21. Gennatio 2017
Augenblicke der Besinnung

Unter die Dinge,
um die wir Gott bitten sollen,
gehört die Beharrlichkeit
im guten Leben und im Dienst des Herren.
Denn wenn wir nur Geduld haben
und in dem begonnenen guten Leben verharren, 
werden wir einen sehr hohen Grad
der Vollkommenheit erreichen.

Hl. Philipp Neri
















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Bischofssynode 2018: Vorbereitungsdokument vorgestellt

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 13. January 2017 - 13:15
Im Vatikan ist heute das Vorbereitungsdokument zur Bischofssynode 2018 vorgestellt worden. Sie steht unter dem Leitwort „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. In einer ersten Stellungnahme erklären der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste, Bischof Dr. Felix Genn (Münster), und der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster (Passau):

„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11): Das ist der Plan Gottes für die Frauen und Männer jeden Zeitalters und daher auch für alle Jugendlichen des dritten Jahrtausends – ohne Ausnahme. So heißt es in der Einleitung zum Dokument, das der Synode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ vorangeht. Damit wird der synodale Weg eröffnet, die Freude der Liebe Jesu Christi als Plan für die Jugend im dritten Jahrtausend zu entdecken. Das Dokument geht vielfach von den Jugendlichen selbst aus und beschreibt eine Kirche, die sie auf ihrem Entscheidungs- und Unterscheidungsweg zur Fülle des Lebens begleitet. Mit großer Freude wollen wir uns diesem Weg in der Berufungs- und Jugendpastoral in Deutschland anschließen. Der besondere Blick dieser Synode geht nicht nur auf die Jugend in der Welt von heute, sondern er kommt von den Jugendlichen her. Die Kirche soll durch diesen Blick „die Stimme des Herrn vernehmen, der auch heute noch spricht. Wie früher Samuel und Jeremia, so gibt es auch heute Jugendliche, die in der Lage sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die der Geist uns schenkt“.

Das Dokument beginnt im ersten Teil mit einer knappen Beschreibung der „Jugendlichen in der Welt von heute“. Die Schnelligkeit der Prozesse und des Wandels, die Globalisierung, die von der Technik beherrschte Kultur und die Multireligiosität werden als Herausforderungen der Gegenwart benannt. Junge Menschen sind vielfach kritisch gegenüber Institutionen, dennoch sehnen sie sich nach festen Bezugspersonen und sind bereit, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Prozess der Berufungsfindung junger Menschen. Die Quelle für eine Entscheidung stellt dabei der Dialog mit Gott dar. Dem eigenen Gewissen kommt eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterscheidung schlägt das Dokument den Dreischritt Erkennen, Interpretieren und Wählen vor. Die Kirche hat den Auftrag, auf diesem Weg die Jugendlichen mit Gott und zu Gott zu begleiten und an dieser Freude mitzuarbeiten. Erkennbar ist, dass Papst Franziskus diesen Weg der Kirche, wie schon in den Dokumenten Amoris laetitia und Evangelii gaudium, als einen Weg beschreibt, der froh macht und Freude schenken soll.

Der letzte große Abschnitt blickt auf die konkrete Pastoral vor Ort. Zunächst ist es dabei Aufgabe der Kirche, in mutiger Kreativität zu jungen Menschen hinauszugehen, sie zu sehen und sie zu rufen, sodass junge Menschen der Freude des Evangeliums begegnen können. Durch glaubwürdige Bezugspersonen und einladende Räume kann die Kirche Jugendlichen helfen, in der Entscheidungs- und Unterscheidungsfähigkeit im Licht des Evangeliums zu wachsen.

Den Abschluss des Dokumentes bildet ein Fragebogen zur Situation der Jugendpastoral in den einzelnen Ländern. Die große Überraschung aber erwartet einen direkt zu Beginn: Erstmals in der über 50-jährigen Geschichte der Bischofssynode wird sich der Vatikan mit einer Online-Umfrage direkt an junge Menschen wenden.

„Wir rufen – gerade die junge Generation – in unserem Land auf, sich daran zu beteiligen. Papst Franziskus wendet Euch sein Ohr zu. Nutzt diese Chance! Erhebt Eure prophetische Stimme und bringt Euch in die Kirche ein! Erfahrt die Freude, die Christus jedem Menschen im Evangelium schenkt!“

Wir hoffen sehr, dass wir auch für die westliche Kirche neue Wege finden und nicht einfach in plakativen Antworten und Forderungen stecken bleiben. Die Synode soll ein gemeinsamer Weg sein, die Freude der verschiedenen Berufungen und die Freude des Glaubens zu entdecken.

Hinweise: Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz wird sich mit dem Dokument und dem Fragebogen befassen. Auf der Internetseite des Vatikans sind das Synodendokument und der Fragebogen verfügbar. Jugendliche sind aufgerufen, sich bis Oktober 2017 im Internet direkt an der Umfrage zu beteiligen. Die Seite www.sinodogiovani2018.va soll laut dem Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am 1. März 2017 freigeschaltet werden. Den Brief des Papstes an die Jugendlichen anlässlich der Vorstellung des Vorbereitungsdokumentes der XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen.

Gemeinsame Stellungnahme des deutschen und des französischen Migrationsbischofs anlässlich des Welttags des Migranten und Flüchtlings 2017

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 11. January 2017 - 12:00
In seiner Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings 2017 lenkt Papst Franziskus unsere Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Kindern und Jugendlichen, „die dreifach schutzlos sind“: weil sie minderjährig, weil sie fremd und weil sie wehrlos sind. Mit aufrüttelnden Worten erinnert er uns an die Leidensgeschichten der vielen minderjährigen Migranten, „die in die Prostitution geführt oder für Pornographie verwendet werden; die zu Sklaven in der Kinder- und Jugendarbeit gemacht oder als Soldaten angeworben werden; die in Drogenhandel und andere Formen der Kriminalität verwickelt werden; die zur Flucht vor Konflikten und Verfolgungen gezwungen werden.“ Diesen schwerwiegenden Verletzungen der Kinder- und Menschenrechte setzt der Heilige Vater eine klare ethische Perspektive entgegen: Gerade weil uns in den „Kleinsten und Schwächsten“ Jesus Christus begegnet, müssen wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um ihre Würde in besonderer Weise zu schützen. Sein Appell richtet sich an alle, die in Staat, Kirche und Zivilgesellschaft Verantwortung tragen.

Im Jahr 2015 waren weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht – über die Hälfte von ihnen Minderjährige. Angesichts dieses traurigen Höchststands ist es mehr denn je das Gebot der Stunde, den Fluchtursachen entschieden entgegenzutreten.

In Europa stellt uns die außerordentlich hohe Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge vor immense Herausforderungen. Da viele Kinder und Jugendliche keinen Asylantrag stellen, liegt ihre tatsächliche Zahl weitaus höher, als es die offiziellen Daten vermuten lassen. Doch können wir beim Blick auf die Statistik das Ausmaß des Anstiegs zumindest erahnen: Während 2014 in der Europäischen Union 23.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag stellten, waren es 2015 fast 100.000; im vergangenen Jahr dürften es sogar noch mehr gewesen sein. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich unermessliches Leid: Familien wurden auseinandergerissen, Kinder und Jugendliche wurden Opfer von Gewalt und Ausbeutung, mussten schwere körperliche und seelische Verletzungen erleiden.

Als Christen kann uns dies nicht gleichgültig lassen! Vielmehr sind wir dazu aufgefordert, die Perspektive der Entrechteten einzunehmen, ihnen eine Stimme zu verleihen und mit tatkräftiger Nächstenliebe ihre Würde zu verteidigen. Jeder von uns muss sich fragen, wie er dazu beitragen kann, dass die Wunden minderjähriger Migranten heilen und sie in unseren Ländern eine neue Heimat finden.

Mit ihren Schulen, Wohlfahrtseinrichtungen, Jugendorganisationen, kirchlichen Verbänden und Ordensgemeinschaften verfügt die katholische Kirche in Deutschland und in Frankreich über zahlreiche Ressourcen, um minderjährige Migranten auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten. Angesichts der Größe der Herausforderung gilt es, bereits bestehende Angebote auszuweiten und weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt muss dabei stets der Grundsatz stehen, dass jedes Kind darin bestärkt wird, seine eigenen Fähigkeiten zu entfalten.

Gleichzeitig darf jedoch auch die Verantwortung der zuständigen staatlichen Stellen nicht aus dem Blick geraten. Als Vertragsstaaten der Genfer Flüchtlingskonvention, der UN-Kinderrechtskonvention und anderer internationaler Abkommen erkennen Deutschland und Frankreich minderjährigen Migranten spezifische Rechte zu. Daher erinnern wir die politischen Verantwortungsträger unserer Länder an ihre Pflicht, die rechtlichen und administrativen Voraussetzungen dafür zu garantieren, dass minderjährige Migranten bei uns ein menschenwürdiges Leben führen können. Das Recht auf Kindheit ist unter allen Umständen zu respektieren. Dies bedeutet, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft und Status – die Möglichkeit haben muss, in einer sicheren Umgebung zu leben, zu lernen, zu spielen und zu lachen. Damit sie die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen können, brauchen minderjährige Migranten darüber hinaus auch spezielle Therapie- und Bildungsangebote.

Aus Anlass des Welttages des Migranten und Flüchtlings wollen wir von Herzen allen danken, die sich in unseren Ländern für das Wohl minderjähriger Migranten einsetzen: Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern, Therapeuten, pastoralen Mitarbeitern, Beratern, Juristen, und insbesondere allen, die sich ehrenamtlich für eine Kultur der Aufnahme und Solidarität engagieren. Wir begrüßen die gute Zusammenarbeit, die sich in vielen Bereichen zwischen kirchlichen, zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren herausgebildet hat. Ihnen allen ist es zu verdanken, dass viele minderjährige Migranten sich in unseren Gesellschaften als Menschen angenommen fühlen und eine Perspektive für ihre Zukunft sehen.

Gemeinsam mit Papst Franziskus wollen wir alle Christen dazu ermutigen, sich im Gebet und in Taten für minderjährige Migranten einzusetzen – auch und gerade angesichts widriger Umstände: „Werdet nicht müde, mit eurem Leben mutig das gute Zeugnis für das Evangelium abzulegen, das euch ruft, Jesus, den Herrn, der in den Kleinsten und Verletzlichsten gegenwärtig ist, zu erkennen und aufzunehmen.“

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Vorsitzender der Migrationskommission und Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, und Bischof Georges Colomb (La Rochelle), zuständig für die Migrantenpastoral in der Französischen Bischofskonferenz
Hinweis:
Die Erklärung ist in deutscher und französischer Sprache auch untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Kardinal Marx zum Tod von Bundespräsident a. D. Roman Herzog

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 10. January 2017 - 13:07
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat den verstorbenen Bundespräsidenten Roman Herzog als herausragende politische Persönlichkeit und engagierten Christ gewürdigt. „In prägenden Reden hat er die grundlegenden Probleme der Gesellschaft benannt und ist dafür eingetreten, dass Deutschland auch international Verantwortung übernimmt. Roman Herzog war ein ermutigender Mensch, der Hoffnung und Zuversicht vermittelt hat.“

Kardinal Marx betonte, dass neben seinem klugen Handeln und der visionären Sicht auf unser Land besonders seine Rede im Jahr 1997 in Erinnerung geblieben sei, in der er von einem „Ruck“ sprach, der durch Deutschland gehen müsse. „Seine Erwartungen an die Gesellschaft von damals sind heute aktueller denn je, vor allem wenn er davon spricht, dass eine von Ängsten erfüllte Gesellschaft unfähig zu Reformen und damit zur Gestaltung der Zukunft werde.“

Der überzeugte Christ Roman Herzog habe viel für die Kirchen in unserem Land getan. „Ich denke dabei in besonderer Weise an seine langjährige Mitgliedschaft in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und seine Mitherausgeberschaft der Wochenzeitung ‚Rheinischer Merkur‘. 1996 hat er Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Deutschland begrüßt und begleitet. Gerade auch auf Katholikentagen war er häufig zu Gast. Roman Herzog war ein Mann, der für seine Überzeugungen eingestanden ist“, so Kardinal Marx.

Bischof Dr. Gebhard Fürst zur Debatte um „Fake News“ in der Öffentlichkeit

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 10. January 2017 - 11:27
Zur Debatte um ein Gesetz gegen Falschmeldungen (Fake News) und den Umgang mit Sozialen Netzwerken erklärt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart):

„Zu Recht ist in den letzten Wochen des Jahres 2016 auf die Gefahren durch Fake News in den Sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht worden. Dabei wurde auch auf eine mögliche externe Einflussnahme auf die Politik in Deutschland, insbesondere mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden September, hingewiesen.

Ich begrüße, dass die Koalition sich jetzt dieses Themas verstärkt annehmen will. Positiv sehe ich auch den in der vergangenen Woche vollzogenen Zusammenschluss internationaler Medien zum Netzwerk ‚First Draft Coalition‘, der ebenfalls ein bedeutender Schritt im Kampf gegen Falschmeldungen ist.

Es wird Zeit, dass die Sozialen Netzwerke sich nicht mehr hinter den Nutzern verstecken, sondern als Medienmaschinen auch den Regeln des Medienrechts unterworfen werden. Bei Fake News geht es aber noch um mehr. Es geht nicht bloß um partikuläre Fragen z. B. der persönlichen Meinungsfreiheit, der abstrakten Verantwortung von Sozialen Netzwerken oder eines fairen Journalismus. Mit den gewachsenen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters steht vielmehr wieder die grundsätzliche Bedeutung der Medien in einer demokratischen Gesellschaft ganz oben auf der Tagesordnung. Freie und verantwortlich agierende Medien sind eine unverzichtbare Grundlage jeder Demokratie. Die Diffamierung als ‚Lügenpresse‘ weist darauf hin, dass mit dem Schwund von Vertrauen in die Medien auch die Demokratie geschwächt wird. Die Medien werden sich deshalb die Frage stellen müssen, ob sie stets ihrer Verantwortung gerecht werden und das Vertrauen der Bürger verdienen.

Es ist in unserer Gesellschaft offensichtlich Einiges ins Rutschen geraten, wenn viele Menschen der Propaganda anderer Staaten und dubioser Internetquellen mehr vertrauen als den eigenen politischen Akteuren  und den freien Medien in Deutschland. Man wird allerdings die Herausforderungen nicht allein mit rechtlichen Mitteln bewältigen können. Es bedarf vielmehr einer breiten Bildungs- und Aufklärungsbewegung zum Thema Medienkompetenz. Dazu trägt auch die von uns vor einigen Jahren gegründete ‚Clearingstelle Medienkompetenz‘, die an der Katholischen Fachhochschule in Mainz angesiedelt ist, bei. Je intransparenter das digitale Netz ist, desto kompetenter müssen die Bürger im Umgang damit werden. Dies gilt sowohl mit Blick auf die Falschmeldungen, als auch angesichts der Desinformation im Internet von außen. Es wäre eine tragische Entwicklung, wenn die demokratischen Entscheidungen unserer freien Gesellschaft am Ende durch die Lügen undemokratischer Kräfte manipuliert würden.“

17. Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land

Am kommenden Samstag (14. Januar 2017) beginnt das 17. Internationale Bischofstreffen zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land. Vertreter von zwölf Bischofskonferenzen aus europäischen und nordamerikanischen Ländern sowie aus Südafrika werden bis zum 19. Januar 2017 in Bethlehem, Jerusalem, Tel Aviv und weiteren Orten zusammenkommen. Die Lage in den palästinensischen Gebieten, deren Besetzung durch die israelische Armee sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt, wird im Zentrum der Beratungen stehen. Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz nimmt an dem Treffen der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), teil.

Auf dem Programm stehen Gespräche mit dem Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa ofm, und weiteren Vertretern der katholischen Ortskirchen. Außerdem begegnen die Bischöfe israelischen und palästinensischen Politikern, internationalen Diplomaten sowie Repräsentanten lokaler und internationaler katholischer Hilfswerke, die in Israel und Palästina tätig sind.

Auftakt des Treffens am Wochenende sind Pastoralbesuche in verschiedenen Pfarrgemeinden in der Gegend von Bethlehem. Dabei steht das Gebet mit den einheimischen Christen im Mittelpunkt. Bei Begegnungen mit christlichen und muslimischen Studierenden und Lehrenden der katholischen Universität Bethlehem erhalten die Bischöfe Eindrücke vom gemeinsamen Studieren, aber auch von den Restriktionen eines Lebens zwischen den Checkpoints. Eine ökumenische Begegnung mit Vertretern der vor Ort arbeitenden Kirchen endet in einem Abendgebet, das anlässlich der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen stattfindet.

Bei Zusammenkünften mit Vertretern der Zivilgesellschaften in Israel und Palästina werden unter anderem in Hebron und Ost-Jerusalem aktuelle Probleme beleuchtet. Einerseits werden die zum Teil gravierenden Beschneidungen und Einschränkungen des täglichen Lebens für die am jeweiligen Ort lebenden Palästinenser verdeutlicht. Andererseits wird der Zusammenhang dieser Entwicklungen mit den israelischen Siedlungsaktivitäten sowie die Relevanz der dadurch geschaffenen Fakten („facts on the ground“) für die Zukunft eines sicheren und demokratischen israelischen Staates erläutert. Bei den Begegnungen und Besuchen soll geprüft werden, wie beide Seiten Hindernisse auf dem Weg zu einem gerechten Frieden ausräumen können.

Das Internationale Bischofstreffen verfolgt seit 17 Jahren das Ziel, Christen und Kirchen im Heiligen Land zu stärken und zu ermutigen. Durch die mit dem Treffen bezeugte internationale Solidarität sollen diese als gerechtigkeits- und friedensdienliche gesellschaftliche Größe stärker wahrnehmbar werden.

Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsansprache „Urbi et orbi“ seinen Friedenswunsch für alle Menschen im Heiligen Land bekräftigt: „Friede den Frauen und Männern des geschätzten Heiligen Landes, das von Gott erwählt und geliebt ist.“ Er wünschte Israelis und Palästinensern, dass sie „den Mut und die Entschlossenheit haben“ mögen, „eine neue Seite der Geschichte zu schreiben, in der Hass und Vergeltung den Platz räumen gegenüber dem Willen, gemeinsam eine Zukunft gegenseitigen Verständnisses und Einklanges zu schaffen“. Die Bezeugung und Stärkung dieses Willens durch die lokalen Kirchen sollen als spezifisch christlicher Beitrag zum Gemeinwohl in Israel und Palästina durch das Bischofstreffen unterstrichen und gefördert werden.

An der Konferenz werden neben Bischof Dr. Stephan Ackermann folgende Bischöfe teilnehmen: Bischof em. Pierre Bürcher (Rejkjavik, Island); Bischof Oscar Cantú (Las Cruces, USA); Bischof Michel Dubost (Évry, Frankreich); Erzbischof Riccardo Fontana (Arezzo–Cortona–Sansepolcro, Italien); Bischof Lionel Gendron (Saint-Jean–Longueuil, Kanada); Bischof Dr. Felix Gmür (Basel, Schweiz); Weihbischof William Kenney (Birmingham, England); Bischof Declan Lang (Clifton, England); Bischof William Nolan (Galloway, Schottland) und Erzbischof Joan Vives i Sicília (Urgell, Spanien) sowie Weihbischof Nicholas Hudson (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union ComECE). Darüber hinaus werden Repräsentanten der Bischofskonferenzen von Irland und von Südafrika sowie des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE vertreten sein.


Hinweis:
Während des Aufenthaltes steht Bischof Dr. Stephan Ackermann an einem Tag für Interviews und Presseanfragen zur Verfügung. Anfragen werden über die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (E-Mail: pressestelle(at)dbk.de) koordiniert.

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zum Thema Sucht als Herausforderung für die Pastoral

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 5. January 2017 - 10:20
Suchterkrankungen bringen spezifische Anforderungen für pastorales Handeln mit sich. Der Grund liegt darin, dass suchtkranke Menschen nicht ohne weiteres von dem territorialen Angebot der Pfarreien bzw. Pfarrgemeinschaften erreicht werden. Schon allein im Erkennen der Problematik liegt eine besondere Herausforderung. Aus diesem Grund erscheint jetzt eine neue Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit (Gal 5,1). Sucht – Eine Herausforderung für die Pastoral“.

Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, schreibt im Vorwort: „Das Ziel der vorliegenden Arbeitshilfe ist vor allem, den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen, eine Suchterkrankung wahrzunehmen und ihre Dynamiken zu verstehen. Außerdem sollen sie über die Angebote der professionellen Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe informiert werden und um die spezifische Funktion der Seelsorge im Umgang mit suchtkranken Menschen wissen. Seelsorge kann keine Suchttherapie ersetzen, aber sie vermag dennoch eine Hilfestellung zu bieten.“

Die Arbeitshilfe gibt außerdem Hinweise zum Umgang von kirchlichen Arbeit- und Dienstgebern mit Suchterkrankungen, da auch der kirchliche Dienst von solchen Phänomenen nicht verschont ist. Im Anhang finden sich relevante Adressen aus dem Bereich der Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe sowie Beispiele für Ordnungen zum Umgang mit suchtkranken Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen Dienst. Die Muster sollen denjenigen (Erz-)Bistümern und kirchlichen Einrichtungen als Anregung dienen, in denen entsprechende Regelungen bislang noch fehlen.
Hintergrund
Die Sucht-Selbsthilfe im katholischen Bereich wird im Wesentlichen durch den Kreuzbund, einen Fachverband der Caritas, repräsentiert. In rund 1.400 Gruppen treffen sich hier wöchentlich über 20.000 Menschen, um sich selbst oder anderen in Suchtfragen zu helfen. Der Kreuzbund ist Mitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen und gliedert sich in rund 1400 Gruppen, 27  Diözesanverbände und den Bundesverband.

1968 hat das Bundessozialgericht die Alkoholabhängigkeit erstmals in Deutschland als eine Krankheit im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt. Inzwischen sind weitere stoffliche und nichtstoffliche Abhängigkeiten dazugekommen. Die Ursachen und Phänomene der Suchterkrankungen sind komplex. Die Moderne ist gekennzeichnet durch einen signifikanten Zuwachs an Freiheit und Handlungsmöglichkeiten für den Einzelnen. Die Menschen können mehr und mehr aus gesellschaftlichen Zwängen, bindenden Regeln und sozialer Abhängigkeit herauswachsen und ihr Leben selbstverantwortet gestalten. Gleichzeitig werden Gesellschaften immer komplexer, immer unübersichtlicher, und die Anforderungen an den Einzelnen, vielfältige Entscheidungen treffen zu müssen, wachsen scheinbar unaufhörlich. Freiheit kann Menschen auch überfordern. Handlungsmöglichkeiten erzwingen Handlungsentscheidungen, die nicht immer wohl überlegt und lange durchdacht sein können. Die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft mit ihren Gestaltungsansprüchen bringt ebenso Überforderungen und Isolierungen mit sich. Solche Überforderungen und Zwänge können bisweilen auch in einer Suchterkrankung münden, wenngleich die Ursachen dafür stets vielfältig sind.

Hinweise:
Die Arbeitshilfe „Zur Freiheit hat uns Christus befreit (Gal 5,1). Sucht – Eine Herausforderung für die Pastoral“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Aufruf der deutschen Bischöfe zur Aktion Dreikönigssingen (Sternsingeraktion) 2017

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Verantwortliche in den Gemeinden und Gruppen, liebe Schwestern und Brüder!

Zu Beginn des neuen Jahres besuchen die Sternsinger wieder die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen. Sie bringen ihnen den Segen des Mensch gewordenen Gottes und sammeln für Kinderhilfsprojekte weltweit. So werden die Sternsinger selbst zum Segen für Kinder und Familien überall auf der Welt.

Papst Franziskus beschreibt die Welt als unser gemeinsames Haus, um das er sich sorgt. „Laudato si‘ – Gelobt seist du, mein Herr“ hat er seine Enzyklika in Anlehnung an den Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi überschrieben. Der Sonnengesang prägt auch die kommende Sternsingeraktion: Die Sternsinger richten ihren Blick auf die von Menschen verursachten Klimaveränderungen und die daraus erwachsenden Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen. Sie erinnern damit an unsere Verantwortung für die Schöpfung.

Beispielhaft lernen die Sternsinger Kinder kennen, die in der Trockenregion Turkana im ostafrikanischen Kenia leben. Sie erfahren, was es für das Leben der Menschen dort bedeutet, wenn der Regen ausbleibt, die Böden austrocknen und Menschen und Tiere nicht mehr genug Wasser haben. Deshalb lautet das Motto der nächsten Sternsingeraktion: „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“

Wir bitten Sie herzlich, die Sternsinger nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, den 22. September 2016            


Hinweise: Der Ertrag der Aktion Dreikönigssingen (Sternsingeraktion) geht an das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. Weitere Anmerkungen zur Aktion sind in der untenstehenden pdf-Datei verfügbar.

Neuer Katholischer Beauftragter für Deutsche Welle und Deutschlandradio Kultur

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 2. January 2017 - 11:58
Martin Korden ist seit dem 1. Januar 2017 neuer Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Deutsche Welle und zugleich stellvertretender Beauftragter für Deutschlandradio Kultur. Der 36-jährige Theologe und Journalist tritt die Nachfolge von Juliane Bittner (Berlin) an, die zum 31. Dezember 2016 in den Ruhestand gegangen ist.

Martin Korden studierte in Trier und Brixen Katholische Theologie. Sein journalistisches Volontariat absolvierte er bei der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt. Weitere journalistische Erfahrungen sammelte er beim Kölner domradio. In den vergangenen Jahren produzierte er hier insbesondere Erklär-Formate, beispielsweise zu liturgischen Themen. Als Reporter trat Martin Korden in Internet-Formaten bei kirchlichen Großereignissen wie Weltjugendtagen, Katholikentagen oder dem Eucharistischen Kongress in Köln vor die Kamera. Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz übernimmt er seit vielen Jahren regelmäßig die redaktionelle Begleitung der ZDF-Fernsehgottesdienste. Sein Dienstsitz ist im Katholischen Medienhaus in Bonn.

Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 2017

1. Am Anfang dieses neuen Jahres übermittle ich allen Völkern und Nationen der Welt, den Staats- und Regierungschefs sowie den Verantwortungsträgern der Religionsgemeinschaften und der verschiedenen Gruppierungen der Zivilgesellschaft meine tief empfundenen Glückwünsche für den Frieden. Jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind wünsche ich Frieden und bete, dass das Abbild und die Ähnlichkeit Gottes in jedem Menschen uns gestatten, einander als heilige Gaben zu erkennen, die mit einer unermesslichen Würde ausgestattet sind. Respektieren wir vor allem in Konfliktsituationen diese „tiefgründigste Würde“(1) und machen wir die aktive Gewaltfreiheit zu unserem Lebensstil.

Dies ist die Botschaft zum fünfzigsten Weltfriedenstag. In der ersten dieser Botschaften wendete sich der selige Papst Paul VI. an alle Völker – nicht nur an die Katholiken – mit unmissverständlichen Worten: „Es hat sich endlich ganz klar herausgestellt, dass der Friede der einzig wahre Weg menschlichen Fortschritts ist (nicht die Spannungen ehrgeiziger Nationalismen, nicht die gewaltsamen Eroberungen, nicht die Unterdrückungen, die eine falsche zivile Ordnung herbeiführen)“. Er warnte vor der „Gefahr zu glauben, dass die internationalen Streitigkeiten nicht auf dem Weg der Vernunft, das heißt der auf Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit gegründeten Verhandlungen zu lösen seien, sondern nur auf dem der Abschreckung und der tödlichen Gewalt“. Mit einem Zitat aus der Enzyklika Pacem in terris seines Vorgängers Papst Johannes XXIII. pries er dagegen „den Sinn und die Begeisterung für den auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe gegründeten Frieden“.(2) Die Aktualität dieser Worte, die heute nicht weniger wichtig und dringlich sind als vor fünfzig Jahren, ist beeindruckend.

Aus diesem Anlass möchte ich näher auf die Gewaltfreiheit als Stil einer Politik für den Frieden eingehen und bitte Gott, uns allen zu helfen, auf die Gewaltfreiheit in der Tiefe unserer Gefühle und persönlichen Werte zurückzugreifen. Möge unsere Art, in zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und internationalen Beziehungen miteinander umzugehen, von Liebe und Gewaltfreiheit geleitet sein. Wenn die Opfer von Gewalt der Versuchung der Rache zu widerstehen wissen, können sie die glaubhaftesten Leitfiguren in gewaltfreien Aufbauprozessen des Friedens sein. Möge die Gewaltfreiheit von der Ebene des lokalen Alltags bis zur Ebene der Weltordnung der kennzeichnende Stil unserer Entscheidungen, unserer Beziehungen, unseres Handelns und der Politik in allen ihren Formen sein.


Eine zerbröckelte Welt 2. Das vergangene Jahrhundert ist von zwei mörderischen Weltkriegen verwüstet worden und hat die Bedrohung eines Atomkriegs sowie eine große Anzahl weiterer Konflikte erlebt, während wir heute leider mit einem schrecklichen „stückweisen“ Weltkrieg zu tun haben. Es ist nicht leicht zu erkennen, ob die Welt heute mehr oder weniger gewaltsam ist als gestern und ob die modernen Kommunikationsmittel und die unsere Zeit kennzeichnende Mobilität uns die Gewalt bewusster machen oder ob sie uns mehr an sie gewöhnen.

In jedem Fall verursacht diese Gewalt, die „stückweise“ auf unterschiedliche Arten und verschiedenen Ebenen ausgeübt wird, unermessliche Leiden, um die wir sehr wohl wissen: Kriege in verschiedenen Ländern und Kontinenten; Terrorismus, Kriminalität und unvorhersehbare bewaffnete Übergriffe; Formen von Missbrauch, denen die Migranten und die Opfer des Menschenhandels ausgesetzt sind; Zerstörung der Umwelt. Und wozu das alles? Erlaubt die Gewalt, Ziele von dauerhaftem Wert zu erreichen? Löst nicht alles, was sie erlangt, letztlich nur Vergeltungsmaßnahmen und Spiralen tödlicher Konflikte aus, die allein für einige wenige „Herren des Krieges“ von Vorteil sind?

Die Gewalt ist nicht die heilende Behandlung für unsere zerbröckelte Welt. Auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren führt bestenfalls zu Zwangsmigrationen und ungeheuren Leiden, denn große Mengen an Ressourcen werden für militärische Zwecke bestimmt und den täglichen Bedürfnissen der Jugendlichen, der Familien in Not, der alten Menschen, der Kranken, der großen Mehrheit der Erdenbewohner entzogen. Schlimmstenfalls kann sie zum physischen und psychischen Tod vieler, wenn nicht sogar aller führen.


Die Frohe Botschaft 3. Auch Jesus lebte in Zeiten der Gewalt. Er lehrte, dass das eigentliche Schlachtfeld, auf dem Gewalt und Frieden einander begegnen, das menschliche Herz ist: „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken“ (Mk 7,21). Doch die Botschaft Christi bietet angesichts dieser Realität die von Grund auf positive Antwort: Er verkündete unermüdlich die bedingungslose Liebe Gottes, der aufnimmt und verzeiht, und lehrte seine Jünger, die Feinde zu lieben (vgl. Mt 5,44) und „die andere Wange“ hinzuhalten (vgl. Mt 5,39). Als er die Ankläger der Ehebrecherin daran hinderte, sie zu steinigen (vgl. Joh 8,1–11), und als er in der Nacht vor seinem Tod Petrus gebot, sein Schwert wieder in die Scheide zu stecken (vgl. Mt 26,52), zeichnete Jesus den Weg der Gewaltfreiheit vor, den er bis zum Schluss gegangen ist – bis zum Kreuz, durch das er den Frieden verwirklicht und die Feindschaft getötet hat (vgl. Eph 2,14–16). Wer die Frohe Botschaft Jesu annimmt, weiß daher die Gewalt, die er in sich trägt, zu erkennen und lässt sich von der Barmherzigkeit Gottes heilen. So wird er selbst ein Werkzeug der Versöhnung, entsprechend dem Aufruf des heiligen Franz von Assisi: „Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt!“.(3)

Wahre Jünger Jesu zu sein, bedeutet heute, auch seinem Vorschlag der Gewaltfreiheit nachzukommen. Er ist, wie mein Vorgänger Benedikt XVI. sagte, „realistisch, denn er trägt der Tatsache Rechnung, dass es in der Welt zu viel Gewalt, zu viel Ungerechtigkeit gibt; eine solche Situation kann man nur dann überwinden, wenn ihr ein Mehr an Liebe, ein Mehr an Güte entgegengesetzt wird. Dieses Mehr kommt von Gott“.(4) Und mit großem Nachdruck fügte er hinzu, dass „Gewaltlosigkeit für die Christen nicht ein rein taktisches Verhalten darstellt, sondern eine Wesensart der Person und die Haltung dessen, der so sehr von der Liebe Gottes und deren Macht überzeugt ist, dass er keine Angst davor hat, dem Bösen nur mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit entgegenzutreten. Die Feindesliebe bildet den Kern der ,christlichen Revolution‘.“(5) Zu Recht wird das Evangelium von der Feindesliebe (vgl. Lk 6,27) „als die Magna Charta der christlichen Gewaltlosigkeit betrachtet; sie besteht nicht darin, sich dem Bösen zu ergeben […] sondern darin, auf das Böse mit dem Guten zu antworten (vgl. Röm 12,17–21), um so die Kette der Ungerechtigkeit zu sprengen“(6).


Mächtiger als die Gewalt 4. Die Gewaltfreiheit wird manchmal im Sinn von Kapitulation, Disengagement und Passivität verstanden, aber in Wirklichkeit ist es nicht so. Als Mutter Teresa 1979 den Friedensnobelpreis empfing, erklärte sie ihre Botschaft einer aktiven Gewaltfreiheit ganz deutlich: „In unserer Familie haben wir keine Bomben und Waffen nötig und brauchen nicht zu zerstören, um Frieden zu bringen, sondern wir müssen nur zusammen sein und einander lieben […] Und so werden wir alles Böse, das es in der Welt gibt, überwinden können.“(7) Denn die Macht der Waffen ist trügerisch. „Während die Waffenhändler ihre Arbeit tun, gibt es die armen Friedenstifter, die ihr Leben hingeben, nur um einem Menschen und noch einem, noch einem, noch einem zu helfen.“ Für diese Friedenstifter ist Mutter Teresa „ein Symbol, ein Bild aus unserer Zeit“(8).  Im vergangenen September hatte ich die große Freude, sie heiligzusprechen. Ich habe ihre Verfügbarkeit gelobt, denn „durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens – des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten –“ war sie für alle da. „Sie beugte sich über die Erschöpften, die man am Straßenrand sterben ließ, weil sie die Würde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen – angesichts der Verbrechen! – der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten.“(9)  Ihre Reaktion – und damit steht sie für Tausende, ja Millionen von Menschen – war der Einsatz gewesen, großherzig und hingebungsvoll auf die Opfer zuzugehen, jeden verletzten Leib zu berühren und zu verbinden und jedes zerbrochene Leben zu heilen.

Die entschieden und konsequent praktizierte Gewaltfreiheit hat eindrucksvolle Ergebnisse hervorgebracht. Unvergesslich bleiben die von Mahatma Gandhi und Khan Abdul Ghaffar Khan erreichten Erfolge bei der Befreiung Indiens sowie die Erfolge Martin Luther Kings jr. gegen die Rassendiskriminierung. Besonders die Frauen sind oft Vorreiterinnen der Gewaltfreiheit, wie zum Beispiel Leymah Gbowee und Tausende liberianische Frauen, die Gebetstreffen und gewaltlosen Protest (pray-ins) organisiert und so Verhandlungen auf hoher Ebene erreicht haben im Hinblick auf die Beendigung des zweiten Bürgerkriegs in Liberia.

Wir dürfen auch das epochale Jahrzehnt nicht vergessen, das mit dem Sturz der kommunistischen Regime in Europa endete. Die christlichen Gemeinschaften leisteten dazu ihren Beitrag durch inständiges Beten und mutiges Handeln. Einen speziellen Einfluss übten der Dienst und das Lehramt des heiligen Johannes Paul II. aus. In seinen Gedanken über die Ereignisse von 1989 in der Enzyklika Centesimus annus (1991) hat mein Vorgänger hervorgehoben, dass ein epochaler Umbruch im Leben der Völker, der Nationen und der Staaten „durch einen gewaltlosen Kampf erreicht wurde, der nur von den Waffen der Wahrheit und der Gerechtigkeit Gebrauch machte“.(10) Dieser Weg eines politischen Übergangs zum Frieden wurde auch ermöglicht dank „dem gewaltlosen Engagement von Menschen […], die sich stets geweigert hatten, der Macht der Gewalt zu weichen, und Schritt für Schritt wirksame Mittel zu finden wussten, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen“. Und so kommt Johannes Paul II. zu dem Schluss: „Mögen die Menschen lernen, gewaltlos für die Gerechtigkeit zu kämpfen, in den internen Auseinandersetzungen auf den Klassenkampf zu verzichten und in internationalen Konflikten auf den Krieg.“(11)

Die Kirche hat sich für die Verwirklichung gewaltfreier Strategien zur Förderung des Friedens in vielen Ländern eingesetzt und sogar die gewaltsamsten Akteure zu Anstrengungen für den Aufbau eines gerechten und dauerhaften Friedens gedrängt.

Dieses Engagement für die Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt ist nicht etwa ein ausschließliches Gut der katholischen Kirche, sondern es gehört zu vielen religiösen Traditionen, für die „Mitleid und Gewaltlosigkeit wesentlich sind und den Weg des Lebens weisen“.(12)  Das betone ich mit Nachdruck: „Keine Religion ist terroristisch.“(13)  Die Gewalt ist eine Schändung des Namens Gottes.(14)

Werden wir nie müde zu wiederholen, „dass der Name Gottes die Gewalt nie rechtfertigen kann. Allein der Friede ist heilig. Nur der Friede ist heilig, nicht der Krieg!“(15)


Die häusliche Atmosphäre als Wurzel für eine gewaltfreie Politik
5. Wenn die Wurzel, aus der die Gewalt entspringt, das Herz der Menschen ist, dann ist es ganz wesentlich, den Weg der Gewaltfreiheit an erster Stelle innerhalb der Familie zu gehen. Es ist eine Komponente jener Freude der Liebe, die ich im vergangenen März zum Abschluss einer zweijährigen Reflexion der Kirche über Ehe und Familie in dem Apostolischen Schreiben Amoris laetitia dargelegt habe. Die Familie ist der unerlässliche Schmelztiegel, durch den Eheleute, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern lernen, sich zu verständigen und uneigennützig füreinander zu sorgen; hier müssen Spannungen oder sogar Konflikte kraftvoll, aber durch Dialog, Achtung, Suche nach dem Wohl des anderen, Barmherzigkeit und Vergebung überwunden werden.(16) Aus dem Innern der Familie springt die Freude der Liebe auf die Welt über und strahlt in die ganze Gesellschaft aus.(17) Im Übrigen kann sich eine Ethik der Brüderlichkeit und der friedlichen Koexistenz zwischen Menschen und Völkern nicht auf die Logik der Angst, der Gewalt und der Verschlossenheit gründen, sondern muss auf Verantwortung, Achtung und aufrichtigem Dialog beruhen. In diesem Sinn appelliere ich für die Abrüstung sowie für das Verbot und die Abschaffung der Atomwaffen: Die atomare Abschreckung und die Drohung der gesicherten gegenseitigen Zerstörung können kein Fundament für diese Art der Ethik sein.(18) Mit gleicher Dringlichkeit bitte ich, dass die häusliche Gewalt und der Missbrauch von Frauen und Kindern aufhören.

Das Jubiläum der Barmherzigkeit, das im vergangenen November abgeschlossen wurde, war eine Einladung, in die Tiefen unseres Herzens zu schauen und dort das Erbarmen Gottes eindringen zu lassen. Das Jubiläumsjahr hat uns zu Bewusstsein geführt, wie zahlreich und verschieden die Menschen und die gesellschaftlichen Gruppen sind, die mit Gleichgültigkeit behandelt werden, Opfer von Ungerechtigkeit sind und Gewalt erleiden. Sie gehören zu unserer „Familie“, sind unsere Brüder und Schwestern. Darum müssen die Formen einer Politik der Gewaltfreiheit innerhalb der häuslichen Wände ihren Anfang nehmen, um sich dann auf die ganze Menschheitsfamilie auszubreiten. „Das Beispiel der heiligen Therese von Lisieux lädt uns ein, den ,kleinen Weg‘ der Liebe zu beschreiten, keine Gelegenheit für ein freundliches Wort, für ein Lächeln, für irgendeine kleine Geste zu verpassen, die Frieden und Freundschaft verbreitet. Eine ganzheitliche Ökologie ist auch aus einfachen alltäglichen Gesten gemacht, die die Logik der Gewalt, der Ausnutzung, des Egoismus durchbrechen.“(19)
Meine Einladung 6. Der Aufbau des Friedens durch die aktive Gewaltfreiheit ist ein notwendiges Element und entspricht den ständigen Bemühungen der Kirche, die Anwendung von Gewalt zu begrenzen durch moralische Normen, durch ihre Teilnahme an den Arbeiten der internationalen Einrichtungen und durch den kompetenten Beitrag vieler Christen zur Ausarbeitung der Gesetzgebung auf allen Ebenen. Jesus selbst bietet uns ein „Handbuch“ dieser Strategie zum Aufbau des Friedens in der sogenannten Bergpredigt an. Die acht Seligpreisungen (vgl. Mt 5,3–10) skizzieren das Profil des Menschen, den wir als glücklich, gut und authentisch bezeichnen können. Selig, die keine Gewalt anwenden – sagt Jesus –, selig die Barmherzigen, die Friedenstifter, selig, die ein reines Herz haben, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.

Das ist auch ein Programm und eine Herausforderung für die politischen und religiösen Leader, für die Verantwortungsträger der internationalen Einrichtungen und für die Leiter der Unternehmen und der Medien der ganzen Welt: die Seligpreisungen in der Art der Ausübung ihrer Verantwortung anzuwenden. Eine Herausforderung, die Gesellschaft, die Gemeinschaft oder das Unternehmen, für das sie verantwortlich sind, im Stil der Friedenstifter aufzubauen; Barmherzigkeit zu beweisen, indem sie es ablehnen, Menschen auszusondern, die Umwelt zu schädigen oder um jeden Preis gewinnen zu wollen. Das erfordert die Bereitschaft, „den Konflikt zu ertragen, ihn zu lösen und ihn zum Ausgangspunkt für einen neuen Prozess zu machen“.(20) In dieser Weise zu wirken, bedeutet, die Solidarität als den Stil zu wählen, Geschichte zu machen und soziale Freundschaft aufzubauen. Die aktive Gewaltfreiheit ist ein Weg, um zu zeigen, dass wirklich die Einheit mächtiger und fruchtbarer ist als der Konflikt. Alles in der Welt ist eng miteinander verbunden.(21) Gewiss, es kann geschehen, dass die Verschiedenheiten Reibereien erzeugen: Gehen wir sie konstruktiv und gewaltlos an, so dass „die Spannungen und die Gegensätze zu einer vielgestaltigen Einheit führen können, die neues Leben hervorbringt“ und „die wertvollen Möglichkeiten der kollidierenden gegensätzlichen Standpunkte beibehält“.(22)

Ich versichere, dass die katholische Kirche jeden Versuch, den Frieden auch durch die aktive und kreative Gewaltfreiheit aufzubauen, begleiten wird. Am 1. Januar 2017 tritt das neue „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ in Funktion. Es wird der Kirche bei der Förderung „der unermesslichen Güter der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung“ immer wirkungsvoller helfen und sie in ihrer Fürsorge für die Migranten, „die Bedürftigen, die Kranken und die Ausgeschlossenen, die Ausgegrenzten und die Opfer bewaffneter Konflikte und von Naturkatastrophen, die Gefangenen, die Arbeitslosen und die Opfer jeder Form von Sklaverei und Folter“(23)  immer durchgreifender unterstützen. Jede Handlung in diese Richtung, so bescheiden sie auch sei, trägt zum Aufbau einer gewaltfreien Welt bei, und das ist der erste Schritt zur Gerechtigkeit und zum Frieden.


Zum Schluss 7. Wie es der Tradition entspricht, unterzeichne ich diese Botschaft am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria. Sie ist die Königin des Friedens. Bei der Geburt ihres Sohnes verherrlichten die Engel Gott und wünschten den Menschen guten Willens Frieden auf Erden (vgl. Lk 2,14). Bitten wir Maria, uns leitend voranzugehen.

„Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen.“(24) Bemühen wir uns im Jahr 2017 mit Gebet und Tat darum, Menschen zu werden, die aus ihrem Herzen, aus ihren Worten und aus ihren Gesten die Gewalt verbannt haben, und gewaltfreie Gemeinschaften aufzubauen, die sich um das gemeinsame Haus kümmern. „Nichts ist unmöglich, wenn wir uns im Gebet an Gott wenden. Alle können Handwerker des Friedens sein.“(25)

Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2016

FRANZISKUS

Fußnoten: (1)  Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 228. (2)  Botschaft zum ersten Weltfriedenstag, 1. Januar 1968. (3)  „Leggenda dei tre compagni“: Fonti Francescane, Nr. 1469 (dt. Ausg.: „Dreigefährtenlegende“, Franziskus-Quellen,         Kevelaer 2009, S. 644). (4)  Angelus, 18. Februar 2007. (5)  Ebd. (6)  Ebd. (7)  MUTTER TERESA, Ansprache zur Verleihung des Friedensnobelpreises, 11. Dezember 1979. (8)  Meditation „Der Weg des Friedens“, Kapelle der Domus Sanctae Marthae, 4. September 2016. (9)  Homilie zur Heiligsprechung der seligen Mutter Teresa von Kalkutta, 4. September 2016. (10) Nr. 23. (11) Ebd. (12) Ansprache bei der interreligiösen Begegnung (3. November 2016). (13) Ansprache bei der 3. Internationalen Begegnung der Volksbewegungen (5. November 2016). (14) Vgl. Ansprache bei der interreligiösen Begegnung mit dem Ratspräsidenten der kaukasischen Muslime und Repräsentanten der anderen Religionsgemeinschaften, Baku (2. Oktober 2016). (15) Ansprache beim Weltgebetstag für den Frieden, Assisi (20. September 2016). (16) Vgl. Apostolisches Schreiben Amoris laetitia, 90–130. (17) Vgl. ebd., 133.194.234. (18) Vgl. Botschaft anlässlich der Wiener Konferenz zu den humanitären Auswirkungen von Kernwaffen (7. Dezember 2014). (19) Enzyklika Laudato si’, 230. (20) Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 227. (21) Vgl. Enzyklika Laudato si’, 16.117.138. (22) Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 228. (23) Apostolisches Schreiben in Form eines „Motu proprio“, mit dem das Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen eingerichtet wird (17. August 2016). (24) Regina Coeli, Betlehem (25. Mai 2014). (25) Appell, Assisi (20. September 2016).
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Kardinal Marx: Im Wahljahr 2017 „am Guten orientieren“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 31. December 2016 - 9:39
Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ruft in seiner traditionellen Jahresschlusspredigt die Menschen dazu auf, sich insbesondere im Wahljahr 2017 für „ein gutes Miteinander in unserem Gemeinwesen einzusetzen“. Dafür einzutreten, „dass die Orientierung am richtigen, am guten Leben im Blick bleibt“, sei „eine Aufgabe gerade der Christen in einer pluralen Gesellschaft, die immer mehr um Einzelinteressen kreist und zu einem Zusammenhalt nicht mehr fähig ist“, sagt der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Redemanuskript am Silvestertag, Samstag, 31. Dezember 2016, im Münchner Liebfrauendom. „Wenn wir auf eine Lebensführung, die sich am Guten orientiert, verzichten, ist unsere Kultur wertlos geworden“, so Kardinal Marx. „Wenn das einzige Ziel der Einzelnen und Gruppen die Absicherung des eigenen Lebens und Wohlstandes ist, wie kann das noch zu einer gemeinsamen Kultur werden, zu einer Zivilisation, die anziehend und zukunftsfähig ist?“

„Gerade beim Jahreswechsel sollte uns klar sein, dass unsere Gesellschaft, unser Gemeinwesen Tugenden braucht, Menschen, die sich in Freiheit für das Gute entscheiden“, betont Kardinal Marx. Wer meine, „Politik könne auch das noch den Menschen abnehmen, irrt sich sehr“. Zwar seien gut funktionierende Institutionen der Maßstab für ein gutes Gemeinwesen, „und auch dafür müssen wir im Wahljahr 2017 eintreten. Aber letztlich können die Strukturen und Institutionen keinen Ersatz bieten für die Notwendigkeit, dass viele sich auf den Weg machen zu einem guten und gelingenden Leben.“ Christen könnten so im neuen Jahr zeigen, „dass wir ‚Salz der Erde‘ und ‚Licht der Welt‘ für unser Land sein wollen“, so der Erzbischof. „Mutlose und müde Christen sind das Letzte, was diese Gesellschaft und unser Land im neuen Jahr brauchen kann.“ Auch wenn „um uns herum in vielfacher Weise scheinbar ein ‚falsches Leben‘ stattfindet, dürfen wir uns die Wege zum richtigen, zum guten, zum glücklichen Leben nicht versperren lassen“.

Als Richtschnur nennt Kardinal Marx die christlichen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß. „Klugheit ist jedem Menschen möglich. Es ist der gesunde Menschenverstand, der uns fähig macht, wahr und falsch auseinanderzuhalten, uns von Manipulation und Vorurteilen zu befreien, eben selber zu denken und unser Gewissen zu befragen.“ Der Beginn eines jeden glücklichen und guten Lebens sei deshalb „das immer neue Bemühen, Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, Gut und Böse zu erkennen und danach zu handeln“.

Gerechtigkeit bleibe „ein Ziel: Es ist klar, vollkommene Gerechtigkeit gibt es auf dieser Welt nicht“, so der Erzbischof weiter. „Aber ich weiß auch: Mein Leben kann nur gut sein und gelingen, wenn ich ein gerechter Mensch bin. Ungerechtigkeit zerstört das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft.“ Jesu Formulierung aus der Bergpredigt, „Was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut auch ihnen“, sei „im Grunde die goldene Regel der Gerechtigkeit. Ohne eine solche Haltung, ohne ein solches Bemühen wird unser Leben auch im neuen Jahr nicht gut und glücklich werden.“

Quelle: Pressestelle Erzbistum München und Freising

Erzbischof Dr. Heiner Koch zum Fest der Heiligen Familie 2016

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 29. December 2016 - 11:24
Aus Anlass des Festes der Heiligen Familie, das die katholische Kirche in diesem Jahr am Freitag, den 30. Dezember 2016, begeht, erinnert der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), an die besonders lebensnahen und konkreten Hinweise des Nachsynodalen Schreibens Amoris laetita von Papst Franziskus:

„Das Fest der Heiligen Familie, das in diesem Jahr ausnahmsweise nicht an einem Sonntag, sondern an einem Freitag gefeiert wird, rückt im Gesamt der weihnachtlichen Festzeit den Aspekt der Familie besonders in den Fokus der Aufmerksamkeit. Es ist in diesem Jahr zugleich ein Anlass, auf das Nachsynodale Schreiben Amoris laetitia – Über die Liebe in der Familie hinzuweisen, das Papst Franziskus im zu Ende gehenden Jahr veröffentlicht hat.

Dabei sind besonders die lebensnahen und konkreten Hinweise lesenswert, die der Heilige Vater den Familien mit auf ihren Weg gibt. Amoris laetitia macht eine Fülle von Angeboten für die persönliche Orientierung und Reflexion all derer, die sich darum bemühen, ihrer Verantwortung in Ehe und Familie gerecht zu werden. Schlägt man den Text auf, stößt man nahezu unweigerlich auf solche Impulse wie zum Beispiel:

  • Wenn wir beleidigt werden oder enttäuscht wurden, ist die Vergebung möglich und wünschenswert, doch niemand behauptet, das sei leicht. (AL Nr. 57)
  • In der Familie ist es nötig, drei Worte zu gebrauchen. Ich will es wiederholen. Drei Worte: ‚darf ich?‘, ‚danke‘ und ‚entschuldige‘. (AL Nr. 133)
  • Die Familie muss immer der Ort sein, von dem jemand, der etwas Gutes im Leben erreicht hat, weiß, dass man es dort mit ihm feiern wird. (AL Nr. 110)
Natürlich, nicht jeder Hinweis passt für jede und jeden in der jeweiligen Lebenssituation. Aber wer auch immer das Fest der Heiligen Familie zum Anlass nimmt, einmal in Amoris laetitia nachzulesen, wird etwas für sich und die eigene Familie mitnehmen können. Es lohnt, auch im neuen Jahr Amoris laetita zu lesen und zu verwirklichen. In der Bischofskonferenz werden wir auch in den kommenden Wochen daran arbeiten.“

Hinweise:
Das Fest der Heiligen Familie wird im kommenden Jahr am 31. Dezember 2017 begangen. Das Nachsynodale Schreiben des Papstes Amoris laetitia kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ als Broschüre bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden. Informationen zur XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ sind im Dossier „Bischofssynode Familie“ verfügbar.

Die Weihnachtsgeschichte aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 23. December 2016 - 12:00
In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus.


Schrifttext: Lk 2,1-14(21)

Presseerklärung der Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat zu dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 21. December 2016 - 12:46
Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche erfüllt uns mit großer Bestürzung, Entsetzen und Trauer. Mit tief empfundenem Mitgefühl sind wir bei den Opfern und ihren Angehörigen. Unsere Dankbarkeit und unser Respekt gehören den Sanitäterinnen und Sanitätern, den Einsatzkräften und Ermittlungsbehörden, die umsichtig und besonnen auf die entsetzlichen Geschehnisse reagiert haben. Die Allianz für Weltoffenheit ruft die Menschen in Deutschland dazu auf, angesichts der Schreckensmeldungen vom Montagabend Augenmaß zu wahren. Mehr denn je brauchen wir jetzt eine sachliche Debatte, getragen von den gemeinsamen Werten, die unser friedliches Zusammenleben erst ermöglichen. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde, Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit bilden den demokratischen Kitt, der unsere pluralistische Gesellschaft trotz aller Unterschiede zusammenhält. Politik, Medien und Öffentlichkeit sollten nun mit Besonnenheit reagieren und die Sicherheitsbehörden bei ihrer Aufklärungsarbeit unterstützen. An erster Stelle muss der Schutz der Menschen vor Gewalttaten stehen.

Unter dem Eindruck des mörderischen Terrorakts an der Berliner Gedächtniskirche sieht sich unsere Allianz mehr denn je gefordert, aktiv für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und den sozialen und kulturellen Zusammenhalt in unserem Land einzutreten. Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst, Intoleranz und Ausgrenzung die Oberhand gewinnen. Es gilt, das Vertrauen in die Stabilität und Handlungsfähigkeit unserer demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen zu stärken.

Um diesem gemeinsamen Anliegen eine starke Stimme zu verleihen, haben sich unter dem Dach der Allianz folgende Partner versammelt: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Deutsche Bischofskonferenz, Deutscher Gewerkschaftsbund, Deutscher Kulturrat, Deutscher Naturschutzring, Deutscher Olympischer Sportbund, Evangelische Kirche in Deutschland, Koordinierungsrat der Muslime, Zentralrat der Juden in Deutschland. Mitgetragen wird die gemeinsame Presseerklärung der Allianzpartner von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Diakonie Deutschland und dem Paritätischen Gesamtverband.

„Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ am 26. Dezember 2016

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 20. December 2016 - 11:12
Am 26. Dezember begehen die Katholiken in Deutschland den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. In den Gottesdiensten am zweiten Weihnachtstag soll besonders der Glaubensgeschwister gedacht werden, die vielerorts in der Welt Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Als Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz den zweiten Weihnachtstag ausgewählt, da die Kirche an diesem Tag das Fest des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers des Christentums, feiert.

In den Gottesdiensten dieses Tages soll der Verbundenheit mit den notleidenden Mitchristen vor allem in den Fürbitten Ausdruck verliehen werden. Auch sind die Gläubigen zum persönlichen Gebet für dieses Anliegen aufgerufen. 2016 stehen besonders die Christen in Saudi-Arabien im Fokus, die ihren Glauben nur heimlich leben können.

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz stellt für diese Aktion ein Plakat (DIN A3) zur Verfügung, das vor allem zum Aushang in den Schaukästen der Pfarrgemeinden bestimmt ist. Außerdem ist ein von den deutschen Bischöfen empfohlener Gebetszettel erhältlich, der in das Gesang- und Gebetbuch eingelegt werden kann.

Der Gebetstag am 26. Dezember ist Teil der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, mit der die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen wollen. Zu der Initiative gehören eine Arbeitshilfe, die jeweils eine Schwerpunktregion in den Blick nimmt, Solidaritätsreisen, Gespräche mit politisch Verantwortlichen, Besuche von Bischöfen aus bedrängten Ortskirchen, ein Fürbittformular sowie die Bereitstellung von vierteljährlich wechselnden Gebetsmeinungen.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Schick (Bamberg), hat am 1. Dezember 2016 zusammen mit Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar des Vikariats Südliches Arabien, aus Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ein Informationsheft zur Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel vorgestellt.

Hinweise:
Die Fürbitten finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen. Das Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen können in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden. Weitere Informationen sind auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ verfügbar. Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Arabische Halbinsel“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Kardinal Marx zur Gewalttat in Berlin

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 20. December 2016 - 7:41
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal Reinhard Marx, erklärt zur gestrigen Gewalttat auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin (19. Dezember 2016):

„Die Nachrichten aus Berlin haben mich tief erschüttert. Die Gewalt auf dem Weihnachtsmarkt ist das Gegenteil dessen, was die Besucher wollten. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und den Verletzten. Für alle werde ich beten. In dieser schweren Stunde für die Stadt Berlin und unser Land gilt es, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und zusammenhalten.“

Hinweis:
Der Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, lädt heute um 12.00 Uhr in St. Hedwig zu einem Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen ein.

Ökumenische Bibeltagung in Stuttgart am 9. Februar 2017

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 19. December 2016 - 12:00
Aus Anlass der Veröffentlichung der neuen Bibelübersetzungen laden die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bibelwerk e. V. und der Deutschen Bibelgesellschaft zu einer Ökumenischen Bibeltagung ein. Unter dem Leitsatz „Das Wort – ganz nahe bei dir“ (Dtn 30,14) findet die Tagung am Donnerstag, dem 9. Februar 2017 in Stuttgart statt.

Ziel der Tagung ist es, über die für die evangelische Kirche grundlegende Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers und die in allen deutschsprachigen katholischen Bistümern verwendete Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift in ihren nun vorliegenden neuen Ausgaben miteinander ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig sollen die Bibelübersetzungen gewürdigt und deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung hervorgehoben werden.

Auftakt ist ein ökumenischer Gottesdienst um 11.00 Uhr in der Domkirche St. Eberhard unter Leitung des Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Am Nachmittag werden im Rahmen eines Symposiums zunächst Bischof em. Dr. Joachim Wanke (Erfurt) und Landesbischof i. R. Dr. Christoph Kähler (Leipzig) die beiden Bibelübersetzungen vorstellen. Im Gespräch wird die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff die Bedeutung der Heiligen Schrift für das kulturelle und religiöse Selbstverständnis der Gesellschaft beleuchten. Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx berichten, was sie an der Bibel schätzen. In verschiedenen Workshops geht es anschließend um ökumenische Fragestellungen der Übersetzungen, Revisionsprinzipien, bibelpastorale Methoden und theologische Aspekte.

Die Tagung ist ein weiteres Element des gemeinsamen Christusfestes, das Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx aus Anlass des 500-jährigen Reformationsgedenkens für das Jahr 2017 verabredet haben.

Hinweise: Das Programm der Tagung ist untenstehend als pdf-Download sowie auf den Internetseiten ekd.de, bibelwerk.de und die-bibel.de abrufbar. Vertreterinnen und Vertreter der Medien werden gebeten, sich formlos mit einer E-Mail bei den Pressestellen der Deutschen Bischofskonferenz oder der EKD (pressestelle(at)dbk.de; presse(at)ekd.de) anzumelden.

Erhebung über melkitische Gläubige in Deutschland

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 19. December 2016 - 11:57
Die deutschen Bischöfe tragen die Verantwortung für die pastorale Versorgung und Begleitung der Angehörigen unierter Riten, die in wachsender Zahl nach Deutschland kommen. Daher haben der griechisch-katholische (melkitische) Patriarch Gregorius III. Laham und die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam den Basilianerpater Georges Aboud, einen melkitischen Priester mit sicheren Deutschkenntnissen, mit einer Erhebung der in Deutschland lebenden griechisch-katholischen Gläubigen, vor allem der Melkiten, beauftragt. Pater Georges hält sich für ein halbes Jahr in Deutschland auf und steht in Kontakt mit den Diözesanverantwortlichen für die Flüchtlingsarbeit und für die Ausländerseelsorge sowie den Leitungen und Betreibern von Flüchtlingsunterkünften in kirchlicher Trägerschaft. Er war bis September 2016 Pfarrer einer Gemeinde in Damaskus.

Ziel des Auftrags ist es, eine hinreichende Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten, um eine mögliche Errichtung von Seelsorgestellen für melkitische Gläubige in Zusammenarbeit jeweils mehrerer deutscher (Erz-)Bistümer vornehmen zu können. Vergleichbare Strukturen sind etwa die bestehenden drei muttersprachlichen Gemeinden für chaldäische Christen aus dem Irak, die drei Missionen für eritreisch-äthiopische Katholiken in Deutschland oder die maronitische Mission für arabischsprachige Christen aus dem Libanon.

Wegen der Freiwilligkeit der Religionsangabe und der sprachlichen Verständigungsprobleme gibt es über die Flüchtlingsstatistik in Deutschland kaum eine Möglichkeit, Zahl und Unterbringung der melkitischen Gläubigen zu erfassen. Nimmt man den Bevölkerungsanteil in Syrien vor dem Bürgerkrieg zum Maßstab, müsste es allein unter den geflüchteten Syrern einige Tausend melkitische Gläubige in Deutschland geben. Kontakt zu ihnen erfolgt im Wesentlichen über die sozialen Netzwerke, über die melkitische Geflüchtete untereinander Kontakt halten.

Auf seinen Besuchen und Reisen erfährt Pater Georges von vielen Problemen, die die Flüchtlinge hier in Deutschland erleben, aber auch von positiven Erfahrungen: „Probleme mit den Behörden, lange Wartezeiten, bis sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, erzwungene Untätigkeit, Konflikte mit anderen Geflüchteten, die Sorge um die in Syrien Zurückgebliebenen, die Gastfreundschaft, neue Kontakte und Begegnungen, die Sehnsucht nach einer Friedenslösung und die damit verbundene Rückkehr in die Heimat – viele Erfahrungen und Situationen, in denen Seelsorge im vertrauten Ritus und in der Heimatsprache eine große und wichtige Stütze sein kann.“

Hintergrund
Die Melkitische Kirche entstand im 18. Jahrhundert; sie umfasst Katholiken des byzantinischen Ritus im gesamten Nahen Osten und ist mit der römisch-katholischen Kirche verbunden. Oberhaupt der Melkitischen Kirche ist Patriarch Gregorius III. Laham. Sitz des Patriarchats ist Damaskus. Der Melkitischen Kirche gehören weltweit rund 1,6 Millionen Gläubige an. Die Liturgiesprache ist Arabisch.
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