ökumenischen Bezug: „Andre ist evangelischer Christ, in Frankreich geboren, ein Nachkomme der von der katholischen Kirche fast ausgerotteten Hugenotten. Im Jahr des Reformationsgedenkens (…) ist diese Ehrung eines von vielen Zeichen dieses Jahres, das die Versöhnung unter den Konfessionen symbolisiert.“

Das Votum der Jury unter Vorsitz des Cellisten Prof. Julius Berger ehrt Mark Andre als „Avantgardist, der nicht nach Gefälligkeit, Popularität oder gar Marktförmigkeit schielt; er weiß sich einzig der Suche nach dem anderen, dem neuen Klang verpflichtet und scheut vor dem Experiment nicht zurück.“ Bei dem Festakt wurden Filmmitschnitte aus der Oper Wunderzaichen gezeigt – die Geschichte eines zeitreisenden Mystikers, der nach Israel zu den Stätten Jesu möchte, aber bereits am Flughafen an der Einreise gehindert wird.

Bei der Übergabe der Preisurkunde verwies der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, auf eine derzeitige „neue Annäherung von weltlicher und geistlicher Musik, von öffentlicher und kirchlicher Kulturarbeit“. Es sei eine deutliche Zunahme von Konzerten zu verzeichnen, in denen geistliche Musik im weitesten Sinne, Musik mit religiösen Bezügen erklinge. An den Preisträger gewandt, sagte Prof. Sternberg: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, mit der Preisverleihung an Sie solche Impulse zu stärken.“

Mark Andre dankte für die Zuerkennung des Kunst- und Kulturpreises der deutschen Katholiken: „Mir geht diese hohe Auszeichnung nahe, zumal sie ja von christlicher Seite und damit im weiteren Sinne sozusagen aus dem Hause Gottes kommt.“ In seiner Rede richtete er einen ökumenischen Appell an die Gäste: „Möge die Kraft des Heiligen Geistes und damit die uns eigene uns helfen, in einer einheitlichen Kirche wieder zusammenzukommen!“ An diesen Appell anknüpfend, griff Jörg Widmann zu seiner Klarinette und spielte Andres Stück „Atemwind“, das motivisch Bezug auf Johannes 3,8 nimmt: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht.“
Hintergrund
Der Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche auf dem Kultursektor. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird für herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen vergeben. Mit dieser Stiftung leisten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen Beitrag zur Förderung der Begegnung von Kirche und moderner Kultur. Der Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken wird seit 1990 abwechselnd alle zwei bis vier Jahre in den Sparten Literatur, Architektur, Musik, Film, Bildende Kunst und Theater verliehen; 2017 erfolgt die neunte Vergabe. Unter den bisherigen Preisträgern waren Tankred Dorst und Ursula Ehler-Dorst (2008), Peter Zumthor (2011) und Ralf Rothmann (2014). Die Jury: Prof. Julius Berger (Vorsitz), Professor für Violoncello und Kammermusik an der Universität Augsburg; Prof. Dr. Inga Behrendt, Professorin für Gregorianik und Deutschen Liturgiegesang an der Hochschule für Kirchenmusik Rottenburg, Cembalistin; Prof. Markus Bellheim, Professor für Klavier an der Hochschule für Musik und Theater München; Dr. Eleonore Büning, Leiterin der Musikredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Dr. Corinna Herr, Privatdozentin/Vertretungsprofessorin für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln; Christiane Oelze, Lied-, Konzert- und Opernsängerin (lyrischer Sopran); Prof. Michael Roßnagl, Geschäftsführer der Ernst von Siemens Musikstiftung, Honorarprofessor für Musikmanagement an der Musikhochschule München; David Timm, Universitätsmusikdirektor der Universität Leipzig und Leiter des Leipziger Universitätschors.


Hinweise: Die Ansprachen bei der Preisverleihung sind unten als pdf-Dateien verfügbar.
Fotos der Preisverleihung (ab 21.00 Uhr) und des Preisträgers in Druckqualität können den Medien auf Anfrage per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Weitere Informationen sind auf der Initiativen-Seite zum „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ verfügbar.



Kardinal Marx zum Anschlag auf dem ägyptischen Sinai

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 24. November 2017 - 17:21
Zum heutigen (24. November 2017) Anschlag auf eine Moschee in Ägypten (Nord-Sinai) erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:
„Ägypten ist heute erneut zum Ort eines verheerenden terroristischen Anschlags geworden. Im Norden des Sinai wurden mehr als 230 Menschen ermordet, als sie eine Moschee nach dem Ende des Freitagsgebets verließen. Viele weitere haben schwere Verletzungen davongetragen. Die Bilder dieses Massakers erschüttern mich, und ich empfinde es als besonders bedrängend, dass gezielt das Leben von Betenden angegriffen und ausgelöscht wurde.

Mein Gebet gilt allen, die bei dem abscheulichen Anschlag den Tod gefunden haben, und ebenso ihren Angehörigen. Wir Christen verbinden uns im Gebet mit allen Glaubenden, Christen und Muslimen, die sich der Logik von Hass und Vernichtung mit Entschiedenheit entgegenstellen. Wir beten für das friedliche Zusammenleben aller Menschen, gleich welcher Religion, Herkunft oder Weltanschauung sie sich verpflichtet wissen. Wer im Namen der Religion tötet, handelt blasphemisch!“

Kardinal Marx gratuliert ZdK-Präsident Sternberg zur Wiederwahl

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 24. November 2017 - 9:56
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat dem heute (24. November 2017) wiedergewählten Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, zur Fortführung seines Amtes gratuliert. „Die Deutsche Bischofskonferenz ist Dir dankbar, dass Du erneut bereit bist, diese Aufgabe zu übernehmen. Von Herzen wünschen wir Dir im schon vertrauten Amt viel Erfolg, richtungsweisende Ideen und Gottes Segen“, schreibt Kardinal Marx.

In seinem Brief würdigt Kardinal Marx die zurückliegende Arbeit des ZdK-Präsidenten: „Ich danke Dir für das vertrauensvolle Miteinander und den guten Austausch, den wir bei verschiedenen Anlässen pflegen.“ Die Deutsche Bischofskonferenz erlebe die Vielfalt der im Zentralkomitee vertretenen Positionen als Bereicherung. „Wenn wir auch manche strittige Debatte austragen, so eint uns das Ziel, Zeugnis unseres christlichen Glaubens in Kirche und Gesellschaft zu geben. In Zeiten, in denen Glaubensvermittlung und Glaubensbekenntnis in der Öffentlichkeit immer schwieriger werden, müssen wir Wege finden, als katholische Kirche geeint nach außen aufzutreten“, so Kardinal Marx. Dankbar äußerte er sich, dass sich diese gute Zusammenarbeit darin zeige, dass die Deutsche Bischofskonferenz beim Katholikentag 2018 in Münster erstmals mit einer eigenen Veranstaltung am Programm beteiligt sei. Kardinal Marx ermutigte Präsident Sternberg, sich auch künftig in Debatten einzumischen und so mitzuhelfen, Kirche öffentlich sichtbar und hörbar zu machen.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2017

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 23. November 2017 - 11:45
Weltweit wird am 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Auch in vielen katholischen Gemeinden, Frauenverbänden und sozialen Institutionen wird dieser Tag zum Anlass genommen, um auf Gewalterfahrungen gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), erinnert anlässlich des Welttages daran, dass laut Schätzungen der  Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zu 150 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen sind. Jedes Jahr werden weitere zwei bis drei Millionen Mädchen und Frauen Opfer dieser Gewalt. Sie wird nicht nur in Afrika, sondern auch in Vorderasien und in Staaten der Zuwanderung praktiziert. Im Zuge der internationalen Migrationsbewegungen wird die sogenannte „female genital mutilation“ (FGM) auch zunehmend in Europa ein drängendes Problem.

„Die Kirche verurteilt jede Form von Gewalt gegen Frauen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist Ausdruck von weltweit verbreiteter Diskriminierung und Gewalt gegen das weibliche Geschlecht. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Bild von männlichen und weiblichen Geschlechterrollen“, so Bischof Bode. Papst Franziskus brachte in seinem Abschlussdokument zur Bischofssynode 2015 insbesondere die „schlimme Genitalverstümmelung der Frau in manchen Kulturen“ neben häuslicher Gewalt und sexueller Erniedrigung zur Sprache. Die Ausrottung unannehmbarer frauenfeindlicher Praktiken sei noch nicht gelungen, so Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Amoris laetitia.

Bischof Bode betont, dass weibliche Genitalverstümmelung eine Menschenrechtsverletzung ist. „Weibliche Genitalverstümmelung muss daher weltweit abgeschafft und geächtet werden. Personen aus Risikogruppen sollen über die juristische Lage und Hilfsangebote in Deutschland, Mädchenrechte im Allgemeinen und medizinische Fakten zur weiblichen Genitalverstümmelung informiert werden.“ Weiter plädiert Bischof Bode dafür, dass bundesweit Ärzte, Hebammen, Erzieher und Lehrer in der Ausbildung und im Studium das Thema behandeln. „Geflüchtete Mädchen und Frauen brauchen besonderen Schutz, gezielte Beratung und geschlechtsspezifische Unterstützung.“

Hintergrund
In Deutschland leben laut einer aktuellen empirischen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend knapp 50.000 von Genitalverstümmelung betroffene Frauen und Mädchen. Weitere 1.500 bis 5.700 Mädchen sind akut gefährdet. Durch die Aufnahme geflüchteter Menschen aus Eritrea, Irak, Somalia, Ägypten und Äthiopien stieg die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an. Genitalverstümmelung ist wie Folter eine schwerwiegende Körperverletzung, die gravierende gesundheitliche und seelische Schäden zur Folge hat und nicht selten zum Tod der Betroffenen führt. Die Angst vor Genitalverstümmelung ist für Frauen und Mädchen zunehmend ein Grund, aus ihren Heimatländern zu fliehen. Vielen von ihnen fehlen Informationen über frauenspezifische Fluchtgründe im Asylverfahren.

Sonderbriefmarke „Weihnachten 2017“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 22. November 2017 - 10:29
Auch in diesem Jahr gibt das Bundesministerium der Finanzen eine besondere Briefmarke zum Weihnachtsfest heraus: Das Sonderpostwertzeichen zeigt einen Ausschnitt des von Stefan Lochner gestalteten Altars der Stadtpatrone in der Marienkapelle des Kölner Doms. Zur Vorstellung der Sonderbriefmarke „Weihnachten 2017“ durch Bundesfinanzminister Peter Altmaier laden Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, sowie Prälat Dr. Peter Neher, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. herzlich ein

am Mittwoch, 29. November 2017, um 11.00 Uhr
in die Marienkapelle des Kölner Doms.


Nach einem geistlichen Wort von Kardinal Rainer Maria Woelki wird Bundesfinanzminister Peter Altmaier die Sonderbriefmarke vorstellen und einige Alben mit Erstausgaben übergeben. Anschließend wird der Festakt im Dreikönigensaal fortgesetzt. Als Gäste haben sich unter anderem Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Margarete Gräfin von Schwerin (Präsidentin des Oberlandesgerichts Köln), Dr. Hans-Josef Thesling (Präsident des Finanzgerichts Düsseldorf), Kölns Stadtdirektor Dr. Stephan Keller, Dr. Marcus Dekiert (Direktor des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud) und Dr. Dirk Gilberg, Direktor des Arbeitsgerichts Köln, angekündigt.

Bitte beachten Sie, dass für diesen Termin aufgrund von Sicherheitsvorkehrungen durch das BKA eine verbindliche Akkreditierung bei dem Metropolitankapitel der Hohen Domkirche zu Köln erforderlich ist. Das Formular erhalten Sie auf Anfrage in der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (pressestelle(at)dbk.de). Senden Sie das Anmeldeformular bis zum 27. November 2017, 12.00 Uhr, zurück. Erscheinen Sie bitte rechtzeitig und stellen Sie sich darauf ein, dass es zu Überprüfungen Ihrer Personalien und Ihrer Ausrüstung kommen könnte. Halten Sie einen Lichtbildausweis bereit.

Verfolgte und bedrängte Christen: Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zur Lage der Christen in Nigeria

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 20. November 2017 - 12:01
Seit mehreren Jahren macht die Deutsche Bischofskonferenz mit ihrer Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen unserer Zeit“ auf die Probleme der Christen in zahlreichen Ländern aufmerksam. Nachdem zuletzt die Arabische Halbinsel, Irak, Syrien und Indonesien im Mittelpunkt standen, stellt der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick am Mittwoch, den 29. November 2017 um 10.30 Uhr in Berlin (Ort: Katholisches Büro, Hannoversche Str. 5, 10115 Berlin) die neue Arbeitshilfe zur Situation der Christen im Norden Nigerias vor.

Die Arbeitshilfe gibt einen Überblick über die Geschichte des Christentums und des Islam in Nigeria, erklärt aktuelle Konfliktlinien und analysiert die Hintergründe der andauernden Gewalt. Sie lässt Fachleute aus Nigeria zu Wort kommen und erläutert mit Beiträgen der Bischöfe von Jos und Sokoto die Situation im Norden des Landes. Die deutschen Bischöfe wollen durch ihre jährliche Initiative die Auseinandersetzung mit der Diskriminierung und Verfolgung von Christen, die in vielen Teilen der Welt weiter anhält, auf möglichst breiter Ebene lebendig halten.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind zur Vorstellung der Arbeitshilfe in einem Pressegespräch herzlich eingeladen. An diesem Gespräch nehmen teil:
  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, stellt die Arbeitshilfe vor und berichtet von seinem Besuch in Nigeria;
  • Bischof Matthew Kukah (Bistum Sokoto im Norden Nigerias) erläutert das Zusammenleben der Gläubigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften in einer vom sunnitischen Islam geprägten Region;
  • Prälat Dr. Klaus Krämer (Aachen), Präsident des katholischen Hilfswerks Missio, informiert über das Engagement von Missio in Nigeria und über den christlich-islamischen Dialog.
Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind gebeten, sich für dieses Pressegespräch mit einer formlosen E-Mail (pressestelle(at)dbk.de) anzumelden.


Hintergrund: Nigeria gehört mit rund 200 Millionen Einwohnern und mehr als 400 verschiedenen ethnischen Gruppen zum bevölkerungsreichsten und kulturell vielfältigsten Land des afrikanischen Kontinents. Die Einwohner bekennen sich etwa zur Hälfte zum Christentum und zur anderen Hälfte zum Islam. Während der Süden des Landes mehrheitlich christlichen Konfessionen angehört, ist im Norden der Islam vorherrschend. Nigeria steht heute vor vielfältigen Herausforderungen. Terroranschläge und brutale Gewalt destabilisieren besonders den Norden. Trotz einiger Erfolge der Armee hat die islamistische Terrororganisation Boko Haram noch immer weite Teile des Nordostens Nigerias im Griff. Daneben tragen Überfälle nomadischer Hirten auf die Dörfer sesshafter Bauern zur Verschärfung der Situation bei.

7. Fachtagung der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen sexuellen Missbrauchs

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 16. November 2017 - 14:10
Mit einem Aufruf das Thema sexueller Missbrauch weiterhin aufmerksam zu verfolgen, ist heute die 7. Fachtagung der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen sexuellen Missbrauchs zu Ende gegangen. Unter dem Thema „,Irritierte Systeme‘ – Die Auswirkungen (des Verdachts) von sexuellem Missbrauch auf die betroffenen ‚Systeme‘ und Möglichkeiten einer qualifizierten Hilfestellung“ waren auf Einladung von Bischof Dr. Stephan Ackermann, Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, rund 90 Generalvikare, Personalverantwortliche sowie die Missbrauchs- und Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer und Ordensgemeinschaften in Köln zusammengekommen.

„Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, die Aufmerksamkeit für das Thema wachzuhalten, insbesondere vor dem Hintergrund von Personalwechseln in den Bistümern. Auch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Bischöfe eingeschlossen – müssen sich ihrer Verantwortung für dieses Thema bewusst sein und weiterhin engagiert daran arbeiten, Kirche zu einem sicheren Raum für Kinder und Jugendliche zu machen“, sagte Bischof Ackermann.

Der emeritierte Sozialpsychologe Prof. Dr. Heiner Keupp, Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, stellte die Frage nach der Tiefenwirkung von Präventionsinitiativen. „Schaffen diese Maßnahmen eine neue Kultur der Achtsamkeit, sind sie gelebte Wirklichkeit, die den Alltag in der Einrichtung bestimmen oder haben sie vor allem oder nur eine plakative Bedeutung nach außen?“ Gleichzeitig betonte Prof. Keupp: „Institutionen müssen sich ihrer Geschichte stellen und dafür Verantwortung übernehmen.“ Der Psychologe und Psychiater Prof. Dr. Frank Löhrer hob hervor, dass Intaktheit oder Irritation von Systemen in der Psychologie keine Gegensätze darstellten. „Eine gelingende Kommunikation ist in vielen Fällen ein geeignetes Mittel, um Irritationen erst gar nicht aufkommen zu lassen“, so Prof. Löhrer, der als Missbrauchsbeauftragter mehrerer Ordensgemeinschaften über jahrelange Erfahrungen im Bereich sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld und der damit einhergehenden Irritation von Systemen verfügt.

Die während der Fachtagung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Diözesen vorgestellten Praxisbeispiele veranschaulichten die Problematik der tief- und weitgreifenden Erschütterung von Systemen durch den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs. Dabei kamen auch Hilfestellungen und Möglichkeiten des Umgangs mit und der Überwindung von Irritationen zur Sprache. Die Teilnehmer waren sich dabei einig, dass ein partizipativ erarbeitetes Konzept Irritationen von Systemen positiv bewältigen kann, insbesondere dann, wenn es bereits in ein institutionelles Schutzkonzept eingebettet ist.

Pater Prof. Dr. Hans Zollner SJ, Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, nahm die Kirche als traumatisierende und traumatisierte Institution in den Blick: „Sexueller Missbrauch im kirchlichen Raum sollte nicht zu einer Selbststilisierung als Opferinstitution führen. Die Auseinandersetzung mit einem institutionellen Trauma erfordert eine nachhaltige Aufarbeitung.“ Der Missbrauchsskandal treffe die Kirche im Kern ihres Selbstbildes und ihrer Glaubwürdigkeit. „Manche meinen, es werde schon irgendwann vorübergehen. Es geht aber darum, das Wurzelgeflecht aufzudecken, in dem Missbrauch entstehen und vertuscht werden konnte. Sexuelle Gewalt und andere Arten von Missbrauch sind systemisch gesehen Symptome für tiefliegende Missstände“, so Pater Zollner. Er fügte hinzu: „Die entscheidende Frage lautet: Wer und was will die Kirche sein? Geht es ihr um sich und ihre Sicherheiten, oder geht ihr im Angesicht des Leids von Menschen das Herz auf?“

Zum Abschluss der Tagung zeigte sich Bischof Ackermann beeindruckt von den erarbeiteten Lösungsansätzen. Er bat die Anwesenden sich weiterhin mit Engagement für die Prävention gegen sexuelle Gewalt einzusetzen. Außerdem äußerte sich Bischof Ackermann dankbar für die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und der unabhängigen Aufarbeitungskommission. Er plädierte mit Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin dafür, beides weiterzuführen: „Es sei unverzichtbar auf nationaler Ebene dauerhaft eine unabhängige Stelle im Kampf gegen sexuelle Gewalt zu haben. Denn diese trägt dazu bei, die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema fortzuführen und die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Bemühen um Aufarbeitung und Prävention in die Pflicht zu nehmen.“

Erklärung zum ersten von Papst Franziskus ausgerufenen Welttag der Armen

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 15. November 2017 - 10:06
Auf Initiative von Papst Franziskus begeht die katholische Kirche am kommenden Sonntag (19. November 2017) den ersten Welttag der Armen. Der Papst hat diesen Welttag zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit verkündet. Er soll jährlich am Sonntag vor dem Christkönigsfest begangen werden. Aus Anlass des Welttags der Armen erklären der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), und der Vorsitzende der Kommission für caritative Fragen, Erzbischof Stephan Burger (Freiburg):

„Als Vorsitzende der Pastoralkommission, der Kommission Weltkirche und der Kommission für caritative Fragen der Deutschen Bischofskonferenz unterstreichen wir die Bedeutung und Wichtigkeit des Aufrufs von Papst Franziskus zum Welttag der Armen, den er unter das Motto ‚Liebt nicht mit Worten, sondern in Taten‘ stellt. In seiner Botschaft lädt der Papst ‚die gesamte Kirche sowie alle Menschen guten Willens ein, an diesem Tag ihren Blick auf die zu richten, die mit ausgestreckter Hand um Hilfe bitten und auf unsere Solidarität hoffen.‘

Auch in Deutschland, einem der reichsten Länder der Erde, gibt es Armut. Mit Sorge sehen wir, dass nahezu jeder Fünfte in unserem Land von Armut oder dem Risiko in Armut zu fallen betroffen ist. Mit der Armut sind nicht nur finanzielle Nöte verbunden, sondern auch gesundheitliche Beeinträchtigungen, mangelndes Selbstwertgefühl und soziale Ausgrenzung, da mit materieller Armut oft der Verlust an gesellschaftlicher Teilhabe einhergeht. Politik und Gesellschaft müssen ein entschiedenes Interesse daran haben, dieser Armut entgegenzutreten.

In Jesu Worten finden wir zahlreiche Aufrufe, sich den Armen zuzuwenden und ihnen unterstützend beizustehen. Dieser Auftrag gilt für die Gesellschaft insgesamt wie für jeden persönlich. Die Nächstenliebe, die zum Teilen einlädt, ist neben der Gottesliebe das höchste Gebot. Dieses Gebot ruft uns dazu auf, die Nähe zu den Armen zu suchen und nicht darauf zu warten, bis uns diese nahekommen. Wir sind aufgefordert, uns zum Nächsten des Bedürftigen zu machen. Allzu oft stehen wir dem Armen entweder distanziert oder als generöser Almosenspender gegenüber, statt ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Doch niemand, der selbst- oder unverschuldet in Armut geraten ist, sollte von uns gering geschätzt werden.

Am kommenden Sonntag, dem 19. November, gedenkt die katholische Kirche in Deutschland auch der hl. Elisabeth von Thüringen, die ein Leben reich an Hingabe und Aufopferung für die Armen geführt hat. Ihr Zeugnis und die Zeugnisse vieler bekannter und unbekannter Helfer können uns Vorbild sein, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort hilfreich zu wirken. Diese Ränder finden wir nicht nur in unserem Land, sondern in oft noch dramatischerer Ausprägung in der ganzen Welt. So trägt der Welttag der Armen seinen Namen nicht nur, weil ihn Katholiken weltweit begehen, sondern auch, weil er unseren Blick über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus lenkt.

Viele Menschen leben in bitterster Armut, oft chancenlos und jenseits staatlicher oder ziviler Hilfe. Um dies zu ändern, müssen auf nationaler und internationaler Ebene die Entscheidungen und Strukturen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung stärker am Gemeinwohl orientiert werden. Frieden, gute Regierungsführung und eine faire Wirtschafts- und Handelspolitik sind zur Armutsbekämpfung unabdingbar. Wir müssen uns auch kritisch fragen, wo unser Wohlstand auf Kosten anderer erwirtschaftet wird. Wir brauchen Einsicht und Maßnahmen, die dazu führen, die Güter dieser Erde gerechter unter den Völkern zu verteilen.

Neben politischen und strukturellen Reformen zugunsten einer stärkeren Armenorientierung sind auch eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung jedes Einzelnen notwendig. Wir laden alle ein, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, uns selbst und unsere Konsumgewohnheiten zu überprüfen. Papst Franziskus fordert uns auf, der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine ‚wahre Kultur der Begegnung‘ entgegenzustellen. Denn die Zuwendung zu den Armen kann nicht nur materiell geschehen: Gerade die persönliche Begegnung, ein Gespräch, ein aufrichtiges Interesse am Gegenüber können eine große Hilfe sein. Eine solche Offenheit gegenüber den Armen kann uns helfen, vom Betrachter zum Beteiligten zu werden. Der Papst weist in seiner Botschaft zum Welttag der Armen darauf hin, dass ‚das Teilen mit den Armen es uns ermöglicht, das Evangelium in seiner tiefsten Wahrheit zu verstehen‘. In der Begegnung mit den Armen begegnen wir Christus selbst. Ergreifen wir an diesem Welttag der Armen die Chance, uns evangelisieren zu lassen, indem wir auf die Armen zugehen und mit ihnen solidarisch sind!

Viele Ehren- und Hauptamtliche in Deutschland leisten Tag für Tag ihren aufopferungsvollen und unverzichtbaren Dienst am Nächsten. Ihnen allen gelten unser besonderer Dank und die Versicherung, dass die Kirche sie bei ihrer Arbeit weiterhin unterstützen wird. In vielen Gemeinden und Einrichtungen wurde und wird dieser Tag zum Anlass genommen, besondere Aktivitäten im Dienst an den Armen zu unternehmen. Auch hierfür sagen wir herzlichen Dank. Zugleich möchten wir alle ermutigen, die in sich den Wunsch verspüren zu helfen, nicht zu zögern, dieses Anliegen in die Tat umzusetzen und sich im Dienst an den Armen einzubringen.“

Hinweis:
Weitere Informationen zum Welttag der Armen (wie das Logo in deutscher Sprache zum Herunterladen) sind auf der Internetseite des Vatikans zum Welttag der Armen verfügbar.

Kardinal Marx zu den Verhandlungen der UN-Klimakonferenz

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 14. November 2017 - 11:13
Mit Blick auf die nun beginnende entscheidende Phase des in Bonn stattfindenden UN-Klimagipfels hofft der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, auf einen Erfolg der Klimaverhandlungen. „Es müssen endlich weitere Schritte zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen getan werden. Ebenso sind seitens der Industrieländer Maßnahmen zu finanzieren, die zur Eindämmung der durch den Klimawandel bedingten Schäden und Verluste in ärmeren Ländern notwendig sind.“

Kardinal Marx erinnert in diesem Zusammenhang an die Enzyklika Laudato si’, in der Papst Franziskus unterstreicht, dass „die wirtschaftlichen und sozialen Kosten für die Benutzung der allgemeinen Umweltressourcen offen dargelegt sowie von den Nutznießern voll getragen werden [müssen] und nicht von anderen Völkern oder zukünftigen Generationen“ (Laudato si’ 195). Die Sorge um das „gemeinsame Haus“, die der Papst einfordert, sei auch allen Politikern aufgetragen. „Weder bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin noch bei den Weltklimaverhandlungen in Bonn dürfen Partikularinteressen einseitig im Vordergrund stehen. Es geht um nichts weniger als um das Weltgemeinwohl, das durch den ungehemmten CO2-Ausstoß gefährdet ist. Wir können nicht länger auf Zeit spielen, sondern müssen beherzt handeln.“

Zu der seit dem 6. November 2017 tagenden Weltklimakonferenz (COP 23) werden ab Mittwoch Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erwartet. Ziel ist, für das 2015 in Paris beschlossene Klimaabkommen ein Regelwerk zu erarbeiten, das die Überprüfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels ermöglicht.

Medieneinladung zum Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 13. November 2017 - 12:49
Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verleihen den „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ an den deutsch-französischen Komponisten Mark Andre, den die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ als „Metaphysiker unter den Komponisten“ bezeichnet hat. Bei dem Festakt um 18.00 Uhr, zu dem zahlreiche Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Medien erwartet werden, überreichen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des ZdK, Prof. Dr. Thomas Sternberg, die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen. Die Laudationes halten der Komponist und Klarinettist Prof. Jörg Widmann und die Bibelwissenschaftlerin Schwester Prof. Dr. Margareta Gruber. Prof. Widmann hat mehrere Kompositionen des Preisträgers mit der Klarinette uraufgeführt, so das Stück „atemwind“ in der neuen Elbphilharmonie, das der Laudator auch beim Kunst- und Kulturpreis in Leipzig darbieten wird. Schwester Margareta Gruber ist Mark Andre mehrfach in Jerusalem begegnet, die Stadt spielt im Werk des Preisträgers eine zentrale Rolle.

Die Kollegen der Medien sind herzlich zur Preisverleihung eingeladen sowie vorab zu einem Fototermin mit Preisträger Mark Andre, Kardinal Marx und Prof. Sternberg:

Montag, 27. November 2017, um 17.45 Uhr,
in der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.


Der „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche im Bereich Kultur. Mit dieser Stiftung leisten die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK einen Beitrag zur Förderung der Begegnung von Kirche und moderner Kultur. Der Preis wird seit 1990 alle zwei bis vier Jahre abwechselnd in den Bereichen Literatur, Architektur, Musik, Film, Bildende Kunst und Theater verliehen; 2017 erfolgt die neunte Vergabe. Unter den bisherigen Preisträgern waren Gerhard Richter (2004), Tankred und Ursula Dorst (2008), Peter Zumthor (2011) und Ralf Rothmann (2014).

Hinweise:
Wenn Sie am Fototermin und der Preisverleihung teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bis Freitag, 24. November 2017, per E-Mail unter pressestelle(at)dbk.de an. Das Programm ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar. Ein Foto des Preisträgers in druckfähiger Qualität erhalten Sie auf Anfrage per E-Mail (pressestelle(at)dbk.de). Im Anschluss an die Preisverleihung stellt die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz kostenfreie Pressefotos zur Verfügung. Weitere Informationen sind auf der Initiativen-Seite „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ verfügbar.